Ach Gott vom Himmel sieh darein

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Ach Gott vom Himmel, sieh darein,
und laß dich das erbarmen ;
wie wenig sind der Heilgen dein,
verlassen sind wir Armen.
Dein Wort läßt man nicht haben wahr,
der Glaub ist auch verloschen gar
bey vielen Menschenkindern.

       Martin Luther, 1483-1546, hier nach dem Colmarischen Gesangbuch, Nr. 291,1. Cf. GCAK 193.

Melodie : Martin Luther 1524 (EG). Wenngleich das CG "In bekannter Melodie" über dieses Lied setzt, steht dieselbe doch nicht in den elsässischen Choralbüchern vor Ihme, und es könnte interessant sein, zu erfahren, unter welcher Form sie gesungen wurde. Im Wolf-Choralbuch fehlt sie (wie auch natürlich im Spitta-Gesangbuch). Im GKAKEL (1952) taucht sie wieder auf. Bei Zahn (Nr. 4431) erfahren wir, dass diese Melodie zuerst im gleichen Jahr (1524) in einem Geistlichen Gesang-Büchleyn in Wittenberg und im Erfurter Enchiridion erschienen ist. "Ohne wesentliche Varianten" hat er sie mancherorts in deutschsprachigen Ländern und auch in Skandinavien wiedergefunden. Graupner (Choralbuch 1728, Darmstadt) wird hier in Ermangelung elsässischer Quellen zitiert.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
        2 p. 1 2 p. 7  
        e moll (h) d moll (a)  

S. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut (Strophenmuster). Die (andere) Melodie Zahn 4432, die zuerst bei Walter 1524 erschienen ist, wird im EG (Nr. 274) wieder als Melodie des Textes Der Herr ist mein getreuer Hirt aufgegriffen. Sie war in den früheren elsässischen Choralbüchern nicht zu finden. Der entsprechende Text steht zwar im Hanauischen Gesangbuch (1707 Nr. 327) und im Colmarischen Lobopfer (1722 Nr. 277), aber ohne Melodie und ohne Melodieangabe. Nach Zahn ist die Melodie jedoch in Straßburg wenigstens von 1559 an bekannt gewesen.

Hören : Graupner 1728 - Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien