Ach wie flüchtig, ach wie nichtig

3an-3an-5n-7bn-7bn-7bn

Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig
ist der Menschen Leben :
wie ein Nebel bald entstehet,
und auch wieder bald vergehet ;
so ist unser Leben, sehet !

Freund der Herzen,
Sieh die Schmerzen,
Die am Grabe bluten !
Schau, Erbarmer, wie die Deinen
Unter modernden Gebeinen
Ueber ihre Todten weinen.
Text und Melodie dieses Liedes sind von Michael Franck, 1609-1667 (spätestens 1652). Hier zitiert nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781, Nr. 329,1. In anderen Gesangbüchern (z. B. EG) steht der Anfang wie im Originaltext (Fischer und Tümpel IV Nr. 254) unter der Form Ach wie flüchtig, ach wie nichtig. In der Colmarer Melodiensammlung, die als erste unter unseren Quellen diese Melodie beinhaltet, wird auf diesen anderen Text hingewiesen. Er ist von Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), Gedichte (im Selbstverlag, Frankfurt am Main 1787), hier zitiert nach A. Knapp, Liederschatz, Stuttgart und Tübingen 1837. Es ist in manchen Gesangbüchern ein umgedichteter Text zu finden. Knapp behält den Originaltext.

Die zwei ersten Zeilen sind abwechselnd Ach wie flüchtig, ach wie nichtig und Ach wie nichtig, ach wie flüchtig. Ihme reiht dieses Lied in die "5zeiligen", und betrachtet diese Art von Kehrreim als eine einzige Zeile. Im CG steht eine Schlussstrophe, deren Anfang "Ach, mein Heiland, ach, mein Beystand" lautet, was dessen Aufteilung in zwei Zeilen bekräftigt. Die Gesangbücher fangen teils mit Ach wie nichtig, teils mit Ach wie flüchtig an. Im Originaltext fängt die erste und die letzte Strophe mit Ach wie flüchtig, ach wie nichtig an. Das Colmarische Gesangbuch lässt alle Strophen mit Ach wie nichtig, ach wie flüchtig anfangen.

Melodie : Michael Franck. Zahn Nr. 1887a bietet die Originalform der Melodie mit dem Satz des Komponisten und Dichters, aus dem Jahre 1652. Die beiden ersten Zeilen wurden dabei wiederholt. Die spätere Form der Melodie (Zahn Nr. 1887b) erschien 1661 gleichzeitig im Braunschweiger Gesangbuch und in Crügers Praxis Pietatis.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
    76   5 p. 3 6 p. 9  
    g moll   g moll e moll  

Crügers Praxis Pietatis Melica führt schon die meisten Veränderungen ein, die sich später eingebürgert haben. Die Colmarer Sammlung und Ihmes Choralbuch kennen zwei Formen dieser Melodie, die vor allem in den zwei ersten Zeilen sehr verschieden sind. Von der Originalmelodie weicht die Colmarer Form am meisten ab. - Sonderbarerweise ist Schubarts Gedicht vom gleichen Strophentyp wie Ach wie flüchtig - wo man eine Strophe vom Typ <3an-3an-7bn-7cn-7cn-7bn> oder ähnlich hätte erwarten können.

Hören : Originalmelodie mit Satz von M. Franck (in a moll) - Praxis Pietatis 1690 - Sammlung - Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien