Alles ist an Gottes Segen

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Alles ist an Gottes Segen
und an seiner Huld gelegen,
über alles Geld und Gut :
wer auf Gott sein Hofnung setzet,
der behält ganz unverletzet
einen freyen Heldenmuth.
Immer frölich, immer frölich
Ich bin auf der erd schon selig,
Habe meinen himmel hier ;
Andre fressen ihre hertzen,
Durch die schwere sorgen-schmertzen :
Mir kommt gar nichts traurigs für.
       "Nürnberg 1676" (EG) Hier zitiert nach dem Colmarischen Gesangbuch Nr. 246,1. Wird von Fischer & Tümpel nicht erwähnt.        Magnus Daniel Omeis, 1646-1708 (1673). Zitat nach dem Colmarischen Lobopfer 1722, Nr. 444,1. Vgl. Fischer& Tümpel V,167 (S. 146)

Melodie : "1691. Bei Johann Balthasar König 1738." (GKAKEL). "Johann Löhner, 1645-1705 (1691)" (EG). Das Colmarische Gesangbuch sagt, Alles ist an Gottes Segen sei auf die Melodie von Immer fröhlich, immer fröhlich zu singen. Ich habe hier angenommen, es handle sich dabei um eine Form der Melodie, die heute unter dem Namen Alles ist an Gottes Segen bekannt ist. Sonderbarerweise steht diese nur im Mülhauser Gesangbuch von 1818, in der Colmarer Sammlung und bei Wolf. Nach dem GCAK ist das Lied Alles ist an Gottes Segen auf Th. Sterns Melodie zu Jesus Christus herrscht als König zu singen. 
Die modernen Quellen  sagen alle, die Melodie gehe auf Johann Löhner zurück (aber stets mit der einfachen Formel "J. Löhner, 1691", ohne nähere Auskunft). Ich nehme an, es handelt sich dabei um die Melodie Zahn  3836, die 1691 in einem Band mit dem Titel Die geistlichen Erquick-Stunden des [...] Herrn Doctor Heinrich Müller [...] in Nürnberg erschien, worin etwa die Hälfte der Melodien, mit beziffertem Bass, von Johann Löhner sind. Unter den Liedern des Bandes, die dem Strophenmuster von Alles ist an Gottes Segen entsprechen, hat nur Wunderanfang, herrlichs Ende eine Melodie von Löhner, die in ihrer ersten Hälfte der heutigen Melodie von Alles ist an Gottes Segen ähnlich ist. Es hat jedoch von Heinrich Müllers Erquickstunden schon eine Ausgabe im Jahr 1673 gegeben, worin einfach gesagt wird, die Melodien seien von Johann Löhner, und das Lied Immer frölich, immer frölich nimmt dort die Seiten 12-17 ein, mit einer Melodie, die später von J.B. König (Harmonischer Liederschatz, 1738) rhythmisch vereinfacht und verflacht wurde. (Mel. von Löhner ; Version von König)

Bei Zahn (Nr. 3826 und 3827) stehen zu Immer fröhlich, immer fröhlich zwei andere Melodien, die meines Wissens im Elsass nicht bekannt wurden. Jedoch findet man dort (Nr. 3842) unter dem Namen Alles ist an Gottes Segen eine ganze Reihe von Umbildungen einer gleichen Melodie, die zuerst 1738 bei J.B. König erschien. Unter diesen Umbildungen sind vor allem hervorzuheben die Nummern 3842f und 3842h :
- unter 3842f steht eine Form der Melodie, die 1790 von Johann Christoph Kühnau veröffentlicht wurde, und die in der Colmarer Sammlung genau wiederkehrt
- unter 3842h steht Johann Adam Hillers Form der gleichen Melodie, wie er sie in seinem Choralbuch 1793 (und in allen nachfolgenden Ausgaben) darbot, und die, von einigen Übergangsnoten abgesehen, mit der von J. Wolf identisch ist. Im Mülhauser Gesangbuch steht eine Melodie, die derjenigen von Hiller ähnlich ist, aber mit anderen Übergangsnoten.
Da diese Melodie nach Zahn erst um 1790 die heute bekannte Form erhielt, muss angenommen werden, dass die hierzulande im 18. Jh. übliche Melodie von Immer fröhlich, immer fröhlich dennoch davon ziemlich verschieden war. Übrigens steht bei Zahn unter Nr. 4213 mit dem Text Soll mein Herz die Wahrheit sagen eine Melodie von J. Löhner (in dessen Zions-Harpffe 1794 erschienen, s. Zahn Quellen 808), die dort so beurteilt wird, dass sie an die heute bekannte Melodie von Alles ist an Gottes Segen "Anklänge" hat (sie ist aber im 3/4-Takt). Diese ist im EG gemeint. Die heute bekannte Melodie scheint sich also erst im Laufe des 19. Jh. verbreitet zu haben. Als Parallelmelodien können nur die von Jesus Christus herrscht als König genannt werden. Im Straßburger Gesangbuch von 1808 ist dieses Strophenmuster nicht vertreten. In älteren Gesangbüchern (Hanau 1707, Colmar 1737 Anhang) stand auch Mein Geschrei und meine Tränen, das auf diesem Strophenmuster aufgebaut war und eine eigene Melodie hatte.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
    79   p. 44     8 p. 9
    G   G     G
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 277 (G dur).

Im Mülhauser Gesangbuch 1865 steht diese Melodie als zweite zum Strophenmuster von Jesus Christus herrscht als König, mit dem Untertitel Alles ist an Gottes Segen. Zwischen den Zeilen steht aber die erste Strophe von Lavaters Lied Vater, den mein Herz verehret. Das Lied Alles ist an Gottes Segen steht nicht in diesem Gesangbuch.

Hören : Mülhausen 1818 (Satz MH) - Sammlung - Wolf

Wunderanfang, herrlichs Ende (Zahn 3836), Melodie von J. Löhner.

Elsässische Choralmelodien