Die Tugend wird durchs Kreuz geübet

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Die Tugend wird durchs Kreuz geübet,
denn ohne das kann sie nicht sein.
Wenn sie nicht oftmals wird betrübet,
so merkt man gar nicht ihren Schein.
Sie muß im Kreuz die Stärke zeigen,
die sie verborgen in sich hat,
daß sie den könne unterbeugen,
der ihr nachstellet früh und spat.
Wie groß ist des Allmächtgen Güte !
Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt ;
der mit verhärtetem Gemüthe
den Dank erstickt, der ihm gebührt ?
Nein, seine Liebe zu ermessen,
sey ewig meine größte Pflicht.
Der Herr hat mein noch nie vergessen ;
vergiß, mein Herz, auch seiner nicht.
     Lied von Christian Friedrich Richter, 1676-1711. Es ist allerdings in keines der mir bekannten elsässischen Gesangbücher aufgenommen worden. Die 1. Strophe wird hier nach Zahn Nr. 6009 zitiert. Bei Freylinghausen ist der Text der gleiche, von unbedeutenden Unterschieden in der Orthographie abgesehen.        Dieser Text von Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769, steht in allen hier zitierten elsässischen Gesangbüchern, mit Ausnahme des GKAKEL. Hier zitiert nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781 n° 198,1.

Melodie : Die Melodie ist (laut Zahn) wahrscheinlich auch von Chr. Fr. Richter. Sie erschien zuerst bei Freylinghausen 1704. Zum Text Wie groß ist des Allmächtgen Güte hat sie Zahn zuerst bei Kühnau 1786 gefunden. Es ist möglich, dass sie im Colmarischen Gesangbuch 1781 mit dem Vermerk In eigener Melodie (zum gleichen Text) schon gemeint war.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 22 13 11 p. 75 p. 98 205 p. 120 222 p. 139 23 p. 24
G G G G G G G G
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 24 (in G, Melodie genau wie im Hepp-Choralbuch)

Bis Stern steht die Melodie nur unter dem Titel Wie groß ist des Allmächtgen Güte (inkl. Mülhausen 1818). Ihme fügt dazu die Bemerkung "Urspr. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet". J. Wolf benennt sie nach letzterem Text, setzt aber Wie groß ist des Allmächtgen Güte in Klammern dazu. Zwischen die Zeilen setzt er jedoch den Text des Lieds Lass mir die Feier deiner Leiden, erhabner Mittler, heilig sein von Christoph Georg Ludwig Meister, 1738-1811. S. auch die Melodie von Knecht und die französische Psalmmelodie, die zu den gleichen Texten verwendt wurden. - Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) veröffentlichte 1787 eine Sammlung "Neue Melodien zu einigen Liedern", die etwa zur Hälfte auf Texte von Chr.F. Gellert komponiert worden waren. Eine dieser Melodien, zum Text Wie groß ist des Allmächtgen Güte, ist lange im französischen Gottesdienst zu einem Tauf- oder Konfirmationstext (Nos coeurs, pleins de reconnaissance) gesungen worden. Da sie aus zwei jeweils wiederholten Segmenten besteht, erscheint sie neuerdings halbiert (ohne Wiederholungen) in frz. Gesangbüchern, mit dementsprechend gestutzten Texten. Das Gesangbuch Alléluia (2005) enthält sogar zugleich die vollständige (Nr. 36 13) und die halbierte (Nr. 23 10) Form der Melodie, natürlich zu verschiedenen Texten.

Hören : Freylinghausen 1704 - Hepp - Mülhausen 1865 - Ihme 1875
- Außerdem die Melodie von C.Ph.E. Bach, in der Fassung des frz. Gesangbuchs Louange et Prière Nr. 202 (s. Zahn Nr. 6025). Diese Melodie steht in keinem der hier verwendeten Choralbücher. Drum wurde ihr auch keine besondere Seite gewidmet.

Elsässische Choralmelodien