Eins ist not ; ach Herr, dies Eine [verändertes Versmaß]

7an-7b-7an-7b-7cn-7cn-7d-7d

Eins ist noth ; ach Herr, dies eine
lehre mich erkennen doch !
Alles andre, wies auch scheine,
ist ja nur ein schweres Joch,
wo man mit so vielen Plagen
kein Vergnügen kann erjagen ;
hab ich aber dieses ein ;
werd ich recht vergnüget seyn.
Eins ist noth !ach Herr, dieß Eine
lehre meine Seele doch !
Alles Andre, wie's auch scheine,
ist nur ein beschwerlich Joch,
unter dem das Herz sich quälet
und der Ruhe doch verfehlet ;
nur dieß Einzige hilft mir
zur Vereinigung mit dir.
Eins ist noth ! Ach Herr, dies Eine
Lehre mich erkennen doch !
Alles Andre, wie's auch scheine
ist ja nur ein schweres Joch,
Unter dem das herz sich plaget
und doch keine Ruh erjaget ;
Aber Alles wird ersetzt,
wenn das Eine mich ergötzt.
       Nach Johann Heinrich Schröder (1667-1699). Hier der (umgedichtete) Text nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781 Nr. 176,1.        Die entsprechende erste Strophe, wie man sie im Conferenz-Gesangbuch (Straßburg 1850, Nr. 534,1) findet.         Die entsprechende Strophe, so wie sie im Mülhauser Choralbuch 1865 S. 11 zu finden ist.

Melodie : Die Melodie wurde von Johann Thommen zuerst veröffentlicht (Erbaulicher Musicalischer Christen-Schatz, Basel 1745) s. Zahn Nr. 6829 und (6. Band) Quelle 937. Ursprünglich war sie mit dem Text O du Sonne meiner Seelen verbunden, der hierzulande nicht bekannt ist. Sie erscheint hier in einer etwas verarmten Form. In den anderen elsässischen Choralbüchern habe ich sie nicht gefunden. Auch Zahn fand sie nur Elberfeld 1753 und in Basel 1778.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
        S. 11      
        G      
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 322 (in G).

Die Original-Melodie (und der Originaltext der ersten Strophe) ist im Versmaß 7an-7b-7an-7b-11cn-11cn-11d-11d ; die zweite Hälfte der Strophe ist im amphibrachischen Meter und wird im Dreivierteltakt gesungen. Dies könnte der Grund dafür sein, dass in der rationalistischen Tradition die Originalform des Lieds nicht "würdig" genug gefunden wurde. S. Eins ist not (Originalform). Die Originalform wurde im GKAK 1863, im Spitta-Gesangbuch und im EG 1995 wieder übernommen. - Der vereinfachte Text, den das GCAK neben dem Original auch enthält, wird dort als der im Elsass "seit 1732" übliche betrachtet. Er kehrt im Colmarischen Gesangbuch 1781 (Nr. 176), im Straßburger Gesangbuch 1808 (Nr. 232) und im Conferenz-Gesangbuch 1850 (Nr. 534) wieder. Schließlich finden wir es noch im GKAKEL (Nr. 399) als Zeuge elsässischer Tradition, mit dem Datum "Strassburg 1732" für den umgedichteten Text. Zahn 6795 bezeugt sein Vorhandensein in Basel 1854 mit der Melodie von Jesu, meines Lebens Leben.  Die Melodieangaben in den betreffenden Gesangbüchern sind nicht immer eindeutig. Hoffentlich wird mit der Angabe Jesu, der du meine Seele, die im Colmarischen Gesangbuch 1781 gegeben wird, wirklich die Melodie gemeint, die hier unter diesem Namen zu finden ist. Im GCAK steht als Melodie Alle Menschen müssen sterben, und wenn damit die Melodie gemeint ist, die Ihme später in sein Choralbuch unter diesen Namen setzt, handelt es sich um unsere Melodie Alle Menschen müssen sterben 1. Im Conferenzgesangbuch 1850 steht als Melodie Alle Menschen müssen sterben B, was (bei Stern 1851) die Melodie bezeichnet, die hier unter dem Namen Alle Menschen müssen sterben 2 steht. Im Straßburger Gesangbuch 1808 steht nur Alle Menschen müssen sterben, und das Hepp-Choralbuch enthält vier Melodien, die nach diesem Text benannt werden, darunter als erste die eben erwähnte. Allerdings steht als vierte auch die Melodie von Jesu, der du meine Seele ; wahrscheinlich spielte für die Herausgeber des Gesangbuchs die Wahl der Melodie keine Rolle. - Die anderen Parallelmelodien zu diesem vereinfachten Versmaß sind unter Alle Menschen müssen sterben, Übersicht zu finden. Die Mülhauser Tradition stellt als einzige eine Melodie, die nach dem vereinfachten Versmaß von Eins ist not benannt wird. Das Choralbuch von 1865 (oder später), das sonst manchmal zu älteren Versionen der Melodien zurückfindet, vereinfacht hier Thommens Melodie noch systematischer als das Gesangbuch von 1818.

Hören : Mülhausen 1865