Es ist noch eine Ruh vorhanden

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Es ist noch eine Ruh vorhanden ,
auf müdes Herz und werde licht.
Du seufzest hier in deinen Banden,
und deine Sonne scheinet nicht.
Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden
dort wird vor seinem Stuhle weiden.
Wirf hin die Last und eil herzu.
Bald ist der schwere Kampf geendet,
bald, bald der saure Lauf vollendet,
so gehst du ein zu deiner Ruh.

       Johann Sigismund Kunth, 1700-1779 (hier nach dem GCAK 1873 Nr. 543,1). Es gibt ein anderes Lied im Colmarischen Gesangbuch 1781 und im Straßburger Conferenz-Gesangbuch 1850, das mit der gleichen 1. Zeile anfängt, aber seine Struktur und sein Inhalt sind ganz verschieden.

Melodie : Für Th. Stern, der diese Melodie erst in die zweite Ausgabe des Choralbuchs einfügt, ist es eine zweite Melodie für Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. Er gibt dazu den Untertitel Es ist noch eine Ruh vorhanden. Dieser Untertitel ist aber sehr problematisch, denn Sterns Choralbuch sollte die Lieder des Straßburger = 1850 begleiten. In jenem Gesangbuch steht auch wirklich ein Lied, das mit Es ist noch eine Ruh' vorhanden anfängt ; es ist aber ein Lied von Johann Samuel Diterich, das aus sechszeiligen Strophen besteht und sich auf die Melodie(n) von Wer nur den lieben Gott lässt walten singen lässt. Das zehnzeilige Lied, das zu dieser Melodie passt, ist ins GCAK eingegangen (Ausgabe von 1873 Nr. 543). Ihme datiert sie "um 1830". Nach Zahn (Nr. 7821) jedoch ist sie zuerst in der Zionsharfe von Conrad Kocher 1855 in Stuttgart erschienen ; bei Stern tritt sie dann rhythmisch vereinfacht auf. In dieser Form finden wir sie auch bei Wolf als 2. Melodie zu Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen. Schon in der neuen Ausgabe von 1904 dieses Choralbuchs verschwindet sie. Ihme hat seinerseits die ursprüngliche, sehr rhythmische Form verwendet.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
      p. 78 58 p. 33 60 p. 43 142 p. 150
      Es Es Es Es

J. Wolf schreibt sonderbarerweise hier als Quellennachweis über die Noten "Sterns Choral-B. 1809". Nun ist ja nicht Sterns Choralbuch, sondern das Hepp-Herrenschneidersche, von 1809. Diese Melodie steht aber bei Stern, ohne Quellenangabe, S. 78. Nur die erste Melodie für Wie wohl ist mir (S. 77, die Melodie, die keinen Alternativtitel trägt), sagt, diese erste Melodie sei "Aus dem Straßburger Choralbuch, 1809"). Über die Melodie von Es ist noch eine Ruh vorhanden wird also gar nichts ausgesagt, als das ungefähre Datum ihres Entstehens. - In diesem Fall ist die 3/4-Takt-Form in Ihmes Choralbuchs viel verzierter als die von Stern.

Hören : Stern - Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien