Es sind doch selig alle, die

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Es sind doch selig alle, die
im rechten Glauben wandeln hie
Im Gsetze Gotts des Herren.
Sie sind doch selig allesamt
die sein Zeugnis vor Augen hant
von Herzen ihn begehren
Denn welches Übelthäter sind,
die wandeln nicht als Gottes Kind,
auf seine Weg nicht halten.
Ach Herre Gott im Himmelreich,
du hast geboten fleißiglich,
ja deine Bot zu halten.

            Matthias Greiter, 1495-1550

Psaume 36 :
Du malin le meschant vouloir
parle en mon coeur & me fait voir
qu'il n'a de Dieu la crainte.
Car tant se plait en son erreur
que l'avoir en haine & horreur,
c'est bien force & contrainte.
Son parler est nuisant et fin;
doctrine va fuyant, afin
de jamais bien ne faire.
Songe en son lit meschanceté.
Au chemin tors est arresté,
a nul mal n'est contraire.

            Clément Marot, 1496-1544.

Melodie : Wahrscheinlich schon im Straßburger Kirchenamt 1524 vorhanden (Zahn Nr. 8303 nimmt es an, J. Wolf 1899 behauptet es). Jedenfalls in Straßburg 1526 (Psalmen, gebett und Kirchenübung) vertreten. Es ist danach die Melodie des französischen Psalms 36 (und Ps. 68 : Que Dieu se montre seulement) geworden. Bei Freylinghausen (und wahrscheinlich auch sonst in jener Zeit) wird diese Melodie nach dem Choral O Mensch, bewein dein Sünde groß (s. unten) benannt.

Hepp 1809 Mülhauser Gesangbuch 1818 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
  373     226 p. 135 247 p. 157 38
  D     D
D
Es
Zwischen der Melodie, die im Elsass meistens gesungen wurde und derjenigen, die zu den französischen Psalmen gesungen wird, bestehen einige Unterschiede. Drum wurde hier die Melodie im Satz des Claude Goudimel hinzugefügt. Im Mülhauser Gesangbuch 1818 ist der Rhythmus vereinheitlicht, d.h. fast alle Noten haben die gleiche Länge. In Mülhausen wurde diese Melodie damals auf Grund der reformierten frz. Psalmtradition beibehalten. Der Text, bei dem sie dort steht, ist Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit.
Hören :  Ihme 1875 - Claude Goudimel (Ps. 36) (in F) - Mülhausen 1818.

Elsässische Choralmelodien

Das Lied O Mensch, bewein dein Sünde groß hat lange dieser Melodie den Namen gegeben. Der Text ist von Sebald Heyden (1599-1661 ; s. Wackernagel Band III Nr. 603). Das Lied erzählt die Leidensgeschichte Jesu. Im EG 1995 (Nr. 76) stehen die erste und die letzte der 23 Strophen. Hier die Version der ersten Strophe, wie wir sie im Colmarischen Lobopfer 1722 vorfinden (Nr. 60)

O Mensch, bewäin dein Sünde groß /
Darum Christus seins Vatters schoß
Aeussert und kam auf erden ;
Von einer jungfrau rein und zart
Für uns er hie geboren ward /
Er wolt der mittler werden.
Den todten er das leben gab /
Und legt darbey all kranckheit ab /
Biß sich die zeit herdrange /
Daß er für uns geopffert würd /
Trug unsrer sünden schwere bürd /
Wol an dem creutze lange.