Herr Jesu Christ, du höchstes Gut

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Herr Jesu Christ, du höchstes Gut,
du Brunnquell aller Gnaden ;
sieh doch, wie ich in meinem Muth
mit Sünden bin beladen,
und in mir hab der Pfeil so viel,
die im Gewissen ohne Ziel
mich armen Sünder drücken.

Wann einst mein sterbend Auge bricht,
mein letzter Hauch verschwindet,
mein Leib erstarrt, und selbst es nicht,
daß er entschläft, empfindet ;
wann meine Freunde um mich stehn,
und traurig mich entschlummern sehn,
und meinen Tod beweinen :
[2. Dann, Vater, nimm ihn auf, den Geist (etc.)]
       Bartholomäus Ringwaldt, 1530-1599, hier nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781, Nr .148,1.        Unbekannter Dichter, hier zitiert nach dem Straßburger Gesangbuch 1808, Nr. 124,1. Das Choralbuch schreibt Wenn einst..., das Gesangbuch Wann. - Das Lied steht auch im Gesangbuch zur Beförderung der öffentlichen und häuslichen Erbauung, für Neu-Vorpommern und das Fürstenthum Rügen, 1821, Nr. 198, wo es auf die Melodie von Es ist gewisslich an der Zeit gesungen werden soll.

Melodie : S. das Strophenmuster Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut. Diese Melodie ist die gleiche, die wir in den ältesten Choralbüchern (bis Stern) unter dem Namen Wenn einst mein sterbend Auge bricht finden. Sie wird von Ihme vom Ende des 16. Jh. datiert. S. Zahn Nr. 4486, wo sie als "etwas anders" als die mir wirklich verschieden vorkommende Melodie Nr. 4485 beurteilt wird. Sie sei zuerst (in der bei Ihme stehenden Form) im Dresdner Gesangbuch von 1593 (in Zahns Quellenregister Nr. 310) erschienen. Sie sei, sagt Zahn, ziemlich allgemein verbreitet, meistens unter dem Namen Herr Jesu Christ, du höchstes Gut. Das Hepp-Choralbuch stellt diese Melodie auch als die von Wenn mein Stündlein vorhanden ist vor. Bei Zahn steht sie übrigens auch unter einer größeren Anzahl von Melodien zu letzterem Text. Die Mel. Zahn 4545, eine in den elsässischen Choralbüchern des 19. Jh. nicht vorhandene Crüger-Melodie zu Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, steht im EG (Nr. 326) zum Text Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, mit der Bemerkung, Crüger habe sie nach der Melodie des frz. Psalmlieds Ps. 118 (Wie groß ist des Allmächtgen Güte) komponiert.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 2 2 2 p. 43 80 p. 46 85 p. 59  
a moll a moll a moll a moll g moll g moll  

Wie oft in alten Liedern ist der Choral bei Ihme mit nur einem b am Anfang der Zeile geschrieben. Er ist aber dennoch entschieden in g moll. -
Crüger schuf eine andere Melodie zum Text Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, die aber in den älteren elsässischen Gesang- und Choralbüchern nicht zu finden ist.

Hören : Hepp - Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien