Herr Christ, der einig Gotts Sohn

6an-6b-6an-6b-6cn-6cn-6 oder in manchen Liedern 6an-6b-6an-6b-8c-6n-6c
Das erste Strophenmuster ist das des Lieds Herr Christ, der einig Gotts Sohn, sowie des Lieds Herr Jesu, Gnadensonne. Das zweite Muster erscheint in den Liedern Wenn meine Sünd mich kränken und Lob sei dir, Jesu Christe.

Herr Christ, der eynig Gotts son
vaters yn ewigkeyt,
Aus seym hertzen entsprossen,
gleich wie geschryben steht :
Er ist der morgen sterne,
seyn glentze streckt er ferne
fur andern sternen klar...
O Christus, Eingeborner,
von Ewigkeit gezeugt !
Des Vaters Auserkorner,
zu dem sein Herz sich neigt !
Eins mit dem höchsten Wesen,
bleibst du, der du gewesen,
der Glanz der Herrlichkeit.
Wenn meine Sünd mich kränken,
o mein Herr Jesu Christ,
so lass mich wohl bedenken,
wie du gestorben bist
und alle meine Schuldenlast
am Stamm des heilgen Kreuzes
auf dich genommen hast.
       Elisabeth Creutziger (Cruciger), 1500-1535. S. Wackernagel III,67 S. 46. Das Lied trug den Titel Eyn Lobsanck von Christo.        Umgedichtete Version, so wie sie im Colmarischen Gesangbuch 1781, Nr. 107,1 erscheint. Das Mülhauser Gesangbuch 1818 hat fast den gleichen Text. Als Beispiel des 2. Strophenmusters diese Strophe von Justus Gesenius (1601-1673). Text nach dem GKAKEL Nr.82,1.

Melodie : Mit dem Text 1524 in einem Enchiridion zu Erfurt erschienen (s. Zahn Nr. 4297a).

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 80 62 69   p. 88 74 p. 43 81 p. 57 48 p. 49
B B B   A F F F
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 69 (in G)

Diese Melodie erscheint unter sehr unterschiedlichen Formen. Natürlich wurde sie rhythmisch vereinfacht. Sie wurde aber auch sonst verändert und verziert. Nur vereinfacht und gar nicht verziert erscheint sie im Mülhauser Gesangbuch 1818. Im Straßburger Gesangbuch 1808 steht sie nicht auf der Liste der Melodien, und passt zu keinem der darin enthaltenen Lieder : außer Gerold/Pfeffels Jehova und den 46 Liedern des Strophenmusters von Allein Gott in der Höh sei Ehr ist darin kein 7-zeiliges Lied zu finden. Diese Melodie wurde aber in einer sehr verzierten Form ins Hepp-Herrenschneider-Choralbuch dennoch aufgenommen. Ausnahmsweise ist sie im Straßburger Choralbuch 1850 etwas verschieden (weniger verziert). Das Mülhauser Choralbuch gibt ihr den Namen Wach auf, es tagt so schöne. Sonst (auch bei J.S. Bach) steht das Lied oft mit dem Text Herr Jesu, Gnadensonne. Es ist dies ein Reformationslied (Text nach Hans Sachs, s. Wackernagel III,82 S. 57). Herr Christ, der einig Gotts Sohn steht nicht im Mülhauser Gesangbuch 1865. - Als Parallelmelodien wurden in den verwendeten Melodiensammlungen nur noch drei Melodien zu Wenn meine Sünd mich kränken gefunden, nämlich die der Colmarer Sammlung (nach Crüger), die des Mülhauser Gesangbuchs 1818, und dann die des Mülhauser Choralbuchs 1865, die von J.Chr. Kittel sein soll.
Im EG Nr. 67 ist die Melodie wieder genau wie bei Zahn unter Nr. 4297a. Diese Form wird hier mit dem Satz von F.A. Ihme geboten. Im Choralbuch Wolf (1899) stehen hier nicht zwei Formen der Melodie zur Wahl ("ursprüngliche" vs. "spätere" Form), aber  sonderbarerweise wird die 2. Zeile der Melodie, die am Ende der Strophe wiederkehrt, dort anders behandelt (mit kurzen statt langen Noten vor der Endnote).

Hören : Zahn = EG (in F) - Cantique français (Strasbourg) 1769 (in C) - Mülhauser Gesangbuch 1818 - Hepp - Straßburg 1850 - Mülhausen 1865 - Ihme 1875 - Wolf