Herr Gott, der du erforschest mich / Du stirbst, mein Jesu

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Du stirbst, mein Jesu ! ohne Schuld,
zum Heil der Menschenkinder,
und trägst alleine mit Geduld
die Sünden aller Sünder.
Du willst die gröste Schmach und Noth,
ja gar am Kreuze Fluch und Tod,
aus Liebe für uns leiden.
Wie dank' ich dir genug dafür,
und wie, o Herr ! vergelt' ich dir
dein schmerzliches Verscheiden ?
HErr GOtt, der du erforschest mich,
erkenn'st mein gantzes leben,
mein auffstehen und sitzen, ich
bekenn, von dir wird geben.
All' mein gedancken, so ich han,
vor dir, o GOTT ! eröffnet stahn,
erkenn'st mein thun und lassen.
Dann du bist stets umb meinen pfad,
der rings-weiß um mein lager gaht,
späh'st auß all meine strassen.
        Unbekannter Dichter (ich habe das Lied in keinem anderen Gesangbuch gefunden). Zitat nach dem Mülhauser Gesangbuch. Es ist dies eine Umdichtung von Paul Gerhardts bekanntem Lied Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld.        Heinrich Vogtherr der Ältere (1490-1556), zuerst 1527 in Straßburg erschienen. S. Zahn Nr. 7665. Der Text ist eine Paraphrase von Psalm 139, hier zitiert nach dem Colmarischen Lobopfer 1722 Nr. 321. Von der Ausgabe von 1737 an, und dann auch im Colmarischen Gesangbuch (Nr. 129), das von 1781 an erschien, steht eine andere Fassung dieser Paraphrase, die von Gesenius und Denicke stammt. In den späteren Gesangbüchern im Elsass steht das Lied überhaupt nicht mehr.

Melodie : S. Zahn Nr. 7665. Die Melodie erschien zuerst in Straßburg bei Köpphl 1530 (Psalmen gebett und kirchenübung, wie sie zu Straßburg gehalten werden).

Hepp 1809 Mülhauser Gesangbuch 1818 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
  94            
  e / a moll          

Parallelmelodie zu An Wasserflüssen Babylon. Letzteres Lied ist eine Paraphrase zu Psalm 137.

Hören : Straßburger Psalmmelodie, nach Zahn Nr. 7665. - Mel. des Mülhauser Gesangbuchs