Herr, ich habe missgehandelt

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Herr, ich habe missgehandelt,
ja mich drückt der Sünden Last ;
ich bin nicht den Weg gewandelt,
den du mir gezeiget hast;
und jetzt wollt ich gern aus Schrecken
mich vor deinem Zorn verstecken.
Ach, mein Jesu ! welch Verderben
wohnet nicht in meiner Brust !
denn mit andern Adamserben
steck ich voller Sündenlust.
Ach, ich muß dir nur bekennen,
ich bin Fleisch von Fleisch zu nennen.
       Johann Franck, 1618-1677. Der Originaltext (Fischer & Tümpel IV Nr. 83 S. 75) ist von dem, den Zahn (Nr. 3695) wiedergibt, und von dem des GCAK (Nr. 249) nur durch Kleinigkeiten verschieden. Das Conferenz-Gesangbuch 1850 (Nr. 317) hat hingegen einen umgestalteten Text ; das Colmarische Gesangbuch 1781 und das Straßburger Gesangbuch von 1808 kennen das Lied nicht.        Ludwig Andreas Gotter, 1661-1735, hier im Text des GCAK 1863, Nr. 187,1. Im Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 54 finden wir folgenden Text : Herr, du kennest mein Verderben ; / ach, es regt in meiner Brust, / wie bey allen Adamserben, / sich noch immer böse Lust, / die mein Herz, Herr ! von dir neiget / und viel böse Thaten zeuget.

Melodie : Johann Crüger, 1598-1663 (1649) (s. Zahn Nr. 3695). Bei Ihme (1875) finden wir die Melodie genau wie bei Crüger (bei dem sie auch in g moll steht), mit Ausnahme der 2. Note der 5. Zeile - gleich nach der Wiederholung - die bei Crüger ein e, bei Ihme ein es ist. Der Crügersche Satz wurde mit Hilfe der Ausgabe von 1690 der Praxis Pietatis ausgeschrieben. Im Hanauischen Gesangbuch 1707 (Nr. 167) steht in der vorletzten Zeile (4. Note) ein c anstatt eines d. Der Rhythmus ist natürlich im Hepp-Choralbuch vereinheitlicht worden. Zu der ursprünglichen rhythmischen Form findet erst Ihme zurück.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 56 42 48 p. 54 p. 6 77 p. 44 83 p. 58  
g moll g moll g moll g moll f moll g moll fis moll  
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 54 (in g moll)

Bei Stern erscheinen die Melodien Herr, ich habe missgehandelt und Ruhet wohl,ihr Todtenbeine als Parallelmelodien zusammen unter dem Haupttitel Ruhet wohl, ihr Todtenbeine. Diese ist dabei die Melodie "B", mit dem Titel "Ruhet wohl ihr Todtenbeine, oder : Herr, ich habe mißgehandelt". Sonderbarerweise stand in der 1. Ausgabe des Choralbuchs (1851) unter der Melodie A (Ruhet wohl) der Text von Herr, ich habe missgehandelt und unter der Melodie B (dieser hier) der Text Ruhet wohl, ihr Todtenbeine. Bei Hepp und in Str1850 kommen beide Melodien auch nacheinander, aber ohne ausdrückliche Erwähnung ihres Charakters von "Parallelmelodien". In der Colmarer Sammlung sind sie an ganz verschiedenen Stellen (Nummern 42 und 48). Das Mülhauser Choralbuch 1865 bietet eine nicht-rhythmische, aber schlichte Form dieser Melodie, mit dem Text von L.A. Gotter Ach mein Jesu, welch Verderben. Im Mülhauser Gesangbuch 1818 steht ein veränderter Text des gleichen Lieds zu einer Melodie, die derselben des Hepp-Choralbuchs sehr ähnlich ist. - Eine dritte Melodie folgt dem gleichen Strophenmuster : Werde licht, du Stadt der Heiden. Als einzige Melodie dieses Musters bei Wolf finden wir Unser Herrscher, unser König von Joachim Neander in der Form, die mit zwei Zeilen des Typs 7n-7n endet.

Hören : CrügerHepp - Ihme 1875 - Mülhausen 1865 - Noch eine andere Form, die sich am Anfang sonderbar von den üblichen unterscheidet, ist aus der Website <http://ingeb.org/spiritua/herrichh.html> entnommen. Ich habe keine Auskunft darüber erhalten können, woher diese Form genau stammt.

Elsässische Choralmelodien