Ich dank dir schon durch deinen Sohn

8a-6bn-8a-6bn
Hin und wieder treten Strophen auf, in denen die 1. und/oder 3. Zeile in je zwei kurze, viersilbige Zeilen geteilt sind, die aufeinander reimen. So scheint es auch in dem Lied gewesen zu sein, nach dessen Melodie dieses gesungen werden sollte (Wackernagel V, 118 S. 82) : O Herre Gott, mich treibt die Noth. Meistens trifft man aber die obige Struktur an.

Ich danck dir schon durch deinen Sohn,
o Gott, für deine Güte,
das du mich heint inn dieser nacht
so gnediglich hast behütet.
Mein erst Gefühl sei Preis und Dank ;
erheb ihn, meine Seele !
Der Herr hört deinen Lobgesang ;
lobsing ihm, meine Seele !
        Wackernagel schreibt diesen Text einem Franz Burkhart zu, der mir unbekannt ist. (S. Wackernagel V, 118 S. 82). Bei Zahn Nr. 247b wird erwähnt, dass sich Michael Praetorius für den Autoren des Textes gibt, was aber nicht richtig sein könne.
Die 1. und 3. Zeile reimen nicht aufeinander ; hingegen erscheint ein Reim am Ende der 4. und der 8. Silbe in der 1. Zeile. - Die letzte Zeile hat eine Silbe zuviel, kann aber leicht verkürzt werden (gnädig statt gnädiglich, oder bhütet statt behütet). Am Anfang muss schon wie schön verstanden werden.
       Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), hier nach dem Spitta-Gesangbuch Nr. 131,1 zitiert.

Mit dem Anfang des folgenden Textes wird die Melodie auch benannt :
Allmächtiger, deß Majestät / weit über alles gehet, / erhöre den, der im Gebet / um deinen Beystand flehet.
Es steht unter Nr 193 im Straßburger Gesangbuch 1808, aber den Autor habe ich bisher nicht ausfindig gemacht.

Melodie : Zuerst bei Michael Praetorius 1610 (in einer seiner Werke Musae Sioniae) erschienen, der sagt, er habe sie selbst komponiert. Zahn (Nr. 247b) scheint dies zu bezweifeln. - In den Choralbüchern der 1. Hälfte des 19. Jh. trifft man sie unter dem Namen Ich dank dir, Gott an, einer modernisierten Version von Ich dank dir schon. Ihme und Wolf betiteln sie Ich dank dir schon, setzen aber den Gellert-Text Mein erst Gefühl zwischen die Noten, weil der Originaltext nicht in den entsprechenden Gesangbüchern steht. Das Mülhauser Choralbuch benennt die Melodie direkt Mein erst Gefühl, was umso sonderbarer ist, als im 1818 erschienenen Mülhauser Gesangbuch dieser Name einer Melodie von Egli gegeben wurde.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 65 51 56   p. 110 88 p. 51 96 p. 65 59 p. 61
G G G   Es Es Es F

Im Hepp-Herrenschneider-Choralbuch steht die Melodie unter dem Namen Ich dank dir Gott, aber das betreffende Lied steht nicht im entsprechenden Gesangbuch, das die Melodie unter dem Namen Allmächtiger, deß Majestät, oder: Du, Vater aller, treuer Gott anführt, aber dennoch zwischen Klammern ergänzt Ich dank dir, Gott, durch deinen Sohn. Im Straßburger Choralbuch 1850 steht sie dann unter dem Titel Ich dank dir Gott oder Allmaechtiger, des Majestaet. Im Straßburger "Konferenz-Gesangbuch" ist jedoch weder das Lied Ich dank dir, Gott noch das Lied Allmächtiger, des Majestät zu finden. Drum steht die Melodie auch nicht bei Stern. Die Colmarer Sammlung sagt einfach Ich dank dir Gott. - Zwischen rhythmischer und vereinfachter Form hat sich am Ende des 19. Jahrhunderts noch keine klar durchgesetzt. (Wolf : vereinfachte Form ; Mülhausen und Ihme : rhythmisch)

Hören : Hanauisches Gesangbuch - Hepp - Ihme 1875 - Wolf