Jesu, der du meine Seele

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Jesu, der du meine Seele
hast durch deinen bittern Tod
aus des Teufels finstern Höle
und der schweren Sündennoth
kräftiglich heraus gerissen,
und mich solches lassen wissen
durch dein angenehmes Wort ;
sey doch jetzt, o Gott, mein Hort !

       Johann Rist (1607-1667), hier nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781, 153,1.

Melodie : Nach Zahn 6804 ist diese Melodie zu einem Kirchenlied zuerst in der Frankfurter Praxis Pietatis von 1664 erschienen. Sie sei zuvor als Melodie von J. Rists weltlichem Lied "Daphnis ging für wenig Tagen" in dessen Galathee 1642 veröffentlicht worden. J.S. Bach benutzte sie öfters. Die Varianten sind ziemlich zahlreich. Nur Ihme betitelt die Melodie einfach Jesu, der du meine Seele. In den älteren Quellen steht sie als eine der drei oder vier Melodien zu Alle Menschen müssen sterben, aber stets mit dem Untertitel "Jesu, der du meine Seele" (allerdings im Straßburger Choralbuch um 1850 nur in einer handschriflichen Anmerkung im verwendeten Exemplar). Aus den späteren Gesang- und Choralbüchern ist sie verschwunden.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 73 58 64 p. 7 96 p. 55 108 p. 71  
g moll g moll g moll g moll g moll g moll  

 Der Satz von J.S. Bach gibt ein Beispiel der Freiheiten, die sich Bach bei der Behandlung älterer Melodien erlaubt. Wie in der Colmarer Melodiensammliung und im Mülhauser Gesangbuch im 19. Jh. werden schon hier die letzten betonten Silben in Zeilen mit unbetonter Endsilbe kurz. In anderen Vertonungen der gleichen Lieds hat Bach die gleichen Noten lang gelassen. Ihme kürzt hier diese Noten auch, während sie im Hepp-Herrenschneider-Choralbuch lang bleiben.

Hören : Hepp - Ihme 1875 - J.S. Bach

Elsässische Choralmelodien