Jesu du mein liebstes Leben / Sollt ich meinem Gott nicht singen ?

7an-7b-7an-7b-7cn-7d-7d-7cn-7e-7e

Lasset uns mit Jesu ziehen,
seinem Vorbild folgen nach,
in der Welt der Welt entfliehen,
auf der Bahn, die er uns brach,
immerfort zum Himmel reisen,
irdisch noch schon himmlisch sein,
glauben recht und leben fein,
in der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir ;
gehe vor, ich folge dir.
JEsu du mein liebstes Leben /
meiner Seelen Bräutigam /
Der du bist für mich gegeben
an des bittern Kreutzes Stam /
JEsu meine Freud und Wonne /
du mein Hofnung / Schatz und Theil /
mein Erlösung / Schmuk und Heil /
Hirt und König / Liecht und Sonne /
ach wie sol ich würdiglich
mein HErr JEsu preisen dich ?
       Sigismund von Birken, 1626-1681 (1653) (EG) Dieser Text wird von Ihme zu dieser Melodie gesetzt. Es ist auch das einzige Lied, das im CG auf die Melodie Jesu du mein liebstes Leben gesungen wird.        Johann Rist, 1607-1667 (1642).
Hier zitiert nach J. Rists Sammlung Himlische Lieder 1658, p. 296. Dieses Lied steht weder im Colmarischen Gesangbuch, noch im Straßburger Gesangbuch von 1808, noch auch im GCAK. Es stand aber zuvor im Colmarischen Lobopfer 1722 Nr. 589. Auch das Hanauische Gesangbuch 1707 enthielt es schon (Nr. 205).

Melodie : Johann Schop,1590-1667 (1642), Zahn 7891. Im Hepp-Herrenschneider-Choralbuch und bis Stern wurde der ursprüngliche 3/4-Takt zu einem 2/4-Takt umgeformt, was den Charakter der Melodie fast unkenntlich macht. Diese Melodie wird von Colmarischen Gesangbuch 1781 und von Ihme zum Text Lasset uns mit Jesu ziehen angeraten, während die späteren Gesang- und Choralbücher für letzteres Lied auf die jeweilige Melodie von Sollt ich meinem Gott nicht singen verweisen. Im französischen Straßburger Gesangbuch von 1747 fängt der Text an mit "Mon âme, exaltons la Gloire de Dieu notre Créateur". In der Ausgabe von 1769 des gleichen Gesangbuchs bleibt der Text der gleiche, aber  die Melodie  wird durch einige Übergangsnoten verändert.
Stern-Berg 1851 (und auch Stern 1869) kannten offensichtlich Rists Himmlische Lieder nicht, denn die Melodie wird aus "Störls Choralbuch 1710" zitiert. Sie steht 1851 in g moll, 1869 in f moll. Bei Störl steht  sie übrigens noch (in g) unter dem Namen Jesu, du mein liebstes Leben.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 31 23 73 p. 59 100 p. 58 109 p. 72  
g moll g moll g moll f moll e moll e moll  

J. Schops Melodie wurde nach J. Rists Himmlischen Liedern zu vier Stimmen gesetzt. Bei Schop finden wir die Melodie mit einem Bass ohne Bezifferung -welche Anhaltspunkte für die zwei Mittelstimmen geben könnte. In Rists Sammlung steht Melodie und Bass mit zwei oder drei Druckfehlern, die natürlich verbesssert wurden. Diese Melodie ist bei Hepp-Herrenschneider und bis Stern die Melodie von Sollt ich meinem Gott nicht singen. Sie besteht aus zwei Teilen, die beide wiederholt werden. Der erste Teil besteht aus den vier ersten Zeilen (zweimal 7an-7b), der zweite aus den sechs letzten Zeilen (zweimal 7cn-7d-7d, resp. 7cn-7e-7e). Für den Text Lasset uns mit Jesu ziehen ist diese Melodienstruktur nicht die beste, denn in diesem Lied sollten die zwei (nicht drei) letzten Zeilen durch die Melodie besonders hervorgehoben werden, weil sie mehr oder weniger den Charakter eines Kehrreims haben.

Hören : Schop 1658 - Störl 1721 - Strasbourg 1747 - Hepp - Ihme 1888.
"Strasbourg 1747" bezeichnet das Straßburger französische Gesangbuch von 1747. Der Dur-Akkord am Ende der letzten Hörprobe ist nicht bei Ihme.

Elsässische Choralmelodien