Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn

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Kommt alle her, spricht Gottes Sohn,
naht euch zu meinem Gnadenthron,
wenn euch die Sünden drücken.
Ihr Hohen, Niedern, Groß und Klein,
hört, ich will euer Heiland seyn,
euch helfen, euch erquicken !
So hoff ich denn mit vestem Muth
auf Gottes Gnad' und Christi Blut :
ich hoff' ein ewig's Leben.
Gott ist mein Vater, der verzeiht,
und mir das Recht zur Seligkeit
in seinem Sohn gegeben.
       Georg Grünwald, 1490-1530 (1530) (EG), hier in der Version des Colmarischen Gesangbuchs 1781 Nr. 183,1.        Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769, zitiert nach dem Straßburger Gesangbuch 1808 Nr. 111,1.

Melodie : "Weltlich um 1504; geistlich 1530; Nürnberg 1534" (EG). Eine erste Form der Melodie erschien zuerst im Einzeldruck 1530 (Zahn Nr. 2496a), aber die verbreitetste Form wurde schon 1534 in einer Sammlung von 121 neuen Liedern in Nürnberg veröffentlicht, und wird nachher in "den meisten Leipziger, Nürnberger, Dresdner, Straßburger, Frankfurter, Augsburger, Wittenberger Gesangbüchern des 16. Jh." (so Zahn unter Nr. 2496c) gefunden. - Bis Stern tritt die Melodie unter dem Titel So hoff ich denn mit festem Muth auf, im Hepp-Choralbuch und in der Colmarer Sammlung mit dem Untertitel Kommt her zu mir. Letzterer Text steht bei Ihme als einziger Titel, bei Wolf als Haupttitel. Bei Wolf findet man So hoff ich denn mit festem Mut in Klammern als Untertitel. Das Gellert-Lied steht nämlich im Spitta-Gesangbuch, nicht aber im GCAK.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p.34 27 28 p. 58 p. 102 113 p. 66 121 p. 79 73 p. 76
a moll a moll a moll g moll g moll a moll e moll fis moll
Mülhauser Gesangbuch 1818, Nr. 162 (in g moll) zum Text So hoff' ich denn mit festem Muth

Im (handschriftlichen) Choralbuch von Traenheim 1782 finden wir eine Version des Chorals im Dreiertakt, mit einem Rhythmus, der (besonders am Ende) nicht unbedingt der Absicht des Organisten entspricht - aber so hat er's geschrieben. - Das Hepp-Choralbuch 1809, die Colmarer Sammlung von Choralmelodien (um 1840) und schon das französische Straßburger Gesangbuch 1769 ("Cantiques") haben hier genau die gleiche Form der Melodie. Ihme kehrt zur rhythmischen Form zurück, während Wolf, wie vorher schon das Mülhauser Gesangbuch von 1818, die nicht-rhythmische Form gibt, aber ohne die sonst üblich gewesenen Übergangsnoten. Das Mülhauser Choralbuch hat (unter dem Namen Wohlauf, mein Herz, verlass die Welt) eine rhythmische Form, aber ohne die Übergangsnoten, die die alte Melodie am Ende der 3. und der 6. Zeile hat. Die Melodie der Colmarer Sammlung bietet eine etwas mehr verzierte Form der Melodie als die von Th. Stern. - Es gibt zu diesem Lied auch eine Melodie von Friedrich August Ihme. - Die anderen Melodien, die auf das gleiche Strophenmuster passen, sind die von Nun Hosianna Davids Sohn und Verzage nicht, du Häuflein klein. Im Mülhauser Choralbuch 1865 ist  eine Melodie zu Geh aus, mein Herz, und suche Freud zu finden, die auch auf dieses Strophenmuster aufgebaut ist. Schließlich finden wir im Hanauischen Gesangbuch (1707 Nr. 75) J. Crügers Melodie zum Lied Den Herren meine Seel erhebt, die aber später nicht mehr zu finden ist. 

Hören : Traenheim 1782Hepp - Stern 1869 - Mülhausen 1865 - Ihme 1875 - Wolf

Elsässische Choralmelodien