Mein erster Wunsch, mein innigstes Verlangen (Psalm 8)

10an-10an-10b-10b

Mein erster Wunsch, mein innigstes Bestreben
ist, Herr, mein Gott ! dich würdig zu erheben.
Unendlich groß ist deine Vatertreu' ;
mit jedem Tag ist deine Güte neu.
O nostre Dieu, & Seigneur amiable,
Combien ton nom est grand & admirable
Par tout ce val terrestre spacieux,
Qui ta puissance esleve sur les cieux.
       Christoph Friedrich Neander (1723-1802) (nicht zu verwechseln mit Joachim Neander)        Clément Marot (1496-1544), Paraphrase zu Psalm 8, Vers 1 (Text nach der Ausgabe der Psalmen durch Claude Goudimel im Jahre 1565, Reprint 1935).

Melodie : Französischer Psalm 8, wahrscheinlich von Guillaume Franc (Rouen, um 1505 – Lausanne 1571), Genf 1542 in Calvins La Forme des prières et chantz ecclesiastiques.

Hepp 1809 Mülhauser Gesangbuch 1818 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
  498          
  d moll          

Im Mülhausener Gesangbuch ist erwartungsgemäß die französische Psalmmelodie rhythmisch vereinheitlicht, d.h. verflacht. Immerhin ist diese Melodie, obgleich in verarmter Form, in der reformierten Tradition dort bis zu jener Zeit erhalten geblieben. - Parallelmelodien sind die von Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe und die von Die Sonn hat sich mit ihrem Glanz gewendet. Letztere ist in den Choralbüchern des 19. Jh. nicht zu finden.

Hören : Originalmelodie von Louis Bourgeois, mit dem Satz des Claude Goudimel (1565). - Mülhauser Gesangbuch 1818 - Freylinghausen 1708 (Nr. 616). Ich verstehe nicht recht, was Zahn unter Nr. 923 über Freylinghausen sagt. Seiner Meinung nach haben "Freylingh. und Spätere [in der ersten Zeile] b statt h und setzen so die Mel. aus dem Dorischen ins moderne Moll, sehr zu ihrem Nachteil." Nun hat aber Freylinghausen hier h und nicht b. Vielleicht sind zwischen der Ausgabe von 1704 und der von 1708 Änderungen vorgenommen worden.