Nun lasst uns Gott dem Herren

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Nun last vns Got d   Herr 
dancksag    v    jn ehr   
Für alle seine gaben,
die wir entpfangen hab   

Den Leib, die Seel, das Leben
hat er allein vns geben,
Dieselbig zubewahren
thut er nie etwas sparen.

Laßt unserm Gott uns singen,
ihm Dank und Ehre bringen,
daß wir so viele Gaben
aus seiner Fülle haben.

Wer kann es ihm erwiedern ?
Ein Leib mit Sinn und Gliedern ;
ein Geist, der will und denket,
ist uns von ihm geschenket.

Wach auff, mein Hertz, und singe
Dem Schöpfer aller Dinge,
Dem Gäber aller Güter,
Dem frommen Menschenhüter.

Heint, als die dunckeln Schatten
Mich gantz ümbgeben hatten,
Hat Satan mein begehret,
GOtt aber hats gewehret.

       Ludwig Helmbold, 1532-1598 (1575), nach dem Originaltext, cf. Wackernagel IV Nr. 932 S. 647. Moderne Schreibweise s. EG n° 320.        Die gleiche Strophe, hier im sehr überarbeiteten Text des Colmarischen Gesangbuchs 1781, Nr.286,1-2        Paul Gerhardt, 1607-1676 (1647), nach Fischer & Tümpel III, 380 p. 297, Strophen 1-2.

Melodie : Von Nikolaus Selnecker (1530-1592) wahrscheinlich komponiert und 1587 in seiner Sammlung Christliche Psalmen, Lieder und Kirchengesenge in Leipzig zuerst veröffentlicht. Die heutzutage übliche Form der Melodie ist von Johann Crüger 1649, welche von J. Zahn (Nr. 159) als "weniger monoton" beurteilt wird. Ausgesprochen monoton ist jedoch die veränderte Form, unter der sie im Hepp-Herrenschneider-Choralbuch und auch im Mülhauser Gesangbuch 1818  n° 489 auftritt, wo die beiden ersten Zeilen identisch sind.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 67 53 58 p. 90 p. 82 145 p. 85 155 p. 100 92 p. 97
B B B B A G G B
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 489 (in B)

Die Namen, unter welchen diese Melodie in den Choralbüchern erscheint, sind folgende :

Bei Hepp, Mülhausen 1818, Str1850 und in der Colmarer Sammlung finden wir eine schlimm verzerrte Form der Melodie. Stern hat die Melodie nicht in die erste Ausgabe seines Choralbuchs aufgenommen, weil das Straßburger Conferenzgesangbuch 1850 kein Lied enthält, dass auf dieses Versmaß aufgebaut ist. In der 2. Ausgabe steht sie dann unter einer vereinfachten Form, aber weniger verzerrt als in den vorhergehenden Choralbüchern, erst im Anhang. N.B. die Lieder des Anhangs findet man nicht im Hauptverzeichnis am Anfang des Choralbuchs. Auch die zwei rhythmischen Formen von Ihme und Wolf sind im Einzelnen ziemlich verschieden. Ihme übernimmt ganz getreu Crügers Melodie.

Hören : Selnecker 1587 - Crüger 1649, cf. Ihme. - Hepp - Stern 1869 - Ihme 1875 - Wolf

Elsässische Choralmelodien