Nun lob, mein Seel, den Herren

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Nun lob, mein seele, den Herren,
und was in mir ist, den Namen sein.
Sein wolthat thut er meren,
vergiß es nit, o hertze meyn.
Hat dir deyn sünd vergeben
und heylet deyn schwacheyt groß,
erredt dein armes leben,
nimpt dich in seyne schoß,
Mit reichem trost beschüttet,
verjungt, dem Adler gleych.
der könig schafft recht, behütet
die leyden in seynem reych.
Auf, meine Seele, singe !
an dir, so unwerth du es bist,
thut Gott so grosse Dinge.
Weh dir, wenn ihn dein Herz vergißt.
Gott rettet dich ins Leben,
will alle Missethat
in Christo dir vergeben.
O gnadenvoller Rath !
Schon hier wirst du mit Heile
getröstet und erfreut ;
und dort wird dir zu Theile
die Ruh der Ewigkeit.
Kommt, kommt, den Herrn zu preisen, 
der groß von Rath ist, groß von That ;
den Gütigen, den Weisen,
der keinen seines Gleichen hat.
Der Herr thut große Werke ;
wer hindert seine Kraft ?
wer, seines Armes Stärke,
die nichts als Gutes schafft ?
Er breitet, gleich Gezelten,
die weiten Himmel aus ;
er spricht, so gehen Welten
aus ihrem Nichts heraus.
       Johannes Gramann (1487-1541), zitiert nach Wackernagel III Nr.968, S. 821. Es ist die älteste Form dieser ersten Strophe, in Nürnberg erschienen ; unter Nr. 969 steht dann die Version von 1540, die in einem mehrstimmigen Gesangbuch in Augsburg erschien.        Neue Fassung der 1. Strophe, wie sie im Colmarischen Gesangbuch 1781 (Nr. 3) erscheint.        Andere Umdichtung des gleichen Textes, im Straßburger Gesangbuch von 1808 (Nr. 5).

Melodie : Laut dem Evangelischen Gesangbuch 1995 entstand die Melodie am Ende des 15. Jahrhunderts als weltliches Lied, und wurde 1540 von dem Augsburger Musiker Hans Kugelmann mit diesem geistlichen Text veröffentlicht (s. Zahn Nr. 8244). Sie steht in verschiedenen Formen in allen elsässischen Choralbüchern. In der 1. Hälfte des 19. Jh. wird sie nach einer Umdichtung des Textes mit Kommt, kommt, den Herrn zu preisen betitelt. Im Colmarischen Gesangbuch von 1781 stand eine andere Umdichtung der gleichen Strophe : Auf, meine Seele, singe ! an dir, so unwerth du es bist, thut Gott so grosse Dinge usw. Im Mülhauser Gesangbuch 1818 wird sie nach einer noch anderen Umdichtung benannt : Lobsinge, meine Seele, dem Welterlöser, bet' ihn an.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 6-7 3 9 p. 37 147 p. 86 156 p. 100 93 p. 98
B B B A G G A
Mülhauser Gesangbuch 1818 Nr. 114.

Bis zu (einschließlich) Stern wird eine Melodie im 2er-Takt angetroffen ; erst Ihme und Wolf finden zum 3er-Takt zurück. - Ausnahmsweise kommt hier Wolf zu der (höheren) Tonlage zurück, die vorher schon Theophil Stern gewählt hatte.

Hören : Hepp - Wolf