O Ewigkeit, du Donnerwort

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O Ewigkeit, du Donnerwort,
für Missethäter, die im Ort
der Qualen sich befinden,
o schreckenvolle Ewigkeit
für Sünder, die die Gnadenzeit
auf ewig sehn verschwinden.
Wohl dem der sich mit Ernst bemüht
und jener Finsterniß entflieht.
Gedanke voller Seligkeit !
Du großer Trost der Sterblichkeit !
Glaub' an ein ewigs Leben !
Was wär mein Daseyn ohne dich ?
Mit welchem Schauer würde mich
die Zukunft oft durchbeben !
Umsonst erhebe sich mein Herz
zum Himmel, bey so manchem Schmerz.
        Zitat aus dem Colmarischen Gesangbuch 1781, Nr. 361,1. Der Originaltext ist von Johann Rist, 1607-1667, aber von seinem Wortlaut bleibt in dieser Strophe außer der ersten Zeile kaum etwas übrig. Auch sonst ist der Text in sehr veränderter Form zu finden. Die Version des Spitta-Gesangbuchs (Nr. 350) und die des GCAK ("Alt" Nr. 403 "Neu" Nr. 455) sind dem Original im Ganzen genommen treu.         N.B. Statt erhebe muss in der vorletzten Zeile erhöbe gelesen werden.
Straßburger Gesangbuch 1808 Nr. 141,1. Dieser Text, dessen Autor mir nicht bekannt ist, wurde sichtlich als Ersatz für den Originaltext von Johann Rist gedacht. In einem württembergischen Gesangbuch von 1836 wird angegeben, der Verfasser sei entweder Johann Benjamin Koppe (1750-1791) oder Georg Ernst von Rüling  (1748-1807). Auch Caspar Heunischs (1620-1690) Lied O Ewigkeit, du Freudenwort war dazu bestimmt, Rists strenge Warnung zu versüßen. Dessen letzte Strophe ist noch im Spitta-Gesangbuch (Nr. 350,7) als Anhängsel zu Rists Lied zu finden, und das elsässische Gesangbuch von 1952 (GKAKEL) enthält das Lied (n° 152) getrennt von dem von Rist (Strophen 1, 3, 6 u. 9).

Melodie : Johann Crüger, 1598-1663 (1653).S. Zahn Nr. 5820. Crüger bildete dabei eine Melodie von Johannes Schop aus Rists Himmlischen Liedern um, die bei Zahn unter der Nr. 5817 (nicht 5816, wie Zahn selbst sagt) zu finden ist (zum Text Wach auf, mein Geist, erhebe dich, der noch im Colmarer Gesangbuch von 1709 steht). Crügers Melodie wird vom Hanauischen Gesangbuch 1707 (Nr. 458) genau beibehalten, die Tonlage (in F) eingeschlossen. Bei Th. Stern erscheint die Melodie unter dem Namen Gedanke voller Seligkeit, oder : O Ewigkeit, du Donnerwort. Im Register der Melodien zum Straßburger Gesangbuch 1808 erscheint sie ebenfalls unter dem Namen Gedanke voller Seligkeit. Hier steht in Klammern dahinter O Ewigkeit, du Freudenwort. Bei Hepp, Str1850 und in der Colmarer Sammlung finden wir sie jedoch unter dem normalen Namen O Ewigkeit, du Donnerwort.
Stern schreibt die Melodie "Johannes Schop, 1642" zu, während J. Wolf "Mel. v. J. Crüger, 1653" sagt. Im GKAKEL stehen beide Namen nebeneinander.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 62 48 53 p. 25 p. 60 154 p. 90 165 p. 106 101 p. 107
F F F Es Es Es Es Es
Mülhauser Gesangbuch 1818, Nr. 179 (in F), mit dem Text Ich bin ja, Herr, in deiner Macht.

Eine Melodie, in der der wiederholte Teil am Anfang 3 Zeilen umfasst, sodass nach der Wiederholung nur noch zwei Zeilen übrig sind. Wolf hat hier eine rhythmische Form der Melodie, die mit der von Ihme fast identisch ist. Stern und das Mülhauser Choralbuch bleiben der nicht-rhythmischen Form der Melodie treu, die auch schon, mit dem Text Ich bin ja, Herr, in deiner Macht, im Mülhauser Gesangbuch von 1818 stand. Für letzteren Text gibt es eine Parallelmelodie zu dieser.

Hören : Schop 1642 ("Wach auf, mein Geist") - Crüger 1653 ("O Ewigkeit") - Hanauisches Gesangbuch 1707 - Hepp - Mülhausen 1865 - Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien