O Lamm Gottes unschuldig

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O Lamm Gottes unschuldig,
am Stamm des Kreuzes geschlachtet :
allzeit funden geduldig,
wiewohl du warest verachtet.
All Sünd hast du getragen,
sonst müßten wir verzagen.
1-2: Erbarm dich unser, o Jesu !
 3: Gib uns den Frieden, o Jesu !
O Lamm Gottes, im Staube
mit Schweiß und Blut bedecket !
Dein tröste sich mein Glaube,
wenn Sünd' und Tod mich schrecket.
Dein Ringen, Seufzen, Klagen,
dein Todeskampf, dein Zagen
sey meine Ruh', Herr Jesu !
        Aus dem GCAK 1863 Nr. 79. Der Text wird dem Nicolaus Decius (1485- nach 1546) zugeschrieben. Es ist eine Verdeutschung des altkirchlichen Agnus Dei.        Neue Version des Lieds im Straßburger Conferenzgesangbuch 1850 Nr. 131,1. Das Lied hat hier auch drei Strophen (die Str. 2 u. 3 beginnen mit O Lamm Gottes, unschuldig) und ist auf die Melodie von O Lamm Gottes unschuldig zu singen. Als Autor wird im Register ein namens Tode genannt, wahrscheinlich Heinrich Julius Tode (1737-1797). Im gleichen Gesangbuch steht jedoch auch O Lamm Gottes unschuldig (Nr.  141), aber mit nur einer Strophe, die wie die traditionellen Strophen 1-2 endet.

Melodie : Ursprünglich in der Kirchenordnung der Herzogin Elisabeth zu Braunschweig und Lüneburg (1542, s. Zahn Quellen Nr. 69), dann überall verbreitet. Bei Zahn Nr. 4360 und 4361 sind mehrere Formen dieser Melodie zu finden, die aber alle mit Erbarm dich unser, o Jesu enden. Eine Besonderheit wird dabei nicht erörtert. Im Elsass (wahrscheinlich aber auch anderwärts) werden stets drei Strophen gesungen, die in der Hauptsache identisch sind ; nur enden die beiden ersten mit Erbarm dich unser, o Jesu, die dritte mit Gib uns dein'n Frieden, o Jesu, wie auch im lateinischen Agnus Dei die zwei ersten Strophen mit miserere nobis enden, die dritte mit dona nobis pacem. Möglicherweise wird dies von Zahn nur deshalb nicht erwähnt, weil es sich in der Tradition von selbst versteht.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 82 61 70 p. 52 p. 61 162 p. 95 171 p. 109 105 p. 112 & 106 p. 113
F F F Es F F Es Es / Es

 

Hören : Hepp Der dazu gehörige Text ist nicht mehr zu ermitteln, denn O Lamm Gottes unschuldig steht nicht im Straßburger Gesangbuch von 1808.
- Stern 1851 Text des Conferenzgesangbuchs 1850 Nr. 141 :
O Lamm Gottes unschuldig, / am Kreuzesstamm geschlachtet, / allzeit warst du geduldig,/ wiewohl du warst verachtet. / All' Sünd' hast du getragen,/ sonst müßten wir verzagen. / Erbarm dich unser, Jesu !

- Mülhausen 1865. Text :
O Lamm Gottes unschuldig, / am Stamm des Kreuzes geschlachtet, / Allzeit erfunden geduldig, / wiewohl du warest verachtet. / All' Sünd' hast du getragen, / sonst müßten wir verzagen. / Erbarm dich unser, o Jesu, o Jesu !

Ihme 1875 Text : O Lamm Gottes unschuldig, / am Stamm des Kreuzes geschlachtet : / allzeit funden geduldig, / wiewohl du warst verachtet. / All Sünd hast du getragen, / sonst müßten wir verzagen. / 1-2: Erbarm dich unser, o Jesu ! / /3: Gib uns den Frieden, o Jesu ! Amen. N.B. Obgleich nur eine Strophe vorgetragen wird, ist das nur bei Ihme vorhandene Amen am Ende beigefügt worden.
Wolf 1899 "Ursprüngliche Form". Text s. oben (ohne Amen). Wolf 1899 "Spätere Form" (Gleicher Text). In der Ausgabe von 1904 verschwindet die "ursprüngliche Form", aber die ersten Silben aller Zeilen nach der Wiederholung werden lang (halbe Noten), wie in der "ursprünglichen Form".