O dass doch bald dein Feuer brennte

8an-8b-8an-8b

Erheb dein hertz / thu auff dein ohren /
Du volck das du verstocket bist /
Merck auff und thu mit fleiß anhören
Was Gotts gebott und willen ist.
O daß doch bald dein Feuer brennte,
du unaussprechlich Liebender,
und bald die ganze Welt erkennte,
daß du bist König, Gott und Herr !
       Ambrosius Lobwasser, 1515-1585, hier nach der Genfer Ausgabe von 1579.        Georg Friedrich Fickert, 1758-1815 (1812). So sagen übereinstimmend das EG und das Kirchenlexikon von Fr. W. Bautz. Zahn (Nr. 778) schrieb den Text Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, zu. Das Spitta-Gesangbuch sagt nur "Ulm 1818".

Melodie : "Guillaume Franc 1543, zum Zehn-Gebote-Lied" (EG). Das Lied Les dix commandements stand dann 1547 im französischen Psalter von Louis Bourgeois in Lyon, und Zahn findet schon im folgenden Jahr eine Ausgabe in "Argentine", d.h. Straßburg. Das Lied fing an mit dem Text "Leve le coeur, ouvre l'oreille". Im französischen Straßburger Gesangbuch von 1769 fängt der Text an mit "Ecoute, Israël ! avec crainte, Dieu tonnant au mont de Sina". Wie die französischen Psalmtexte von Marot und de Bèze, so hat Ambrosius Lobwasser auch dieses Zehn-Gebote-Lied ins Deutsche übertragen. Er folgte dabei getreu dem französischen Text. Drum gibt auch Zahn (Nr. 750) zu der Melodie seinen Text Erheb dein Herz, thu auf dein Ohren. Diese Melodie wurde dann mit sehr geringen Änderungen dem Text Wenn wir in höchsten Nöten sein angepasst. 

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
            96 p. 102 & 97 p. 103
            F

Wolf gibt hier beide Formen der Melodie, die alte und die rhythmisch vereinfachte. Letztere wurde sichtlich von ihm und von den Herausgebern des Spitta-Gesangbuchs als die "normale" Form angesehen, denn die rhythmische Form steht im Anhang des Gesangbuchs, die modernere Form im eigentlichen Gesangbuch. Auch das französische Gesangbuch von 1769 enthält eine nicht-rhythmische Form der Melodie. - Im Mülhauser Choralbuch 1865 steht eine andere Melodie, unbekannten Ursprungs, zu diesem Text.

Hören : Ursprüngliche Form (Nr. 97) : Wolf Nr. 97 ; vereinfachte Form : Wolf Nr. 96. - Melodie des französischen Straßburger Gesangbuchs 1769 (in C, d.h. eine Quinte höher als Wolf !) : Cantiques 1769 - Originalform im Psalter des Goudimel, ebenfalls in C.

Elsässische Choralmelodien