Wie groß ist des Allmächtgen Güte (Frz. Psalmmelodie)

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Die Tugend wird durchs Kreuz geübet,
denn ohne das kann sie nicht sein.
Wenn sie nicht oftmals wird betrübet,
so merkt man gar nicht ihren Schein.
Sie muß im Kreuz die Stärke zeigen,
die sie verborgen in sich hat,
daß sie den könne unterbeugen,
der ihr nachstellet früh und spat.
Fidèles ! Contemplons la gloire
du Rédempteur, qui monte aux Cieux,
et fait éclater sa victoire ;
que ce spectacle est glorieux !
Il est porté sur une nue,
et tout nous marque sa grandeur :
Satan soumis, la mort vaincue,
suivent enchainés ce Vainqueur.
       Dieses Lied von Christian Friedrich Richter, 1676-1711. Es ist allerdings in kein elsässisches Gesangbuch aufgenommen worden. Die 1. Strophe wird hier nach Zahn Nr. 6009 zitiert.        Dieser (anonyme) französische Himmelfahrtstext steht im französischen Straßburger Gesangbuch 1769 mit dieser Melodie.

Melodie : Bei Stern (1. Ausgabe, 1851) steht diese Melodie in einem Anhang von 14 "rhythmischen" Melodien, die vor allem für den Chorgesang bestimmt waren und den Pfarrgemeinden nur versuchsweise vorgeschlagen werden sollten ; wir finden sie dort unter dem Titel Wie groß ist des Allmächt'gen Güte. Letzteres Lied hatte im Choralbuch schon zwei Melodien, die von Richter und die von Knecht. Zur Herkunft dieser Melodie gibt Stern keine Angabe. Sie stammt aber aus dem französischen Psalter des 16. Jh. (Psalm 118, Rendez à Dieu louange et gloire von Clément Marot, 1496-1544, Genf 1551 ; bei Lobwasser mit dem Text Danksaget nun und lobt den Herren, S. Zahn Nr. 6002. R. Weeda weist mich darauf hin, dass sie eigentlich weltlichen Ursprungs sein muss). Im Hanauischen Gesangbuch 1707 steht sie noch (in F) im ursprünglichen Rhythmus, mit dem Text von Johann Franck Lasst uns dem Herren sämtlich danken, der auch eine Paraphrase zu Psalm 118 ist. Im französischen Straßburger Gesangbuch von 1769 wird sie als die Melodie zu Psalm 66, oder zu Die Tugend wird durchs Kreuz geübet vorgestellt, und von obigem Liedtext begleitet.

Hepp 1809 Mülhauser Gesangbuch 1818 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
  340   p. 96      
  G   A      

Stern vereinfacht leider die Melodie, indem er der Zeile 2 die Form von Zeile 4 gibt, um eine klassische Form mit wiederholtem Anfangsteil zu erhalten. Das französische Straßburger Gesangbuch und das Mülhauser Gesangbuch von 1818 haben rhythmisch vereinfachte Formen der Melodie, mit Verzierungen im ersten, ohne Verzierungen im letzteren. Übrigens steht die Melodie im Mülhauser Gesangbuch zum Gellertschen Text Du klagst und fühlest die Beschwerden.

Hören : Stern - Cantiques 1769 (in C) - Mülhauser Gesangbuch 1818 - Satz von Claude Goudimel (in C).