Was mein Gott will, das gscheh allzeit

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Was mein Gott will, gescheh allzeit,
sein Will der ist der beste ;
zu helfen den'n er ist bereit,
die an ihn glauben veste.
Er hilft aus Noth,
der fromme Gott,
und züchtiget mit Massen.
Wer Gott vertraut,
fest auf ihn baut,
den will er nicht verlassen.
Ach höchster Gott, verleihe mir,
daß ich nur dich begehre,
und daß ich christlich für und für
durch dich mich neu gebäre,
daß ich, dein Kind,
dich such und find
in allem Kreuz und Leiden,
damit noch Tod
noch Höllennot
von dir mich könne scheiden.
       Albrecht von Preußen, 1490-1568 (um 1554, laut EG). Hier in der Version des Colmarischen Gesangbuchs 1781, Nr. 523,1     Johann Rist, 1607-1667, hier nach Zahn Nr. 7592.
Im Straßburger Gesangbuch 1808 (S. 84, Nr. 108,1) wird diese Strophe : Ach höchster Gott! verleihe mir,/ daß ich nur dich begehre,/ mein ganzes Glück nur such' in dir,/ und dich allein verehre ;/ daß ich in Noth/ dich meinen Gott/ und Vater glaubig nenne,/ daß weder Leid,/ noch Glück und Freud/ mich jemals von dir trenne. Die erste Frage, die man sich hier stellen muss, ist, warum die Herausgeber glaubten, den Text von J. Rist so verändern zu müssen.

Melodie : "Claudin de Sermisy 1529; geistlich Antwerpen 1540" (EG), s. Zahn 7568. Im Hepp-Choralbuch 1809 steht die Melodie Was mein Gott will unter dem Titel Ach höchster Gott verleihe. oder : "Was mein Gott will, das." So auch in der Colmarer Sammlung. Im Straßburger Choralbuch 1850 und bei Th. Stern steht nur "Ach höchster Gott verleihe." Bei Ihme 1875 und 1888 und bei Wolf nur noch "Was mein Gott will". Die Sache wird komplizierter mit dem Mülhauser Gesangbuch 1818, das eine andere Melodie nach Ach höchster Gott verleihe mir benennt, nämlich die von Durch Adams Fall, die sonst in den Gesang- und Choralbüchern in der 1. Hälfte des 19. Jh. fehlt. Zahn kennt als alte Form der Melodie nur Joachim Magdeburg (1525-1587), Tischgesänge 1572, mit später nicht mehr anzutreffenden Verzierungen.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 33 25 75 p. 3 p. 88 189 p. 111 204 p. 129 131 p. 139
c moll c moll c moll h moll a moll a moll a moll a moll

Als Parallelmelodien zu dieser kommen in unsern Choralbüchern vor :

Diese Melodien werden im GCAK als "8-zeilig" vorgeführt (die Gruppen 4c-4c und 4e-4e werden jeweils als ein eine 8-Silbenzeile gezählt), sind aber in allen Liedern - jedenfalls denen des GCAK - wie hier angegeben zehnzeilig. So werden sie übrigens auch von Zahn klassiert. Nur zum letzten (O Herre Gott) deutet er an, dass die Struktur der Strophenteile zwischen 4-4-6n und 8-6n schwankt. - Die Melodie steht erwartungsgemäß bei Hepp-Herrenschneider und bei Stern im vereinfachten Rhythmus, bei Ihme wie im Original rhythmisch. Wolf kehrt wie öfters zu einer vereinfachten Form zurück.
Das Mülhauser Choralbuch hat hier für die rhythmische Form gewählt. Im Satz wurden zwei augenscheinliche Fehler verbessert. Am Ende des dreimal wiederholten Teils wurde der gedruckte Satz hingegen beibehalten. Ob im mittleren Teil die Triolen wirklich der Absicht der Herausgeber entsprechen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls steht die Melodie in dieser Form im Choralbuch.

Hören : J. Magdeburg - Hepp - Stern - Mülhausen 1865 - Ihme 1875 - Wolf

Elsässische Choralmelodien