Wer nur den lieben Gott lässt walten (Neumark)

8an-8b-8an-8b- 8c-8c

Wer nur den lieben Gott läßt walten,
und hoffet auf ihn allezeit :
den wird er wunderlich erhalten
in allem Kreuz und Traurigkeit :
wer Gott dem Allerhöchsten traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

       Georg Neumark, 1621-1681 (1657), hier zitiert nach dem Colmarischen Gesangbuch 1781, Nr. 217,1.

Melodie : Georg Neumark. S. Zahn Nr. 2778. Das Lied erschien damals in Neumarks Musikalisch-Poetischem Lustwald in Jena. Das "Straßburger" (d.h. eigentlich Hanauische) Gesangbuch von 1682 ist das älteste, das Zahn nach der Originalausgabe erwähnt. Diese Melodie ist also sehr bald ins Elsass gekommen. Im Hanauischen Gesangbuch steht sie wie bei Neumark in g moll. Sie hat dort genau die Form, unter der wir sie zwei Jahrhunderte später im Choralbuch Wolf (zum Spitta-Gesangbuch, 1899) wiederfinden, ausgenommen, dass in der 2. und 4. Zeile die dritte Silbe darin ein Es ist, im Original und im Hanauischen Gesangbuch aber ein E. Im Original fängt übrigens die 5. Zeile mit einem doppelten B an, während die verbreitetste Tradition (auch Wolf) hier eine Folge A-B hat. Zahn findet die rhythmisch "ausgeglichene" Form der Melodie (im 4/4-Takt) schon in einem Gesangbuch aus dem Jahre 1718.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
p. 19 18 19 p. 72 p. 97 203 p. 119 218 p. 137 136 p. 144
a moll a moll a moll a moll a moll a moll g moll g moll
Mülhauser Gesangbuch 1771 (in g moll) - Mülhauser Gesangbuch 1818 n°. 287 (in a moll).

Bis Stern wird die verflachte Form (im 2/4-Takt) der Melodie geboten. Dabei ist die rhythmische sehr einfach, und ganz im 3/4-Takt. Vom Mülhauser Choralbuch 1865 an kehrt die rhythmische zurück, die sich leicht eingebürgert hat. In meinem persönlichen Exemplar des Choralbuchs von Ihme 1875 hat ein Benutzer die Melodie folgendermaßen "verbessert" :
(a) am Ende der ersten Zeile schrieb er G statt Gis ;
(b) gleich nach der Wiederholung (1. Note der 5. Zeile) ersetzte er das erste C durch ein H.
Es handelt sich in beiden Fällen um ein Festhalten an der älteren Tradition (cf. die Melodie im Hepp-Choralbuch). Die zweite "Verbesserung" hat sich übrigens weitgehend durchgesetzt, z. B. auch bei Wolf und im EG Nr. 369. Sie steht auch schon im Hanauischen Gesangbuch 1707 (die Ausgaben von 1682 und 1695, die Zahn erwähnt, habe ich nicht zur Hand). Zahn kennt sie diese Änderung erst aus dem Württembergischen Gesangbuch, Stuttgart 1711. - Wie stark sich die Tradition des 18.-19. Jh. gehalten hat, zeigt sich noch dadurch, dass im Choralbuch von Alfred Dörffel (1821-1905) noch die nicht-rhythmische Form steht. Ich habe dieses Choralbuch in einer Ausgabe, die "um 1916" erschienen sein soll. - Umgekehrt zeigt das handschriftliche Choralbuch von Traenheim (1782 ; die Gemeinde gehörte zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg), wie sich eine Abart der rhythmischen Form da oder dort lange hat halten können. Dank an C. Ehrig-Eggert für die Auskunft zu diesem Choralbuch. In allen älteren Choralbüchern finden wir die Form der Melodie, bei der am Ende der 1. / 3. Zeile nicht a-fis-d (wie bei Neumark, s. Zahn), sondern a-f-d gesungen wird. Das Gesangbuch "Mülhausen 1771" erschien als Anhang "für die Kirche von Mühlhausen" zu einer Ausgabe der Psalmen durch Johann Jacob Spreng, Basel.

Es gibt eine Reihe von "Parallelmelodien" zu dieser. S. Wer nur den lieben Gott lässt walten, Übersicht

Hören : Mülhausen 1771 - Hepp - Mülhausen 1818 - Stern-Berg 1851 - Ihme 1875 - Wolf - Dörffel - Hanau/Traenheim 1782