Wie groß ist des Allmächtgen Güte (Knecht)

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Du Tag des Herrn, sollst meiner Seele
ein stiller froher Festtag seyn;
ein Tag, den ich mit Ernst erwähle,
um ihn dem Lebenswort zu weihn.
Zum Himmel soll mein Geist sich schwingen,
zum Himmel, denn ich fei're heut',
entfernt von allen eiteln Dingen,
den Festtag der Unsterblichkeit.
Schau, o mein Geist, in jenes Leben,
zu welchem du erschaffen bist,
wo du mit Herrlichkeit umgeben
GOtt ewig sehn wirst wie er ist.
Du hast ein Recht zu diesen Freuden,
durch GOttes Güte sind sie dein.
Sieh, darum mußte Christus leidn,
damit du könntest selig sein.
       Text von Johann Caspar Lavater (1741-1801), den Stern zwischen die Zeilen dieser Melodie setzt. Dieses Sonntagslied steht in keinem der elsässischen Gesangbücher, die hier zitiert werden.        Die 3. Strophe des Gellert-Liedes Wie groß ist des Allmächtgen Güte, die Ihme zwischen die Zeilen dieser Melodie setzt.

Melodie : Originalmelodie von Justin Heinrich Knecht, 1752-1817 (1793). cf. Zahn Nr. 6031, wo Ihme als erster derer zitiert wird, der die Melodie im 3/4-Takt geben. In Wirklichkeit (s. die Hörprobe unten) finden wir diese Form der Melodie schon in der 2. Ausgabe des Choralbuchs von Th. Stern und im Mülhauser Choralbuch, dessen Veröffentlichungsjahr nicht genau ermittelt wurde. Ihme sagt dazu, es sei "weil. Prof. W. Schweighäuser" gewesen, der sie "um 1854" so verändert habe. Bei Wolf finden wir sie (in dieser veränderten Form) in der Erstausgabe 1899 wieder, unter dem Namen Die Tugend wird durchs Kreuz geübet - jedoch verschwindet sie schon in der weiter verbreiteten Ausgabe von 1904, wo nur noch die eine Melodie zu finden ist, die auch hier so genannt wird. In der französischen Tradition wird die Originalmelodie von Knecht zum Text Seigneur, que ton règne adorable gesungen.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Mülhausen 1865 Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
      p. 74 p. 99 206 p. 121 223 p. 140 24 p. 25
      D D D D D

Das Lied Wie groß ist des Allmächtgen Güte wird meistens mit der Melodie von Chr. Fr. Richter (Die Tugend wird durchs Kreuz geübet) gesungen. Es gibt aber dazu auch noch eine dritte Melodie,die aus der französischen Psalmtradition stammt und nur bei Stern vertreten ist.

Hören : Stern 1851 (p. 70) - Stern 1869