Wo soll ich hin ? Ich weiß vor Angst nicht, wo ich bin

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Wo soll ich hin ?
Ich weiß vor Angst nicht, wo ich bin.
Die weite Welt ist mir zu eng,
der Himmel aber allzu streng.
Dort blitzet und sitzet das jüngste Gericht.
Ach wüßte das böse Gewissen nur nicht,
was meine fünf Sinne für Sünde gethan,
so klagte der Teufel den Zweifel nicht an.
Nun brennet die Hölle noch heller herfür
und schläget die Flamme zusammen nach mir.
Es ist um mich geschehn;
Ich darf den Himmel nicht ansehn.

       Christian Adolf Balduin, 1632-1682, zitiert nach Zahn Nr. 8395. Der Text des Colmarischen Lobopfers 1722 n° 232 ist fast identisch.

Melodie : Hieronymus Gradenthaler,1637-1700. Bei Zahn Nr. 8395 findet man eine etwas verschiedene Form der Melodie, in der die 4. Zeile wiederholt wird. Ihme zitiert den Text nach dem Straßburger (deutschen) Gesangbuch des 18. Jh. Im Straßburger Gesangbuch von 1808 wurde es nicht mehr beibehalten. Das Lied steht nicht im GCAK, und Ihme 1875 setzt es in einen Abschnitt seines Choralbuchs, der den Titel trägt : "Anhang etlicher Weisen, deren Text nicht im Gesangbuche steht".  Die Melodie wird vom Text der 1. Strophe begleitet, und in der Ausgabe von 1888 steht nach dem vierstimmigen Satz die Bemerkung : "Die übrigen Strophen : Straßburger Gesangbuch 1732-1791 N. 335." In Wirklichkeit ist die Liednummer je nach der Ausgabe des Gesangbuchs etwas verschieden. In der von 1770 ist es tatsächlich 335.  Das Lied steht in allen Ausgaben, von 1722 bis 1766, des Colmarischen Lobopfers.

Hepp 1809 Straßburg 1850 Colmarer Sammlung Th. Stern Ihme 1875 Ihme 1888 Wolf 1899
        235 p. 140 269 p. 180  
        e moll e moll  

Die Melodie ist, so sagt Zahn (8395), in den Zeilen 5 bis 10 (den elfsilbigen) "amphibrachisch", die restliche Strophe ist "iambisch". D.h. die Mitte der Strophe wird im Dreiertakt, die restliche Strophe im Zweiertakt gesungen.

Hören : Ihme 1875

Elsässische Choralmelodien