Colmarisches Lobopfer

(Evangelisch-Lutherisches Gesangbuch)

Es sind jetzt alle Lieder des Colmarischen Lobopfers von 1722 und der anderen Ausgaben dieses Gesangbuchs auf dieser Website zu finden, d.h. auch die, die im Gesangbuch von 1709 standen und 1722 weggelassen wurden, dazu auch die Lieder, die in der Ausgabe von 1737 oder im Anhang dieser Ausgabe hinzukamen, schließlich die, die erst im 1745 erschienenen Anhang zur Ausgabe von 1740 oder in der Ausgabe von 1754 erschienen sind.  Die Anmerkungen werden hier wie im Fall des Colmarischen Gesangbuchs von 1781 auf Deutsch und auf Französisch geboten. Wer über ein Lied eine besondere Erklärung wünscht, die dabei nicht gegeben wurde, möge sich an <colmarisches@free.fr> wenden. Die Liederliste  kann auf einer besonderen Datei eingesehen werden (keine Hyperlinks). Wer Fehler bemerkt, möge sie auch an obiger Adresse melden.

 

Introduction en français Texte

Colmar ist heute Sitz der Präfektur des französischen Départements Haut-Rhin (Oberelsass), und war im Mittelalter eine der freien Reichsstädte im Elsass. Die Reformation ist darin relativ spät eingedrungen, und der erste evangelische Gottesdienst wurde darin erst im Jahre 1575 gefeiert. Das älteste mir bekannte Colmarer Gesangbuch erschien 1661, und die beiden Exemplare, die ich davon ausfindig machen konnte, sollen jeweils in der Leipziger Universitätsbibliothek und in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel sein. Das erstere war jedoch, als ich danach fragte, nicht mehr aufzufinden. Es kann also nur noch das Exemplar von Wolfenbüttel eingesehen werden, das nicht digitalisierbar ist, und die Bibliothek erlaubt das Photographieren, auch einzelner Seiten, nicht. Das Buch heißt Gesang-Büchlein ; der Drucker heißt Nagel.

Dieses Gesangbuch von 1661 nennt sich mit Recht Gesangbüchlein, denn es enthält nur 119 Lieder, die auf besonders kleinen Seiten (10cm × 5,5cm) besonders groß gedruckt sind, sodass die wenigen Lieder dennoch 441 Seiten ausfüllen. Unter diesen 119 Liedern fehlen nur acht in den folgenden Ausgaben der Colmarer Gesangbücher, die jedoch mehrere hundert andere Lieder hinzufügen. In dem Buch von 1661 tragen die Lieder keine Nummer, und im Verzeichnis wird auf die Seitennummer verwiesen. In diesem Verzeichnis ist es nicht immer leicht festzustellen, um welches Lied es sich eigentlich handelt, denn jedes Lied wird systematisch nur auf einer einzigen Zeile genannt, und bei der Größe der Buchstaben und der geringen Seitenbreite gehen auf jeden Liedanfang weniger als 30 Buchstaben, die Leerstellen eingeschlossen. Dieses Gesangbuch ist nicht das erste, das in Colmar erschienen ist, denn auf der Titelseite sagt es, es sei "jetzo aufs Newe mit sonderbarem fleiß vbersehen / vnd in ein rechte Ordnung gebracht". Aber die vorige Ausgabe ist nicht mehr vorhanden, und wir haben über sie keinerlei Auskunft.

Später erschien 1709, bei Johann Heinrich Decker, ein Neu-Zugerichtetes / Colmarisches / Hauß- und Kirchen- / Gesangbuch, das im ganzen fast 700 Lieder enthält. Die großgedruckten Zwey Gesänge vom Wort GOttes und der Christlichen Kirchen, die ohne Nummer am Ende des Bandes zu finden sind, müssen dabei mitgezählt werden. Die genaue Zahl der Lieder ist einstweilen auf 697 geschätzt worden, aber es wurden im Buch mehrere Irrtümer in den Nummern der Lieder bemerkt, und wenn noch einer erscheinen sollte, könnte diese Zahl sich noch ändern. Dieses Buch ist sehr schmal (die gedruckte Seite ist 55 mm breit und 145 mm hoch), und deshalb nur auf einer Spalte gedruckt. Ich kenne nur ein einziges heute erhaltenes Exemplar, das sich in der Universitätsbibliothek zu Freiburg im Breisgau befindet, wo ich es einsehen und photographieren durfte. Es trägt über den Liedern stets ihre Nummer in römischen Zahlen, während alle folgenden Ausgaben die Liednummern (wie natürlich auch die Seitenzahlen) in "arabischen" Zahlen angeben.

Von 1722 bis 1766 erschienen nämlich mehrere Ausgaben eines Gesangbuchs, das in der Hauptsache den Inhalt des Gesangbuchs von 1709 beibehält, aber von einer Ausgabe zur anderen fast immer etliche Lieder hinzufügt, und manchmal einige auslässt. Ein bestimmtes Lied kann deswegen in den verschiedenen Ausgaben fast ebensoviele Nummern tragen, wie es eben Ausgaben sind. Im Wirklichkeit sind die Ausgaben von 1746 und 1766 fast identisch, jedenfalls was die Lieder und Liedernummern, auch ihre Disposition auf den Seiten des Gesangbuchs anbelangt. In allen Ausgaben zeigt das alphabetische Register der Lieder immer die Seite des Liedanfangs, nicht die Nummer des Lieds an.

Titel dieser Gesangbücher

Die Titel dieser Gesangbücher sind zweierlei. In den Ausgaben von 1722, 1746, 1754 und 1766 heißt das Buch Colmarisches Lob-Opfer, oder Kirchen-, Schul-, Haus- und Reise-Gesang-Buch, wobei jedoch das Wort Gesang-Buch stets größer gedruckt ist, als das Wort Lob-Opfer. Letzteres wird aber in diesen Ausgaben, auf der Rückseite des Titelblatts oder auf dem folgenden Blatt, in einer Zueignung an den dreieinigen Gott wiederholt. Die Ausgaben von 1737 und 1740 nennen das Buch einfach Gesang-Buch ; doch erscheint in der Ausgabe von 1740 auf der Rückseite des Titelblatts die gleiche Zueignung mit dem Wort Lob-Opfer. Die Ausgaben, die auf der Titelseite selbst dieses Wort führen, wurden bei Johann Heinrich Decker, resp. bei seiner Witwe gedruckt ; die beiden anderen tragen den Namen des Ambrosius Müller, der als "Buchbinder" bezeichnet wird, ohne Namen des Druckers.

Aufmachung

Alle diese Ausgaben sind in einem breiteren Format als die von 1709, und der Text steht darin auf zwei Spalten pro Seite. Es sind zweierlei Ausgaben zu unterscheiden : die "in grobem Druck" und die "in reinem Druck" (rein wird hier in dem heute nur noch in Dialekten üblichen Sinn "fein, zierlich", d.h. "klein" verwendet). Die Ausgaben in "grobem" Druck sollen den älteren, weitsichtigen Leuten bequemer sein, die Ausgaben im "reinen" Druck sollen das Gesangbuch "geschmeidiger", d.h. handlicher machen. Die in der Straßburger Médiathèque protestante vorhandenen und hier verwendeten Ausgaben verteilen sich folgendermaßen in diese beiden Klassen :

- die von 1737 und 1754 sind in "grobem", bzw. "größerm" Druck (was auf der Titelseite angezeigt wird)

- alle anderen sind in normalem Druck, aber nur die von 1740 sagt ausdrücklich, sie sei in "reinem" Druck ; in den anderen Ausgaben wird wahrscheinlich angenommen, dieser Druck sei der normale. In all diesen Ausgaben (einschließlich der von 1709) erscheinen die Lieder in zwei verschiedenen Buchstabengrößen, die als wichtiger angesehenen oder öfter gesungenen in größeren Buchstaben als die anderen. Die Ausgabe von 1722 erklärt dazu, die gute Aussprache der Texte sei angegeben worden. [Dies sei] "...insonderheit in den bekantesten und gemeinsten, mit der größern Schrifft gesetzten Liedern, meistentheils geschehen durch das Merckzeichen (') Apostrophus genannt, als welches andeutet einen mit allem Fleiß außgelassenen Buchstaben, fürnehmlich aber das (e) und das (i), der deßwegen auch in dem singen entweder gar nicht, oder doch nur gar geschwind, ist außzusprechen."

Wie das Gesangbuch von 1709 sind auch alle folgenden Ausgaben ohne Noten, sodass die angegebenen Melodien in vielen Fällen nur vermutet werden können. Es ist mir bislang kein Notenheft bekannt, das die im 18. Jh. in Colmar gesungenen evangelischen Kirchenlieder enthält.

Die Lieder, die in der Ausgabe von 1722 stehen - der ersten, die den Titel "Lobopfer" einführt - werden hier im Text dieser Ausgabe gezeigt. Alle anderen Lieder erscheinen in der Version der frühesten Ausgabe, in der sie zu finden sind. Die Varianten von einer Ausgabe zur andern sind in allen Fällen geringfügig, und wurden in der Regel hier nicht berücksichtigt.

Gesangbuch von 1709
Neu-Zugerichtetes | Colmarisches | Hauß- und Kirchen- | Gesangbuch /
Darinnen enthalten | Die geistreiche Lieder /
Psalmen und Lobgesänge D. | Martini Luthers und anderer | Gottseeligen Männer.
Nebenst vielen andern außer- | lesenen / theils gantz neuen / theils
noch unbekandten / und annoch in | wenig Gesangbüchern befindlichen | Liedern ;
Auß reiner Lehrer Schrifften | zusammen getragen.
Sampt beygefügtem | Nutzlichen und Geist-reichen | Gebett-Büchlein /
Von | Morgen- und Abend-Segen /
Buß- Beicht- Communion- Kirchen- | Hauß und Reiß-Gebettern / in allerhand
Ständen und Anligen andächtig | zu gebrauchen.
COLMAR / gedruckt und verlegt von | Johann Heinrich Decker / 1709.



Anzahl der Lieder.

Die verschiedenen Ausgaben enthalten die in der folgenden Tabelle eingetragene Anzahl an Liedern :

Ausgabe Lieder im Hauptteil Lieder im Anhang Zusammen
1709 614 (+2) 81 697
1722 674 - 674
1737 725 136 861 (855)
1740 721 55 776
1746 721 55 776
1754 723 58 781
1766 721 55 776

Die Zahl der Zeilen des alphabetischen Registers sagt nicht genau die Anzahl der Lieder des Gesangbuchs, denn manche Lieder stehen zweimal im Register, z.B.

- Der Tag der ist so freudenreich wird im Gesangbuch sofort gefolgt von Ein Kindelein so löbelich, dessen erste Strophe auch die großen Buchstaben der Liederanfänge trägt ; beide Anfänge stehen im Register, aber es gibt im Gesangbuch nur eine Nummer für beide ;

- Vor deinen Thron tret ich hiemit kann im Register wiederholt werden unter Für deinen Thron tret ich hiemit ;

- Das Weihnachtslied Puer natus in Bethlehem hat eine lateinische und eine deutsche Version, deren Strophen im Gesangbuch abwechseln (nur die lateinische Version, die zuerst kommt, trägt eine Strophennummer), und beide Anfänge der 1. Strophe stehen im Register.

- Das Lied O Gott, wenn ich bei mir betracht kann im Register ein zweites Mal erscheinen unter dem Anfang Ach Gott...

Von allen Ausgaben ist nur die von 1766 fast eine Neuauflage einer vorhergehenden : sie übernimmt ganz genau die Ausgabe von 1746, und zwar so genau, dass auch manche Druckfehler nicht verbessert wurden. So steht in beiden Ausgaben bei dem Lied Herr Jesu Christ, ich weiß gar wohl die Liednummer 551, da doch das Lied zwischen den Nummern 650 und 652 die Nummer 651 tragen müsste (übrigens trägt an seinem Ort das Lied O Gott, der du das Firmament auch die Nummer 551). Jedoch wurde auf manchen Seiten die Orthographie in der Ausgabe von 1766 zum Teil modernisiert (S. 16 : schenckt / schenkt ; schöpffer / schöpfer ; aber auf der gleichen Seite bleibt ein schencken, ein opffer unverändert).

Die Lieder in den verschiedenen Ausgaben des Colmarer Gesangbuchs von 1709 bis 1766 gliedern sich in die folgenden Klassen :
674 Lieder stehen im Colmarischen Lobopfer von 1722.
69 Lieder des Gesangbuchs von 1709 sind nicht mehr im Lobopfer von 1722. Darunter sind aber 57, die im Anhang der Ausgabe von 1737 stehen, nachher aber définitiv verschwinden (mit einer Ausnahme, ein Lied, das 1754 wieder erscheint)
42 Lieder kommen im Lobopfer von 1737 neu hinzu, die fast alle (3 Ausnahmen) in den späteren Ausgaben beibehalten wurden. Unter den 136 Liedern des Anhangs zu dieser Ausgabe von 1737 sind 71 andere neue Lieder, worunter jedoch nur 5 in den späteren Ausgaben noch zu finden sind. Sonst stehen in diesem Anhang solche Lieder, die 1709 im Gesangbuch standen und 1722 entfernt worden waren. Auch diese verschwinden später definitiv. Aus einem unerfindlichen Grund stehen sechs Lieder in diesem Anhang, die schon im Hauptteil des Gesangbuchs von 1737 zu finden sind, nämlich

Liedanfang Seite im Gesangbuch Seite im Anhang
Gelobet und gepreißt sey stets in 477 49
Wenn (Wann) dein herzliebster Sohn, o Gott 435 184
Wenn (Wann) ich die heilgen zehn Gebott 226 185
Weh mir, daß ich so oft und viel 265  188
Wenn (Wann) menschen-hülf scheint aus zu seyn 442 190
Wo ich nur geh, und wo ich steh 846 199

Vom eigentlichen Gesangbuch zum Anhang sind die Varianten meistens geringfügig - sie können das doppelte Erscheinen des Lieds nicht erklären.
49 weitere neue Lieder kommen im Anhang des Lobopfers von 1740 dazu, während im Gesangbuch selbst (außer dem Anhang) kein neues Lied erscheint.
3 neue Lieder enthält schließlich das Lobopfer von 1754, die jedoch in der Ausgabe von 1766 nicht mehr zu finden sind.
Überhaupt stehen in den Ausgaben von 1746 und 1766 (die fast identisch sind) keine Lieder, die nicht im Gesangbuch von 1740 (einschließlich des Anhangs) vorhanden waren.
Wenn man alle Lieder dieser verschiedenen Gesangbücher zusammenzählt, kommt man auf eine Summe von 908 Lieder, die jedoch nicht alle im gleichen Gesangbuch stehen.

Die Anmerkungen (z.T. sprachliche, z.T. auch inhaltliche) werden zur Wahl auf Französisch und auf Deutsch geboten. Diese Anmerkungen sollen u.a. auch Elsässern, die die deutsche Sprache heute leider, wenn überhaupt, oft nur notdürftig beherrschen, die Möglichkeit geben, die Liedertexte ohne allzu schwerwiegende Fehlinterprationen zu verstehen.

Die in den Anmerkungen verwendeten Abkürzungen zu Gesangbüchern, Choralbüchern und sonstiger Literatur sind in der Hauptsache die gleichen, die schon auf der Website zum Colmarischen Gesangbuch aus dem Jahre 1781 (1807) angewandt wurden. S. hier eine Liste derselben.

Es bleibt mir die angenehme Pflicht, der Straßburger evangelischen Mediathek / Médiathèque protestante dafür zu danken, dass sie mir erlaubt hat, die Texte und auch da oder dort Bilder der dort beheimateten Gesangbücher dem interesssierten Publikum zugänglich zu machen.

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