Lied / Cantique 60

61.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
52 61 61 61 61 61 61
p. 45 45 67 47 41 63 41
CHristus / der uns seelig macht /
Kein böß hat begangen /
Der ward für uns in der nacht
Als ein dieb gefangen /
Geführt für gottlose Leut
Und fälschlich verklaget /
Verlacht / verhöhnt und verspeyt /
Wie die schrifft das saget.
Christus,der

  

geführt
2. In der ersten tages-stund
Ward er unbescheiden /
Als ein mörder dargestellt
Pilato dem heyden :
Der ihn unschuldig befand /
Ohn ursach des todes /
Ihn derhalben von sich sand /
Zum könig Herodes.

unbescheiden
3. Um drey ward der GOttes sohn
Mit geis-[p. 46]seln geschmissen 
Und sein haupt mit einer cron
Von dornen zerrissen.
Gekleidet zu hohn und spott /
Ward auch sehr geschlagen /
Und das creutz zu seinem tod
Mußt er selber tragen.
um drei
geschmissen
4. Umb sechs ward er nack't und bloß
An das creutz geschlagen /
An dem er sein blut vergoß /
Bettet mit wehklagen.
Die zuseher spotten sein /
Auch die bey ihm hiengen
Biß die sonn auch ihren schein
Entzog solchen dingen.
nack't

  

auch die

5. JEsus schrey zur neundten stund /
Klaget sich verlassen /
Bald ward gall in seinen mund
Mit essig gelassen.
Da gab er auff seinen geist /
Und die erd erbebet /
Des tempels vorhang zerreißt /
Und manch felß zerklebet.
schrey

  

  


zerklebet
6. Da man hat zur vesperzeit
Die schächer zerbrochen /
Ward JEsus in seine seit
Mit eim speer gestochen :
Darauß blut und wasser rann /
Die schrifft zu erfüllen /
Wie Johannes zeiget an /
Nur um unsert willen.
die Schrift

7. Da der tag sein ende nahm /
Der abend war kommen /
Ward JEsus vons creutzes-sta  /
durch Joseph genommen :
Herrlich nach jüdischer art /
In ein grab geleget /
Allda mit hütern verwahrt /
Wie Matthäus zeuget.
Matthäus
8. O hilff Christe Gottes sohn /
Durch dein bitter leyden /
Daß wir dir stets underthan /
All untugend meiden /
Deinen todt und sein ursach /
Fruchtbarlich bedencken /
Darfür / wiewol arm und schwach /
Dir danckopffer schencken.
O hilf Christe

62. Mel. Christus der uns seelig macht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
53 62 62 62 62 62 62
p. 46 46 69 48 42 65 42
JEsu leyden / pein und tod /
Jesu tieffe wunden /
Haben menschen / die nur koth /
Heylsamlich verbunden.
Menschen ! schafft die sünde ab /
Wir sind Christen worden /
Sollen kommen auß dem grab /
In der engel ord .
Jesu Leiden

2. JEsus in den garten gieng /
Traurig an geberden /
Mit gebätt das werck anfieng /
Kniet auff die erden :
Seine seel biß in den tod
Hefftig war betrübet /
Schau in was für grosse noth
Er für dich sich giebet.

3. Wachet / bettet / JEsus spricht /
Daß ihr nicht verzaget /
Der geist sich zwar hoch verpflicht /
Das fleisch sich nicht waget.
Mit gebätt fah alles an /
Wann es soll gelingen /
Sey nicht ein vermessen mann
In so schwären dingen.

4. JEsu ! dem der engel-chor
Unverwant auffwarten /
Den zu stärcken kam hervor
Ein engel im garten /
Wenn kömmt meine letste zeit /
Dein engel mich stärcke /
Damit ich [p. 47] im letsten streit
Todes-angst nicht mercke.

aufwarten

  

kömmt, letste

5. JEsu ! dein blutrother schweiß /
Dein betrübtes zagen /
Macht die schwartze sünde weiß /
Kan wehmuth verjagen.
Menschen ! zaget nicht so sehr /
Christus hat erduldet /
Was ich /du / der / Andre mehr
Tausendmahl verschuldet.

  

  


zaget

ich, du...
6. Mit einm kuß Judas der feind /
Ward ein GOtts-verräther /
Der doch nennet einen freund
Diesen übelthäter :
Wann dich auch die falsche welt
Also will betrügen /
Böses mit gutem vergelt /
Alsdann wirst du siegen.


Freund
7. Alle Jünger lauffen weg /
Lassen JEsum stecken /
Petrus selbst /der vor so keck /
Weiset ihm dem rücken :
GOtt hält auß gedultiglich /
Der hat auch gelitten /
Der mir hilft / und läßt noch nicht
Ab für mich zu bitten.

stecken

  



lässt ab
8. JEsu ! ohne missethat
Im garten vorhanden /
Da man dich gebunden hat
Vest mit harten banden :
Wenn uns will der böse feind
Mit der sünde binden /
So laß uns / o menschen-freund /
Dardurch lösung finden.
Lösung
9. Falsche zeugnuß / hohn und spott /
Speichel auch der knechte /
Leydet der viel fromme Gott /
Der allein gerechte :
Und du sündige gestalt /
Wilst zu tod dich hermen /
Wenn verfolgung mit gewalt
Auch auff dich loß stürmen.
Zeugnis

  


Gestalt
härmen

10. Petrus / der nicht denckt zurück /
Seinen Gott verneinet /
Der doch auf den ernsten blick
Bitterlichen wäinet :
JEsu / blicke mich auch an /
Wann ich nicht will büssen /
Wann ich böses hab gethan /
Rühre mein gewissen.

denkt zurück

der
bitterlichen
11. Judas hencket / und darauff
Den landpfleger reitzend /
Schrey des volckes gantzer hauff :
Weg / nur weg / ans creutze :
Nicht nur Judas / sondern ich /
Und die missethaten /
Haben unbarmhertziglich
Meinen Gott verrathen.
henket

schrey
12. JEsus blut den Jüden ist
Tod und lauter hölle :
Prüffe sich ein jeder Christ /
Daß er sich recht stelle :
We er will das theure blut
Würdiglich geniessen /
Solten auß betrübtem muth /
Zuvor thränen fliessen.

Jüden

  

  

würdiglich

13. Jesus sein creutz selber trägt /
Dran man ihn will heften /
Simon / dems auch auffgelegt /
Trägt mit allen kräfften /
Doch gezwungen solchs er faßt.
Gib HErr krafft und gaben /
So will ich ein theil der last
Ungezwungen tragen.
ein Teil

  

14. JEsus angenagelt ist
An das creutz sehr veste /
Beydes durch gewalt und list
Seiner freund und gäste.
Menschen ! die ihr lose seyd /
Könnt euch ihm verbinden /
Wenn ihr von unrecht bey zeit
Wolt zu recht euch finden.
lose
15. JEsu ! deine beyde händ /
Und auch deine füsse /
Alle viere vor vier end
Aller welt jetzt büssen :
Hier ist gar kein unterscheid
Unter Jud- und Türcken /
Gnade allen ist bereit /
Wo dein geist darff würcken.


vor vier end

Unterscheid
Jud- und Türken

würken
16. JEsu ! unter deinem creutz
Stehe ich und wäine /
Weil ich seh /daß allerseits
Vom haupt auff die beine
Fleußt dein blut /der edle [p. 48] safft /
Als der leib zubürstet :
Das gibt mir volko ne kraft /
Wornach mich sehr dürstet.

  

  


zubürstet
das
17. JEsus hier von Nazareth /
Ein könig der Jüden /
Auff des volckes sein gebett /
Schmertzlich ist verschieden.
Wann der böse Jüde kan
Keinen heyland leyden /
So will ich sein underthan
Seyn mit allen freuden.


sein gebett

18. Die kriegsknechte theilen sich
In deß Herren kleider /
Spielen drum gar liederlich :
Also geht es leyder :
Wer zu Christo sich bekennt /
Den will der feind fressen /
Darum raubet er und brennt
Uberall vermessen.

19. JEsus hänget an dem holtz /
Und bitt für die thäter /
Die ihn hassen steif und stoltz /
Mehr als sein verräther :
Deine sünde tödten ihn /
O mensch / das bereue /
Sein vorbitt ist dein gewinn /
Dich hinwieder freue.


steif und stolz

  

vorbitt
20. Er nahm alles wol in acht /
In der letsten stunden /
Seine mutter noch bedacht /
Setzt ihr ein vormunden :
O mensch ! mache richtigkeit /
GOtt und menschen liebe /
Stirb darauff ohn alles leyd /
Und dich nicht betrübe.


bedacht

  

liebe

21. JEsus / dem das paradieß
Offenhertzig schencket /
Mit eim schwur ihm das verhieß /
Der nur sprach : gedencke.
Denck / o mensch / und bitte GOtt /
Daß er dein gedencke /
In so vielfältiger noth
Linderung dir schencke.

dem
22. Unglück dem das leben bracht /
Der schon war verlohren /
Und hieran wol nie gedacht /
Wird von GOtt erkohren :
Deine ruthen / lieber Job /
Dir nicht willig dienen /
Können dich / zu deinem lob /
Mit Christo versühnen.
dem

  

Hiobs Ruten

23. Mein GOTT ! mein GOtt ! JEsus rieff /
Wie bin ich verlassen !
Fühle in der angst so tieff
Leiden ohne massen !
Ruff auch du / We noth ist da /
GOtt an / deinen Herren /
Er will dennoch dir seyn nah /
Ob er gleich scheint ferren.

ferren

24. JEsu gab man bittre gall /
Unserm lebens-fürsten /
Der da ist mein einig all /
Muß für armut dürsten :
Jesu ! wann ich leyde noth /
Will mit dir ich leyden /
Daß ich mag bey dir /o GOtt !
Bleiben ungescheiden.

ungescheiden

25. JEsus alles hat vollbracht /
Was nur von Propheten
Lange vorher ist gesagt /
Nichts mehr ist vonnöthen :
Wäine nicht / nur Christi werck /
Haben alls erworben :
Wenn der trost mich nicht gestärckt /
Wär ich längst verdorben.

der Trost

26. Vatter ! JEsus allermeist
Rieff an seinem ende /
Ich befehle meinen geist
Dir in deine hände :
Meine seele meinem GOtt
Will ich stäts befehlen /
O da wird sie keine noth
Nimmermehr nicht quälen.

Meine Seele

27. Als geschehen war die bitt /
Jesus sein haupt neiget /
Hangend am holtz so verschied /
Seine knye beuget :
Hören will er deine wort /
Küssen sein erlößten /
Seinen vatter loben dort /
Die sich seiner trösten.

loben dort

28. Finsterniß die gantze welt
Decket / das erdbeben
Auch die harten felsen spält /
[p. 49] Todte sich erheben :
Kan mein todter JEsus nun
Solches thun jetzunder /
Wie vielmehr wird er dann thun
Herrschend grosse wunder ?



spält
29. Jesus ist ein frommer mann /
Gottes sohn gewesen /
Wie wir denn von dem hauptmann /
Auch viel andern lesen /
Die sich schlugen an die brust /
Liessen ab von sünden.
Wer zur besserung hat lust /
Mag bey zeit sich finden.

30. Ein schandbube und soldat
JEsum in die seite
Mit eim spieß gestochen hat /
Das sahen viel leute /
Wie das blut und wasser rann
Runter auff die erden /
Wordurch beydes weib und mann
Wollen selig werden.


Schandbube

  

  

selig werden

31. Jesu ! du ligst in der erd /
Als ein wurm begraben /
Laß mich / wann ich sterben werd /
Ruh im grabe haben /
So werd ich / HErr JEsu Christ !
Durch dein krafft und wunden /
Dermaleins / wenn es zeit ist /
Sicher wieder funden.


als

  

  

dermaleins
32. JEsu ! seelig werd ich seyn /
Ich bins schon durch hoffen /
Weil ich von der sünden-pein /
So mich je betroffen /
Durch dein blut erlöset bin :
Theure / theure schätze !
Daran ich mit hertz und sinn
Ewig mich ergötze.

  



je

33. JEsu ! deine Passion
Ist mir leuter freude /
Deine wunden / kron und hohn /
Meines hertzens weyde /
Meine seel auff rosen geht /
Wenn ich dran gedencke /
In dem himmel eine stätt /
Uns deßwegen schencke.

34. JEsu ! der du warest tod /
Lebest nun ohn ende :
In der letsten todes-noth
Nirgend hin mich wende /
Als zu dir / der mich versühnt /
O mein trauter Herre !
Gib mir nun was du verdient /
Mehr ich nichts begehre.


mich wende
versühnt

63. Mel. Ach was soll ich Sünder machen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
54 63 63 63 63 63 63
p. 49 49 73 51 45 69 45
JEsu ! dein betrübtes leyden /
Deine schwere creutzes-pein /
Soll mein gantzes dencken seyn /
Allen welt-tand zu beschneyden.
JEsu ! deine bittre noth
Kräncket mich biß auff den tod.
Jesu, dein betrübtes
2. Dein geronnen-blutig-schwitzen /
Deiner seelen höllen-quaal /
Deine striemen allzumal /
Deiner krone dörnen-spitzen /
Solche deine bittre noth &c.
geronnen-
3. Ach ! was soll ich armer sagen ?
Alle wunden / die du hegst /
Alle strimen / die du trägst /
Hab ich dir selbst helffen schlagen.
JEsu ! deine &c.

hegst
4. Dein gesicht ist blau gestossen /
Deiner augen freundlichkeit
Ist mit unwust voll gespeyt /
Von des teuffels hülff genossen.
Jesu ! deine &c.
gestoßen

unwust
Hilfgenossen

5. Daß du uns bist nachgegangen /
Und verlassen deinen thron :
Ist diß nun dein danck und lohn /
Daß du must am creutze hangen ?
JEsu ! &c.

6. Solte mich dann diß [p. 50] nicht kräncken ?
Solt ich nicht bey diser zeit
Flieh'n der erden eitelkeit /
Und an deinen tod gedencken ?
Jesu ! deine &c.
kränken
7. Laß / HErr JEsu ! laß dein leyden /
Deine marter / angst und pein /
Meine letste zuflucht seyn /
Wann ich soll von hinnen scheiden :
Hilff das ich durch deinen tod
Sanft beschliesse meine noth.
das

64. [Mel. Was GOtt thut das ist wol gethan.]

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
55 64 64 64 64 64 64
p. 50 50 74 52 45 70 45
O Grosser GOTT im himmels thron !
Hilf / daß ich mög erke en /
Wer doch gewesen die person /
Und wie sie sey zu nennen /
Die hie für mich !
So ritterlich
Biß in ihr grab gestritten /
Als sie den tod erlitten.
O großer Gott

2. Ach ! ist es nicht dein liebstes hertz /
Dein kind und eingebohrner ?
Wie leydet denn so grossen schmertz /
O Gott ! dein außerkohrner !
Wie kan es seyn /
Daß solche pein
Dem helden wird gegeben /
Der allen gibt das leben ?

3. Ja / Vatter ! ist es nicht der mann /
Von dem du selbst gesaget :
Er ist es der mich still kan /
Mein sohn der mich behaget :
Wie muß dann er
Jetzund so schwer
Die bürden auff sich nehmen /
Den tod dadurch zu zähmen ?
mich behaget
4. Ist er nicht selbst die herrlichkeit /
Und wird dennoch verspeyet ?
Ja ist er nicht ein held im streit /
Und wird so leicht zerstreuet ?
Ist er nicht Gott /
Und leydet spott ?
Ist er nicht sonder schulden /
U muß den tod erdulden.

  

zerstreuet

  

sonder
5. O frommes / unbeflecktes lamb !
O schönster mensch auf erden !
O manna / das vom himmel kam !
Du must geopffert werden /
Dein händ und füß /
Als die so süß
Am letsten end uns laben /
Die werden gantz durch graben.

  

Manna

  

als die
uns laben
6. Dein würdigs haupt / o Gottes Sohn !
Das wir mit zitter'n ehren /
Bedecket eine stachel-kron /
Dein elend zu vermehren :
Dein treuer mund /
Der wahrheit grund /
Die rosenfarbe lippen /
Sind bleicher als die klippen.

  

vermehren

  

rosenfarbe
7. O grosse lieb ! jetzt seh ich recht /
Die wund in deiner seiten /
Dardurch du wilt mir armen knecht
Ein ewig's reich bereiten /
Diß hertzen blut /
Das hohe gut /
Deßgleichen nicht zu finden /
Befreyet mich von sünden.

  


Herzenblut
8. Dein augen voller freundlichkeit /
Der menschen lust und wonne /
Die klärer waren zu der zeit /
[p. 51] Als die so klare sonne /
Die ändern sich
Nun jämmerlich /
Die schönsten liechter schwellen /
Von lauter thränen-quellen.


klärer
9. Sie rinnen / wie ein wasserfluß /
Auff die zuschlag'ne glieder /
Sie fallen / wie ein regen-guß /
Die zarten wangen nieder.
Ach nichts ist hie /
Als angst und müh /
Es wird mit tausend plagen /
Der schönste leib zuschlagen.


zuschlag'ne
10. Du trägst die straffen meiner schuld
Und schweren missethaten /
Ja lässest dich / auß lauter huld /
Am pfal des creutzes braten /
Das that die lieb /
Herr ! die dich trieb /
Die sünder auß dem rachen
Der höllen frey zu machen.


braten

11. O Wunderwerck ! der herrlich ist /
Ni t auff sich unser schande /
Der keusch /gerecht und sonder list /
Gepriesen wird im lande /
Trägt mit gedult
Gantz fre de schuld /
Ja hat sein eig'nes leben
Für unsers hingegeben.

12. Wie niedrig bist du worden / HErr !
Um unser hoffart willen /
Dein geisseln / marter und beschwer /
Mußt unsre frechheit stillen /
Nur unsre lust /
Der sünden wust /
Gebieret deinem hertzen /
O Heyland ! solche schmertzen.


Beschwer
stillen
Lust

13. Ich bin / HErr JEsu ! gantz verflucht /
Du aber bist der seegen :
Noch hat der seegen mich gesucht /
Auff gar verfluchten wegen :
Ich hab allein
Die höchste pein
Mit sünden wol verdienet /
Du hast mich außgesühnet.


noch
verflucht
14. Ich war verkaufft zur höllen-glut /
Um so viel böser thaten /
Da wußt allein dein göttlich blut /
In solcher noth zu rathen /
Der theure schatz /
Behalt den platz /
Der satan mußte weichen /
Sünd / höll und todt deßgleichen.
behalt

  

15. Nun höret auff des höchsten rach /
Sein zorn der ist gestillet /
Durch so viel schmertzen / pein und schmach /
Nun ist die Schrifft erfüllet :
Des HErren tod
Hat nun die noth
Auff erden weggenommen /
Der fried ist wiederkommen.
höchsten
16. HErr JEsu ! ni mich gnädig an /
Vertilg in mir die sünde /
Die ich nicht gantz ertöden kan /
Wie leyder ! ich befinde :
Eins bitt ich dich /
HErr ! lasse mich /
Dein theures blut-vergiessen
Biß in mein grab geniessen.

  



befinde

  

genießen

65.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
56 65 65 65 65 65 65
p. 52 52 77 54 47 72 47
DA JEsus an dem creutze stuhnd /
Und ihm sein leichnam ward verwundt /
So gar mit bittern schmertzen /
Die sieben wort / die JESUS sprach /
Betracht in deinem hertzen.
Da Jesus an
Leichnam
2. Zum erst'n sprach er gar süssiglich
Zu seinem Vatter im hi elreich /
Mit kräfften und mit sinnen :
Vergib ihn'n Vatt'r ! sie wissen nicht
Was sie an mir beginnen.
süßiglich

mit Kräften
3. Zum andern denck der grossen gnad /
Die GOtt am schäch'r bewiesen hat /
Sprach GOtt gar gnädigliche :
Fürwar du wirst heut bey mir seyn
In meines Vatters reiche.

Schächer
4. Zum dritten g'denck sein'r grossen noth /
Laß dir die wort nicht seyn ein spott :
Weib ! schau dein sohn gar eben /
Johannes ! nimm dein'r mutter wahr /
Solt ihr gar eben pflegen.

gar eben
5. Nun mercket was das viert wort was :
Mich dürst so hart ohn unterlaß !
Schrey Gott mit lauter stimme.
Das menschlich heyl thät er begehr'n /
Der näg'l ward er empfinden.

was

ward

6. Zum fünfften denck der angst darbey /
Mein Gott ! mein Gott ! am creutz er schrey /
Wie hast du mich verlassen ?
Das elend / das ich leyden muß /
Ist groß über die massen.


zum fünften
7. Das sechste war ein kräfftigs wort /
Das mancher sünder auch erhört /
Auß seim göttlichen munde :
Es ist vollbracht mein leyden groß /
Wol hie zu dieser stunde.

erhört
8. Zum siebenden : ich meine seel /
O Vatter ! in dein' händ befehl /
An meinen letsten zeiten /
Weil sie jetzt von mir scheiden will /
Und mag nicht länger beiten.

beiten
9. Wer GOttes mart'r in ehren hat /
Und offt gedenckt der sieben wort /
Deß will GOtt eben pflegen /
Wol hie auff erd mit seiner gnad /
Und dort im ew'gen leben.

eben

66. Mel. Was mein GOtt will / daß gscheh &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
57 66 66 66 66 66 66
p. 53 52 79 54 48 74 48
HOer an mein hertz ! die sieben wort /
Die JEsus außgesprochen /
Da ihm durch quaal und blutgen mord /
Sein hertz am creutz gebrochen /
Thu auff den schrein /
Und schleuß sie ein /
Als edle / hohe gaaben /
So wirst du freud
In schwerem leyd /
Und trost im creutze haben.

Hör an, mein

2. Sein allererste sorge war /
Zu schützen / die ihn hassen /
Bat / daß sein GOtt der [p. 53] bösen schaar
Wolt ihre sünd erlassen :
Vergib / vergib /
sprach er auß lieb /
O Vatter ! ihnen allen /
Ihr keiner ist /
Der säh und wüßt /
In was für that sie fallen.

3. Lehrt uns hiemit / wie schön es sey /
Die lieben / die uns kräncken /
Und ihnen ohne heucheley /
All ihre fehler schencken :
Er zeigt zugleich /
Wie gnadenreich /
Und fro  sey sein gemüthe /
Daß auch sein feind /
Ders böse meynt /
Bey ihm nichts findt / als güte.

die lieben

  

schenken
4. Drauff spricht er seine Mutter an /
Die bey Johanne stuhnde /
Tröst sie am creutz / so gut er kan /
Mit seinem schwachen munde :
Sieh hie dein sohn /
Weib ! der wird schon
Mein ampt bey dir verwalten /
Und jünger ! sieh /
Hie stehet die
Du solt als mutter halten.

stuhnde

  

schon

  

die
5. Ach treues hertz ! so sorgest du
Für alle deine frommen /
Du siehst und schauest fleissig zu /
Wie sie in trübsal kommen /
Tritst auch mit rath /
Und treuer that /
Zu ihnen auff die seiten /
Du bringst sie fort /
Gibst ihnen ort /
Und raum bey guten leuthen.
bringst fort

  

6. Die dritte red hast du gethan /
Dem / der dich / Herr ! gebetten :
Gedenck / und ni dich meiner an /
Wann du nun wirst eintretten
In deinen thron /
Und ehr und kron /
Als himmels-fürst / auffsetzen.
Ich will gewiß
Im paradieß /
Sprachst du / dich heut ergötzen.
aufsetzen

  

7. O süsses wort ! O freuden-stimm !
Was will uns nun erschrecken ?
Laß gleich den tod mit grossem grimm
Hergehn auß allen ecken
Stürmt er gleich sehr /
Was kan er mehr /
Als leib und seele scheiden ?
Indessen schwing
Ich mich / und spring
Ins paradies der freuden.

  

gleich

8. Nun wol / der schächer wird mit freud
Auß Christi wort erfüllet :
Er aber selbst fängt an und schreyt /
Gleich als ein löwe brüllet :
Eli / mein Gott !
Welch angst und noth /
Muß ich dein kind außstehen ?
Ich ruff / und du
Schweigst still darzu /
Läst mich zu grunde gehen !

9. Nimm diß zur folge / frommes kind !
Wann GOtt sich grausam stellet /
Schau daß du / wann sich trübsal findt /
Nicht werdest umgefället :
Halt steiff und fest /
Der dich jetzt läßt /
Wird dich gar bald erfreuen /
Sey du nur treu /
Und halt darbey
Starck an mit glaubgem schreyen.
glaubgem
10. Der HErr fährt fort / rufft laut und hell /
Klagt wie ihn hefftig dürste :
Mich dürstet ! sprach die ewge quell /
Und edler lebensfürste.
Was meint er hier ?
Er zeiget dir /
Wie matt er sich getragen /
An deiner last /
Die du ihm hast
Gemacht in sünden-tagen.

  


Quell
11. Er deutet auch darneben an /
Wie ihn so hoch verlange /
Daß diß sein creutz bey jedermann /
Frucht bring und wol verfange.
Das merck mit fleiß /
Wer sich im schweiß
Der seelenangst muß quälen /
Das ew ge liecht
Schleußt keinen nicht
Vom theil und heyl der seelen.

  


verfange

  

  

schleußt

[p. 54]
12. Als nun des todes finstre nacht
Begunt herein zu dringen /
Sprach GOttes Sohn : es ist vollbracht /
Das was ich soll vollbringen /
Was hier und dar
Die heilge schaar
Der vätter und propheten
Hat auffgesetzt /
Wie man zu letzt
Mich creutzgen werd und töden.

begunt
13. Ists denn vollbracht / was wilt du nun
Dich so vergeblich plagen /
Als müßt ein mensch / mit seinnem thun /
Die sünden-schuld abtragen ?
Es ist vollbracht /
Das nimm in acht /
Du darffst hie nichts zu geben /
Als daß du gläubst /
Und gläubig bleibst /
In deinem gantzen leben.
zu geben

  

14. Nun endlich redt er noch einmal /
Schreyt auß ohn alle massen :
Mein Vatter ni in deinen saal /
Das / was ich jetzt muß lassen /
Ni  meinen geist /
Der hie sich reißt
Auß meinem kalten hertzen.
Und hiermit wird
Der grosse hirt
Entbunden aller schmertzen.

15. O wolte GOtt ! daß ich mein end
Auch also möchte enden /
Und meinen geist in GOttes händ
Und treuen schooß hinsenden.
Ach ! laß mein hort !
Dein letstes wort
Mein letstes wort auch werden /
So werd ich schön
Und seelig gehn
Zum Vatter von der erden.

67.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
58 67 67 67 67 67 67
p. 54 54 81 56 49 76 49

O Lamm GOttes unschuldig /
Am stamm des creutz's geschlachtet /
Allzeit gefunden gedultig /
Wiewol du war'st verachtet.
All sünd hast du getragen /
Sonst müßten wir verzagen.
Erbarm dich unser / o JEsu.

O Lamm Gottes

  

Varianten

2. O lamm GOttes unschuldig / &c.
Erbarm [dich] unser /o JEsu.


dich

3. O lamm GOttes unschuldig / &c.
Gib uns dein frieden / o JEsu.

68. Mel. Da JEsus an dem creutze stund / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
59 68 68 68 68 68 68
p. 55 54 81 57 50 76 50
DA JESUS an des creutzes stamm
Der gantzen welt sünd auff sich nahm /
Sprach er in seinen schmertzen
Noch sieben wort / die lasset uns
Erwegen wol im hertzen.
Da Jesus an
2. Zum ersten : Vatter ! straffe nicht
An ihnen / was mir jetzt geschicht /
Weil sie es nicht verstehen.
Vergib uns / GOtt ! wenn wir auch noch
Auß irrthum was begehen.

geschicht

3. Zum andern er des schächers dacht :
Fürwahr du wirst noch vor der nacht
In meinem reich heut leben.
O HErr ! ni uns auch bald zu dir /
Die wir im elend schweben.

4. Zum dritten : deinen sohn sieh / weib !
Johannes ! ihr zu dienste bleib /
Und sie als mutter liebe.
Versorg / HErr ! die wir lassen hier /
Daß niemand sie betrübe.

5. Zum vierdten saget er : mich dürst !
O JEsu ! [p. 55] grosser lebens-fürst /
Du hast durst und verlangen
Nach uns'rer seeligkeit / drum hilff /
Daß wir sie auch empfangen.

6. Zum fünfften : o mein GOtt ! mein GOtt !
Wie läßst du mich so in der noth ?
Hier wirst du HErr verlassen /
Daß uns GOtt wieder dort aufnehm :
Den trost laßt uns wol fassen.

7. Zum sechsten : hiemit ist vollbracht /
Und alles hiemit gut gemacht.
Gib / daß wir auch durchtringen /
Und was du / HErr ! uns aufferlegt /
Hilff seeliglich vollbringen.
durchdringen

8. Zum siebenden : ich meine seel /
O Gott / mein Vatter ! dir befehl /
Zu deinen treuen händen.
Diß wort sey unser letster wunsch /
Wann wir das leben enden.

9. Wer offt an diese wort gedenckt /
Wenn seine missethat ihn kränckt /
Der wird es wol geniessen :
Denn er durch GOttes gnad erlangt
Ein ruhiges gewissen.
genießen

10. Verleih uns diß HErr JEsu Christ !
Der du für uns gestorben bist /
Gib daß wir deine wunden /
Dein leyden / marter / creutz und todt /
Betrachten alle stunden.

69. M. Christus der uns &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
61 69 69 69 69 69 69
p. 56 55 82 57 50 77 50
SEhet / menschen / sehet auff !
Seh't um GOttes willen /
Sehet / wie viel gehet drauf /
Gottes zorn zu stilllen /
Seht wie zörnt der grosse Gott /
Wenn man ihn verhönet /
Seht / ohn Gottes blut und tod
Wird GOtt nicht versöhnet.
Sehet, Menschen

  

gehet drauf

  

Gott
2. Sehet / welch ein mensch ist GOtt !
Sehet GOttes klagen /
Sehet seiner seelen noth /
Seht sein zittern / zagen :
Seht / wie Gott so kläglich thut !
Seht sein hertzens-klopffen !
Sehet / Gottes Sohn schwitzt blut !
Sehet / die bluts-tropffen.
Blutstropfen
3. Sehet / welch ein mensch steht dar /
An der marter säulen !
Sehet / der der schönste war /
Ist voll eiter-beulen /
Voller striemen / voller blut
Sind die zarten glieder /
Sehet welch ein rothe fluth /
Fleußt den rucken nieder.

  


Eiterbeulen

Glieder

Rucken
4. Welch ein mensch ist Gottes Sohn !
Seht ihr menschen-kinder !
Seht / er trägt die dornen-kron /
An statt aller sünder :
Seht / wie ist sein haupt zerritzt /
Seht / wie ists zerstochen /
Sehet / wie das blut herspritzt /
Wo ein dorn zerbrochen.

  

an statt

[p. 56]
5. Sehet / welch ein mensch ist GOtt /
Der ans creutz geschlagen /
Seht / er ist der leute spott /
Voller fluch und plagen /
Seht / er krü t sich wie ein wurm /
Der von GOtt verda et /
Seht / so wütet GOttes sturm /
Wenn sein eyfer flammet.

6. Seht / ihm habt ihr müh gemacht /
Seht / mit euren sünden /
Die ihr ungebüßt vollbracht /
Welch' nicht außzugründen.
Gott versühnt den grossen Gott /
GOtt stirbt für die sünder.
JEsu ! deiner seelen noth
Zeuget Gottes kinder.

Müh gemacht

auszugründen

  

Gotteskinder

70. Mel. Christus der uns seelig macht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
62 70 70 70 70 70 70
p. 57 56 84 58 51 78 51
JESU ! meiner seelen liecht /
Freude meiner freuden /
Meines lebens zuversicht !
Ni doch für dein leyden
Diesen schlechten danck hier an /
So viel meine seele
Immermehr dir bringen kan /
In der schwachheits-höle.
Jesu, meiner

  


schlechten

immermehr
2. Ich erweg es hin und her
Was dich doch bewogen /
Daß du so viel hertz-beschwer
Hast auff dich gezogen /
Daß du angst / gewalt und noth /
Schläg und hohn in banden /
Lästerung und creutz und tod /
Willig außgestanden.


Herzbeschwer
3. GOttes wolgewogenheit /
Vatters lieb und güte /
Deine hertzens-freundlichkeit /
Und dein treu gemüte /
JEsu ! hat es außgebracht /
Daß kein mensch verzagte /
Wann der sünden meng und macht
Die gewissen nagte.
Wohlgewogenheit

  

ausgebracht
4. O du wunderbahrer rath /
Den man nie ergründet !
O der unerhörten that /
Die man nirgends findet !
Was der mensch / der erden-knecht /
Trotzig hat verbrochen /
Wird an GOtt / der doch gerecht /
Durch und durch gerochen.
gerochen
5. Meine wilde schandbegier
Hat dich so zuschlagen /
Diese kranckheit hab ich dir /
JEsu ! auffgetragen :
Meine schuld und missethat
Hat dich so verbürget /
Biß sie dich auch endlich hat
Unrecht hingewürget.

zuschlagen

aufgetragen

verbürget
6. Alle straffe / der ich war
Tag und nacht verbunden /
Ligt auff dir nun gantz und gar /
Und durch deine wunden
Wird uns fried und heyl gebracht /
Drum will mir geziemen /
Deine starcke liebes-macht
Ewiglich zu rühmen.

verbunden

  

will geziemen
7. Laß doch dieser sicherheit
Gleichfahls mein gewissen /
Zwischen angst und [p 57] tod und streit /
Kräfftiglich geniessen /
Ach ! ach ! meines hertzens hertz !
Wirff durch deine schmertzen
Meine schmertzen hinterwerts /
Fern auß meinem hertzen.
Sicherheit

  

Herzens Herz
8. Und wie schnell mein hertz erschrickt
Uber straff und sünden /
So schnell wird es gleich erquickt
Mit den gnaden-winden.
JEsu ! sieh / ich falle dir
Mit zerknirschter busse /
Und mit besserungs-begier /
Glaubens-kühn zu fusse.

  

Uber
Gnadenwinde
9. Nun ich weiß / worauff ich bau /
Und bey wem ich bleibe /
Welchem vorsprech ich mich trau /
Und an wen ich gläube :
JEsu ! du bist es allein /
Der mich hält und schützet /
Wann gleich alle höllen pein
Auff mich scheußt und blitzet.

  

Vorsprech

  



scheußt
10. Ich will / weil ich mit dir frey
Werd im himmel erben /
HErr ! in deinen armen treu
Leben und auch sterben /
Biß man frölich sagen wird
Nach den todes-banden :
Sieh' dein bräut'gam und dein hirt /
JEsus / ist vorhanden.

frei

71. Mel. Hilff GOtt / daß mirs gelinge / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
63 71 71 71 71 71 71
p. 58 57 85 59 52 80 52
WAnn meine sünd mich kräncken /
O mein Herr JEsu Christ :/:
So laß mich wol bedencken /
Wie du gestorben bist :
Und alle meine schulden-last /
Am stamm des heilgen creutzes /
Auff dich genommen hast.

Wenn meine Sünd

2. O wunder ohne massen /
Wer es betrachtet recht :/:
Es hat sich martern lassen /
Der HErr für seine knecht :
Es hat sich selbst der wahre GOtt /
Vor mich verlohrnen menschen
Gegeben in den tod

3. Was kan mir dann nun schaden
Der sünden grosse zahl :/:
Ich bin bey GOtt in gnaden /
Die schuld ist allzumal
Bezahlt durch Christi theures blut /
Daß ich nicht mehr darff förchten
Der höllen quaal und glut.
darf

4. Drum sag ich dir von hertzen /
Jetzt und mein lebenlang :/:
Für solche pein und schmertzen /
O JEsu ! lob und danck :
Für deine noth und angstgeschrey /
Für dein unschuldig sterben /
Für deine lieb und treu.


lebenlang

5. HErr ! laß dein bitter leiden
Mich reitzen für und für :/:
Mit allem ernst zu meiden
Die sündliche begier /
Daß mir nie komme auß dem sinn /
Wie viel es dich gekostet /
Daß ich erlöset bin.

6. Mein creutz und meine plagen /
Solts auch seyn schmach und spott :/:
Hilff mir gedultig tragen /
Gib / o mein HErr und GOtt !
Daß ich verläugne diese welt /
Und folge dem exempel /
Das du mir fürgestellt.

7. Laß mich an andern üben /
Was du an mir gethan :/:
Und meinen nächsten lieben /
Gern dienen jederman /
Ohn eigen nutz und heuchel schein /
[p. 58] Und wie du mir erwiesen /
Auß reiner lieb allein.

eigen Nutz

  

8. Laß endlich deine wunden
Mich trösten kräfftiglich :/:
In meiner letsten stunden /
Und das versichern mich /
Weil ich auff dein verdienst nur trau /
Du werdest mich annehmen /
Daß ich dich ewig schau.

das versichern

72.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
65 72 72 72 72 72 72
p. 61 58 86 60 53 81 53

HIlff GOTT ! daß mirs gelinge /
Du edler Schöpffer mein :/:
Die sylb'n in reim'n zu zwingen /
Zu lob dem namen dein.
Daß ich mag frölich heben an /
Von deinem wort zu singen /
HErr ! du wolst mir beystahn.


Hilf Gott

  



Wort
2. Ewig dein wort wird bleiben /
Wie Esaias meldt :/:
In seinem buch thut schreiben /
Eh' wird vergehn die welt /
Und was GOtt selber je geschuff /
Solt es alles verderben /
Er thät kein wiederruff.

Esaias

geschuff

3. JEsus / das wort des Vatters /
Ist kommen in die welt :/:
Mit grossen wunderthaten /
Verkaufft um schnödes gelt /
Durch Judam seiner jünger ein /
Ward er in todt gegeben /
JEsus / das lä elein.

4. Nachdem sie hatten gessen /
Vernehmt / das Osterlamm :/:
Da thät er nicht vergessen /
Das brod in sein händ na  /
Sprach : eßt / das ist mein leichnam lind /
Der für euch wird gegeben /
Zur vergebung eu'r sünd.


Leichnam lind
5. Reicht ihn'n auch dar zu trincken
Im wein sein blut so roth :/:
Sein'n tod solt ihr verkünden /
Paulus geschrieben hat :
Wer würdig ißt von diesem brod /
Und trinckt auß diesem kelche /
Der wird nicht sehn den tod.


würdig

6. JEsus wusch ihn'n ihr füsse
Wol zu derselben stund :/:
Lehrt sie mit worten süsse
Auß seim Göttlichen mund :
Liebet einander allezeit /
Dabey wird man erkennen /
Daß ihr mein jünger seyd.

7. Christus der HErr im garten /
Als er gebettet hat :/:
Der Juden thät erwarten /
Von ihn'n gebunden hart.
Sie führten ihn zum richter dar /
Gegeisselt und gekrönet /
Zum tod verurteilt war.


erwarten
8. Hoch an ein creutz gehangen
Der hochgeborne fürst :/:
Nach uns thät ihn verlangen /
Darum sprach er : mich dürst.
Verni  /nach unser seeligkeit /
Drum er ein mensch geboren /
Von einer reinen mayd.

  



mich dürst't
vernimm
9. Mit seinem haupt geneiget
Er seinen geist [p. 59] auffgab :/:
Als uns Johannes zeiget /
Er ward geno en ab
Vom creutz / ins grab ward er gelegt /
Am dritten tag erstanden /
Wie er vor hat gesagt.
vor
10. Und in denselben tagen
JEsus sein jünger lehrt :/:
Allein sein wort zu tragen /
Predgen in aller welt :
Wer glauben thut und ist getaufft /
Der hat das ewig leben /
Durch Christum ihm erkaufft.
ist getauft

  

11. Lucas gar schön thut schreiben
Von seiner himmelfahrt :/:
Doch allweg bey uns bleiben /
Wie er versprochen hat /
In seinem wahrhafftigen wort /
Das kein vernunfft umstosset /
Kein gwalt der höllen pfort.
Lukas

  



kein Vernunft
12. Ein'n tröster thät er senden /
Das war der heil'ge Geist :/:
Von Gott / der thät sie lenden
In warheit allermeist.
Denselben woll'n wir ruffen an /
Der wird uns nicht verlassen /
Und uns treulich beystahn. *

  

lenden

  

*

13. Richten wird er auff erden /
All menschen jung und alt :/:
Und welche seelig werden 
Wird er außlesen bald /
Am jüngsten tag gar ungeheur /
Die andern wird er werffen
Ins ewig höllisch feur.

14. Ehr sey GOtt in seim throne /
Und Christo seinem sohn :/:
Dem heilgen geiste schone /
Der wöll uns beystand thun /
Daß wir zu unser seeligkeit /
Mit rechtem glauben kommen /
Die Christus hat bereit.

  

schone

  

bereit

73.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
66 73 73 73 73 73 73
p. 63 59 88 61 54 83 54
O Traurigkeit !
O hertzenleyd !
Ist das nicht zu beklagen !
GOtt des Vatters einig kind
Wird ins grab getragen.
O Traurigkeit

2. O grosse noth !
Gott selbst ist tod /
Am creutz ist er gestorben /
Hat dadurch das himmelreich
Uns auß lieb erworben.

3. O menschen-kind !
Nur deine sünd
Hat dieses angerichtet /
Wie du durch die missethat
Warest gantz vernichtet.
angerichtet

4. Dein bräutigam /
Das Gottes la  /
Ligt hie mit blut beflossen /
Welches er gantz mildiglich
Hat für dich vergossen.

beflossen

5. O süsser mund !
O glaubens grund !
Wie bist du doch zuschlagen ?
Alles was auff erden lebt
Muß dich ja beklagen.

zuschlagen

6. O lieblich's bild /
Schön / zart und mild /
Du söhnlein der jungfrauen !
Niemand kan dein heis-[p. 60]ses blut
Sonder reu anschauen.

7. Hochseelig ist
Zu jeder frist
Der dieses recht bedencket /
Wie der HErr der herrlichkeit
Wird ins grab versencket.

8. O JEsu ! du /
Mein hülff und ruh /
Ich bitte dich mit thränen :
Hilff / daß ich mich biß ins grab
Möge nach dir sehnen.

74.) Mel. O traurigkeit / O hertzenleyd / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
67 74 74 74 74 74 74
p. 63 60 89 62 54 84 54

O Theures blut !
O rothe fluth !
Wie quilst du auß den wunden !
Die mit unerhörter angst
JEsus hat empfunden.

O teures Blut

  

die mit...

2. Ach theurer fluß !
Ach fluß ! ich muß
Mit dir die seele laben !
Sonsten kan sie in der welt
Keinen labsal haben.



laben

Labsal

3. Fleuß auff sie zu /
Und schaff ihr ruh /
Wann sie die sünde naget /
Wann sie fühlet höllen-angst /
Und nach troste fraget.

fühlet

4. O GOttes sohn /
Mein gnaden-thron !
Du stirbst / auff daß ich lebe /
Und an dir / o weinstock ! sey
Eine grüne rebe.


Weinstock

5. Ich sünden-knecht
Bin nun gerecht /
Mein fluch wird mir zum seegen /
Dann ich bin des höchsten kind /
Meines JEsu wegen.

6. Ich dancke dir /
O hi els-zier !
Daß du für mich gelitten /
Daß du sterbend meinen tod
Ritterlich bestritten.

ritterlich

7. O Pelican /
O reiner schwan !
Laß solches mich bedencken /
Biß man endlich meinen leib
Wird ins grab versencken.
Pelikan
Schwan
8. Dann leb ich wol /
Gleich wie ich soll /
Und sterb in deinem namen /
Komm / du theures A und O /
Mich zu holen / Amen.
dann

  

A und O

75.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
68 75 75 75 75 75 75
p. 64 60 90 62 55 84 55

HErtzliebster JEsu ! was hast du verbrochen /
Daß man ein solch scharff urtheil hat gesprochen ?
Was ist die schuld ? In was für missethaten
Bist du gerathen.

Herzliebster

  

geraten

2. Du wirst verspeyt / geschlagen und verhöhnet /
Gegeisselt und mit dörnen scharf gekrönet /
Mit essig / als man dich ans creutz gehencket /
Wirst du geträncket.


Dörnen
gehenket

3. Was ist die ursach aller solcher plagen ?
Ach meine sünden haben dich geschlagen !
Ich / ach HErr JEsu ! habe diß verschuldet /
Was du erduldet.

4. Wie wunderbarlich ist doch diese straffe !
Der gute hirte leydet für die schaafe !
Die schuld bezahlt der Herre / der gerechte /
Für seine knechte.

5. Der fromme stirbt / der recht und richtig wandelt /
Der böse lebt / der wieder Gott mißhandelt.
Der mensch verwirckt den tod / und ist entgangen /
Gott wird gefangen.

recht, richtig
wieder
verwirkt

6. Ich war von fuß auff voller schand und sünden /
Biß zu der scheitel war nichts guts zu finden /
Dafür hätt ich dort in der höllen müssen
Ewiglich büssen.


Scheitel

7. O grosse lieb / o lieb ohn alle masse /
Die dich gebracht auff diese marter-strasse !
Ich [p. 61] lebte mit der welt in lust und freuden /
Und du must leiden.

masse

8. Ach grosser könig / groß zu allen zeiten !
Wie kan ich gnugsam solche that außbreiten ?
Kein menschlich hertze mag ihm diß außdencken /
Was dir zu schencken.


ausdenken

9. Ich kans mit meinen sinnen nicht erreichen /
Mit was doch dein erbarmung zu vergleichen /
Wie kan ich dir dann deine liebes-thaten
Im werck erstatten ?


zu vergleichen

10. Doch ist noch etwas / das dir angenehme /
Wann ich des fleisches lüste dämpff und zähme /
Daß sie auffs neu mein hertze nicht entzünden /
Mit alten sünden.

11. Weil aber diß nicht steht in eignen kräfften /
Dem creutze die begierden anzuhefften /
So gib mir deinen geist / der mich regiere /
Zum guten führe.

12. Alsdann so werd ich deine huld betrachten /
Auß lieb an dich die welt für nichtes achten.
Ich werde mich bemühen    deinen willen
Stets zu erfüllen.


nichtes
bemühen -

13. Ich werde dir zu ehren alles wagen /
Kein creutz nicht achten / keine schmach noch plagen /
Nichts von verfolgung / nichts von todes-schmertzen /
Nemen zu hertzen.

14. Diß alles / obs für schlecht zwar ist zu schätzen /
Wirst du es doch nicht gar bey seite setzen /
In gnaden wirst du diß von mir annehmen /
Mich nicht beschämen.

schlecht
nicht gar
beschämen

15. Wann dort / HErr JEsu ! wird für deinem throne /
Auff meinem haupte stehn ein ehren-krone /
Da will ich dir / wann alles wird wol klingen /
Lob und danck singen.


auf meinem

76. In obiger Melodey.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
69 76 76 76 76 76 76
p. 65 61 91 63 56 86 56

KO t her und schaut / ko t laßt uns doch von hertzen
Betrachten Christi leiden / pein und schmertzen /
Er tritt die kelter GOttes / wie ich meine /
Wol recht alleine.


Kommt her

Kelter

2. Ach seht / wie angst wird ihm von unsern sünden /
Er muß sich wie ein wurm am Oelberg winden /
Daß ihm der todes-schweiß / mit dem er ringet /
Blutig außdringet.

angst
wie ein Wurm

3. GOtt selbst fällt hie im garten zu der erden /
Ein engel muß des trösters tröster werden /
Die creatur muß ihren Schöpfer stärcken /
Welchs wol zu mercken.

4. Was wir und Adam hatten übertretten /
Das muß der unschuldigste HErr verbetten /
Den scharffen zorn / der über uns ergrimmet /
Er hie vernimmet.


verbetten

5. Der geitzhals Judas sorget / re t und lauffet /
Den Herren um ein schnödes gelt verkauffet /
Gibt drauff der rott die losung durch sein grüssen /
Und falsches küssen.

lauffet

Losung

6. Die da mit spieß und stangen fertig stunden /
Führten ihn mit vor Caiphas gebunden /
Da er um seine lehre wird gefraget /
Und hart verklaget.

fertig

7. In dessen mund auch kein betrug gefunden /
Der wird durch falsches zeugnüß überwunden /
Er wird verspott / verspeyet und verhönet /
Mit dorn gekrönet.

kein Betrug

8. Er wird gepeitscht mit [p. 62] dick-geflochtnen riemen /
Der rücken lag blutrünstig voller striemen /
Von seinem haupt / mit dornen wund gestossen /
Blutstropffen flossen.


blutrünstig

9. Blutig ward er zum schauspiel umgeführet /
Mit einem purpur nur zum spott gezieret /
Höhnisch gegrüßt / man speyt ihm ins gesichte /
Und ihn vernichte.

vernichte

10. Er ward verurtheilt / und ans creutz gehencket /
Mit essig und mit bittrer gall geträncket :
Zu letst / als schon sein geist sich von ihm machet /
Ward er verlachet.

11. Wir sollen nicht ihn / sondern uns beklagen.
Ach freylich wir / wir haben ihn geschlagen
Ans holtz / weil Adam von dem holtz den schaden
Ihm auffgeladen.


ihm

12. Ach ! unsre sünd ist ursach seiner wunden /
Wir haben ihn mit ruthen selbst gebunden :
Wir hätten ewig / ewig / ewig müssen
Diß alles büssen.

13. HErr JEsu ! dir / dir soll man danck erweisen /
Für die erlösung soll man stets dich preisen /
Doch kan es keines menschen witz außdencken /
Was dir zu schencken.


schenken

14. Nimm diß so lang / was meine lippen singen /
Biß du mich an der engel chor wirst bringen /
Daselb will ich dein lob in jenem leben
Völlig erheben.

15. Hilff / JEsu ! daß ich Gott auch meine seele /
Wie du gethan / an meinem end befehle /
Daß ich mag seelig auff dein blut und namen
Einschlaffen / Amen.

77.) Mel. Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
70 77 77 77 77 77 77
p. 66 62 93 65 57 87 57

JEsu ! deine tieffe wunden /
Deine qual und bittrer tod :/:
Geben mir zu allen stunden
Trost in leibs- und seelen-noth.
Fällt mir etwas arges ein /
Denck ich bald an deine pein /
Die erlaubet meinem hertzen
Mit der sünde nicht zu schertzen.


Jesu, deine

  

  

erlaubet

2. Will sich dann in wollust weiden
Mein verderbtes fleisch und blut :/:
So gedenck ich an dein leiden /
Bald wird alles wieder gut.
Ko t der satan / und setzt mir
Hefftig zu / halt ich ihm für
Deine gnad und gnaden-zeichen /
Bald muß er von dannen weichen.

3. Will die welt mein hertze führen
Auff die breite wollust-bahn :/:
Da nichts ist als jubilieren /
Alsdann schau ich emsig an
Deiner marter centner last /
Die du außgestanden hast.
So kan ich in andacht bleiben /
Alle böse lust abtreiben.



centner last

4. Ja für alles / das mich kräncket /
Geben deine wunden krafft :/:
Wann mein hertz hinein sich sencket /
Krieg ich neuen lebens-safft.
Deines trostes süssigkeit /
Wend in mir [p. 63] das bittre leid /
Der du mir das heyl erworben /
Da du für mich bist gestorben.

kränket

  

wend

5. Auff dich setz ich mein vertrauen :
Du bist meine zuversicht :/:
Dein tod hat den tod zerhauen /
Daß er mich kan töden nicht.
Daß ich an dir habe theil /
Bringet mir trost /schutz u heyl.
Deine gnade wird mir geben
Aufferstehung / liecht und leben.

6. Hab ich dich in meinem hertzen /
Du brunn aller gütigkeit :/:
So empfind ich keine schmertzen /
Auch im letsten kampf und streit.
Ich verberge mich in dich :
Welch feind kan verletzen mich ?
Wer sich legt in deine wunden /
Der hat glücklich überwunden.

78.) M. Jesu der du meine &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
71 78 78 78 78 78 78
p. 67 63 94 65 57 88 57

JEsu ! meines lebens leben /
JEsu meines Todes tod :/:
Der du dich für mich gegeben 
In die tieffe seelen-noth /
In das äusserste verderben /
Nur daß ich nicht möchte sterben.
Tausend / tausend mal sey dir /
Liebster JEsu ! danck darfür.

Jesu, meines
Todes

  

äußerste

2. Du / ach ! du hast außgestanden
Läster-reden, / spott und hohn :/:
Speichel / schläge / strick und banden /
Du gerechter GOttes sohn !
Nur mich armen zu erretten
Von des teuffels sünden-ketten.
Tausend / tausend mal sey dir /
Liebster JEsu ! danck darfür.

3. Du hast lassen wunden schlagen /
Dich erbärmlich richten zu :/:
Um zu heilen meine plagen /
Um zu setzen mich in ruh.
Ach ! du hast / zu meinem segen /
Lassen dich mit fluch belegen.
Tausend /&c.


zurichten

4. Man hat dich sehr hart verhöhnet /
Dich mit grossem schimpff belegt :/:
Gar mit dornen angekrönet :
Was hat dich darzu bewegt ?
Daß du möchtest mich ergetzen /
Mir die ehren-kron auffsetzen.
Tausend &c.



angekrönet

5. Du hast wollen seyn geschlagen /
Zu befreyen meine pein :/:
Fälschlich lassen dich anklagen /
Daß ich könte sicher seyn :
Daß ich möchte trostreich prangen /
Hast du sonder trost gehangen.
Tausend / &c.


befreien

6. Du hast dich in noth gestecket /
Hast gelitten mit gedult :/:
Gar den herben tod geschmecket /
Um zu büssen meine schuld :
Daß ich würde loß gezehlet /
Hast du wollen seyn gequälet.
Tausend / &c.

losgezählet


7. Deine demuth hat gebüsset
Meinen stoltz [p. 64] und Ubermuth :/:
Dein tod meinen tod versüsset /
Es ko t alles mir zu gut :
Dein verspotten / dein verspeyen /
Muß zu ehren mir gedeyen.
Tausend / &c.

8. Nun ich dancke dir von hertzen /
JEsu ! vor gesamte noth :/:
Vor die wunden / vor die schmertzen /
Vor den herben bittern tod :
Vor dein zittern / vor dein zagen /
Vor dein tausend-faches plagen.
Vor dein ach und tieffe pein /
Will ich ewig danckbar seyn.


vor

79.) In seiner eign. Mel. od. : Erhalt uns Herr bey / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
73 79 79 79 79 79 79
p. 69 64 95 66 58 90 58

WIr dancken dir HErr JEsu Christ !
Daß du für uns gestorben bist /
Und hast uns durch dein theures blut
Für GOtt gemacht gerecht und gut.


Wir danken dir

  

für Gott

2. Wir bitten dich wahr r mensch und GOtt !
Durch dein heilig fünf wunden roth /
Erlöß uns von dem ew gen tod /
Und tröst uns in der letsten noth.

wahr r

3. Behüt uns auch für sünd und schand /
Reich uns dein allmächtige hand /
Daß wir im creutz gedultig seyn /
Uns trösten deiner schweren pein.

4. Und drauß schöpffen die zuversicht /
Daß du uns werdst verlassen nicht /
Sondern gantz treulich bey uns stehn /
Biß wir durchs creutz ins leben gehn.

80.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
74 80 80 80 80 80 80
p. 69 64 96 67 58 90 58

O JEsu Christ ! mein's lebens-liecht /
Mein heyl / mein trost / mein zuversicht !
Auff erden bin ich nur ein gast /
Und drückt mich sehr der sünden last.

O Jesu Christ

2. Ich hab für mir ein schwere reiß
Zu dir ins himmlisch paradeiß /
Da ist mein rechtes vatterland /
Darauff du dein blut hast gewand.

3. Zur reiß ist mir mein hertz sehr matt /
Der leib gar wenig kräfften hat /
Allein mein seele schreyt in mir :
HErr hol mich heim / nimm mich zu dir.

4. Drum stärck mich durch das leyden dein /
In meiner letsten todes-pein /
Dein blutschweiß mich tröst und erquick /
Mach mich frey durch dein band und strick.

5. Dein backenstreich und ruthen frisch /
Die sünden-striemen mir abwisch /
Dein hohn und spott / dein dornen Cron /
Laß seyn mein ehre freud und wonn.

6. Dein durst und gallentranck mich lab /
Wann ich sonst keine stärckung hab /
Dein angst-geschrey ko mir zu gut /
Bewahr mich für der höllen glut.

für

7. Die heiligen fünff wunden dein /
Laß mir rechte fels-löcher seyn /
[p. 65] Darein ich flieh / als eine taub /
Daß mich der höllisch weyh nicht raub.


Felslöcher

Weih

8. Wann mein mund nicht kan reden frey /
Dein Geist in meinem hertzen schrey :
Hilff daß mein seel den hi el find /
Wa meine augen werden blind.

9. Dein letstes wort laß seyn mein licht /
Wa mir der tod das hertz zerbricht :
Behüte mich für ungeberd /
Wann ich mein haupt nun neigen werd.



Ungeberde

10. Dein creutz laß seyn mein wander-stab /
Mein ruh und rast dein heil'ges grab /
Die reine grabes-tücher dein
Laß meine sterbe-kleider seyn.

Sterbekleider

11. Laß mich durch deine nägel-mahl
Erblicken die genadenwahl /
Durch deine auffgespaltne seit
Mein arme seele heim geleit.


Gnadenwahl

12. Auff deinen abschied / Herr ! ich trau /
Darauff mein letste heimfahrt bau /
Thu mir die hi elsthür weit auff
Wann ich beschließ meins lebens-lauff.

13. Am jüngsten tag erweck mein leib /
Auff daß ich dir zur rechten bleib /
Daß mich nicht treffe dein gericht /
Welch's das erschrecklich urtheil spricht.

mein Leib
zur Rechten

14. Alsda mein'n leib erneure gantz /
Daß er leucht wie der sonnen glantz /
Und ähnlich sey dein'm klaren leib /
Auch gleich den lieben engeln bleib.

15. Wie werd ich dann so frölich seyn /
Werd singen mit den engelein /
Und mit der außerwehlten schaar
Ewig schauen dein antlitz klar.

81.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
75 81 81 81 81 81 81
p. 71 65 98 68 60 92 60

EIn lämmlein geht und trägt die schuld
Der welt und ihrer kinder /
Es geht und büsset in gedult
Die sünden aller sünder /
Es geht dahin / wird matt und kranck /
Ergibt sich auff die würgebanck /
Verzeiht sich aller freuden /
Es nimmet an schmach / hohn und spott /
Angst / wunden / striemen / creutz und todt /
Und spricht : ich wils gern leiden.


Ein Lämmlein

  



Würgebank
verzeiht sich

2. Das lämmlein ist der grosse freund /
Und heyland meiner seelen /
Den / den hat Gott zum sünden-feind /
Und söhner wollen wehlen.
Geh hin / mein kind / und ni dich an
Der kinder / die ich außgethan /
Zur straff und zornes-ruthen :
Die straff ist schwer / der zorn ist groß :
Du kanst u solst sie machen loß /
Durch sterben und durch bluten.


  

Söhner

  

ausgetan

3. Ja / Vatter / ja / von hertzen-grund !
Leg auff / ich will dirs tragen :
Mein wollen hängt an deinem mund /
Mein wincken ist dein sagen.
[p. 66] O wunderlieb / o liebes macht !
Du kanst / was nie kein mensch gedacht /
GOtt seinen sohn abzwingen.
O liebe / liebe ! du bist starck /
Du streckest den ins grab und sarck /
Für dem die felsen springen.


  

winken

4. Du marterst ihn am creutzesstamm /
Mit nägeln und mit spiessen /
Du schlachtest ihn als wie ein lamm /
Machst hertz und adern fliessen /
Das hertze mit der seufftzer krafft /
Die adern mit dem edlen safft
Des purpur-rothen blutes.
O süsses lamm / was soll ich dir
Erweisen dafür /daß du mir
Erzeigest so viel gutes ?

5. Mein lebetage will ich dich
Auß meinem sinn nicht lassen /
Dich will ich stets /gleich wie du mich /
Mit liebes-armen fassen :
Du solt seyn meines hertzens liecht /
Und wann mein hertz in stücken bricht /
Solt du mein hertze bleiben.
Ich will mich dir / mein höchster ruhm /
Hiemit zu deinem eigenthum
Beständiglich verschreiben.



  

solt, liecht

6. Ich will von deiner lieblichkeit
Bey nacht und tage singen /
Mich selbst auch dir nach müglichkeit
Zum freuden-opffer bringen :
Mein bach des lebens soll sich dir /
Und deinem namen für und für /
In danckberkeit ergiessen :
Und was du mir zu gut gethan /
Das will ich stäts / so tieff ich kan /
In mein gedächtnuß schliessen.

7. Erweitre dich meins hertzens schrein /
Du solt ein schatz-hauß werden
Der schätze / die viel grösser seyn /
Als hi el / meer und erden.
Weg mit dem gold Arabia /
Weg calmus / myrrhen / casia /
Ich hab ein bessers funden /
Mein grosser schatz HERR JESU Christ /
Ist dises / was geflossen ist
Auß deines leibes wunden.

calmus etc.

8. Das soll und will ich mir zu nutz
Zu allen zeiten machen /
Im streite soll es seyn mein schutz /
In traurigkeit mein lachen /
In frölichkeit mein säitenspiel /
Und wann mir nichts mehr schmecken will /
Soll mich diß manna speisen /
Im durst solls seyn mein wasserquell /
In einsamkeit mein sprach-gesell /
Zu hauß und auch auff reisen.

9. Was schadet mir des todes gifft ?
Dein blut das ist mein leben /
Wann mich der sonnen-hitze trifft /
So kans mir schatten geben :
Setzt mir des schwermuts schmertzen zu /
So find ich bey dir meine ruh /
Als auff dem bett ein krancker /
Und wann des creutzes ungestüm
Mein schifflein treibet üm und üm /
So bist du dann mein ancker.

setzt...zu

  


üm und üm

10.Wann endlich ich soll tretten ein
In deines reiches freuden /
So laß diß blut mein purpur seyn /
Ich will mich darein kleiden /
Es soll seyn meines hauptes cron /
In welcher ich will vor den thron
Des höchsten Vatters gehen /
Und dir / dem ich mich anvertraut /
Als eine wohl-geschmückte braut /
An deiner seiten stehen.

anvertraut

  

82.) Mel. O welt ich muß dich lassen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
76 82 82 82 82 82 82
p. 72 66 100 69 61 94 61

O welt ! sieh hier dein leben
Am stamm des creutzes schweben /
Dein heyl sinckt in den tod !
Der grosse fürst der ehren
Läßt [p. 67] willig sich beschweren
Mir schlägen / hohn und grossem spott.

O Welt, sieh

  

2. Tritt her und schau mit fleisse /
Sein leib ist gantz mit schweisse
Des blutes überfüllt.
Auß seinem edlen hertzen /
Für unerschöpfften schmertzen /
Ein seufftzer nach dem andern quillt.

unerschöpft

  

3. Wer hat dich so geschlagen /
Mein heyl ! und dich mit plagen
So übel zugericht ?
Du bist ja nicht ein sünder /
Wie wir und unsre kinder /
Von missethaten weist du nicht.

4. Ich / ich und meine sünden /
Die sich wie körnlein finden
Des sandes an dem meer /
Die haben dir erreget
Das elend / das dich schläget /
Und das betrübte marter-heer.

5. Ich bins und solte büssen
An händen und an füssen /
Gebunden in der höll :
Die geisseln und die banden /
Und was du außgestanden /
Das hat verdienet meine seel.

  

gebunden

6. Du ni st auff deinen rücken
Die lasten so mich drücken /
Viel sehrer als ein stein.
Du bist ein fluch / dargegen
Verehrst du mir den seegen /
Dein schmertzen muß mein labsal seyn.

  

sehrer

verehrst

7. Du setzest dich zum bürgen /
Ja lässest dich gar würgen /
Vor mich und meine schuld :
Mir lässest du dich crönen
Mit dornen / die dich hönen /
Und leydest alles mit gedult.

8. Du springst ins todes rachen /
Mich frey und loß zu machen /
Von solchem ungeheur :
Mein sterben ni st du abe /
Vergräbst es in dem grabe /
O unerhörtes liebes-feur !

nimmst abe

9. Ich bin  / mein heyl ! verbunden /
All augenblick und stunden /
Dir über hoch und sehr :
Was leib und seel vermögen /
Das soll ich billich legen
Allzeit zu deinem dienst und ehr.

über hoch

10. Nun ich kan nicht viel geben
In diesem armen leben /
Eins aber will ich thun :
Es soll dein tod und leyden /
Biß leib und seele scheiden /
Mir stets in meinem hertzen ruhn.

11. Ich wills / für augen setzen /
Mich stets daran ergötzen /
Ich sey auch wo ich sey :
Es soll mir seyn ein spiegel
Der unschuld / und sein siegel
Der lieb und unverfälschten treu.

für Augen

12. Wie hefftig unsre sünden
Den fro en GOtt entzünden /
Wie rach und eifer gehn :
Wie grausam seine ruthen /
Wie zornig seine fluthen /
Will ich auß diesem leiden sehn.


frommer Gott
Eifer

13. Ich will darauß studieren /
Wie ich mein hertz soll zieren
Mit stillem sanfften muth :
Und wie ich die soll lieben /
Die mich so sehr betrüben
Mit wercken / so die boßheit thut.

studieren

14. Wann böse zungen stechen /
Mir glimpff und namen brechen /
So will ich zähmen mich :
Das unrecht will ich dulden /
Dem nächsten seine schulden
Verzeihen gern und williglich.


Glimpf

15. Ich will mich mit dir schlagen
Ans creutz / und dem absagen /
Was meinem fleisch gelüst :
Was deine augen hassen /
Das will ich fliehn und [p. 68] lassen /
So viel mir immer möglich ist.

16. Dein seufftzen und dein flehen /
Und die viel tausend thränen
Die dir geflossen zu /
Die sollen mich am ende
In deinen schoß und hände
Begleiten zu der ewgen ruh.


Flehen

83.) Das 63. Cap. Esajä.
Mel. HErr ich habe mißgehandelt /&c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
78 83 83 83 83 83 83
p. 75 68 102 71 63 96 63

WEr ist dieser / so herspringet
Auß der Edomiter land /
Von Batzra / der mit sich bringet
Rosinfarben-roth gewand /
Drinn er prächtig ist gekleidet /
Daß er unsre augen weidet ?


Wer ist dieser

2. Ich bins / spricht er / der euch lehret
Wercke der gerechtigkeit :
Seyd ihr alle gleich versehret /
Will ich doch in kurtzer zeit /
Als ein meister / von der bösen
Plag und trübsaal euch erlösen.



versehret

3. Warum das / o gunsterwerber !
Dein kleid scheint / als wie ein wein /
Mit besonderm fleiß vom färber /
Recht blutroth gefärb't zu seyn /
Oder wie deß /der erbetten
Die weinkelter pflegt zu tretten.

warum das

  


erbeten

4. Ich / antwortet er / alleine
Muß der kelter-tretter seyn /
Von dem volck ist kein gebeine /
So mir hierin rathet ein /
Mein gri aber muß doch siegen /
Alles muß mir unterligen.

alleine

Gebeine

5. Mein kleid ist daher besprützet
Mit dem blute dieser schaar /
Ihr vermögen hat beschmützet
Mein gewand in der gefahr.
Der tag / den ich fürgenommen
Zu der rache / ist nun kommen.



Vermögen
Gefahr

6. Ich sah / ob ich kö t erwecken
Einen helffer / einen mann /
Denn ich war in grossem schrecken /
Traff doch aber keinen an /
Niemand wolte mir beystehen /
Mein arm muß im zorn außgehen.

mein Arm

7. Darum sind nun außgerottet /
Durch den zorn und meinen grimm /
Die mich und mein volck verspottet :
Man hört nicht mehr ihre stimm /
Ihr vermögen ist zu grunde.
Dancket GOtt mit hertz und munde.

ihr Vermögen

8. O du grosser überwinder /
Höllenstörer / todes feind !
Es danckt dir ein jeder sünder /
Daß du es so gut gemeint /
Daß von dir uns durch dein leiden
Tod und teuffel nicht kan scheiden.

von dir uns

84.) M. Christus der uns &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
79 84 84 84 84 84 84
p. 76 68 103 71 63 97 63

MEine seel / jetzt ist es zeit /
Laß uns sonder warten
JEsu geben das geleit
Zum oliven-garten.
Weil im garten sich der tod
Erstlich angespunnen /
[p. 69] Hat das ende unsrer noth
Auch darinn begunnen.

Meine Seel

  



angespunnen

2. Todt / du machst dem leben bang /
Angst ihn überfället /
Mit dir er sich müde rang /
Schwermuth ihn verstellet.
Trauret selbst die freudigkeit ?
Ach / der heyland klaget /
Selbst die hülff um hülffe schreyt /
Unser tröster zaget !


ihn

  


Hilfe

3. Mein und aller menschen sünd
Ihn jetzund muß drucken /
Die GOtt seinem liebsten kind
Selbst legt auff den rucken.
GOttes zorn ein schwere last /
Sünd ein grosser lermen /
Tod / o wie ein bittrer gast /
Machst GOtt selbst sich hermen.


drucken/Rucken

  

Lärmen

härmen

4. Ach / sein schweiß ist rothes blut !
Seht doch die corallen !
Schauet eine purpur-fluth
Tropffenweiß abfallen.
Fliesset / schiesset tröpffelein /
O ihr blut-gold-gulden /
Daß bezahlet mögen seyn
Meine rothe schulden.


Corallen

  

Gulden

5. Giesset eine thränenfluth /
Meine augenbrunnen /
Dieses heylsam-heilge blut /
Sey damit berunnen /
Mengt euch under diesem schweiß /
Buß und heyl zu finden :
Dieses blut mich waschet weiß /
Machet rein von sünden.


Augenbrunnen

  



waschet weiß

6. JEsu / dir ward bang für mich /
Meine angst zu enden /
Wann jetzt tod und sünde sich
Mir zu wieder wenden.
Ach / mich tröst in allem leid
Diß dein geistlichs leyden :
Dein blut mich im tod begleit
Zu des himmels freuden !


für mich

zuwider

tröst, begleit



Des H. Bernhardi Passions-Salve an die Gliedmassen Christi

An die Füsse des HErrn JESU.

85.) Mel. Zion klagt mit angst und &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
80 85 85 85 85 85 85
p. 77 69 104 72 64 98 64

SEy mir tausendmal gegrüsset /
Der mich je und je geliebt :/:
JEsu / der du selbst gebüsset /
Das womit ich dich betrübt.
Ach wie ist mir doch so wol /
Wann ich knyn und liegen soll
An dem creutze / da du stirbest /
Und um meine seele wirbest.


Sei mir tausendmal
je und je

2. Ich umfange / hertz' und küsse
Die gekränckten wundenzahl :/:
Und die purpur-rothen flüsse /
Deine füß und nägelmahl.
O wer kan doch / schönster fürst !
Den so hoch nach uns gedürst /
Deinen durst und liebs-verlangen /
Völlig fassen und umfangen.

hertz'
Wundenzahl

3. Heyle mich / o heyl der seelen !
Wo ich kranck und traurig bin :/:
Nimm die schmertzen / die mich quälen /
Und den gantzen schaden hin /
Den mir Adams fall gebracht /
Und ich selbsten mir gemacht !
Wird / o artzt ! dein blut mich netzen /
Wird sich all mein jammer setzen.


sich setzen

4. Schreibe deine blutge wunden
Mir / HErr ! in das hertz hinein :/:
Daß [p. 70] sie mögen alle stunden
Bey mir unvergessen seyn !
Du bist doch mein liebstes gut /
Da mein gantzes hertze ruht :
Laß mich hie zu deinen füssen
Deiner lieb und gunst geniessen.

5. Diese füsse will ich halten /
Auff das best ich immer kan :/:
Schaue meiner hände falten
Und mich selbsten freundlich an /
Von dem hohen creutzes baum /
Und gib meiner bitte raum.
Sprich : laß all dein trauren schwinden /
Ich / ich tilg all deine sünden.



Falten

An die Knye des HErrn JESU.

86.) Mel. An wasser flüssen Babylon &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
81 86 86 86 86 86 86
p. 78 70 105 73 64 99 64

GEgrüsset seyst du / meine cron /
Und könig aller frommen !
Der du zum trost von deinem thron /
Uns armen sündern kommen /
O wahrer mensch / o wahrer GOtt /
O helffer voller hohn und spott /
Den du doch nicht verschuldest !
Ach wie so arm / wie nackt und bloß /
Hängst du am creutz ! wie schwer und groß
Ist dein schmertz / den du duldest !


Gegrüßet...cron

  

  

verschuldest

2. Es fleusset deines blutes bach
Mit gantzem vollen hauffen /
Dein leib ist auch mit ungemach
Gantz durch und durch belauffen.
O ungeschränckte Majestät /
Wie kommts / daß dirs so kläglich geht ?
Das macht dein huld und treue.
Wer danckt dir des ? wo ist der mann /
Der sich / wie du für uns gethan /
Für dich zu sterben freue.


Haufen

belaufen
ungeschränkt

  

des
der Mann, der...

3. Was soll ich dir doch immermehr /
O liebster ! darfür geben /
Daß dein hertz sich so hoch und sehr
Bemüht hat um mein leben ?
Du rettest mich durch deinen tod /
Von mehr als eines todes noth /
Und machst mich sicher wohnen !
Laß höll und teuffel böse seyn :
Was schadts ? sie müssen dennoch mein
Und meiner seelen schonen.

mehr

  

schonen

4. Für grosser lieb und heil'ger lust /
Darmit du mich erfüllet /
Druck ich dich an mein hertz und brust /
So wird mein leyd gestillet /
Das deinen augen wol bekant /
Und das ist dir ja keine schand /
Ein kranckes hertz zu laben :
Ach bleib mir hold und gutes muths !
Biß mich die ströme deines bluts
Gantz rein gewaschen haben.



druck ich

5. Sey du mein schatz und höchste freud /
Ich will dein diener bleiben /
Und deines creutzes hertze-[p. 71]leid
Will ich in mein hertz schreiben !
Verleihe du nur krafft und macht /
Damit / was ich bey mir bedacht /
Ich mög ins werck auch setzen.
So wirst du / Schönster ! meinen si  /
Und alles was ich hab und bin /
Ohn unterlaß ergötzen.

An die Hände des HErrn JESU.

87.) Mel. Was mein GOtt will / das mir &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
82 87 87 87 87 87 87
p. 79 71 106 74 65 100 65

SEy wol gegrüsset guter Hirt /
Und ihr o heil'ge hände :/:
Voll rosen / die man preisen wird
Biß an des himmels ende.
Die rosen / die
Ich meyn allhie /
Sind deine mahl und plagen /
Die dir am end
In deine händ
Am creutze sind geschlagen.


Sei wohl gegrüßet

2. Du zahlst mit beyden händen baar
Die edlen rothen gulden :/:
Und bringst die gantze menschenschaar
Dardurch auß allen schulden.
Ach laß von mir /
o liebster ! dir
Die hände hertzlich drücken /
Und mit dem blut /
Das mir zu gut
Vergossen / mich erquicken.


bar

  


o Liebster

3. Wie freundlich thust du dich doch zu /
Und greiffst mit beyden armen :/:
Nach aller welt / in lieb und ruh /
Uns ewig zu erwarmen !
Ach HErr / sih hier /
Mit was begier
Ich armer zu dir trette !
Sey mir bereit /
Und gib mir freud /
Und trost darum ich bette.


tust dich zu

  


trette

4. Zeuch allen meinen geist und sinn
Nach dir und deiner höhe :/:
Gib / daß mein hertz nur immerhin
Nach deinem creutze stehe /
Ja daß ich mich
Selbst williglich
Mit dir ans creutze binde /
Und mehr und mehr
Tödt und zerstör
In mir des fleisches sünde.

5. Ich hertz und küsse wiederum /
Auß rechtem treuen hertzen :/:
HErr ! deine händ / und sage ruhm
Und danck für ihren schmertzen :
Darneben geb
Ich / weil ich leb
In diese deine hände
Hertz seel und leib /
Und also bleib
Ich dein / biß an mein ende.


rechtem treuen

  


weil ich leb

An die Seite des HErrn JESU.

88.) Mel. Christ unser HErr zum Jordan kam / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
83 88 88 88 88 88 88
p. 80 71 107 74 65 101 65

ICh grüsse dich / du frommer mann !
Der hertzlich gern vergibet :
Wie schmertzlich weh' wird dir gethan /
Wie wird dein leib betrübet !
Es grüsset dich mein gantzer geist /
Du meines Heilands seite !
Du edle quell / auß welcher fleußt
Das blut / das so viel leute
Von ihren sünden wäschet.


Ich grüße dich

betrübet

[p. 72] 2. Ich mach / HErr JEsu ! mich zu dir /
Ach ! halt mirs ja zu gute /
Und laß mich suchen trost für mir
In deiner wunden blute.
Du werthe wunde sey gegrüßt !
Du weites thor der gnaden /
Darauß sich blut und wasser gießt /
Und da all unserm schaden
Kan abgeholffen werden.

mach mich zu dir
zu gute halten
für mir

Blut und Wasser

3. Du reuchst mir süsser als der wein /
Und heilst die gift der schlangen /
Du stössest mir das leben ein /
Und stillst des dursts verlangen.
Eröffne dich / du liebe wund !
Und laß mein hertze trincken /
Ists möglich / laß mich gar zu grund
In dir gehn und versincken /
So werd ich mich recht laben.

reuchst
die Gift

  


zu Grund

4. Mein mund streckt sich mit aller krafft /
Damit er dich berühre /
Und ich den theuren lebens-safft
In marck und beinen spüre.
Ach ! wie so süsse bist du doch /
HERR JEsu ! meinem hertzen !
Wer dich recht liebt / dem wird das joch
Der bittern todes schmertzen
Gleich als wie lauter zucker.

5. Verbirge mich und schleuß mich ein
In deiner seiten höle :
Hie laß mich still und sicher seyn /
Hie wärme meine seele /
Wann mich der kalte tod befällt /
Und wann der höllisch leue
Nach mir und meinem geiste stellt /
So laß in deiner treue
Mich dann fein ruhig bleiben.

verbirge

  


höllisch Leue

An die Brust des HErrn JESU.

89.) Mel. Vatter unser im &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
84 89 89 89 89 89 89
p. 80 72 108 75 66 102 66

GEgrüsset seyst du / GOTT mein heyl !
Mein auge / lieb und schönstes theil /
Gegrüsset seyst du / werthe brust !
Du GOttes sohn / du menschen lust /
Du träger aller bürd und last /
Du aller müden ruh und rast.


Gegr....Gott mein Heil
Teil

2. Mein JEsu ! neige dich zu mir
Mit deiner brust / damit von dir
Mein hertz in deiner lieb entbrenn /
Und von der gantzen welt sich trenn.
Halt hertz und brust in andacht reich /
Und mich gantz deinem willen gleich.

3. Mach / HErr ! durch deines hertzens quell
Mein hertz vom unflat rein und hell /
Der du bist GOttes glantz und bild /
Und aller armen trost und schild.
Theil auß den schätzen deiner gnad
Auch mir mit gnade / rath und that.

teil... mit

4. O süsse brust ! thu mir die gunst /
Und fülle mich mit deiner brunst /
Du bist der weißheit tieff-[p. 73]ster grund /
Dich lobt und singt der engel mund.
Auß dir entspringt die edle frucht /
Die dein Johannes bey dir sucht.


Brunst

   

dein Johannes

5. In dir wohnt alle GOttes-füll /
Hast alles was ich wünsch und will /
Du bist das rechte GOttes-hauß /
Drum wann zur welt ich muß hinauß /
So schleuß mich treulich in dir ein /
Und laß mich ewig bey dir seyn.

alle Gottesfülle

Gotteshaus

schleuß

An das Hertz des HErrn JESU.

90.) Mel. O mensch / bewäin dein sünde &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
85 90 90 90 90 90 90
p. 81 73 109 76 66 102 66

O hertz des königs aller welt /
Des herrschers in des hi els-zelt /
Dich grüßt mein hertz in freuden /
Mein hertze / wie dir wol bewußt /
Hat seine gröst und höchste lust
An dir und deinem leiden.
Ach ! wie bezwang und drang dich doch
Dein edle lieb ins bitt're joch
Der schmertzen dich zu geben /
Da du dich neigtest in den tod /
Zu retten auß des todes-noth
Mich und mein armes leben.

O Herz des Königs

Himmels-Zelt

   



drang

2. O tod ! du fremder erden-gast /
Wie war'st du so ein herbe last
Dem allersüss'sten hertzen /
Dich hat ein weib der welt gebracht /
Und machst dem / der die welt gemacht /
So unerhörten schmertzen !
Du / meines hertzens hertz und sinn /
Du brichst und fällst und stirbst dahin /
Wollst mir ein wort gewähren /
Ergreiff mein hertz und schleuß es ein
In dir und deiner liebe schrein /
Mehr will ich nicht begehren.



allersüss'sten
dich

Schmerzen

Du

3. Mein hertz ist kalt / hart und bethört /
Von allem was zur welt gehört /
Fragt nur nach eiteln sachen :
Drum / hertzens hertze ! bitt ich dich /
Du wollest diß mein hertz und mich
Warm /weich und sauber machen.
Laß deine flamm und starcke glut
Durch all mein hertze / geist und muth /
Mit allen kräfften dringen /
Laß deine lieb und freundlichkeit
Zur gegen-lieb und danckbarkeit
Mich armen sünder bringen.



fragt

4. Erweit're dich / mach alles voll /
Sey meine ros und riech mir wol /
Bring hertz und hertz zusammen !
Entzünde mich durch dich / und laß
Mein hertz ohn end und alle maß /
In deiner liebe fla en !
Wer dieses hat / wie wol ist dem !
In dir beruh'n / ist angenehm !
Ach ! niemand kans gnug sagen !
Wer [p. 74] dich recht liebt / ergibt sich frey /
In deiner lieb und süssen treu
Auch wol den tod zu tragen.



Rose
Herz und Herz

flammen

  

ergibt sich

5. Ich ruff auß aller hertzens-macht
Dich / hertz ! indem mein hertz erwacht /
Ach ! laß dich doch erruffen !
Komm ! beug und neige dich zu mir /
An meines hertzens arme thür /
Und zeuch mich auff die stuffen
Der andacht und der freudigkeit /
Gib ! daß mein hertz in lieb und leid
Dein eigen sey und bleibe /
Daß es dir dien an allem ort /
Und dir zu ehren immer fort
All seine zeit vertreibe.



errufen

  

  



vertreibe

6. O hertzens ros ! o schönste blum !
Ach ! wie so köstlich ist dein ruhm /
Du bist nicht außzupreisen :
Eröffne dich ! laß deinen safft
Und des geruchs erhöhte krafft
Mein hertz und seele speisen /
Dein hertz / HErr JEsu / ist verwundt /
Ach ! tritt zu mir in meinen bund/
Und gib mir deinen orden /
Verwund auch mich / o süsses heyl !
Und triff mein hertz mit deinem pfeil /
Wie du verwundet worden.



auszupreisen

  

  

Orden

7. Nimm mein hertz / o mein höchstes gut !
Und leg es hin / wo dein hertz ruh't /
Da ist's wol auffgehoben /
Da gehts mit dir gleich als zum tantz /
Da lobt es deines hauses glantz /
Und kans doch nicht gnug loben :
Hie setzt sichs / hie gefalts ihm wol /
Hie freut sichs / daß es bleiben soll :
Erfüll / HErr ! meinen willen !
Und weil mein hertz dein hertze liebt /
So laß auch / wie dein recht es gibt /
Dein hertz mein hertze stillen.

  



Glanz... kanns

  

  

dein Recht
Lied / Cantique 91