Lied / Cantique 90

An das Angesicht des HErrn JEsu.

91.) Mel. Hertzlich thut mich verlangen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
86 91 91 91 91 91 91
p. 83 74 110 77 67 104 67

O Haupt voll blut und wunden /
Voll schmertz und voller hohn !
O haupt zu spott gebunden
Mit einer dornen-kron /
O haupt ! sonst schön gezieret
Mit höchster ehr und zier /
Jetzt aber hoch schimpffieret /
Gegrüsset seyst du mir !



O Haupt

  

  

schimpfieret

2. Du edles angesichte /
Dafür sonst schrickt und scheut
Das grosse weltgewichte /
Wie bist du so bespeyt ?
Wie bist du so erbleichet ?
Wer hat dein augenlicht /
Dem sonst kein licht nicht gleichet /
So schändlich zugericht ?

3. Die farbe deiner wangen /
Der rothen lippen pracht /
Ist hin / und gantz vergangen /
Des [p. 75] blassen todes-macht
Hat alles hingenommen /
Hat alles hingerafft /
Und daher bist du kommen /
Von deiner leibes krafft.

4. Nun / was du / HErr ! erduldet
Ist alles meine last :
Ich hab es selbst verschuldet
Was du getragen hast.
Schau her ! hie steh ich armer /
Der zorn verdienet hat /
Gib mir / o mein erbarmer !
Den anblick deiner gnad.

5. Erkenne mich / mein hüter !
Mein hirte ! nimm mich an /
Von dir / quel aller güter !
ist mir viel guts gethan /
Dein mund hat mich gelabet
Mit milch und süsser kost /
Dein geist hat mich begabet
Mit mancher hi els-lust.

6. Ich will hie bey dir stehen /
Verachte mich doch nicht !
Von dir will ich nicht gehen /
Wann dir dein hertze bricht /
Wann dein hertz wird erblassen
Im letsten todesstoß /
Alsdann will ich dich fassen
In meinen arm und schoß.

7. Es dient zu meinen freuden /
Und kommt mir hertzlich wol /
Wann ich in deinem leiden /
Mein heyl ! mich finden soll :
Ach möcht ich / o mein leben !
An deinem creutze hier
Mein leben von mir geben /
Wie wol geschehe mir !

geschehe

8. Ich dancke dir von hertzen /
O JEsu / liebster freund !
Für deines todes schmertzen /
Da du's so gut gemeint :
Ach gib / daß ich mich halte
Zu dir und deiner treu /
Und wann ich nun erkalte /
In dir mein ende sey.

9. Wann ich einmal soll scheiden /
So scheide nicht von mir /
Wann ich den tod soll leiden /
So tritt du dann herfür /
Wann mir am allerbängsten
Wird um das hertze seyn /
So reiß mich auß den ängsten /
Krafft deiner angst und pein.

kraft

10. Erscheine mir zum schilde /
Zum trost in meinem tod /
Und laß mich sehn dein bilde
In deiner creutzes noth /
Da will ich nach dir blicken /
Da will ich glaubens voll
Dich vest an mein hertz drücken /
Wer so stirbt / der stirbt wol.

  

92.) Mel. O Traurigkeit / o hertzeleyd / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
86 92 92 92 92 92 92
p. 88 75 112 78 68 105 68

O Falsche treu !
Ach heucheley !
Ist das nicht sünd und schande ?
JEsum will man dulden nicht
In dem lebens-lande.

O falsche Treu

Sünd und Schande

2. Sünd / höll und tod /
Ja seelen noth /
Mit dem Erlöser kämpffen.
Wollen ihrer mei-[76]nung nach
Sein Gottheit dämpffen.

dämpfen

3. Die freche schaar
Gantz offenbar
Den zarten leib entkleiden /
Speyen ihm ins angesicht /
Doppeln pein und leiden.

entkleiden

4. Zu spott und hohn
Sie eine cron
Auß scharffen dornen flechten /
Setzen selbig auff das haupt
JESU / dem gerechten.



selbig

5. Ja was noch mehr /
Sie geisseln sehr /
Durchboren und durchpfriemen
Meinen JEsum / daß sein leib
Voller wunden-striemen.

durchpfriemen

6. Es wird auch nicht
Für dem gericht
Ihr haß und neid geschlichtet /
Biß sie durch des creutzes pein
JESUM hingerichtet.

geschlichtet

7. Laß / JEsu ! mich
Zeit lebens dich
Mit meinem hertzen decken :
Alle tröpfflein deines bluts
Durstiglich aufflecken.

zeit lebens


8. Mein sünden-leid /
Mein üppigkeit /
Hat dich so hart geplaget :
JEsu ! meine missethat
Hat dich angeklaget.

Sündenleid
Üppigkeit

9. Hilff ! GOttes-lamm /
Mein bräutigam /
Durch deine gnaden-güte /
Daß forthin ich beßre mich /
Und vor sünden hüte.

hüte

10. Und dann allein
Auf deine pein /
Auff dein so schweres leiden
Mag gesegnen diese welt /
Und von hi en scheiden.

gesegnen

93.) M. O Gott / du fro er &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
89 93 93 93 93 93 93
p. 92 76 113 79 69 106 69

ACh ! sehet /welch ein mensch / ach seht was angst und schmertzen
Steht unser JEsus aus für uns in seinem hertzen ;
O schmertz / o grosse pein / o marter / angst und noth !
O weh / mein JEsus ist betrübt biß in den todt.

Ach sehet, welch

2. Ach ! sehet /welch ein mensch ! wie muß sich JEsus quälen /
Die schmertzen seiner seel sind hie nicht zu erzehlen ;
Er trauret / zittert / zagt / für grosser hertzens-pein /
Ach seht den jammer an / er muß des todes seyn.

3. Ach ! sehet /welch ein mensch ! der mit dem tode ringet /
Seht wie sein theures blut auß seinem leibe dringet :
Wie hertzlich flehet er : ach Vatter ! nimm von mir
Den bittern creutzes-tod / wann es gefället dir.

4. Ach ! sehet /welch ein mensch ! der gantz und gar verlassen /
Den seine jünger selbst nun fangen an zu hassen ;
Der böse Judas der verräth den HErren Christ
Mit einem falschen kuß / o böse teuffels list !

5. Ach ! sehet /welch ein mensch ! der nie kein böß begangen /
Den greifft man mit gewalt / den nimmet man gefangen /
Gleich einem mörder / und führt ihn gebunden fort
Ins hohenpriesters hauß / da hört man lästerwort.

6. Ach ! sehet /welch ein mensch ! seht wie sie den verklagen /
Der gantz unschuldig ist / von welchem niemand sagen
Kan eine missethat / von dem wird ein geschrey /
Daß er ( der selbst ist Gott) ein Gottes-lästrer sey.

7. Ach ! sehet /welch ein mensch ! ach seht die grosse plagen /
Die JEsus leyden muß / ach ! seht / er wird geschlagen
Mit fäusten ins gesicht / o schande / spott und [p. 77] hohn /
Sie speyen ins gesicht dem wahren GOttesſohn.
Gottessohn

8.Ach ! sehet /welch ein mensch / den man gebunden bringet
In des landpflegers hauß / ach ! seht / wie auff ihn dringet
Der juden grausamkeit ; sie ruffen : kreutzge ihn !
Pilate / Barrabam gib loß / nimm diesen hin.

Pilate, Barabbam

9. Ach ! sehet /welch ein mensch ! o marter / angst und plagen /
Ach sehet / JEsus wird mit geisseln hart geschlagen /
Ach seht den blutgen leib / ach / seht die wunden an /
Ach seht / er wird gequält /daß er kaum leben kan.

10. Ach ! sehet /welch ein mensch / seht / wie die böse rotten
Den HErrn der herrlichkeit verhönen und verspotten /
Sie krönen ihm sein haupt mit einer dörnen cron /
Und neigen sich für ihm auß lauter spott und hohn.



Dörnen

11. Ach ! sehet /welch ein mensch / ah lasset thränen fliessen /
Laßt eure augen sich gleich einer fluth ergiessen /
Ach / seht das elend an / seht / unser HErr und GOtt /
Der heyland JEsus trägt das creutz zu seinem tod.

12. Ach ! sehet /welch ein mensch / o plagen über plagen /
Ach / sehet JEsus ach / wird an das creutz geschlagen ;
Er rufft für grosser pein und schmertzen ängstiglich :
Mein GOtt / mein frommer GOtt / warum verläßst du mich ?

13. Ach ! sehet /welch ein mensch / o weh / weh meinem hertzen /
O weh / ach ich vergeh für grosser angst und schmertzen /
O Jammer / ach / o weh / o schmertz / o grosse noth /
O weh / o weh / o weh / ach / JEsus / ach / ist tod.

14. Ach ! sehet /welch ein mensch / der für uns menschen stirbet /
Der uns das leben durch den bittern tod erwirbet /
Der uns durch seine pein befreyt von aller noth /
Der uns erlöset von dem ewgen höllen-tod.

15. O JEsu / dir sey danck / daß du für uns gestorben /
Und hast durch deinen tod das leben uns erworben /
Führ uns durch deinen tod ins ewge leben ein /
So wollen wir auch dort dir ewig danckbahr seyn.

94.) M. O Gott / du fro er &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
90 94 94 94 94 94 94
p. 94 77 115 80 70 108 70

SChaue / mensche ! schaue mich /
Ruffet der Erlöser /
Und betracht auch selbsten dich /
Wer du bist / du böser.
Groß ist dein undanckbarkeit /
Dich hab ich geliebet /
Darfür hast du jederzeit
Schmertzlich mich betrübet.

Schaue, Mensche

2. Was hab ich dir leids gethan /
Daß du mich darfst plagen ?
Sage doch die ursach an /
Ich mag billich fragen.
Du bist ja von mir erlößt /
GOtt hab ich versühnet /
Daß man mich dann von sich stößt /
Hab ich diß verdienet ?

3. Mehr als meine seel hab ich /
Mensche ! dich geschätzet /
du hast mich so lie-[p. 78]derlich
Eitlem nachgesetzet
Für dich laß ich alles blut
Auß den adern spritzen /
Du verachtest solche fluth /
Wilst dort ewig schwitzen.

schwitzen

4. Durch mich bist du franck und frey
Von der höllen stricken /
Deine sünd und büberey
Binden meinen rücken.
Dir hab ich des glaubens liecht
Lieblich angestecket /
Dafür hast du mein gesicht
Und auch deins verdecket.



Büberei

  

des Glaubens Licht

5. Dich soll die gerechtigkeit
Und mein unschuld kleiden /
Du entwendest mir mein kleid /
Und verwirfst mein leiden.
Meine striemen sollen dir
Heilen deine seuche /
Deine lüste geben mir
Täglich neue streiche.

6. Dir geb ich die reinste pracht
Dort für meinem throne /
Du hön'st mich mit purpur-tracht /
Gibst mir spott zu lohne.
Du solst deines hauptes zier
Ewig bey mir finden /
Dein stoltz laßt zu dancke mir
Einen dorn-krantz winden.

7. Ich will dir dort ewiglich
Einen scepter geben /
Du hön'st mit dem schilffe mich /
Führst ein eitles leben.
Dein creutz ist von mir gefaßt /
Mich hats müssen drucken /
Du legst mir der boßheit last
Täglich auff den rucken.



Schilf

  

drucken / Rucken

8. Dich / mensch ! hab ich mir erwehlt /
Du solst ewig leben /
Darfür hast du mich gequält /
Und dem tode geben.
Ich will seyn dein süsses brot /
Mein blut soll dich träncken /
Du wilst / daß mich in der noth
Gall und essig kräncken.

süßes Brot

9. Ich schließ auff die himmels-thür /
Danck solt du mir sagen /
Dein hertz schleuß'st du zu für mir /
Laßst ans creutz mich schlagen.
Händ und arme streck ich auß /
Und will dich umfangen /
Du bist wilder als ein strauß /
Hönest mein verlangen.


solt du

  


Strauß

10. Meinen Vatter bitt ich noch /
Dir nicht zu vergelten /
Du ! du sünder ! darffst mich doch
Für die wolthat schelten.
Ich will dir mein treues hertz
Durch die wunden weisen /
Ach ! dich jammert nicht mein schmertz /
Du bist stahl und eisen.

11. JEsu ! JEsu ! hilf / daß ich
Mich recht wol erkenne.
JEsu ! hilff / daß ich auch dich
Meinen Heiland nenne.
Mein hertz sey des undancks leer /
Laß mich ja dich lieben /
Und von nun an nimmermehr
Vorsetzlich betrüben.

[p. 79] 12. Wann mein stündlein bricht herein /
Wann ich soll entweichen /
O so laß mein labsal seyn
Deine marter-zeichen.
Dein blut sey mein lebens-saft /
Reich mir deine hände /
Nimm dem tode seine krafft /
Gib ein selig's ende.

95.) [Mel. Ich danck dir schon]

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
91 95 95 95 95 95 95
p. 95 79 117 82 71 110 71

FUnff brünnlein sind /
Darauß mir rinnt
Fried / freud / heyl / trost und leben :
In angst und noth /
Biß in den tod /
Mir solche labsal geben.

Fünf Brünnlein sind

  

solche Labsal

2. Die quell du bist /
HErr JEsu Christ !
Die brünnlein deine wunden /
Darauß ich mich
Lab innerlich
In heissen creutzes stunden.

3. Laß mir stets seyn
Das leiden dein
Ein regel / riegel / spiegel /
Daß ich nach dir
Mein fleisch regier /
Und laß ihm nicht den zügel.

Zügel

4. O Gottes Lamm !
O liebes flamm !
O meiner seelen freude !
Nimm hin die sünd /
Das hertz entzünd /
Daß mich von dir nichts scheide.

5. So werde ich
Recht seliglich
Den lebens-lauff vollbringen /
Und frölich hier /
O GOtt ! mit dir
Das consu atum singen.

consummatum

96.) Mel. Auß tieffer noth schrey ich &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
92 96 96 96 96 96 96
p. 96 79 117 82 72 110 72

HErr JEsu ! deine angst und pein
Und dein betrübtes leiden /
Laß mir für augen allzeit seyn /
Die sünde zu vermeiden.
Laß mich an deine grosse noth
Und deinen herben bittern tod /
Dieweil ich lebe / dencken.

Herr Jesu, deine

2. Laß deiner seelen höllen-qual /
Dein blut-gero es schwitzen
Und übrig elend allzumahl /
Darinn du mußtest sitzen /
Mir öfftermahlen fallen ein /
Und eine starcke warnung seyn
Vor mehrern missethaten.

blut-geronnen

  

öfermalen

mehrern

3. Die wunden alle / die du hast /
Hab ich dir helfen schlagen /
Auch eine grosse sünden-last
Dir auffgelegt zu tragen.
Ach ! liebster Heiland ! schone mein /
Laß diese schuld vergessen seyn ;
Laß gnade vor recht gehen.

4. Du hast verlassen deinen thron /
Bist in das elend gangen /
Vertrugest schläge / spott und hohn /
Must auff dem creutze hangen /
Auff daß du vor uns schafftest rath /
Und unsre schwere missethat
Bey GOTT versöhnen möchtest.



vertrugest
must
Rat schaffen

5. Drum will ich jetzt zur danckbarkeit
Von hertzen dir lobsingen /
Und [p. 80] wann du zu der seeligkeit
Mich wirst hinkünfftig bringen /
So will ich daselbst noch vielmehr
Zusamt dem gantzen himmels-heer
Dich ewig darfür loben.

hinkünftig

zusamt

6. HErr JEsu ! deine angst und pein
Und dein betrübtes leiden
Laß meine letste zuflucht seyn /
Wann ich von hier soll scheiden.
Ach hilff ! daß ich durch deinen tod
Fein sanfft beschliesse meine noth /
Und selig sterbe / Amen.

97.) Mel. GOtt des Hi els und der erden.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
93 97 97 97 97 97 97
p. 96 80 118 83 72 111 72

GUte nacht ihr eitle freuden /
Gute nacht du falsche welt :
Sehet doch / welch angst und leiden
Jetzt außsteht der lebens-held !
Wie er zittert / wie er ringet /
Daß sein blut auch von ihm dringet.

Gute Nacht

2. Wie soll ich dann wollust pflegen /
Und / o schnöde welt / mit dir
Gehen auff den breiten wegen
Der verderblichen begier ?
Nein / ich will nun JEsu leben /
Hiermit gute nacht euch geben.

3. Ich mag euch durchauß nicht hören /
Die ihr bald ein frommes hertz
Mit den ansehn könnt bethören /
Hebet euch nun hinderwärts :
Ihr solt mich nicht mehr verblenden /
Noch von JEsu mich abwenden.

4. Besser ists mit JEsu leiden
Hohn / verachtung / schmach und spott /
Als von ihm seyn abgescheiden /
Und bey der gottlosen rott
Hier in grossen ehren sitzen /
Und dort in der höllen schwitzen.



abgescheiden
Rotte

schwitzen

5. Weg mit hoffart / stoltz und prangen /
Weg mit allem übermuth /
Meines Heilands haupt und wangen
Trieffen überall von blut :
Und dem Schutz-HErrn aller frommen
Sind die kleider selbst genommen.

6. Ach ! das haupt muß dornen tragen /
Und die glieder prangen noch :
Ja der HErr muß blösse klagen /
Und der knecht stoltzieret doch /
O du falsch beschöntes gleissen !
Wer kan dich doch billich heissen ?


prangen
Blöße klagen
stolzieret

7. Weiche schwelgen / weiche sauffen /
Dann mein wesen macht / daß mich
Furcht und schrecken überlauffen /
Wann ich nur bedenck / wie sich
Auch zu ihrem grossen schaden
Viel in wollust überladen.

weiche

überlaufen

8. Und dem Schöpffer aller dinge
Hats so gut nicht können seyn /
Daß / als er am creutz nun hien-[p. 81]ge /
In der schwersten todes-pein /
Er sein mattes hertz zu laben /
Hätt ein tröpfflein mögen haben.


so gut nicht

9. Drum geb ich euch schnöden sünden
Hiermit nochmals gute nacht :
Weichet fern / und bleibt dahinden /
Ihr habt Gott die angst gemacht /
Daß er klaget ohne massen /
Wie sein GOTT ihn hab verlassen.

10. Daß des lebens HErr verstirbet /
Und daß er ein fluch jetzt ist /
Der den segen uns erwirbet /
Das soll mich zu jeder frist
Von der sünden bahn abschrecken /
Und zu wahrer buß auffwecken.


ein Fluch

11. Habe danck / o freund der seelen !
Für die angst und traurigkeit /
Für die striemen / noth und quälen /
Für des todes bitterkeit ;
Die du hast /von sünd und schanden
Uns zu retten / außgestanden.



Quälen

12. Gib daß wir forthin bereuen
Unsrer sünden schwere last ;
Und die straffe nicht erneuen /
Die du jetzt bezahlet hast ;
Sondern dir uns gantz ergeben /
Und nach deinem willen leben.

98.) Mel. Werde munter mein Gemüthe / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
94 98 98 98 98 98 98
p. 98 81 120 84 73 113 73

DEr am creutz ist meine liebe /
Meine lieb ist JEsus Christ /
Weg ihr argen seelen-diebe /
Satan / welt und fleisches lust /
Eu're lieb ist nicht von GOtt /
Eu're lieb ist gar der todt ;
Der am creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.


Der am Kreuz

2. Der am creutz ist meine liebe /
Frefler ! was befremdet dich /
Daß ich mich im glauben übe ?
JEsus gab sich selbst vor mich /
So wird er mein friede-schild /
Aber auch mein leben-bild ;
Der am creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.



Friedeschild

3. Der am creutz ist meine liebe /
Sünde du verlierst den sturm /
Weh mir ! wann ich den betrübe /
Der stat meiner wird ein wurm /
Creutzig't ich nicht GOttes Sohn ?
Trät ich nicht sein blut mit hohn ?
Der am creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.



kreuzigt

4. Der am creutz ist meine liebe /
Schweig gewissen ! niemand mahnt ;
GOtt preißt seine liebes-triebe /
Wann mir von der handschrift ahnt ;
Schau ! wie ein hals-bürge zahlt /
GOttes blut hat sie durchmahlt ;
Der am creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.



schweig

[p. 82]
5. Der am creutz ist meine liebe /
Drum / tyranne ! foltre / stoß ;
Hunger / blösse / henckers-hiebe /
Nichts macht mich von JEsu loß ;
Nicht gewalt / nicht gold / nicht ruhm /
Engel nicht / kein fürstenthum ;
Der am creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.



nicht Gewalt

6. Der am creutz ist meine liebe /
Ko tod / ko mein bester freund !
Wann ich / wie ein staub / zerstiebe /
Wird mein JEsus mir vereint /
Da da schau ich GOttes lamm /
Meiner seelen bräutigam ;
Der m creutz ist meine liebe /
Weil ich mich im glauben übe.

99.) Mel. Liebster JEsu ! wir sind hier / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
95 99 99 99 99 99 99
p. 98 82 122 84 74 114 74

MEine seel / ermuntre dich /
Deines JEsu lieb bedencke /
Wie er für dich gibet sich /
Darauff eine andacht lencke /
Ach ! erweg die grosse treue /
Und dich deines JEsu freue.


Meine Seel

2. Sieh ! der wahre GOttes Sohn
Ist für dich ans holtz gehänget /
Sein haupt trägt die dorne cron /
Sein leib ist mit blut vermenget /
Er läßt sich für dich verwunden /
Wo ist grössre lieb gefunden ?

3. Du / du soltest grosse pein
Ewig leiden in der höllen /
Und von Gott verstossen seyn /
Wegen vielen sünden-fällen /
Aber JEsus trägt die sünden /
Und läßt dich genade finden.

4. Durch sein leiden ist gestillt
Deines Gottes zorn und rache /
Er hat das gesätz erfüllt /
Gut gemacht die böse sache /
Sünd / teufel / tod umschrencket /
Und den hi el dir geschencket.

umschränken

5. Was zu thun / o liebes hertz /
Wie solt du dich recht anstellen ?
JEsu leiden ist kein schertz /
Seine liebe kein verstellen :
Dencke drauff / was dir oblieget /
Gegen den / der für dich sieget.

was zu tun

  

oblieget

6. Ich kan nimmer / nimmermehr /
Das geringste nur vergelten /
Er verbindt mich allzusehr ;
Meine trägheit muß ich schelten /
Daß ich ihn so schlecht geliebet /
Und wol gar mit sünd betrübet.

verbindet

7. Was geschehen / soll nun nicht
Hinfort mehr von mir geschehen /
Mein schluß sey nun fest gericht
Einen andern weg zugehen /
Darauff ich nur JEsum suche /
Und was ihn betrübt / verfluche.

Schluss
zugehen

8. Weg ihr sünden / weg von mir /
Euch kan ich an mir nicht leiden /
Eurentwegen muß ich hier
Und dort von dem seyn gescheiden /
Ohne welchen ist kein leben /
Keine gnade / kein vergeben.

eurentwegen

9. Du / mein JEsu / du mein heyl /
Dir will ich mich gantz verschreiben /
Daß ich dir /als meinem theil /
Ewig will getreu verbleiben /
Dir zu leben / dir zu leiden /
Dir zu sterben / dir zu meiden.

meiden

10. Du / mein JEsu / solt es seyn /
Den ich mir zum zweck gesetzet /
Wie du mein / so will ich dein
Bleiben stäts und unverletzet /
Was du liebest / will ich lieben /
Und was dich / soll mich betrüben.


unverletzt

11. Was du wilt / das [p. 83] sey mein will /
Dein wort meines hertzens spiegel /
Wann du schlägest / halt ich still ;
Dein geist bleibt mein pfand und siegel /
Daß ich soll den himmel erben /
Darauff kan ich frölich sterben.


Pfand und Siegel

12. Nun so bleib es fest dabey :
JEsus soll es seyn und bleiben /
Dem ich lebe / dem ich sey ;
Nichts soll mich von JEsu treiben /
Du wirst / JEsu / mich nicht lassen /
Ewig will ich dich umfassen.

13. Ist bereits schon jetzo hier
Solche freud und ruh zu finden /
Wann im glauben wir mit dir /
Uns / mein JEsu / recht verbinden /
Schenckst du schon so viel auff erden /
Ey ! was will im himmel werden ?

14. Was für lust und süssigkeit /
Was für fried und jubilieren /
Was für ruhe nach dem streit /
Was für ehre wird uns zieren ?
Ewig / ewig werd ich loben /
Wann ich gantz in GOtt erhoben.

15. Ach ! ich freu mich alle stund
Auff diß freuden-volle leben /
Dancke dir mit hertz und mund /
Du / o JESU ! hasts gegeben /
nur im glauben laß michs halten /
Und dein kraft in mir stets walten.

100.) Mel. Ach GOtt / erhör mein seufftzen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
83 100 100 100 100 100 100
p. 85 83 124 86 75 116 75

ACh ! stirbt dann so mein allerliebstes leben ?
Ja es ist hin / der geist ist auffgegeben /
Mein GOtt ist tod /
O Angst ! o noth !
Kan jemand auch /wie ich / im ku er schweben ?


Ach stirbt denn so

  

wie ich

2. Am abend stirbt der aufgang auß der höhe.
Es leget sich das früh-gejagte rehe.
Ach ! wäint mit mir /
Klagt meine zier /
Ach ! daß ich nicht mit ihm zur erden gehe.

Aufgang
Rehe

klagt

3. Des vatters wort / der schutz und trutz der frommen /
Der sieges-fürst ist schmählich umgekommen /
Des himmels preiß /
Des Davids reiß /
Die ros im thal ist von der welt genommen.

Ros im Tal

4. Der ist erstarrt / für dem die höll erschricket /
Für welchem sich der hohe hi el bücket /
Der seelen freund /
Des todes feind /
Wird von dem todt ins finstre grab gezücket.

gezücket

5. Ihr gräber brecht / ihr harten felsen splittert /
Du sonn erblaß / ihr erden-klüffte schüttert /
Du lufft / du meer /
Du sternen-heer /
Klagt euren Herrn / ihr elementen zittert.

Gräber etc.

6. Der hirt ist tod für die geliebte heerde /
Ko Joseph ! komm / und bring ihn zu der erde /
Gib her gewand /
Mit milder hand /
Gib salben / daß er wol begraben werde.


Joseph
gewandt

7. Mein JEsu Christ ! auch ich will dich bedencken /
Ich will dir / HErr / die specereyen schencken
Der wahren reu :
Mein hertz wird neu !
In dieses will ich dich / mein Heiland / sencken.


Spezereien

8. Diß grab soll mir dein guter geist versiglen /
Der glaube solls mir vest und wol verrieglen.
Bleib du in mir /
laß mich in dir /
Und deiner treu andächtiglich bespiegeln.

bespiegeln

101.) Mel. Christus der uns seelig macht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
616 101 101 101 101 101 101
p. 573 83 125 87 76 117 76

LAß mir alle wochen seyn /
JEsu ! stille wochen /
Daß ich offt denck deiner pein /
Und was du gesprochen
An dem creutze laß [p. 84] mich es
Fruchtbarlich erwegen /
Daß ich dessen nie vergeß :
HERR ! gib gnad und seegen.

Lass mir alle
stille Woche

  

fruchtbarlich

2. Dein anfänglichs wort war das :
Vatter ! vergib ihnen /
Denn sie selbst nicht wissen / was
Sie an mir verdienen.
Spricht hier GOttes Sohn zu GOtt
Für sein ärgste feinde /
Was wird er nicht in der noth
Thun für seine freunde ?

3. Drauff der schächer hört (so dir
Seinen glauben wiese)
Warlich du wirst heut mit mir
Seyn im paradiese.
Gib / wann ich nur nicht mehr kan
In des todes schmertzen /
Daß ich diese wort alsdann
Hör in meinem hertzen.

so dir

  

nur

4. Weib ! sagst du zur mutter / sieh /
Deinen sohn hie stehen /
Zu Johannes : du kanst hie
Deine mutter sehen :
Auch diß dritte wort macht froh /
Und läßt trost erscheinen /
Wenn ich denck / du wirst auch so
Sorgen für die meinen.

5. Viertens / muß bey aller noth
Auch der durst dich plagen /
Da man dich / o mensch und Gott !
Hört : mich dürstet / klagen.
Laß mich JEsu /stets in mir /
Gleich der matten hinden /
Nach dir / lebensquelle / dir /
Heilgen durst empfinden.



matte Hinde

6. Fünfftens rieffst du / als die last
Zunahm ohne massen :
Mein GOtt ! mein GOtt ! warum hast
Du mich so verlassen !
Daß ich nie verlassen blieb /
Wurdest du verlassen /
O der unerhörten lieb !
Wer kan dieses fassen ?

Last

7. Sechstens / als du nun mit macht
So weit durchgebrochen /
Hast du auch / es ist vollbracht !
Uns zum trost gesprochen :
Denn durch dich ist gantz und gar
GOttes zorn gestillet /
Weil / was zu vollbringen war /
Du für uns erfüllet.

8. Endlich schreyst du laut am end :
Vatter ! ich befehle
Meinen geist in deine händ !
Damit schied die seele :
Wann mir auch der tod zusetzt /
Und mein hertz will brechen /
So laß mich diß wort zuletzt
Dencken oder sprechen.



zusetzt

9. JEsu ! tilger aller noth /
Bitt für mich / den deinen /
Gib des schächers trost im tod /
Sorg auch für die meinen /
Laß mich nie auß deiner acht /
O durst meiner seele /
Daß ich / wann mein lauff vollbracht /
Dir den geist befehle.


den Deinen

102.) M. Vatter unser im &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
84 102 102 102 102 102 102
p. 86 84 126 88 77 119 77

HErr JESU Christ wahr'r mensch und Gott /
Der du litt'st marter angst und spott /
Vor mich am creutz auch endlich starbst /
Und mir dein's Vatters huld erwarbst /
Ich bitt durchs bitter leyden dein /
Du woll'st mir sünder gnädig seyn.


Herr Jesu Christ

2. Wann ich nun komm in sterbens-noth /
Und ringen werde mit dem todt /
Wann mir vergeht all mein gesicht /
Und meine ohren hören nicht /
[p. 85] Wann meine zunge nichts mehr spricht /
Und mir vor angst mein hertz zerbricht.

Gesicht

3. Wann mein verstand sich nicht besinn't /
Und mir all menschlich hülff zerrinn't /
So ko  / o HErr Christ ! mir behend
Zu hülff an meinem letsten end /
Und führ mich auß dem ja erthal /
Verkürtz mir auch des todes quall.

zerrinnt

  


Quall

4. Die bösen geister von mir treib /
Mit deinem geist stets bey mir bleib /
Biß sich die seel vom leib abwend /
So nimm sie / HErr / in deine händ /
Der leib hab in der erd sein ruh /
Biß sich der jüngst tag naht herzu.

jüngste Tag

5. Ein frölich auffstehn mir verleyh /
Am jüngsten g'richt mein fürsprech sey /
Und meiner sünd nicht mehr gedenck /
Auß gnaden mir das leben schenck /
Wie du hast zugesaget mir
In deinem wort / das trau ich dir.

Aufstehn

  


trau

6. Fürwahr / fürwahr / euch sage ich /
Wer mein wort hält und glaubt an mich /
Der wird nicht kommen ins gericht /
Und den tod ewig schmecken nicht /
Und ob er gleich hie zeitlich stirbt /
Mit nichten er drum gar verdirbt.



den Tod

7. Sondern ich will mit starcker hand
Ihn reissen auß des todes band /
Und zu mir nehmen in mein reich /
Da soll er dann mit mir zugleich
In freuden leben ewiglich
Darzu hilff uns ja gnädiglich.



hilf uns

8. Ach HErr ! vergib all unser schuld /
Hilff ! daß wir warten mit gedult /
Biß unser stündlein ko t herbey /
Auch unser glaub stets wacker sey /
Dein'm wort zu trauen vestiglich /
Biß wir entschlaffen seeliglich.

103.) Wer nur den lieben GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 103 103 103 103 103 103
p. - 85 128 88 78 120 78

HErr JEsu / was von dir zu lesen
Und deiner marter in der schrifft /
Bey unserm vielen heuchel-wesen
Gar selten recht das hertze trifft.
Der schilt den Judas / jener klagt /
Daß Petrus abfällt und verzagt.


Herr Jesu, was
in der Schrift

2. Ein andrer eifert um die crone /
Die man dir / Heiland / eingedrückt /
Und daß der lands knecht oder frohne
Dir deine seite so zerstückt /
Nachdem man dir das angesicht
So grausam übel zugericht.

Frohne

3. Wie wenig sind doch /die da fassen
Den rechten zweck von dieser pein /
Und die verfluchte sünden hassen /
So ursach deines leidens seyn :
De du allein getragen hast
Der menschen schwere Sündenlast.


Zweck

so... sein

4. Fürwahr du trugest alle schmertzen /
Und nahmest unsre Kranckheit weg /
Doch gehts den meisten schlecht zu her-[p. 86]tzen /
Sie bleiben auf der sünder steg /
Und creutzigen dich immerhin
Von neuem mit verkehrtem sinn.

Fürwahr

  

kreuzigen

5. Laß doch dein bitttres marter-leiden /
HErr JEsu / mir zu hertzen gehn /
Und solche tiefe wunden schneiden /
Die immer blutend offen stehn /
Bis an mir alle list und macht
Des satans gäntzlich umgebracht.

umgebracht

6. Was würd es helffen / wenn ich sünge
Von deinem leiden noch so viel /
Und mirs doch nicht durchs hertze drünge ?
Rechtschaffne buß ist hier das ziel :
Bekehre mich / o starcker Held /
Du Heil und Artzt der gantzen welt.

sünge

  

Held

7. Ich lege mich zu deinen füssen /
Laß meiner augen thränen-bach
Sich häuffig und also ergiessen /
Daß ein hertztrieffend weh und ach
Um meiner missethat entspring /
Und mir durch marck und seele dring.

8. Auff daß ich hinfort möge meiden /
Was dir / mein Heiland / mißgefällt :
Ach schaffe durch dein tod und leiden /
Daß ich schon hier unaußgestellt
Der sünd absterb / und stets an dir
Ein zweiglein bleibe für und für.

unausgestellt

  

Zweiglein

9. Verstärcke stündlich meinen glauben /
Und steh mir schwachen bey im streit /
Damit mir niemand könne rauben
Die wahre glaubens-heiligkeit /
Ohn ihr ist es mit uns geschehn /
Und kan dich keiner ewig sehn.

ohn ihr

10. Wer deine striemen / schmach und wunden
Mit reiffer andacht überlegt /
Der wird nicht übermannt gefunden /
Wenn sich des satans heer erregt /
Dieweil ein solch hertz nicht mehr klebt
An dem / wornach die welt noch strebt.

11. Ruhm / schönheit / wollust / ehr und güter /
Auch alle schätze dieser zeit ;
Sind bloß allein für die gemüther /
Die Christi creutz und niedrigkeit
Verachten / und nur suchen hier /
Was lüstert ihre lust-begier.

lüstert

12. Brich / JEsu/ meinen bösen willen
Durch das gedächtniß deiner quaal /
Die müsse sünd und hochmuth stillen /
Dein blut-schweiß / angst und creutzes-pfahl
Ertödt in mir zu aller frist
Was irdisch / falsch und sündlich ist.

Blutschweiß
ertödt

104.) JEsu meines lebens leben / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 104 104 104 104 104 104
p. - 86 130 90 79 122 79

JEsu / der du wollen büssen
Für die sünden aller welt /
Durch dein theures blut-vergiessen /
Der du dich hast dargestellt
Als ein opffer für die sünder /
Die verda ten Adams-kinder ;
Ach ! laß deine todes pein
Nicht an mir verlohren seyn.

Jesu, der du

2. Rette mich durch deine plagen /
Wenn mich meine sünde plagt ;
Laß / ach ! laß mich nicht verzagen /
Weil du selbst für mich gezagt
Hilff daß mich dein angst-schweiß kühle /
Wenn ich drangsals-hitze fühle :
Ach ! laß deine todes-pein
Nicht an mir verlohren seyn.

3. Mache mich durch deine bande
Von des satans banden frey /
Hilff / daß dein erlitten schande
Meine cron und ehre sey :
Trost der seelen / heil der erden !
Laß mich nicht zu [p. 87] schanden werden.
Ach ! laß &c.

4. Rede durch dein stille-schweigen /
Liebster JEsu / mir das wort /
Wenn mich sünden überzeugen
Und verklagen fort und fort /
Wann mein böß gewissen schreyet /
Und mir mit verda niß dräuet :
Ach ! laß &c.

überzeugen

dräuet

5. Laß mich freuden rosen brechen /
Liebster JEsu / meine zier /
Von den dornen / die dich stechen /
JEsu / mache dich zu mir !
Cröne mich mit huld und gnade /
Daß kein sünden-dorn mir schade.
Ach ! laß &c.

mache dich zu mir

6. Heile des gewissens striemen /
Nimm von mir der schmertzen last /
Durch die geisseln / durch die riemen /
Welche du gefühlet hast /
Daß ich böser knecht der sünde
Satans stricke nicht empfinde :
Ach ! laß &c.

7. Ach ! laß deine tieffe wunden
Frische lebens-brunnen seyn /
Wenn mir alle krafft verschwunden /
Wenn ich schmacht in seelen pein /
Senck in abgrund deiner gnaden
Alle schuld / die mich beladen :
Ach ! laß &c.

in Abgrund

8. Ach ! zubrich des eiffers ruthe /
Ach ! erzeige gnad und huld /
Tilge doch mit deinem blute
Meine schwere sünden-schuld /
Laß mich in der angst der sünden
Ruh in deiner seiten finden :
Ach ! laß &c.

Eifer

  



Seite

9. Hilff / daß mir dein dürsten nütze /
Das am creutze dich geplagt /
Wenn ich lächze / wenn ich schwitze /
Wenn mich meine sünde jagt /
Laß mich deinen durst geniessen /
Laß mir lebens ströme fliessen.
Ach ! laß &c.

10. JEsu / komm / mich zu befreyen /
Durch dein lautes angst-geschrey /
Wenn viel tausend sünden schreyen /
Stehe doch mir armen bey /
Wenn mir wort und sprach entfallen /
Laß mich sanfft von hinnen wallen :
Laß mir deine todes-pein
Leben / heil und himmel seyn.

von hinnen

  

105.) Mel. Auß tieffer noth schrey ich zu dir &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 105 105 105 105 105 105
p. - 87 131 91 80 124 80

AUff ! auff ! o mensch / betracht es recht /
Was JEsus jetzt erduldet :
Du bist der böse sünden-knecht /
Der noth und tod verschuldet.
Und JEsus ni t die straff auff sich
Und leidet für dich williglich.
Laß dirs zu hertzen gehen.

Auf auf, o Mensch

  

verschulden

2. Er ist unschuldig / heilig / rein /
Mit sünden nicht beflecket /
Und hat in solche noth und pein
Sich nur für dich gestecket :
Erke e doch / wie er dich liebt /
Daß er für dich dahin sich gibt /
Und leidet solche schmertzen.

gestecket

3. Er /als das wahre GOttes-la  /
Hat wollen für dich sterben /
Erhöht ans heilgen creutzes stamm /
Das heil dir zu erwerben.
Ach ! laß doch nimmer diese gnad /
Die er an dir erwiesen hat /
Auß deinem hertzen kommen.

erhöht

4. Erworben ist dir GOttes huld /
Weil JEsus hat gelitten ;
Getilget ist die sündenschuld ;
Der teuffel ist bestritten ;
Dem tod genommen seine macht /
Das leben aber wiederbracht /
Das von dir war verlohren.

bestritten
Macht genommen

5. Nun darum will ich allezeit
Dich / theurer Heiland / loben /
Daß du mich leidend hast befreyt
Von aller feinde [p. 88] toben.
Ich will dafür / was du gethan
Aus lieb an mir / so viel ich kan /
Dich ewig / ewig / preisen.

an mir

6. Gib nur / daß ich die sünd / so dir
Gemacht hat solches leiden /
Von nun an möge für und für
Von gantzem hertzen meiden /
Und daß ich mich dir gantz ergeb
Zum dienst und nicht mir selbsten leb /
U dein reich endlich erbe.

106.) Mel. HErr JEsu Christ / meins lebens &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 106 106 106 106 106 106
p. - 88 133 91 81 125 81

DEr du / HErr JEsu / ruh und rast
In deinem grab gehalten hast /
Gib /daß wir in dir ruhen all /
Und unser leben dir gefall.

Der du, Herr Jesu

2. Verleih / o HErr / uns stärck und muth /
Die du erkaufft mit deinem blut /
Und führ uns in des himmels licht /
Zu deines Vatters angesicht.

3. Wir dancken dir / o GOttes lamm /
Getödtet an des creutzes stamm /
Laß ja uns sündern deine pein /
Ein n eingang in das leben seyn.

Ein n

Von der siegreichen Aufferstehung

JESU Christi

107.)

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
98 107 111 111 111 111 111
p. 103 88 140 97 85 132 85

CHrist ist erstanden von der marter alle /
Des soll'n wir alle froh seyn /
Christ will unser trost seyn /
Alleluja.

Christ ist erstanden

2. Wär er nicht erstanden /
So wär die welt vergangen /
Seit daß er erstanden ist /
So loben wir den Herrn Jesum Christ /
All.

So loben wir

3. Erstanden ist der heilig Christ /
Der aller welt ein tröster ist /
Allel. Allel. Allel.
Alleluja.

108.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
99 108 112 112 112 112 112
p. 103 88 140 97 85 132 85

CHrist lag in todtes banden /
Für unser sünd gegeben :/:
Der ist wieder erstanden /
Und hat uns bracht das leben /
Deß wir sollen frölich seyn /
GOtt loben und ihm danckbar seyn /
Und singen Alleluja /
Alleluja.

Christ lag in
Todtes

2. Den tod niemand zwingen kundt
Bey allen menschen-kindern :/:
Das macht alles unser sünd /
Kein unschuld war zu finden.
Davon kam der tod so bald /
Und nahm über uns gewalt /
Hielt uns in seim reich gefangen /
Allel.

Allel.

3. JESUS Christus GOttes sohn
An unser statt ist ko en :/:
Und hat die sünde abgethan /
Damit dem tod genommen
All sein recht und sein gewalt /
Da bleibet nichts denn tods-gestalt /
Den stachel hat er verloren /
Al.

Stachel

4. Es war ein wunderlicher krieg /
Da todt und leben rungen :/:
Das leben behielt den sig /
Es hat [p. 89] den tod verschlungen.
Die schrifft hat verkündet das /
Wie ein tod den andern fraß /
Ein spott auß dem tod ist worden /
Alleluja.

  

fraß

5. Hie ist das rechte Osterla  /
Davon GOtt hatt gebotten :/:
Das ist an des creutzes-sta  /
In heisser lieb gebraten /
Des blut zeichnet unser thür /
Das hält der glaub dem tode für /
Der würger kan uns nicht rühren /
Allel.

gebraten

6. So feyren wir das hohe fest /
Mit hertzens freud und wonne :/:
Das uns der HErre scheinen läßt /
Er ist selber die so e /
Der durch seiner gnaden glantz
Erleuchtet unsre hertzen gantz /
Der sünden nacht ist vergangen /
Allel.

7. Wir essen und leben wol /
In rechten osterfladen :/:
Der alte sauerteig nicht soll
Seyn bey dem wort der gnaden.
Christus will die koste seyn /
Und speisen die seel allein /
Der glaub will keins andern leben /
Alleluja.


Osterfladen

  

speisen

109.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
100 109 113 113 113 113 113
p. 104 88 142 98 86 133 86

ERstanden ist der heilig Christ /
Alleluja / Alleluja /
Der aller welt ein tröster ist /
Allel. Alleluja.

  

Erstanden ist

2. Und wär er nicht erstanden /
Allel. Alleluja.
So wär die welt vergangen /
Allel. Alleluja.

  

wär er nicht

3. Und seit daß er erstanden ist /
Allel.
Lob'n wir den HErren JEsum Christ /
Alleluja.

  

Alleluja

4. Es gieng'n drey heilige frauen /
Alleluja /
Des morgens frühe im thauen /
Alleluja.

drei heilige Frauen

5. Sie sucht'n den HErren JEsum Christ /
Allel.
Der von dem tod erstanden ist /
Alleluja.

6. Sie funden da zween engel schon /
Alleluja /
Die tröst'n die frauen lobesan /
Alleluja.

schon, lobesan

Engel.
7. Erschrecket nicht und seyd all froh /
Alleluja /
Dann den ihr sucht / der ist nicht do /
Alleluja.



nicht do

Maria.
8. Ach Engel ! lieber Engen fein /
Alleluja.
Wo find ich dann den HERREN mein ?
Alleluja.

Engel.
9. Christ ist erstanden auß dem grab /
Alleluja /
Heut an dem heil'gen Ostertag /
Alleluja.

Maria.
10. Zeig uns den HErren JEsum Christ /
Allel.
Der von dem todt erstanden ist /
Alleluja.

Engel.
11. So trett herzu und [p. 90] seht die statt /
Alleluja /
Da man ihn hingeleget hat /
Alleluja.



hat

Maria.
12. Der HErr ist hin / er ist nicht do /
Allel.
Wann ich ihn hätt / so wär ich froh /
Alleluja.

Engel.
13. Seht an das tuch / darinn er lag /
Alleluja /
Gewickelt biß an dritten tag /
Alleluja.

Maria.
14. Wir sehens wol zu dieser frist /
Alleluja /
Zeig uns den HErren JEsum Christ /
Alleluja.

Engel.
15. Geht hin ins Galiläisch land /
Alleluja /
Da find't ihr ihn / sagt er / zu hand /
Alleluja.



zu hand

Maria.
16. Habt danck ihr lieben engel fein /
Alleluja /
Nun woll'n wir alle frölich seyn /
Alleluja.

Engel.
17. Geht hin /sagt das Sanct Petro an /
Alleluja /
Und seinen jünger'n lobesan /
Alleluja.


Sanct Petro

Maria zum Volck.
18. Nun singet all zu dieser frist :
Alleluja /
Erstanden ist der heilig Christ /
Alleluja.

Gemeine.
19. Deß soll'n wir alle frölich seyn /
Alleluja /
Und Christ will unser tröster seyn /
Alleluja.

110.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
101 110 114 114 114 114 114
p. 106 90 143 99 87 135 87

CHrist ist erstanden von dem todt /
Erquickt auß aller angst und noth /
Ein kön'g in allem lande /
Zerrissen sind all bande /
Herrlich ist jetzt sein schande.


Christ ist...

2. Im glauben laßt uns zu ihm gahn /
Es ist fürwar kein falscher wahn /
Er trägt noch seine wunden /
Warhafft ist er erfunden /
Und treu an seinen freunden.

3. Wo ist nun der groß poch und zwang /
Den der unglaub geübt hat lang ?
Christ war allein entschlaffen /
Mit seines wortes waffen
Will er die welt jetzt straffen.


Poch
allein
strafen

4. Biß wolgemuth / du kleine heerd /
In deiner trübniß hie auff erd /
Du wirst auch überwinden /
GOtt hält ob seinen kinden /
Starck gnug ist er den feinden.

bis

ob

5. HErr JEsu Christ ! erweck uns all /
Daß unser keins von dir abfall /
Daß wir uns nicht versäumen /
So du zu g'richt wirst kommen /
Und sa len deine frommen.


keins
uns versäumen

[p. 91] 6. Gib uns daß wir in mittler zeit
Keiner den andern hasse nit /
Wir seynd all unnütz knechte /
Und von ein'm argen g'schlechte /
Wo uns nicht hilfft dein g'rechte.


unnütz

Grechte

111.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
102 111 115 115 115 115 115
p. 106 91 144 100 88 135 88

ERschienen ist der herrlich tag /
Dran sich niemand g'nug freuen mag /
Christ unser HErr heut triumphiert /
All seine feind gefangen führt /
All.

Erschienen ist

2. Die alte schlang / die sünd und todt /
Die höll / all jammer / angst und noth /
Hat überwunden JEsus Christ /
Der heut vom tod erstanden ist /
Alleluja.

3. Am sabbath früh mit specerey
Kamen zum grab Marien drey /
Daß sie salbten Marien Sohn /
Der vom tod war erstanden schon /
Alleluja.

Am Sabbath früh

4. Wen sucht ihr da ? der engel sprach :
Christ ist erstanden der hie lag /
Hie seht ihr die schweißtüchelein /
Geht hin / sagts bald den jüngern sein /
All.

sprach / lag

bald

5. Der jünger forcht und hertzenleid
Heut wird verkehrt in lauter freud /
So bald sie nur den Herren sah'n
Verschwand ihr trauren / forcht und zag'n /
Alleluja.

forcht

6. Der HErr hielt ein freundlich gespräch
Mit zweyen Jüngern auff dem weg /
Für freud das hertz im leib ihn'n brandt /
Am brodbrechen ward er erkandt /
Alleluja.

Gespräch

7. Unser Simson / der theure held /
Christus den starcken löwen fällt /
Der höllen pforten er hinträgt /
Dem teuffel all sein g'walt erlegt /
Alleluja.

Simson

8. Jonas im wallfisch war drey tag /
So lang im grab Christus auch lag /
Dann länger ihn der tod kein stund
In seinem rach'n behalten kundt /
Alleluja.

Jonas

9. Sein raub der tod mußt fahren lahn /
Das leben siegt und gwann ihm an /
Zerstört ist nun all seine macht /
Christ dat das leben wiederbracht /
Alleluja.

lahn
gewann ihm an

10. Heut gehn wir auß Egyptenland /
Auß Pharaonis dienst und band /
Das rechte Osterlämmelein
Wir essen heut im brod und wein /
Alleluja.

Ägypten

11. Auch essen wir die süssen brod /
Die Moses GOttes volck gebot /
Kein sauerteig soll bey uns seyn /
Daß wir von sünden leben rein /
Alleluja.

Sauerteig

12. Der schlagend eng'l [p. 92] fürüber geht /
Kein erstgeburt er bey uns schlägt /
Unser thür-schwell hat Christi blut
Bestrichen / das hält uns in hut /
Alleluja.

Türschwelle

13. Die sonn / die erd / all creatur /
All's was betrübet war zuvor /
Das freut sich heut an diesem tag /
Da der welt fürst darnieder lag /
Alleluja.

der Welt Fürst

14. Drum wir auch billich frölich seyn /
Singen das Alleluja fein /
Und loben dich / HErr JESU Christ !
Zu trost du uns erstanden bist /
Alleluja.

112. In vorigem thon.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
103 112 116 116 116 116 116
p. 107 92 146 101 89 137 89
AM sabbath früh Marien drey
Kamen zum grab mit specerey /
Als jetzt der helle tag anbrach /
Und man die so auffgehen sah /
Alleluja.
Am Sabbath früh

2. Wer weltzt uns von des grabes thür
Den grossen stein / der ligt darfür ?
Alsbald sie aber kamen dar /
Der stein davon geweltzet war /
Alleluja.

3. Da giengen sie zum grab hinein /
Und funden da die engelein
Im grab sitzen sur rechten hand /
In einem langen weissen g'wand /
Alleluja.


die Engelein

4. Sie erschrack'n sehr für dem gesicht /
Der engel antwort't : förcht't euch nicht /
Ihr sucht den gecreutzigten Christ /
Vom tod er aufferstanden ist /
Alleluja.

Gesicht

5. Da sehet her / da ist die statt /
An welcher er gelegen hat /
So geht nun hin / und sagts von stund
Sein jüngern / und thuts Petro kund /
Alleluja.

6. In Galiläam heißt sie gahn /
Da will der HErr sich sehen lahn /
Zum grab sie giengen schnell hinauß /
Es kam sie an ein forcht und grauß /
Alleluja.

7. Wir dancken dir / HErr JEsu Christ /
Der du vom todt erstanden bist /
Und hast zerstört sein g'walt und macht /
Und uns das leben wiederbracht /
Alleluja.

113.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
104 113 117 117 117 117 117
p. 108 92 147 101 89 138 89

HEut triumphieret GOttes Sohn /
Der von dem tod erstanden schon /
Allel. Alleluja /
Mit grosser macht und herrlichkeit /
Deß danck'n wir ihm in ewigkeit /
All. Allel.

Heut tiumphieret

2. Dem teuffel hat er seine macht
Zerstört / verheert in grosser krafft /
All. Alleluja /
Wie pflegt zu thun ein grosser held /
Der seinen feind gewaltig fällt /
Allel. Alleluja.

3. O süsser HErre JEsu Christ /
Der du der sün-[p. 93]der Heiland bist /
Allel. Alleluja /
Führ uns durch dein barmhertzigkeit
Mit freuden in dein herrlichkeit /
Allel. Alleluja.

4. Hier ist doch nichts dann angst und noth /
Wer glaubet und hält dein gebott /
Allel. Allel.
Der welt ist er ein hohn und spott /
Muß leiden offt ein'n schnöden todt /
Allel. Alleluja.

5. Nun kan uns kein feind schaden mehr /
Ob er gleich murrt / ist ohn gefähr /
Allel. Alleluja. /
Es ligt im koth der arge feind /
Dargeg'n wir Gottes kinder seynd /
All. Allel.


ohn gefähr

im Kot

6. Darfür wir dancken all zugleich /
Und sehnen uns ins hi elreich /
Allel. Alleluja.
Es ist am end / GOtt helff uns all /
So singen wir mit grossem schall /
Allel. Alleluja.

an End

7. GOtt Vatter in den höchsten thron /
Sa t seinen eingebohrnen Sohn /
Allel. Alleluja.
Dem heilgen Geist zu gleicher weiß /
In ewigkeit sey lob und preiß /
Allel. Alleluja.

114.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
105 114 118 118 118 118 118
p. 109 93 148 102 90 138 90

ALso heilig ist der tag /
Daß ihn niemand mit loben erfüllen mag /
Dann der einig GOttes Sohn /
Der die hölle überwand /
Und den leidigen teuffel dari en band /
Damit erlößt der HErr die gantze Christenheit /
Das thät Christ selber /
Kyrie eleison.

Also heilig

  

Variante
leidigen

115. Mel. JESU meine freude / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
106 115 119 119 119 119 119
p. 109 93 148 102 90 139 90

NUn ist aufferstanden /
Auß des todes banden /
GOtt und menschen Sohn :/:
JEsus hat gesieget /
Daß nun alles lieget
Unter seinem thron.
Alle feind /
So viel ihr seynd /
Hat er auff das haupt geschlagen /
Ja gar schau getragen.


Nun ist auferstanden

  

  

  

schau getragen

2. Daß er wollen sterben /
War / uns zu erwerben
Heyl und seeligkeit :/:
Nachdem diß geschehen /
Dörffen wir nun sehen /
Daß vor kurtzer zeit
Er zwar sich
Warhafftiglich
In den tod / um unser leben /
Hab dahin gegeben.

  

zwar

3. Niemand wird nun finden /
Daß von unsern sünden
Noch was übrig sey :/:
Weil der wiederkommen /
Der sie übernommen :
Ja indem der frey /
So ist nun
Genug zu thun /
Weil die zahlung just befunden /
Keiner mehr verbunden.

just

4. Was will uns nun schaden /
Weil wir zu genaden
Sind einmahl ge-[p. 94]bracht :/:
Will der teuffel dräuen /
Dörffen wir nicht scheuen
Sein verlohrne macht.
Hie ist der /
Vor welchem er
Augenblicklich muß erbeben /
Und hinweg sich heben.

  

dräuen
scheuen

5. Hölle / wilt du pochen ?
Der dich hat zerbrochen
Stellt sich lebend dar :/:
Weil du nun gelassen /
Und nicht möchtest fassen /
Den / der bürge war /
So hast du
Vor immerzu
Deines rechtes dich begeben
Wieder unser leben.


pochen

  

möchtest

  

dich begeben

6. Laß die zähne blecken /
Und die händ außstrecken
Wieder uns den tod :/:
Dann sein pfeil und bogen
Finden sich betrogen /
Es hat keine noth.
Ob es trifft /
Ists drum kein gifft /
Sonderen mit seinen pfeilen
Muß er vielmehr heilen.

keine Not

  

heilen

7. Darum mir nicht grauet /
Wann mein geist anschauet /
Daß ich in das grab :/:
Meine müde glider
Werde legen nieder /
Weil ich dieses hab /
Daß mein hort
Mir diesen Ort
Selbst mit seinem leibe weihe /
Daß ich ihn nicht scheue.

darum

8. So sind all wir Christen
Dir und deinen lüsten /
Tod / o eitelkeit :/:
Wie wir uns nun haben
Laßen mit begraben
Hier in dieser zeit /
So wird er /
Der grosse HERR /
Uns hervor auch mit sich führen /
Und mit kronen zieren.



Tod

9. Dann diß sicher stehet /
Weil das haupt nun gehet
Auß dem grab herauß :/:
Müssen auch die glieder
Sonder zweiffel wieder
Auß dem todtenhauß /
Wann jetzund
Die liebe stund
Ihnen wieder gibt das leben /
Zu ihm sich begeben.

  

Glieder

  

liebe Stund

10. O der grossen freude !
Wer wolt nun das kleide
Dieser sterblichkeit :/:
Nicht getrost ablegen ?
Weil ja doch hingegen
Nach so kurtzer zeit
JEsus Christ
Bereitet ist /
Ihn zu kleiden mit der sonne
In des hi els wonne.

116.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
107 116 120 120 120 120 120
p. 110 94 150 103 91 140 91

JESus meine Zuversicht
Und mein heiland ist im leben :/:
Dises weiß ich / soll ich nicht
Darum mich zu frieden geben /
Was die lange todes nacht
Mir auch für gedancken macht.

Jesus meine

2. JEsus / der mein Heiland / lebt /
Ich werd auch das leben schauen :/:
Seyn wo mein erlöser schwebt /
Warum solte mir dann grauen ?
Lasset auch ein haupt sein glied /
Welches es nicht nach sich zieht ?

Jesus, der

  

sein Glied

3. Ich bin durch der hoffnung band
Zu genau mit ihm [p. 95] verbunden :
Meine starcke glaubens-hand
Wird in ihn gelegt befunden /
Daß mich auch kein todes-bann
Ewig von ihm trennen kann.

4. Ich bin fleisch / und muß daher
Auch einmal zu aschen werden :/:
Das gesteh ich / doch wird er
Mich erwecken auß der erden /
Daß ich in der herrlichkeit
Um ihn seyn mög allezeit.

5. Dann wird eben diese haut /
Wie ich glaube / mich umgeben :/:
Gott wird werden angeschaut
Dann von mir in diesem leben :
Und in diesem fleisch werd ich
JEsum sehen ewiglich.

diese Haut

6. Dieser meiner augen licht
Wird ihn / meinen Heiland / kennen :/:
Ich / ich selbst  / ein frembder nicht /
Werd in seiner liebe brennen :
Nur die schwachheit um und an
Wird von mir seyn abgethan.

7. Was hie krancket / seufftzt und fleht /
Wird dort frisch und herrlich gehen :/:
Irdisch werd ich außgesät /
Hi lisch werd ich aufferstehen :
Hier geh ich natürlich ein /
Nachmahls werd ich geistlich seyn.

seufzt und fleht

8. Seyd getrost und hoch erfreut /
JEsus trägt euch / meine glieder :/:
Gebt nicht statt der traurigkeit /
Sterbt ihr / Christus rufft euch wieder /
Wann die letzt drommet erklingt /
Die auch durch die gräber dringt.

letzt drommet

9. Lacht der finstern erden klufft /
Lacht des todes und der höllen :/:
Dann ihr solt euch durch die lufft
Eurem Heiland zugesellen /
Dann wird schwachheit und verdruß
Ligen unter eurem fuß.

lacht

durch die Luft

10. Nur daß ihr den geist erhebt
Von den lüsten dieser erden :/:
Und euch dem schon jetzt ergebt /
Dem ihr beygefügt wolt werden :
Schickt das hertze da hinein /
Wo ihr ewig wünscht zu seyn.

Nur dass

117.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
108 117 121 121 121 121 121
p. 111 95 151 104 92 142 92

GElobt sey GOtt im höchsten thron
Sa t seinem eingebornen Sohn /
Der für uns all hat g'nug gethan /
Halle. Halleluja.

Gelobt sei Gott

2. Als er allhie gewandelt hat /
Versöhnet sünd und missethat
Durch seinen unschuldigen tod /
Halle. Halleluja.

3. Nach welchem er gesalbet ward /
Begraben nach jüdischer art /
Und da mit hütern wol verwahrt .
Halle. Halleluja.

4. Des morgens früh am dritten tag /
Weil noch der stein am grabe lag /
Erstund er frey ohn alle klag /
Halle. Halleluja.


weil
erstund

5. Ein engel stieg vom himm'l herab /
Und that den grossen stein vom grab /
Welches den hütern schrecken gab /
Halle. Halleluja.

6. Da er also das grab auffbrach /
Bald ein groß erdbeben geschach /
Darvon der hüter krafft zerbrach /
Halle. Halleluja.


geschach

7. Der engel satzt sich auff den stein /
Sein kleid [p. 96] war weiß / sein antlitz schein
Gleich wie der blitz gantz hell und rein /
Halle. Halleluja.

satzt
schein

8. Da kamen weibes-bilder dar /
Wurden des engels auch gewahr /
Und entsetzten sich gantz und gar /
Halle. Halleluja.

Weibes-bilder

9. Der engel sprach : ey fürcht't euch nicht /
Da ich weiß wol / was euch gebricht /
Ihr sucht JEsum / den find't ihr nicht /
Halle. Halleluja.


gebricht

10. Er ist erstanden von dem todt /
Hat überwunden alle noth /
Ko t / seht / wo er gelegen hat /
Halle. Halleluja.

11. Sie giengen furchtsam in das grab /
Indem da saß ein andrer knab /
Des glantz ihn'n auch erschröcken gab /
Halle. Halleluja.


indem
Erschröcken

12. Da sagten die engel zu ihn'n :
Den ihr sucht / der ist schon dahin /
In Galiläa find't ihr ihn /
Halle. Halleluja.


dahin

13. Denckt /was er euch gesaget hat /
Wie er würd aufferstehn vom todt /
Und wißt / das sichs ergangen hat /
Halle. Halleluja.



ergangen

14. Geht hin / und sagts sein'n jüngern frey /
Daß er vom tod erstanden sey /
Und dencket seiner wort dabey /
Halle. Halleluja.

15. Heißt sie in Galiläam gehn /
Daß sie daselbsten vor ihm stehn /
So bald ein wenig tag vergehn /
Halle. Halleluja.

16. Die weiber folgten dieser lehr /
Und sagten dem betrübten heer /
Wie JESUS aufferstanden wär /
Halle. Halleluja.

17. Doch glaubten diß die jünger nicht /
Weil ihnen diese wahre g'schicht
Noch nicht recht kam für ihr gesicht /
Halle. Hallel.

glaubten nicht

für ihr Gesicht

18. Nun bitten wir dich / JEsu Christ !
Weil du vom tod erstanden bist /
Verleih uns / was uns seelig ist /
Halle. Halleluja.

19. O mach unser hertzen bereit /
Anzunehmen deine wahrheit
Ohn alle eigensinnigkeit /
Halle. Halleluja.

20. Damit wir von sünden gefreyt
Deinem namen gebenedeyt
Frey mögen singen allezeit /
Halle. Halleluja.

gefreit

frei

118. Nun freut euch lieben Christen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
109 118 122 122 122 122 122
p. 112 96 153 105 93 143 93

O Tod / wo ist dein stachel nun ?
Wo ist dein sieg / o hölle ?
Was kan uns jetzt der teuffel thun /
Wie grausam er sich stelle ?
GOtt sey gedanckt / der uns den sieg /
So herrlich [p. 97] hat nach diesem krieg /
Durch JEsum Christ gegeben.



O Tod, wo ist

2. Wie streubte sich die alte schlang /
Als Christus mit ihr kämpffte :
Mit list und macht sie auff ihn drang /
Jedennoch er sie dämpffte.
Ob sie ihm in die versen sticht /
So sieget sie darum doch nicht /
Der kopff ist ihr zutretten.

jedennoch
Ferse

3. Lebendig Christus kommt herfür /
Die feind nimmt er gefangen /
Zerbricht der höllen schloß und thür /
Trägt weg den raub mit prangen /
Nichts ist / das in dem sieges-lauf
Den starcken held kan halten auff /
All's ligt da überwunden.

4. Des todes gifft / der höllen pest /
Ist unser Heiland worden :
Wenn satan auch noch ungern läßt
Von wüten und von morden :
Und da er sonst nichts schaffen kan /
Nur tag und nacht uns klaget an /
So ist er doch verworffen.

gift, pest

5. Des HErren rechte die behält
Den sieg / und ist erhöhet :
Des HErren rechte mächtig fällt /
Was ihr entgegen stehet.
Tod / teuffel / höll und alle feind /
Durch Christi sieg gedämpffet seynd /
Ihr zorn ist krafftloß worden.

Rechte des Herren

6. Es war getödet JEsus Christ /
Und sieh / er lebet wieder.
Weil nun das haupt erstanden ist /
Stehn wir auch auff / die glieder.
So jemand Christi worten gläubt /
Im tod und grabe der nicht bleibt :
Er lebt / ob er gleich stirbet.

er lebt

7. Wer täglich hier durch wahre reu
Mit Christo aufferstehet /
Ist dort vom andern tode frey /
Derselb ihn nicht angehet :
Genommen ist dem tod de macht /
Unschuld und leben wiederbracht /
Und unvergänglich wesen.

unvergänglich Wesen

8. Das ist die reiche Oster-beut /
Der wir theilhafftig werden :
Fried / freude / heyl / gerechtigkeit /
Im himmel und auff erden.
Hier sind wir still und warten fort /
Biß unser leib wird ähnlich dort
Christi verklärtem leibe.

9. Der alte drach mit seiner rott
Hingegen wird zu schanden /
Erlegt ist er mit schimpff und spott /
Da Christus ist erstanden /
Des hauptes sieg der glieder ist /
Drum kan mit aller macht und list
Uns satan nichts mehr schaden.

10. O tod ! wo ist dein stachel nun ?
Wo ist dein [p. 98] sieg / o hölle ?
Was kan mir jetzt der teuffel thun /
Wie grausam er sich stellt ?
GOtt sey gedanckt / der uns den sieg
So herrlich hat in diesem krieg
Durch JESUM CHrist gegeben.

119.) Mel. Ach lieben Christen seyd &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
110 119 123 123 123 123 123
p. 114 98 154 106 94 145 94

DEr höllen pforten sind zerstört /
Der tod ist nun verschlungen /
Des satans reich ist gantz verheert /
Lob sey dir / GOTT / gesungen.
Der sünden macht ist abgethan /
Durch Christum ist die hi els-bahn
Uns wieder auffgeschlossen.

Der Höllen Pforten

2. Was uns des alten adams schuld
Im paradiß verlohren /
Das und noch mehr hat Christi huld
Uns wiederum erkoren.
Der starcke held auß Davids stamm
Hat seines Vatters zornes flamm
Gelöscht mit seinem blute.

adams

3. Heut ist er auß dem grab herfür
Mit grosser macht gebrochen /
Und stecket auff des heils panir /
Inmassen er versprochen /
Er bringt nach wolgeführtem streit
Uns wieder fried und freudigkeit /
Ja alle himmels-schätze.

Panier
inmaßen

4. Drum lasset uns in frölichkeit
Hertz und gemüth erheben /
Weil uns ist diese gnaden-zeit
Vom hi el wieder geben :
Wir haben CHristi reich und macht /
Er ist hinweg / der tag und nacht
Für GOtt uns hat verklaget.

Für Gott

5. Der alle welt verführt in noth /
Ligt in dem staub der erden :
Der vormals starcke seelen-tod
Hat müssen kraftloß werden /
Des lammes blut hat ihn bekriegt /
Sein wahres zeugniß obgesiegt /
Und uns zum heyl erhalten.

obgesiegt

6. Wir werden auch nach dieser zeit
Wie Christus auffferstehen /
Und mit ihm in die herrlichkeit
Und himmels-freud eingehen /
Dann wo das haupt geblieben ist /
Da müssen auch / wie Paulus liest /
Die andern glieder wohnen.

Paulus liest

120.) Mel. Es ist gewißlich an der zeit / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
112 120 124 124 124 124 124
p. 116 98 155 107 94 146 94

IHr Christen seht / daß ihr außfegt
Was sich in euch von sünden
Und altem sauerteig noch regt /
Nichts muß sich des mehr finden :
Daß ihr ein neuer teig möcht seyn /
Der ungesäuert sey und rein /
Ein teig der GOtt gefalle.


Ihr Christen, seht

Sauerteig

2. Habt doch darauff genaue acht /
Daß ihr euch [p. 99] wol probieret /
Wie ihrs vor GOtt in allem macht /
Und euren wandel führet.
Ein wenig sauerteig gar leicht
Den gantzen teig fortan durchkreucht /
Daß er wird gantz durchsäuert.



probieret

3. Also es mit den sünden ist /
Wo eine herrschend bleibet /
Da bleibt auch / was zu jeder frist
Zum bösen ferner treibet.
Das Osterla im neuen bund
Erfordert / daß des hertzens grund
Gantz rein in allem werde.



Osterlamm

4. Wer Ostern halten will / der muß
Dabey nicht unterlassen
Die bittern salsen wahrer buß /
All's böse muß er hassen :
Daß Christus unser Osterla  /
Für uns geschlacht ans creutzes-sta  /
Ihn durch sein blut rein mache.

Salsen

ans

5. Drum lasst uns nicht im sauerteig
Der boßheit ostern essen /
Daß uns nicht schalckheit dahin neig
Der busse zu vergessen :
Vielmehr laßt uns die Osterzeit
Im süssen teig der lauterkeit
Und wahrheit Christlich halten.


Ostern essen

6. JEsu, du Osterla  / verleih
Uns deine Ostergaben /
Daß wir fried / freude / u dabey
Ein reines hertze haben :
Gib / daß in uns dein heil'ges wort
Der sünden sauerteig hinfort
Je mehr und mehr außfege.


Lied / Cantique 121