Lied / Cantique 180

† 181 ) In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 181 185 185 185 185 185
p. - 141 219 150 133 204 133

HERR Zebaoth ! dein heilig's wort /
Welch's du uns hast gegeben /
Daß wir darauß an allem ort
Soll'n richten lehr und leben /
Ist worden kund
Auß deinem mund /
Und in der schrifft beschrieben
Rein schlecht und recht /
Durch deine knecht /
Vom heil'gen Geist getrieben.

Herr Zebaoth

  

Lehr und Leben

2. Diß wort / welch's in den schrifften steht /
Ist fest und unbeweglich :
Zwar himmel und die erd vergeht /
Gott's wort bleibt aber ewig.
Kein höll / kein plag /
Noch jüngster tag /
Vermag es zu vernichten ;
Drum denen soll
Seyn ewig wohl /
Die sich darnach recht richten.



Himmel und Erde

3. Es ist vollkommen / hell und klar /
Die richtschnur deiner lehre :
Es zeigt uns auch gantz offenbar
GOtt / seinen dienst und ehre /
Und wie man soll
Hie leben wohl /
Lieb / [p. 142] hoffnung / glauben üben :
Drum fort und fort
Wir dieses wort
Von hertzen sollen lieben.

4. Im creutz gibts lust / in traurigkeit
Zeigt es die freuden-quelle.
Den sünder / dem die sünd ist leid /
Entführet es der hölle.
Gibt trost an hand /
Macht auch bekandt /
Wie man soll willig sterben /
Und wie zugleich
Das himmelreich
Durch Christum zu ererben.

an Hand

5. Sih' ! solchen nutz / so grosse krafft /
Die ni er ist zu schätzen /
Des Herrn wort in uns wirckt und schafft ;
Darum wir sollen setzen
Zurück gold / geld /
U was die welt
Sonst herrlich pflegt zu achten /
Und jederzeit
In lieb und leid /
Nach dieser perle trachten.

Perle

6. Nun / HErr ! erhalt dein heilg's wort :
Laß uns sein' krafft empfinden !
Den feinden steur an allem ort /
Zeuch uns zurück von sünden.
So wollen wir
Dir für und für
Von gantzem hertzen danck .
HErr / unser Hort !
Laß uns dein wort
Fest halten / und nicht wancken !

† 182.) Mel. HErr JEsu Christ / meins lebens &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 182 186 186 186 186 186
p. - 142 220 151 134 205 134

DEr saame / den Gott hat gestreu't
Auf seinen acker weit und breit /
Ist gut und kan nicht böse seyn /
Weil niemand gut / als GOtt allein.

Der Same

  

niemand gut

2. Ja freylich ist der saame gut /
Dieweil er seine würckung thut /
Und solche frucht in hertzen bringt /
Die nach des sämanns wunsch gelingt.

3. Doch gibst du raum der sicherheit /
So ist der arge feind nicht weit /
Die frucht des saamens / den GOtt hat
Gesä't / zu hindern früh und spat.

Sicherheit
Feind

4. Drum hüte dich / o menschen-kind /
Gib acht / daß dich ja niemals find
Im schlaf der feind / und dich beschleich /
Und seinen zweck an dir erreich.

Schlaf

5. Ach ! wie ist es so bald gescheh'n /
Daß wir uns nicht für'm schlaf vorseh'n :
Drum laßt uns wachen allezeit /
Und betten / weil der feind nicht weit.

6. HErr JEsu / steh' mir kräftig bey /
Und mach mein hertz vom unkraut frey /
Damit dein guter saam' in mir
Stets grün' / und ich frucht bringe dir.

† 183.) Mel. Valet will ich dir geben / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 183 187 187 187 187 187
p. - 142 221 151 134 206 134

ERhalt uns deine lehre /
HErr / zu der let-[p. 143]sten zeit ;
Erhalt dein reich / vermehre
Dein edle Christenheit :
Erhalt standhaften glauben ;
Der hoffnung leit-stern strahl ;
Laß uns dein wort nicht rauben
In diesem jammerthal.

Erhalt uns

2. Erhalt dein ehr / und wehre
Dem / der dir widerspricht :
Erleucht / Herr / und bekehre /
Allwissend ewig liecht !
Was dich bißher nicht kennet /
Entdecke doch der welt /
Der du dein wort gegönnet /
Was einig dir gefällt.

was dich

3. Erhalt / was du gebauet ;
U  durch dein blut erkaufft ;
Was du dir hast vertrauet /
Die kirch / auff welch' anlaufft
Der gri e sturm des drachen :
Sey du ihr schutz und wall /
Daß / ob die welt will krachen /
Sie nimmermehr verfall.

was du gebauet

  

des Drachen

4. Erhalt / HErr / deine schaafe !
Der grimme wolff ko t an :
Erwach auß deinem schlaffe !
Weil niemand retten kan /
Ohn dich / du grosser hirte !
Leit uns auf gute weid /
Treib / nähr / erfreu / bewirthe
Uns in der wüsten heid.


grimme Wolf
Schlaf

5. Erhalt uns / HErr / dein erbe /
Dein werthes heiligthum /
Zureiß / zernicht / verderbe /
Was wider dein ruhm :
Laß dein gesetz uns führen /
Gönn uns dein hi el-brodt ;
Laß heiligkeit uns zieren /
Und treu seyn biß in todt.



zureiss

  



treu sein

6. Erhalt und laß uns hören
Dein wort / das selig macht ;
Den außbund guter lehren /
Das liecht in finst'rer nacht /
Daß dieser brunn uns träncke /
Der himmels-thau uns netz /
Daß diese richtschnur lencke /
Der honig uns ergetz.




Ausbund

7. Erhalt in sturm und wellen
Dein häufflein / laß doch nicht
Uns wind und wetter fällen /
Steur' selbst das schiff / und richt
Den lauff / daß wir erreichen
Die anfuhrt / nach der zeit /
Hilff uns die segel streichen
Zur sel'gen ewigkeit.

streichen

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Catechismus-Gesänge.

184.) Im Thon : O HErre GOtt begnade mich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
159 184 188 188 188 188 188
p. 150 143 222 152 135 207 135

LEhr mich / o HErr / du treuer GOtt
All deine rechte und gebott /
Daß ich dir vest vertraue /
Auff keine hülff sonst baue :
Daß ich nicht deinen nam mißbrauch /
Am sabbath bey dem dancken auch /
Und betten dein wort höre /
Die obern lieb und ehre :
Daß ich [p. 144] dem nächsten nützlich sey /
Meid zweitracht / unzucht / dieberey /
Verläumbden / lüge / böse lust.
HErr mache mir ja wol bewust /
Wie du belohnst und straffest.

Lehr mich, o

  

  



die Obern

2. Ich glaub an einen GOtt allein /
Von dem all ding erschaffen seyn /
Und noch erhalten werden /
Im himmel und auff erden.
Ich glaube auch an JESUM CHrist /
Der GOTT und Mensch gebohren ist /
Für mich am creutz gestorben /
Das heyl mir da erworben :
Vom tod erstanden und darauff
Ins himmels thron gefahren auff /
Von da er uns sein warten heist.
Ich glaub an GOtt den heilgen Geist /
Und aufferstehn der todten.

sein warten

  

3. O Vatter hoch und wundersam
Geheiliget werd von mir dein nam :
Laß mich deins Geistes gaben
Im gnaden-reich hier haben :
Hilff /daß ich deinen willen thu :
Gib gute obern / fried und ruh /
Und daßich hab daneben
Was ich bedarf im leben.
Vergib mir alle meine schuld /
Mit meiner schwachheit hab gedult /
In der versuchung stärcke mich :
Vom bösen rett mich gnädiglich :
Dein ist die macht und ehre.

vom Bösen

4. Ich danck dir GOtt von hertzen-grund
Daß mich die tauff / der heilge bund /
Hat wieder neu gebohren /
Dir hab ich da geschworen :
Entsagt hab ich dem bösewicht /
Und angelobet / daß ich nicht
Mich woll verführen lassen /
All seine wercke hassen.
O Vatter / Sohn und Geist verleih /
Daß ich beständig bleib dabey :
Gib / daß ich täglich sterbe ab
Den bösen lüsten / die ich hab /
Im neuen leben wandle.

neu geboren

5.Des HErren JEsu leib und blut
Ko t in dem nachtmahl mir zu gut :
Mein glaube kriegt da stärcke /
Daß ich inwendig mercke :
Dein gri  alsda  / o Vatter / fällt /
Wa  dir daselbst wird fürgestellt /
Wie das / was ich verschuldet /
Dein Sohn am creutz erduldet :
Er giebet seinen leib für mich /
Sein blut vergeußt er mildiglich :
O Vatter / ni  diß opffer an /
Verzeih die sünd / die ich gethan /
Hilff mir auß allen nöthen.

Nachtmahl

  

  

  

verschuldet

185.) Im Thon : Ich danck dir lieber HErre / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
160 185 189 189 189 189 189
p. 151 144 224 153 136 208 136

LAß mich dein seyn und bleiben /
Du treuer GOtt und HERR /
Von dir laß mich nichts treiben /
Halt mich bey reiner lehr :
Ach HERR ! laß mich nicht wancken /
Gib mir beständigkeit /
Dafür will ich dir dancken
In alle ewigkeit.


Lass mich dein

186.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
161 186 190 190 190 190 190
p. 151 144 224 153 136 208 136

DIß sind die heil'gen zeh'n gebott /
Die uns gab unser HERRE GOTT /
Durch Mosen / seinen diener treu /
Hoch auf dem berge Sinai /
Kyrie eleison.


Dies sind die

Mosen

2. Ich bin allein dein GOTT und HErr /
Kein götter solt du haben mehr :
Du solt mir gantz vertrauen dich /
Von hertzen-grunde lieben mich /
Kyrie eleison.


solt

[p. 145]
3. Du solt nicht führen zu unehr'n
Den namen GOttes deines HErrn :
Du solt nicht preisen recht noch gut /
Ohn was Gott selbsten redt und thut /
Kyrie eleison.


Variante

4. Du solt heil'gen den sieb'nden tag /
Daß du und dein hauß ruhen mag :
Du solt von dein'm thun lassen ab /
Daß Gott sein wercke in dir hab /
Kyrie eleison.

5. Du solt ehr'n und gehorsam seyn
Dem vatter und der mutter dein /
Und wo dein hand ihn'n dienen kan /
So wirst du langes leben han /
Kyrie eleison.

6. Du solt nicht tödten zorniglich /
Nicht hassen / noch selbst rächen dich :
Gedult haben und sanften muth /
Und auch dem feinde thun das gut /
Kyrie eleison.

7. Dein eh' solt du bewahren rein /
Daß auch dein hertz kein and'res meyn /
Und halten keusch das leben dein /
Mit zucht und mit mässigkeit fein /
Kyrie eleison.

8. Du solt nicht stehlen geld noch gut /
Nicht wuchern jemands schweiß noch blut :
Du solt auffthun dein milde hand /
Denen armen in deinem land /
Kyrie eleison.

denen

9. Du solt kein falscher zeuge seyn /
Nicht lügen auff den nächsten dein :
Sein' unschuld solt auch retten du /
Und seine schande decken zu
Kyr. el.

10. Du solt dein's nächsten weib und hauß
Begehren nicht / noch etwas drauß :
Du solt ihm wünschen alles gut /
Wie dir dein hertze selber thut /
Kyrie eleison.

dein Herz

11. Die g'bott all uns gegeben sind /
Daß du dein sünd / o menschenkind !
Erkennen solt / und lernen wol /
Wie man für GOTT recht leben soll /
Kyrie eleison.

für Gott

12. Das helff uns der HErr JEsus Christ /
Der unser Mittler worden ist /
Es ist mit unserm thun verlohrn /
Verdienen doch nur eitel zorn /
Kyrie el.

eitel zorn

187.
In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
162 187 191 191 191 191 191
p. 152 145 225 154 137 210 137

MEnsch ! wilt du leben seliglich /
Und bey GOtt bleiben ewiglich /
Solt du halten die zeh'n gebott /
Die uns gebotten unser GOtt /
Kyie eleis.

Mensch, willst du

2. Dein GOtt allein und HErr bin ich /
Kein and'rer GOtt soll irren dich /
Trauen solt mir das hertze dein /
Mein eigen [p. 146] reiche solt du seyn /
Kyrie eleison.

3. Du solt mein'n namen ehren schon /
Und in der noth mich ruffen an.
Du solt heil'gen den sabbath-tag /
Damit ich in dir wircken mag /
Kyrie eleis.

schon

4. Dem vatter und der mutter dein
Solt du nach mir gehorsam seyn.
Niemand tödten / noch zornig seyn /
Und deine ehe halten rein /
Kyrie eleison.

5. Du solt ein'm andern stehlen nicht /
Auff niemand falsches zeugen nicht.
Dein's nächsten weib auch nicht begehrn /
Und all sein's gutes gern entbehrn /
Kyrie eleison.

Variante

188.
In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
163 188 192 + Anh122 192 192 192 192
p. 153 146 226 + Anh184 154 137 210 137

WAnn ich die heilgen zehn gebott
Betrachte / die du selbst / o GOtt /
Gegeben hast / erschrecke ich /
Daß ich so sehr erzürnet dich /
Kyrie eleison.

Wenn ich die

2. Ich hab die creatur weit mehr
Geliebt / als dich und deine ehr :
Dich nicht geförcht / dir nicht vertraut /
Auf mich und menschen-hülff gebaut /
Kyrie eleison.

3. Ich habe deinen nam und bund
Vergeblich offt geführt im mund :
Mit hertzens-andacht nicht betracht /
HERR / deine weißheit / güt und macht /
Kyrie eleison.

4. Ich hab zubracht den sabbath-tag
In wollust / oder müh und plag :
Dein wort versäumt und nicht gepreißt /
Was du für wolthat mir erweißt /
Kyrie eleison.

zubracht

5. Ich habe nicht geehrt allzeit
Die eltern / lehrer / obrigkeit :
Ihr treu und sorge nicht erkandt /
Auch nicht gedient mit willger hand /
Kyrie eleison.

6. Ich hab den nächsten nicht geliebt /
Vielmehr geneidet und betrübt :
Zanck / hader / streit gefangen an /
Durch zorn und rachgier sünd gethan /
Kyrie eleison.

7. Ich hab unreine lust gesucht /
Nicht heiligkeit geliebt und zucht :
Zum öftern auch in tranck und speiß
Hindan gesetzet maß und weiß /
Kyrie eleison.

hindan

8. Ich hab mein ampt nicht so verricht /
Wie es erfordert meine pflicht :
Mit unrecht gut an mich gebracht /
Die armen nicht mit hülff bedacht /
Kyrie eleison.

9. Ich hab den lästrer gern gehört /
Nicht alls zum besten fort gekehrt :
Mich nicht beflissen jederzeit
Der warheit und auffrichtigkeit /
Kyrie el.

fort

  

Kyrie el.

10. Ich hab mit rechtes-schein und list
Begehrt was meines nächsten ist /
Was ich an gütern bey ihm find /
Sein ampt / sein hauß / land / vieh / gesind /
Kyrie eleison.

Gesinde

11. Ach starcker und eifriger GOtt /
Wer dich veracht und dein gebott /
Deß lohn ist zorn und ungenad /
Biß in den dritt- und vierten grad /
Kyrie eleison.

Grad

12. Der aber hat in tausend glied
Fort zu erwarten gnad und fried /
Der dich / HErr / liebt und dein gesätz
[p. 147] Hält über alle güldne schätz /
Kyrie eleison.

  

Gesätz

13. Ein solches hertz war lang nicht hier /
Es wohnte gar nichts guts in mir :
Lang hab ich nicht darnach gefragt /
Was du gedräut und zugesagt /
Kyrie eleison.

14. Mein dichten war von jugend auff
Sehr böß im gantzen lebens-lauff :
Dann ich von meiner scheitel war
Verderbt biß auff die fußsohl gar /
Kyrie eleison.

von Jugend auf

15. Wie nun ein born sein wasser quillt /
So hat mein hertz auch angefüllt
Mein thun und lassen allzumal
Mit sünd und lastern ohne zahl /
Kyrie eleison.

quillt

16. Wer merckt auch noch / wie offt er fehlt /
Biß sein gewissen ihn drum quält :
Solt ich antworten für gericht :
Ich könt auff tausend eines nicht /
Kyrie eleison.

tausend

17. Ach Vatter / sih mein elend an /
Verzeihe mir / was ich gethan /
Ni  weg durch deine güt und huld
Die schwere straff / die ich verschuld /
Kyrie eleison.

18. Gedenck daß dein Sohn / JEsus CHrist /
Ein fluch am holtze worden ist /
Für mich und meine missethat /
Die er auff sich genommen hat /
Kyrie eleison.



ein Fluch

19. Der neue bund ist da gestifft /
Kein fluch mich in demselben trifft :
Er bringet gnad und segn dabey /
Daß ich vom sünden-dienst bin frey /
Kyrie eleison.

20. Weil ich dann bin in Christo nun
Geschaffen / gute werck zu thun :
So gib mir deines Geistes gab /
Daß ich vom bösen lasse ab /
Kyr.

21.Daß ich nach deinem willen leb /
Der sünden-lust stets widerstreb /
Und darnach ringe fort und fort /
Daß ich eingeh zur engen pfort /
Kyr.

* 22. GOtt Vatter / hilff von deinem thron /
Hilff / o HErr JEsu / Gottes Sohn /
Hilff / heilger Geist / und stärcke mich /
Daß ich dir diene williglich /
Kyrie eleison.

189.
Im Thon : Es spricht der unweisen mund &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
164 189 193 193 193 193 193
p. 154 147 228 156 138 212 138

HErr deine rechte und gebott /
Darnach wir sollen leben /
Wollst du mir / o du treuer GOTT /
Ins hertze selber geben :
Daß ich zum guten willig sey /
Mit sorgfalt und ohn heucheley /
Was du befihlst vollbringe.

Herr, deine

2. Gib / daß ich dir allein vertrau /
Allein dich fürcht und liebe /
Auf menschen-trost und hülff nicht bau /
Noch mich darum betrübe :
Daß grosser leute gnad und gunst /
Gewalt / pracht / reichthum / witz und kunst /
Mir nicht zum abgott werde.

3. Hilff / daß ich deinen nam und bund
Auß deinem wort erkenne /
Auch niemals dich mit meinem mund
Ohn hertzens-andacht nenne :
Daß ich bedencke alle tag /
Wie starck mich meine tauff-zusag
Zu dienste dir verbindet.

4. Am tage deiner heilgen ruh
Laß mich früh vor dir tretten /
Die zeit auch heilig bringen zu /
Mit dancken und mit betten :
Daß ich hab meine lust an dir /
Dein wort gern höre und dafür
Hertzinniglich dich preise.

herzinniglich

[p. 148]
5. Die eltern / lehrer / obrigkeit .
So fürgesetzt mir werden /
Laß mich ja ehren allezeit /
Daß mirs wol geh auff erden /
Für ihre treu und sorg laß mich /
Auch wann sie werden wunderlich /
Gehorsam seyn und danckbar.

Obrigkeit

6. Hilff / daß ich nimmer eigne rach
Auß zorn und feindschafft übe :
Dem / der mir anthut creutz und schmach /
Verzeihe / und ihn liebe :
Sein glück und wolfahrt jedem gönn /
Schau ob ich jemand dienen könn /
Und thu es dann mit freuden.

schau

7. Unreine werck der finsternuß
Laß mich mein lebtag meiden /
Daß ich nicht für die lust-seuch muß
Der höllen-quaal dort leiden :
Schaff in mir / GOTT / ein reines hertz /
Daß ich meid schandbar wort und schertz /
Auch fressen / haß u  sauffen.

Finsternus

8. Verleih / daß ich mich redlich nehr /
Der bösen renck mich schäme /
Mein hertz vom geitz und unrecht kehr /
Nichts durch gewalt hinnehme :
Und von der arbeit meiner händ /
Was übrig ist / auff armen wend /
Und nicht auff pracht und hoffart.

Arme

9. Hilff / daß ich meines lächsten glimpff
Zu retten mich befleisse /
Vom ihm abwende schmach und schimpff /
Doch böses nicht gut heisse :
Gib / daß ich lieb auffrichtigkeit /
Und hab ein abscheu jederzeit
An lästern und an lügen.

Glimpf

10. Laß mich des nächsten hauß und gut
Nicht wünschen noch begehren :
Was aber mir vonnöthen thut /
Deß wollst du mich gewähren :
Doch daß es niemand schädlich sey /
Ich auch ein ruhig hertz dabey
Und deine gnad behalte.

gewähren

11. Ach HErr / ich wolte deine recht /
Und deinen heilgen willen /
Wie mir gebühret deinem knecht /
Ohn mangel gern erfüllen :
So fühle ich / was mir gebricht /
Und wie ich das geringste nicht
Vermag auß eignen kräfften.

12. Drum gib du mir von deinem thron /
GOtt Vatter / gnad und stärcke :
Verleih / o JEsu / GOttes Sohn /
Daß ich thu rechte wercke :
O heilger Geist / hilff / daß ich dich /
Von gantzem hertzen / und als mich
Ohn falsch den nächsten liebe.

als mich

190.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
165 190 194 194 194 194 194
p. 155 148 230 157 139 214 139

WIr glauben all an einen Gott /
Schöpffer himmels und der erden /
Der sich zum Vatter geben hat /
Daß wir seine kinder werden.
Er will uns allzeit ernehren /
Leib und seel auch wol bewahren /
Allem unfall will er wehren /
Kein leid soll uns widerfahren.
Er sorget für uns / hüt't und wacht /
Es steht alles in seiner macht.

Wir glauben

2. Wir glauben auch an JEsum Christ /
Seinen Sohn und unsern HErren /
Der ewig bey dem Vatter ist /
Gleicher GOtt von macht und eh-[p. 149]ren.
Von Maria der Jungfrauen
Ist ein wahrer mensch gebor  /
Durch den heil'gen Geist im glauben /
Für uns die wir war'n verlohren /
Am creutz gestorben / und vom tod
Wider aufferstanden durch GOtt.

3. Wir glauben auch an heil'gen Geist /
GOtt mit Vatter und dem Sohne /
Der aller blöden Tröster heißt /
Und mit gaben zieret schone.
Die gantz' Christenheit auff erden
Hält in einem sinn gar eben /
Hier all sünd vergeben werden /
Das fleisch soll auch wieder leben /
Nach diesem elend ist bereit
Uns ein leben in ewigkeit.

an heilgen

blöden
schone

einem Sinn

191.
Mel. O GOtt du fro er GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
166 191 196 195 195 195 195
p. 156 149 231 158 140 215 140

HERR allerhöchster Gott / von dem wir alle gaben
Und was uns nützlich ist / durch bitte müssen haben /
Ich sünder klage dir / daß / leider ! ich nicht kan
Dich / wie ich gerne wolt / im glauben betten an.

Herr allerhöchster

2. Ich glaube ja zwar wol / doch mit so schwachem glauben /
Den mir noch will darzu der böse feind weg rauben.
In solcher noth / o GOtt / weil ich auff dich allein
Vertraue / wollest du mein treuer helffer seyn.

3. Ach ! recke du zu mir doch deine gnaden-hände /
Hilff meiner schwachheit auff / Und stärckung mir zusende :
Obschon dem senff-korn gleich mein glaube ist sehr klein /
So laß ihn doch bey mir in stetem wachsthum seyn.


Senfkorn

4. Ich bin zwar schwach / doch sey der glaub in mir geschäfftig /
Und deine stärck und krafft sey in mir schwachen kräfftig.
Ach ! zeuch mich hin zu dir / HERR meine zuversicht /
Auff daß sich mehr in mir deß wahren glaubens licht.

mir Schwachen

sich mehr

5. O fro er GOtt / der du ein füncklein angezündet
Des glaubens / blaß es auff : daß wann sich noth einfindet /
Ich wol gerüstet sey / und gute ritterschafft
Außübe allezeit durch dieses lichtes kraft.


blas es auf
Ritterschaft

6. HErr JEsu / blicke du mich an auß lauter gnaden /
Wie du das arme weib von Cana / das beladen
Mit vielem unglück war : vertritt du mich bey GOTT /
Damit mein schwacher glaub hie werde nicht zu spott.


von Cana

[p. 150]
7. Ach lieber HErr / wie du für Petrum hast gebetten /
Daß er nicht möchte ab vom wahren glauben tretten :
So bitte auch für mich / der du mein mitler bist /
Weil es dein wille ja / und mir ersprießlich ist.


für Petrum

8. Erhöre mich / mein GOtt / mein GOtt mich doch erhöre /
Merck auff mein flehen / und der bitte mich gewähre ;
Daß ich des glaubens-ziel / der seelen seligkeit /
Erlange dort einmal bey dir in ewigkeit.


gewähre

192.
In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
652 192 197 196 196 196 196
p. 607 150 233 159 141 216 141

ERhöre mein gebett / du aller noth erhörer /
Du hast das lob und ruhm / du seyst des glaubens mehrer ;
Den glauben mehr in mir / gib / daß ich lebe dir /
Dir gantz ergeben sey / und selber sterbe mir.

Erhöre mein

2. Du hast durch deinen tod / geschencket mir das leben /
Drum gib ich wieder dir / was du mir hast gegeben.
Und wann mein glaub ist schwach ertheil ihm neue kraft
Durch deinen todes-schweiß / und deiner wunden safft.

193.
In eignem Thon : oder Zion klagt mit &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
167 193 198 197 197 197 197
p. 157 150 233 159 141 216 141

SChöpffer hi els und der erden /
Vatter / Sohn / heiliger Geist :/:
Auß nichts läß'st du alles werden /
In sechs tagen / da du heist
Hi el / wasser und die erd /
Auch was drinnen geht und fährt /
Herfür gehen / dir zum lobe /
Uns zum nutzen und zur probe.

Schöpfer Himmels

  

  

2. Da die erde war bedecket
Mit dem wasser / und darzu :/:
In der finsterniß verstecket /
Lag in ihrer ersten ruh /
Sprachst du GOtt : Es werde licht /
Da der erste tag anbricht.
Die gewässer durch die veste
Theilt der and're tag aufs beste.

Feste

3. Als am dritten tag die erden
Ward geschieden von dem meer :/:
Mußten bäum und kräuter werden /
Die hernach sich mehrten sehr.
Sonne / mond und sternen-licht /
An dem vierten tag anbricht /
Welche allzeit müssen machen
Nacht und tag zum schlaf u  wachen.

4. Nun der fünffte tag muß bringen
Fisch und thiere in dem meer :/:
In der lufft zugleich muß singen /
Das geschwinde vogel-heer :
Alle thiere / würm und vieh /
Schaff'st du / GOtt / zum besten hie /
Daß der mensch sehr rei-[p. 151]che gaben
Durch dein allmacht kö te haben.

5. Laßt uns auch nach unserm bilde
Menschen machen / sprachst du / GOtt :/:
Welche über zahm und wilde
Thiere herrschen biß zum todt.
Da der mensch geschaffen war /
Bließst du ihm den athem dar /
Uns mach'st ihm zu einem weibe
Seine rippe auß dem leibe.

  

bis zum Tod

6. Diese beyde / außgezieret
Mit gerecht- und heiligkeit :/:
Mit verstand / wie sichs gebüret /
Waren rechte Gottes-leut /
Deinem sinne gleich gesinnt /
Daß der mensch / dein liebes kind /
Konte / ohne sünd und sterben /
Deine seligkeit ererben.



Gerecht-

  

  

Seligkeit

7. Also wurde nun formieret
Alle diese creatur :/:
Auch mit segen außgezieret /
Auf daß deiner weißheit spur /
Deine macht und majestät /
Jederman für augen hätt' /
Dich zu kennen und zu loben /
Dich zu lieben hier und droben.

8. Nun so laß dein lob erschallen /
Meine seele / deinem GOtt :/:
Der das leben gibt uns allen /
Und darzu das liebe brot /
Schutz u  segen jederzeit :
Drumb so sey mein hertz bereit /
Daß dein wort und werck vermehre
Deines schöpffers lob und ehre.

194.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
168 194 199 198 198 198 198
p. 158 151 235 160 142 217 142

VAtter unser im himmelreich /
Der du uns alle heissest gleich
Brüder seyn / und dich ruffen an /
Und wilt das betten von uns han /
Gib daß nicht bett allein der mund /
Hilff daß es geh' auß hertzens-grund.

Vater unser

2. Geheil'get werd der name dein /
Dein wort bey uns hilff halten rein /
Daß wir auch leben heiliglich /
Nach deinem namen würdiglich /
Behüt uns / HERR / für falscher lehr /
Das arm verführte volck bekehr.

3. Es komm dein reich zu dieser zeit /
Und dort hernach in ewigkeit /
Der heilig' Geist uns wohne bey /
Mit seinen gaben mancherley /
Des satans zorn und groß gewalt
Zerbrich / vor ihm dein' kirch erhalt.

4. Dein will gescheh' / HErr GOtt / zugleich
Auf erden wie im hi elreich :
Gib uns gedult in leidens-zeit /
Gehorsam seyn in lieb und leid /
Wehr und steur' allem fleisch und blut /
Das wider deinen willen thut.

[p. 152]
5. Gib uns heut unser täglich brot /
Und was man b'darff zur leibes-noth /
B'hüt uns HErr / für unfried und streit /
Für seuchen und für theurer zeit /
Daß wir in gutem frieden steh'n /
Der sorg und geitzes müssig geh'n.

  

Leibes-Not

6. All unser schuld vergib uns / HErr /
Daß sie uns nicht betrüben mehr /
Wie wir auch unsern schuldiger'n
Ihr schuld und fehl vergeben gern /
Zu dienen mach uns all bereit /
In rechter lieb und einigkeit.

7. Führ uns / HErr / in versuchung nicht /
Wann uns der böse geist anficht
Zur lincken und zur rechten hand /
Hilff uns thun starcken widerstand /
Im glauben fest und wol gerüst /
Und durch des heil'gen Geistes trost.

8. Von allem übel uns erlöß /
Es seyn die zeit und tage böß /
Erlöß uns von dem ew'gen todt /
Und tröst uns in der letsten noth /
Beschehr uns auch ein sel'ges end /
Ni  unser seel in deine händ.



es seyn

9. Amen / das ist / es werde wahr /
Stärck unsren glauben immerdar /
Auff daß wir ja nicht zweiffeln d'ran /
Was wir hiemit gebetten han /
Auff dein wort / in dem namen dein /
So sprechen wir das Amen fein.


Amen

195.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
169 195 200 199 199 199 199
p. 159 152 236 161 142 219 142

O Vatter aller frommen !
Geheil'get werd dein nahm :/:
Laß dein reich zu uns kommen /
Dein will der mach uns zahm :
Gib brot / vergib die sünde /
Kein arg's das hertz entzünde /
Löß uns auß aller noth.

O Vater aller

2. Dann dein / HErr / ist das reiche /
Und auch die grosse krafft :/:
Dardurch du herrschest gleiche
Uber alle herrschafft.
Daß dir niemand kan wehren /
Reicht auch zu deinen ehren /
Daß du uns hülffest auß.

Denn Dein

196.
Im Th. Vatter unser im himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
170 196 201 200 200 200 200
p. 159 152 237 161 143 219 143

O Vatter in dem himmelreich /
Geheil'get werd dein nahm zugleich /
Dein reich zuko  / dein will uns führ /
Gib brot / vergib die sünde hier /
In der versuchung steh uns bey /
Von allem übel mach uns frey.

O Vater in

197.
Mel. Wär Gott nicht mit uns &c. Oder : Es ist gewißlich an der &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
170 197 202 201 201 201 201
p. 159 152 237 161 143 219 143

GOtt / unser Vatter / der du bist
Im himmel hoch erhoben /
Und [p. 153] schauest /was auff erden ist /
Von deinem throne oben :
O unser trost und zuversicht /
Zu dir ist unser hertz gericht :
Erhör uns / deine kinder.

Gott, unser

2. Hilff / daß wir deinem heil'gen nahm
Die ehr in allem geben :
Wie groß du bist und wundersam /
Mit freudigkeit erheben :
Dich / deine weißheit / macht und treu /
Erkennen / und ohn heucheley
Dir und dem nächsten dienen.

ohn Heuchelei

3. Laß uns in deinem gnaden-reich
Des heil'gen Geistes gaben /
Dein wort und dessen krafft zugleich /
Glaub / lieb und hoffnung haben.
Des satans sünden-reich zerstör /
Schütz deine kirch / und sie vermehr
In einigkeit und warheit.

4. Dein will geschehe für und für
Im hi el und auff erden /
Daß unser will und böß begier
Dardurch gebrochen werde.
Verleihe uns in freud und leid
Ein ruhig hertz / daß jederzeit /
Was du wilt / uns gefalle.

5. Gib uns heut unser täglich brot /
Durch arbeit uns'rer hände :
Pest / kranckheit / feur und wassersnoth /
Und was sonst schadt / abwende :
Gib gute obern / fried und heil /
Auch jedem sein bescheid'nen theil /
Und daß uns d'ran begnüge.



Obern

6. Vergib uns alle uns're schuld /
Und sündhaft böses leben :
Hilff / daß mit liebe und gedult
Wir andern auch vergeben :
Ach ! übe an uns keine rach /
Und laß uns unrecht / trutz und schmach
Dem nächsten auch verzeihen.



Hilf

7. In der versuchung / HErr / uns stärck /
Und hilf uns überwinden /
Das fleisch / die welt / des satans werck /
Und was uns reitzt zur sünden :
Daß / wenn uns wollust / ehr und gelt /
Wird süß und lieblich vorgestellt /
Wir doch dawider siegen.

stärk

8. Von allem übel / angst und noth
In gnaden uns erlöse /
Daß uns im leben und im todt
Nicht schaden könn der böse.
Gib / daß wir freudig und getrost /
Wa  uns gleich manches creutz zustoßt /
Des glaubens end erhalten.

zustoßt

*9. Diß alles / Vatter / werde wahr /
Du wollest es erfüllen :
Erhör und hilff uns immerdar /
Um Jesu Christi willen :
Da  dein / o HErr / ist allezeit /
[p. 154] Von ewigkeit zu ewigkeit /
Das reich / die macht / die ehre.

werde wahr

198.
Mel. Auff meinen lieben GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
172 198 203 202 202 202 202
p. 161 154 239 162 144 220 144

O Allerhöchster GOtt /
Ich schweb in grosser noth /
Ich fürchte / meine sünden /
Die sich bey mir befinden /
Die werden dir verwehren /
Mein betten zu erhören.

O allerhöchster

2. Ach ! warum bett' ich nicht
In vester zuversicht ?
Du wilt ja nicht das flehen
Der elenden verschmähen /
Du lockest sie / mit betten
Für deinen thron zu tretten.

3. Wer nur die kühnheit ni t /
Und freudig für dich kö t /
Sein hertz da außzuleeren /
Und etwas zu begehren /
Der soll von denen gaben /
So viel ihm nützet / haben.

denen

4. Darum verzeihe mir /
Daß ich / o Höchster / dir /
Durch sündliche gedancken /
Und hin und wieder wancken /
Nicht jederzeit getrauet /
Und vest auff dich gebauet.

5. Gib du mir zuversicht /
Daß / wann mir was gebricht /
Ich / HErr / von dir nicht minder /
Als wie die lieben kinder
Die eltern um was bitten /
Mein hertz auch mag außschütten.

von dir

6. Ach mach mich endlich frey
Von plagen mancherley /
U  führ einst meine seele /
Auß ihres leibes höle /
Nach überstand'nem leiden /
Zu deinen himmels-freuden.

199.
Mel. Erhalt uns Herr /bey deinem wort  &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
174 200 205 204 204 204 204
p. 162 154 240 163 145 221 145

HErr GOtt / der du mein Vatter bist
Ich schrey im namen JEsu Christ
Zu dir / auf dein wort / eyd und todt /
Hör / helffer / treu in angst und noth.

Herr Gott, der

2. Laß uns dein wort / stärck uns im geist /
Hilff / daß wir thun / Was du uns heist /
Gib fried / schutz / gute freund und brot /
Behüt die stadt / du treuer GOTT.

3. Errett von sünd / teuffel und todt /
Auß leibes- und der seelen noth /
Ein selig's stündlein mir beschehr /
Dein ist das reich / krafft / preiß u  ehr.

4. Auf dein wort sprech ich Amen / Herr /
Auß gnad mein'n kleinen glauben mehr /
Du bist allein der Vatter mein /
Laß mich dein kind und erbe seyn.

200.
Mel. Ach JEsu / dessen treu &c./p>
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
174 200 205 204 204 204 204
p. 162 154 240 163 145 221 145

ACH Vatter / unser GOtt / der du durch grosse güte
Uns im-[p. 155]merfort erweist dein vätterlich gemüthe :
Hilff / daß von uns auch werd der kinder ampt verricht /
In furcht / gehorsam / lieb / und fester zuversicht.

Ach Vater, unser

2. Du bist im hi els-thron an allen ort und enden /
Wo wir dich ruffen an / wilt du dich zu uns wenden :
So höre / HErr / ach hör von deinem freuden-saal /
Warum wir bitten dich / hier in dem thränen-thal.

an allen

   

Tränental

3. Ach Vatter / unser Gott / laß deinen Geist uns lehren /
Wie deine majestät in demuth sey zu ehren /
Daß wir betrachten recht / wie groß / o GOtt / du bist /
Und daß der arme mensch nur staub und asche ist.

deine Majestät

4. Laß uns nichts liebers seyn / als deinen namen preisen /
Für alle güt und gnad / die du uns thust beweisen :
Daß jederman werd kund / wie unaußsprechlich sey /
HErr / deine weißheit / macht / barmhertzigkeit und treu.

5. Ach Vatter / unser Gott / du hast uns auffgenommen /
Hier in dein gnaden-reich / da wir die tauff beko en :
Gib / daß fortan dein wort uns fall wie himmels-thau
Auffs hertze / und uns stets zu deinem dienst erbau.


bekommen

6. Erleuchte den verstand / den glauben uns vermehre /
Die Lieb in uns anzünd / des satans reich zerstöre :
Verleihe / daß auch wir oftmals an unserm theil
Anwünschen deiner kirch glück / aufnahm / fried und heyl.

anwünschen

7. Ach Vatter / unser Gott / hilff / daß erfüllet werde
Dein heilger guter will im hi el und auff erde :
Daß unser eigner will und sündliche begier
Durch deine kraft in uns absterbe für und für.

sündliche Begier

8. Regiere unser hertz / daß wir in guten tagen
Nicht stoltz und sicher seyn / in bösen nicht verzagen.
Gib / daß nichts zeitliches uns machen könn betrübt /
Daß uns auch nichts erfreu /als nur /was dir beliebt.

9. Ach Vatter unser Gott / laß uns fort deine gaben
Und unser täglich brot zur nothdurfft heut auch haben :
Hilff / daß wir sparsam seyn /und räthlich halten hauß /
Und auch mit wenigem begnüglich kommen auß.

fort

rätlich

10. Gib einigkeit und fried / treu / zucht und ehr darneben /
Auch heilsam regiment dem orte / wo wir leben ;
Wend feur- und wassers-noth durch deine starcke hand /
Wend pest und kranckheit ab von uns in unserm land.


Regiment

11. Ach Vatter / unser Gott / auß lauter güt und gnaden
Vergib uns unsre schuld / damit wir sind beladen :
Es ist ja keine sünd / dafür nicht habe schon
Mit seinem blut bezahlt dein eingebohrner Sohn.


Es ist

12. Hilff / daß wir denen auch all ihre schuld erlassen /
Die uns zuwider sind / und sie darum nicht hassen :
Daß wir von hertzen grund vergessen trutz und schmach /
Und dir in gütigkeit und sanfftmuth arten nach.

arten nach

13. Ach Vatter / unser Gott / Durch deine wunder-stärcke
Hilff / wa  versuchung ko t / [p. 156] und dämpff des satans wercke /
Daß wir auch unserm fleisch nicht folgen und der welt /
Wann uns zur sünde reitzt ehr / wollust / gut und gelt.

Durch deine

14. Laß uns in lieb und leid / gleichmüthig von gedancken /
Demüthig ohne falsch / sorgfältig ohne wancken /
Aufrichtig / dapffer / keck / keusch / ehrbar / züchtig / rein /
Und ohn leichtfertigkeit getrost und frölich seyn.

dapffer

15. Ach Vatter / unser Gott / du wollest uns vom bösen /
Und was uns schädlich ist / genädiglich erlösen /
Daß wir durch deine hülff bald werden auß gefahr /
Auß trübsal / creutz und pein errettet immerdar.

vom Bösen

16. Verleih uns deine kraft / durch alles durchzudringen /
Daß unser glaube mög die ehren-kron erringen /
Wann in dem letsten kampff all elend / angst und noth /
Ein selig ende nimmt mit einem sanfften todt.

17. NunVatter / unser GOTT / sih an diß unser betten /
Laß uns nicht unerhört von deinem thron abtretten :
Dann dein / o Herr / ist fort je länger und je mehr
In alle ewigkeit das reich / die macht / die ehr.


unerhört

18. Hierauff so sprechen wir in JEsu Christi namen /
Auff sein untrüglich wort / ein gläubig freudig amen.
O JEsu Christ / durch dich / und dein verdienst allein
Wird alles gantz gewiß / ja / ja und Amen seyn.


Verdienst
Ja und Amen

201.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
175 201 206 205 205 205 205
p. 163 156 242 165 146 224 146

CHrist unser HErr zum Jordan kam /
Nach seines Vatters willen :/:
Von sanct Johann die tauffe nahm /
Sein ampt und werck z'erfüllen.
Da wolt er stifften uns ein bad /
Zu waschen uns von sünden /
Ersäuffen auch den bitter'n tod /
Durch sein selbst blut und wunden /
Es galt ein neues leben.

Christ unser Herr

  

  


sein selbst

2. So hört und mercket alle wohl /
Was Gott selbst heißt die tauffe :/:
Und was ein Christe glauben soll /
Zu meiden ketzer-hauffe.
GOtt spricht / und will / daß wasser sey /
Doch nicht allein schlecht wasser /
Sein heil'ges wort ist auch darbey
Mit reichem geist ohn massen /
Der ist allhie der täuffer.

  

schlecht Wasser

3. Solch's hat er uns beweiset klar /
Mit bilden und mit worten :/:
Des Vatters sti  man offenbar
Daselbst am Jordan hörte.
Er sprach : das ist mein lieber Sohn /
An dem ich hab gefallen /
Den will ich euch befohlen han /
Daß ihr ihn höret alle /
Und folget seiner lehre.


Bilden

4. Auch Gottes Sohn hie selber steht /
In seiner zarten menschheit :/:
Der heilig' Geist hernieder [p. 157] fährt /
In tauben-bild verkleidet.
Daß wir nicht sollen zweiffeln dran /
Wann wir getauffet werden /
All drey Person'n getauffet han /
Damit bey uns auff erden
Zu wohnen sich ergeben.

5. Sein Jünger heißt der HErre Christ :
Geht hin all welt zu lehren :/:
Daß sie verlohr'n in sünden ist /
Sich soll zur busse kehren :
Wer glaubet und sich tauffen läßt /
Soll dadurch selig werden /
Ein neugebohrner mensch er heißt /
Der nicht mehr könne sterben /
Das himmelreich soll erben.


heißt

6. Wer nicht glaubt dieser grossen gnad /
Der bleibt in seiner sünde :/:
Und ist verda t zum ew'gen tod /
Tieff in der höllen grunde.
Nichts hilfft sein eigen heiligkeit /
All sein thun ist verlohren /
Die erb-sünd macht's zur nichtigkeit /
Darinn er ist gebohren /
Vermag ihm selbst nicht helffen.

ihm selbst

7. Das aug allein das wasser sih't /
Wie menschen wasser giessen :/:
Der glaub im geist die krafft versteht /
Des blutes JEsu Christi.
Und ist für ihm ein rothe fluth /
Von Christi blut gefärbet /
Die allen schaden heilen thut /
Von Adam her geerbet /
Auch von uns selbst begangen.

für ihm

202.
In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
176 202 207 206 206 206 206
p. 164 157 244 165 147 225 147

O GOtt / da ich gar keinen rath
Für meine seel kont finden /
Hast du mich durch das wasser-bad
Gewaschen rein von sünden.
Dabey du klärlich hast erweist /
Und durch ein sichtbar zeichen /
O Vatter / Sohn und heilger Geist /
Es sey nichts zu vergleichen /
Mit deiner gnad und liebe.


O Gott, da

2. Dann willig und von hertzen-grund /
So bald ich zu dir kommen /
Hast du mich auf in deinen bund /
Zum kind auch angenommen.
Du hattest ursach / mich vielmehr
Zu straffen und zu hassen /
Und hast / o grosser GOtt / so sehr
Herunter dich gelassen /
Den bund mit mir gestifftet.



kommen

3. Dadurch bin ich nun / als dein kind /
Versichert deiner gnaden :
Was sich für schwachheit an mir findt /
Das läßst du mir nicht schaden :
Den Geist der kindschafft gibst du mir /
Und wann ich für dich trette /
Mein hertz außschütte / GOtt / vor dir /
Nach deinem willen bette /
Werd ich allzeit erhöret.

4. Hingegen hab ich mich verpflicht /
Ich woll ein gut gewissen
Fort bey des glaubens zuversicht /
Zu halten seyn geflissen :
Dich Vatter / Sohn und Geist allzeit
Für meinen GOtt erkennen /
Und sampt der werthen Christenheit
Mit ehrerbietung nennen
Den eingen HErrn und Vatter.

  

fort

  



einigen Herrn

[p. 158]
5. Ich hab dem bösen feind entsagt /
Auch allen seinen wercken :
Und dieser bund / der ihn verjagt /
Kan gegen ihn mich stärcken :
Ich bin / o GOtt / dein tempel nu /
Und wieder neu gebohren /
Auff daß ich rechte wercke thu /
Dazu bin ich erkohren /
Und die du selbst befohlen.

nu

  

dazu

6. Der alte mensch muß sterben ab /
Der neue aber leben :
Den bösen lüsten / die ich hab /
Muß ich stets widerstreben.
Ich muß dem guten hangen an /
Verrichten deinen willen :
Mit fleiß und sorgfalt dencken dran /
Daß ich ihn mög erfüllen /
Durch deine krafft und stärcke.

7. GOtt Vatter / Sohn und Geist / verleih /
Daß ich vest an dich gläube /
Mich meines tauff-bunds tröst und freu /
Dari  beständig bleibe :
Als dein kind / teuffels-wercke haß /
Die bösen lüste dämpffe /
Das gut zu thun nicht werde laß /
Biß an das end hier kämpffe /
Und dort dein reich ererbe.

Gott Vater

Mich

  


lass

203.
In voriger Melod.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
177 203 208 207 207 207 207
p. 165 158 245 166 148 226 148

O Welch ein unvergleichlichs gut
Gibst du / HErr / deinen kindern /
Daß wasser und dabey dein blut
Verehrest du den sündern /
Drey dinge sind / welch allermeist
Auff erden zeugniß geben /
Das blut / das wasser und der geist /
Die können uns erheben
Zu deinem freuden-leben.



O welch ein

2. Diß sacrament ist selbst durch dich
Geheiligt und beschlossen /
Daß / wie du / Herr / bist sichtbarlich
Mit wasser gantz begossen
Im Jordan / durch Johannis hand ;
So soll auch uns rein machen
Dein heiligs blut / das theure pfand /
Das lauter himmels-sachen
Kan würcken in uns schwachen.

bist begossen

  



würken

3. Du hast uns durch diß sacrament
Der kirchen einverleibet /
Also / daß man uns Christen nennt /
Und in dein buch jetzt schreibet :
Diß wasser-bad hat uns im wort
Auch rein gemacht von sünden /
Dein guter Geist der woll hinfort
Die hertzen recht entzünden /
Und lieb in ihnen gründen.

4. Wir sind / HErr / in dein gnaden-reich
Durch diesen bund gesetzet /
Der uns an seel und leib zugleich
Recht inniglich ergetzet /
Du hast uns durch diß reine bad /
So trefflich schön bekleidet /
Daß auch hinfort von deiner gnad
Uns selbst der tod nicht scheidet /
Noch alles / was uns neidet.

5. Auß höllen-kindern sind wir schon
Der gnaden kinder worden /
Diß ist der Christen schönste kron /
U  schmuck in ihrem orden /
Ja Christus selber und sein blut /
Sein tod und sieg daneben /
Ist nunmehr unser eignes gut /
Das er uns hat gegeben /
Mit ihm dadurch zu leben.

  

ihrem Orden

6. Er hat uns auch das kindes-recht
Der seligkeit geschencket /
Durch solches ist die sünde schlecht /
Ins tieffe meer versencket /
Was können teuffel / hölle / tod /
Welch uns stets widerstunden /
Weil JEsus CHristus alle noth /
Sampt ihnen überwunden /
[p. 159] Nun ist das heyl gefunden.

7. HErr / laß uns doch den reben gleich /
Auch gute früchte bringen /
Und auß der welt nach deinem reich
Im glauben eyfrig ringen /
Laß mich durch wahre reu und buß
Auch täglich mit dir sterben /
Demnach der alte Adam muß
Biß auff den grund verderben /
Soll man dein reich ererben.

  

alte Adam

8. Hilff / daß wir diesen gnaden-bund
Der tauffe nie vergessen :
Und sich kein freches hertz noch mund
Zu schmähen ihn vermessen /
Die tauffe muß in angst u  pein /
Ja wann wir gehn von hinnen /
HErr / unser trost und freude seyn /
Das heißt der welt entrinnen /
Den hi el zu gewinnen.

  

vermessen

204.
Mel. Nun welche hie ihr hoffnung gar &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
178 204 209 208 208 208 208
p. 166 159 247 167 149 228 149

HERR ! schaff uns wie die kleine kind
In unschuld neu gebohren :/:
Als wir getaufft im wasser sind /
Zu deinem volck erkohren /
Daß demnach sich /
HErr Christ / an dich
Der sündlich mensch ergebe /
Daß er wol sterb /
Und nicht verderb /
Mit dir ersteh' und lebe.

Herr, schaff uns

Von der Buß / Beicht und
Absolution.

205.) Im Thon : Erhalt uns HErr bey deinem &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
[179] 205 210 209 209 209 209
p. [167] 159 247 168 149 228 149

SO wahr ich leb / spricht GOTT der HErr /
Des sünders tod ich nicht begehr /
sondern daß er bekehre sich /
Thu buß und lebe ewiglich.

So wahr ich

2. Drum Christ der HErr sein' Jünger sand /
Geht hin / predigt in allem land
Vergebung der sünd jederman /
Dem's leid ist / glaubt und will ablahn.

ablahn

3. Wem ihr die sünd vergeben werd't /
Soll ihr loßseyn auff dieser erd /
Wem ihr sie b'halt im namen mein /
Dem soll'n sie auch behalten seyn.


soll ihr

4. Was ihr bind't / soll gebunden seyn /
Was ihr auflößt / das soll loß seyn /
Die schlüssel zu dem himmelreich
Hiemit ich euch geb' allen gleich.

5. Wem ihr verkündig't diesen trost /
Daß er durch mein blut sey erlöst /
B'hält diß zeugniß im hertzen sein /
Derselb' ist loß von schuld und pein.


bhält

6. Wann uns der priester absolviert /
Sein ampt der HErr Christ durch ihn führt /
Und spricht uns selbst von sünden rein /
Sein werckzeug ist der dien'r allein.

Priester

7. Und wann die sünd [p. 160] wär noch so groß /
So werden wir derselben loß /
Durch krafft der absolution /
Die verordnet hat Gottes Sohn.

Absolution

8. Wem der priester auflegt sein hand /
Dem lößt Christ's auf der sünden band /
Und absolviert ihn durch sein blut /
Wer's glaubt / auß gnad hat solches gut.

9. Das ist der heil'gen schlüssel krafft /
Sie bind't und wieder ledig macht /
Die kirch trägt sie an ihrer seit /
Die hauß-mutter der Christenheit.

die Kirch

10. Wen sein gewissen beißt und nagt /
Die sünd quält / daß er schier verzagt /
Der hält sich zu dem gnaden-thron /
Zum wort der absolution.

11.Lob sey dir wahrer GOttes Sohn /
Für die heilg' absolution /
Dari  du zeigst dein gnad und güt /
Für ablaß-brieff / HErr / uns behüt.

Ablassbriefe

206.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
[180] 206 211 210 210 210 210
p. [167] 160 248 169 150 229 150

ALlein zu dir / Herr Jesu Christ /
Mein hoffnung steht auff erden :/:
Ich weiß daß du mein tröster bist /
Kein trost mag mir sonst werden.
Kein menschen-kind war je gebohrn /
Wie auch kein engel außerkohrn /
Der mir auß nöthen helffen kan /
Ich ruff dich an /
Zu dem ich mein vertrauten han :

Allein zu dir

Tröster

2. Mein sünd sind schwer und übergroß /
Und reuen mich von hertzen :/:
Derselben mach mich quit und loß /
Durch deinen tod und schmertzen.
Und zeig mich deinem Vatter an /
Daß du vor mich hast g'nug gethan /
So komm ich ab der sünden last /
Ich laß mich fast
Auf das du mir versprochen hast.



quitt

  


komme ab
lass mich fast

3. Auch mehr mir durch dein freundlichkeit
Den wahren Christen-glauben :/:
Auff daß ich dein'r barmhertzigkeit
Mich ewig mög vertrauen.
Vor allem hertzlich lieben dich /
U  meinen nächsten gleich als mich.
Dein hülff mir send am letsten end /
Damit behend
Des teuffels list sich von mir wend.

4. Ehr sey GOTT in dem höchsten thron /
Dem Vatter aller güte :/:
Und JEsu Christ sein'm lieben Sohn /
Der uns allzeit behüte ;
Und GOtt dem heiligen Geiste /
Der uns sein Hülff allzeit leiste /
Damit wir ihm gefällig seyn
In dieser zeit /
Und dort hernach in ewigkeit.

Geiste

207.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
[181] 207 212 211 211 211 211
p. [168] 161 249 169 150 230 150

ACh GOtt u  HErr !
Wie groß u  schwer
Sind mein begangne sünden !
Da ist niemand
Der helffen kan /
In dieser welt zu finden.

Ach Gott und Herr

2. Lieff ich gleich weit /
Zu dieser zeit /
Biß an der welt ihr ende /
Und wolt loß seyn
Des creutzes mein /
Würd ich doch solch's nicht wenden.

ihr Ende

3. Zu dir flieh' ich /
Verstoß nicht mich /
Wie ich's wol hab verdienet.
Ach GOtt ! zörn nicht /
Geh' nicht ins g'richt /
Dein Sohn hat mich versühnet.

4. Soll's ja so seyn /
Daß straff und pein
Auff sünde folgen müssen :
So fahr hie fort /
Und schone dort /
Und laß mich hie wol büssen.



fahr hie fort

5. Gib HErr gedult /
Vergib die schuld /
Verleih ein g'horsams hertze /
Laß mich nur nicht /
Wie's offt geschicht /
Mein heyl murrend verschertzen.

murrend

6. Handel mit mir /
Wie's düncket dir /
Durch dein gnad will ichs leiden :
Laß mich nur nicht
Dort ewiglich
Von dir seyn abgescheiden.


dünket

  

abgescheiden

7. Gleichwie sich fein
Ein vögelein
In hole bäum verstecket /
Wann's trüb hergeht /
Die lufft unstät /
Menschen u  vieh erschrecket :

erschrecket :

8. Also / HErr Christ /
Mein zuflucht ist
Die höle deiner wunden :
Wann sünd und tod
Mich bracht in noth /
Hab ich mich drein gefunden.

9. Darinn ich bleib /
Ob hie der leib
Und seel vonander scheiden :
So werd ich dort
Bey dir / mein hort /
Seyn in ewigen freuden.

vonander

* 10. Ehre sey nun
GOTT Vatter / Sohn /
Und heil'gen Geist zusammen.
Zweifle auch nicht /
Weil Christus spricht /
Wer glaubt wird selig / Amen.

heilgen

208.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
[182] 208 213 212 212 212 212
p. 169 161 251 170 151 231 151

ACh was soll ich sünder machen /
Ach was soll ich fangen an ?
Mein gewissen klagt mich an /
Es beginnet aufzuwachen /
Diß ist meine zuversicht :
Meinen JEsum laß ich nicht.

Ach was soll

  

aufzuwachen

2. Zwar es haben meine sünden
Meinen JEsum offt betrübt /
Doch weiß ich / daß er mich liebt /
Und er läßt sich gnädig finden /
Drum ob mich die sünd anficht /
Meinen Jesum laß ich nicht.


gnädig

[p. 162]
3. Ob zwar schweres creutz und leiden /
So bey Christen offt entsteht /
Mit mir hart darnieder geht :
Soll's mich doch von ihm nicht scheiden /
Er ist mir ins hertz gericht /
Meinen JEsum laß ich nicht.

4. Ich weiß wol / daß unser leben
Nichts / als nur ein nebel ist /
Dann wir hier zu jeder frist
Mit dem tode sind umgeben /
Und wer weißt was heut geschicht ?
Meinen JEsum laß ich nicht.

5. Sterb ich bald / so ko   ich abe
Von der welt beschwerlichkeit /
Ruhe biß zur vollen freud /
U  weiß / daß im finstern grabe
Jesus ist mein helles licht /
Meinen JEsum laß ich nicht.

6. Durch ihn will ich wieder leben /
Dann er will zu rechter zeit
Wecken mich zur seligkeit /
Und sie mir auß gnaden geben /
Muß ich schon erst für gericht /
Meinen JEsum laß ich nicht.

7. Drum / o JEsu / solt mein bleiben /
Biß ich komme an den ort /
Welcher ist des himlmels port /
Darum thu auch einverleiben
Meine seel in deinem licht /
Meinen JEsum laß ich nicht.


solt

Port

209.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
183 209 214 213 213 213 213
p. 170 162 252 170 152 232 152

JEsu / der du meine seele
Hast durch deinen bitter'n tod :/:
Auß des teuffels finster'n höle
Und der schweren sünden-noth
Kräfftiglich herauß gerissen /
Und mich solches lassen wissen
Durch dein angenehmes wort /
Sey doch jetzt / o GOtt ! mein hort.

Jesu, der du

finstern

  


angenehmes

2. Treulich hast du ja gesuchet
Die verlohr'ne schäffelein :/:
Als sie lieffen gantz verfluchet
In der höllen pful hinein.
Ja /du satans überwinder /
Hast die hoch-betrübten sünder
So geruffen zu der buß /
Daß ich billich kommen muß.

3. Ach ich bin ein kind der sünden !
Ach ich irre weit und breit :/:
Es ist nichts bey mir zu finden
Als nur ungerechtigkeit.
All mein dichten / all mein trachten
Heisset unsern GOtt verachten.
Bößlich leb ich gantz und gar /
Und sehr gottloß immerdar.

4. HErr ich muß es ja bekennen /
Daß nichts gutes wohnt in mir :/:
Das zwar / was wir wollen nennen /
Halt ich meiner seelen für :
Aber fleisch u  blut zu zwingen /
Und das gute zu vollbringen /
Folget gar nicht wie es soll /
[p. 163] Was ich nicht will / thu ich wol.



wollen

5. Aber / HErr ! ich kan nicht wissen
Wie viel meiner fehler seyn :/:
Mein gemüth ist gantz zurissen
Durch der sünd  schmertz und pein /
Und mein hertz ist matt von sorgen /
Ach vergib mir das verborgen !
Rechne nicht die missethat /
Die dich / HErr / erzörnet hat.


seyn
zurissen

6. JEsu / du hast weggenommen
Meine schulden durch dein blut :/:
Laß es / o Erlöser ! ko en
Meiner seligkeit zu gut ;
Und dieweil du so zuschlagen
Hast die sünd am creutz getragen /
Ey so sprich mich endlich frey /
Daß ich gantz dein eigen sey.

7. Weil mich auch der höllen schrecken /
Und des satans gri igkeit :/:
Vielmahl pflegen auffzuwecken /
Und zu führen in den streit /
Daß ich schier muß unterliegen /
Ach so hilff / HErr JEsu ! siegen !
O du meine zuversicht
Laß mich ja verzagen nicht.

  

aufzuwecken

8. Deine rothgefärbte wunden /
Deine nägel / kron und grab :/:
Deine schenckel vest gebunden
Wenden alle plagen ab.
Deine pein und blut'ges schwitzen /
Deine striemen / schläg und ritzen /
Deine marter / angst und stich /
O HERR JEsu / trösten mich.

9. Wann ich für gericht soll tretten /
Da man nicht entfliehen kan :/:
Ach ! so wollest du mich retten /
Und dich meiner nehmen an.
Du allein / Herr / kanst es stören /
Daß ich nicht den fluch darff hören :
Ihr zu meiner lincken hand /
Seyd von mir noch nie erkandt.

vor Gericht

  



linke Hand

10. Du ergründest meine schmertzen /
Du erkennest meine pein :/:
Es ist nichts in meinem hertzen /
Als dein herber tod allein.
Diß mein hertz mit leid vermenget /
Das dein theures blut besprenget /
So am creutz vergossen ist /
Geb ich dir / HERR JEsu Christ.

mein Herz

11. Nun ich weiß du wirst mir stillen
Mein gewissen / das mich plagt :/:
Es wird deine treu erfüllen /
Was du selber hast gesagt :
Daß auff dieser weiten erden
Keiner soll verlohren werden /
Sondern ewig leben soll /
Wa  er nur ist glaubens voll.



es wird

12. HErr / ich glaube / hilff mir schwachen /
Laß mich ja verderben nicht :/:
Du / du kanst mich stärcker [p. 164] machen /
Wann mich sünd und todt anficht.
Deiner güte will ich trauen /
Biß ich frölich werde schauen /
Dich / HErr JEsu / nach dem streit /
In der süssen ewigkeit.

  

anficht

210.
Im Thon : Auff meinen lieben GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
184 210 215 214 214 214 214
p. 171 164 254 172 153 234 153

WO soll ich fliehen hin /
Weil ich beschweret bin
Mit vielen grossen sünden ?
Wo kan ich rettung finden ?
Wenn alle welt herkäme /
Mein angst sie nicht wegnehme.

Wo soll ich

  



wegnehme

2. O JESU ! voller gnad /
Auff dein gebott und rath
Kommt mein betrübt gemüthe
Zu deiner grossen güte /
Laß du auff mein gewissen
Ein gnaden-tröpflein fliessen.

3. Ich / dein betrübtes kind /
Werf alle meine sünd /
So viel ihr in mir stecken /
Und mich so heftig schrecken /
In deine tieffe wunden /
Da ich stets heyl empfunden.



ihr

4. Durch dein unschuldig blut /
Die schöne rothe fluth /
Wasch ab all meine sünde /
Mit trost mein hertz verbinde /
Und ihr'r nicht mehr gedenke /
Ins meer sie tieff versencke.

5. Du bist der / der mich tröst /
Weil du mich hast erlöst.
Was ich gesündig't habe /
Hast du verschart im grabe.
Da hast du es verschlossen /
Da wird's auch bleiben müssen.

6. Ist meine boßheit groß :
So werd ich ihr doch loß /
Wann ich dein blut aufffasse /
Und mich darauf verlasse.
Wer sich zu dir nur findet /
All angst ihm bald verschwindet.



aufffasse

7. Mir mangelt zwar sehr viel /
Doch was ich haben wil /
Ist alles / mir zu gute /
Erlangt mit deinem blute ?
Damit ich überwinde
Tod / teuffel / höll und sünde.

8. Und wann des satans heer
Mir gantz entgegen wär /
Darff ich doch nicht verzagen /
Mit dir kan ich sie schlagen.
Dein blut darff ich nur zeigen /
So muß ich trutz bald schweigen.



ganz

9. Dein blut / der edle safft /
Hat solche stärck und krafft /
Daß auch ein tröpflein kleine
Die gantze welt kan reine /
Ja gar auß teuffels rachen
Frey / loß und ledig machen.


reine

10. Darum allein auf dich /
HErr Christ / verlaß ich mich.
Jetzt kan ich nicht verderben /
Dein reich muß ich ererben /
Dann du hast mir's erworben /
Da du für mich gestorben.

[p. 165]
11. Führ auch mein hertz und sinn
Durch deinen geist dahin /
Daß ich mög alles meiden /
Was mich und dich kan scheiden /
Und ich an deinem leibe
Ein gliedmaß ewig bleibe.

Gliedmaß

Lied / Cantique 211