Lied / Cantique 210

211. ) Im Thon : O traurigkeit / o hertzenleid / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
185 211 216 215 215 215 215
p. 172 165 256 173 154 236 154

O Angst und leid /
O traurigkeit /
Die ich jetzt muß empfinden /
Die jetzt mein gewissen nagt /
Wegen meiner sünden.

O Angst und

  


meiner

2. O furcht und grauß !
Das höllen-hauß /
Darnach ich pflag zu ringen /
Hat den rachen aufgesperrt /
Und will mich verschlingen.

pflag

3. O ach und weh !
O schrecken-see !
Wo soll ich mich verstecken ?
Ach ! daß doch die tieffste grufft
Möchte mich bedecken.

4. Der erden saum
Hat keinen raum /
Drinn ich kan sicher bleiben /
Meine boßheit will mich gantz
In den abgrund treiben.

5. Wie werd ich dort
So strenge wort
Für GOttes richtstul hören /
Weil ich mich die fleisches-lüst
Laß hie so bethören.


lasse

6. O GOttes Sohn /
Du gnaden-thron /
Ich flieh in deine wunden /
Drinn hab ich noch jederzeit
Ruh und lindrung funden.

7. Dein heilges blut /
Das mir zu gut
Am creutze ward vergossen /
Ist ein brunn / darauß das heyl
Ko t auf mich geflossen.

8. Darum mein heyl /
Laß mich jetzt theil
An deinem gnugthun haben /
Meine sünde wird hinfort
In dein grab getragen.


gnugthun

9. O treuer hirt /
Wann satan wird
Mein üppigkeit verklagen /
So still ihn durch dein verdienst /
Sonst müßt ich verzagen.


Üppigkeit

212.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
187 212 217 216 216 216 216
p. 174 165 256 173 155 236 155

HErr JEsu Christ / du höchstes gut /
Du bru quell der genaden :/:
Sih' doch wie ich in meinem muht
Mit sünden bin beladen :
Und in mir hab der pfeil so viel /
Die im gewissen ohne ziel
Mich armen sünder drücken.

Herr Jesu Christ
der Genaden

  


ohne Ziel

2. Erbarm dich mein in solcher last /
Ni   sie auß meinem hertzen :/:
So wohl du sie gebüsset hast
Am holtz mit todes-schmertzen :
Auff daß ich nicht mit grossem weh
In meinen sünden untergeh /
Noch ewiglich verzage.

  

so wohl

3. Ach GOtt ! wann mir das kommet ein /
Was ich mein tag begangen :/:
So fällt mir auf mein hertz ein stein /
Und bin mit furcht umfangen.
Ja ich weiß weder auß noch ein /
Und müßt wol gar verloren seyn /
Wann ich dein wort nicht hätte.


mein Tag

4. Aber dein heilsam wort ja sagt /
Daß alles wird vergeben :/:
Was hier auf erden wird be-[p. 166]klagt /
Und soll nicht schad'n am leben.
Ja / HErr / du alle gnad verheist /
Denen / die mit zerknirschtem geist /
Im glauben zu dir kommen.


am Leben

5. Und weil ich dann in meinem sinn /
(Wie ich zuvor geklaget) :/:
Auch ein betrübter sünder bin /
Den sein gewissen naget /
Und wolte gern im blute dein
Von sünden abgewaschen seyn /
Wie David und Manasse :


dann

  

  

David

6. Also komm ich zu dir allhie
In meiner noth geschritten :/:
Und thu dich mit gebeugten knie /
Von gantzem hertzen / bitten.
Vergib mir doch genädiglich /
Was ich mein lebtag wider dich
Auf erden hab begangen.




genädiglich

7. Ach / HErr mein Gott ! vergib mirs doch /
Um deines namens willen :/:
Und thu in mir das schwere joch
Der übertrettung stillen /
Daß sich mein hertz zu frieden geb /
Und dir hinfort zu ehren leb
In kindlichem gehorsam.




stillen

8. Stärck mich mit deinem freuden-geist /
Heil mich mit deinen wunden :/:
Wasch mich mit deinem todes schweiß
In meiner letsten stunden /
Und ni  mich einst / wann dir's gefällt /
In wahrem glauben von der welt /
Zu deinen außerwehlten.



heil mich

213.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
188 213 218 217 217 217 217
p. 175 166 258 174 156 238 156

TReuer GOTT ! ich muß dir klagen
Meines hertzens jammer-stand :/:
Ob dir wol sind meine plagen
Besser als mir selbst bekandt.
Grosse schwachheit ich bey mir
In anfechtung offtmals spür /
Wann der satan allen glauben
Will auß meinem hertzen rauben.

Treuer Gott

ob dir wohl

2. Du / GOTT / dem nichts ist verborgen /
Weist / daß ich nichts von mir hab :/:
Nichts von allen meinen sorgen /
Alles ist HErr / deine gab.
Was ich gutes find an mir /
Das hab ich allein von dir /
Auch den glauben mir und allen /
Gibst du / wie dir's mag gefallen.

und allen

3. O mein GOtt ! für den ich trette
Jetzt in meiner grossen noth :/:
Höre wie ich sehnlich bette /
Laß mich werden nicht zu spott.
Mach zu nicht des teuffels werck /
Meinen schwachen glauben stärck /
Daß ich ni ermehr verzage /
Christum stets im hertzen trage.

für den

4. JEsu / bru quell aller gnaden /
Der du nie-[p. 167]mand von dir stöst :/:
Der mit schwachheit ist beladen !
Sondern deine Jünger tröst.
Solt ihr glaube auch so klein
Wie ein kleines senffkorn seyn /
Woll'st du sie doch würdig schätzen
Grosse berge zu versetzen.

brunnquell

beladen

Senfkorn

5. Laß mich gnade für dir finden /
Der ich bin voll traurigkeit :/:
Hilff du mir selbst überwinden /
So offt ich muß in den streit.
Meinen glauben täglich mehr /
Und des geistes schwerdt verehr /
Auf daß ich den feind kan schlagen /
Alle feinde von mir jagen.

verehr

6. Heil'ger Geist ins himmels throne /
Gleicher GOTT von ewigkeit :/:
Mit dem Vatter und dem Sohne /
Der betrübten trost und freud.
Allen glauben den ich find /
Hast du in mir angezündt :
Uber mir mit gnaden walte /
Ferner deine gab erhalte.

Uber

7. Deine hülffe zu mir sende /
O du edler hertzens-gast :/:
Und das gute werck vollende /
Das du angefangen hast.
Blas in mir das füncklein auff /
Biß daß nach vollbrachtem lauff /
Allen außerwehlten gleiche
Ich des glaubens ziel erreiche.



blas auf

8. GOtt / groß über alle götter /
Heilige Dreyfaltigkeit :/:
Ausser dir ist kein erretter /
Hilff / jetzt ist es helffens zeit.
Da der feind die pfeil abdruckt /
Meine schwachheit mir aufruckt /
Will mir allen trost verschlingen /
Und mich in verzweiflung bringen.



abdruckt

9. Zeuch du mich auß seinen stricken /
Die er mir geleget hat :/:
Laßihm fehlen seine tücken /
D'rauff er sinnet tag und nacht.
Gib krafft / daß ich allen strauß
Ritterlich mag stehen auß /
Und so öffters ich muß kämpffen /
Hilff mir meine feinde dämpffen.



Strauß

stehen aus

10. Reiche deinem schwachen kinde /
Das auf matten füssen steht :/:
Deine gnaden-hand geschwinde /
Biß die angst fürüber geht.
Wie die jugend gängle mich /
Daß der feind nicht rühme sich /
Er hab ein solch hertz gefället /
Das auf dich sein hoffnung stellet.



gängle

11. Du bist meine hülff und leben /
Mein felß / meine zuversicht :/:
Dem ich leib und seel ergeben /
GOtt / mein GOtt / verzeuch doch nicht.
Eile mir zu stehen bey /
Brich des feindes pfeil entzwey.
Laß ihn selbst zurucke prallen /
[p. 168]
Und mit schimpff zur höllen fallen.

verzeuch

12. Ich will alle meine tage
Rühmen deine starcke hand :/:
Daß du meine plag und klage
Hast so hertzlich abgewandt.
Nicht nur in der sterblichkeit
Soll dein ruhm seyn außgebreit /
Ich will's auch hernach erweisen /
Und dort ewiglich dich preisen.

dort

214.) Im Thon : Es ist gewißlich an der zeit / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
189 214 219 218 218 218 218
p. 176 168 260 176 157 240 157

ICh will von meiner missethat
Zum HErren mich bekehren :
Du wollest selbst mir hülff und rath
Hierzu / o GOtt / beschehren /
Und deines guten Geistes krafft /
Der neue hertzen in uns schafft /
Auß gnaden mir gewehren.

Ich will von

2. Natürlich kan ein mensch doch nicht
Sein elend selbst empfinden :
Er ist ohn deines Vatters licht
Blind / taub / ja todt in sünden.
Verkehrt ist will / verstand und thun :
Des grossen jammers wollst du nun /
O Vatter / mich entbinden.

natürlich

   

  

des

3. Klopff durch erka tniß bey mir an /
Und führ mir wol zu sinnen /
Was böses ich vor dir gethan /
Du kanst mein hertz gewinnen :
Daß ich auß ku er und beschwer /
Laß über meine wangen her
Viel heisser thränen rinnen.


erkanntnis

Beschwer

heißer

4. Wie hast du doch auff mich gewandt
Den reichthum deiner gnaden :
Mein leben danck ich deiner hand /
Du hast mich überladen
Mit ehr / gesundheit / ruh und brodt :/:
Du machst / daß mir noch keine noth
Bißher hat können schaden.

5. Du hast in Christo mich erwehlt
Tieff auß der höllen fluthen :
Es hat mir sonsten nichts gefehlt
An irgend einem guten :
Bißweilen bin ich auch dabey /
Daß ich nicht sicher lebt und frey /
Gestäupt mit Vatters-ruthen.

gestäupt

6. Hab ich dann nun auch gegen dir
Gehorsams mich beflissen ?
Ach nein ! ein anders saget mir
Mein hertze und gewissen ;
Darinn ist leider nichts gesund /
An allen orten ist es wund
Vom sünden-wurm gebissen.


beflissen

7. Die thorheit meiner jungen jahr
Und alle schnöde sachen
Verklagen mich zu offenbahr :
Was soll ich armer machen ?
Sie stellen / HErr / mir vors gesicht
Dein unerträglich zorn-gericht /
Der höllen offnen rachen.

8. Ach / meine greuel allzumal
Schäm ich mich zu bekennen :
Ist ihr auch weder maß noch zahl /
Ich weiß sie kaum zu nennen :
Und ist ihr keiner doch zu klein /
Umb welches willen nicht allein
Ich ewig müßte brennen.


Greuel

9. Bißher hab ich in sicherheit
Fast unbesorgt geschlaffen /
Gesagt / es hat noch lange zeit /
GOtt pflegt nicht bald zu straffen :
Er fähret nicht mit unser schuld
So strenge fort / es hat gedult
Der hirt mit seinen schaafen.


fast

10. Jetzt aber alls zugleich erwacht /
Mein hertz will mir zerspringen /
Ich sehe deines donners macht
Dein feuer [p. 169] auf mich dringen :
Du regest wider mich zugleich
Des todes und der höllen reich /
Die wollen mich verschlingen.

11. Wo bleib ich dann in solcher noth ?
Nichts helffen thor und riegel :
Wo flieh ich hin ? o morgen-röth /
Ertheil mir deine flügel :
Verbirg mich / o du fernes meer /
Bedecket mich / fallt auf mich her /
Ihr klippen / berg und hügel.


Morgenröte

12. Ach alls umsonst ! und wann ich gar
Könnt in den himmel steigen /
Und wieder in die höll / alldar
Mich zu verkriechen neigen :
Dein auge dringt durch alles sich /
Du wirst da meine schand und mich
Der lichten sonne zeigen.

*13. HErr JEsu / nimm mich zu dir ein /
Ich flieh zu deinen wunden /
Laß mich da eingeschlossen seyn /
Und bleiben alle stunden.
Dir ist ja / o du GOttes lamm /
All meine schuld am creutzes-stamm
Zu tragen aufgebunden.

Herr Jesu

14. Diß stell du deinem Vatter für /
Daß er sein hertze lencke /
Daß er sich gnädig kehr zu mir /
Nicht meiner sünden dencke :
Und wegen dieser straff und last /
Die du auf dich genommen hast /
Ins meer sie alle sencke.

Variante

15. Hierauff will ich zu jederzeit
Mit ernst und sorgfalt meiden
All böse lust und eitelkeit /
Und lieber alles leiden /
Dann daß ich sünd auß vorsatz thu.
Ach HErr ! gib du stets krafft darzu /
Biß ich von hier werd scheiden.

jederzeit

215.) Mel. Durch Adams fall ist gantz &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
190 215 220 219 219 219 219
p. 178 169 262 177 158 242 158

ICh armer sünder ko  zu dir
Mit demüthigem hertzen /
O GOtt / deß gnad bleibt für und für /
Bekenne dir mit schmertzen
Die sünde all /
Ein'n jeden fall /
Wie ich ihn hab begangen /
Von jugend auff
Mit grossem hauff /
Drinn ich jetzt bin gefangen.

Ich armer Sünder

2. Die süden seynd / die ich gethan /
Unmöglich zu erzehlen :
Doch ich sie auch nicht bergen kan /
Weil sie mich immer quälen.
Dein liebster Sohn
Hat mich davon
Durch seinen tod entbunden.
Dennoch hab ich
Jetzt lassen mich
Den satan neu verwunden.

seind
erzählen

  

  

den Satan

3. So ist auch mein undanckbarkeit
Sehr groß biß auff die stunde :
Ich habe dir zu keiner zeit
Gedanckt von hertzen-grunde
Für deine treu /
Die täglich neu /
Für deine lieb und güte /
Die ich in mir
Gar reichlich spür
An leib und an gemüthe.

4. Fürnemlich hast du mit gedult
Viel jahr bißher verschonet /
Und mir nicht / wie ich offt verschuld /
Im zorn bald abgelohnet :
Hast fort und fort /
O höchster hort /
Dich meiner angenommen :
Hast nichts gespart /
Nach deiner art /
Daß ich zu dir möcht kommen.

fürnehmlich
verschonet

abgelohnet

5. Mit deinem wort hast du gar offt
An mein hertz angeschlagen :
Durch deinen Geist mir zugerufft /
Den himmel angetragen.
Hast früh und spath
Durch man-[p. 170]che gnad
Zur busse mich bewogen /
Auch mit trübsal /
Angst / noth und qual /
Zu dir hinauff gezogen.



zugeruft

  

bewogen

6. Dennoch / das ich nicht läugnen kan /
Wann du gleich angeklopffet /
Hab ich dir niemals aufgethan /
Die ohren zugestopffet :
Mit unbedacht
Diß gantz veracht /
Den rucken dir gekehret /
Doch hast du mich
So gnädiglich
Geduldet / nicht verzehret.



Rucken

7. Du köntest gar mit gutem recht
Das leben mir verkürtzen /
Und mich / als einen bösen knecht /
Hinab zur hölle stürtzen :
Der ich ohn scheu /
Ohn leid und reu /
In sünden mich verweilet :
Dennoch gibst du
Mir raum und ruh :
Hast mich nicht übereilet.

gar

  

  

mich verweilet

  

übereilet

8. Wenn diß bey sich mein hertz bedenckt /
In stücken möchts zerspringen :
Die grosse sicherheit mich kränckt /
Thut marck und bein durchdringen.
Kein höllen-pein
So groß mag seyn /
Ich habe sie verschuldet :
Ich bin nicht werth /
Daß mich die erd
Trägt / nehrt / und auff sich duldet.



Sicherheit

9. Unwerth bin ich / daß man mich nennt
Ein werck von dir geschaffen :
Werth bin ich / daß all element
Zur straffe mich hinraffen.
So weit hats bracht
Der sünden macht.
Ich muß es frey bekennen :
Wo du sihst an
Was ich gethan /
So muß ich ewig brennen.

* 10. O Vatter aller gütigkeit /
Dir falle ich zu fusse :
Verwirff nicht den / der zu dir schreyt /
Und thut rechtschaffne busse.
Dein angesicht
Mit gnaden richt
Auff mich betrübten sünder.
Gib mir ein'n blick /
Der mich erquick :
So wird mein angst bald minder.



O Vater

  

  

richt

11. Eröfne mir dein freundlichs hertz /
Die quell der güt und liebe :
Vergib die sünd / heil meinen schmertz /
Hilff / daß ich mich stets übe
In dem / was dir
Gefällt an mir :
Und alles böse meide /
Biß ich hinfahr
Zur engel-schaar /
Da nichts da  lauter freude.

engel-schar

dann

216.) Im Thon : Wer nur den lieben GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
191 216 221 220 220 220 220
p. 179 170 264 179 159 243 159

ACh ! wachet auf / ihr faulen Christen /
Bedencket / daß euch Gottes gnad
Vom tieffen schlaff der sünden-lüsten /
Zu leben aufferwecket hat.
Verlasset doch die finst're grufft /
Und höret / wann euch JEsus rufft.

Ach wachet auf

  

zu leben

2. Ach ! wachet / dann die sünden-nächte
Entweichen vor dem hellen licht /
Das GOTT dem menschlichen geschlechte
Im wort und hertzen aufgericht.
Ach ! wandelt doch in solchem schein /
Sonst könn't ihr keine Christen seyn.

3. Ach wachet / ist der geist schon willig /
So ist das fleisch doch gar zu schwach /
Drum folgen wahre Christen billig
Dem geist / und nicht dem flei-[p. 171]sche nach.
O theure seelen ! werdet klug /
Und folget doch des geistes zug.



billig

4. Ach ! wachet / dann die alte schlange
Sucht tag und nacht mit macht und list
Die menschen in ihr netz zu fangen /
Weil wenig zeit vorhanden ist.
Ergreiffet doch den glaubens-schild /
Und wisset / daß nicht schlaffen gilt.



wenig Zeit

5. Ach ! wachet / eh die todes-stunde
Das unvermerckte ziel erreicht :
Ihr seht ja / wie der tod gesunde
So wohl als krancke hinterschleicht.
Der letste stoß ist ungewiß /
Ach ! werthe Christen / merket diß.

6. Ach ! wachet / daß ihr euch bereitet
Auff jenen grossen tag des HErrn ;
Dann wie uns GOttes wort bedeutet /
So ist derselbe nicht mehr fern.
Ach ! schicket euch / vielleicht kö t heut
Der erste tag der ewigkeit.

schicket euch

7. Ach ! wachet / JEsus hats gebotten /
Ach ! folget seiner wächter-sti  /
Was schlaffet ihr doch wie die todten ?
Ermuntert euch / und kehret um /
Bedencket doch / was euch behagt /
Und daß GOtt allen / wachet ! sagt.

217.) Im Thon : Ach GOtt vom Himmel sih &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
192 217 222 + Anh123 221 221 221 221
p. 180 171 265 + Anh188 179 160 244 160

WEh mir / daß ich so offt und viel /
Als wär ich gar verblendet /
Gesündig't ohne zahl und ziel /
Von GOtt mich abgewendet :
Der mir doch nichts / dann lauter gnad
Und wolthat stets erwiesen hat /
In meinem gantzen leben.

Weh mir

2. Weh mir / daß ich für meinem GOtt
Mein hertz so vest verschlossen :
Da er mir doch ein schutz in noth
Zu seyn war unverdrossen.
Viel greuel hab ich drein gebracht :
Der HErren gutthat nicht bedacht /
Muthwillig sie vergessen.

nicht bedacht

3. Mich überzeuget hertz und sinn /
Ich muß es frey bekennen /
Daß ich der gröste sünder bin /
Darff mich nicht anders nennen :
Doch wann ich dich / o GOtt / schau an /
Mit nichten ich verzweiflen kan /
Du kanst und wilt mir helffen.



frei bekennen

4. Groß ist zwar meine missethat /
Die mich bißher besessen :
Doch ist weit grösser deine gnad /
Niemand kan sie ermessen.
So groß / o grosser Gott / du bist /
So groß ist auch zu aller frist
Bey dir die gnad und güte.

[p. 172]
5. Die hast du keinem je versagt /
So lang die welt gestanden.
Wer dir vertraut / und nicht verzagt /
Wird nimmermehr zu schanden.
Ich bitt /ich fleh' /ich schrey / ich ruff /
Auff deine gnad ich wart' und hoff :
Ach laß mich gnade finden.

6. Jetzt denck ich an die schönen wort
Auß deinem mund gegangen /
Die ich mit freuden hab gehört /
Da du sprichst mit verlangen :
Du hast / o mensch / zwar pflicht u  treu
Hindan gesetzt / und ohne scheu
Mit andern zugehalten.

zugehalten

7. Doch komm / bereu / was du gethan /
Laß fremde buhlen fahren :
Ich wil dich wieder nehmen an /
Und deine seel bewahren.
Bey diesem wort ergreiff ich dich /
Und ko  zu dir / glaub festiglich /
Du wirst mich auch annehmen.



Buhlen

8. Dann ich bin eben diese seel /
Die andern nachgesprungen :
Und sich von dir / Immanuel /
In allen schla  gedrungen.
Ich habe frembde lust gesucht /
Die doch zu trösten nicht vermocht /
Die wie ein rauch verschwunden.



nachgesprungen

9. Ich bin das ungerath'ne kind /
Das sich von dir gewendet :
Und mit dem frechen welt-gesind
Sein erbtheil hat verschwendet :
Dich / als das lebens-brod / dabey
Hindan gesetzt / und wie die säu
Nach trabern sich gesehnet.



ungeraten

10. Ich habe dir offt widerstrebt /
Gefolget meinem willen :
Den bösen lüsten nachgelebt
Daß ich sie möcht erfüllen :
Das höchste gut hab ich veracht /
Auf diß / was zeitlich ist / gedacht /
Mein hertz daran gehänget.

11. Darum so muß ich nack't und bloß
In meinem elend sterben :
Ich kan mir meines Vatters schooß
Nicht durch mich selbst erwerben :
Ich muß verfaulen nach dem todt
In meinem eig'nen mist und koth /
Gleichwie das vieh verfaulet.

mich selbst

12. Doch aber bitt ich dich um gnad /
Du woll'st nicht mehr gedencken /
Was ich geübt für frevelthat :
Ins meer wollst du sie sencken.
Die sünd erlaß / die straff abführ /
Ein neues hertze schaff in mir /
Umb JEsu Christi willen.



abführ

218.) Im Thon : Ach GOtt vom Himmel &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
193 218 223 222 222 222 222
p. 181 172 268 181 161 246 161

MEin GOtt / sih' / ich dein armes kind
Mit sünden hart beladen /
Bey dir bußfertig mich [p. 173] einfind /
Uns such für meinen schaden
Und centner-schwere missethat /
Die dich so hoch erzürnet hat /
Trost / hülffe u  erbarmen.

Mein Gott, sieh

2. Ich hab die gantze lebens-zeit /
Die du mir hast verliehen /
Zu wircken meine seligkeit /
In sündlichem bemühen /
Und vieler eitelkeit zubracht /
Dich und dein göttlichs wort veracht /
Gefolget meinen lüsten.



zubracht

3. Wenn ich nun strenge rechenschafft /
Mein GOtt / soll hiervon geben /
Da ich dich hab auß aller krafft
Erzörn't mit meinem leben /
Und deinen Geist so offt betrübt /
So manche missethat verübt /
Wie werd ich da bestehen ?

erzörnet

4. Ach Vatter ! ach hab doch gedult /
Sih' gnädig an mich armen /
Vergib die schwere sünden-schuld /
Für recht laß seyn erbarmen :
Ni  meiner sünden grosses heer /
Und wirff sie in das tieffe meer
Der wunden JEsu Christi.

5. Laß / JEsu / dein so theures blut
An mir nicht seyn verlohren /
Du lä lein GOttes bist zu gut
Für mich ein mensch gebohren /
Und meiner sünden schwere last
Am creutze du gebüsset hast /
Durch dein blut / tod und schmertzen.

zu gut

6. Gott heil'ger Geist / regiere mich
Durch deine gnad und güte /
Daß ich für sünden embsiglich
Durch deine krafft mich hüte /
Daß / wann ich nun von hinnen geh' /
Ich da  bey Gott in gnaden steh' 
Und selig sterbe / Amen.



für Sünden

219.) Im Thon : Hertzlich lieb hab ich dich &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
194 219 224 + Anh 35 223 223 223 223
p. 182 173 269 + Anh 46 181 162 247 162

VOr g'richt / HERR JEsu / steh ich hie /
Zu dir beug ich mein hertzens-knie /
Kan mir selbst gar nicht rathen :
Mein groß und viele missethat
Mich hier und dort verdammet hat /
Doch will ich nicht verzagen.
HErr JEsu Christ / dein blut allein
Macht mich von allen sünden rein /
Weil ich in wahrer reu und buß
An dich glaub / und dir fall zu fuß.
HErr JEsu Christ / deß danck ich dir :
Ich will mich bessern / hilff du mir.

Vor G'richt

  



verzagen

220.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
195 220 225 224 224 224 224
p. 182 173 269 182 162 247 162

O Du schöpfer aller dinge !
Höre / höre mein gebett /
Das ich jetzund vor dich bringe/
Weil mein hertz in ängsten steht.
Angst die sünde machet [p. 174] mir /
Darum ko  ich auch zu dir /
Und bekenne meine sünden /
Ach ! laß mich doch gnade finden.

O du Schöpfer

2. Weil du heissest alle ko en /
Die geladen sind zu dir /
Bin ich auch nicht außgenommen /
Noch gestossen von der thür
Der genaden / sondern du
Wilt und wirst mich noch darzu /
Von den sünden / die mich drücken /
Gantz entbinden und erquicken.

3. Dein wort bleibet ungebrochen /
Was du einmal hast geredt.
Nun hast du ein wort gesprochen :
Such mein antlitz mit gebett.
Darum ko  ich auch vor dich /
Such dein antlitz : ach laß mich
Vor dir / HERR / genade finden /
Sprich mich loß von meinen sünden.

mein Antlitz

4. Sih' die handschrifft / die ich gebe
Dir in deine händ / o GOTT /
Hier sprichst du : so wahr ich lebe /
Ich will nicht des sünders todt /
Sondern daß er sich bekehr
Von den sünden / und begehr
Ewiglich nur mir zu leben /
So will ich die sünd vergeben.

Handschrift

  

sich bekehre

5. Nun wolan ! du wirst nicht lügen /
Ich halt mich an deine wort /
Will darauff in demuth biegen
Meine knie an diesem ort /
Und bekenne meine sünd /
Ich bin das verlohr'ne kind /
das vom teuffel offt verblendet /
Deine güter hat verschwendet.

6. Nun / was soll ich weiter sagen ?
Ich will nun an meine brust
Mit dem armen zöllner schlagen :
Dann es ist dir wol bewust /
Daß ich hab gesündigt dir /
Ach HErr / sey genädig mir !
Ich fall dir in deine arme /
Ach ! dich über mich erbarme.

Zöllner

7. Ich verläugne nicht die sünden /
Ich verläugne nicht die schuld ;
Aber laß mich gnade finden /
Trage nur mit mir gedult :
Alles was ich schuldig bin /
Will ich zahlen / ni   nur hin
Die bezahlung meines bürgen /
Der sich ließ für mich erwürgen.

8. Nun / o Vatter aller gnaden /
Sihe dessen leiden an /
Dieser hat ersetzt den schaden /
Und für mich genug gethan :
Dessen marter mich getröst /
Dieser hat mich ja erlößt
Und in seinen tieffen wunden
Hab ich fried und trost gefunden.

9. Komm darauff und will geniessen /
JEsu / deinen leib und blut /
Mir zur tröstung im gewissen /
Und zu meiner seelen gut.
[p. 175] Gib / daß würdig ich genieß /
Dich / o HErr / und schmeck wie süß /
Und wie freundlich du bist denen /
Die sich / JEsu / zu dir sehnen.

zu dir

221.) Mel. Vatter unser im Himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
196 221 226 225 225 225 225
p. 183 175 271 183 163 248 163

SO wahr ich lebe / spricht dein GOtt /
Mir ist nicht lieb des sünders todt :
Vielmehr ist diß mein wunsch und will /
Daß er von sünden halte still /
Von seiner boßheit kehre sich /
Und lebe mit mir ewiglich.

So wahr

2. Diß wort bedenck / o menschen-kind /
Verzweifle nicht in deiner sünd :
Hier findest du trost / heyl und gnad /
Die GOtt dir zugesaget hat /
Und zwar mit einem theuren eyd.
O selig / dem die sünd ist leyd.

3. Doch hüte dich für sicherheit /
Denck nicht : zur buß ist noch wol zeit /
Ich will noch frölich seyn auff erd :
Wann ich des lebens müde werd /
Alsdann will ich bekehren mich /
GOTT wird wol mein erbarmen sich.

4. Wahr ists : Gott ist wol stets bereit /
Dem sünder mit barmhertzigkeit /
Doch wer auff gnade sündigt hin /
Fährt fort in seinem bösen si  /
Und seiner seelen selbst nicht schont /
Dem wird mit ungnad abgelohnt.

dem


5. Gnad hat dir zugesaget GOtt /
Von wegen Christi blut und todt :
Zusagen hat er nicht gewolt /
Ob du biß morgen leben solt.
Daß du must sterben / ist dir kund :
Verborgen ist die todes-stund.

6. Heut lebst du : heut bekehre dich /
Eh' morgen ko t / kan's ändern sich.
Wer heut ist frisch / gesund und roth /
Ist morgen kranck / ja wol gar todt.
So du nun stirbest ohne buß /
Dein seel und leib dort brennen muß.

* 7. Hilff / o HErr JEsu / hilff du mir /
Daß ich noch heute komm zu dir :
Und busse thu den augenblick /
Eh' mich der schnelle todt hinrück :
Auff daß ich heut und jederzeit
Zu meiner heimfahrt sey bereit.

Hilf

222.) Im Thon : Ko t her zu mir / spricht &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
197 222 227 226 226 226 226
p. 184 175 272 183 164 249 164

HErr JEsu CHrist / mein höchste lust /
Der du für mich den tod gekost /
Mein sünd ich muß bekennen /
Sie ligt mir auff dem hertzen sehr /
Daß ich kaum athem hole mehr :
Wie feur thut sie mich brennen.


Herr Jesu Christ
gekost

2. Ich war empfangen und gebohrn
In sünden / ich solt [p. 176] seyn verlohrn :
Und du hast mit dem blute /
Das dir auß deiner seiten floß /
Gemacht mich aller sünden loß /
Gestorben mir zu gute.

3. Nun aber hab ich mich auffs neu
Mit grössern sünden ohne scheu
An leib und seel beflecket.
Gebohrn lag ich im frembden koth :
Jetzund lig ich mit schand und spott
In eigner sünd erschrecket.



fremder Kot

4. Du gabest mir / HErr JEsu ein /
Ich solte dir gehorsam seyn /
Auff rechtem wege wallen /
Dich lieben mehr denn alle schätz /
Im gantzen leben trachten stets /
Wie ich dir mög gefallen.

5. Und sih / ich hab nach meinem rath
Begangen eitel misssethat /
Bey tag und nacht mit hauffen :
Wa  ich mein leben bessern solt /
So hab ich nicht daran gewolt :
In sünd bin ich gelauffen.

eitel

daran

6. Wie hast du / HErr / so gnädiglich
Zu deinem bild erschaffen mich /
Und mich so hoch geehret.
Und dennoch hab ich böses kind
Begangen offt viel schand und sünd :
Diß bild damit versehret.

schand und sünd
versehret

7. Die sünd ist eine centner-last /
Sie läßt mir weder ruh noch rast /
Sie wird mich underdrücken.
Ich kan sie länger tragen nicht /
Die angst mir alle krafft zubricht /
Mit trost wollst mich erquicken.


unterdrücken

zubricht

8. Schau doch / o HErr / wie lang soll ich
In meinem hertzen ängsten mich ?
Schau doch / wie ich mich quäle :
Mit gnaden wende dich zu mir /
Und mich auß meinen ängsten führ :
Der ich mich dir befehle.

9. Erbarme dich / HErr JEsu Christ /
Der du allzeit barmhertzig bist :
Der schmertz hat mich durchfressen.
Verfahre mit mir nicht so scharff /
Denck / daß ich deiner gnad bedarff /
Der wirst du nicht vergessen.

durchfressen

bedarf

10. Wer ist / der kan und will dem kind /
Das er in nöthen stecken findt /
Nicht lindern seine schmertzen ?
Und wenn ers gleich mit ruthen schlägt /
Doch seine lieb er zu ihm trägt
In seinem vatter-hertzen.

Wer ist

11. Dein kind bin ich / HErr JEsu Christ /
Dir sauer worden / da du bist
Für mich am creutz gehangen.
Gebohren hast du mich mit schmertz :
Drum wend zu mir dein vatter-hertz /
Nach dem ich trag verlangen.

12. Ich habe zwar gesündigt sehr /
Doch wär der sünden noch vielmehr /
Wirst du sie mir erlassen.
Und wann du gleich auch züchtigst mich /
So thust du alles vätterlich /
Dein kind kanst du nicht hassen.


Doch wär

13. Wo ist ein weib in aller welt /
Die ihres kindes sich enthält ?
Sie schleußts in ihre armen /
Und wann sie gleich vergessen wolt
Ihr eingepflantzte lieb und huld /
Wirst du dich doch erbarmen.

ein Weib

14. Diß hast du zugesaget mir /
Dein wort ist wahr / ich traue dir /
Du wirst an mich gedencken :
Und mich / wie du versprochen hast /
Frey machen von der schulden-last /
Ins tieffe meer sie sencken.

senken

[p. 177]
* 15. O JESU CHriste Gottes Sohn /
Erhöre mich von deinem thron !
Verzeih mir alle sünden :
Damit dein leiden / tod und pein
An mir micht mög verlohren seyn /
Drum laß mich gnade finden.
*

223.) Im Thon : GOtt des hi els und der erden &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
199 223 228 227 227 227 227
p. 186 177 274 185 165 251 165

GNade ! gnade ! JEsu gnade !
Gib / vergib die sünden-last !
Ob schon groß der sünden schade /
Finde doch in dir ich rast :
In dir find ich rast und ruh /
Du mein liebster JEsu du.

Gnade, Gnade

2. Ach weh ! weh / ach ! jammer / jammer !
JEsus ist erzürnet sehr :
Ach wie pocht des hertzens hammer !
Mein gewissen wird mir schwer :
Gnade ! gnade ! JEsu gnad !
Gib / vergib die missethat.

3. Gnade ! gnade ! JEsu / gnade !
Gib / vergib / sey gnädig mir !
Sih in deinem blut ich bade /
Voller trost und glaubens-zier :
Ach gesegne doch diß bad /
Liebster JEsu / voller gnad.

4. Liebster Heyland / ich umfasse
Buß-gefällig jetzo dich /
Wie dein David und Manasse
Solches fein gelehret mich /
Gnade ! gnade ! JEsu / gnad !
Gib / vergib die missethat.


buß-gefällig
Manasse

5. Gnade ! gnade ! JEsu / gnade !
Gib / vergib was ich gethan ;
Sih ich stehe vor der lade
Deines bundes / ruff dich an /
Sey mir gnädig / schone doch /
Rette mich von diesem joch.

6. Frömmer will ich künfftig leben /
Liebster JESU / durch den sinn
Deines Geistes / wann vergeben
Dißmal nur die fehler hin :
Gnade ! gnade ! JEsu / gnad !
Gib / vergib die missethat.

7. Gnade ! gnade ! JEsu / gnade /
Gib / vergib die sünden-schuld !
Ach ich arme sünden-made
Schmiege mich in deine huld :
Streiche mich / ach Vatter hör !
Ich will ja es thun nicht mehr.


schmiege mich

8. Ach ! ich küsse deine ruthe /
Vatter / als dein liebes kind /
Du du thust mir viel zu gute /
Sih doch / wie mein auge rinnt :
Gnade ! gnade ! JEsu / gnad !
Gib / vergib die missethat.


küsse die Rute

9. Gnade ! gnade ! JEsu / gnade /
Gib / vergib / ergib dich mir /
Ich will an dem sünden-rade
Fort so grob nicht spinnen dir :
Gnade ! gnade ! JEsu / gnad !
Gib / vergib die missethat.


Sündenrad

10. Gnade ! gnade ! lauter gnade !
Gnade / gnade jederzeit !
Gnade ! gnade ! weg / o schade !
Gnade gibt die seligkeit /
Gnade ! gnade ! höchster hort !
Laß doch seyn mein letstes wort.

224.) Im Thon : Christus der uns selig macht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
200 224 229 228 228 228 228
p. 187 177 275 186 166 252 166

LIebster Vatter / ich dein kind
Ko  zu dir geeilet /
Weil ich sonsten niemand find
Der mich armen heilet.
Meine wunden sind sehr groß /
Groß sind meine sünden /
Mach mich von denselben loß /
Laß mich gnade finden.

Liebster Vater

2. Führ'st du vätterlich geschlecht /
[p. 178] Und hast vatter-sitten ;
Ey so hab ich kinder-recht /
Und darff kühnlich bitten :
Dann den kindern steht es frey /
Vätter anzuflehen /
Vatter / deine vatters-treu
Laß mich armen sehen.

Geschlecht

3. Liebster Vatter / willst du dich
Vatter lassen nennen ;
Ey so wirst du lassen mich
Vatter-sinn erkennen :
Dann das wäre viel zu schlecht
Blossen namen führen /
Und nicht thun nach vatter-recht
Was sich will gebühren.

zu schlecht

4. Nun so nimm dich meiner an /
Wie die vätter pflegen ;
Meine buß- und thränen-bahn
Laß dich doch bewegen ;
Meine sünden bringen schmertz /
Die ich hab begangen :
Ach ! du liebstes vatter-hertz /
Laß mich gnad erlangen.



pflegen

5. Hast du doch in deinem wort
Gnade mir versprochen ;
Laß mich an der gnaden-pfort
Nicht vergeblich pochen.
Laß der matten seuffzer stärck
Durch die wolcken dringen /
Und von deinem hi els-berg
Mir genade bringen.



matt

6. Ich laß doch nicht eher ab /
Biß du mir gewähret
Gnade / die ich von dir hab
Inniglich begehret :
Segne mich / ich lasse dich
Eher nicht ; ich hange
Wie ein klett am kleid / biß ich
Gnad von dir erlange.

Klette

7. Du bist GOtt / und heissest gut /
Weil du gutthat übest /
Und gleichwie ein vatter thut /
Deine kinder liebest.
Dieser gutthat laß mich auch /
Vatter-hertz / geniessen /
Laß auff mich / nach deinem brauch /
Deine gnade fliessen.

8. Ach ! verzeih mir / ach ! vergib /
Was ich mißgehandelt /
Weil ich nach der sünden-trieb
Offtermals gehandelt.
Meine sünden ich versenck /
Herr / in deine wunden /
Ach / derselben nicht gedenck /
Laß sie seyn verschwunden.

oftermals

9. Klagt mich mein gewissen an /
Und will mich verdammen /
Will der schwartze höllen-mann
Dich zur rach anfla en ;
Ey so dencke mit gedult /
Daß ich staub und aschen /
Und daß mich von meiner schuld
Hab dein blut gewaschen.

225.) Im Thon : Nun sich der tag geendet hat / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
201 225 230 229 229 229 229
p. 188 178 277 187 167 253 167

MEin Gott /das hertz ich bringe dir
Zur gabe und geschenck /
Du [p. 179] forderst dieses ja von mir /
Deß bin ich eingedenck.

Mein Gott, das

2. Gib mir mein sohn dein hertz / sprichst du /
Das ist mir lieb und werth /
Du findest anders auch nicht ruh
Im hi el und auff erd.

3. Nun du / mein Vatter / nimm es an /
Mein hertz / veracht es nicht /
Ich geb's so gut ich's geben kan /
Kehr zu mir dein gesicht.

4. Zwar ist es voller sünden-wust /
Und voller eitelkeit /
Deß guten aber unbewust /
Der wahren frömmigkeit.

Wust

5. Doch aber steht es nun in reu /
Erkennt sein übelstand /
Und träget jetzo vor dem scheu /
Davon's zuvor lust fand.



Übelstand
Scheu

6. Hier fällt und liget es zu fuß /
Und schreyt / nur schlage zu /
Zerknirsch / o Vatter / das ich buß
Rechtschaffen vor dir thu.

zerknirsch

7. Zermahl mir meine härtigkeit /
Mach mürbe meinen sinn /
Daß ich in seuffzer / reu und leid /
Und thränen gantz zerrinn.



mürbe

8. So dann ni  mich / mein JEsu Christ /
Tauch mich tief in dein blut ;
Ich glaub / daß du gecreutzigt bist
Der welt und mir zu gut.

9. Stärck mein sonst schwache glaubens-hand
Zu fassen auff dein blut /
Als der vergebung unterpfand /
Das alles machet gut.

10. Schenck mir / nach deiner JEsus-huld /
Gerechtigkeit und heil /
Und nimm auff dich mein sünden-schuld /
Und meiner straffe theil.

11. In dich woll'st du mich kleiden ein /
Dein unschuld ziehen an /
Daß ich von allen sünden rein
Vor GOtt bestehen kan.

12. GOTT heil'ger geist nimm du auch mich
In die gemeinschafft ein /
Ergieß um JEsu willen dich
Tieff in mein hertz hinein.

13. Dein göttlich liecht schütt in mir auß /
Und brunst der reinen lieb /
Lösch finsternüß / haß / falschheit auß /
Schenck mir stets deinen trieb.



Finsternüß

14. Hilff / daß ich sey von hertzen treu
Im glauben meinem GOtt /
Das mich im guten nicht mach scheu
Der welt list / macht und spott.



scheu

15. Hilff / daß ich sey von hertzen fest /
Im hoffen und gedult /
Daß / wenn du nur mich nicht verläßst /
Mich tröste deine huld.

[p. 180]
16. Hilff / daß ich sey von hertzen rein
Im lieben / und erweiß /
Daß mein thun nicht sey augenschein /
Durchs werck zu deinem preiß.



erweise

17. Hilff / daß ich sey von hertzen schlecht /
Auffrichtig ohn betrug /
Daß meine wort und wercke recht /
Und niemand schelt ohn fug.

schlecht

18. Hilff / daß ich sey von hertzen klein
Demuth und sanfftmuth halt /
Daß ich von aller welt-lieb rein /
Vom fall auffstehe bald.

19. Hilff / daß ich sey von hertzen fromm /
Ohn alle heucheley /
Damit mein gantzes Christenthum
Dir wolgefällig sey.

20. Ni   gar / o Gott / zum tempel ein
Mein hertz hier in der zeit /
Ja laß es auch dein wohnhauß seyn
In jener ewigkeit.

21. Dir geb ich's gantz zu eigen hin /
Brauch's / wozu dir's gefällt /
Ich weiß / daß ich der deine bin /
Der deine / nicht der welt.

22. Drum soll sie nun und ni ermehr
Diß richten auß bey mir /
Sie lock' und droh' auch noch so sehr /
Daß ich soll dienen ihr.

23. In ewigkeit geschicht das nicht /
Du falsche teufels-braut /
Gar wenig mich / GOtt lob / anficht
Dein gläntzend schlangen-haut.

anficht

24. Weg welt / weg sünd / dir geb ich nicht /
Mein hertz / nur JEsu dir
Ist diß geschencke zugericht /
Behalt es für und für.



zugericht

226.) Mel. Treuer GOtt ich muß dir klagen / &c.
Oder : Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
202 226 231 230 230 230 230
p. 190 180 279 188 168 255 168

LIebster JEsu / hör mein klagen /
Meiner seelen angst-geschrey /
Sihe meines hertzens zagen /
Stehe mir in nöthen bey /
Mich der sünden last sehr druckt /
Und mir allen trost entzuckt /
Tod und hölle mich erschrecken /
Und des hi els zorn entdecken.


Liebster Jesu

  

druckt

2. JEsu komm / und hilff mir armen /
Zeig mir deine süsse huld /
Du wirst dich ja mein erbarmen /
Tilge meine sünden-schuld /
Treib den satan fern von mir /
Oeffne mir die gnaden-thür /
In den tieffen JEsus-wunden
Hab ich allzeit trost gefunden.

3. Ich bin gantz und gar verlassen /
JEsu lieb-[p. 181]ster seelen-freund /
Laß mich deine lieb umfassen /
Die es hertzlich mit mir meynt /
Deine liebe mich erfreut /
Und erquickt in allem leid /
Wann mein glaub und hoffnung sincket /
Dein liebe mir bald wincket.



seelen-freund

  



wincket

4. Deinen süssen JEsus-namen
Will ich in meins hertzens-schrein /
Als den edlen gnaden-saamen /
Schliessen u  bewahren rein /
Dessen himmel-süsse krafft /
Lieblich manna / lebens-safft /
Meine seele soll stets nehren /
Allen sünden-schmertz verzehren.

5. Weichet all' ihr seelen-feinde /
Mein HErr JEsus ist bey mir /
Weicht ihr welt- und Judas-freunde /
JEsum lieb ich für und für ;
Seine treu und freundlichkeit
Mir zu helffen ist bereit /
Wann mich todes-furcht umgeben /
Und sich enden will mein leben.

umgeben

6. JEsum will ich stets umfangen /
JEsum lieben allezeit /
JEsu will ich stets anhangen
Hier in dieser sterblichkeit ;
Wann der letste tag anbricht /
Werd ich seh'n sein angesicht /
Preisen seine treu und güte /
Ewig mit frohem gemüthe.

Ein besonderes Buß- und Trost-Lied.

227.) Im Thon : Meinen JEsum / der sich hat / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
203 227 232 231 231 231 231
p. 191 181 281 189 169 256 169

JESU / meiner seelen liecht /
JEsu / meines hertzens wonne /
JEsu meine zuversicht /
JEsu / meine gnaden-sonne /
JEsu / weil dein mund verspricht /
Daß dein theures blutvergiessen
Jeder sünder kan geniessen /
So laß ich dich JEsu nicht.

Jesu, meiner

  

  


genießen

2. JEsu / du bist ja das heyl
Aller deren die dich lieben /
Deiner außerwöhlten theil ;
Was kan mich jetzt mehr betrüben ?
Ob mein hertz in stücke bricht /
Ob sich tausend kummer findet /
Aller rath und trost verschwindet /
Doch laß ich dich / JEsu / nicht.



auserwöhlten
mehr

3. Wann mein JEsus bey mir ist /
Kan kein teuffel mich besiegen ;
Auch der ärgsten feinde list
Muß mir zu den füssen liegen :
Wer sich nur mit ihm verpflicht /
Der kan alles überwinden /
Und die sieges-krone finden ;
Da  sein JEsus laßt ihn nicht.

dann

4. Ach wie quälet sich mein geist !
Daß ich nicht die bahn gewandelt /
Die mir dein gesetze weist /
Sondern öffters mißgehandelt ;
Jetzt tritt satan [p. 182] vor gericht /
Und erzehlet mein verbrechen /
Ich kan fast vor angst nichts sprechen /
Als diß : JEsu laß mich nicht !

5. Laß mich deines blutes krafft
In der seelen-ohnmacht fühlen /
Laß den rosin-farben safft
Die verzweifflungs-hitze kühlen ;
Ich weiß / daß dein hertze bricht /
Wann ein ja ervoll gewissen
Dir im glauben fällt zu füssen /
Und spricht : JEsum laß ich nicht.



rosin-farben

6. Eben ein so traurig hertz
Leg ich jetzo vor dir nieder ;
Sih' doch auf den grossen schmertz /
Und verni  die klage-lieder /
So von wehmuth zugericht :
Laß mein angst-geschrey und flehen
Dir / o GOtt / zu hertzen gehen /
Und verlaß mich sünder nicht.



zugericht

7. Hab ich schon der tugend-steg /
Als ein blindes vieh / gefehlet /
Und davor den laster-weg /
Auß verdammter lust / erwehlet ;
G'nug wann es nicht mehr geschicht :
Ich will meine boßheit brechen /
Und in allen wercken sprechen :
Meinen JEsum laß ich nicht.



davor

geschicht

8. Will verda te welt-lust mich
In ihr zartes netze führen /
Will der schnöde hochmuth sich
In mein hertz und seele schnüren :
Will des schönen goldes liecht
Meinem geist die augen blenden ;
So will ich mich zu dir wenden /
JEsu / ach verlaß mich nicht.

schnüren

9. Will vergallte eyfersucht
Flamm und glut in mir erwecken /
Will der feinde natter-zucht
Mich mit tausend furcht erschrecken ;
Will des satans mord-gericht
Mich von Gottes throne jagen /
So will ich beständig sagen :
Meinen JEsum laß ich nicht.

Furcht

10. Weg demnach verfluchte welt /
Weg ihr lüste / weg ihr sünden !
Was mich recht zu frieden stellt /
Ist allein bey GOtt zu finden :
Mein wunsch ist dahin gericht /
Daß mein si en und begi en
Möchte diesen schluß gewinnen :
Meinen JEsum laß ich nicht.

11. Ni  nun / liebster JEsu / an /
Dessen (deren) heyland du bist worden /
Führe mich auf eb'ner bahn
Zu der außerwehlten orden /
Da auß allgemeiner pflicht
Unsre zungen sollen klingen /
Und dir dieses danck-lied singen /
JEsus läßt die seinen nicht.



deren

228.) Im Thon : Wer nur den lieben Gott &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
205 228 233 232 232 232 232
p. 194 183 283 190 171 258 171

ICh armer mensch / ich armer sünder /
Steh hier vor Gottes angesicht /
Ach Gott ! ach Gott ! verfahr gelinder /
Und geh nicht mit mir ins gericht.
Erbarme dich ! Erbarme dich /
GOtt mein erbarmer / über mich.

Ich armer

2. Wie ist mir doch so hertzlich bange /
Von wegen meiner grossen sünd /
Biß ich genad von dir erlange /
Ich armes und verlohrnes kind.
Erbarme dich ! &c.

von wegen

3. Hör und erhör mein seuffzend schreyen /
Du allerliebstes vatter-hertz :
Wollst alle sünden mir verzeihen /
Und lindern meines hertzens schmertz.
Erbarme dich ! &c.

4. Wie lang soll ich vergeblich klagen ?
Hörst du de  nicht ? hörst du dann nicht ?
Wie kanst du das geschrey vertragen /
Hör / was der arme sünder spricht :
Erbarme dich ! Erbarme dich ! &c.

vertragen

5.Wahr ist es / übel steht der schade /
Den niemand heilet ausser du :
Ach ! aber ach ! genade / gnade !
Ich laß dir doch nicht eher ruh.
Erbarme dich ! Erbarme &c.

außer du

6. Nicht / wie ich hab verschuldet / lohne /
Und lohne nicht nach meiner sünd.
O treuer vatter schone ! Schone !
Erkenn mich wieder vor dein kind !
Erbarme dich ! &c.

7. Sprich nur ein wort / so werd ich leben /
Sag / daß der arme sünder hör :
Geh hin / die sünd ist dir vergeben /
Hinförder sünd'ge nur nicht mehr.
Erbarme dich ! &c.

hinförder

8. Ich zweifle nicht / ich bin erhöret :
Erhöret bin ich zweiffels-frey /
Weil sich der trost im hertzen mehret ;
Drum will ich enden mein geschrey.
Erbarme dich ! Erbarme dich !
GOtt / mein erbarmer über mich.

229.) Im Thon : Einen guten kampff hab ich &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
206 229 234 233 233 233 233
p. 194 183 284 191 171 258 171

ACH ich schnödes sünden-kind
Muß mich selbst anklagen /
Daß kein gutes in mir find /
So nach GOtt thut fragen /
Alles läufft der höllen zu /
Tichten / wort und wercke ;
GOtt / schaff meiner seelen ruh /
Mich im glauben stärcke.

Ach ich schnödes

in mir find

2. Zwar ich nimm mir offtmahl für /
Recht und fro   zu leben /
Ach ! doch hebt an mein begier
Bald zu widerstreben.
Tod / gericht und höllen-pein
Mag mich nicht abschrecken /
GOtt / du woll'st im hertzen mein
Wahre buß erwecken.

3. Ich seh' wol das eitel ist
Unser thun und lassen /
Doch kan ich des teuffels list
Noch nicht bey mir fassen /
Womit er so manche seel /
Die sich fro  genennet /
Hat geführet in die höll /
Da sie ewig brennet.

das

  

fassen

4. Mich hast du in tods-gefahr
Tausendmal erhalten /
Doch will in [p. 184] mir gantz und gar
Deine lieb erkalten.
Ach ! der undanck ist zu groß
Bey uns menschen-kinden /
Jesu ! mach mich davon loß /
Und von meinen sünden.

kinden

  

5. Mancher freund / den ich geliebt /
Hat den geist aufgeben /
Doch hat mich noch nicht betrübt
Mein sündhafftes leben.
GOtt gib / daß ich auch gedenck
An das schnell abscheiden /
Meine arme seel ablenck
Von den schnöden freuden.

Gott, gib

  

6. Stell mir für die grosse noth /
Die mich wird ankommen /
Wann ich werde nach dem tod
Vors gericht geno en.
So werd ich erblasset seyn /
Dich mit ernst anflehen /
Daß nicht in die ewig pein
Dermal einst muß gehen.

7. JEsu ! das bitt ich von dir /
Sonst gar nichts auf erden /
Ach ! laß mich nur leiden hier /
Und dort selig werden.
Laß mich diesen augenblick
Um genade schreyen /
Daß ichs nicht an Satans-strick
Ewig muß bereuen.

230.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
208 230 235 234 234 234 234
p. 196 184 285 192 172 259 172

HErr / ich habe mißgehandelt /
Ja mich drückt der sünden-last /
Ich bin nicht den weg gewandelt /
Den du mir gezeiget hast /
Und jetzt wolt ich gern auß schrecken
Mich für deinem zorn verstecken.

Herr, ich habe
der sünden-last

2. Doch / wie könt ich dir entfliehen ?
Du wirst allenthalben seyn :
Wolt ich über see gleich ziehen /
Stieg ich in die grufft hinein :
Hätt ich flügel gleich den winden /
Gleichwol würdest du mich finden.

über See

3. Drum ich muß es nur bekennen /
HErr / ich habe mißgethan /
Darff mich nicht dein kind mehr nennen.
Ach nimm mich zu gnaden an !
Laß die menge meiner sünden
Deinen zorn nicht gar entzünden.

4. Könnt ein mensch den sand gleich zehlen
An dem weiten mittel-meer /
Dennoch wird es ihm wol fehlen /
Daß er meiner sünden-heer /
Daß er alle mein gebrechen /
Solte wissen außzusprechen.

5. Wäin / ach wäin jetzt umb die wette /
Meiner beyden augen-bach !
O daß ich gnug zehren hätte /
Zu betrauren meine schmach !
O daß auß den thränen-brunnen
Käm ein starcker strom geronnen.

Zehren

6. Ach ! daß doch die [p. 185] strengen fluthen
Uberschwe ten mein gesicht /
Und die augen möchten bluten /
Weil mir wasser sonst gebricht :
Ach daß sie wie meeres-wellen
Möchten in die höhe schwellen.

7. Aber Christe / deine beulen /
Ja ein einzig tröpflein blut /
Das kan meine wunden heilen /
Löschen meiner sünden glut /
Drum wil ich / mein angst zu stillen /
Mich in deine wunden hüllen.

8. Dir will ich die last auffbinden /
Wirff sie in die tieffe see /
Wasche mich von meinen sünden /
Mache mich so weiß als schnee /
Laß dein'n guten geist mich treiben /
Eintzig stets bey dir zu bleiben.

231. ) Im Thon : Ach was soll ich sünder machen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
642 231 236 235 235 235 235
p. 599 185 286 193 173 261 173

MEin GOTT / sey mir doch genädig /
Tilge meine sünden-fluth /
HErr / durch deines sohnes blut /
Mache du mich frey und ledig
Von der schweren sünden-last /
Die du längst bezahlet hast.

Mein Gott, sei

2. Ach / ich habe ja gefehlet /
Habe / leider ! nicht gethan /
Was mir wol gestanden an :
Meine schuld wird nicht verhehlet :
Sondern seufftzt hie offentlich :
Ach / mein GOtt / erbarme dich.

gestanden an

offentlich

3. And're mögen wercke rühmen /
W[ie] mit einem stoltzen muth
Sonst ein Phariseer thut :
Mir will solches nicht geziemen :
Sondern ich bekenne frey /
Daß nichts gutes an mir sey.



wie

4. Ich muß leider ! ja gestehen /
Daß von meiner kindheit her /
Biß auff diese stunde mehr
Böses von mir sey geschehen /
Als es christlich ist und recht /
O ich armer sünden-knecht !

sei

5. Ach / was soll ich weiter klagen ?
Meine sünd ist mancherley /
Was geschehen / ist vorbey :
Soll ich aber drum verzagen ?
Das sey fern / ach nein ! ach nein !
JEsus wird mir gnädig seyn.

das sei fern

6. JEsu / du wirst mein gewissen /
Das so voller sünden steckt /
Und vor deinem zorn erschreckt /
Wieder freundlich trösten müssen.
Meine wonne / meine ruh /
O mein JEsu / tröste du.

7. Wirff zu meinem grossen glücke /
Meine sünde / die fast schwer /
All hinweg ins tieffe meer :
Wirff sie hinter dich zurücke /
Und gedencke nimmer nicht
Was ich habe angericht.


fast schwer

8. Denn will ich hie deinen willen /
So viel mensch- und müglich ist /
O mein liebster JEsu Christ /
Gern hinwiederum erfüllen /
Und von hertzen folgen dir /
O mein JEsu / hilff du mir.


mensch- und

† 232.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 232 237 236 236 236 236
p. - 185 287 193 173 262 173

WO soll ich hin ?
Ich weiß für angst nicht / wo ich bin /
Die weite welt ist mir zu eng /
Der himmel aber allzu streng.
Dort sitzet und blitzet das jüngste gericht /
Ach wüßte das böse gewissen nur nicht
Was [p. 186] meine fünff sinne vor sünde gethan /
So klagte der teuffel / den zweiffel nicht an /
Nun brennet die hölle noch heller herfür /
Und schläget die flammen zusammen nach mir.
Es ist umb mich geschehn /
Ich darff den hi el nicht ansehn.

Wo soll ich

  




vor Sünde

2. O ach und weh !
Zwar JEsu creutz steht in der höh :
Allein wie solte dessen blut
Außlöschen meiner höllen glut.
Ich habe die höltzer zum creutze geschnitzt /
Den hammer geschmiedet / die nägel gespitzt /
Den hi lischen könig mit speichel gehönt /
Mit geißlen gepeitschet / mit dornen gecrönt /
Mit galle gespeiset / mit essig getränckt /
Den blutigen cörper ans creutze gehenckt.
O grosse mörderthat /
Die meine sünd verübet hat.

geschnitzt

3. Zerreisse dich /
Mein hertz / und zage jä erlich /
Jedoch verzage darum nicht /
Ergreiffe was dein JESUS spricht.
Seind deine begangene sünden gleich roth /
So will ich sie waschen vom blutigen koth /
Und wären sie ärger als röthlicher schweiß /
So sollen sie werden wie wolle so weiß :
Gequälete seele nur fliehe herzu /
Die wunden sind löcher und fächer der ruh.
Stirb nur den sünden ab /
Und lege sie in JEsu grab.



zage

4. Ich ko  / ich ko  /
Ach / JESU ! mache selbst mich fro  /
Hilff büssen meine schwäre schuld /
Und alles leiden mit gedult.
So sterb ich in JEsu mit frölichem muth /
So erb ich in JEsu das selige guth /
Er hat ja mein böses gewissen bekriegt /
Den teuffel gebunden / die hölle besiegt /
Die handschrifft getilget / die sünde verhüllt /
Den zornigen vatter im hi el gestillt.
So ist nun GOtt für mich /
Wer mag seyn wider mich und dich.

für mich

† 233.) Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 233 238 237 237 237 237
p. - 186 288 194 174 263 174

                       Der Sünder

HErr / hilff mir ! o ich sincke nieder /
Ich sinck in tieffen sünden-schla  ;
Da ko en hohe wellen wider /
Streck auß die hand / o Gottes-La  !
Ich geh' zu grund / ich muß ersauffen /
HErr / hilff mir / ich kan nicht entlauffen.

Herr, hilf mir

2. HERR / hilff mir ! ich muß sonst vergehen /
Der teuffel macht es allzu grob /
O GOtt / ich kan nicht mehr bestehen /
Zu schwer ist die anfechtungs-prob /
Mein hertze klopfft / die hände beben /
Du weist es / o mein seelen-leben.



zu grob

                         Christus.

3. Getrost / mein sohn / sey starck im glauben /
Klein-gläubiger / was zweiffelst du ?
Wer ist so kühn / der dich solt rauben /
Auß meiner hand ? hie ist die ruh ;
Ich / JEsus / ich bin dein erretter :
Des teuffels starcker undertretter.

Undertretter

p. 187               Der Sünder.

4. Ja / HErr / du machst es allzu lange /
Mein böses fleisch behält den platz !
Ich liege nieder / mir ist bange /
HErr / hilff mir / o mein seelen-schatz !
Laß mich doch nicht vergeblich schreyen /
Wann wilt du endlich mich erfreuen ?



den Platz

5. Es scheint / als wa  du mich nicht hörest /
O Davids sohn / erbarm dich mein !
Ich laß dich nicht, biß daß du kehrest /
Mit starcker hülff ins hertz hinein.
HErr / hilff mir / ich kan dich nicht lassen /
Biß du mich segnest ohne massen.

segnest

                       Christus.

6. Gleich jenem Cananäischem weibe /
Ruff'st du / mein kind / ohn überdruß :
Drum bricht das hertz in meinem leibe /
Daß ich mich dein erbarmen muß.
Fahr fort den guten kampff zu kämpffen /
Ich will in dir den teuffel dämpffen.

Cananäischem

† 234.) Mel. Hertzlich thut mich verlangen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 234 239 238 238 238 238
p. - 187 290 195 174 263 174

O Brunnquell aller tugend /
O JEsu / reinster schatz /
Dir klaget meine jugend /
Daß sie sich auff dem platz
Der wollust offt begeben /
Und in der eitelkeit
Verzehrt das junge leben /
Den besten theil der zeit.

O Brunnquell



auf dem Platz

2. Vergib mir diese sünde /
Du keuscher bräutigam /
Sey gnädig deinem kinde /
O unbeflecktes la  /
Sey gütig mit der straffe /
Die du gedräuet hast /
Wa  uns elende schaafe
Verführt des fleisches last.



gedräuet

3. Ich weiß es / daß die reinen
Für dir schon selig seyn ;
Hingegen die gemeinen
Zur höllen gehn hinein /
Drum gib mir ein gemüthe /
Das allen lüsten gra  /
Ach ! säubre mein geblüte
Von seinem Adams-schla .



gramm

4. Erweck in mir den glauben /
Und einen neuen geist /
Der sich gleich wie die tauben /
Der reinigkeit befleist.
Ach ! segne meine busse /
Das wollen sihst du hier /
Ich falle dir zu fusse /
Gib auch's vollbringen mir.

Tauben


Wollen

5. Gib gnade / gib auch kräffte /
Daß ich des teuffels macht /
Durch christliche geschäffte /
Zu fliehen sey bedacht /
Daß meines sinns gedancken /
Daß wort und wercke nicht
Nach dieser busse wancken /
Und fallen ins gericht.

6. Ach ! lösch in mir die fla en /
So wider zucht und ehr /
Ach ! tilge sie zusa en /
Daß sie sich nimmermehr
In meinen nieren finden /
Laß deine keuschheits-schnur /
Die lenden mir fest binden /
Du meiner fehler cur.


Flammen


Schnur

7. Vermähle meine seele
Mit deiner heiligkeit /
In deiner seiten höle /
Ist ihr ein sitz bereit /
Da wird sie keuscher leben /
Als in dem koth der welt /
Und dir sich gantz ergeben /
Wofern es dir gefällt.



Höhle

8. Gib / daß an deinem lei-[p. 188]be
Ich auch ein gliedmaß sey /
Ohn ende bey dir bleibe /
Für allem Unfall frey.
Erhalt / o HErr /die gaben /
Die du in mich gelegt /
Laß mich dein bildnuß haben /
Nach dem du mich geprägt.



Gliedmaß

9. Von den unsaubern geistern /
Und von der heyden lust /
So wol derselben meistern /
Laß mir nichts seyn bewust /
Sie möchten mich sonst trennen
Von deiner reinigkeit /
Was aber folgt für bre en
Für solch in ewigkeit !



solch

10. Ach ! nein ; in Sions gassen /
In die berühmte stadt /
Wird keiner eingelassen /
Der solche laster hat ;
In Sions güldnen mauren
Kan weder fleisch und blut
Mit seinen lüsten dauren /
Noch sehn das höchste gut.

Sion

11. Drum weg ihr Venus-flammen /
Ach sterbt ! ach ! sterbt in mir !
Ihr sollt mich nicht verda en /
Noch mir die himmels-thür
An jenem tage sperren /
Ich danck euch jetzund ab /
Und liebe GOtt den HErren /
Biß in mein kaltes grab.

Venus-Flammen

  

jenem Tag

12. O JEsu ! der du weidest /
Wo keusche rosen stehn /
Und keine welt-lust leidest /
Ach ! laß mich tapffer gehn
Im wege deiner tugend /
Ach ! HErr / gedencke nicht
Der sünde meiner jugend /
Wol mir / wa  das geschicht.

Sünde

  

† 235.) Mel. Zion klagt mit angst und schmertzen  &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 235 240 239 239 239 239
p. - 188 291 196 175 265 175

VAtter / ach ! laß trost erscheinen !
Sihest du dein kind dann nicht
Bitterlich mit Petro wäinen ?
Wie es mit Manasse spricht ?
Wie es schlägt an seine brust ?
Wie die eitle sünden-lust
Wird auß reue so verfluchet ?
Wie es wäinend gnade suchet ?


Vater, ach lass

bitterlich
Manasse

2. Hast du / Vatter / mich geliebet /
Mich von aller ewigkeit ?
So nimm nun die schuld, betrübet /
Tröst ich mich der gnaden-zeit /
Jesu creutz und dorne-cron
Bring ich her / für deinen thron /
Hat dein sohn nicht das erlitten ?
Und kan kräfftig für mich bitten ?



betrübet

dorne-cron

3. Zwar du bist gerecht / ich schäme
Mich der ungerechtigkeit /
So ich feigen-blätter nehme /
Meiner wercke nichtig kleid /
Deckt es doch die blösse nicht :
So du vatter für gericht /
Recht für gnade lässest gehen /
Wer ist rein ? Wer kan bestehen ?

  

Feigenblätter

  



bestehen

4. Gleichwol sagst du zu das leben /
Und willst nicht der sünder tod /
Du willst schencken und vergeben /
Wo verlassen dein gebott /
Wo auß böß verderbter art /
Auff der breiten höllenfahrt /
Ich mich habe lassen finden /
In gantz ungebüßten sünden.

sagst zu

  

verlassen

5. Suche mich dein schäflein wieder /
Du mein [p. 189] GOtt und treuer hirt /
Welches irrig auff und nieder
Wölffen sonst zu raube wird /
Schleuß in JEsu wunden ein
Das verschmachte täubelein /
Daß es satan nicht erwische
In dem wüsten weltgebüsche.

verschmachte

  

6. HErr / ich habe zwar verzogen /
Bin / nach Noe raben-art /
Sicher hin und her geflogen /
Habe busse lang gespart :
Jetzt thu ich zu dir den tritt /
Bringe reu und glauben mit /
HErr / ich ko e hoch beladen /
Ni  dein armes kind zu gnaden.



Rabenart

  

† 236.) Mel. Freu dich sehr o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 236 241 240 240 240 240
p. - 189 292 197 176 266 176

DEncket doch / ihr menschen-kinder /
An den letsten todes-tag :/:
Dencket doch / ihr freche sünder /
An den letsten seiger-schlag /
Heute sind wir frisch und starck /
Morgen füllen wir den sarck /
Und die ehre / die wir haben /
Wird zugleich mit uns begraben.


Denket doch

  

Seiger

2. Doch / wir tu e menschen sehen
Nur was in die augen fällt /
Was nach diesem soll geschehen
Bleibt an seinem ort gestellt /
An der erde kleben wir 
Leider ! über die gebühr /
Aber nach dem andern leben
Will der geist sich nicht erheben.

tumme

  

seinen

3. Wo ihr euch nicht selber hasset /
Ach / so legt die thorheit ab /
Was ihr thut / und was ihr lasset /
So gedenckt an euer grab /
Ewig glück und ungelück
Hängt an einem augenblick /
Niemand kan uns bürgen geben
Daß wir noch biß morgen leben.

  

tut und lasset

4. Ungewissenhaffte leute
Zittern vor des todes pein /
Gute Christen wolten heute
Lieber aufgelöset seyn /
Dann sie wissen / daß der tod
Ist ein außgang ihrer noth /
Und gemahlte todten-köpffe
Sehn sie an als blumen-töpffe.

5. Vor der sünde soll man zittern /
Weil sie Gottes zorn entzündt /
Aber nicht vor leichen-bittern /
Welches gute botten sind :
Einmal müssen wir daran /
Lieber bald darzu gethan /
Heute laß uns lernen sterben /
Daß wir morgen nicht verderben.



Leichenbitter

6. Was hilfft doch ein langes leben
Ohne buß und besserung ?
Wer nicht will nach tugend streben
Ach ! derselbe sterbe jung /
Unsre boßheit ni t nicht ab ;
Sondern mehrt sich biß ins grab :
Frey von sünden wird man ni er
Sondern alle tage schli er.

7. Daß doch nur ein tag des lebens
Möchte frey von lastern seyn /
Doch mein wünschen ist vergebens
Under uns ist niemand rein :
Beicht und Abendmahl genung /
Wenig von erneuerung /
Schertz habt ihr mit GOtt getrieben
Und seyt unverändert blieben.

genung

  

8. Langes leben / grosse sünde /
Grosse sünde / schwerer tod /
Lernet das an einem kinde /
Dem ist sterben keine noth :
Selig / wer bey guter zeit
Sich auf seinen tod bereit /
Und so offt die glocke [p. 190] schläget
Seines lebens ziel erweget.

bereit

  

9. Jede patienten-stube
Kan euch eine schule seyn /
Fährt ein andrer in die grube /
Warlich ihr müßt auch hinein.
Steht ihr auff / so sprecht zu Gott :
Heute ko t vielleicht der tod !
Legt ihr euch / so führt im munde :
Heute kommt vielleicht die stunde !

Patientenstube

10. Stündlich sprecht : in deine hände /
HErr / befehl ich meinen geist /
Daß euch nicht ein schnelles ende
Unverhofft von hinnen reißt :
Selig wer sein hauß bestellt /
Gott ko t offt unangemeldt /
Und des menschen sohn erscheinet
Zu der zeit / da mans nicht meynet.

nicht meinet

11. Das gewissen schläfft im leben /
Doch in tode wacht es auff /
Da siht man vor augen schweben
Seinen gantzen lebens-lauff :
Alle seine kostbarkeit
Gäbe man zur selben zeit /
Wenn man nur geschehne sachen
Ungeschehen könte machen.

12. Darum brauchet eure gaben
Dergestalt in dieser zeit /
Wie ihr wünscht gethan zu haben /
Wann sich leib und seele scheidt :
Sterben ist kein kinder-spiel /
Wer im HErren sterben wil /
Der muß erstlich darnach streben /
Wie man soll im HErren leben.

13. Diese welt geringe schätzen /
Allen lastern widerstehn /
An der tugend sich ergetzen /
Willig GOttes wege gehn /
Wahre lebens besserung /
Stäte fleisches züchtigung /
Sich verläugnen / und mit freuden
Schmach um Christi willen leiden ;

lebens

14. Das sind regeln vor gesunde /
Da man zeit und kräffte hat :
In der letsten todes-stunde
Ist es insgemein zu spat :
Kranckheit gleicht der pilgramschafft /
Keines gibt dem geiste kraft /
Beydes macht die glieder müde /
Und verstört den seelen friede.


da man

zu spat
Pilgramschaft

15. Sucht GOtt selber zu versühnen /
Greiffet selbst nach Christi blut /
Kein gebette wird euch dienen /
Das man nur zur fröhne thut /
Denckt ihr selber in der zeit
Nicht an eure sterblichkeit /
Warlich in des grabes höle
Sorgt kein mensch für eure seele.

Fröhne
Denkt ihr

16. Jetzund ist der tag des heiles /
Und die angenehme zeit ;
Aber leider / meistentheiles
Lebt die welt in sicherheit :
Täglich rufft der treue GOtt /
Doch die welt treibt ihren spott /
Ach ! die stunde wird verfliessen /
Und GOTT wird den himmel schliessen.

Tag des Heiles

  

  


schliessen

17. Da wird mancher erst nach öle
Bey des bräutgams ankunfft gehn /
Und da wird die arme seele
Vor der thüre müssen stehn :
Darum haltet euch bereit /
Füllt die lampen in der zeit /
Sonst erschallt das lied vom ende :
Weicht von mir ihr höllen-brände.

18. In dem gantzen bibel-buche
Kommt mir nichts so schrecklich für /
Als die worte von dem spruche /
Ihr verfluchten weicht von mir :
Selig / wer davor erschrickt /
Eh er noch den tod erblickt :
Furcht und zittern hie auff erden /
Schafft / daß wir dort selig werden.


Verfluchten
Furcht

[p. 191]
19. Hier in lauter freuden schweben /
Macht im tode lauter noth :
Aber auff ein traurig leben
Folgt ein freudenreicher todt.
Drum mit dieser welt hinweg /
Achtet sie für koht und dreck /
und erhebet eure sinnen /
Daß sie Christum lieb gewinnen.

 


traurig Leben

20. Tödtet eure bösen glieder /
Creutzigt euer fleisch und blut /
Drückt die böse lust darnieder /
Brecht dem willen seinen muth /
Werdet JEsu Christo gleich /
Nehmt sein creutz und joch auff euch /
Daran wird euch Christus kennen /
Und euch seine jünger nennen.

21. Auff ein langes leben harren /
Da man täglich sterben kan /
Das gehört vor einen narren /
Nicht vor einen klugen ma  /
Mancher spricht bey gelt und gut :
Liebes hertz sey wohlgemuth :
Und in vier und zwanzig stunden /
Ist die seele schon verschwunden.

 


gehört

 

liebes Herz

22. Ach wie offte hört man sagen /
Daß ein mensch entleibet sey /
Ach wie mancher wird erschlagen /
Oder bricht den halß entzwey /
Einen andern rührt der schlag /
Wol im sauff- und spiel-gelag /
Mancher schlummert ohne sorgen /
Und erlebet nicht den morgen.

Schlag

23. Feuer / wasser / lufft und erden /
Blitz und donner / krieg und pest /
Müssen unsre mörder werden /
Wann es GOtt geschehen läßt :
Niemand ist vom tode frey /
Nur die art ist mancherley /
Ins gemein sind unsre stunden /
Einem schatten gleich / verschwunden.

24. Nach verfliessung dieses lebens
Hält GOtt keine gnaden-wahl /
Jener reiche rieff vergebens
In der pein / und in der quaal :
Frembdes bitten hilfft euch nicht /
Und wer weiß / obs auch geschicht /
Also fallt in wahrer busse
Eurem Gotte selbst zu fusse.

jener Reiche

fremdes

25. Samlet euch durch wahren glauben
Einen schatz der ewig währt /
Welchen auch kein dieb kan rauben /
Und den euch kein rost verzehrt :
Nichts ist ehre / nichts ist gelt /
Nichts ist wollust / nichts ist welt :
Alles trachten / alles tichten /
Muß man auf die seele richten.

26. Freunde machet euch in zeiten /
Mit dem ma on den ihr habt /
Lasset von bedrängten leuten
Keinen menschen unbegabt ;
Christus ni t die wolthat an /
Gleich als wär es ihm gethan /
Und der armen bettler bitten
Hilfft euch in des himmels hütten.


Mammon

27. Euer wandel sey im himmel /
Da ist euer burger-recht /
Lebt in diesem welt-getümmel
Unbekannt / gerecht und schlecht /
Flieht vor aller sclaverey /
Machet eure seele frey /
Daß sie sich zu GOtt erhebet /
Und hier als ein fremdling lebet.


Burger

28. Diese gnade zu erlangen /
Spahret das gebette nicht /
Netzt mit thränen eure wangen /
Biß daß GOtt sein hertze bricht /
Ruffet JEsu Christo nach /
Wie er dort am creutze sprach :
Vatter / ni  an meinem ende
Meine seel in deine hände.

Gott


[p. 192]

237.) Auß Jesaja 1. Cap. Im Thon : Zion klagt mit angst und schmertzen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
624 237 242 241 241 241 241
p. 581 192 298 200 179 270 179

WAschet euch / ihr volck der sünden /
Reinigt euer hertz und si  /
Wo ihr wollet gnade finden /
Thut das frevle wesen hin /
Thut das böse weg von mir /
Weg von meinen augen hier :
Soll euch helffen mein erlösen /
O so lasset ab vom bösen.

Waschet euch

  

tut hin

2. Lernet (merckt es) da hingegen
Gutes / und kein arges thun /
Trachtet nach des rechtes wegen /
Weil ihr noch in eurem nun /
In der kurtzen lebens-zeit
Und der ungewißheit seyd :
Helffet den verdrückten allen /
Weil mir liebe wird gefallen.

nun

  

3. Dann so kommt mit wahrer reue
Und mit wahrem glauben her /
Wann der alte mensch wird neue  /
Und ihr thut nach mein'm begehr.
Laßt uns rechten / kommet her !
Eu're sünd / ist die gleich schwer /
Soll sie doch wie schnee auff erden /
Reine / weiß und schöne werden.

4. Sollt auch euer maß der sünden
Blutschwartz angefüllet seyn /
Daß es sich gleich liesse finden
Einem rosin-farben wein /
Soll sie dennoch wieder rein /
Wie die schönste wolle seyn.
O HErr JEsu / mir verleihe
Rechte wahre buß und reue.


238.)  Im Thon : In dich hab ich gehoffet &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
639 238 243 242 242 242 242
p. 597 192 299 201 179 271 179

ICH armer sünder weiß, o GOtt /
Weil du für mich hast in den todt
Dein lieben sohn gegeben /
Du liebest mich
Beständiglich /
Und schenckst mir heil und leben.

Ich armer Sünder

  

2. Darum ich schuldig mich befind /
Daß ich / o Vatter / als dein kind /
Gehorsam dir erzeige /
Allzeit mein hertz /
In freud und schmertz /
Mit liebe zu dir neige.

3. Werth bin ich nicht / ob meiner sünd /
Daß ich dir dien' / und sey dein kind /
Doch weil es ist dein wille /
Durch deinen Geist
Mir hülffe leist /
Daß ich ihn recht erfülle.

4. Verleih' / daß ich mein leben führ /
O treuer GOtt / zu ehren dir /
Daß ich's auch wol beschliesse /
An Christum gläub /
Beständig bleib /
Den bittern todt durchsüsse.

5. Daß ich mit fried und freud hinfahr /
Die seel in deiner hand bewahr /
Da sie kein angst wird schmecken /
Gib / daß der leib
Fein sicher bleib /
Biß du ihn wirst erwecken.

[p. 193]

Nach der Beicht.

239.) Im Thon : An wasser-flüssen Babylon / &c. Oder : Der Tag der ist so freüdenreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
209 239 245 244 244 244 244
p. 197 193 302 203 181 273 181

MEin GOtt ! nun bin ich abermahl
Der sünden-last befreyet /
Nun bin ich in der Christen-zahl
Als GOttes kind geweihet /
Wie kan ich gnugsam preisen dich /
Daß du mich hast so gnädiglich
Nun wieder angenommen ?
Auff meine seel ! und lobe GOtt /
Wir wollen bald / auff sein gebott /
Zu seinem altar kommen.

Mein Gott, nun

  

  


Auf meine

2. Mein Schöpffer / ich bekenn es dir /
In meinem fleische wohnet
Das gifft der sünden für und für /
Das mit der höllen lohnet :
Ich habe die gerechtigkeit /
So dir gefällt / vor langer zeit
In Adam gantz verlohren :
Zum guten bin ich taub und blind :
Dieweil ich armes sünden-kind
In sünden bin gebohren.

3. Nun aber hat dein lieber sohn
Mich wiederbracht zu gnaden /
Als er vom hohen himmels-thron
Besucht uns arme maden /
Um seinet willen hastu dich /
Mein Gott ! erbarmet über mich /
Und mir die schuld erlassen /
So daß ich deine gnad hinfort
Im sacrament / im geist und wort
Kan fest und gläubig fassen.

hastu

4. Gepreiset sey dein theurer nahm /
O JEsu / meine freude !:
Was ich für trost von dir bekam
Nach außgestandnem leide /
Das weißt mein viel versuchtes hertz /
Das schier ein rechter todes-schmertz
Zur höllen wolte rücken.
Sehr schrecklich war die sünden-plag /
Ich mußte mich den gantzen tag
Erbärmlich lassen drücken.

5. Nun ist die schwere sünden-last /
GOtt lob / hinweg geno en :
Nun darff ich / als ein lieber gast /
Zu meinem schöpffer ko en :
Nun hat er mir durch seinen knecht
Im hi el schon das burger-recht
Auß gnaden zugesaget.
HErr JEsu Christ / jetzt danck ich dir
Von gantzer seelen / daß du mir
Hast solche gunst erjaget.

Knecht

6. Gib mir nun deinen guten Geist /
Der freudig in mir walte /
Und mich im glauben allermeist
Biß an mein end erhalte /
Daß ich in angst und traurigkeit
Vest hoff auff dich / und jederzeit
Mich fromm und kindlich arte /
Und wann ich bin im unglücks-stand /
Alsda  von deiner starcken hand
Der gnaden-hülff erwarte.

der Gnadenhilf

7. Verleih auch / daß ich alle tag
Ein christlich leben führe /
Daß ich das übel hassen mag /
Daß ich mich prüff / und spüre /
Wie mein verderbtes fleisch und blut
Gar nicht / was recht und christlich / thut :
HErr / hilff mir tapffer streben.
Mein geist der wünschet nichts so sehr /
Als daß er möge mehr und mehr
Nach deinem willen leben.

christlich

mein Geist

  

8. Dieweil ich aber gar zu schwach
Im fleische mich befinde /
Das offtmals folgt den lüsten nach /
Wann ich mich [p. 194] unterwinde
Von hertzen dir zu hangen an /
Und mich doch schwerlich schicken kan
Zu thun nach deinem willen /
So wollest du / getreuer hort /
Die sünden-lust nach deinem wort
In meinem fleische stillen.

  


unterwinde

mich schicken

9. Laß mein gebett / HErr / feurig seyn /
Und durch dasselb ersterben
Den alten Adam / der allein
Begehret mein verderben /
Damit ich / als ein tapffrer held /
Hie kämpff und mich der argen welt
Im glauben mög entreissen :
So kan ich nach den bösen zeit
In der gewünschten ewigkeit
Dich rath und helffer heissen.

  

alten Adam

240.) Im Thon : Nun freut euch lieben Christen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
210 240 246 245 245 245 245
p. 198 194 303 204 182 275 182

HErr JEsu CHrist / mein trost und licht /
Ich dancke dir von hertzen /
Daß du mich hast verstossen nicht /
Als mich der sünden schmertzen
Gequälet auß dermassen hart /
Durch satan / der / als widerpart /
Nicht lässet mit sich schertzen.

Herr Jesu

  


aus der maßen

2. Du hast gehöret meine beicht /
Und gnädig mir vergeben
Die sün de / die so schwerlich weicht
Von uns im gantzen leben :
Du hast an deinen knecht gedacht /
Den nunmehr deiner liebe macht
Zum himmel will erheben.

Knecht


3. Du nie beflecktes Gottes-lamm
Bist ja für mich gestorben :
Ach ! du mein seelen-bräutigam /
Hast selber mir erworben
Durch deinen tod die seligkeit.
Dir danck ich / daß ich so befreyt
Bleib ewig unverdorben.

unverdorben

4. HErr / gib mir deinen guten geist /
Daß der mich unterrichte /
Was solche lieb und wolthat heist /
Damit ich mich verpflichte /
Zu preisen dich mit hand und mund /
Auch dir auß meines hertzens-grund
Hiervon ein danck-lied dichte.



Hand und Mund

5. HErr / laß mich alle sünd und schand
Hinfüro gantz ablegen /
Und thun den lüsten widerstand /
Die mich von deinen wegen
Offt führen auff den sünden-pfad.
Ich weiß wie jede missethat
Vertreibt des Höchsten segen.


hinfüro

6. Steur' endlich meinem fleisch und blut /
Und laß mich deinen willen /
Der alles mir zum besten thut /
Gehorsamlich erfüllen /
Fleuch / liebe seele / hi el an /
Da weiß ich / daß ich freudig kan
All mein verlangen stillen.

himmel an

  

7. HErr JESU / laß mich dich allein
Stets suchen und bald finden /
Laß mich der welt entrissen seyn /
So kan ich recht ver-[p. 195]binden
Mein hertz mit dir / und alle noth /
Welt / sünde / teuffel / höll und tod
Gantz siegreich überwinden.


Lied / Cantique 241