Cantique / Lied 300

301.) Der 103. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
268 301 311 308 308 308 308
p. 256 250 390 261 233 348 233

NUn lob mein seel den HErren /
Was in mir ist den nahmen sein :/:
Sein wolthat thut er mehren /
Vergiß es nicht / o hertze mein.
Hat dir dein' sünd vergeben /
Und heil't dein' schwachheit groß /
Errett't dein armes leben /
Ni 't dich in seinen schooß /
Mit reichem trost beschüttet /
Verjüng't dem adler gleich /
Der kön'g schaff't recht / behütet
Die leid'n in seinem reich.

Nun lob

  

  

heil't

2. Er hat uns wissen lassen
Sein heilig recht und sein gericht :/:
Darzu sein güt' ohn massen /
Es mang'lt an sein'r erbarmung nicht.
Sein'n zorn läßt er bald fahren /
Straff't nicht nach unser schuld /
Die gnad' thut er nicht sparen /
Den blöden ist er hold /
Sein' güt' ist hoch erhaben
Ob den'n die förchten ihn /
So weit der ost vom abend
Ist unser sünd dahin.

unser

Blöden

3. Wie sich ein vatt'r erbarmet
Uber sein' junge kindlein klein :/:
So thut der HErr uns armen /
So wir ihn kindlich förchten rein.
Er kenn't das arm gemächte /
GOtt weiß wir seynd nur staub /
Gleichwie das graß vom reche /
Ein' blum und fallend's laub /
Der wind nur drüber wehet /
So ist es nimmer da /
Also der mensch vergehet /
Sein end' das ist ihm nah.

Reche

4. Die GOttes gnad' alleine
Steh't vest / und bleibt in ewigkeit :/:
Bey seiner lieben g'meine 
Die steh't in seiner forcht bereit /
Die seinen bund behalten.
Er herrsch't im himmelreich.
Ihr starcken engel waltet
Sein's lob's / und dien't zugleich
Dem grossen HErrn zu ehren /
Und treib't sein heil'ges wort.
Mein seel soll auch vermehren
Sein lob an allem ort.



behalten

waltet

  

treibt

5. Sey lob und preiß mit ehren
GOtt vatter / sohn und heil'gem geist :/:
Der woll' in uns vermehren /
Was er auß gnaden uns verheist.
Daß wir ihm vest vertrauen /
Uns lassen gantz auff ihn /
Von [p. 251] hertzen auff ihn bauen /
Auch unser muth und sinn
Im frölich thun anhangen /
Drauff singen wir zur stund /
Amen / daß wir's erlangen /
Glaub'n wir von hertzen grund.

Sei Lob

  


Dass wir

302.) Der 110. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
269 302 312 309 309 309 309
p. 257 251 392 261 233 350 233

DEr HERR sprach in sein'm höchsten thron
Zu Christo meinem HErren :/:
Du bist mein eingebohrner sohn /
Dir g'bührt die göttlich ehre.
Setz dich zu meiner rechten hand /
Biß daß ich leg' dein' feind allsamt
Zum schämel deiner füsse.


Der Herr sprach

  

  


Schämel

2. Der HErr wird dir auch auß Zion
Dein's reichs das scepter senden :/:
Dein wort soll sich da heben an /
Und geh'n biß zur welt enden
Daß du solt herrschen gantz und gar
Uber all deiner feinde schaar /
Daß sie ihr sünde büssen.


das Zepter

  

  

büßen

3. Wann du wirst durch das leiden dein
Den tod und sünd bekriegen :/:
Wird dir dein volck gantz willig seyn /
Durch dich im glauben siegen.
Dir werden deine kind gebohr'n /
Wie der thau kühl und außerkohr'n
Früh' in der morgen-röthe.



willig

4. Der HErr geschwor'n hat über dich /
Und wird ihn nicht gereuen :/:
Du bist ein priester ewiglich /
Den gott'sdienst zu verneuen.
Gantz nach der weiß Melchisedech /
Das alt opffer muß gar hinweg /
Wann du dich selbst läß'st tödten.

über

5. Doch wird der HErr stets bey dir seyn /
Und steh'n zu deiner rechten :/:
Und straffen mit ewiger pein /
All die dir widerfechten.
Zur zeit wa einst sein zorn ergrimmt /
Die gwaltigen könig hinni t /
Wird sie mit macht zerschmeissen.

6. Er wird herrlich mit grossem pracht
Unter den heyden richten :/:
Er wird thun gar viel grosser schlacht /
Wid'r die/ so ihn vernichten.
Er wird dem fürsten dieser welt /
Der sich ihm stets zu wider stellt /
Sein höllisch reich zerreissen.



viel
vernichten

7. In schwachheit / leiden / creutz und todt
Wird er hie zeitlich sterben :/:
Und überwinden alle noth /
All Gottes güter erben.
Und aufferste'hn am dritten tag /
Daß er ewig regieren mag /
Ein kön'g üb'r himm'l und erden.

8. Darfür wir sagen ehr und lob /
Daß wir den [p. 252] heyland haben :/:
Singen und freuen uns all' drob /
Dancken für solche gaben.
Wie er uns in sein'm wort bericht /
So wir's glauben / und zweiffeln nicht /
Soll'n wir dort selig werden.

Darfür

303.) Der 111. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
270 303 313 310 310 310 310
p. 258 252 393 262 234 351 234

VOn gantzem hertzen / und mit fleiß /
Sag' ich dem HErren lob und preiß /
Und danck ihm in dem rath der frommen ;
Ich preise seines nahmens ruhm /
Da / wo sein volck und eigenthum /
Mit andacht pflegt zu hauff zu kommen.

Von ganzem

2. Des HErren wercke sind voll pracht /
O wohl dem menschen / der ihr'r acht /
Kan seine zeit damit vertreiben :
Dann was er ordnet / sagt und thut /
Ist löblich / herrlich / recht und gut /
Und sein gericht muß ewig bleiben.

3. Der HErr voll gnad und gütigkeit /
Hat ihm ein denckmahl zubereit /
Der wunder / die er uns beweiset :
Sein bund ist fest und unversehrt.
Wer seine allmacht fürcht und ehrt /
Der wird mit himmel-brod gespeiset.


ihm

  

fürcht

4. Er lässet seiner finger werck /
Und seiner thaten krafft und stärck /
In seinem volck mit macht verkünd'gen :
Daß er der heyden erb und recht
Auf seine treuen diener brächt /
Sich fest mit ihnen zu verbinden.

Diener

5. Das alles / was der HErr verricht /
Ist recht und wahr / und wancket nicht /
Und sein gebott bleibt i er stehen :
Dann er's jetzt in den gantzen welt
Hinfort noch ewiglich erhält :
Was er befihlt / das muß ergehen.


Dann

6. Dem volck / das nach ihm ist genannt /
Hat er erlösung zugesandt :
Sein gnaden-bund wird nicht gebrochen :
Sein nahm' ist heilig / hoch und werth /
Und alles das wird uns beschehrt /
Was er zuvor uns hat versprochen.

genannt

7. Wer Gott den HErren förcht't und liebt /
Und sich in seinem willen übt /
Der hat der weißheit grund gesetzet :
Wer sich derselben nimmet an /
Hat klüglich und sehr wohl gethan /
Sein lob wird ewig hoch geschätzet.

geschätzet

† 8. GOtt vatter / sohn und geist verleih /
Daß diese weißheit bey mir sey :
Daß ich all deine grosse wercke /
Mit fleiß in Gottes furcht betracht /
Und [p. 253] stets vertrau und habe acht
Auff deine weißheit / güt und stärcke.


Weisheit

Der 112. Psalm.

304.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine seele &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
271 304 314 311 311 311 311
p. 259 253 394 263 235 352 235

WOhl dem / der den HErren scheuet /
Und sich förcht für seinem GOtt :/:
Selig / der sich hertzlich freuet /
Zu erfüllen sein gebott.
Wer den Höchsten liebt und ehrt /
Wird erfahren wie sich mehrt /
Alles / was in seinem leben /
Ihm vom himmel wird gegeben.


Wohl dem

  


sich mehrt

2. Seine kinder werden stehen
Wie die rosen in der blüt :/:
Sein geschlecht wird einher gehen /
Voller gnad' und Gottes güt' /
Und was diesen leib erhält /
Wird der herrscher aller welt
Reichlich / und mit vollen händen /
Ihnen in die häuser senden.

3. Das gerechte thun der fro en
Steh't gewiß / und wancket nicht :/:
Solt auch gleich ein wetter ko en /
Bleibt doch Gott der HErr ihr licht /
Tröstet / stärcket / schützt und macht /
Daß nach außgestand'ner nacht /
Und nach hochbetrübtem wäinen /
Freud und sonne wieder scheinen.

  

Wetter

4. GOttes gnad / huld und erbarmen
Bleibt den frommen i er fest :/:
Wohl dem / der die noth der armen
Ihm zu hertzen gehen läst /
Und mit liebe gutes thut /
Den wird GOTT das höchste gut /
Gnädiglich in seinen armen /
Als ein liebster vatter / warmen.

ihm

  


warmen

5. Wann die schwartzen wolcken blitzen
Von dem donner in der lufft :/:
Wird er ohne sorgen sitzen /
Wie ein vöglein in der klufft :
Er wird bleiben ewiglich /
Auch wird sein gedächtnuß sich /
Hier und da auff allen seiten /
Wie die edlen zweig außbreiten.

Kluft

6. Wann das unglück an will kommen /
Das die rohen sünder plagt :/:
Bleibt der muth ihm unbenommen /
Und das hertze unverzagt.
Unverzagt ohn angst und pein /
Bleibt das hertze / das sich fein
Seinem GOtt und HErrn ergiebet /
Und die / so verlassen / liebet.

an will

  


  

verlassen

7. Wer betrübte gern erfreuet /
Wird vom Höchsten wohl ergetzt :/:
Was die milde hand außstreuet /
Wird vom himel hoch ersetzt.
Wer viel gibt / erlanget viel /
Was sein her-[p. 254]tze wünscht und will /
Das wird GOTT mit gutem willen /
Schon zu rechter zeit erfüllen.

8. Aber seines feindes freude
Wird er untergehen seh'n :/:
Er / der feind / für grossem neide /
Wird zerbeissen seine zähn /
Er wird knirschen / und mit gri
Solches glück mißgönnen ihm /
Und doch damit gar nichts wehren /
Sondern nur sich selbst verzehren.

305.) Der 114 Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
272 305 315 312 312 312 312
p. 261 254 396 264 236 353 236

DA Israel auß Egypten zoh' /
Und das hauß Jacob von dannen floh' /
Von diesem frembden volcke :/:
Da ward Juda jetzt sein heiligthum /
Und Israel auch sein' herrschafft fro  /
Unter des himmels wolcke.
Das meer sah' das / und floh' zu hand /
Der Jordan sich zurücke wand /
Die berge sprungen auch daher /
In aller höh' wie die widder /
Die hügel wie die junge schaaf
Erfreuten sich in solchem lauff /
Alleluja / Alleluja.

Da Israel
zohe

  

fromm

  

zuhande

sprungen

2. Was war dir meer / daß du also floh'st /
Und du Jordan / daß du zuruck zoh'st /
Da Israel thät kommen :/:
Ihr berg / daß ihr sprungt wie die widder /
Ihr hügel wie junge schaaf daher ?
Also han wir's vernommen.
Vor dem HErrn dem gewaltigen /
Vor GOtt Jacob allmächtigen /
Bebet die gantze erde schon /
Der die felsen verwandeln kan /
In wasser-see zerfliessen thut /
Und stein in wasser-brunnen gut /
Alleluja / Alleluja.


zuruck

  


vernommen

306.) Der 115 Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
273 306 316 313 313 313 313
p. 261 254 397 265 236 354 236

NIcht uns / nicht uns / o ewiger HERR /
Sondern deinem nahmen gib die ehr /
Um deiner güt und treue :/:
Warum soll'n wir seyn der heyden spott /
Daß sie sprechen : wo ist nun ihr GOtt ?
Das müßt' uns all gereuen.
Dann unser GOtt im himmel ist /
Er macht alles was ihn gelüst /
So jener götzen g'schnitzelt sind
Auß silber / gold / von menschen händ /
Sie haben mäuler / reden nicht /
Hab'n augen und doch kein g'sicht /
Alleluja / Alleluja.

Nicht uns

um

  

  

  

  


Gesicht

2. Sie haben ohren und hören nicht /
Hab'n nasen auch und doch kein geruch /
Ist ihn'n ein grosser fehle :/:
Sie haben auch händ und greiffen nicht /
Sie haben füß und geh'n [p. 255] doch kein tritt /
Kein red' in ihrer kehle.
Die solche mach'n / sind gleich also /
Und die auff sie auch hoffen do /
Doch Israel und auch Aaron /
Und die den HErren förchten thun /
Die hoffen auff den HErren mild /
Der ist ihr grosse hülff und schildt /
Alleluja / Alleluja.

  


do

3. Der HErr gedenckt an uns gnädiglich /
Und wird uns auch segnen ewiglich /
Mit seinen heil'gen gaben :/:
Wird segnen das hauß Israel schon /
Und auch segnen das hauß Aaron /
Alle die an ihn glauben.
Er wird auch segnen alle die /
Die GOtt den HErren förchten hie /
Sie seyen reich / klein oder groß /
Der Herr wird euch ein besser maß
Zu diesem segen hinzu thun /
Auff euch und eu're kinder schon /
Alleluja / Alleluja.

  


schon

  


  

besser Maß

4. Ihr seyd's / die der HErr gesegnet hat /
Durch welchen himmel und erden staht /
Und alles was darinnen :/:
Der himmel auß allen himmeln schon /
Ist ewig dem HErren unterthan /
Die erd den menschen-kindern.
Die todten werden dir / o HErr /
kein lob verjähen ni ermehr /
Noch die da fahren in der still /
Hinunter biß zu ihrem ziel /
Wir aber sind zum lob bereit /
Dem HErren biß in ewigkeit /
Alleluja / Alleluja.

  


verjähen

5. Dem HErren Gott in dem himmelreich /
Gott Vatter / und Gott dem sohn deßgleich /
Und Gott dem heil'gen geiste :/:
Dem g'waltigen HErren Zebaoth /
Der uns will helffen auß aller noth /
Lob / ehr und preiß ich leiste.
O heil'ger anfang und auch end /
Dein göttlich' gnad von uns nicht wend /
Daß wir wandeln in deinem pfad /
Daß uns die sünd der seel nicht schad.
Wer das begehrt / auf dieser erd /
Sprech Amen / daß wir's werd   g'wehrt /
Alleluja / Alleluja.

Dem Herren Gott

  

  

  

  

  

gewehrt

Der 117. Psalm.

307.) Mel. Wohl dem menschen der wandelt nicht &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
274 307 317 314 314 314 314
p. 262 255 398 266 237 355 237

LObet den HErrn ihr heyden all /
Lobt GOtt von hertzen-grunde :/:
Preißt ihn ihr völcker allzumal /
Danckt ihm zu aller stunde /
Daß er euch außerwehlet hat /
Und mitgetheilet seine gnad
In Christo seinem sohne.

Lobet den

2. Dann seine groß' barmhertzigkeit
Thut über [p. 256] uns stets walten :/:
Sein warheit / gnad und gütigkeit
Erscheinet jung und alten /
Und währet biß in ewigkeit /
Schenck't uns auß gnad die seligkeit /
Drum singet / Alleluja.

Suche das I. Gloria. [cf. n° 272]

Der 119. Psalm.

308.) Mel. O mensch bewäin dein sünde &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
275 308 318 315 315 315 315
p. 262 256 399 266 237 355 237

ES sind doch selig alle die
Im rechten glauben wandeln hie /
Im g'setz GOttes des HErren :/:
Sie sind doch selig allesa  t /
Die sein zeugniß für augen hant /
Von hertzen ihn begehren.
Da   welches übelthäter sind /
Die wandeln nicht als GOttes kind /
Auch seine weg nicht halten.
Ach HErre GOtt vom hi  elreich /
Du hast gebotten fleissiglich
All dein gebott zu halten.

Es sind doch

  

  

hant

welches

  


fleißiglich

2. O GOtt / daß alles leben mein /
Gerichtet würd' nach g'fallen dein /
Zu halten deine rechte :/:
Dann würd' ich nicht zu schanden gahn /
Wann ich gantz fleissig schauet' an /
Deine gebott all schlechte.
So danck ich dir mit hertzlichkeit
Der g'richt deiner gerechtigkeit /
Die du mich lehrst mit massen /
Dann deine recht ich halten will /
Mit deiner gnad du zu mir eil /
Thu' mich nicht gar verlassen.

  


gahn

schlechte

  

mit Maßen

3. Wo bessert nun ein jüngling zart
Sein'n weg / dann so er sich bewahrt /
Nach deinen worten allen :/:
Hab ich von gantzem hertzen mein
Gesucht / o HErr / nicht laß mich hin
Von dein'n gebotten fallen /
So hab ich doch die rede dein
Verborgen in mein hertz hinein /
Daß ich vor dir nicht sünd'ge.
Gebenedeyt du HErre GOtt /
Lehr mich durch deine güt und gnad /
Daß ich dein' rechte finde.


denn so

4. Nun hab ich mit den lefftzen mein
Alle gericht des mundes dein
Bekennet und erzehlet :/:
Im weg deiner zeugniß / o HErr /
Mit lust zu wandeln hab ich mehr
Dann all reichthum erwehlet.
In dein'm befelch red' ich allein /
Dann menschen g'setz sind gar nicht rein /
Ich schau auf deine pfade /
Nach deinen rechten lust mich viel /
Dein wort ich nicht vergessen will /
Verleih' du mir dein gnade.

Lefzen

  


erwählet

Befelch

  

lustet

Suche das X. Gloria.

[Lob / ehr und preiß in süssem thon
GOtt Vatter hoch ins himmels thron
Von hertzen sey gesungen :/:
Dem Heyland Christo seinem Sohn /
Der für die sünd hat gnug gethan /
So ists uns wol gelungen.
Dem heil'gen Geist desselben gleich /
Der stärck in uns das gnadenreich /
Und halt uns recht zusammen /
Daß wir Christum den gnaden-schatz /
Zum heyl finden in GOttes g'satz /
Wer das begehrt / sprech : Amen.]

  




genug
[p. 257]

Der 121. Psalm.

309.) Mel. Vatter unser im himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
276 309 319 316 316 316 316
p. 263 257 400 267 238 356 238

WA   ich in angst und nöthen bin /
Und all mein trost ist gar dahin /
So heb' ich auf mein' augen hoch /
Zum HErrn um hülff / und denck ihm nach /
Und wart biß mir geholffen werd /
Von dem Gott hi els und der erd.

Wenn ich in

2. Er hält mich auff der rechten bahn /
Und wird mein'n fuß nicht gleit  lan /
Der HErr ist's / der mich selbst behüt't /
Ob gleich der feind trotzt / tobt und wüt't.
Der Israel schützt und vertritt /
Der wacht allzeit und schlu ert nit.

3. Ob dich des tag's die sonne sticht /
Der kalte mond des nachts anficht /
Doch ko t des HErren hülff zu hand /
Hält über dir sein rechte hand /
Mit seinem schatten / hülff und hut /
Daß dir kein unglück schaden thut.



doch

4. Zum schutz ist stets der HErr bereit /
Vor allem übel allezeit /
Den trost verzeucht er nicht so lang /
Behüt't dein'n außgang und eingang /
Hilft dir zuletst auß allem leyd /
Von nun an biß in ewigkeit.



verzeucht

† 5. Ehr sey GOtt in dem höchsten thron /
Und Christo seinem ein'gen sohn /
Samt dem tröster heiligen geist /
Der uns sein hülf allzeit beweist /
Dem sey lob / preiß gesagt allzeit /
von nun an biß in ewigkeit.


Voriger Psalm.

310.) Mel. Wa   wir in höchsten nöthen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
277 310 320 317 317 317 317
p. 264 257 401 267 239 357 239

ICh heb' mein augen sehnlich auf /
Und seh' die berge hoch hinauff /
Wann mir mein GOTT vom hi els-thron
Mit seiner hülff zu statten ko .

Ich heb

  

zu statten

2. Mein' hülffe kommt mir von dem HErrn /
Er hilfft uns ja von hertzen gern /
Hi el und erd hat er gemacht /
er hält über uns hut und wacht.

3. Er führet dich auff rechter bahn /
Wird deinen fuß nicht gleiten lahn /
Setz nur auff GOtt dein' zuversicht /
Der dich behütet / schläffet nicht.

4. Der treue hüter Israel
Bewahret dir dein leib und seel /
Er schläfft nicht weder tag noch nacht /
Wird auch nicht müde von der wacht.



noch

5. Für allem unfall gnädiglich
Der fro e GOtt behütet dich /
Unter dem schatten seiner gnad
Bist du gesegnet früh und spat.

6. Der sonnen hitz / des mondes schein /
Sollen dir [p. 258] nicht beschwerlich seyn /
GOtt wendet alle trübsal schwer /
Zu deinem nutz und seiner ehr.

7. Kein übels muß begegnen dir /
Des Herren schutz ist gut darfür /
In gnad bewahr't er deine seel
Vor allem leyd und ungefäll.


darfür

8. Der HErr dein'n außgang stets bewahr /
Zu weg und steg gesund dich spahr /
Bring dich zu hauß in sein'm geleit /
Von nun an biß in ewigkeit.


spar
zu Haus

311.) Der 124. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
278 311 322 319 319 319 319
p. 265 258 403 268 240 359 240
Wär GOtt nicht mit uns diese zeit /
So soll Israel sagen :/:
Wär GOtt nicht mit uns diese zeit /
Wir hätten müss'n verzagen :
Die so ein armes häufflein sind /
Veracht't von so viel menschen-kind /
Die an uns setzen alle.
Wär Gott

  


  

setzen

2. Auff uns ist so zornig ihr sinn /
Wo Gott das hätt' zugeben :/:
Verschlungen hätten sie uns hin /
Mit gantzem leib und leben.
Wie wär'n als die ein fluth ersäufft /
Und über die groß wasser läufft /
Und mit gewalt verschwemmet.

3. GOtt lob und danck / der nicht zugab /
Daß ihr schlund uns mög' fangen :/:
Wie ein vogel des stricks kommt ab /
Ist unser seel entgangen.
Strick ist entzwey / und wir sind frey /
Des HErren namen steh uns bey /
Des Gott's himmels und erden.

steh

Suche das I. Gloria. [cf. n° 272]



312.) Voriger Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
279 312 323 320 320 320 320
p. 265 258 403 269 240 359 240

WO GOtt der HErr nicht bey uns hält
Wann uns're feinde toben :/:
Und er unser sach nicht zufällt /
Im himmel hoch dort oben.
Wo er Israels schutz nicht ist /
Und selber bricht der feinde list /
So ist's mit uns verlohren.

Wo Gott

2. Was menschen krafft und witz anfäht /
Soll uns billich nicht schrecken :/:
Er sitzet an der höchsten stätt /
Er wird ihr'n rath auffdecken.
Wann sie's auff's klügste greiffen an /
So geh't doch GOtt ein ander' bahn /
Es steh't in seinen händ .


billich

3. Sie wüten fast und fahren her /
Als wolten sie uns fressen :/:
Zu würgen steht all ihr begehr /
Gott's ist bey ihn'n vergessen.
Wie meeres wellen einher schlan /
Nach leib und leben sie uns stahn /
Deß wird sich GOtt erbarmen.

fast

  

Gottes
schlan

4. Sie stellen uns wie ketzern nach /
Nach unserm blut sie trachten :/:
Noch [p. 259] rühmen sie sich christen doch /
Die GOtt allein groß achten.
Ach GOtt ! der theure nahme dein
Muß ihrer schalckheit deckel seyn /
Du wirst einmahl aufwachen.

Ketzer

5. Auffsperren sie den rachen weit /
Und wollen uns verschlingen :/:
Lob und danck sey GOtt allezeit /
Es wird ihn'n nicht gelingen.
Er wird ihr' strick zerreissen gar /
Und stürtzen ihre falsche lahr /
Sie werden's GOtt nicht wehren.

Lahr

6. Ach HErr GOtt / wie reich tröstest du /
Die gäntzlich sind verlassen :/:
Der gnaden thür steht nimmer zu /
Vernunfft kan das nicht fassen.
Sie spricht : Es ist nun all's verlohr'n /
Da doch das creutz hat neu gebohr'n /
Die deiner hülff erwart .

erwarten

7. Die feind sind all in deiner hand /
Darzu all ihr' gedancken :/:
Ihr' anschläg' sind dir wohl bekandt /
Hilff nur / daß wir nicht wancken.
Vernunfft wider den glauben ficht /
Auff's künfftig' will sie trauen nicht /
Da du wirst selber trösten.

8. Den hi el und auch die erden
Hast du HErr GOtt gegründet :/:
Dein licht laß uns helle werden /
Das hertz uns werd entzündet
In rechter lieb des glaubens dein /
Biß an das end beständig seyn /
Die welt laß i er murren.

Erden


313.) Der 125. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
280 313 324 321 321 321 321
p. 266 259 405 270 241 361 241

NUn welche hie ihr hoffnung gar
Auff Gott den HErren legen :/:
Die bleiben stets unwandelbar /
Und lan sich nicht beweg .
Ihr glaub ist satt /
Kein mangel hat /
Von GOtt hat er die stärcke /
Darum spricht man :
Sie werd'n bestahn /
Gleichwie Sion der berge.

Nun welche

  

  

satt

  


Berge

2. Dann um die statt Jerusalem
Da ist gar viel gebürge :/:
Damit der feind kein'n zugang nehm /
Daß er sie nicht erwürge :
Also thut Gott
In aller noth
Sein gläubig volck umgeben /
Und bey ihm stahn /
Von jetzund an /
Und biß ins ewig' leben.

Denn um
Gebürge

3. GOtt ist gerecht und allweg gut /
Er wird auch nicht zulassen :/:
Der sünder und gottlosen ruth /
Uber die Gott's genossen.
Auf daß der g'recht
Nicht werd' verschmächt /
Daß er in sünd nicht falle
Mit seiner händ /
Das doch GOtt wend /
Behüt die frommen alle.

allweg

Rute

  

verschmächt

Händ
[p. 260]

4. O HErr / thu wohl den fro en all /
Die recht im glauben leben :/:
Die aber tretten in abfall /
Und sich in irrthum geben /
Die wird der HErr /
Verwerffen ferr /
Mit den sündern zerstören.
Aber ohn fehl
Hab Israel
Den frieden Gott's des HErren.



ferr

[Gloria]
[Ehr sey dem Vatter und dem Sohn/
Und auch dem heil'gen Geiste ;
Als es im anfang war / und nun. ;
Der uns sein gnade leiste :
Denn er allein
Uns in gemein
Mit überreichen gaben
An leib und seel /
Ohn alle fehl /
Hat gnädiglich erhaben.]

Gloria



314.) Der 127. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
281 314 326 323 323 323 323
p. 267 260 407 271 243 362 243

WO GOtt zum hauß nicht gibt sein gunst /
So arbeit't jederman umsonst /
Wo GOtt die statt nicht selbst bewacht /
So ist umsonst der wächter macht.

Wo Gott

2. Vergebens / daß ihr früh auffsteh't /
Darzu mit hunger schlaffen geh't /
Und ess't eu'r brod mit ungemach /
Dann wem's GOtt gönn't / gibt er's im schlaff.

3. Nun sind sein erben unser kind /
Die uns von ihm gegeben sind /
Gleichwie die pfeil in's starcken hand /
So ist die jugend GOtt bekandt.

Erben

4. Es soll und muß dem g'schehen wohl /
Der dieser hat sein'n köcher voll /
Sie werden nicht zu schand und spott /
Vor ihrem feind bewahr't sie GOTT.


dieser

Suche das XII. Gloria.
[Ehr sey dem Vatter und dem Sohn/
Sa t heil'gen Geist in einem thron :
Welch's ihm auch also sey bereit /
Von nun an biß in ewigkeit.]


Gloria


315.) Der 128. Psalm.  In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
282 315 327 324 324 324 324
p. 267 260 408 271 243 363 243

WOhl dem / der in GOttes furcht steht /
Und auch auff seinen wegen geht /
Dein' eigen' hand dich nehren soll /
So leb'st du recht und geh't dir wohl.

Wohl dem

2. Dein weib wird in dein'm hause seyn
Wie ein reben voll trauben fein /
Und dein' kinder um deinen tisch /
Wie öhlpflanzen gesund u  frisch.

3. Sih' so reich segen hang't dem an /
Wo in Gottesfurcht lebt ein ma  /
Von ihm laß't der alt' fluch und zorn /
Den menschen kindern angebor'n.


Wo
lasst

4. Auß Zion wird Gott segnen dich /
Daß du wirst schauen stetiglich
Das glück der statt Jerusalem /
Für GOtt in gnaden angenehm.

5. Fristen wird er das leben dein /
Und mit güte stets bey dir seyn /
Daß du wirst sehen kindes kind /
U  daß Israel friede find.

Suche das XII. Gloria.

Gloria

316.) Der 130. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
283 316 328 325 325 325 325
p. 267 260 408 272 243 363 243

AUß tieffer noth schrey ich zu dir /
HErr GOtt / erhör mein ruffen :/:
Dein gnädig ohren neig her zu mir /
Und meiner bitt sie öffen.
Da  [p. 261] so du wilt das sehen an /
Was sünd und unrecht ist gethan /
Wer kan / HErr / vor dir bleiben ?

Aus tiefer Not

2. Bey dir gilt nichts / da  gnad und gunst /
Die sünde zu vergeben :/:
Es ist doch unser thun umsonst /
Auch in dem besten leben.
Vor dir niemand sich rühmen kan /
Deß muß sich förchten jederman /
Und deiner gnade leben.

sich

3. Darum auff GOtt will hoffen ich /
Auff mein verdienst nicht bauen :/:
Auff ihn mein hertz soll lassen sich /
Und seiner güte trauen :
Die mir zusagt sein werthes wort /
Das ist mein trost und treuer hort /
Deß will ich all'zeit harr .


verdienst
lassen

4. Und ob es währt biß in die nacht /
Und wieder an den morgen :/:
Doch soll mein hertz an GOttes macht
Verzweiffeln nicht noch sorgen.
So thu' Israel rechter art /
Der auß dem geist erzeuget ward /
U  seines Gott's erharre.

Israel

  

erharre

5. Ob bey uns ist der sünden viel /
Bey GOtt ist vielmehr gnade :/:
Sein hand zu helffen hat kein ziel /
Wie groß auch sey der schade.
Er ist allein der gute hirt /
Der Israel erlösen wird
Auß seinen sünden allen.

Ob

Ziel

Suche das I. Gloria.

Gloria


317.) Voriger Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
284 317 329 326 326 326 326
p. 268 261 409 272 244 364 244

AUß der tieffen ruffe ich
Zu dir / HErr ! erhöre mich :
Deine ohren gnädig leih /
Merck die flehend stimm dabey.

Aus der Tiefe

2. Auß der tieffen ruffe ich /
Sünden gehen über mich :
Wilt du rechnen / HErr / mit mit /
So besteh' ich nicht vor dir.

3. Auß der tieffen ruffe ich ;
Will dann niemand hören mich ?
Ach ! so höre JEsu mein /
Du wirst ja der helffer seyn !

4. Auß der tieffen ruffe ich
Ach ! schon lang erbärmiglich !
Creutz und leiden halten an ;
JEsus mich d'rauß retten kan.


erbärmiglich

5. Auß der tieffen ruffe ich /
Warum / JEsu ! läst du mich ?
Ich harr' / warte / seufftze ach !
Biß zur andern morgen-wach.



harr', warte

6. Auß der tieffen ruffe ich :
JEsus gnade tröstet mich :
Ob es mir gleich gehet hart /
Ich doch der erlösung wart.


Jesus

7. Auß der tieffen ruffe ich :
JEsus wird erlösen mich /
JEsus machet / daß ich rein
Werd von allen sünden seyn.

8. Nunmehr hab ich außgerufft /
JEsus ko et /machet lufft.
Seele / [p. 262] schwing dich in die höh' /
Sage nun der welt : ade !

ausgeruft


318.) Voriges Lied mit der Antwort.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
640 318 330 327 327 327 327
p. 597 262 410 273 244 365 244

AUß der tieffen ruffe ich /
HErr /zu dir / erhöre mich :
Deine ohren gnädig leih /
Merck die flehend stimm dabey.

Aus der Tiefe

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Deine stimm beweget mich ;
Eh dein hertze zu mir schreyt /
Bin ich schon zur hülff bereit.

2. Auß der tieffen ruffe ich ;
Sünden gehen über mich !
Wilt du rechten / HErr / mit mit /
So besteh ich nicht für dir.



rechten

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Deine sünd vertilge ich /
Wann die sünden-angst dich schreckt /
Hab ich dich schon wohl bedeckt.

3. Auß der tieffen ruffe ich ;
Will sonst niemand hören mich ;
Ach ! so hör / o JEsu mein !
Du wirst ja der helffer seyn.


sonst

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Wa   du schreyest inniglich ;
Läßt dich jederman allein /
So will ich doch bey dir seyn.

4. Auß der tieffen ruffe ich
Ach ! schon lang gar ängstiglich ;
Creutz und leiden halten an /
JEsus mich erretten kan.

Antwort.
In der höh erhör ich dich ;
Druckt das creutz dich jä erlich /
Macht die noth dem hertzen bang /
Meine hülff verzeucht nicht lang.



druckt

5. Auß der tieffen ruffe ich /
Warum / JEsu ! läßst du mich !
Herr / ich warte seufftzend / ach !
Biß zur andern morgen-wach.

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Bleibe bey dir stetiglich /
Schreckt dich jetzt die creutzes-nacht /
Bald ein froher morgen lacht.

6. Auß der tieffen ruffe ich /
JEsus gnade tröste mich :
Ob es mir gleich gehet hart /
Ich doch der erlösung wart.


tröste

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Fahre fort zu lieben mich :
Augenblicklich ist dein leyd /
Mein trost währt in ewigkeit.

augenblicklich

7. Auß der tieffen ruffe ich /
JESUS wird erlösen mich /
JEsus machet / daß ich rein
Kan von allen sünden seyn.

kann

Antwort.
In der höh erhör ich dich /
Ich hab schon genädiglich
Meine lieb zu dir gewendt /
Freu dich ohne ziel und end.

8. Nunmehr hab ich außgerufft /
JEsus kommt und macht mir lufft. ;
Schwing dich / seele ! in die höh /
Sage zu der welt : ade !

Antwort.
Sage : welt ! hab gute nacht /
Bald werd ich dahin gebracht /
Wo ich in des himmels höh
Ewig GOtt zur rechten steh.


gute Nacht

9. Habe danck / mein seelen-freund /
Ders mit mir so treulich meynt ;
Nun laß ich von dir nicht ab /
Bleib mein freund biß in mein grab.

Habe Dank

Tröste mich in aller noth /
Stärcke mich in meinem todt /
sprich mir allzeit tröstlich zu /
JESU wahre seelen-ruh.

[p. 263]

319.) Der 133. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
285 319 331 328 328 328 328
p. 269 263 411 274 245 366 245

NUn sih' / wie fein und lieblich ist /
Recht brüderlich zu leben :/:
Nach einigkeit in JEsu Christ
Mit reinem hertzen streben.
Dann einerley gesinnet seyn /
Verschafft einander dulden fein /
Und von sich mässig halten /
Da will die lieb selbst walten.

Nun sieh

2. Es möcht so köstlich nimmer seyn
Die lieblich' balsam-salben :/:
Die Aaron floß vom haupt herein /
In bart und allenthalben /
Als köstlich ist die einigkeit
Der allgemeinen christenheit /
Auff Gottes wort gegründet /
Dergleichen man nicht findet.

In Bart

  

Dergleichen

3. Der edle thau vom berg Hermon
Kan nicht so gut fürko en :/:
Dem dürstigen gebürg Zion /
Als grossen lust und frommen
Bringt / durch des heil'gen Geistes krafft /
Ein solch' liebliche brüderschafft /
Bey allen Gottes kinden /
An heyl kan nichts erwinden.

Frommen

  

erwinden

4. Dann da will selbst der milde GOtt /
Sein'n segen lassen walten :/:
Mit trost und hülff in aller noth
Ob solchen tapffer halten.
Verheisset ferner auch darzu
In diesem elend gute ruh /
Und dort das ewig' leben
Durch Christum ihn'n zu geben.

selbst

  

ob solchen

Suche das VII. Gloria.

Gloria

[Ehr sey dem Vatter und dem Sohn /
Und auch dem heil'gen Geiste :/:
Als es im anfang war und nun /
Der uns sein gnade leiste.
Daß wir wandeln in seinem pfad /
Daß uns die sünd der seel nicht schad /
Nun stimmet all zusammen /
Und sprecht von hertzen : Amen.]



320.) Der 137. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
286 320 332 329 329 329 329
p. 269 263 412 274 246 367 246

AN wasserflüssen Babylon /
Da sassen wir mit schmertzen :/:
Als wir gedachten an Zion /
Da wäinten wir von hertzen.
Wir hiengen auf mit schwerem muth
Die orgeln und die harpffen gut /
An ihre bäum der weiden /
Die drinnen sind in ihrem land /
Da mußten wir viel schmach und schand
Täglich von ihnen leiden.

An Wasserflüssen

  

  

Harpfen

2. Die uns gefangen hielten lang /
So hart an selben orten :/:
Begehrten von uns ein gesang /
Mit gar spöttlichen worten.
Und suchten in der traurigkeit
Ein frölich g'sang / in unserm leid :
Ach lieber thut uns singen
Ein lobgesang / ein liedlein schon /
Von den gedichten auß Zion /
Das frölich thut erklingen.

  

Gesang
spöttlich

  

  

schon

3. Wie sollen wir in solchem zwang /
Und elend jetzt vorhanden :/:
Dem HErren singen ein gesang /
So gar in fremden landen ?
Jerusalem vergeß ich dein /
So wolle GOtt der rechten mein
[p. 264] Vergessen in mein'm leben /
Wann ich nicht dein bleib eingedenck /
Mein zung sich oben anehenck /
Und bleib am rachen kleben.

anehenk

4. Ja / wann ich nicht mit gantzem fleiß /
Jerusalem ! dich ehre :/:
Im anfang deiner freuden preiß /
Von jetzt und i er mehre.
Gedenck der kinder Edom sehr
Am tag Jerusalem / o HErr !
Die in ihr'r boßheit sprechen :
Reiß ab / reiß ab / zu aller stund /
Vertilg sie gar biß auff den grund /
Den boden woll'n wir brechen.

  

preis

5. Du schnöde tochter Babylon /
Zerbrochen und zerstöret :/:
Wohl dem / der dir wird geb'n den lohn /
Und dir das widerkehret /
Dein übermuth und schalckheit groß /
Und mißt dir auch mit solchem maß /
Wie du uns hast gemessen.
Wohl dem / der deine kindlein klein
Ergreifft und schlägt sie an ein'n stein /
Damit dein werd' vergessen.

einen Stein

Suche das VI. Gloria.

[Ehr sey dem Vatter und dem Sohn /
Und auch dem heil'gen geiste :/:
Als es im anfang war und nun /
Der uns sein gnade leiste.
Daß wir in diesem jammerthal
Von hertzen scheuen überall
Der welt gottloses leben /
Und streben nach der neuen art /
Darzu der mensch gebildet ward /
Wer das begehrt / sprech : Amen.]

Gloria


321.) Der 139. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
287 321 333 330 330 330 330
p. 270 264 414 275 246 368 246

HErr GOtt / der du erforschest mich /
Erkenn'st mein gantzes leben :/:
Mein auffstehen und sitzen / ich
Bekenn / von dir wird geben.
All' mein gedancken / so ich han /
Vor dir / o GOTT ! eröffnet stahn /
Erke 'st mein thun und lassen.
Dann du bist stets umb meinen pfad /
Der rings-weiß um mein lager gaht /
Spähst auß all meine strassen.

Herr Gott, der

  

wird geben

  

stahn

2. Es ist kein wort in meinem mund /
Noch red' auf meiner zungen :/:
Daß dir nicht alles vor sey kundt /
Eh' sie werd'n g'redt noch g'sungen.
Ich geh' / steh' / was ich immer thu /
So bist du da / und sih'st mir zu /
Ohn' dich nichts gut's vollbringe /
Du richt'st es dann vor in mir an /
Dein' hand mich kräfftig führt auff d'bahn /
Mir mag sonst nichts gelingen.

  

vor

  

ich geh

3. Ich bin zu schwach in mein'm verstand
Solch heimlichkeit zu 'rlangen :/:
Vernunfft treibt darauß nur ein tand /
Im glauben wird's empfang .
Wo soll ich hingeh'n vor dein'm geist /
Der aller hertzen g'dancken weißt /
Dein ang'sicht weiß mein fliehen /
Fahr ich gen hi  'l / so bist du da /
Auch in die höll und anderswo /
Kan mich dein nicht entziehen.


erlangen
Tand

  

weißt

4. Nehm ich flügel der [p. 265] morgenröth /
Und bleib am end des meeres :/:
Dein hand wird mich in aller noth
Erhalten und ernehren.
Sprech ich / finsterniß decken mich /
So gilt der tag und nacht dir gleich /
Die nacht leucht't wie der tage /
Bey dir finster nicht finster ist /
All heimlich' sünd zu aller frist
Dir niemand mag verschlagen.

decken

  

  

verschlagen

5. Mein nieren hast in deiner g'walt /
Auch all mein heimlich' lüste :/:
Wie ich in mutterleib war g'stalt /
Ohn mich hast's zugerüstet.
Dein rechte hand war stets ob mir /
Von hertzen-grund deß danck ich dir /
Dein'r wunderlichen thaten /
Damit du mich mach'st wundersam /
Mein seel' solch' gutthat wol vernahm /
Daß es gefiel dein'm rathe.

6. All mein gebein hast du gezehlt /
Da ich solt g'bildet werden :/:
Dein' augen auch auff mich gestellt /
Da ich lag in der erden :
In mutterleib noch unbereit /
Deß kein' vernunfft nicht weiß bescheid /
Mein tag' vor dir sind g'zehlet /
Darvon noch zu kein mensch mag thun /
In dein'm buch all geschrieben stehn /
Wie lang du's hast erwehlet.

in der Erde

  

zu... tun

7. Wie köstlich sind vor mir / o GOtt /
Dein vielfältig' gedancken :/:
Ihr summ des sand's am meere hat /
Von dir werd' ich nicht wancken.
So ich vom tod auch sonst aufwach /
Dein g'nad mich halt in aller sach /
Bey dir werde ich bleiben /
Die gottloß rott / o höchster GOtt /
Die tödt / tilg auß / und mach zu spott /
Das blut-volck gar vertreibe.

  

ihr Summ

vom Tod

  

  

Blut-Volk

8. Sie reden stets unrecht von dir /
Was dient zu ihren sachen :/:
So bald dein wort will klar herfür /
Ohn ursach sich aufmachen.
Ich haß ja / Herr / die hässer dein /
Die dir und dein'm wort z'wider seyn /
Darwider allzeit streben /
Darum sie mir all werden feind /
Viel schmach und leids erzeigend seynd /
Woll'st mir das siegen geben.


  

aufmachen

9. Erforsch mich / HErr / erfahr mein hertz /
Versuch all mein gedancken :/:
Und sih' ob mein thun hinterwerts /
Auf einig seit woll' wancken.
Ob ich sey g'tretten ab der bahn /
Laß mich / o Gott / nicht fürbaß gahn /
Auff rechten weg mich leite /
Der dir gefall und ewig sey /
Mein g'wissen / [p. 266] leib und seel dir frey /
Ewig stets sey bereitet.


  

einig Seit

  



frei

Suche das VI. Gloria.

Gloria

Der 143. Psalm.

322.) Mel. Auß tieffer noth schrey ich zu dir / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
288 322 335 332 332 332 332
p. 272 266 418 278 249 372 249

HERR / höre meinem betten zu /
Verni   mein kläglich flehen /
De  warhafft und gerecht bist du /
Wie wir vor augen sehen :
Doch geh' nicht ins gericht mit mir /
Denn kein mensch lebet / der vor dir
Kan als gerecht bestehen.

Herr, höre

2. Der feind verfolget meine seel /
Und schlägt zur erd mein leben /
Legt mich in eine finstre höl /
Als die vom todt umgeben :
Die angst des geist's sich in mir mehrt /
Mein hertz im leib ist mir verzehrt /
Und kan nichts mehr als beben.

umgeben

3. Offt denck ich an die vor'ge zeit /
Ich red' von deinen thaten /
Von wercken / welche weit und breit
Sind deiner hand gerathen :
Mein' hände breit ich auß zu dir /
Nach dir dürst meine seel in mir /
Als wie die dürr   saaten.

4. Erhör mich / HErr / erhör mich bald /
Mein geist will mir vergehen /
Laß deine freundliche gestalt /
Dein antlitz laß mich sehen /
Noch hier in diesem gnaden-reich /
Daß ich nicht denen werde gleich /
Die in der grube stehen.

5. Darum laß früh / laß zeitig mich /
HErr / deine gnade hören /
Du wirst / dieweil ich hoff auff dich /
Mir kundt thun und mich lehren
Den weg / darauff ich gehen soll /
Weil mein hertz ist verlangens voll
Allein dich zu begehr .

Verlangens

6. GOTT / meine zuflucht / rette mich
Von meinen feinden allen /
Lehr mich / daß ich thu stetiglich
Nach deinem wolgefallen :
Dein guter geist / auß lauter gnad /
Mich führe stets auff eb'nem pfad /
Sonst müßt' ich irrig wallen.

7. Erquicke mich / mein HErr / mein GOtt /
Um deines nahmens willen /
Führ meine seel auß noth und spott /
Ich weiß / du wirst sie stillen. 
Weil du liebst die gerechtigkeit /
Drum wirst du mich / nach meinem leyd /
Mit fried und ruh erfüllen.

8. Doch bitt ich vor mich keine rach /
Denn dir nur rach gebühret /
So weit es aber deine sach /
Die von dir wird gefüh-[p. 267]ret /
Wirst du behaupten deine ehr /
Damit dein ruhm je mehr und mehr
Auff erden werd gespüret.

Suche das I. Gloria. [cf. n° 272]


Der 145. Psalm.

323.) Mel. Nun freut euch lieben christen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
289 323 336 333 333 333 333
p. 273 267 420 279 250 373 250

MEin GOtt und könig / deine güt
Will ich mit lob erheben :
Ich will auß freudigem gemüth
In meinem gantzen leben /
GOtt / alle tage preisen dich /
Und deinen nahmen ewiglich
Vor jederman erhöhen.

Mein Gott

2. Sehr groß und löblich / HErr / du bist /
In nöthen kanst du rathen ;
Dein grösse unaußsprechlich ist /
Es werden deine thaten
Gepreiset noch von kindes-kind :
Denn man sie allenthalben findt
Voll stärcke / güt und weißheit.

3. Ich will dein lob mit meinem mund
Nun und zu allen zeiten /
Auch inniglich von hertzen-grund
Vermehren und außbreiten :
Ich will von deiner ehr und pracht /
Von deiner grossen wunder-macht /
So lang ich lebe / reden.

4. Du bist voll gnade / lieb und treu /
Der frommen zu verschonen /
Und gleichwol auch gerecht dabey /
Die bösen abzulohnen.
Der HErr ist voll barmhertzigkeit /
Gedultig / gütig allezeit /
Wenn man ihm recht vertrauet.

abzulohnen

5. Er ist genädig jederman /
Und hilffet gern den armen /
Ni  t aller seiner werck sich an /
Durch vätterlichs erbarmen :
Durch seine allmacht er erhält /
Was hier in dieser gantzen welt
Sich regt / bewegt und lebet.

6. HErr / deine werck und dein gewalt /
Soll hie bey uns auff erden /
Den menschen kindern ma igfalt
Bekannt gemachet werden.
Dein reich / Gott / ist ein ewig reich /
Und deiner herrschafft ist nichts gleich :
Sie bleibet jetzt und ewig.

Strophe 6

Menschen Kindern

7. Der HErr verstößt die sünder nicht /
Wann sie den fall beklagen /
Die werden von ihm auffgericht /
Die nieder seynd geschlagen :
In keiner noth er sie verläst /
Die sich an ihn ergeben fest /
Und hülffe bey ihm such .


Fall

8. HErr / aller augen warten dein /
Du gibest ihnen speise /
Zur rechten zeit / daß in gemein
Man dich / o vatter preise /
Du thust auff deine milde [p. 268] hand /
Und sättig'st alles in dem land
Mit lust und wolgefallen.

9. Groß ist der HErr / und gantz gerecht /
In allen seinen wegen /
Drum segnet er auch das geschlecht /
Das geh't auff seinen stegen :
Und wie er heilig ist und rein /
So liebet er auch die allein /
Die heilig vor ihm wandeln.

10. Der HErr ist allen denen nah' /
Die flehend vor ihn tretten :
Er ist bey allen denen da /
Die ihn mit ernst anbetten.
Der frommen schreyen GOtt erhört /
Und ihrer bitte sie gewehrt /
Er läßt sie hülffe finden.

gewehrt

11. Der HErr in gnaden die bewahrt /
Die ihn von hertzen lieben /
Vertilget auch die böse art /
Die fro  e leut betrüben :
Mein mund soll stets nach seinem wort /
Auch alles fleisch wird i  erfort
Des HErren nahmen loben.

soll, wird

† 12. GOtt Vatter / Sohn und heil'ger Geist /
Ohn anfang und ohn ende /
Der du viel gutes mir erweist /
Durch allmacht deiner hände ;
Sey von mir jetzt und allezeit /
Von nun an biß in ewigkeit /
Gelobet und gepreiset.

Gloria

Der 146. Psalm.

324.) Mel. Wir dancken dir / HErr JEsu &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
290 324 337 334 334 334 334
p. 274 268 421 280 251 374 251

O Meine seel / des HErren preiß
Vermehre stets mit allem fleiß /
Durch psalmen und durch lobgesang
Erhebe GOtt dein lebenlang /
Alleluja.

O meine Seel

  

lebenlang

2. Ich will / so lang ich athem hab /
Und biß ich scheid von hinnen ab /
Des HErren lob mit meinem mund
Außbreiten stets von hertzen grund /
Allel.


scheide... ab

  

Allel.

3. Verlaßt euch doch auff fürsten nicht /
Setz't nicht auff sie eu'r zuversicht /
Dann sie nicht mehr als menschen sind /
Bey denen keine hülff sich find't /
Allel.

4. Der mensch ist ja nur erd und thon /
Hie muß er auch gar bald davon :
Da ligen dann zu einem mal
Im staube seine anschläg all /
Allel.

Anschläge

5. Wohl dem hingegen / der sich fest
Auff seinen HErrn und Gott verläst /
Deß hülffe der GOtt Jacob ist /
Den er anruff't zu aller frist /
Allel.

6. Er hat ja himmel / erd und meer /
Gemacht mit allem ihrem heer :
Wer nur auff ihn verlässet sich /
Dem hält er glauben ewiglich /
Allel.

hält Glauben

[p. 269]
7. Er hilffet denen / so gewalt
Und unrecht leiden ma igfalt :
Er speißt die hung'rigen mit brod /
Und wendet der gefang'nen noth /
Allel.

8. Der HERR macht sehen blinde leut /
Er liebt und schützt gerechtigkeit.
Was nidrig ist und bey der erd /
Das richt't er auff und macht es werth /
Alleluja.

9. Die fremdlinge durch seine güt /
Die wäisen gleichfalls er behüt /
Die wittwen er im trauerstand
Errettet von gottloser hand /
Allel.

10. So führt der HErr sein reich allhier /
Und bleibet könig für und für :
Drum jederman sein lob erklingt /
Und frölich Alleluja singt /
Alleluja.

erklingt

325.) Der 147. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
291 325 338 335 335 335 335
p. 274 269 422 281 251 375 251

LObet den HErren /
Lobet den HErren / dann er ist sehr freundlich /
Es ist sehr köstlich unsern Gott zu loben /
Unsern Gott zu loben.
Sein lob ist schön und lieblich anzuhören.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.

Lobet den Herren

2. Singt gegn einander /
Singt gegn einander dem HErren mit dancken /
Lobt ihn mit harpffen / unsern GOtt den werthen /
Unsern GOtt den werthen :
Dann er ist mächtig und von grossen kräfften.
Lobet den HErren /
Lobet den HErrren.

3. Er kan den himmel /
Er kan den himmel mit wolcken bedecken /
Er gibt den regen Wann er will auff erden /
Wann er will auff erden.
Er läßt graß wachsen hoch auff dürren bergen.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.

4. Der allem fleische /
Der allem fleische gibet seine speise /
Dem vieh sein futter / vätterlicher weise /
Vätterlicher weise /
Den jungen raben / die ihn thun anruffen.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.

5. Er hat kein luste /
Er hat kein luste an der stärck des rosses /
Noch wolgefallen an jemandes beinen /
An jemandes beinen.
Er hat gefall'n an den'n / die auff ihn trauen.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.

6. Dancket dem HErren /
Dancket dem HERREN /
Schöpffer aller dinge /
Der brunn des lebens thut auß ihm entspringen /
Thut auß ihm entspringen /
Gar hoch vom himmel her auß seinem hertzen.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.

7. O JEsu Christe /
O JEsu Christe /
Sohn des Allerhöchsten /
Gib du die gnade allen frommen christen /
Allen frommen christen /
Daß sie dein namen ewig preisen Amen.
Lobet den HErren /
Lobet den HErren.


326.) Der 150. Psalm.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
292 326 339 336 336 336 336
p. 275 269 423 282 252 376 252

WAs lebet
Und schwebet /
Was athem nur hat /
Soll preisen
Mit wei-[p. 270]sen
Die göttliche gnad /
O singet
Und klinget
Auff cimbelen schön /
Laßt hallen
Und schallen
Ein lieblich gethön.

Was lebet

  

  

  

  

cimbelen

2. Was gehet /
Was stehet
Auff erden umher /
Was wi et /
Was schwimmet
In bächen und meer /
Was hecket /
Was stecket /
Was flieget herein /
In lüfften
Und klüfften /
Hier alles erschein.


  

wimmet

  

hecket

3. Ihr wälder /
Ihr felder /
Ihr stauden und bäum /
Ihr gräslein /
Ihr röslein /
Sich keines versäum :
Es sause /
Es brause
Wind / feuer und see /
Sein' ehre
Vermehre
Erd / hagel und schnee.

Röslein

  

4. O sonne /
Du wonne /
Du freude der welt /
Ihr sternen
Von fernen
An himmel gestellt /
Ihr geister /
Ihr meister
Der hi lischen heer /
Helff't loben
GOtt oben /
Je länger je mehr.

An Himmel

  

5. Ihr richter /
Ihr dichter /
Weib / kinder und ma  /
Fallt nieder /
Singt lieder /
Und bettet GOtt an /
Laßt hören /
Zu ehren
Der göttlichen macht /
Gesänge /
Geklänge /
Mit herrlichem pracht.

Pracht

6. Laßt geben
Das leben
Der orgelenwerck /
Erregets /
Bewegets
Durch Aeolus stärck /
Im greiffen
Der pfeiffen
Braucht künstliche wahl /
Laßt summen /
Laßt brummen /
Das grosse pedal.

Aeolus

  

  

große

7. Laßt girren /
Laßt zwirren
Das vogel-geschrey /
Trompeten /
Corneten /
Posaunen darbey /
Laßt schreyen
Schalmeyen /
Fagotten und stort /
Rageten
Mit flöten
Blaßt immer mit fort.

Stort

  



8. Auff geigen
Und reigen
Braucht künstlichen fleiß /
Helft rühren
Die lyren
Dem Höchsten zum preiß /
O ko et !
O ko et !
Versäumet euch nicht /
Helfft schliessen /
Versüssen
Das neue gedicht.

  

künstlichen

Lyren

  


versäumet

9. Helfft hallen /
Helfft schallen /
Auff cimbelen schön /
Helft singen /
Helft klingen
Ein lieblich gethön /
Helfft preisen
Mit weisen
Die göttliche gnad /
Erhebet /
Was lebet /
Was athem nur hat.


Lehr-Gesänge.

327.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
293 327 340 337 337 337 337
p. 276 270 424 283 253 377 253

DUrch Adams fall ist gantz verderbt
Menschlich' natur und wesen :/:
Dasselb' gifft ist auff uns geerbt /
Daß wir nicht konten g'nesen /
Ohn GOttes trost /
Der uns [p. 271] erlöst
Hat von dem grossen schaden /
Darein die schlang
Evam bezwang /
Gott's zorn auff sich zu laden.

Durch Adams

2. Weil da  die schlang Evam hat bracht /
Daß sie ist abgefallen :/:
Von Gottes wort / welch's sie veracht /
Dadurch sie in uns allen
Bracht hat den tod /
So war je noth /
Daß uns auch GOTT solt geben
Sein'n lieben sohn /
Den gnaden thron /
In dem wir möchten leben.

je

  

Gnadenthron

3. Wie uns nun hat ein fremde schuld
In Adam all' verhönet :/:
Also hat uns ein fremde huld
In Christo all versöhnet.
Und wie wir all /
Durch Adams fall /
Sind ewig's tods gestorben :
Also hat Gott /
Durch Christi todt /
Erneur't / was war verdorben.


verhöhnet

  


ewigs tods

4. So er uns da  sein'n sohn hat g'schenckt /
Da wir sein' feind noch waren :/:
Der für uns ist an's creutz gehenckt /
Getödt't / gen himmel g'fahren :
Dadurch wir seyn
Vom todt und pein
Erlös't / so wir vertrauen
In diesen hort /
Des vatters wort /
Wem wolt für sterben grauen ?


Feinde noch
gehenkt

  

  


Wort

5. Er ist der weg / das licht / die pfort /
Die warheit und das leben :/:
Des vatters rath und ewig's wort /
Den er uns hat gegeben
Zu einem schutz /
Daß wir mit trutz
An ihn vest sollen glauben /
Da[rum] uns bald
Kein macht noch g'walt
Auß seiner hand wird rauben.


Pforte

  

  


Darum

6. Der mensch ist gottloß und verflucht /
Sein heyl ist auch noch ferren :/:
Der trost bey einem menschen sucht /
Und nicht bey GOtt dem HErren.
Da  wer ihm will
Ein ander ziel
Ohn diesen tröster stecken /
Den mag gar bald /
Des teuffels g'walt /
Mit seiner list erschrecken.



der

ihm

7. Wer hofft in GOtt und dem vertraut /
Der wird ni er zu schanden :/:
Dann wer auff diesen felsen baut /
Ob ihm gleich geht zu handen
Viel unfall hie
Hab ich doch nie
Den menschen sehen fallen /
Der sich verläßt
Auff GOttes trost /
Er hilfft sein'n gläub'gen allen.


  

zuhanden

8. Ich bitt / o HErr / auß hertzen-grund /
Du woll'st nicht von mir nehmen :/:
Dein heilig's wort auß meinem mund /
So wird mich nicht beschämen
Mein' sünd und schuld /
Dann in dein' huld
Setz [p. 272] ich all mein vertrauen /
Wer sich nun fest
Darauff verläst /
Der wird den tod nicht schauen.

9. Mein'n füssen ist dein heilig's wort
Ein brennende lucerne :/:
Ein licht / das mir den weg weißt fort /
So dieser morgensterne
In uns aufgeht /
So bald versteht
Der mensch die hohe gaben /
Die Gottes geist
Den'n g'wiß verheist /
Die hoffnung darein haben.


Luzerne

so

328.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
294 328 341 338 338 338 338
p. 277 272 426 284 254 379 254

ES ist das heyl uns kommen her
Von gnad und lauter güte :/:
Die werck die helffen nimmermehr /
Sie mögen nicht behüten.
Der glaub sih't JEsum Christum an /
Der hat g'nug für uns all' gethan /
Er ist der mittler worden.

Es ist das Heil

2. Was GOtt im g'setz gebotten hat /
Da man es nicht konnt halten :/:
Erhub sich zorn und grosse noth
Vor GOtt so mannigfalte.
Vom fleisch wolt' nicht herauß der geist /
Vom g'setz erfordert allermeist /
Es war mit uns verlohren.



erhub
  
der Geist

3. Es war ein falscher wahn darbey /
GOtt hätt sein g'setz drum geben :/:
Als ob wir möchten selber frey
Nach seinem willen leben.
So ist es nur ein spiegel zart /
Der uns zeigt an die sündig' art /
In unser'm fleisch verborgen.

falscher Wahn

möchten

so

4. Nicht möglich war dieselbig' art /
Auß eig'nen kräfften lassen :/:
Wiewol es offt versuchet ward /
Noch mehrt sich sünd ohn massen.
Dann gleißners werck Gott hoch verda t /
Und jedem fleisch der sünden schand
Allzeit war angebohren.


lassen

noch
Gleißner
jedem

5. Noch mußt' das g'setz erfüllet seyn /
Sonst wär'n wir all' verdorben :/:
Darum schickt' GOtt sein'n sohn herein /
Der selber mensch ist worden.
Das gantz' gesetz er hat erfüllt /
Damit sein's vatters zorn gestillt /
Der über uns gieng alle.

6. Und wann es nun erfüllet ist /
Durch den / der es kont halten :/:
So lerne jetzt ein frommer christ
Des glaubens recht' gestalte :
Nicht mehr dann lieber HErre mein /
Dein todt wird mir das leben seyn /
Du hast vor mich bezahlet.

Nicht mehr


7. Daran ich keinen zweiffel trag /
Dein wort kan nicht betriegen :/:
Nun sag'st du / daß kein mensch verzag /
Das wirst du [p. 273] ni er lügen.
Wer glaubt an mich / und wird getaufft /
Demselben ist der himm'l erkaufft /
Daß er nicht werd' verlohren.


betriegen

lügen

8. Er ist gerecht vor GOtt allein /
Der diesen glauben fasset :/:
Der glaub gibt auß von ihm den schein /
So er die werck nicht lasset.
Mit GOtt der glaub ist wohl daran /
Dem nächsten wird die lieb gut's thun /
Bist du auß GOTT gebohren.

Er... allein

  

nicht lasset

9. Es wird die sünd durch's g'setz erka t /
Und schlägt das g'wissen nieder :/:
Das Evangelium ko t zu hand /
Und stärckt den sünder wieder.
Es spricht : nur kreuch zum creutz herzu /
Im g'setz ist weder rast noch ruh' /
Mit allen seinen wercken.



zu Hand

10. Die werck die kommen g'wißlich her
Auß einem rechten glauben :/:
Wann das nicht rechter glauben wär /
Woll'st ihn der werck berauben.
Doch macht allein der glaub gerecht /
Die werck die sind des nächsten knecht /
Darbey wir'n glauben merck .



Wann

11. Die hoffnung wart't der rechten zeit /
Was GOttes wort zusaget :/:
Wann das geschehen soll zur freud /
Setzt Gott kein g'wisse tage.
Er weiß wol / wann's am besten ist /
Und braucht an uns kein arge list /
Deß soll'n wir ihm vertrauen.

12. Ob sich's anließ als wolt' er nicht /
Laß dich es nicht erschrecken :/:
Dann wo er ist am besten mit /
Da will er's nicht entdecken.
Sein wort laß dir gewisser seyn /
Und ob dein hertz sprech lauter nein /
So laß doch dir nicht grauen.

sich anließe

mit

* 13. Sey lob und ehr mit hohem preiß /
Um dieser (aller) gutthat willen :/:
GOTT Vatter / Sohn u  heil'gem Geist /
Der woll mit gnad erfüllen /
Was er in uns ang'fangen hat /
Zu ehren seiner majestät /
Daß g'heiligt werd sein name.

Sei Lob
dieser/aller

erfüllen

14. Sein reich zuko  / sein will auff erd
G'scheh wie ins hi els throne :/:
Das täglich brod ja heut uns werd /
Woll'st unser schuld verschonen /
Als wir auch unsern schuld'gern thun /
Laß uns nicht in versuchung stahn /
Löß uns vom übel / Amen.


329.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
295 329 342 339 339 339 339
p. 279 273 429 285 255 382 255

NUn freut euch lieben christen g'mein /
Und laßt uns frölich [p. 274] springen :/:
Daß wir getrost und all in ein /
Mit lust und liebe singen /
Was GOtt an uns gewendet hat /
Und seine grosse wunderthat :
Gar theu'r hat er's erworben.

Nun freut euch

  


  

große

2. Dem teuffel ich gefangen lag /
Im tod war ich verlohren :/:
Mein sünd mich quälte nacht und tag /
Darinn ich war gebohren.
Ich fiel auch immer tieffer drein /
Es war kein gut's am leben mein /
Die sünd hat mich besess .

3. Mein gute werck die galten nicht /
Es war mit ihn'n verdorben :/:
Der frey' will hasset Gott's gericht /
Er war zum gut'n erstorben.
Die angst mich zu verzweiffeln treib /
Daß nichts dann sterben bey mir bleib /
Zur höllen must ich sincken.

treib / bleib

  

4. Da ja ert GOtt in ewigkeit
Mein elend üb'r die massen :/:
Er dacht' an sein' barmhertzigkeit /
Er wolt' mir helffen lassen.
Er wandt' zu mir sein vatter-hertz /
Es war bey ihm fürwahr kein schertz /
Er ließ sein bestes kosten.

er ließ

5. Er sprach zu seinem lieben sohn :
Die zeit ist hie zu'rbarmen :/:
Fahr hin mein's hertzens werthe kron /
Und sey das heyl der armen :
Und hilff ihn'n auß der sünden-noth /
Erwürg für sie den bitter'n todt /
Und laß sie mit dir leben.

der Armen

6. Der sohn dem vatter g'horsam ward /
Er kam zu mir auff erden :/:
Von einer jungfrau rein und zart /
Er wolt' mein bruder werden.
Gar heimlich führt er sein' gewalt /
Er gieng in einer armen g'stalt /
Den teuffel wolt' er fangen.

7. Er sprach zu mir : halt dich an mich /
Es soll dir jetzt gelingen :/:
Ich geb mich selber gantz für dich /
Da wil ich für dich ringen :
Da  ich bin dein / und du bist mein /
Und wo ich bleib / da solt du seyn /
Uns soll der feind nicht scheiden.

8. Vergiessen wird man mir mein blut /
Darzu mein leben rauben :/:
Das leid ich alles dir zu gut /
Das halt mit vestem glauben.
Den todt verschlingt das leben mein /
Mein' unschuld trägt die sünde dein /
Da bist du selig worden.

man

9. Gen himmel zu dem vatter mein
Fahr ich auß diesem leben :/:
Da will ich seyn der meister dein /
[p. 275] Den geist will ich dir geben /
Der dich in trübsal trösten soll /
Und lehren mich erkennen wohl /
Und in der wahrheit leiten.



Trübsal

10. Was ich gethan hab und gelehrt /
Das solt du thun und lehren :/:
Damit das reich Gott's werd gemehrt /
Zu lob und seinen ehren /
Und hüt' dich vor der menschen g'satz /
Darvon verdirbt der edle schatz /
Das laß ich dir zur letze.

Zu Lob

  

zur Letze

330.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
296 330 343 340 340 340 340
p. 280 275 431 286 256 384 256

HErr Christ der einig' GOttes sohn /
Vatters in ewigkeit :/:
Auß seinem hertz'n entsprossen /
Gleichwie geschrieben steht :
Er ist der morgensterne /
Sein'n glantz streckt er so ferne /
Für andern sternen klar.

Herr Christ

  




streckt

2. Für uns ein mensch gebohren
Im letsten theil der zeit :/:
Der mutter unverlohren
Ihr jungfräulich keuschheit :
Den todt für uns zerbrochen /
Den hi el aufgeschlossen /
Das leben wiederbracht.



unverloren

3. Laß uns in deiner liebe
Und erka tnuß nehmen zu :/:
Daß wir im glauben bleiben /
Und dienen im geist so /
Daß wir hie mögen schmecken
Dein süssigkeit im hertzen /
Und dürsten stets nach dir.


Erkanntnus

4. Du schöpffer aller dinge /
Du vätterliche krafft :/:
Regier'st von end zu ende
Kräfftig auß eig'ner macht :
Das hertz uns zu dir wende /
Und kehr ab unser' sinne /
Daß sie nicht irr'n von dir.

kehr ab

5. Ertödt' uns durch dein' güte /
Erweck' uns durch dein' gnad :/:
Den alten menschen kräncke /
Daß der neu' leben mag /
Wohl hie auff dieser erden /
Den sinn und all begehrden /
Und g'dancken han zu dir.

ertöt uns

  


Begehrden

* 6. Danck / lob / preiß / ruhm und ehre
Sey Gott in ewigkeit /
Für seine süsse lehre /
Die er uns hat bereit
Auß sein'm göttlichen munde :
Der helff uns alle stunde /
Er helff zur seligkeit.

Dank, Lob...
Lied / Cantique 331