Cantique / Lied 330

331.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
297 331 344 341 341 341 341
p. 281 275 432 287 257 384 257

ALso hoch hat GOtt geliebet
Dich / du arge böse welt :/:
Daß er seinen sohn dir gibet /
Als ein theures löse-gelt ;
Auf daß du und jederman /
Der ihn ni t mit glauben an /
Nicht mit dem verda ten hauffen
Dörffte nach der hölle lauffen.

Also hoch

  




dürfte

2. Sondern daß er ewig [p. 276] lebe /
Und dort in der seligkeit :/:
Mit und bey den engeln schwebe /
Vor dem HErren allezeit.
Denn GOTT hat auß seinem thron
Darum nicht gesandt den sohn /
Daß er soll die menschen richten 
Und verdammen : nein / mit nichten.

richten

  

3. Vielmehr soll er selig machen
Jederman der sich bekehrt :/:
Und sich auß des teuffels rachen
Hertzlich wünschet und begehrt.
Wer beständig glaubt an ihn /
Hat das leben zum gewinn :
Wer nicht glaubet / der wird müssen
Vor gerichte steh'n und büssen.

4. Darum selig ist / der gläubet
An den theuren GOttes-sohn :/:
Und bey ihm beständig bleibet ;
Wie auff ihn die vätter schon
Ihre hoffnung auch gesetzt /
Und an ihm ihr hertz ergetzt :
Darum auch auß ihrem orden
Jederman ist selig worden.

selig ist

  

5. Diß ist aber das gerichte /
Und der welt ihr untergang :/:
Daß sie zu dem hellen lichte
Sich nicht kehren will mit danck /
Das doch wendet spat und früh
Seinen gnaden-glantz auf sie /
Sie will nicht vom bösen lassen /
Drum pflegt sie das licht zu hassen.

6. Wer das arge thut mit freuden /
Der ist auch des lichtes feind :/:
Daß er nicht dürff straffe leiden /
Weil die wercke böse seynd.
Wer die warheit liebt und übt /
Und der tugend sich ergibt /
Der läßt seine wercke sehen :
Denn sie sind in Gott geschehen.


332.) Im Thon : Mag ich unglück nicht widerstan &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
298 332 345 342 342 342 342
p. 282 276 433 288 258 385 258

HErr / ich beke   von hertzen-grund /
Auch mit dem mund /
Nichts soll mich davon wenden :
Daß niemand sonst mein heyland ist /
Als JEsus CHrist /
Der wahre GOtt ohn ende :
Der mir zu gut
Mein fleisch und blut
Genommen an :
Drum er nicht kan
Mich armen sünder hassen.

Herr, ich bekenn

  

2. Gebohrn ist er ein kleines kind
Für meine sünd /
In windeln eingehüllet.
Die jugend mit mühseligkeit
Armuth und leid
Ist worden gantz erfüllet /
Er hat gewacht /
Sich matt gemacht /
Er ward gestäupt /
Sein heilig häupt
Mit dornen scharff gekrönet.

gestäupt

  

3. Er ward ans creutzes-holtz gehenckt /
Mit gall getränckt /
Und fiel in todes-banden ;
Doch wiederum am drittten tag
Nach seiner plag
Ist er vom todt erstanden /
Mit herrlichkeit
Zur hi els-freud
Gegangen ein /
Frey aller pein /
Gesetzt zu deiner rechten.

[p. 277]
4. So schaue deinen sohn doch an /
Was er gethan :
Laß mich in ihm gnad finden.
Du hast mich armen nicht veracht /
Gantz frey gemacht
Von meinen schweren sünden.
Durchs sohnes todt
Den knecht auß noth
Hast du erlöst /
Wer sich des tröst /
Den kanst du nicht verdammen.

5. Der treue hirt jetzt ko t vor dich /
Und träget mich
Das schaaf auff seinem rücken :
Das schaaff / das gantz verirret war /
Gieng mit gefahr /
Es war in satans stricken :
Das hat er bracht
Auß eigner macht /
Wie du begehrt /
Zu deiner heerd /
Zur heerde der gerechten.

6. Mich / den die welt gantz listiglich
Von dir zu sich
Mit ihrer list gezogen /
Bringt jetzt dein sohn in deinen schooß
Von sünden loß /
Auß lieb hierzu bewogen.
Ich war sehr weit
Durch eitelkeit /
In vollem trab
Gewichen ab :
Jetzt bin ich dir nachkommen.

7. Was satanas auß bösem sinn
Geraubet hin /
Und von dir weg getrieben :
Das bringt dein sohn zu deiner heerd /
Aufs neu bekehrt /
Zu denen / die dich lieben.
Er stellet dir
Jetzt wieder für
Dein kind / das sich
Muthwilliglich
Von dir verlauffen hatte.

8. Also hab ich nun gnad / o GOtt /
Durch Christi todt /
Den er für mich erduldet.
Und ob ich wol bey mir befind /
Daß meine sünd
Die höllen-pein verschuldet :
So hab ich doch
Die hoffnung noch
Durch deinen sohn /
Den gnaden-thron /
Ich werd nicht seyn verlohren.

Gnadenthron
  

9. Die thür zum schönen paradieß
Hat er gewiß
Durch sein blut aufgeschlossen /
Das auß den wunden mildiglich
Am creutze sich
Mit strömen hat ergossen.
Ich glaube fest /
Daß du nicht läst /
O fro er GOtt /
In angst und noth /
Der diß mit glauben fasset.

333.) Im Thon : Ach GOtt vom himmel sih &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
299 333 346 + Anh121 343 343 343 343
p. 283 277 435 + Anh184 289 259 387 259

WAnn dein hertzliebster sohn / o Gott /
Nicht wär auf erden kommen :
Und hätt' / da ich in sünden todt /
Mein fleisch nicht angenommen :
So müßt' ich armes würmelein
Zur höllen wandern in die pein /
Um meiner unthat willen.

Wenn dein

  

  


Untat

2. Jetzt aber hab ich ruh und rast /
Darff nimmermehr verzagen :
Weil er die schwere sünden-last
Für mich hat selbst getragen
Er hat mit dir versöhnet mich /
Da er am creutz ließ tödten sich /
Auff daß ich selig würde.


darf

3. Drum ist getrost mein hertz und muth /
Mit kindlichem vertrauen :
Auf diß sein rosinfarbes blut
Will ich mein hoffnung bauen /
Das er für mich vergossen hat /
Gewaschen ab die missethat /
Daß ich schnee-weiß bin worden.



rosinfarb

  

schneeweiß

4. In seinem blut erquick ich mich /
Und komm zu dir mit freuden.
Ich su-[p. 278]che gnad demüthiglich :
Von dir soll mich nichts scheiden.
Was mir erworben hat dein sohn /
Durch seinen todt und marterkron /
Kan mir der feind nicht rauben.



demütiglich

  

der Feind

5. Nichts hilfft mich die gerechtigkeit /
Die vom gesetz herrühret :
Wer sich in solchem werck erfreut /
Wird jämmerlich verführet.
Des HErren JEsu werck allein /
Das machts / daß ich kan selig seyn /
Weil ich fest an ihn glaube.

mich

† 6. GOtt Vatter / der du alle schuld
Auff deinen Sohn geleget :
HErr JEsu / dessen lieb und huld
All meine sünde träget :
O heil'ger Geist / deß gnad und krafft
Allein das gute in mir schafft :
Laß mich an's end beharren.

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Bett-Lieder.

334.) Mel. Nun dancket alle GOtt / mit &c.
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
651 334 347 344 344 344 344
p. 606 278 436 290 259 388 259

WOhl auf mein hertz ! zu GOTT dein' andacht frölich bringe :/:
Daß dein wunsch und gebett durch alle wolcken dringe /
Weil dich GOtt betten heist / weil dich sein lieber sohn
So freudig betten heist vor seinem gnaden-thron.

Wohlauf

  

Gnadenthron

2. Dein Vatter ist's / der dir befohlen hat zu betten :/:
Dein bruder ists / der dich vor ihn getrost heist tretten :
Der werthe tröster ists / der dir die wort gibt ein ;
Drum muß auch dein gebett gewiß erhöret seyn.

3. Da sih'st du GOttes hertz / das dir nichts kan versagen :/:
Sein mund / sein theures wort vertreibt ja alles zagen :
Was dich unmöglich deucht / kan seine vatterhand
Noch geben / die von dir so viel noth abgewandt.

  

dich

4. Komm nur / komm freudig her in JESU Christi namen :/:
Sprich : lieber Vatter ! hilff / ich bin dein kind / sprich : Amen !
Ich weiß / es wird gescheh'n / Du wirst mich lassen nicht /
du wirst / du wilst / du kanst thun was dein wort verspricht.

du wirst

335.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
300 335 348 345 345 345 345
p. 284 278 437 290 260 388 260

ICH ruff zu dir / HErr JEsu CHrist !
Ich bitt erhör mein klagen :/:
Verleih mir gnad zu dieser frist /
Laß mioch doch nicht verzagen.
Den rech-[p. 279]ten glauben / HErr / ich meyn /
Den wollest du mir geben /
Dir zu leben /
Mein'm nächsten nutz zu seyn /
Dein wort zu halten eben.

Ich ruf zu dir

  

  

  


eben

2. Ich bitt noch mehr / o HErre GOtt /
Du kanst es mir wol geben :/:
Daß ich nicht wieder werd' zu spott /
Die hoffnung gib darneben.
Vorauß wann ich muß hie davon /
Daß ich dir mög' vertrauen /
Und nicht bauen
Auff alles mein thun /
Sonst wird mich's ewig reuen.


  

voraus

  

mein Tun

3. Verleih' / daß ich auß hertzen-grund
Mein'n feinden mög' vergeben :/:
Verzeih' mir auch zu dieser stund /
Schaff' mir ein neues leben.
Dein wort mein' speiß laß allweg seyn /
Damit mein' seel zu nehren /
Mich zu wehren /
Wann unglück geh't daher /
Das mich bald möcht abkehren.


  

allweg

  

möcht

4. Laß mich kein' lust noch forcht von dir /
In dieser welt abwenden :/:
Beständig seyn an's end gib mir /
Du hast's allein in händen
Und wem du's gibst / der hat's umsonst /
Es mag's niemand ererben /
Noch erwerben /
Durch wercke deine gnad /
Die uns errett't vom sterben.

  

ans End

  

mag's

5. Ich lig im streit und widerstreb /
Hilff / o HErr Christ / dem schwachen :/:
An deiner gnad allein ich kleb /
Du kanst mich stärcker machen.
Kommt nun anfechtung her / so wehr /
Daß sie mich nicht umstossen /
Du kanst massen /
Daß mir's nicht bring gefähr /
Ich weiß du wirst's nicht lassen.


widerstrebe

  


massen

  

wirst's

336.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
301 336 349 346 346 346 346
p. 284 279 438 291 260 389 260

O GOtt / du frommer GOtt / du brunnquell aller gaben /
Ohn den nichts ist / was ist / von dem wir alles haben /
Gesunden leib gib mir / und daß in solchem leib
Ein' unverletzte seel und rein gewissen bleib.

O Gott, du

2. Gib / daß ich thu' mit fleiß / was mir zu thun gebühret /
Worzu mir dein befelch in meinem stande führet.
Gib / daß ich's thue bald / zu der zeit da ich soll /
Und wann ich's thu / so gib / daß es gerathe wohl.

worzu

3. Hilff / daß ich rede stets / womit ich kan bestehen /
Laß kein unnützlich wort auß meinem munde gehen :
Und wann in meinem ampt ich reden soll und muß /
So gib den worten krafft und nachtruck ohn verdruß.

[p. 280]
4. Find't sich gefährlichkeit / so laß mich nicht verzagen /
Gib einen helden-muth / das creutz hilf selber tragen.
Gib / daß ich meine feind mit sanfftmuth überwind /
Und wa  ich raths bedarff / auch guten rath erfind.

erfinde

5. Laß mich mit jederman in fried und freundschafft leben /
So weit als christlich ist. Wilt du mir etwas geben
An reichthum / gut und geld / so gib auch diß darbey /
Daß von unrechtem gut nichts untermenget sey.


soweit

6. Soll ich in dieser welt mein leben höher bringen /
Durch manchen sauren tritt hindurch in's alter dringen /
So gib gedult / für sünd und schande mich bewahr /
Auff daß ich tragen mög' mit ehren graues haar.

höher

  

graues Haar

7. Laß mich an meinem end auff Christi tod abscheiden /
Die seele ni  zu dir hinauff zu deinen freuden /
Dem leib ein räumlein gönn bey frommer christen grab /
Auff daß er seine ruh' an ihrer seiten hab.

frommer Christen
  

8. Wann du die todten wirst en jenem tag erwecken /
So thu' auch dein hand zu meinem grab außstrecken :
Laß hören deine stimm / und meinen leib weck auff /
Und führ ihn schön verklärt zum außerwehlten hauff.

9. Gott Vatter / dir sey preiß / hier und im hi el oben /
HErr JEsu / GOttes Sohn / ich will dich allzeit loben /
O heil'ger Geist dein ruhm erschall je mehr und mehr :
Dreyein'ger HErr und GOtt / dir sey lob / preiß und ehr.

Gott Vater

337.) In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
302 337 350 347 347 347 347
p. 285 280 439 292 261 391 261

HAb danck / mein fro er GOtt / für alle deine güte /
Die du an leib und seel / an sinnen und gemüthe
Von kindheit mir erzeigt / hab danck für alle gnad /
Die mich und mein geschlecht bißher bestrahlet hat.

Hab Dank

2. Laß deinen segens-brunn noch ferner sich ergiessen /
Und seinen safft und krafft durch meine adern fliessen /
Gib weißheit und verstand / gesunde seel und leib /
Und daß in diesen auch ein gut gewissen bleib.

3. Regier und führe mich / damit ich deinen willen
In allem meinen thun nach wunsche mög erfüllen /
Damit ich allemahl in deinen wegen [p. 281] geh' /
Und ja zu keiner zeit bey losen leuthen steh '.

lose Leute

4. Ach ! segne mich mein GOtt / in allen meinen wercken /
Laß deinen guten geist zum guten mich stets stärcken /
Gib / daß ich so mein thun anfange und beschließ /
Damit ich nutzen spür und keine hinderniß.

Hindernis

5. Erfülle mein gemüth mit deines geistes gaben /
Daß alle meine wort auch krafft und nachdruck haben /
Regiere meine zung / daß alles mit bedacht /
Zu seiner nutzbarkeit ja werde vorgebracht.


Nachdruck

6. Gefällt es sonsten dir in diesem ku er-leben /
An ehre / geld und gut auch etwas mir zu geben /
So hilff / daß solch geschenck ich also lege an /
Damit ich ewiglich vor dir bestehen kan.


geld und gut

7. Behüte leib und seel vor schmach / gefahr und sünden /
Und laß bey meiner schuld mich wieder gnade finden
Vor deinem gnaden-stuhl. Ja / Vatter / schütze mich
Für aller feinde macht und falscher zungen stich.

8. Gib mir ein keusches hertz Und heilige gedancken /
Gib / daß ich mit gedult verbleib in diesen schrancken /
Darein du mich gesetzt / daß ich mit jederman /
So weit als christlich ist / in friede leben kan.

soweit

9. Ja hilff / o starcker GOtt / damit ich meine feinde
Mit sanfftmuth überwind / und alle hertzens-freunde
In steten ehren halt / damit ich jederzeit
Mit allen kräfften such die wahre seligkeit.

10. Laß endlich meine seel durch deinen engels-wagen
Zu dir / o treuer GOtt / hinauff in hi el tragen /
Gib daß der blasse leib werd seiner ruh gewähr't /
Und endlich mit der seel in ewigkeit verklärt.


gewährt

338.) Auß Jer. 18. v. 19. In seinem eigenen Thon.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
625 338 351 348 348 348 348
p. 581 281 441 293 262 392 262

HAb acht auff mich in aller noth /
O grosser Gott / HErr aller herren /
Wann satan sampt der höllen-rott
Den rachen gegen mich auffsperren ;
Wann sie mich suchen zu verschlingen /
Und in die gröste noth zu bringen /
So bitt ich dich hertzinniglich /
Mein Vatter / ach hab acht auff mich.

Hab acht

2. Hab acht auff mich / wann mich die sünd
Will von dem wahren gut abwenden /
So halte mich / [p. 282] HErr / als dein kind
Mit deinen starcken Vatters-händen ;
Bleib du mir stets in den gedancken ;
Laß mich von deinem wort nicht wancken ;
Wa  sünden in mir regen sich /
Mein Vatter / so hab acht auff mich.

3. Hab acht auff mich / wann's gehet wohl /
Wa  mir die glückes-sonn will scheinen /
Die meine seel macht freuden voll /
Da sie nichts wissen mag von wäinen ;
Daß ich dem blinden glück nicht traue /
Vielmehr auff deine güte schaue ;
Weil offt das glücks-rad wendet sich /
Mein Vatter / so hab acht auff mich.

  

Freuden voll

4. Hab acht auff mich / und steh' mir bey /
Wann mir das unglück brauß't entgegen ;
Daß ich nicht zu verzaget sey /
Und weichen möcht' von deinen wegen /
Die mir zu wandeln seynd befohlen ;
Und solten auch die creutzes-kohlen
Mein hertze brennen bitterlich /
Mein Vatter / so hab acht auff mich.


zu wandeln

5. Hab acht auff mich / wann ich gesund /
Wann ich empfinde keine schmertzen ;
Wann keine klag in meinem mund /
Noch trauren ist in meinem hertzen ;
Damit ich bey gesundem leibe
Dir danckbar und gehorsam bleibe ;
Auff daß ich nicht vergesse dich /
Mein Vatter / so hab acht auff mich.

6. Hab acht auff mich / auch wann ich kranck /
Wann die gesundheit will verschwinden ;
Daß ich gedultig und mit danck
Ergreif die artzeney der sünden ;
Laß mich nicht ungedultig werden /
Und dencken / daß ich staub und erden ;
Auch wa  die schmertzen mehr  sich /
Mein vatter / so hab acht auff mich.

Arznei

denken

7. Hab endlich dann auch acht auff mich /
Wa  ich der welt valet soll geben ;
Daß ich im glauben halte dich /
Biß ich komm auß dem tod ins leben ;
Da mir das frohe glaubens-ende
Ertheilen werden deine hände /
Daß ich bey dir leb ewiglich /
Mein Vatter / so hab acht auff mich.


Valet

8. Ach laß mich auch nicht auß der acht /
Wann uns dein jüngster tag erscheinet /
Der tag / da vor gericht wird bracht /
Auch das / so man hier nicht gemeynet ;
Laß mich zu deiner rechten stehen /
Und zu des lammes hochzeit gehen /
Mein JEsu / dann [p. 283] hab acht auff mich /
So will ich ewig preisen dich.


339.) Mel. Wann wir in höchsten nöthen seyn / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
635 339 352 + Anh124 349 349 349 349
p. 594 283 442 + Anh190 294 263 394 263

WAnn menschen hülff scheint auß zu seyn /
So stell't sich Gottes hülffe ein.
Wann niemand hilfft / so hilffet er /
Und mach't mein leiden nicht zu schwer.

Wenn Menschenhilf

2. Was tracht' ich lang nach menschen gunst /
Die doch vergehet wie ein dunst /
Es ist in dieser welt kein freund /
Der es stets gut mit einem meynt.

Menschen Gunst

3. Nimm deine zuflucht nur zu GOtt /
Der kan dir nehmen deine noth :
Such den zum freund / der dir allein
Mit seiner hülf kan nutzlich seyn.

nutzlich

4. Wann GOTT ist freund / alsdann dein feind
Ist ohne macht und gantz verkleint :
Und wären noch viel tausend hier /
So könnt' doch keiner schaden dir.


verkleint

5. Es muß doch geh'n / wie's GOtt gefällt /
We   sich gleich alles gegen stellt /
Laß GOtt nur machen wie er will /
Und halte seinem willen still.


gegen

340.) Mel. Verleih uns frieden gnädiglich &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
661 340 353 350 350 350 350
p. 614 283 443 294 264 394 264

VErleih' uns fried in unserm land /
Durch Christum deinen sohne /
Gib glück und heyl zu allem stand /
Auß gnaden unser schone /
Und dich uns'r aller erbarme.

Verleih uns
unserm Land

  

und dich

2. Verleih' uns fried in unsrer statt /
Die du hast außerkoren /
Gib uns heiligen muth und rath /
Sonst sind wir bald verlohren /
Und dich uns'r aller erbarme.


auserkoren

3. Verleih' uns fried / dein kirch erhalt /
Den glauben in uns mehre /
Der feinde greuel und gewalt
Durch deine macht zerstöre /
Und dich uns'r aller erbarme.

4. Verleih' uns fried in unserem hauß /
Schenck' uns den himmels-segen /
Treib von uns zanck und untreu auß /
Thu' uns'rer kinder pflegen /
Und dich uns'r aller erbarme.

5. Verleih' uns fried an allem ort /
Uns fro e leut beschehre /
Behüt für unfall / raub und mord /
Auch uns're feind bekehre /
Und dich uns'r aller erbarme.


Leute

6. Verleih' uns fried / und hab gedult /
Schaff' auch in unsern hertzen /
Auff daß wir ja der sünden schuld
Bereuen hier mit schmertzen /
Schenck' uns / o JESU / dein'n frieden.


auch

[p. 284]
7. Verleih' uns auch ein selig's end /
Laß uns mit frieden sterben /
All' forcht und zweiffel von uns wend /
Dein reich auß gnad zu erben.
Hilff uns / o HErr JEsu / Amen.


† 341.) Im Thon : Vatter unser im hi elreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 341 354 351 351 351 351
p. - 284 444 295 264 395 264

HERR / der du gnad und hülff verheiß'st /
GOtt Vatter / Sohn und heil'ger Geist /
Du heiligste Dreyeinigkeit /
Erbarm' dich deiner christenheit :
Erbarm' dich / HErr / du treuer GOtt /
Erbarm dich / HErr / in aller noth.

Herr, der du

Dreieinigkeit

2. Verschon' uns Gott / ach Gott ! verschon /
Und nach verdienste uns nicht lohn ;
Gedenck an deine grosse gnad /
Verzeih' uns uns're missethat :
Gib / daß uns ehr / gut / seel und leib
Durch deine hülff ohn schaden bleib.

3. Wir bitten dich / o Vatter noch /
Um Christi willen / hilff uns doch :
Durch sein' geburt / blutschweiß und noth /
Durch seine wunden / creutz und todt /
Auch aufferstehn und himmel-gang /
Hilff uns all unser lebenlang.

4. Verleihe / daß bey reiner lehr
Auch Gottes-forcht sich bey uns mehr ;
Daß man die jugend wohl erzieh' /
All' ärgerniß und sünden flieh' :
Hilff / daß mit schanden untergeh'n /
Die deinem worte widersteh'n.

5. Laß die regenten insgesamt
Sorgfältig seyn in ihrem amt :
Die obrigkeit an unser'm ort
Beschütz und segne immerfort :
Gib heilsam friedlich regiment /
Pest / theurung / unglück von uns wend.

Regiment

6. All denen / die in nöthen seyn /
Mit rettung / hülff und trost erschein :
Zerbrich das joch / nimm weg die last /
Damit du sie beleget hast.
Durch deine allmacht / güt' und treu /
Von plag und drangsal sie befrey.

sein

  


befrei

7. O JESU CHriste GOttes sohn /
O JESU Christ ! du gnaden-thron :
O JEsu Christ ! du Gottes-la  /
Das aller welt sünd auff sich nahm /
Erbarme dich / hör' unser bitt /
Erbarme dich / gib deinen fried.

8. HErr / der du gnad und hülff verheiß'st /
Gott Vatter / Sohn und heil'ger Geist /
Du heiligste Dreyeinigkeit /
Erbarm dich deiner christenheit /
Erbarm dich HErr / du treuer Gott /
Erbarm dich / HErr / in aller noth.

[p. 285]

† 342.) Mel. Auß tieffer noth schrey ich zu dir / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 342 355 352 352 352 352
p. - 285 445 296 265 396 265

O Vatter ! der du gegen mir
Dein vätterlich gemüthe
Erweisest i er für und für /
Durch manche gnad und güte /
Verleih / daß mir auß meinem sinn /
Auch wenn ich noch so elend bin /
Dein Vatter-hertz nie ko e.

O Vater, der

2. Du bist im himmels-thron / o GOtt !
An allen ort und enden /
Wo ich dich such in meiner noth /
Wilt du dich zu mir wenden :
Drum hör' vom hohen hi els-saal /
Was ich allhier im ja erthal
Mit seufftzen von dir bitte.

Du bist

3. O Vatter / groß von herrlichkeit /
Von majestät und ehren !
Du wollest jetzt und allzeit /
Durch deinen geist / mich lehren /
Wie hoch dein heil'ger nahme sey /
Und deine weißheit / macht und treu /
Kein ziel noch maaß nicht habe.

nicht

4. Laß mir doch ja nichts liebers seyn /
Als deinen namen preisen /
Die lieb auch an dem nächsten rein /
Und in der that erweisen :
Hilf / daß ich mich und dich erkenn /
Und freudig meinen vatter nenn /
Der seinem kind wird helffen.

5. O Vatter ! der du durch die tauff
Mich in dein reich geno en /
Laß es in meinem lebens-lauff
Fortan auch zu mir kommen :
Gib / daß dein wort / als hi els-thau /
Aufs hertz mir fall / und mich erbau /
Vielfält'ge frucht zu bringen.



es

6. Den glauben wollst du für und für
In mir / o Gott ! vermehren /
Des satans sünden-reich in mir
Durch deine krafft zerstören :
Hilff auch / daß ich / an meinem theil /
Für deiner kirche fried und heyl
Zu dir offt bett und ruffe.

7. O Vatter ! heilig ist dein will
Im hi el und auff erden :
Gib / daß mein will ihn auch erfüll /
Gleichförmig ihm zu werden ;
Sag auch dem eignen willen ab /
Damit ich ausser dir nichts hab /
Und doch in dir hab alles.

gleichförmig
sag ab

8. Laß mich in trübsal / angst und pein /
Auß kleinmuth nicht verzagen /
Hingegen niemahls sicher seyn /
Noch stoltz in guten tagen :
Gib / daß ich dich für alles lieb /
Und daß nichts zeitlichs mich betrüb /
Noch ohne dich erfreue.


nicht
sicher

für alles

9. O Vatter ! der du jederzeit
Gibst so viel gute gaben /
Laß mich mein täglich brodt auch heut
Zu meiner nothdurfft haben :
Hilff / daß ich halt so räthlich hauß /
Daß ich mit wen'gem auch komm auß /
Und deinen segen spüre.


halte Haus

10. Gib glück / fried / einigkeit und ruh /
Zucht / ehr und treu hierneben /
Auch heilsam regiment darzu
Dem ort / wo ich muß leben :
Wend gnädig ab / du starcker Gott !
Pest / kranckheit / feur- und wassers-noth /
Und alles was sonst schadet.


hierneben

11. O Vatter ! dessen güt und huld
Ist nimmer außzudencken /
Ich bitt / du wollst mir meine schuld
Auß gnaden alle schencken /
Wie viel auch meiner sünden ist /
So hat doch dein sohn JEsus [p. 286] Christ
Genug dafür bezahlet.

12. Hilff / daß ich andern auch so sey /
Wie ichs von dir begehre /
Und meinem nächsten gern verzeih /
Da er mir widrig wäre /
Daß ich vergesse trutz und schmach /
Und dir / o Vatter ! arte nach /
In sanfftmuth und in liebe.

auch so

  

widrig

13. O Vatter ! reich von krafft und trost /
Und wunderbarer stärcke /
Wann die versuchung auff mich stoßt /
So dämpff des satans wercke /
Daß ich den bößwicht überwind /
Auch was an schnöder lust sich findt
Der welt und meines fleisches.



stoßt

14. Gib / daß ich sey / in freud und leid /
Gleichmüthig von gedancken /
Und frölich ohn leichtfertigkeit /
Sorgfältig ohne wancken /
Demüthig ohne falschen schein /
Getrost / auch ehrbar / züchtig / rein /
In meinem gantzen leben.

15. O Vatter ! der du bist ein schutz
Der armen und elenden /
Befördre meiner seelen nutz /
Den lauff hier zu vollenden /
Daß ich in trübsal feste steh /
Und von verfolgung / angst und weh
Durch dich erlöset werde.

erlöset

16. Hilff / daß ich dir in aller noth
Beständig mög anhangen /
Und denn / nach einem sanfften todt /
Die ehren-kron erlangen /
Wann ich / durch deines geistes gab /
Im glauben überwunden hab
Die sünd und alle feinde.



denn

17. Nun Vatter ! neige dich zu mir /
Sih an mein sehnlich beten /
Laß mich nicht unerhört von dir
Und deinem thron abtretten !
Denn dein HErr ! ist je mehr und mehr
Das reich / die krafft / die macht / die ehr /
So wohl jetzt / als dort ewig.


beten

18. Hierauff so sprech ich also fort /
In JEsu CHristi nahmen /
Auf sein untrüglich wahres wort /
Ein gläubig freudig amen :
HErr Christ ! durch dein verdienst allein
Soll alles ja und amen seyn /
Was wir anjetzt gebetten.

anjetzt

Lob- und Danck-Lieder.

 

 343.) Im Thon : JEsu meine freude / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
303 343 361 358 358 358 358
p. 286 286 457 303 272 405 272

JEsu / meine liebe /
Die ich offt betrübe
Hie in dieser welt :/:
Dir danck't mein gemüthe /
Wegen deiner güte /
Die mich noch erhält ;
Die mir offt
Gar unverhofft
Hat geholffen in dem klagen /
Noth / leyd / angst und zagen.

Jesu, meine

  

  

  



in dem Klagen

2. Nun will ich dran dencken /
Wann ich werd in kräncken
Und in ängsten seyn :/:
Wo ich werde stehen /
Wo ich werde gehen /
Will ich dencken dein.
Ich will dir / /
Heyl ! für und für
Danckbar seyn in meinem hertzen /
Dencken dieser schmertzen.


Kränken

  

  

  

dieser

3. Ich bat dich mit thränen /
Mit leid / angst und sehnen /
Mein aug und gesicht :/:
Hub ich auf [p. 287] und schrye /
Neigte meine knye /
Stund auch aufgericht.
Ich gieng hin
Und her / mein sinn
War bekümmert und voll sorgen /
Durch die nacht an morgen.


  

hub ich auf

  

  

an Morgen

4. Ich / als ich nicht sahe /
Daß du mir so nahe /
Sprach zu dir im sinn :/:
Ich kan nicht mehr betten /
Komm mein heyl getretten /
Sonst sinck ich dahin !
Ja ich sinck ! Ey / sprach dein winck /
Halt / meyn'st du / daß ich nicht lebe /
Noch fort um dich schwebe ?

fort

5. Ich war noch im glauben /
Den mir doch zu rauben
Satan war bemüht :/:
Der die armen seelen /
In der leibes-hölen /
Vielmahls nach sich zieht.
Ich sprach doch :
Ich glaube noch :
Glaubt' ich nicht / nicht wolt' ich betten /
Noch vor dich hintretten.

6. HErr / wer zu dir schreyet /
Seine sünd anspeyet /
Rufft dich hertzlich an :/:
Auß getreuem hertzen /
Dessen grosse schmertzen
Wirst du / HErr / alsdann /
Wa  er vest
glaubt / dich nicht läßt /
Als die deine selbst empfinden /
Tilgen alle sünden.


anspeiet

  

dessen

7. Drum / o meine liebe /
Die ich offt betrübe
Hier in dieser welt :/:
Dir danckt mein gemüthe /
Wegen deiner güte /
Die mich noch erhält :
Die mir offt
Gar unverhofft
Hat geholffen in dem klagen /
Noth / leid / angst und zagen.


 344.) Im Thon : Nun freut euch lieben Christen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
304 344 362 359 359 359 359
p. 287 287 458 304 273 406 273

O Gläubig hertze / benedey /
Und gib lob deinem HErren :
Gedenck / daß er der Vatter sey /
Den du allzeit solt ehren :
Dieweil du keine stund ohn ihn /
Mit aller sorg in deinem sinn /
Dein leben kanst ernehren.

O gläubig Herze

  


mit aller Sorg

2. Er ist's / der dich von hertzen liebt /
Viel gutes dir mittheilet :
Dir deine missethat vergibt /
Und deine wunden heilet :
Dich wapnet zum geistlichen krieg /
Daß dir dein feind nicht oben lieg /
Und deine hoffnung raube.

oben lieg

3. Er ist barmhertzig und sehr gut /
Den armen und elenden /
Die sich von allem übermuth
Zu seiner warheit wenden :
Er ni t sie als ein vatter auff /
Und gibt / daß sie den rechten lauf
Zur seligkeit vollend .

4. Wie sich ein vatterhertz bezeigt /
Und guts thut seinen kindern :
Al-[p. 288]so hat sich auch GOtt geneigt
Zu uns blut-armen sündern.
Er hat uns lieb / und ist uns huld /
Vergibt uns gnädig alle schuld /
U  macht uns überwinden.

Vater

  

blutarm
huld

5. Er gibt uns seinen guten geist /
Verneuert das gemüthe :
Daß wir vollbringen / was er heist /
Und trauen seiner güte.
Er hilfft uns hie mit gnad und heyl /
Verheiß't uns auch ein herrlich theil
Von den ewigen schätzen.


Gemüte

6. Nach uns'rer ungerechtigkeit
Hat er uns nicht vergolten :
Sondern erzeigt barmhertzigkeit /
Da wir verderben solten.
Er ist mit gnad und herrlichkeit
Denselben immerfort bereit /
Die ihn von hertzen lieben.

  

Herrlichkeit

† 7. Was GOtt nun angefangen hat /
Das woll' er auch vollenden.
Wir geben uns gantz seiner gnad /
Opffern uns seinen händen :
Und thun daneben unsern fleiß /
Hoffend / er werd' zu seinem preiß
All unser'n wandel wenden.

Was Gott

8. O Vatter ! steh' uns gnädig bey /
Weil wir sind im elende :
Daß unser thun auffrichtig sey /
Und nehm ein selig ende /
Leucht uns mit deinem hellen wort /
Daß uns an diesem tunckeln ort
Kein falscher schein verblende.

† 9. O GOtt / nimm an zu lob und danck /
Was wir einfältig singen :
Und gib dein wort mit freyem klang /
Laß durch die hertzen dringen.
O hilff / daß wir mit deiner krafft /
Durch eine gute ritterschafft /
Des lebens kron erringen.

lass

 345.) Im Thon : Freu dich ſehr / o meine ſeele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
305 345 363 360 360 360 360
p. 288 288 460 305 273 408 273

GOtt mein vatter / ſey geprieſen
Für die groſſe gütigkeit /
Welche du mir haſt erwieſen
So vielfältig allezeit :
Ach ! wie ſoll ich doch dafür
Recht zur gnüge dancken dir ?
Alle mein verſtand und ſinnen
Sollen diß dein lob beginnen.

Gott mein Vater

2. Du haſt / was genennt mag werden /
Erſt auß nichts hervor gebracht /
Auch den menſchen auß der erden
Anfangs wunderlich gemacht.
Dieſe deine wunderthat
Muß ich preiſen früh und ſpath :
De   wo iſt ein GOtt gefunden /
Der ſich deſſen unterwunden ?

genennt

  

wunderlich

  

unterwunden

3. Daß ich mit vernunft gebohren /
Und geſund bin [p. 289] in der welt /
Auch zum chriſten außerkohren /
Wiſſen kan / was dir gefällt /
Oder mag zuwider ſeyn /
Das hab ich von dir allein :
Drum / o GOtt ! ſey hoch geprieſen /
Daß du mir diß haſt erwieſen.

4. Du haſt auch die ſtraff und plagen /
Die mit ſünden ich verdient /
Deinen ſohn ſelbſt laſſen tragen /
Und biſt mit mir außgeſühnt /
Da er an des creutzes ſta
Meine ſünde auff ſich nahm :
Ach ! ſey auch dafür gepriesen /
Was du dißfalls mir erwieſen.

diesfalls

5. Darzu werden deine wege
Mir noch täglich kund gethan /
Da zum rechten hi els-ſtege
Du mich läſſeſt führen an /
Daß ich ſchon in meinem ſinn /
Durch die hofnung / ſelig bin :
Dafür muß ich dich hier preiſen /
Und dort ewig danck erweiſen.

dort

6. Bin ich ſchon mit creutz beladen /
Setzt mir gleich der teuffel zu /
Muß mir ſolches doch nichts ſchaden /
Du verſchaff'ſt mir hülff und ruh :
Ja / es muß die creutzes-pein
Mir mehr nutz- als ſchädlich ſeyn :
Solt' ich dich dafür nicht preiſen /
Und dir ewig lob erweiſen ?

  

nutz-

7. Reichlich hast du auch gegeben
Mir / o GOtt / mein täglich brod :
Läſſeſt mich im friede leben /
Frey von peſt und hungers-noth :
Meine ehre / meinen ſtand /
Hab ich bloß von deiner hand :
Für so viele gütigkeit  /
Muß ich Herr / dein lob außbreiten.

8. Kürtzlich : deine güt und treue
Iſt warhafftig ohne zahl /
Sie iſt alle morgen neue :
Drum ihr menſchen allzumal /
Bringet doch mit höchſtem fleiß
Unſerm Gotte lob und preiß /
Rühmet ſeine groſſe güte /
Lobt ſein vätterlich gemüthe.

kürzlich

9. Auch ihr engel / auch ihr ſeelen /
Die ihr ſeyd im himmel ſchon /
Helff't des HErren lob erzehlen /
Trettet doch vor Gottes thron /
Preiſet ſeine gütigkeit /
Rühmet ſeine herrlichkeit /
Laſſet euch / zu ſeinen ehren /
Mit viel lobgeſängen hören.

10. Ich will auch zu ſeinen zeiten /
Wann ich werde bey euch ſeyn /
Ihme ſein lob zubereiten /
Mit euch frölich ſtimmen ein.
Unterdeſſen ſoll von mir /
So viel i er möglich hier /
GOtt zu ehren und gefallen /
Ein danckbares Lied erſchallen.



ihme

[p. 290]
11. Heilig ! heilig ! heilig werde /
GOTT / dein nahme ſtets gena t :
De   der himmel und die erde
Machen deinen ruhm beka t :
Deine güte / deine macht /
Weißheit / majeſtät und pracht /
Hat doch nirgends ihres gleichen :
GOtt / wer kan dein lob erreichen ?

erreichen

 346.) Es ist das heyl uns kommen her / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
306 346 364 361 361 361 361
p. 290 290 462 306 275 409 275

SEy lob und ehr dem höchsten gut /
Dem Vatter aller güte /
Dem GOtt / der alle wunder thut /
Dem GOtt / der mein gemüthe
Mit seinem reichen trost erfüllt /
Dem GOtt / der allen ja er stillt :
Gebt unserm GOtt die ehre.

Sei Lob

2. Es dancken dir die himmels-heer /
O herrscher aller thronen !
Und die auff erden / lufft und meer /
In deinem schatten wohnen /
Die preisen deine schöpffers-macht /
Die alles also wohl bedacht :
Gebt unserm GOtt die ehre.

3. Was unser GOtt geschaffen hat /
Das will er auch erhalten ;
Darüber will er früh und spath /
Mit seiner güte walten.
In seinem gantzen königreich
Ist alles recht und alles gleich :
Gebt unserm GOtt die ehre.

4. Ich rieff den HErrn in meiner noth /
Ach Gott / verni   mein schreyen !
Da halff mein helffer mir vom todt /
Und ließ mir trost gedeyen /
Drum danck / o GOtt / drum danck ich dir /
Ach ! dancket / dancket Gott mit mir :
Gebt unserm GOTT die ehre.

5. Der HErr ist noch und nimmer nicht
Von seinem volck geschieden /
Er bleibet ihre zuversicht /
Ihr segen / heyl und frieden.
Mit mutter-händen leitet er
Die seinen stetig hin und her :
Gebt unserm GOtt die ehre.

6. Wann trost und hülff ermangeln muß /
Die alle welt erzeiget /
So kömmt / so hilfft der überfluß /
Der schöpffer selbst / und neiget
Die vatters-augen deme zu /
Der sonsten nirgends findet ruh :
Gebt unserm GOTT die ehre.

7.Ich will dich all mein lebenlang /
O GOtt ! von nun an ehren /
Man soll / o GOtt / dein lobgesang
An allen orten hören ;
Mein gantzes hertz ermuntert sich /
Mein geist und leib erfreue dich :
Gebt unserm GOTT die ehre.

8. Ihr / die ihr Christi namen nennt /
Gebt unserm GOtt die ehre /
Ihr / die ihr GOttes macht bekennt /
Gebt unserm GOtt die ehre /
Die falschen götzen macht zu spott /
Der HErr ist GOTT / der HErr ist GOTT :
Gebt unserm GOtt die ehre.

ist Gott

9. So ko et vor sein angesicht /
Mit jauchtzen-vollen springen /
Bezahlet die gelobte pflicht /
Und laßt uns frölich singen :
GOtt hat es alles wol bedacht /
Und alles / alles recht gemacht :
Gebt unserm GOtt die ehre.


Springen

 347.) Mel. JEsu der du meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
307 347 365 362 362 362 362
p. 291 290 463 307 276 411 276

WOmit soll ich dich wol loben /
Mächtiger [p. 291] HErr Zebaoth ?
Sende mir darzu von oben
Deines geistes krafft / o GOtt !
Dann ich kan mit nichts erreichen
Deine gnad und liebes-zeichen.
Tausend tausend mal sey dir /
Grosser könig / danck dafür.


Womit soll ich

  

erreichen

2. HErr / entzünde mein gemüthe /
Daß ich deine wunder-macht /
Deine gnade / treu u   güte /
Stets erhebe tag und nacht.
Dann von deinen gnaden-güssen
Leib und seele zeugen müssen.
Tausend &c.

3. Denck ich nur der sünden-gassen /
Drauff ich häuffte schuld mit schuld /
So möcht ich für scham erblassen /
Für der langmuth und gedult /
Womit du / o GOtt / mich armen /
Hast getragen mit erbarmen.
Tausend &c.

für

4. Ach ja ! wann ich überlege /
Mit was lieb und gütigkeit
Du durch so viel wunder-wege
Mich geführt die lebens-zeit ;
So weiß ich kein ziel zu finden /
Noch den grund hier zu ergründen.
Tausend &c.

5. Du / HERR / bist mir nachgelauffen /
Mich zu reissen auß der glut.
Dann da mit der sünder hauffen
Ich nur suchte ird'sches gut /
Hiessest du auff diß mich achten /
Wornach man zu erst soll trachten.
Tausend &c.

zuerst

6. O wie hast du meine seele
Stets gesucht nach dir zu ziehn !
Daß ich auß der sünden-höle
Möchte zu den wunden fliehn /
Die mich außgesöhnet haben /
Und mit krafft zum leben laben.
Tausend tausend &c.

7. Ja / HErr / lauter gnad und warheit
Sind für deinem angesicht /
Du / du trittst hervor in klarheit /
In gerechtigkeit / gericht.
Daß man soll auß deinen wercken
Deine güt und allmacht mercken.
Tausend &c.

8. Wie du setzest jedem dinge
Zeit / zahl / maaß / gewicht und ziel /
Damit keinem zu geringe
Möcht geschehen / noch zu viel ;
So hab ich auff tausend weisen
Deine weißheit auch zu preisen.
Tausend &c.

9. Bald mit lieben / bald mit leyden /
Ko st du / HErr / mein GOtt / zu mir /
Nur mein hertze zu bereiten /
Sich gantz zu ergeben dir /
Daß mein gäntzliches verlangen
Möcht an deinem willen hangen.
Tausend &c.

10. Wie ein vatter ni t und gibet /
Nachdems kindern nützlich ist ;
So hast du mich auch geliebet /
HERR mein GOtt / zu jeder frist /
Und dich meiner angenommen /
Wenns auch gleich auffs höchste kommen.
Taus.

11. Mich hast du auff adlers-flügeln
Offt getragen vätterlich /
In den thälern / auff den hügeln /
Wunderbar errettet mich.
Wann schien alles zu zerrinnen /
Ward doch deiner hülff ich innen.
Taus.

12. Fielen tausend mir zur seiten /
Und zur rechten zehnmal mehr /
Liessest du mich doch begleiten
Durch der engel starckes heer /
Daß den nöthen / die mich drangen /
Ich jedennoch bin entgangen.
Tausend &c.

fielen

  

  

jedennoch

[p. 292]
13. Vatter ! du hast mir erzeiget
Lauter gnad und gütigkeit :
Und du hast zu mir geneiget /
JEsu / deine freundlichkeit :
Und durch dich / o geist der gnaden /
Werd ich stets noch eingeladen.
Taus.


Vater

14. Tausendmal sey dir gesungen /
HErr / mein Gott / preiß / lob und danck /
Daß es mir bißher gelungen.
Ach laß meines lebens gang /
Ferner doch / durch JEsu leyden /
Nur gehn in die ewigkeiten.
Da will ich / HErr / für und für /
Ewig / ewig / dancken dir.


 348.) Mel. O Gott du frommer Gott / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
308 348 366 363 363 363 363
p. 292 292 465 309 277 412 277

WAs kan ich doch für danck / o HErr / dir dafür sagen /
Daß du mich mit gedult so lange zeit vertragen :
Da ich in mancher sünd und übertrettung lag /
Und dich / o fro er GOtt / erzürnte alle tag.

Was kann ich doch
vertragen

2. Sehr grosse lieb und gnad erwiesest du mir armen :
Ich fuhr in boßheit fort / du aber in erbarmen.
Ich widerstrebte dir / und schob die busse auff ;
Du schobest auf die straff / daß sie nicht folgte drauff.

3. Daß ich nun bin bekehrt / hast du allein verrichtet :
Du hast des satans reich und werck in mir vernichtet.
HErr / deine güt und treu / die an die wolcken reicht /
Hat auch mein steinern hertz gebrochen und erweicht.



Wolken

4. Selbst konnt ich allzuviel beleid'gen dich mit sünden :
Ich konte aber nicht selbst gnade wieder finden :
Selbst fallen konte ich / und ins verderben geh'n /
Ich konte selber nicht von meinem fall auffstehn.

5. Du hast mich auffgericht / und mir den weg geweiset /
Den ich nun wandeln soll : dafür sey / HErr / gepreiset /
Gott sey gelobt / daß ich die alte sünd nun haß /
Und willig ohne forcht die todten wercke laß.

toten Werke

6. Damit ich aber nicht auffs neue wieder falle /
So gib mir deinen geist / dieweil ich hier noch walle /
Der meine schwachheit stärck / und darinn mächtig sey /
Und mein gemüthe stets zu deinem dienst erneu.

7. Ach leit und führe mich / so lang ich leb auff erden /
Laß mich nicht ohne dich durch mich geführet werden.
Führ ich mich ohne dich / so werd ich bald verführt ;
Wann du mich führest selbst / thu ich / was mir gebührt.

ach leit

† 8. O GOtt / du gros-[p. 293]ser GOtt / o Vatter / hör mein flehen :
O JEsu / GOttes sohn / laß deine krafft mich sehen /
O werther heil'ger geist / regier mich allezeit /
Daß ich dir diene hier und dort in ewigkeit.

O Gott

 349.) Mel. Lasset uns den HErren preisen. Oder : JEsu du mein liebstes leben / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
309 349 367 364 364 364 364
p. 293 293 466 309 277 413 277

SOlt ich meinem GOtt nicht singen ?
Solt ich ihm nicht danckbar seyn ?
Denn ich seh in allen dingen /
Wie so gut ers mit mir meynt :
Ist doch nichts / als lauter lieben /
Das sein treues hertze regt /
Das ohn ende hebt und trägt /
Die in seinem dienst sich üben.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb in ewigkeit.

Sollt ich

  

meint

2. Wie ein adler sein gefieder
Uber seine jungen streckt /
Also hat auch hin und wieder
Mich des Höchsten arm bedeckt /
Alsobald in mutterleibe /
Da er mir mein wesen gab /
Und das leben / das ich hab /
Und noch diese stunde treibe.
Alles ding währt seine zeit /
GOttes lieb in ewigkeit.



hin und wieder
  
alsobald

3. Sein sohn ist ihm nicht zu theuer /
Nein / er gibt ihn für mich hin /
Daß er mich vom ewgen feuer
Durch sein theures blut gewinn :
O du ungegründter brunnen /
Wie will doch mein schwacher geist /
Ob er sich gleich hoch befleist /
Deine tieff' ergründen kö en ?
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb in &c.

ungegründet

  


in &c.

4. Seinen geist / den edlen führer /
Gibt er mir in seinem wort /
Daß er werde mein regierer /
Durch die welt zur himmels-pfort :
Daß er mir mein hertz erfülle
Mit dem hellen glaubens-licht /
So des todes macht zubricht /
Und die hölle selbst macht stille.
Alles ding währt seine zeit /
GOttes lieb in ewigkeit.

  


Glaubens-Licht

5. Meiner seele wohlergehen
Hat er ja recht wohl bedacht ;
Will dem leibe noth zustehen ?
Nimmt ers gleichfalls wohl in acht :
Wann mein können / mein vermögen /
Nichts vermag / nichts helffen kan /
Kommt mein Gott / und hebt mir an
Sein vermögen beyzulegen.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb in ewigkeit.



zustehen

  

hebt mir an

6. Hi el / erd und ihre heere /
Hat er mir zum dienst bestellt /
Wo ich nur mein aug hinkehre /
Find ich / was mich nehrt und hält ;
Thier und kräuter und geträide /
In den gründen / in der höh /
In den büschen / in der see /
Uberall ist meine weide.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes &c.

Heere

7. Wa   ich schlaffe / wacht sein sorgen /
Und ermuntert mein gemüth /
Daß ich alle liebe morgen
Schaue neue lieb und güt :
Wäre mein GOtt nicht gewesen /
Hätte mich sein angesicht
Nicht geleitet / wär ich nicht
Auß so mancher angst genesen.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb in ewigkeit.



liebe

  

hätte

8. Wie so manche schwere plage
Wird vom satan hergeführt /
Die mich doch mein lebetage
Niemals / noch biß-[p. 294]her gerührt.
GOttes engel / den er sendet /
Hat das böse / was der feind
Anzurichten war gemeynt /
In die ferne weggewendet.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes &c.

Plage

  


  

war gemeint

9. Wie ein vatter seinem kinde
Sein hertz niemals gantz entzeucht /
Ob es gleich bißweilen sünde
Thut / und auß der bahne weicht ;
Also hält auch mein verbrechen
Mir mein fro er GOtt zu gut ;
Will mein fehlen mit der ruth /
Und nicht mit dem schwerdte rächen.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes &c.

zu gut

Rute

  

10. Seine straffen / seine schläge /
Ob sie mir gleich bitter seynd /
Dennoch / wann ichs recht erwege /
Sind es zeichen / daß mein freund /
Der mich liebet / mein gedencke /
Und mich von der schnöden welt /
Die uns hart gefangen hält /
Durch das creutze zu ihm lencke.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb &c.

11. Das weiß ich fürwahr / und lasse
Mirs nicht auß dem sinne gehn /
Christen-creutz hat seine masse /
Und muß endlich stille stehn.
Wa   der winter außgeschneyet /
Tritt der schöne sommer ein ;
Also wird auch nach der pein /
Wers erwarten kan / erfreuet.
Alles ding währt seine zeit /
Gottes lieb in ewigkeit.



Maße

ausgeschneiet

  

Wer kann

12. Weil dann weder ziel noch ende /
Sich in GOttes liebe find't /
Ey ! so heb ich meine hände
Zu dir / Vatter / als dein kind /
Bitte / wollst mir gnade geben /
Dich auß aller meiner macht
Zu erheben tag und nacht /
Hier in meinem schwachen leben /
Biß ich dich nach dieser zeit
Lob und lieb in ewigkeit.


 350.) Im Thon : Erhalt uns HErr / bey deinem &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
310 350 368 365 365 365 365
p. 294 294 469 311 279 416 279

ICh will / so lang ich lebe hier /
Den HErren preisen für und für :
Viel gutes hat er mir gethan /
Viel mehr denn ich erzehlen kan.

Ich will

2. Er hat geholffen überall :
Und sonderlich zu diesem mal
Hat er allein durch seine hand
Das unglück von mir abgewandt.

3. Niemand mir sonst zu hülffe kam /
Noch meines elends sich annahm :
Auch war der menschen hülff zu schwach /
Darum befahl ich GOtt die sach.

4. Zu ihm rieff ich bey tag und nacht :
Daß seine weißheit / güt und macht /
Mich reissen wolt auß der gefahr /
Damit ich gantz umringet war.

5. Der bitte hat er mich gewährt /
Und solche rettung mir beschehrt /
Daß ich erkenn / wie seine treu /
Ist alle morgen an uns neu.

alle Morgen

6. Durch seinen engel hat er mich /
Auß meiner noth gewaltiglich
Errettet / und zur rechten zeit
Von trübsal / zorn und furcht befreyt.

7. Sehr groß / o HErr / ist deine güt /
Die mich beschützet und behüt't :
Ich will sie rühmen hier auff erd /
So lang ich athem holen werd.

8. Ich will dir sagen lob und preiß /
Daß du auff wunderbare weiß /
Mir diese schwere creutzes-last
So gnädig abgenommen hast.

[p. 295]
9. Wiewol ichs hatte grob verschuldt /
So hat doch deine lieb und huld /
Mit viel erbarmen / mein verschont /
Und nach verdienste nicht gelohnt.

10. Nun seh ich / daß dein vatter-hertz
Mir deßhalb auflegt pein und schmertz /
Daß du mich ziehen wilt zu dir /
Weil ich auch gnad im straffen spür.

11. Drum ich mit freuden diß erweg /
Wie GOtt die ruth bald niederleg :
Wie willig er die hülffe schick /
Und zürne kaum ein augenblick.

12. Und ob es schon was länger scheint /
Doch ists zum besten stets gemeynt :
Er weiß wol mittel /zeit und rath /
Ich habs erfahren in der that.

13. Verleihe / HErr / daß mirs gereich
Hinfort an lehr und trost zugleich /
Wann mich vielleicht noch in der welt
Neu unglück wieder überfällt.

14. Gib / daß ich dencke zu was end
Mir solche prob werd zugesendt :
Daß ich dem golde gleich mög seyn /
Und durch diß feuer werden rein.

15. Daß ich auch alsbald vor dich trett /
Mit glauben / hoffnung und gebett :
Damit anhalt / und laß nicht ab /
Biß ich die lieb erlanget hab.

16. Und wann die rettung kommen ist
(Denn du GOtt allzeit gnädig bist /)
Daß ich dir dancke nacht und tag /
Mit hertz u   munde also sag :

† 17. Gelobet sey des HErren nahm /
Der mächtig ist und wundersam :
Erschallen müsse deine ehr
In allen landen mehr und mehr.


 351.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
311 351 369 366 366 366 366
p. 295 295 470 312 280 417 280

WAs GOtt thut / das ist wohl gethan /
Kein einig mensch ihn tadeln kan /
Ihn soll man allzeit ehren :
Wir mach'n mit unsrer ungedult
Nur i er grösser unser schuld /
Daß sich die straffen mehren.

Was Gott tut
kein einig

2. Was GOtt thut / das ist wohl gethan /
Er ist der rechte helffers-mann /
Er weißt wol zeit und stunde :
Ins trocken führt er erst die feind /
Alsdann wa   sie gantz sicher seynd /
Stürtz't sie das meer zu grunde.



weißt

stürzt

3. Was GOtt thut / das ist wohl gethan /
Mit ihm ist der am best   dran /
Dem seine sach wohl stehet :
Wann das gewissen ist gut rein /
Soll's denn und kan's nicht anders seyn /
So mag's geh'n / wie es gehet.



wohl stehet

soll's denn

4. Was GOtt thut / das ist wohl gethan /
Er schläfft im schiff der liebe mann /
Läßt wind und wellen toben /
Plötzlich aber / wann er nur winckt /
Roß und mann bald zu boden sinckt /
Er herrsch't im himmel droben.


schläft


Ross und Mann

5. Was GOtt thut [p. 296] das ist wohl gethan /
Den sollen wir stets ruffen an /
In keiner noth verzagen.
Der Goliath muß auch noch dran /
Unser David ihn dämpffen kan /
Darfür woll'n wir ihm dancken.


dran

 352.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
312 352 370 367 367 367 367
p. 296 296 471 313 280 418 280

ACh Gott und HErr /
Dein lob und ehr
Mein mund soll täglich preisen /
Dieweil du mir
Stets für und für /
Viel gutthat thust beweisen.
Drum keine noth /
O frommer GOtt /
Von dir mich soll abreissen.

Ach Gott

  

  

  

abreissen

2. Wie wunderbahr
So manches jahr
Hast du mich / HErr / geführet /
Mit deiner gnad
Beyd früh und spat
Gantz vätterlich regieret /
Wie hab ich offt
Gantz unverhofft
Dein treue hülff gespüret.

3. Noch heut zu tag
Ohn alle klag
Thust du mich auch ernehren /
Das täglich' brod
Zur leibes-noth
Gar mildiglich beschehren /
Hast mich auch bracht
Durch deine macht
Zu meinem stand und ehren.

4. Ob du wol auch /
Nach deinem brauch /
Die ruthen brauchst darneben /
Hast mir bißher
Mit gross'r beschwer
Ein'n pfahl ins fleisch gegeben :
So spür ich doch /
Daß du läst noch
Dein gnad über mir schweben.


Pfahl

5. Dran will ich mich
Gantz williglich
Allzeit lassen genügen /
Das ander all's
Wirst du gleichfalls
Mir auch zum besten fügen.
Dein wort zu mir /
Mein glaub zu dir
Wird mich ja nicht betriegen.


betriegen

6. Doch will ich dir
Nichts schreiben für /
Du wirst's am besten machen :
Laß nur / o HErr /
Zu deiner ehr
Gereichen alle sachen /
Denn deine krafft
Gibt trost und safft /
Ist mächtig in den schwachen.


schreiben für

7. Deß tröst' ich mich /
Darum will ich
Mir gar nichts lassen grauen /
Geh' / wie es will /
Ich halt dir still /
Will deiner güt vertrauen /
Im creutz und noth /
Ja / biß in todt
Beständig auff dich bauen.


in Tod


 353.) Im Thon : Ach was soll ich sünder machen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
313 353 371 368 368 368 368
p. 297 296 472 313 281 419 281

ALles was mir Gott gegeben /
Was mein leib und seel erfreut 
Hier und dort in ewigkeit /
All mein thun / mein gantzes leben
Zeigt mir meines GOttes treu
Immer alle morgen neu.

Alles was

2. Nichts von allem / [p.297] das ich habe /
Hab ich auff die welt gebracht/
Nichts von allem gut und pracht /
GOttes güte / GOttes gabe
Ists allein / die hülff und rath
Schafft / und segnet früh und spath.

Pracht

3. Nun / mein GOtt / ich will dich preisen /
Ich will immer breiten auß
Deinen ruhm in deinem hauß /
Ich will i er mehr erweisen
Dir / mein Gott / zu aller zeit
Ehre / dienst und danckbarkeit.

deinem Haus

4. Als dein' allmacht hat gegeben /
Eh' ich war auff dieser welt /
Eh' ich wußt' was dir gefällt /
Mir in mutterleib das leben /
Hat mir deine liebeshand
Alle wohlthat zugewandt.

5. Meine seele / leib und leben /
Augen / ohren / fleisch und blut /
Was ich habe ist dein gut /
Du hast mir / mein GOTT / gegeben /
Mein'n verstand / vernunfft und sinn /
Dein ist alles / was ich bin.

6. Alle meine freud und wonne /
Alle meine seligkeit /
Alle himmels-herrlichkeit /
Hat mein JEsus / meine sonne /
Mir erworben durch sein blut /
Meiner seelen höchstes gut.

7. Rein bin ich von meinen sünden /
Frey von seelen-angst und noth /
Frey von teuffel / höll und todt /
In der tauffe kan ich finden
Solchen schatz / weil GOtt ist mein /
Werd ich ewig bey ihm seyn.



Schatz

8. In dem lebens-wort der gnaden
Find ich meines hertzens theil /
Meiner seelen schmuck und heil /
Nichts kan alle welt mir schaden /
Weil mein Gott mich selbst bewacht /
Und stürtzt aller feinde macht.

9. Alle solche lieb und treue /
Die mein JEsus mir bereit't /
Preiß ich frölich jederzeit /
Hilff GOtt / daß mich stets erfreue
Solche deine gütigkeit /
Dir zu lob in ewigkeit.


 354.) Im Thon : HErr ich habe mißgehandelt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
314 354 372 369 369 369 369
p. 298 297 473 314 281 420 281

GOtt du stiffter aller wonne /
Dessen gnaden-schein durchwirckt /
Was allhier die heisse sonne
Mit dem weiten strahl umzirckt /
Dich muß aller athem loben /
Was auff erden / unten / oben.


Gott, du
durchwirkt

umzirkt

2. Alles wild / was auff der heiden /
Was durch büsch und hecken geht /
Alles rind-vieh auff der weiden /
Was im stall und hürten steht /
Was auff bäum und felsen klimmet /
Was durch see und flüsse schwimmet.


Hürden

[p. 298]
3. Auch die schaar / die man in lüfften
Allenthalben singen hört /
Und die ohne kunst und schrifften
Uns die sorgen meiden lehrt /
Muß für dir die stimm erheben /
Muß mit furcht dir ehre geben.

lehrt

4. Alle gräslein in den feldern /
Alles was in gärten blüh't /
Alle blümlein in den wäldern /
Alles / was man grünen sih't /
Muß / wann gleich die menschen schweigen /
Deinen ruhm und macht bezeugen.

5. Wie soll ich denn diß verhelen /
Was das stu e laub-werck preißt ?
Solt ich nicht vielmehr erzehlen /
Was du / HErr / mir hast erweißt /
Mir / der ich mit bösem leben
Anlaß dir zum zorn gegeben ?



erweist

6. Du hast mich auß nichts formieret /
Hast von sünden mich erlöst /
Hast mich mit verstand gezieret /
Und durch deinen geist getröst /
Hast mich dir zum dienst erwehlet /
Vom verda niß loß gezehlet.

formieret

7. Du läss'st mir zu gut außspriessen /
Bäume / kräuter / öhl und most /
Daß ich dessen kan geniessen /
Gibst mir wild und vieh zur kost /
Erde / meer und lufft muß geben /
Was da noth ist meinem leben.

mir zu gut

  

  

not

8. Wer kan deine güt' erzehlen ?
HERR / diß ist für mir zu viel /
Zeit und wort und kräffte fehlen /
Dann dein' hülff ist ohne ziel.
Drum so laß mein kindisch lallen
Dir in einfalt / HErr / gefallen.


für mir

  

Lallen

 355.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
648 355 373 370 370 370 370
p. 605 298 474 315 282 421 282

NUN dancket alle GOtt / mit hertzen / mund und händen :/:
Der grosse dinge thut an uns / und allen enden :
Der uns von mutterleib und kindes-beinen an
Unzehlich viel zu gut / und jetzo noch / gethan.

Nun danket

2. Der ewig reiche GOtt woll' uns bey unserm leben :/:
Ein immer frölich hertz und edlen frieden geben /
Und uns in seiner gnad erhalten fort und fort /
Und uns auß aller noth erlösen hie und dort.

dort

3. Lob / ehr und preiß sey GOtt / dem vatter und dem sohne :/:
Und dem / der beyden gleich im höchsten himmels-throne :
Dem dreyeinigen GOtt / als es urspünglich war /
Und ist / und bleiben wird jetzund und immerdar.

es


 356.) Im Thon : Nun laßt uns Gott dem HErren &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
649 356 374 371 371 371 371
p. 605 298 475 315 282 422 282

NUn lasset GOttes güte
Uns führen zu gemü-[p. 299]the /
Ko t / lasset uns erwegen
Des fro     vatters segen.

Nun lasset

  

frommen

2. Eh' wir ans licht gesetzet /
Hat er uns hoch geschätzet /
Und hat uns eingeschrieben /
Zum leben u  zum lieb .

3. Da wir noch sind gelegen
Ohn regen und gewegen /
Ohn menschen-hülff und sorgen /
Der mutter auch verborgen :

4. Hat er allein uns geben
Die glieder und das leben /
Ohn einig unsern heller
War kuchen da und keller.

Heller
Kuchen, Keller

5. Er hat zu rechter stunde /
Vollko lich und gesunde /
Auff seiner engel wagen /
Uns in die welt getragen.


vollkommmlich

6. Er hat uns eingenommen
In die gemein der frommen /
Gemacht zu seinen erben /
Daß wir nicht ewig sterben.


ewig sterben

7. Er gibt uns zu erkennen
Sein wort / daß wir ihn nennen
Ein'n vatter und ernehrer /
Und alles guts beschehrer.

8. Er gibt vor unsre sünde
Sein eingebohrnes kinde /
Und läßt es vor uns würgen /
Als einen rechten bürgen.

vor uns

9. Diß lasset uns bedencken /
Wann uns dies sorgen kräncken.
Wer seinen sohn hergibet /
Derselb auffs höchste liebet.

10. Solt er uns was versagen ?
So wir ihm glaubig klagen /
Was wir von nöthen haben /
Zur hüll / zur speiß / zum laben.

versagen

  

Hülle

11. Die vögel in den lüfften /
Die thierlein in den klüfften /
Die blümlein auff den wegen
Uns müssen widerlegen.

widerlegen

12. Der sie so treulich heget /
Und ihrer fleissig pfleget :
Solt einen himmels-erben
Er dencken zu verderben ?

13. O Vatter ! Vatter ! gibe /
Daß deine grosse liebe
Wir i iglich betrachten /
Und so gering nicht achten.

14. O Vatter ! uns beschehre /
Zu deinem lob und ehre /
Daß wir dir recht vertrauen /
Und gäntzlich auf dich bauen.

15. Wann wir nur dieses haben /
So werden uns die gaben /
Die wir zu diesem leben
Bedürffen / wol gegeben.

16. Eh himmel und die erden
Zu nichte müssen werden /
Als solten seyn verlassen /
Die fleisches sorge hassen.

Eh(er)

 357.) Mel. Ach bleib bey uns / HErr JEsu &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
650 357 375 372 372 372 372
p. 606 299 476 316 283 423 283

Mein GOtt / ich dancke hertzlich dir /
Für alle gnade / die du mir
Von kindheit / biß auff diese stund /
So überflüssig hast gegunt.

Mein Gott

  

überflüssig

2. Du hast mich ja / durch deine macht /
An dieses helle licht gebracht /
Mit leib und seele schön geziert /
Und in die christenheit geführt.

Christenheit

3. Die erbsünd / welche bey mir hafft /
Die hat nunmehro keine krafft /
Dieweil du mir in meiner tauff
Den himmel hast geschlossen auff.

Taufe

4. Und ob ich wol durch meine sünd
Bey dir die strenge straffe find /
So [p. 300] gib'st du doch durch deinen sohn
Mir wieder die genaden-kron.

5. Du krönest mich mit solchem gut /
Da dessen wahrer leib und blut
Mir kräfftig leib und seele labt /
Und mit dem ewigen begabt.


Leib und Blut

6. Du segnest mich im meinem ampt /
Und was ich thu sonst insgesampt /
Das ist begnadet überall /
Drum sag ich billich noch einmal :

7. Mein GOTT / ich dancke hertzlich dir
Für alle gnade / die du mir
Von kindheit / biß auff diese stund /
So überflüssig hast gegunt.


Danck-lied / auß Psalm 66. letsten vers.

 358.) Mel. Nun dancket all GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
687 358 376 + Anh. 37 373 373 373 373
p. 637 300 477 + Anh. 49 317 284 424 284

GElobet und gepreißt
sey stets in meinem leben
GOtt Vatter / Sohn und Geist /
der mir viel gutes geben /
Und mich durch seine güt
von vieler angst und noth
Gantz vätterlich behüt't ;
Gelobet sey mein GOTT.

Gelobet

  

geben

2. So offt und manchmal ich
mit schwachem mund und lallen /
Mit bitten flehentlich
vor seinen thron gefallen /
Hat er mich nicht verschmäht /
der grosse Zebaoth /
Er gab / warum ich fleht ;
Gelobet &c.

manchmal

3. Wann menschen ihre hand
und hülff zuruck gezogen /
Blieb er im trauer-stand
mir immer noch gewogen /
Er hielt das schwache schiff /
und zeigt in noth und todt
Mir immer seine hülff ;
Gelobet sey mein Gott.


zuruck
Trauerstand

4. Hat mirs gefehlet offt
an reichthum und vermögen /
So hat sich unverhofft
der kummer müssen legen ;
GOtt segnet durch sein wort
die nahrung und mein brot /
Und nehrt mich immer fort ;
Gelobet &c.


Vermögen
unverhofft

5. Wann offt der feinde grimm
mich stürtzen wolt zu grunde /
Erhub ich meine stimm /
und öffnet meinen munde
Mit einem klag-geschrey /
ich klagt GOtt meine noth /
So folgt die hülffe frey ;
Gelobet &c.

6. Wann mancher heuchel-freund
gewohnt nur spott zu treiben /
Auch öffters viel gemeynt
mich gäntzlich aufzureiben /
So hat doch GOttes hand
des heuchlers hohn und spott
Von mir auff ihn gewandt ;
Gelobet &c.



gemeint

7. Wann leibes-kranckheit mich
mit überhäufften schmertzen
Gequälet jä erlich /
so stiegen auß dem hertzen
Der seuffzer grosse hauff /
als meiner seelen-bott /
Zum HErrn / der halff mir auff ;
Gelobet &c.

8. Fiel ich in manche sünd /
und hatt die straff verschuldet /
So wurd ich als ein kind
vom vatter doch geduldet ;
Er züchtigt vätterlich /
und gab mich nicht dem todt :
Er liebt auffs neue mich ;
Gelobet sey mein GOtt.

[p. 301]
9. Des satans list und macht
hat mich offt wollen stürtzen /
Und war darauff bedacht /
mein leben abzukürtzen
Durch manchen unglücks-fall /
doch hat GOtt solcher rott
Gewehret überall ;
Gelobet sey mein GOtt.

10. GOtt / ich bin zu gering !
Dir ist nichts zu vergleichen /
Ich leß / ich bett / ich sing /
und kans doch nicht erreichen ;
Doch weil ich reden kan /
will ich / HErr Zebaoth /
Diß i er stimmen an :
Gelobet sey mein GOtt.



leß


Vom Christlichen Leben und Wandel.

359.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
315 359 378 375 375 375 375
p. 299 301 479 319 285 426 285

KOmmt her zu mir / spricht Gottes sohn /
All' / die ihr seyd beschweret nun /
Mit sünden hart beladen :
Ihr jungen / alten / frau und mann /
Ich will euh geben was ich han /
Will heilen euren schaden.

Kommt her

2. Mein joch ist süß / mein bürd ist ring /
Wer mir's nachträgt mit dem geding /
Der höll wird er entweichen :
Ich will ihm treulich helffen trag'n /
Mit meiner hülff wird er erjag'n
Das ewig himmelreiche.

ring
geding

3. Was ich hab g'than und g'litten hie /
In meinem leben spat und früh /
Das solt ihr auch erfüllen.
Was ihr gedenck't / ja red't und thut /
Das wird euch alles recht und gut /
Wann's g'schicht nach GOttes willen.



erfüllen

  

geschicht

4. Gern wolt die welt auch selig seyn /
Wa  nur nicht wär die schwere pein /
Die alle christen leiden :
So mag es anders nicht geseyn /
Darum ergib sich nur darein /
Wer ewig' pein will meiden.


gesein

  

5. All creatur bezeuget das /
Was lebt im wasser / laub und gras /
Sein leiden kan's nicht meiden /
Wer dann in GOttes nam'n nicht will /
Zuletzt muß er des teuffels ziel
Mit schwerem g'wissen leiden.

6. Heut ist der mensch schön jung und lang /
Sih' morgen ist er schwach und kranck /
Bald muß er auch gar sterben.
Gleich wie die blumen auff dem feld /
Also muß auch die schnöde welt
In einem huy verderben.

Hui

7. Die welt erzittert ob dem tod /
Wann einer ligt in letster noth /
Dann will er erst fromm werden.
Ei-[p. 302]ner schafft diß / der ander das /
Sein'r armen seel er gantz vergaß /
Dieweil er lebt auff erden.

ob

8. Und wann er ni er leben mag /
So hebt er an ein' grosse klag /
Will sich erst GOtt ergeben.
Ich förcht fürwar / die göttlich' gnad /
Die er allzeit verspottet hat /
Wird schwerlich ob ihm schweben.

9. Ein'm reichen hilfft doch nicht sein gut /
Dem jungen nicht sein stoltzer muth /
Er muß auß diesen meyen.
Wann einer hät die gantze welt /
Silber und gold / und alles geld /
Noch muß er an den rey .

Maien

  

Reihen

10. Dem g'lehrten hilft doch nicht sein' kunst /
Der weltlich' pracht ist gar umsonst /
Wir müssen alle sterben.
Wer sich in Christo nicht ergeit /
Weil er lebt in der gnaden-zeit /
Ewig muß er verderben.

ergeit

11. Höret und merckt ihr lieben kind /
Die jetzund GOtt ergeben sind /
Laßt euch die müh nicht reuen.
Halt stets am heil'gen Gottes-wort /
Das ist eu'r trost und höchster hort /
GOtt wird euch schon erfreuen.

Halt

12. Nicht übel ihr um übel gebt /
Schaut / daß ihr hie unschuldig lebt /
Laß't euch die welt nur äffen.
Gebt GOtt die rach und alle ehr /
Den engen steg geht immer her /
GOTT wird die welt schon straff .

äffen

13. Wann es gieng nach des fleisches muth /
In gunst und g'sund mit grossem gut /
Würd't ihr gar bald erkalten.
Darum schickt GOtt die trübsal her /
Damit eu'r fleisch gezüchtig't werd /
Zur ew'gen freud erhalten.


in Gunst

14. Ist euch das creutz bitter und schwer /
Gedenck't wie heiß die hölle wär /
Darein die welt thut rennen :
Mit leib und seel muß leidend seyn
Ohn unterlaß die ewig' pein /
Und mag doch nicht verbre en.

ewige Pein

15. Ihr aber werd't nach dieser zeit
Mit Christo haben ew'ge freud /
Dahin solt ihr gedencken.
Es lebt kein mann / der außsprech'n kan
Die glori und den ew'gen lohn /
Den euch der HErr wird schencken.

Glori

16. Und was der ewig' gütig' GOtt
In seinem wort versprochen hat /
Geschwor'n bey seinem nahmen /
Das hält und gibt er g'wiß fürwahr /
Der helff' uns zu der engel-schaar /
Durch JEsum Christum / Amen.

[p. 303]

360.) Mel. Durch Adams fall ist gantz verderbt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
316 360 379 376 376 376 376
p. 301 303 482 320 287 428 287

ACh höchster GOtt / verleihe mir /
daß ich nur dich begehre /
Und daß mich dein geist für und für
Durch dein wort neu gebähre !
Daß ich / dein kind /
Dich such und find
In allem creutz und leiden /
Damit noch todt /
Noch höllen-noth
Von dir mich könne scheiden.

Ach höchster

  

  



noch

2. Gib meinem hertzen wahre reu /
Und thränen meinen augen /
Daß ich hinfort das böse scheu /
Und meine wercke taugen !
Hilff daß ich recht
Nur sey dein knecht /
Auch stets ein schutz der armen /
Der in der zeit /
Voll freundlichkeit /
Sich ihrer mög erbarmen.

3. Lösch auß in mir des fleisches lust /
Daß nichts / als deine liebe /
In dieser welt mir sey bewust /
Und stets also mich übe /
Nach deinem wort /
An allem ort /
In tugendlichen dingen :
So wird mein geist
Sich allermeist
Zu dir / HErr JEsu / schwingen.

4. Treib auß von mir den stoltzen sinn /
Laß mich in demuth leben /
Neid / rach und zorn nimm von mir hin /
So kan ich bald vergeben :
Wann schon durch list
Mein nebenchrist
Ins elend mich getrieben /
Weiß ich doch wol /
Daß man auch soll
Sein ärgsten feinde lieben.

5. Gib mir / HErr / diese dreyerley :
Erst einen festen glauben /
Bey welchem rechte treue sey /
Die nimmer steh auff schrauben :
Daß ich mich üb
In wahrer lieb /
Und hoff auf deine güte /
Die mich / o GOtt /
Für schand und spott /
Auch biß ins grab / behüte.


  

auf Schrauben

  



für = vor

6. Nach vielem reichthum / gut und gelt /
HErr / laß mich ja nicht trachten /
Gib / daß ich allen pracht der welt
Mög inniglich verachten /
Auch nimmermehr
Nach hoher ehr
Und grossem nahmen strebe /
Besondern nur
Nach rechter schnur
Der wahren christen lebe.

besondern

  

7. Für schmeicheln / list und heucheley
Bewahre meine sinnen /
Und laß mich ja durch gleißnerey
Den nächsten nicht gewinnen :
Laß ja und nein
Mein' antwort seyn
Darnach man sich zu richten /
Dann dieses kan
Bey jederman
Die sache leichtlich schlichten.



Gleißnerei
  
ja und nein

8. HErr / säubere von [p. 304] eitelkeit
Mein sündliches gemüthe /
Daß ich in dieser kurtzen zeit
Für schnöder lust mich hüte :
Des hertzens grund
Sey wie der mund /
Dem nächsten nicht zu schad  /
So werd' ich nicht /
Wie sonst geschicht /
Mit schmach und schimpff beladen.



kurze Zeit

9. Gib / daß ich ja den müssiggang /
Sampt aller trägheit / hasse /
Dagegen / HErr / mein lebenlang
Mein' arbeit so verfasse /
Daß ich zur noth
Mein täglich brodt
Mit ehren mög erwerben /
Und wenn ich soll /
Fein / sanfft und wohl /
In dir / HErr JEsu / sterben.


mein Brot

  

wenn ich soll

  

10. Ach ! gib mir deinen guten geist /
Daß ich die laster fliehe /
Und nur um das / was christlich heißt /
Von hertzen mich bemühe /
So kan kein leid
In dieser zeit
Auß deiner hand mich treiben /
Besondern ich
Werd' ewiglich
Bey dir / HErr JEsu / bleiben.


Zeit

  

  



Lied / Cantique 361