Cantique / Lied 360

361.) Mel. HErr JEsu Christ du höchstes gut / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
317 361 380 377 377 377 377
p. 302 304 484 321 288 430 288

O Vatter der barmhertzigkeit /
Ich falle dir zu fusse :
Verstoß den nicht / der zu dir schreyt /
Und thut noch endlich busse.
Was ich begangen wider dich /
Verzeih' mir alles gnädiglich /
Durch deine grosse güte.

O Vater

2. Durch deiner allmacht wunderthat
Ni   von mir / was mich quälet :
Durch deine weißheit schaffe rath /
Worinnen mir's sonst fehlet :
Gib willen / mittel / krafft und stärck /
Daß ich mit dir all' meine werck
Anfange und vollende.

3. O JEsu Christe / der du hast
Am creutze für mich armen
Getragen aller sünden last /
Woll'st meiner dich erbarmen.
O wahrer GOtt / o Davids sohn /
Erbarm dich mein / und mein verschon /
Sih' an mein kläglich ruffen.

4. Laß deiner wunden theures blut /
Dein todes-pein und sterben
Mir ko en kräfftiglich zu gut /
Daß ich nicht muß verderben :
Bitt' du den Vatter / daß er mir
Im zorn nicht lohne nach gebühr /
Wie ich es hab verschuldet.

5. O heil'ger Geist / du wahres licht /
Regierer der gedancken /
Wa   mich die sünden-last anficht /
Laß mich von dir nicht wancken :
Verleih' / daß nun und ni ermehr
Begierd noch wollust / geld [p. 305] und ehr
In meinem hertzen herrsche.

6. Un we   mein stündlein kommen ist /
So hilff mir treulich kämpffen /
Daß ich des satans trotz und list
Durch Christi sieg mög dämpffen :
Auff daß mir kranckheit / angst und noth /
Und dann der letzte feind der todt
Nur sey die thür zum leben.

mein Stündlein


362.) Im Thon : In dich hab ich gehoffet &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
318 362 381 378 378 378 378
p. 302 305 485 322 289 431 289

GOTT / dessen güt sich weit ergeußt /
Du quell / drauß alle weißheit fleußt :
Ich klage dir mit schmertzen /
Daß keine lieb zur weißheit ist
Bey mir in meinem hertzen.

Gott, dessen
Weisheit

2. Die weißheit ist die höchste zier /
Doch hab ich wenig lust zu ihr :
Vielmehr hab ich belieben
Zur eitelkeit von dieser welt /
Darinnen mich zu üben.

Belieben

3. Vergib mir / Vatter / solche sünd /
Daß ich zum guten bin so blind :
Erleucht mir mein gemüthe /
Daß ich hinfort die weißheit lieb /
Und bitt von deiner güte.

bitt

4. Dann ich ja gnugsam spüre nun /
Daß mein und aller menschen thun /
All glück und aller segen
Bey dir besteht : und wers da sucht /
Der geht auff rechten wegen.

besteht

5. Es steht in keines menschen macht /
Daß sein rath werd ins werck gebracht /
Daß er sich dessen freue :
Des Höchsten rath der macht allein /
Daß menschen rath gedeye.


Rat

6. Offt denckt der mensch in seinem muth / :
Diß oder jenes ist ihm gut /
Und ist doch nicht getroffen :
Offt meynt er auch / daß schädlich sey /
Worauff er solte hoffen.


getroffen

7. So fängt auch mancher weiser mann 
Ein werck offt starck und eiffrig an /
Und bringts doch nicht zum stande :
Er meynt / daß er hab fest gebaut /
Und steht auff lauterm sande.


zum Stande

8. Ob gleich ein mensch sonst weißheit hat /
So weiß er doch nicht GOttes rath /
Und was der hat erwehlet :
Der irdisch leib den geist beschwert /
Daß er gar leichtlich fehlet.

9. Drum gib mir GOtt / das edle licht /
Das sich von deinem angesicht
In fromme seelen strecket :
Auff daß in mir durch deine krafft
Die weißheit werd erwecket.

10. Verleihe / HErr / daß für und für
Ich richten mög mein hertz zu dir /
So offt ich was anfange :
Und daß ich dann auß gnaden auch
Den rath von dir erlange.

Rat

11. Gib mir verständniß auß der höh /
Und daß ich nimmermehr besteh
Auf eignem sinn und willen :
Laß mich ja nicht / was du nicht wilt /
Begehren zu erfüllen.

12. Hilff / daß ich auch zu jederzeit
Zuvor gern höre andre leut /
Und alls wohl unterscheide :
Die geister prüf / ihr hertz erkenn :
Was mir kan schaden / meide.

zu jederzeit

13. Ists werck von dir / so hülff zu glück /
Ists wider dich / so treibs zurück /
Und ändre meine sinnen :
Was [p. 306] dir mißfällt / laß von sich selbst
Ohn nachtheil nur zerri en.

14. Was ich thun und verrichten soll /
Laß andern mit gefallen wol /
Ihr hertz dazu auch wende :
Daß ichs darauff mit ihrer hülff
Bald bring zu gutem ende.


mit

15. Den stoltz und vorwitz von mir treib /
Daß ich in meinen schrancken bleib /
Und mich zu dem bequeme /
Was mir obligt in meinem ampt /
Daß ich mich deß annehme.

Vorwitz

16. Gib / daß ich wäg all meine wort /
Stets unterscheide zeit und ort
Bey allem thun und lassen :
Wenn sich auch gibt gelegenheit /
Daß ich sie recht mög fassen.

Gelegenheit

17. Das finstre laß mich nicht zum licht /
Das licht zum finstern machen nicht :
Hilff / daß ich ehrlich handle /
In allem thun / bis an mein end
Auffrichtig vor dir wandle.

† 18. Gott Vatter in den höchsten thron /
Gib mir durch Christum deinen sohn
Deins geistes gute gaben :
Daß ich dadurch in allem mög
Die rechte weißheit haben.


363.) Mel. Helfft mir Gotts güte preisen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
319 363 382 379 379 379 379
p. 304 306 487 324 290 433 290

VOn GOtt will ich nicht lassen 
Dann er läßt nicht von mir :/:
Führ't mich auff rechter strassen /
Da ich sonst irret sehr.
Er reich't mir seine hand /
Den abend als den morgen
Thut er mich wol versorgen /
Sey wo ich woll' im land.

Von Gott will

rechter
irret

2. Wann sich der menschen hulde
Und wolthat all verkehrt :/:
So find't sich Gott gar balde /
Sein' gnad und macht bewährt :
Und hilfft auß aller noth /
Errett't von sünd und schanden /
Von ketten und von banden /
Und wann's auch wär der todt.

bewährt

3. Auff ihn will ich vertrauen
In meiner schweren zeit :/:
Es wird mich nicht gereuen /
Er wendet alles leid.
Ihm sey es heimgestellt /
Mein leib / mein seel / mein leben /
Sey GOtt dem HErrn ergeben /
Er mach's / wie's ihm gefällt.


heimgestellt

4. Es thut ihm nichts gefallen /
Dann was mir nutzlich ist :/:
Er meynt's gut mit uns allen /
Schenckt uns den HErren Christ /
Sein'n allerlliebsten sohn /
Durch ihn er uns beschehret /
Was leib und seel ernehret /
Lob't ihn ins himmels thron.


dann

  

  

Leib und Seel

5. Lob't ihn mit hertz und munde /
Welch's er uns beydes schenckt :/:
Das ist ein sel'ge stunde /
Darinn man sein gedenckt.
Sonst verdirbt alle zeit /
Die wir zubring'n auff erden /
Wir sollen selig werden /
Und bleib'n in ewigkeit.

[p. 307]
6. Auch wann die welt vergehet
Mit ihrem stoltz und pracht :/:
Wed'r ehr noch gut bestehet /
Welch's vor war groß geacht.
Wir werden nach dem todt
Tief in die erd begraben /
Wa   wir geschlaffen haben /
Will uns erwecken GOtt.


Auch wenn

7. Die seel bleibt unverlohren /
Geführt in Abrams schooß :/:
Der leib wird neu gebohren /
Von allen sünden loß /
Gantz heilig / rein und zart /
Ein kind und erb des HErren /
Daran muß uns nicht irren
Des teuffels listig' art.

irren

8. Darum ob ich schon dulde
Hie widerwärtigkeit :/:
Wie ich auch wol verschulde /
Ko t doch die ewigkeit /
Ist aller freuden voll /
Dieselb' ohn einig's ende /
Dieweil ich Christum kenne /
Mir widerfahren soll.

einiges


9. Das ist des Vatters wille /
Der uns geschaffen hat :/:
Sein sohn hat gut's die fülle
Erworben / und genad.
Und GOtt der heilig' Geist
Im glauben uns regieret /
Zum reich der himmel führet :
Ihm sey lob / ehr u   preiß.

* Den höchsten GOtt dort oben /
Sampt Christo seinem sohn :/:
Wollen wir alle loben /
Den heiligen geist fron /
Zu dieser letsten zeit /
Die wollen uns auch geben /
Endlich das ewig' leben /
Mit höchster wonn und freud.

fron



364.) Mel. Ach JEsu dessen treu &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
320 364 383 380 380 380 380
p. 305 307 489 325 291 435 291

HErtzallerliebster Gott / der du mir dieses leben /
Leib / seele und vernunfft auß gnaden hast gegeben /
Regiere ferner mich durch deinen guten geist /
Daß er in allem thun mir krafft und beystand leist.

Herzallerliebster


2. Hilff / daß ich allezeit des fleisches lüste meide /
Hingegen embsiglich des geistes wercke treibe /
Und gute ritterschafft außübe / auch dabey
In hoffnung immer starck und fest gegründet sey.

3. Gib / daß ich als ein christ / wie Christus mich bezeige /
Und meine ohren stets zu seiner lehre neige :
Im glauben stärcke mich / daß ich der argen welt
Nicht folge / wann sie mich von deinem wort abhält.

bezeige

4. Entzünde du mein hertz mit deiner wahren liebe /
Und gib / daß ich zugleich am nächsten liebe übe /
Verleihe mir gedult / wann trübsal bricht herein /
Und hilff / daß ich im glück demüthig möge seyn.

[p. 308]
5. Verleihe daß ich stets nach deinem reiche ringe /
Auff daß dein segen sich zu mir herunter dringe /
Wer nach dem ewigen vor allen dingen tracht't /
Der wird auch wol mit dem / was zeitlich ist / bedacht.


deinem Reich

6. Haß / falschheit / übermuth / und heucheley darneben /
Laß ja an mir nicht seyn in meinem gantzen leben /
List / unrecht / frevel / geitz und unbarmhertzigkeit
Sey ferne weg von mir / o GOtt / zu aller zeit.

7. Mit deiner rechten hand / HErr / wollest du mich leiten /
Und schützen tag und nacht / daß meine tritt nicht gleiten.
Du wollest meine burg und schutz in nöthen seyn /
Wa   ich in meinem ampt außgehe oder ein.

rechte Hand

Burg

8. Zuletzt erlöse mich von allem creutz und leiden /
Und wa   ich soll einmal von dieser welt abscheiden /
So stehe du mir bey mit deiner gnadenhand /
Und führe mich hinauff ins rechte vatterland.

Vaterland

† 365.) Mel. O mensch bewäin dein Sünde groß / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 365 384 381 381 381 381
p. - 308 490 325 292 436 292

DAs end / wie auch die ewigkeit /
Recht zu bedencken allezeit /
Woll'st du / HErr / gnade geben :
Ach hilff / daß wir von deiner lehr
Nicht nur viel schwätzen / sondern mehr
Recht nach derselben leben !
Verleih' uns weißheit / krafft und geist /
Daß wir doch trachten allermeist
Auff diesen Grund zu bauen /
Den Christus uns gezeiget hat ;
Und hilff uns betten durch dein gnad
In völligem vertrauen !

Das End

  


  
schwätzen

2. HErr / der du bist von ewigkeit
Ein GOtt von großer herrlichkeit /
Von güte / macht und ehre /
Dich ruff ich an hertzi iglich :
Mit deiner gnad umfahe mich /
Dein wort und recht mich lehre !
Den heil'gen Geist verleihe mir /
Der mich zu JEsu Christo führ /
Daß ich recht glaub und lebe.
Du selbst / o HErr ! regiere mich
Zu deinen ehren / auff daß ich
Der sünd stets widerstrebe.

umfahe

  


3. Den glauben / lieb und hoffnung stärck /
Daß ich im stande guter werck
Stets mög erfunden werden ;
Daß ich zieh' JEsum Christum an /
Und folg' ihm auff der schmalen bahn /
So lang ich leb' auff erden :
Daß ich meid' alle heucheley /
Von hertzen recht gottselig sey /
[p. 309] Wie du befihl'st den frommen !
Auff daß ich auch nach dieser zeit /
O Gott ! in deine herrlichkeit
Mit fried u   freud mög ko en.

Hoffnung
im Stande

† 366.) Mel. Ach GOtt vom hi el sih darein / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 366 385 382 382 382 382
p. - 309 491 326 292 437 292

HIlff / lieber GOtt ! wie grosse noth
Hat uns're zeit betrofffen !
Ob uns gleich nichts als unglück droh't /
Will man doch's beste hoffen :
Man saget allenthalben frey /
Daß es so böß mit uns nicht sey ;
Wir sind ja gute christen.

Hilf, lieber Gott

2. Ein jeder leb't in sünden fort /
Und will sich nicht bekehren ;
Man thut nicht nach des HErren wort /
Man läßt es nur beym hören :
Genug / daß man zur kirch geweßt /
Ob man das böse gleich nicht läßt /
Das soll GOtt dienen heissen.

gewest

soll

3. Ey / dencket man / man kan doch nicht /
Wie GOttes wort will / leben ;
Es ist uns wol ein helles licht /
Wir sollen darnach streben ;
Es wär wol gut und stünde fein ;
Doch kan man nicht vollko en seyn /
Wir sind gar schwache menschen.

stünde fein

  

4. Zwar tröst't man sich : Christ ist für mich /
Das glaub ich ja / gestorben /
Hat mir durch's leiden mildiglich
Die seligkeit erworben /
Den himmel durch sein blut erkaufft /
So bin ich auch auff ihn getaufft /
Soll ich nicht selig werden ?

5. Ja freylich / so dein glaub ist recht /
So kanst du diß auch hoffen /
Der macht allein vor Gott gerecht /
Und zeigt den himmel offen :
Doch hat der glaub die buß zum grund /
Er steht mit GOtt im festen bund /
Nach seinem wort zu leben.

6. Folg't dieses auf den glauben nicht /
Daß man im gantzen leben
Sich nach des HErren willen richt't /
So ist der glaub nicht eben ;
Er ist ein traum und falscher wahn /
Es geh't der mensch auff breiter bahn /
Die zur verda niß führet.

eben

7. Für uns ist Christi reines blut
Zum löse-geld gegeben /
Doch ko t es denen nicht zu gut /
Die nach dem fleische leben.
Wer hier der sünde nicht abstirbt
Durch Christi tod / derselb verdirbt
In seinen sünden ewig.

8. Das düncket manchem allzuhoch /
Er will nicht davon hören /
Er dencket wol : was ist es [p. 310] doch ?
Diß sind ja neue lehren ;
Ey lieber / wenn es also wär /
So wären viel verda t bißher /
Und wenig selig worden.

9. Sagt aber nicht des HErren wort /
Daß wenig außerwählet ?
So steh't auch von der engen pfort /
Daß Christus wenig zählet /
Die richtig durch dieselbe geh'n /
Und auff dem schmalen wege steh'n /
Daß sie zum leben kämen.

Wort

10. Und endlich will auch mancher nicht
Von wahrer busse hören /
Er schiebt es immer auff / und spricht :
Ich will mich noch bekehren ;
Jetzt hab ich diß und das zu thun .
Ich kan noch nicht / wie ich will / ruhn !
Es soll noch wol gut werden.

11. O lieber mensch ! was denckest du /
Des liebsten Vatters arme
Sind außgestreckt / er rufft dir zu /
Daß er sich dein erbarme.
Wie offt ist schon durch seine macht
Dir dein gewissen aufgewacht /
Und du wilt noch nicht hören.

12. O sünder ! widerstrebe nicht /
Wenn dich der Vatter ziehet /
Wenn ihm zu dir sein angesicht
In heisser liebe glüet :
Gewiß / er meynt es gut mit dir ;
Er will mit gnaden für und für
Dich reichlich übergiessen.

zu dir

13. Nur seufftze / flehe / kämpff und ring /
Er will die wunden heilen ;
Die seligkeit ist nicht gering /
Die er dir will mittheilen ;
Mach dich von deinen sünden loß /
So will er dich auff seinem schooß
In süsser lieb umarmen.

14. Sein himmel soll dir offen steh'n
Mit lauter freud und wonne :
Er will in dir mit krafft aufgeh'n /
Zur lust / zur freud / zur sonne :
Dann solt du freudig seine bahn
Forlauffen / und stets himmel-an
Mit deinem hertzen steig .

15. O mensch / o mensch ! was säumest du /
Dem HErrn dich zu ergeben ?
Du findest doch sonst keine ruh
In deines fleisches leben :
Drum reiß das sünden-band entzwey /
Laß JEsum Christ dich machen frey /
So solt du ewig leben.


† 367.) Im Thon : Wer nur den lieben GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 367 386 383 383 383 383
p. - 310 494 328 294 439 294

MEin GOTT ! ach ! lehre mich erkennen
Den selbst-betrug und heuchel-schein /
Daß tausend / die sich christen nennen /
Mit nichten Christi [p. 311] glieder seyn.
Ach ! wirck' in mir / zu deinem ruhm /
Mein GOtt / das wahre christenthum.

Mein Gott, ach

2. Hilff / daß ich dir allein ergeben /
Und mir gantz abgesaget / sey /
Laß mich mir sterben / dir zu leben /
Ach ! mach' in mir / HErr / alles neu.
Ach ! wirck in mir / zu deinem &c.

dir zu leben

3. Reiß du mein hertz loß von der erden /
Und nimm mich von mir selber hin /
Laß einen geist mit dir mich werden /
Und gib mir meines Heylands si .
Ach ! wirck in mir / zu &c.

4. Ach ! führe mir hertz / leib und seele /
Damit ich Christo folge nach /
Daß ich den schmalen weg erwähle /
Und ehre such' in Christi schmach.
Ach ! wirck in mir / zu &c.

5. Hilff / daß ich fleisch- und welt-geschäffte
Ertödt / und dir verbleibe treu /
Daß ich an Christi creutz mich heffte /
Und mir die welt gecreutzig't sey.
Ach ! wirck in mir &c.

hefte

6. Laß meinen glauben / hoffnung / liebe /
Lebendig / fest und thätig seyn /
Daß ich biß an mein sterben übe
Das christenthum ohn heuchler-schein.
Ach ! wirck in mir / zu &c.

7. So hab ich schon auf dieser erde
Den hi el und das paradieß :
Wenn ich mit GOtt vereing't werde /
Schmeck' ich des himmels lust-genieß.
Ach wirck in mir / zu deinem ruhm /
Mein GOtt / das wahre christenthum.

genieß

  


Philipp. II,12.

† 368.) Mel. Alle menschen müssen sterben / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 368 387 384 384 384 384
p. - 311 495 328 295 439 295

Schaffet / daß ihr selig werdet /
Ihr / die ihr woll't selig seyn /
Euch zwar christlich hie geberdet /
Doch davon tragt blossen schein ;
Dencket / wenn der HERR wird ko en /
Hie zu richten böß und frommen /
Daß ihr schafft mit furcht allein /
Wie ihr möget selig seyn.

Schaffet

2. Schafft mit grosser forcht und zittern /
O ihr sünder allzumal /
Wann der letzte tag wird wittern /
Daß ihr denn der höllen-quaal
Mit erfreuter seel entgehet /
Nicht zur lincken JESU stehet :
Schafft mit furcht hier in gemein /
Daß ihr dann mög't selig seyn.

forcht

wittern

  

Linken

3. Schaffet / daß ihr selig werdet /
Trau't nicht eurem fleisch und blut /
Das sich heilig hier geberdet /
Und es doch nie meynet gut ;
Flieh't das fal-[p. 312]sche christen-leben /
Bleib't an JEsu leben kleben ;
Dem folg't / schafft hier in gemein /
Daß ihr möget selig seyn.

leben

  

4. O HERR / der du durch dein leiden
Uns so theu'r erlöset hast /
Laß uns nicht seyn abgescheiden
Von dir ; reiß weg uns're last !
Brich in uns die macht der sünden /
Laß und gnad und leben finden :
Deine treue lieb allein
Schaffet / daß wir selig seyn.


† 369.) Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 369 388 385 385 385 385
p. - 312 496 329 295 440 295

WOhl dem / der sich mit ernst bemühet /
Daß er ein jünger Christi sey :
Der CHristum als sein kleid anziehet
Im glauben / und durch ihn wird frey /
Der Christum stets zum zweck ihm setzt /
Ihn über welt und himmel schätzt.


Wohl dem

  


ihm

2. Wohl dem / der ihn zum licht und wege
Erwählet / und ihm folget nach /
Auff der verläugnung schmalen stege /
Und auff sich nimmet seine schmach :
Der sich befleißt an seinem heil
Im glauben stets zu haben theil.


Verleugnung

  

3. Was hilfft's sonst / daß er ist empfangen /
Und fleisch und bluts theilhaftig ward ?
Wa  wir nicht auch darzu gelangen /
Daß er sich in uns offenbahrt;*
Doch soll er in dich kehren ein /
So muß dein hertz rechtschaffen seyn.
     * Joh. 14/21.


offenbart

  

4. Was hilfft's / daß Christus uns gebohren /
Und uns die kindschafft wieder bringt ?
Wenn / da diß recht schon längst verlohren /
Man hiernach nicht im glauben ringt /
Wenn uns sein geist nicht neu gebiehr't /
Und man kein göttlich leben führ't.


Recht

  

5. Was hilfft dem menschen Christi lehre /
Der der vernunfft ein sclave bleibt ?
Nach eig'ner weißheit / wahn und ehre /
Sein leben / thun und wandel treibt.
Ein christ / der die verläugnung ehrt /
Folgt dem nur / was ihn Christus lehrt.


Sklave

6. Was hilfft uns Christi thun und leben /
Was demuth / lieb und freundlichkeit ?
Wann wir dem soltz und haß ergeben /
Und schänden seine heiligkeit.
Was hilfft's / nur mit dem mund allein /
Und nicht im werck ein christe seyn ?


Was Demut

7. Was hilfft uns Chri-[p. 313]sti angst und leiden /
Wa   man nicht will ans leiden geh'n ?
Nur nach der pein sind süß die freuden /
Und nach der schmach steh't purpur schön.
Wer hier nicht seinen Adam kränckt /
Dem wird die krone nicht geschenckt.


Adam

8. Was hilfft uns Christi todt und sterben /
We   wir uns selbst nicht sterben ab ?
Du lieb'st dein leben zum verderben /
Führ'st du die lust nicht in sein grab.
Es bleibt dir Christi todt ein bild /
We   du dir selbst nur leben wilt.


sein Grab

  

9. Was hilfft sein lösen und befreyen /
Wo man nicht bleibt im bunde steh'n /
Was hilfft / HErr / HErr und Meister ! schreyen /
Wenn man will stets zurücke seh'n ?
Was hilfft dem / daß er ist versühnt /
Der noch der welt und sünden dient ?


Herr

dem

10. Was hilfft dir Christi aufferstehen /
Bleib'st du noch in dem sünden-tod ?
Was hilfft dir sein gen hi el gehen /
Kleb'st du noch an der erden koth ?
Was hilfft dir sein triumph und sieg /
Führ'st du mit dir nicht selber krieg ?

11. Wohlan / so lebe / thu und leide /
Wie Christus dir ein vorbild war ;
Sih' / daß dich seine unschuld kleide /
So bleib'st du in der seinen schaar ;
Wer Christi ist / sucht nur allein
Im leben Christo gleich zu seyn.



der Seinen

† 370.) Mel. Nun dancket alle GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 370 389 386 386 386 386
p. - 313 498 330 296 442 296

ICh dancke dir / mein GOtt ! daß du mir hast gegeben
Den sinn / der gerne dir will hier zu ehren leben :
Regier nun auch mein hertz ; steh' mir bey früh und spat ;
In allem meinem thun gib selber rath und that !

Ich danke dir

2. Laß mein vorhaben stets auff deine augen sehen /
Die alles sehen / was ich thu / was soll geschehen !
Laß die gedancken stets auff dieser probe steh'n :
GOtt siht's / Gott hört's / Gott strafft's / du kanst ihm nicht entgeh'n.


was ich tu

3. Lehr' mich bedencken wohl in allen meinen sachen :
Ist's dann auch recht / wann ichs der welt gleich wolte machen ?
Ist de   auch recht / ob's gleich die menschen sehen nicht ?
Ists recht vor Gott ? ists recht vor sein   angesicht ?


gleich

seinem

4. Ach ! führe mich / mein GOtt ! und laß ja nicht geschehen /
Daß ich [p. 314] solt ohne dich auch einen schritt nur gehen !
Denn wo ich selbst mich führ / so stürtz ich mich in todt :
Führ'st du mich aber / Herr ! so hat es keine noth !

führe mich

in Tod

5. Laß mich verlassen mich / und von mir selbst entbinden /
Nicht suchen mich / nur dich ; so werd' ich mich doch finden
An einem bessern ort : sucht' ich mich ohne dich /
So würd' ich doch gewiß niemahls recht finden mich.

6. Laß deine gnad an mir doch ja nicht seyn vergebens !
Erfülle mich vielmehr mit kräfften deines lebens /
So / daß ich meine seel in ewigkeit erhöh /
Und ich schon jetzt in dir geh' / sitze / lig' und steh' !


† 371.) Mel. Ach bleib bey uns / HErr JEsu &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 371 390 387 387 387 387
p. - 314 499 331 297 443 297

Schaff in mir/ GOtt/ ein reines hertz/
Ein hertz / das sich stets hi elwerts
Auffschwinge / und / von sünden frey /
Mit lust dir diene ohne scheu.

Schaff in mir

2. Erneure / was verblichen ist
In mir / durch satans trug und list /
Bestätige den schwachen si  /
Daß nicht der feind ihn reisse hin.



bestätige

3. Dein auge hat es wohl geseh'n /
Was durch betrug der lust gescheh'n ;
Ich bin nicht werth dein angesicht
Zu sehen : doch / HErr / zürne nicht.

4. Den geist / das theure liebes-pfand /
Den deine gunst mir zugewandt /
Ni   nicht / wie ich's verdient / von mir /
Weil ich gesündig't hab an dir.

5. Laß aber seiner gnaden krafft /
Die fried und freude in uns schafft /
Den trost einflössen meinem geist ;
Darauff dein wort uns hoffen heißt.

6. So werd' ich auch ohn furcht und zwang
Mit freuden richten meinen gang /
Zu deiner ehr / nach deinem wort /
Und selig seyn so hier und dort.

7. Dem Vatter / Sohn und heil'gem Geist /
der aller blöden tröster heißt /
Sey preiß / danck / ruhm und herrlichkeit /
Von nun an biß in ewigkeit.


blöden

1. Joh. I,5-7.

† 372.) Mel. Nun ruhen alle wälder / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 372 391 388 388 388 388
p. - 314 500 331 297 444 297

WAs CHristi bothen lehren /
Und was sie von ihm hören /
Muß lauter warheit seyn :
Diß wort / das ni er treuget /
Hat uns vorlängst bezeuget /
Gott sey ein licht und heller schein.

Was Christi

  

treuget

2. Er ist ein heilig we-[p. 315]sen /
Wie in der schrifft zu lesen /
Er ist gerecht und treu /
Er zeigt nach seinem triebe /
Dem menschen güt' und liebe /
Und hasset alle heucheley.

3. Er will davon nicht wissen /
Was in den finsternissen
Betrug und falschheit stifft :
Er ist davon entfernet ;
Wer finst're wege lernet /
Macht' / daß ihn die verdammniß trifft.

stifft

4. Will jemand seine gaben /
Mit ihm gemeinchafft haben /
Und doch im tunckeln geh'n :
Der dencke nur beyzeiten /
Daß keine dunckelheiten
Vor seinem angesicht besteh'n.

Gaben

tunkel

5. Wer sich des HErren rühmet /
Und lebt nicht / wie sich's ziemet /
Der ist ein lügen-geist :
Es ist auß seinen wercken
Ein tückisch hertz zu mercken /
Das ihn nicht einen HErren heißt.

6. Die recht und redlich handeln /
Die in dem lichte wandeln /
Wie Gott dari e  wohnt /
Und böses thun verda en /
Die halten sich zusa en /
Ihr glaubens-eifer wird belohnt.

7. Er will die müh' versüssen /
Sie sollen sein geniessen /
Was er hat / ist auch ihr :
Sie geben sich ihm wieder /
Er saubert seel und glieder
Von missethat unbd ungebühr.


genießen

wieder
saubert

8. Er waschet sie von sünden /
Die sie annoch empfinden /
Im Blute JEsu Christ :
Sein tod und heilig leben
Kan ihnen alles geben
Was zur erlösung nöthig ist.



im Blute

9. Sein blut das er vergossen /
Ist über sie geflossen /
Und macht sie neu und rein ;
Auff daß sie GOttes kinder /
Des fleisches überwinder /
Dem erstgebohrn  ähnlich seyn.

10. Wen wollust noch beflecket /
In wem der frevel stecket /
Wer schnödes unrecht liebt /
Ist der für rein zu schätzen ?
Was thut er mit geschwätzen ?
Wenn er das gegentheil verübt.

Geschwätzen

11. Bey GOtt hilfft keine lügen /
Er läßt sich nicht betriegen ;
Was vor ihm gelten soll /
Das muß zum werck und thaten
Durch seinen sohn gerathen ;
Was wahrheit ist / gefällt ihm wohl.


betriegen

12. Hat die euch eingenommen /
Ist Christus zu euch kommen /
Habt ihr gerechtigkeit /
Die er im blut geschencket /
Womit er euch geträncket /
So wirckt sie das / was er gebeut.

hat die

[p. 316]
13. Sie wird in euch erfüllet /
Was böses in euch quillet /
Dem thut sie widerstand /
Sie ist nicht sonder kräffte /
Sie treibet ihr geschäffte /
Und wird an ihrer frucht erkannt.


sie

14. Sein blut macht euch so reine /
Daß diß im licht erscheine /
Und ihr geheiligt seyd :
Wer ein's vom andern trennet /
Hat keines nicht / und rennet
Im sünden-koth und dunckelheit.


trennet

15. Mein GOtt / laß diß erkennen /
Die sich von Christo nennen /
Und doch die finsterniß
Mehr als die sonne lieben /
Und immerhin außüben /
Was ihnen bringt den tod gewiß.


von Christo

† 373.) Ach ! Gott vom himmel sih darein &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 373 392 389 389 389 389
p. - 316 502 332 298 446 298

WEltliche ehr und zeitlich gut /
Das nur der welt beliebet ;
Wollust und aller übermuth /
Was fleisch und blut außübet /
Ja aller pracht und stoltzer ruhm /
Verfällt wie eine wiesenblum :
o mensch / thu es bedencken !

Weltliche Ehr

  


Pracht

2. Bild dir dein ende täglich für /
Der tod wird nicht verweilen /
Er stehet schon vor deiner thür /
Will leib und seele theilen ;
Er klopffet an / du mußt herauß /
Da wird gewiß nichts anders drauß /
De   wirst du lohn empfangen.


verweilen

teilen

  

denn

3. Ach ! hättest du nun recht gethan /
Und dich zu GOtt bekehret /
Gewandelt auff der schmalen bahn /
Wie Christus dich gelehret ;
So köntest du mit fried und freud
Hinwandern in die ewigkeit /
Da trost u   ruh' zu find .

4. Alldorten wird ein reines hertz
Viel tausend mahl mehr gelten /
Als alles silber / gold und ertz /
Ja mehr als hundert welten ;
So söhn' dich auß mit deinem GOtt /
Auff daß an dir der and're tod
Gar keine macht nicht habe.


alldorten

  

andre Tod

5. Wer gläubig Gottes willen thut /
Und hier sein fleisch bezwinget /
Trägt Christi joch / küßt GOttes ruth /
Durch tod ins leben dringet /
Hält sein gewissen keusch und rein /
Dem wird es dort viel besser seyn /
Als alle schätze haben.



trägt

  

haben

6. Von Christo wird diß nur erlangt /
Sein blut macht rein von sünden /
Wer JEsu gläubig hier anhangt /
Wird wahren ablaß finden ;
GOtt spricht ihn frey von aller [p. 317] schuld /
Und neiget zu ihm seine huld /
Weil er in Christo lebet.

Ablass

7. Drum wer ihm schätze sa let hier /
Und nicht gottselig lebet /
Ist warlich thummer als ein thier /
Dieweil er dem nachstrebet /
Das keinen trost nicht geben kan /
Muß alles steh'n und ligen lan
Im tod / und ewig leiden.

ihm

8. Wer aber die gottseligkeit
Zu seinem schatz ihm wählet /
Der trauet GOtt in leid und freud /
Sich nicht mit sorgen quälet /
Hat immer seine lust an Gott /
Der ist im leben und im todt
Recht reich / hat volle gnüge.



der

9. Drum saget Christus offenbar :
Wer herrschen will in freuden
Der scheue nicht noth und gefahr /
Geb' sich getrost ins leiden ;
Nehm auf sein creutz in aller still' /
Und thu' nicht was sein Adam will /
Wie ich ihm vorgegangen.

saget

10. Ein beyspiel geb' ich jederman /
Daß er auch also thue /
Wie ich euch allen hab gethan /
In mir ist wahre ruhe :
Was ich am creutz erworben hab /
Das schencke ich zu meiner gab
Dem / der sein creutze träget.

11. Ich nehm ihn auff zu jener schaar /
Die vor mir ewig prangen
In weissen kleidern i erdar ;
Wer darzu will gelangen /
Muß auch die trübsal und das creutz
Lieb haben / fliehen zorn und geitz /
Für seine feinde beten.


prangen

12. Wo nicht / so steht der höllen thür
Für böse seelen offen ;
Der leib muß endlich auch herfür /
Mein urtheil hat ihn troffen :
Geh't hin von mir ihr ungeheur /
Zum satan in das ewig' feu'r /
Zu leiden pein und schmertzen.


von mir

13. So glaubet doch von hertzen-grund
An Christum unsern HErren /
Bekennet ihn auch mit dem mund /
Helff't hier sein lob vermehren /
Durch liebe / demuth / mildigkeit /
Ach ! schmücket eure lamp bey zeit /
Gewiß er wird bald kommen.

schmücket

14. Regieret euch nach seiner lehr /
Thut seinem wort gehorchen.
Nun / HErr / dir sey lob preiß und ehr /
Dir ist gar nichts verborgen :
Regiere meinen geist und leib /
Mir dein gesetz ins hertze schreib /
Dein bin in / hilff mir / amen.

[p. 318]
Von der Liebe GOttes.

374.) Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
321 374 398 395 395 395 395
p. 306 318 518 342 307 458 307

WEr seinen JEsum recht will lieben /
Der achte nicht der eitelkeit /
Ihn kan kein ungemach betrüben /
Er bleibt auch treu bei rauher zeit.
Wer JEsum hat / und JEsum liebt /
Der liebt den / der den hi el gibt.

Wer seinen

2. Wer JEsum liebt / muß alles lassen /
Was falschen schein der liebe macht /
Nur seinen JEsum muß er fassen /
Auff ihn alleine seyn bedacht.
Wer JEsum hat / und &c.

3. Wer JEsum liebt / verlangt den hi el /
und ruh't an seines JESU brust /
Er läß't das böse welt-getü el /
Und seufftzet nach der hi els-lust.
Wer JEsum hat / und &c.

verlangt

4. Wer JEsum liebt / der kan nicht sterben /
Er lebt auch in dem tode noch /
Sein JEsus läß't ihn nicht verderben /
Ob hier ihn druckt der sünden joch.
Wer JEsum &c.



druckt

5. Wer JEsum liebt / kan sich ergetzen /
Wann ihn sein liebster JEsus küßt /
Wann er ins leben ihn wird setzen /
Und alles hertzeleid versüßt ;
Wer JEsum hat / und JEsum liebt /
Der liebt den / der den himmel gibt.

ergetzen


375.) Im Thon : Wie schön leuchtet der &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
322 375 399 396 396 396 396
p. 307 318 519 342 308 459 308

O JEsu / JEsu Gottes sohn /
Mein bruder und mein gnaden-thron /
Mein schatz / mein freud und wonne /
Du weissest / daß ich rede wahr /
Vor dir ist alles sonnen-klar /
Ja klärer als die sonne /
Hertzlich
Lieb ich
Mit gefallen
Dich für allen /
Nichts auf erden
Kan und mag mir lieber werd .

O Jesu, Jesu

  

weissest

  

klärer

  

für allen

2. Diß ist mein schmertz / diß kräncket mich /
Daß ich nicht g'nug kan lieben dich /
Wie ich dich lieben wolte /
Ich werd von tag zu tag entzünd't /
Je mehr ich lieb / je mehr ich find /
Daß ich dich lieben solte /
Von dir 
Laß mir
Deine güte
Ins gemüthe
Lieblich fliessen /
So wird sich die lieb ergiessen.

3. Durch deine krafft treff ich das ziel /
Daß ich so viel ich soll und will /
Dich allzeit lieben könne /
Nichts auff der gantzen weiten welt /
Pracht / wollust / ehre / freud und geld /
Wann ich es recht besi e /
Kan mich
Ohn dich 
[p. 319] G'nugsam laben /
Ich muß haben
Reine liebe /
Die tröst't / wann ich mich betrübe.


so viel

  


besinne

4. Denn wer dich liebt / den liebest du /
Schaff'st seinem hertzen fried und ruh' /
Erfreuest sein gewissen /
Es geh' ihm wie es woll' auff erd /
Wann ihn gleich gantz das kreutz verzehrt /
Soll er doch dein geniessen
Im glück
Ewig /
Nach dem leide
Grosse freude
Wird er finden /
Alles trauren muß verschwinden.

verzehrt

ewig

5. Kein ohr hat diß jemals gehört /
Kein mensch gesehen noch gelehrt /
Es kan's niemand beschreiben /
Was denen dort für herrlichkeit
Bey dir und von dir ist bereit /
Die in der liebe bleiben /
Gründlich
Läßt sich
Nicht erreichen
Noch vergleichen
Den welt-schätzen /
Diß / was uns dort wird ergetzen.


gründlich

6. Drum laß ich billich diß allein /
O JEsu / meine freude seyn /
Daß ich dich hertzlich liebe /
Daß ich in dem / was dir gefällt /
Und mir dein klares wort vermeldt /
Auß liebe mich stets übe /
Biß ich
Endlich
Werd' abscheiden /
Und mit freuden
Zu dir kommen /
Aller trübsal gar entnommen

vermeldt


7. Da werd ich deine süssigkeit
( Die jetzt berühmt ist weit u   breit /
Das hi lisch Manna allezeit
)
In reiner liebe schmecken /
Und seh'n dein liebreich's angesicht /
Mit unverwandtem augen-licht /
Ohn alle forcht und schrecken /
Reichlich
Werd ich
Seyn erquicket
Und geschmücket
Vor dein'm throne
Mit der schönen himmels-krone.


berühmt

  


Augenlicht


376. Mel. Freu dich sehr &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
323 376 400 397 397 397 397
p. 308 318 521 343 309 460 309

SChönster JEsu / liebstes leben /
Meiner seelen auffenthalt :/:
Dir hab ich mich gantz ergeben /
Ob ich wol gar ungestalt :
Will ich dannoch lieben dich /
Da   ich weiß / du liebest mich :
Drum will ich vest an dir hangen /
Und mit liebe dich umfangen.

Schönster Jesu
Aufenthalt

ungestalt

2. And're mögen freude haben
An der falsch-geschmünckten welt :/:
Die mit allen ihren gaben
Bald zergehet / bald zerfällt.
Nur mein JEsus soll es seyn /
Den ich lieben will allein /
Und von dem ich nicht will weichen /
Solt ich schon des todts verbleichen.


geschmünkt

[p. 320]
3. And're mögen wollust lieben /
Und darinnen lange jahr :/:
Sich mit grossen freuden üben /
JEsum lieb ich i erdar :
And're mögen gold und geld
Halten vor ihr liebstes zelt :
JEsu will ich mich vertrauen /
Und auff ihn beständig bauen.



Zelt

4. Nun / was frag ich nach der erden /
Und nach dem was drinnen ist :/:
Dann mir kan nichts liebers werden /
Als mein heyland JEsus Christ :
Nach dem himmel frag ich nicht /
Dann ich habe mich verpflicht /
Meinem JEsu treu zu bleiben /
Mich soll nichts von ihm abtreiben.


Himmel

5. Es mag krachen / es mag knallen /
Dieses rund-gebaute zelt :/:
Es mag ligen / es mag fallen /
Ich steh' als ein starcker held.
Dann mein JEsus ist bey mir :
Der / der wird mich für und für /
Als mein beystand mächtig schützen /
Wider aller teuffel blitzen.

blitzen

6. JEsus / JEsus ist mein leben /
Ich verbleib ihm zugethan :/:
Ihm soll seyn hiermit ergeben
Alles was ich geben kan :
Meine sinnen / werck und wort /
Alles soll / o liebster hort /
Dir gestellet seyn zu ehren /
Nichts soll mich von dir abkehren.

7. JEsum / JEsum will ich lieben
Hier und dort in ewigkeit :/:
Solten mich gleich hie betrüben
Aller jammer / alles leyd.
Was frag ich nach höll und todt ?
JEsus hilfft mir auß der noth /
Der wird mich ins leben führen /
Da die seinen jubilieren.


377.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
324 377 401 398 398 398 398
p. 309 320 522 344 310 461 310

SOlt ich meinen Gott nicht lieben /
Der mich doch so hertzlich liebt !
Der auch mitten im betrüben
Lauter heyl und himmel gibt ?
Der von heisser liebe brennet /
Gegen mich sein armes kind /
Wenn er mich nöthen findt :
Der mich seine seele nennet.
Alle ding sind wandelbar /
GOttes lieb währt immerdar.

Sollt ich

2. Da wir müßten all' verderben /
Durch den schnöden sünden-fall /
Zwinget den die lieb zu sterben /
Der regieret überall ;
Er allein / er ist der brunnen /
Auß dem aller fried und freud /
Alle gnad und seligkeit /
Alles leben ko t gerunnen.
Alle ding sind wandelbar /
Gottes &c.

3. Wann sie unlust bey uns spühret /
Predigt sie mit weh und ach /
Locket / [p. 321] schrecket / zeucht und rühmet /
Biß wir sehnlich folgen nach /
Zeigt ihr zörnen und ihr lieben /
Wie die fro e mutter thut /
Bald den zucker / bald die ruth /
Bald das lachen / bald betrüben.
Alle ding sind wandelbar /
GOttes &c.


weh und ach

4. Mein hertz / ob es gleich geringe /
Ist es doch sein kirchelein /
Wenn ich drinnen bett und singe /
Auch ein jedes seufftzerlein
Mercket er : Wa   ich kan spühren /
Daß durch seines wortes krafft
Mein gemüth wird aufgerafft /
Das ist sein verborg'nes rühren.
Alle ding sind wandelbar /
Gottes &c.

Rühren

  

5. Er wird mir zum führer schencken
Seinen werthen heil'gen geist /
Der wird mir das hertze lencken
Zu dem guten allermeist.
Er wird dämpffen / er wird tödten
Meines fleisches böse lust /
Und was gutes ihm bewußt
Würcken / trösten auch in nöthen.
Alle ding sind wandelbar /
Gottes &c.

würken

  

6. Dort wird er mit wollust träncken
Seiner außerwehlten schaar :
Meine seele wird sich sencken
In das meer / das immerdar
Fleußt ohn anfang und ohn ende /
Ach / wie werd ich inniglich /
Mein HErr JEsu / freuen mich /
Ko   uund hole mich behende.
Alle ding sind wandelbar /
GOttes lieb bleibt immerdar.

dort

Von der Liebe des Nächsten

Auß 1. Cor. Cap. 13.

378.) Im Thon : O GOtt du frommer GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
325 378 402 399 399 399 399
p. 310 321 524 345 310 463 310

WEnn einer alle kunst und alle weißheit hätte /
Wenn er mit menschen- und mit engel-zungen red'te /
Hätt' aber sonst dabey der wahren liebe nicht /
So wäre doch vor GOtt damit nichts außgericht.

Wenn einer
Menschen-
der Liebe

2. Es wäre wie ein ertz / das zwar sehr helle klinget :
Sonst aber keine frucht und keinen nutzen bringet :
Es wär ein solcher mensch / ein solcher guter Christ /
Wie eine schell / an der kein geist noch leben ist.

3. Wenn er weissagen könnt / und hätte allen glauben /
So / daß er wunderwerck an bergen / blinden / tauben
Erwieß / und hätte doch der wahren liebe nicht /
So wäre aber-[p. 322]mahl damit nichts außgericht.


blinden

4. Wenn einer auch sein haab und alles gut den armen
Hingäbe / aber es nicht thäte auß erbarmen :
We   er sich brennen ließ / und hätte nicht dabey
Der liebe / sag ich doch / daß es nichts nütze sey.

5. Die lieb' ist sanfftmuths voll  / Langmüthig und gelinde /
Sehr freundlich jedermann / stets fertig und geschwinde
In nöthen beyzustehn : die liebe eifert nicht /
Die liebe sihet zu / daß keinem leid geschicht.

sanftmuths voll

6. Die liebe ist nicht stoltz / Die liebe hasset keinen /
Sucht ihren nutzen nicht / sie rathet den gemeinen :
Die liebe zürnet nicht / die lieb hilfft jederman /
Und wendet schaden ab / wo sie nur i er kan.

7. Die liebe ist betrübt / wenn unrecht wird gerichtet /
Und freuet sich / wenn man der warheit fest beypflichtet :
Die liebe decket auch des nächsten mängel zu /
Verträget alles gern / und liebet fried und ruh.

8. Ohn argwohn glaubet sie das beste nur von allen /
Sie hoffet besserung / wenn jemand ist gefallen
In sünd und missethat : hat sie gleich keine schuld /
So leidet sie dennoch / was möglich / mit gedult.

9. Wann dort die wissenschafft einmahl wird gantz auffhören /
So wird die liebe doch sich fort und fort vermehren /
Wann glaub und hoffnung auch vergehet mit der zeit /
So bleibet doch die lieb' in alle ewigkeit.

* 10. HErr JESU / der du bist ein vorbild wahrer liebe /
Verleihe / daß auch ich am nächsten liebe übe :
Gib / daß ich allezeit von hertzen jederman /
Zu dienen sey bereit / wo ich nur soll und kan.

Herr Jesu

† 379.) Mel. Von Gott will ich nicht lassen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 379 403 400 400 400 400
p. - 322 525 347 311 464 311

GOtt ist ein GOtt der liebe /
Ein freund der einigkeit ;
Er will / daß man sich übe
In dem / was wircket freud
Und fried in einem sinn ;
Der zwistigkeit absage /
Sich brüderlich vertrage /
In sanfftmuth immerhin.

Gott ist

  

  

  

immerhin

2. Der satan ist ein störer
Des friedens / und bedacht /
Daß er des wortes hörer
Gantz lasse auß der acht
Was wider haß und [p. 323] neid
Der heyland treulich lehret ;
Und wie von GOtt abkehret
Die unversöhnlichkeit.

aus der Acht

3. Wer hier den frieden liebet
In warheit / ohn verdruß /
Dem nächsten sich ergibet
Ohn absicht auf genuß /
Der hat am himmel theil /
Da fried und liebe wohnet /
Da friede wird belohnet :
Gott ist und bleibt sein theil.

Genuss

4. Hergegen wer beladen
Mit bittern haß und zorn /
Der hat deß grossen schaden /
Er ist und bleibt verlohr'n ;
Es ko t das theure blut /
So Christus unverdrossen
Auß liebe hat vergossen /
Ihm nimmermehr zu gut.

hergegen

deß

5. Wer seinen nächsten hasset /
Der hasset selbsten GOtt :
Drauff GOttes zorn ihn fasset /
Und stürtzt in solche noth /
Darinnen er verdirbt /
Woselbsten kein erretten ;
Der höllen band und ketten
Ihn fesseln / wenn er stirbt.

Erretten


6. Wer dieses recht bedencket /
Der wird der sonnen licht /
Wenn es zur erd sich lencket /
Und eh' der glantz gebricht /
Nicht lassen untergeh'n /
Bevor sich hab geleget
Der zorn / den er geheget /
Wohl ! wohl ! we 's ist gescheh'n.

untergehen

  


7. O Christe / steur' und wende
Des satans bitterkeit /
Damit er nicht behende
Erwecke zorn und streit
Bey denen / die der geist
Des friedens soll regieren /
Und in der stille führen
Zu dem / was lieblich heiß't.

8. Hilff uns ja fleissig halten
Die einigkeit im geist /
Daß über uns mög halten
Dein segen allermeist ;
Nach deinem geist und sinn
Einander uns vertragen
In freundschafft / und nachjagen
Dem köstlichsten gewinn.



halten

  


nachjagen

† 380.) Mel. Ko t her zu mir / spricht Gottes &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 380 404 401 401 401 401
p. - 323 527 347 312 465 312

WIe ist die welt so feindschafft-voll !
Sie lebt in rachgier / streit und groll /
Und will sich nicht versühnen :
Man kommt zum altar sonder scheu /
Im heuchel-glauben / sonder reu /
Und meyn't doch GOTT zu dienen.

Wie ist die

  

sonder

2. Allein / wer opffert sein geschenck /
Und wird nicht vorher eingedenck /
Daß er was widrig's habe
An seinem bruder / hat kein theil
An JEsu todt / und ist ein greu'l
Mit seiner opffer-gabe.


eingedenk

3. Wer seinem bruder [p. 324] nicht vergibt /
Noch ihn von reinem hertzen liebt /
Der kan GOtt ni er lieben :
Er ist auß Cains mord-geschlecht /
Und ein verda ter sünden-knecht /
Dran GOtt wird rache üben.



Gott lieben

4. O mensch / geh' einmahl in dein hertz /
Und treibe ferner keinen schertz
Mit Gottes wort / im leben :
Der heyland spricht : wer nicht vergibt
Dem nächsten / sondern feindschafft übt /
Wird satan übergeben.

5. Bewahre mich / HErr JEsu CHrist /
Daß meine seele nicht vergißt /
Was du mir vorgeschrieben ;
Laß mich vergeben sibenmahl /
Und mehr als zehnfach an der zahl /
Und meiner bruder lieben.

zehnfach

6. Ihr menschen-kinder / folget nach /
Denn diß ist eine grosse sach /
Ihr müsset dem vergeben /
Der euch allhier beleidig't hat /
Drum folg't gehorsam JEsu rath :
Wer diß thut / der wird leben.

Von der Keuschheit.

† 381.) Mel. Vatter unser im himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 381 405 402 402 402 402
p. - 324 528 347 313 466 313

ACh ! HERR und GOtt / du höchstes gut !
Der du erforderst heil'gen muth /
Und wilt / daß unser hertz allein
Dem guten soll ergeben seyn /
Und daß wir meiden allezeit
Was wider uns're seligkeit :

Ach Herr und

2. Du weißt / o HErr / daß böses nur
In unser'm fleisch steckt von natur /
Und daß wir / leider ! für und für
Geneigt zu schnöder lust-begier /
Die nichts als jammer / angst und noth /
Und endlich gar gebier't den todt.

geneigt

3. Ich bitte / gib mir deinen geist /
Der mir getreuen beystand leist /
Und wenn unreine lust sich regt /
Und mich zu sündig   bewegt /
Durch seine krafft mein hertz und sinn
Zur reinigkeit stets neige hin.

4. Ach ja / er thue sich herfür /
So bald die lust sich regt in mir /
Und ihrem ersten wachsthum wehr /
Eh' sie mit starcker kraft sich mehr /
Und mich / bevor ich selbst es spür /
In grosses leyd u   elend führ.

5. Ja hilff / o HErr ! daß i erdar
Ich mich für ihrem netz bewahr /
Und / ehe sie noch nistet ein /
[p. 325] Mög ihrer herr und mächtig seyn :
Wirf diese schlangen-brut hinauß /
Die dir entheiliget dein hauß.

6. Erfüll hingegen meine brust
Mit rein- und keuscher zucht und lust /
Daß mein verlangen und begier
Nur speiß und weide find in dir /
Und ich / von schnöden lüsten frey /
Dein heiligthum u   tempel sey.


rein- und

nur


† 382.) Mel. O GOtt du frommer GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
- 382 406 403 403 403 403
p. - 325 529 348 313 467 313

GOtt / der du heilig bist / wir soll'n auch heilig leben /
Und uns're leiber dir zum opffer gantz begeben /
Das da lebendig ist : ach wie hat böse lust
Doch unser hertz befleckt mit vielem sünden-wust !


Gott, der du

lebendig

2. Vor deinem richter-stuhl kan ja kein mensch bestehen /
We   du die fleischlichen begierden wilt ansehen /
Zusampt der eitelkeit / die unser hertz anficht ;
Ein greuel sind wir HErr / vor deinem angesicht.

Richterstuhl

3.Drum hilff uns böse lust durch deines geistes stärcke
Bezwingen  / und mit ernst stets fliehen fleisches wercke ;
Damit der geist und glaub behalten sieg und macht /
Und dein hochheil'ger will von uns hier werd' vollbracht.

4.Verbinde du dich selbst mit unsern geist und seelen /
Daß wir des schmalen wegs zum leben nicht verfehlen :
Ni   weg was unrein ist / und wider dein gebott /
Damit nichts sündliches uns stürtze in den todt.

unsern
verfehlen

5. Ach ! laß dein Gottes-bild in uns von neuem prangen /
Zu dir nur und dem lam steh' unser gantz verlangen /
Befreye unsern geist von schnöder lüste pein /
Und laß uns göttlicher natur theilhaftig seyn.


Lamm

6. Ni   uns zum tempel ein / o HErr / auch leib und seele /
Ach ! heilg' uns durch und durch / und dich mit uns vermähle
In Christo / unserm HErrn / dem keuschen jungfrau'n-sohn /
Den nur ein reines hertz wird schau'n in seiner kron.


________________________________________________________________________

Von unterschiedenen Tugenden

383.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
326 383 409 406 406 406 406
p. 311 325 533 350 316 470 316

LIebster JEsu / gnaden-sonne /
Meines hertzens zuversicht /
Meiner seelen freud und wonne /
Ich ko   vor dein angesicht /
Ob ich schon ein sünder bin /
Werff ich doch den muth nicht hin /
Bin ich auch schon asch und [p. 326] erden /
Will ich dennoch für dich tretten.

Liebster Jesu

  

  

  

treten

2. Zwar ich muß vor allen dingen /
Ob ich schon nicht völlig kan /
Dir / o HErr / ein danck-lied singen /
Daß du mir viel gut's gethan
Von der zarten kindheit auff /
Durch den gantzen lebens-lauff /
Wolt ich deine gutthat zehlen /
Würde mir es gäntzlich fehlen.


ob ich

3. Alles / was ich bin und habe /
Ko t von deiner vatters-hand /
Es ist dein geschenck und gabe /
Seele / leib und ehrenstand.
Habe danck für deine treu /
Welche alle morgen neu /
Habe danck für deinen segen /
An dem alles ist gelegen.

4. Laß auch ferner deine güte
Uber mir seyn tag und nacht /
Mich auf meinem weg behüte /
Durch der starcken engel wacht /
Laß dieselbe bey mir seyn /
Wann ich gehe auß und ein /
Wann ich reise / wache / schlaffe /
Wann ich etwas gutes schaffe.


Uber

  

dieselbe

5. Segne alle meine thaten
Durch dein'n werthen segens-geist /
Daß sie mögen wol gerathen /
Und dein name werd gepreißt.
Es ist dein und nicht mein werck /
Drum verleihe muth und stärck /
Daß ich möge gleich durchgehen /
Nicht auff gunst und ungunst sehen.

durchgehen

  

6. Treuer lehrer / woll'st mich lehren /
Gib mir weißheit und verstand /
Daß mein thun zu deinen ehren /
Und zu dienst dem vatterland /
Allezeit sey eingericht't /
Ach ! mein GOtt / versag mir's nicht /
Wehre / daß des satans tücke
Mir nicht dieses ziel verrücke.

7. Gib gedult / und hilff mir tragen
Meines amptes last und bürd /
Die mich manchmal pflegt zu plagen /
Und auch offt beschwerlich wird /
Gibt es etwan hindernuß /
Und dahero auch verdruß /
Laß mein hertz sich ja nicht quälen /
Sondern alles dir befehlen.


etwan

8. Dir befehl ich meine sachen /
Dir sey alles heimgestellt /
Wollest es mit ihnen machen /
Wie es dir / o HErr / gefällt.
Ko t mir creutz und leid zu hauß /
Daß es scheint / als sey es auß /
Laß mich folgen deinem willen /
Und damit den kummer stillen.

9. Muß ich etwan spott-red hören /
Werd' ich hie und da veracht /
Laß mein hertz sich nicht dran keh-[p. 327]ren /
Bin ich von der welt verlacht ;
Was ist's mehr ! welt ! wie du wilt /
Du / o GOTT / bist doch mein schild /
Laß mich wider dich nichts sprechen /
Auch mich nicht an jenen rächen.


was mehr

10. Soll ich hier noch länger leben /
Nehm ich's gern und willig an /
Will auch gar nicht widerstreben /
Wann ich dir nur dienen kan.
Schaff' / daß ich dir treu verbleib /
Gib dabey gesunden leib /
Und daß ich mir laß begnügen /
Wie du es mit mir wilt fügen.

11. Soll ich aber von hier scheid    /
Will ich auch zu frieden seyn /
Woll'st mich nur zum tod bereiten /
Dann so schlaff ich selig ein.
Nimm in deine händ die seel ;
Laß den leib in's grabes höl
Ruhen. Diß ist mein begehren /
Jesu / wollest mir's gewähr .

soll ich aber

  

  

mir's

______________________________________________________________________

Regeln eines rechten Christen-Wandels.

  

384.) Im Thon : Christ / der du bist der helle tag / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
327 384 410 407 407 407 407
p. 312 327 535 352 317 472 317

MIt GOTT in einer jeden sach
Den anfang und das ende mach :
Mit GOtt geräth der anfang wol /
Fürs ende man GOtt dancken soll.

Mit Gott

2. Such nicht in deinem christenthum
Durch heucheley bey menschen ruhm :
Gott kennt dein hertz und straffet dich /
Du wirst zu schanden öffentlich.

3. Ob du schon im verborgen bist /
Doch denck und thu / was löblich ist :
Bey GOtt dem HErren ist gewiß
Nicht finster auch die finsterniß.

verborgen

4. Unreine zotten / faul geschwätz /
Für keine schlechte sünde schätz :
GOtt fordert rechnung einst von dir /
Auch was du unrecht redest hier.

Zotten
schlechte

5. Verachte deinen nächsten nicht /
Denn dir auch selber viel gebricht /
Kein mensch vollkommen ist auff erd /
An dem nicht mangel funden werd.

6. Betrübe niemand mit gewalt /
Denn solche macht vergehet bald :
Und wer gewalt hat hie geübt /
Wird ohne gnade dort betrübt.


hie, dort

7. Arbeite gern und glaube fest /
Daß faulheit ärger ist als pest /
Denn müssiggang viel böses lehrt /
Und sünd und schande häuffig mehrt.

8. Was du dich erst gewehnest an /
Das ist darnach gar leicht gethan :
Gewohnheit hat sehr grosse krafft /
Viel böses und viel guts sie schafft.

gewehnest

9. In deiner kleidung / tranck und speiß
Der zucht und masse dich befleiß :
Auff hoffart und auff überfluß
Noth oder stehlen folgen muß.


Maße

10. Fleuch böse lust und [p. 328] hurerey /
Da ist kein glück und segen bey :
Denn Gott / der rein und heilig ist /
Dich hasset / so du unrein bist.


bei

11. Nimm deines gleichen zu der eh /
Sonst wird dein ehstand lauter weh :
Halt den dir gleich / der neben dir
GOtt liebt und förchtet für und für.

12. Gib wohl auff deine kinder acht /
Wehr ihnen faulheit / lust und pracht :
Wenn sie dein gut exempel sehn /
So wirds von ihnen auch geschehn.

13. Verschwende nicht dein haab und gut /
Gedenck / daß armuth weh drauff thut :
Man gibt dem nichts / der nichts mehr hat /
Drum hast du übrig / halts zu rath.

zu Rat

14. Kein unrecht gut zusammen scharr /
Dann der es thut / der ist ein narr :
Daß seine erben lustig seyn /
Dafür rennt er zur höllen-pein.

15. Der dir für augen dienen kan /
Ist darum nicht der beste mann :
Es geht offt nicht von hertzen-grund /
Was schön und lieblich redt der mund.

für Augen

16. Entschlag dich deß zu jederzeit /
Der gern verleumdet andre leut :
Die rede ist wie gall und gifft /
Die eines andern ehre trifft.

entschlage

† 17. Gönn jedem / was der Höchst ihm gibt /
GOtt theilt es auß / wies ihm beliebt :
Doch der auch GOtt zu dancken hat /
Der kleidung kriegt / und ißt sich satt.

† 

18. Sag nicht des nächsten mängel her :
Was möglich ist / zum besten kehr /
So bleibt der ander ohne schimpff /
Und du hast ehr von deinem glimpff.

Glimpf

19. Vergiß es all dein lebtag nicht /
Wann dir von jemand guts geschicht /
Das unglück bleibt von deinem hauß /
Wo du undanckbar bist / nicht auß.

20. Die welt ist voll betriegerey /
Drum / was du thust / vorsichtig sey :
Thu niemand leid / und sih doch zu /
Daß dir auch niemand schaden thu.

Betriegerei

21. Lern untercheiden zeit und ort :
Eh du was redest / wäg die wort.
Die zung bey manchem fertig geht /
Doch tod und leben drinn besteht.


fertig

22. Was heimlich ist und bleiben muß /
Tritt gerne unter deinen fuß :
Schweigst du / so ist das wort noch dein /
Was du geredt hast / ist gemein.


tritt

23. Des narren hertz ist in dem maul /
Drum ist er mit der red nicht faul :
Im hertzen ist des weisen mund /
Den er bewahrt zu jeder stund.


Narr / Weise

24. Was du wilt thun / das thu mit rath /
Daß dichs nicht reue nach der that :
Denn vor gethan / hernach gedacht /
Hat viel in schand und schaden bracht.



vor

25. Wenn du geirret hast worinn /
So bleib nicht steiff auff deinem sinn :
Wir menschen irren mannigfalt /
Wer aber klug ist / besserts bald.

worin

26. Wer einst zu ehren kommen will /
Muß lernen vor / und leiden viel :
Drum lern und leid / und hab gedult /
So sind dir GOtt und menschen huld.

huld

27. Hat man dir was zu [p. 329] leid gethan /
Fang darum keinen hader an :
Laß allemahl in jeder sach
Der obrigkeit und GOtt die rach.

28. Die sonne böß und fromm bescheint /
Thu du auch gutes freund und feind :
Die wolthat den erweichet offt /
An dem man sonst kaum bessrung hofft.

29. Laß jeden bleiben wer er ist /
So bleibest du auch wer du bist :
Wem GOtt nicht gönnt den ehren-stand /
Der fällt wol ohne mensch   hand.

menschen hand

30. Dem zorn verhänge nicht den zaum /
Daß die vernunfft nicht finde raum :
Ein zornig mensch sich selbst verstellt /
Und leicht in sünd und kranckheit fällt.

verhänge
nicht
Mensch

† 31. O GOtt mein vatter / mich regier /
HErr JEsu / hilff mir / und mich führ /
O heilger geist mein hertz aufmahn /
Daß ich stets geh auff rechter bahn.

aufmahne


385.
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
328 385 411 408 408 408 408
p. 314 329 538 354 319 475 319

IN dem leben hier auff erden
Ist doch nichts als eitelkeit /
Böß exempel / viel beschwerden /
Plagen / klagen / müh und streit /
Kummer / sorgen / angst und noth /
Kranckheit u   zuletzt der tod.

In dem Leben

Exempel

2. O ! so dencke drauff im hertzen /
Fro er christ / mit allem fleiß /
Wie du solche noth und schmertzen
Brechen kanst / als grundes-eiß /
Laß auß deinem hertzen nicht
Diesen treuen unterricht.


  

Grundeis

3. Habe deine lust am HErren /
Laß ihn seyn dein höchstes gut :
Er ist nah und ist nicht ferren /
Einzusprechen trost und muth /
Seine gnad und starcke hand
Gehet durch das gantze land.



ferren
einsprechen

4. Augen-lust und schnöde freude /
Uppigkeit / als wust und koth /
Vor den augen GOttes meide /
Wilt du seyn befreyt fürm todt /
Deinen leib / das faß der ehrn /
Solt du nimmermehr versehrn.


Uppigkeit

5. Nimm dir vor / für andern allen /
Was du thust / nur GOtt allein
Mit dem glauben zu gefallen /
Voller lieb / ohn argen schein.
Beichte deine sünd und schuld /
So beko st du Gottes huld.

Nimm dir vor

6. Nimmer gehe falsch im handeln /
Noch im reden / noch im thun /
Wilt du vor dem HErren wandeln /
Dermaleins auch selig ruhn /
Liebe warheit / recht und zucht /
Als des geistes rechte frucht.

Nimmer gehe

7. Eitle ehr und pracht verachte /
Demuth lieb und niedrigkeit /
Nach dem himmel ernstlich trachte /
Trag gedultig creutz und leyd /
GOtt thut keinem nicht mehr an /
Als was er nur tragen kan.

8. Stets ans ende hier gedencke /
Und an Christi creutz und todt /
In sein wunden dich einsencke /
Also ko st du auß der noth /
Von der pein und bösen zeit
Zur gewünschten seligkeit.


386.) Mel. Ach bleib bey uns / HErr JEsu &c.
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
329 386 412 409 409 409 409
p. 315 329 539 355 319 476 319

ALlein auff GOtt setz dein vertrau'n /
Auf menschen hülff solt du nicht bau'n :
GOtt ist allein / der glauben hält /
[p. 330] Sonst ist kein glaub mehr in der welt.

Allein auf Gott

Glauben

2. BEwahr dein' ehr / hüt dich für schand /
Ehr ist fürwahr dein höchstes pfand /
Wirst du einmahl die schantz verseh'n /
So ist's um deine ehr gescheh'n.



Schanze

3. CLaff nicht zu viel / sondern hör mehr /
Das wird dir bringen lob und ehr :
Mit schweigen sich verredt niemand /
Klaffen bringt manch'n in sünd und schand.

claffe

sich verredet

4. DEm grösten weich / acht' dich gering /
Daß er dich nicht in unglück bring /
Dem kleinsten auch kein unrecht thu /
So leb'st du stets in fried und ruh.

5. ERheb dich nicht mit stoltzem muth /
Wenn du bekommen hast groß gut /
Es ist dir nicht darum gegeb'n /
Daß du dich dadurch solt erheb'n.

6. F igkeit laß gefallen dir /
Vielmehr da   gold / das glaube mir /
Wann geld und gut sich von dir scheid't /
So weicht doch nicht die frömmigkeit.

7. GEdenck der arm'n zu aller frist /
Wa   du von GOTT gesegnet bist /
Sonst dir das wiederfahren kan /
Was Christus sagt vom reichen ma .

reichen Mann

8. HAt dir jemand was guts gethan /
Da solt du stets gedencken dran :
Es soll dir seyn von hertzen leid /
Wenn's deinem nächsten übel geht.

9. IN deiner jugend solt du dich /
Zur arbeit halten fleissiglich /
Hernach gar schwer die arbeit ist /
Wann du zum alter kommen bist.


fleißiglich

10. KEhr' dich auch nicht an jederman /
Der dir für augen dienen kan /
Nicht alles geht von hertzen-grund /
Was schön und lieblich spricht der mund.

Kehr dich
für Augen

11. LAß kein'n unfall verdriessen dich /
Wa   das glück gehet hinter sich /
Anfang und ende seynd nicht gleich /
Wie solches oftmals findet sich.

12. Mässig im zorn sey allezeit /
Um klein' ursach erheb kein'n streit :
Durch zorn das hertz so wird verblend't /
Daß man nichts recht damit erkenn't.

Mäßig

13. NIcht schäm dich / rath ich allermeist /
Daß man dich lehr / was du nicht weist /
Wer etwas kan / den hält man werth /
Den ungeschickt'n niemand begehrt.

[p. 331]
14. O Merck ! so einer führt ein klag
Vor dir / so solt du bald der sag
Nicht glauben / auch nicht richten fort /
Sondern vor hör'n des andern wort.



Sage

15. PRacht und hoffart meid überall /
Daß du nicht ko est in unfall /
Mancher wär ein behalt'ner mann /
Hätt er hoffart und pracht gelan.



Unfall

16. QUad von niemand  / gedenck noch sprich /
Denn kein mensch lebet ohn gebrech :
Redest du all's nach deinem will'n /
Man wird dich gar bald wieder still'n.


quad

  

stillen

17. RUff GOtt in allen nöthen an /
Er wird gewißlich bey dir stahn /
Er hilfft ein'm jeden auß der noth /
Der nur nach seinem willen thut.

18. SIh' dich wohl für / die zeit ist böß /
Die welt ist falsch und sehr gottloß /
Wilt du der welt viel hangen an /
Ohn schad od'r schand komm'st nicht davon.

oder

19. TRacht' stets darnach / was recht gethan /
Ob dich schon nicht lobt jederman /
Es kan's doch keiner machen so /
Daß jederman gefallen thu.

20. VErlaß dich nicht auff irdisch ding /
All's zeitlich' gut verschwind't gering /
Darum der mensch gantz weißlich thut /
Der allein sucht das ewig' gut.



gering

21.WEnn jemand mit dir hadern will /
So rath ich / daß du schweigest still /
Und ihm nicht helffest auf die bahn /
Da er gern wolt ein' ursach han.

22. XErxes verließ sich auff sein heer /
Darüb'r ward er geschlagen sehr :
So du must kriegen / Gott vertrau /
Sonst allezeit den frieden bau.


Xerxes

23. YE läng'r / je mehr kehr dich zu Gott /
Daß du nicht werd'st des teuffels spott /
Der mensch ein'n solchen lohn wird han /
Wie er im leben hat gethan.

24. ZIer all dein thun mit redlichkeit /
Bedenck zum end den letzten b'scheid :
Denn vor gethan und nach bedacht /
Hat manchen in groß leid gebracht.



vor getan

[p. 332]

Von Göttlicher Vorsorge.


387.) Im Thon : Ermuntre dich mein schwacher geist. Oder : Nun sih' wie fein &c.
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
330 387 413 410 410 410 410
p. 317 332 542 357 321 479 321

DU bist ein mensch / das weist du wol /
Was streb'st du da   nach dingen /
Die GOTT der höchst' alleine soll
Und kan zu wercke bringen ?
Du fähr'st mit deinem witz und sinn /
Durch so viel tausend sorgen hin /
Und denck'st : wie will's auff erden
Doch endlich mit mir werden ?

Du bist

  

zu Werke

2. Es ist umsonst / du wirst fürwahr
Mit allem deinem dichten
Auch nicht ein ein'ges kleinstes haar
In aller welt außrichten /
Und dient dein gra   sonst nirgend zu /
Als daß du dich auß deiner ruh
In angst und schmertzen stürtzest /
Und selbst das leben kürtzest.

  

Haar

  

Gramm

3. Wilt du was thun / das GOtt gefällt /
Und dir zum heyl gedeyet /
So wirff dein sorgen auff den held /
Den erd und hi el scheuet /
Und gib dein leben / thun und stand
Nur frölich hin in GOttes hand /
So wird er deinen sachen
Ein frölich ende machen.


  

scheuet

4. Wer hat gesorgt / da deine seel /
Im anfang deiner tage /
Noch in der mutter leibes-höl
Und finstern kercker lage ?
Wer hat allda dein heyl bedacht ?
Was that da aller menschen macht /
Da geist / und sinn / und leben
Dir ward ins hertz gegeben ?


wer, was

5. Durch wessen kunst steht dein gebein
In ordentlicher fülle ?
Wer gab den augen licht u   schein /
Dem leibe haut und hülle ?
Wer zog die adern hie und dort /
Ein jed' an ihre stell und ort ?
Wer setzte hin und wieder
So viel und schöne glieder.


Fülle

  

  

hin und wieder

6. Wo war dein hertz / will und verstand /
Da sich des himmels decken
Erstreckten über see und land
Und aller erden ecken ?
Wer brachte sonn und mond herfür ?
Wer machte kräuter / bäum und thier /
Und hieß sie deinen willen
Und hertzens-lust erfüllen ?


Decken

7. Heb' auff dein haupt / schau überall
Hier unten und dort oben /
Wie Gottes sorg auff allen fall
Für dich sich hab erhoben /
Dein brodt / dein wasser und dein kleid
War eher noch / als du bereit /
Die [p. 333] milch / die du erst nahmest /
War auch schon / da du kamest.

8. Die windeln / die dich allgemach
Umfiengen in der wiegen /
Dein bethlein / kammer / stub und dach /
Und wo du soltest ligen /
Das war ja alles zugericht't /
Eh' als dein aug und angesicht
Eröffnet ward und sahe /
Was in der welt geschahe.

allgemach

9. Noch dennoch soll dein angesicht
Dein gantzes leben führen /
Du trau'st und glaubest weiter nicht /
Als was dein' augen spüren /
Was du begi 'st, da soll allein
Dein kopff / dein licht und meister seyn /
Was der nicht außerkohren /
Das hält'st du als verlohren.

noch dennoch

  

  

dein Kopf

10. Nun sihe doch / wie viel und offt
Ist gäntzlich umgeschlagen /
Was du gewiß und vest gehofft
Mit händen zu erjagen /
Hingegen wie so manches mahl
Ist das gescheh'n / daß überall /
Kein mensch / kein rath / kein si en
Ihm hat ersinnen können.


umgeschlagen

  

  


ihm

11. Wie offt bist du in grosse noth
Durch eignen willen kommen /
Da dein verblendter sinn den todt
Für's leben angeno en /
Und hätte Gott dein werck und that
Ergehen lassen nach dem rath /
In dem du's angefangen /
Du wär'st zu grunde gangen.

12. Der aber / der uns ewig liebt /
Macht gut / was wir verwirren /
Erfreu't / wo wir uns selbst betrübt /
Und führt uns / wo wir irren /
Und darzu treibt ihn sein gemüth /
Und die so reine vatters-güt' /
In der uns arme sünder
Er trägt als seine kinder.

13. Ach ! wie so offtmahl schweigt er still /
Und thut doch / was uns nützet /
Da unterdessen unser will
Und hertz in ängsten sitzet /
Sucht hier und dar / und findet nichts /
Will seh'n / und mangelt doch des lichts /
Will auß der angst sich winden /
Und kan den weg nicht finden.

sucht

14. GOtt aber geht gerade fort
Auff seinen weisen wegen /
Erhebt und bringt uns an den ort /
Da wind und sturm sich legen /
Hernachmahls wa   das werck gescheh'n /
So kan alsbald der mensche seh'n /
Was der / so ihn regieret /
In seinem rath geführet.

hernachmals

15. Drum / liebes hertz / sey wolgemuth /
Und laß von sorg und grämen /
[p. 334] GOtt hat ein hertz / das nimmer ruht /
Dein bestes fürzunehmen /
Er kan's nicht lassen / glaube mir /
Sein eingeweid ist gegen dir /
Und uns hier allzusammen /
Voll allzusüsser flammen.


lass von

fürzunehmen

Eingeweide

16. Er hitzt und bre t für gnad und treu /
Und also kanst du dencken /
Wie seinem muth zu muthe sey /
Wann wir uns offtmahls kräncken
Mit so vergeb'ner sorgen-bürd /
Als ob er uns nun gäntzlich würd'
Auß lauter'm zorn und hassen
Gantz hülff- und trostloß lassen.

für = vor

  


vergeben

lauterm

17. Das schlag' hinweg / und laß dich nicht
So liederlich bethören /
Ob gleich nicht allzeit das geschicht /
Was freude kan vermehren /
So wird doch warlich das gescheh'n /
Was GOtt dein vatter außerseh'n /
Was er dir zu will kehren /
Das wird kein mensche wehren.

hinweg

  




zu kehren

18. Thu' als ein kind und lege dich
In deines vatters arme /
Bitt' ihn / und flehe / biß er sich
Dein / wie er pflegt / erbarme /
So wird er dich durch seinen geist
Auff wegen / die du jetzt nicht weist /
Nach wohlgehalt'nem ringen /
Auß allen sorgen bringen.

tu als


Wider den Geitz.

388.) In eigenem thon. Od : Immer frölich / i er &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
331 388 414 411 411 411 411
p. 320 334 545 359 323 481 323

ALles ist an GOttes segen
Und an seiner huld gelegen /
Uber alles geld und gut :
Wer auff GOtt sein' hoffnung setzet /
Der behält gantz unverletzet
Einen freyen helden-muth.

Alles ist
Huld

2. Der mich hat bißher ernehret /
Und so manches glück beschehret /
Ist und bleibet allzeit mein :
Der mich wunderlich geführet /
Wird / wie er mich noch regieret /
Auch hinfort mein helffer seyn.

3. Viel bemühen sich um sachen /
Die nur sorg und unruh machen /
Und gantz unbeständig sind :
Ich begehr nach dem zu ringen /
Was der seelen ruh kan bring  /
Die man in der welt nicht findt.

4. Hoffnung kan das hertz erquicken /
Was ich wünsche / wird sich schicken / 
So es anders Gott gefällt :
Meine seele / leib und leben
Hab ich seiner gnad ergeben /
Und ihm alles heimgestellt.


schicken
anders

5. Er weißt wol nach [p.335] seinem willen
Mein verlangen zu erfüllen /
Es hat alles seine zeit :
Ich hab ihm nichts vorzuschreiben /
Wie Gott will / so muß es bleiben /
Wann GOtt will / bin ich bereit.

weißt

6. Soll ich hier noch länger leben /
Will ich ihm nicht widerstreben /
Ich verlasse mich auf ihn !
Ist doch nichts / das lang bestehet /
Alles irdische vergehet /
Und fährt wie ein strohm dahin.

7. Drum will ich nach schätzen graben /
Welche bess're daurung haben /
Und gantz unverweßlich sind ;
Meinen JEsum will ich lieben /
Uber kein creutz mich betrüben /
Als ein Gott-gelaß'nes kind.


Daurung

  


gelassen

8. So kan ich dann frölich sterben /
Und das schöne erb ererben /
So mein JEsus mir bereit't :
Da ich / nach dem kurtzen leiden /
Dort einst soll in tausend freuden
Leben in der ewigkeit.


389.) Im Thon : Ach GOtt vom himmel sih &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
332 389 415 412 412 412 412
p. 321 335 546 360 324 482 324

ACh treuer GOtt / ich ruff zu dir /
Hilff / daß mich nicht bethöre
Die böse lust / die steckt in mir /
Nach reichthum / wollust / ehre :
Gib / daß ich an dein wort mich halt /
Und dadurch / was mich mannigfalt
Anfichtet / überwinde.

Ach treuer

  

  


anfichtet

2. Solt / der dem vieh sein futter schafft /
Und speiset auch die raben /
Nicht lassen uns durch seine krafft
Auch tranck und speise haben :
Solt / der das graß und blumen ziert /
An kleidung nicht / was uns gebührt /
Und nöthig ist / mittheilen.


Raben

3. Von vielen gütern lebt man nicht /
Der hat / daß er GOtt preise /
Wer bey dem werck / das er verricht /
Hat kleidung / tranck und speise :
Ob uns ein mehrers werden soll /
Das weißt er / als der vatter wol /
Obs seinen kindern nütze.


der hat

4. Wer wenig hat / und das mit recht /
Kan GOttes huld behalten /
Er bleibet redlich / fromm und schlecht /
Läßt fort den Höchsten walten.
Sein weniges auch baß gedeyt /
Als grosses gut viel böser leut /
Das sie erschunden haben.

mit Recht

schlecht

baß

erschunden

5. Der reichthum durch gewalt und list
Am meisten wird erworben :
Ein mann der groß von mitteln ist /
Viel andre hat verdorben :
Und daß sich mehr des geldes hauff /
So denckt er tag und nacht darauff /
Und geht her wie ein schemen.

mehr

Schemen

6. Die freund und erben lachen offt /
Wann sichs mit ihm will enden /
Auch kriegt da mancher unverhofft /
Das er kan frisch verschwenden :
Der geitzhalß aber plaget sich /
So lang er lebt / und i erlich
Kan er sich nie recht freuen.

7. Und wann es an das scheiden geht /
Da ist erst noth vorhanden :
Der trost / die hoffnung / so da steht
Im [p. 336] gold-klump / wird zu schanden.
Denn geld und gut nicht retten kan
Am tag / da Gottes zorn bricht an /
Der bre t biß in die hölle.

Klump

8. Was ihn dann hat in ewig noth
An leib und seel geführet /
Das ist nur lauter dreck und koth /
Wie schön mans auch polieret :
Die erde hats hervor gebracht /
Das er zum götzen ihm gemacht /
Dem er allhie gedienet.

ihm

9. Hingegen wer sein hertz erhebt
Gen himmel von der erde /
Sucht / daß er reich / dieweil er lebt /
An guten wercken werde :
Wann Gott ihn segnet und sein hauß /
Theilt er den armen wieder auß /
Und gibt es gern und frölich.

10. Bey seinem gut erweißt er noch /
Daß ers darauff nicht setze :
Er streuet auß und samlet doch
Im himmel wahre schätze :
Die fliegen niemahls auff im rauch /
Und seynd darneben sicher auch /
Für dieben / rost und motten.


setze

im Himmel

11. Es ist fürwahr ein groß gewinn /
Der keinen je betrüget /
Wenn man GOtt traut und fürchtet ihn /
Und sich dabey begnüget :
Bloß seynd wir ko en ist die welt /
Bloß müssen wir / wenns GOtt gefällt /
Hinauß / und alles lassen.

groß

  

begnüget

† 12. HErr / was mir hier vonnöthen thut /
Mich ehrlich zu ernehren /
Das wollst du mir an haab und gut
Bey meinem fleiß beschehren :
Daß ich / mein saame auch nach mir /
Nicht andern leuten vor der thür
Auß not auffwarten dörffe.

Same

aufwarten

† 13. Ach / meine seel kan ihre ruh
Im zeitlichen nicht finden :
Was ich da vornehm oder thu /
Wie rauch pflegt zu verschwinden /
Unsterblich ist die seel / und muß
Unsterblich seyn / was ohn verdruß
Dieselbe soll vergnügen.

14. Nun ist nichts auf der welt bewust /
Daß solche ruh könn geben :
Nicht augen-lust / nicht fleisches lust /
Nicht hoffärtiges leben.
Drum will ich auch nicht dencken drauf /
Und mein gemüth zu GOtt hinauff
Und seiner fülle richten.



Augen-Lust

† 15. O höchstes gut / sey hier und dort
Mein reichthum / lust und ehre :
Gib / daß in mir sich fort und fort
Das sehnen nach dir mehre :
Daß ich dich stets vor augen hab /
Mir selbst und allem sterbe ab /
Das mich von dir will ziehen.

16. Hilff / daß ich meinen wandel führ /
Bey dir im himmel oben :
Da werd ich ewig seyn bey dir /
Dich schauen und dich loben.
So kan mein hertz zu frieden seyn /
Und findet / GOtt / in dir allein
Die wahre ruh und freude.

† 17. Hierzu gib mir von deinem thron /
O Vatter / gnad und stârcke.
Zerstör / o JEsu Gottes sohn /
Des satans reich und wercke.
O heilger Geist /steht du mir bey /
Daß mein begehren diß nur sey :
GOTT über alles lieben.

[p. 337]

390.) Mel. Wie nach einer Wasser-quelle &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
333 390 416 413 413 413 413
p. 323 337 549 364 325 485 325

LAß / o hertze / dein betrüben /
Stelle deine sorgen ein !
Warum soll doch dein belieben
Nur bey solchen sachen seyn /
So der mammon und die welt
Dir zu schnöden diensten stellt ?
Laß den himmels-vatter walten /
Dieser wird dich schon erhalten.

Lass, o Herze

2. Dencke doch / wie manchen morgen
Hat dir diß und das gefehlt /
Wie gar offte du mit sorgen
Hast dein armes hertz gequält /
Wann die nahrung kaum gewährt /
Was das blosse maul verzehrt /
Gleichwol hat er dich erhalten /
Darum laß ihn ferner walten.

gewährt

3. Gibt dir Gott / durch seinen segen /
Schon so manches schönes kind /
Wird er auch die mittel legen /
So darzu vonnöthen sind :
Dann bey dieser edlen blüth
Bleibet er zugleich bemüht /
Wie er solche mög erhalten :
Darum laß ihn ferner walten.

4. Dieser fromme vatter speiset
Ja die vögel / fisch und wild /
Und so manche blümlein weiset /
Die mit schönheit angefüllt :
Warum solte er da   sich
Nicht erbarmen über dich ?
Ach ! er will dich ja erhalten /
Laß ihn doch nur ferner walten.



weiset

5. Hat er dich doch selbst erwehlet
Ihm zu seinem eigenthum /
Alle deine haar gezehlet /
Dir zu liebe / ihm zum ruhm :
Ey so wird auch dieser GOtt
Noch in aller angst und noth
Dich versorgen und erhalten /
Darum laß ihn ferner walten.

zum Ruhm

Lied / Cantique 391