Cantique / Lied 420

421.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
360 421 447 444 444 444 444
p. 350 368 594 394 352 525 352

IMmer frölich / immer frölich /
Ich bin auff der erd schon selig /
Habe meinen himmel hier /
Andre fressen ihre hertzen /
Durch die schwere sorgen-schmertzen /
Mir ko t gar nichts traurigs für.

Immer fröhlich

  

fressen
schwere

2. Bin ich kranck / nur ungekräncket /
Der stäupt mich / der an mich dencket /
GOtt mein Vatter mich sein kind /
Lazarum / den JEsus liebte /
Manche trübsal auch betrübte /
Diß nur liebes-streiche sind.

ungekränket
stäupt

Lazarum

3. So viel jahr hab ich genesen /
Bin gesund und frisch gewesen /
Solt ich einen krancken tag
Nicht von meinem GOtt annehmen /
Kan ich mich zur lust bequemen /
Warum nicht zur liebes-plag ?

genesen

  


bequemen

4.Wird von scharpffen läster-zungen
Manches leid-lied mir gesungen /
Bin ich darum traurig nicht /
Mein gewissen heißt sie schweigen /
Kan mir gutes zeugnuß zeigen /
U   die laster-hälse bricht.

scharpffen

  


Zeugnus

5. Martern uns auff allen seiten
Hungers zeiten / krieges streiten /
Doch noch frölich unverzagt !
Wann des kahnes trümmer krachen /
Weiß schon Christus auffzu-[p. 369]wachen /
Nur im glauben frisch gewagt.



unverzagt

aufzuwachen

6. Speyet rach der höllen rachen /
Mich / den sünder / blöd zu machen /
Bleib ich de och wolgemuth /
Meines JESU blutes tropffen
Diesen teuffels-rachen stopffen /
Löschen auß die schweffel-gluth.


blöd

7. Sterben mir die anverwandten /
Eltern / weib / kind und bekandten /
Bleibt die freud doch unversehrt /
Der sie gab hat sie geno en /
Darum sey bey allen fro en
GOttes nahme hochgeehrt.

hochgeehrt

8. Ich habs ja nicht ändern können /
Will sie meinem JEsu gönnen /
Der viel lieber sie geliebt /
Er nam sie vom welt-getümmel /
Und nun ihnen in dem himmel
Für den schweiß den nectar gibt.


sie

  


Nektar

9. Muß ich um das meine kommen /
Wird mir all mein gut genommen /
Mich kein zähren-fluß verzehrt.
Und was sag ich um das meine ?
GOtt dem höchsten gut alleine /
Was ich habe/ zugehört.


was sag ich

10. Ich hab dessen mich verziehen /
Er hat / was er mir geliehen /
Von mir wieder weggethan.
Er hat mir die bürd genommen /
Daß ich eher zu ihm ko en /
Und gen himmel steigen kan.

verziehen

11. Manches korn-feld ist verdorben /
Manches erdreich abgestorben /
Durch die allzudicke saat : 
Manchen ast die last der früchte
Machte brechen und zu nichte /
Wohl redt meines JEsu rath.

12. Ach ! wie schwer ist denen reichen
Durch die himmels-pfort zu schleichen /
Der cameel-ruck ist dahin /
Durch das nadel-öhr zu dringen /
Zu den sternen auffzuspring  /
Ich nur desto leichter bin.

denen

  

Nadelöhr
13. Immer frölich / immer frölich /
Ich bin auff der erd schon selig :
Hier fängt sich mein hi el an.
Ich will sagen / was ich meyne /
Es betrübt mich nur alleine
Das / was GOtt erzürnen kan.


422.) Im Thon : JEsu meine freude / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
361 422 448 445 445 445 445
p. 351 369 596 395 353 526 353

MEine seel ist stille
Zu GOtt / dessen wille
Mir zu helffen steht /
Mein hertz ist vergnüget /
Mit dem / wie's Gott füget /
Ni t an wie es geht /
Geht es nur
Zum himmel zu /
Und bleibt JEsus ungeschieden /
So bin ich zu frieden.

Meine Seel

  

  

  

nur

2. Meine seele hanget
An dir und verlanget /
GOtt / bey dir zu seyn
Aller ort und zeiten /
Und mag niemand leiden /
Der ihr rede ein ;
Von der welt /
Ehr / lust und geld /
Wornach so viel sind beflissen /
Mag sie gar nichts wissen.

rede ein

3. Nein / ach nein / nur einer /
Sagt sie / und sonst keiner
Wird von mir geliebt /
JEsus / der getreue /
In dem ich mich freue /
Sich mir gantz ergibt ;
Er allein /
Er soll es seyn /
Dem [p. 370] ich wieder mich ergebe /
Und ihm eintzig lebe.

wieder

4. GOttes güt' erwege /
Und dich gläubig lege
Sanfft in seinen schooß /
Lerne ihm vertrauen /
So wirst du bald schauen /
Wie die ruh so groß /
Die da fleußt
Auß stillem geist /
Wer sich weiß in GOtt zu schicken /
Den kan er erquicken.

erwege

5. Meine seele harret /
Und sich gantz verscharret
Tieff in JEsu brust /
Sie wird starck durch hoffen /
Was sie je betroffen /
Träget sie mit lust :
Fasset sich
Gantz mä iglich
Durch gedult und glauben veste /
Am end kommt das beste.

verscharret

  

  

  

männiglich

6. Amen / es geschiehet /
Wer zu JEsu fliehet /
Wird es recht erfahr'n /
Wie GOtt seinen kindern
Pflegt das creutz zu mindern /
Und das glück zu spahr'n
Biß zu end /
Alsdann sich wend't
Das zu erst gekoste leiden /
Und geh'n an die freuden.

sparen

  

gekoste

 

423.) Im Thon : Werde munter mein gemüthe &c.
Od : Wie nach einer wasser-quelle / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
362 423 449 446 446 446 446
p. 352 370 597 396 354 527 354

GOTT / du hast es so beschlossen :
Wer kan wider dich besteh'n ?
Werden thränen gleich vergossen /
Muß es doch / wie du wilst / geh'n.
Dein rath gilt / dein will geschicht /
Unser wollen hülffet nicht.
Drum will ich dich lassen walten /
Und dir mit gedult außhalten.

Gott, du hast

2. Ist uns bitter gleich dein wille /
Muß er dennoch seyn vollbracht.
Unser thun ist halten stille /
Seyn bereit bey tag und nacht /
Alles das zu tragen schlecht /
Was du auflegst einem knecht.
Darum will ich auch außhalten /
Und / mein GOtt ! dich lassen walten.


schlecht

3. HErr / wer kan dir widersprechen /
Wenn du uns schenckst bitter ein ?
Wer kan deinen rathschluß brechen ?
Wer kan sagen : so soll's seyn ?
Alles muß so seyn bestellt /
Wie dir's / höchster Gott / gefällt.
Drum ists gut / dich lassen walten /
Und dir mit gedult außhalten.

4. Nun ich will mich darein finden /
Dein creutz soll seyn meine ruh.
Mehr hab ich verdient mit sünden /
Als du mir hier schickest zu.
Solt mir nach verdienst gescheh'n /
Müßt ich gar zu boden gehn :
Und nun kan ich mich erhalten.
Drum laß ich dich ferner walten.

zu Boden


[p. 371]
5. Du wirst mir die hülffe gönnen /
Wann die rechte zeit ko t an.
Jetzt wilst du mich nur erkennen
Lassen / was dein eyffer kan.
Hilff / mein GOtt ! nur / daß ich dir
In der noth nichts schreibe für /
Sondern dich frey lasse walten :
Du weißt mich wol zu erhalten.

erkennen



424.) Im Thon : So geb ich meinem JEsu hin &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
363 424 450 447 447 447 447
p. 353 371 598 397 355 528 355

WOhl dem / der sich auff seinen GOtt
Recht kindlich kan verlassen /
Den mag gleich sünde / höll und todt
Und alle teuffel hassen ;
So bleibt er dennoch wol vergnügt /
Wenn er nur GOtt zum freunde kriegt.

Wohl dem

2. Die böse welt mag immerhin
Mich hier und da befeinden /
Kan sich nur mein gemüth und sinn
Mit meinem GOtt befreunden ;
So frag ich nichts nach ihrem haß /
Ist GOtt mein freund / wer thut mir was ?

immerhin

  

  

was

3. Und ob ich gleich darüber offt
Viel unglück leiden müssen /
So hat Gott dennoch unverhofft
Mich wieder drauß gerissen ;
Da lern ich erst / daß Gott allein
Der mensch   bester freund muß seyn.

4. Ach GOtt ! wann meiner sünden schuld
Sich in mir häufft zusammen /
Mich treibt in angst und ungedult /
Und will mich gantz verdammen ;
Hilff / daß ich selbe fürchte nie /
Ach ! sey mein freund / vertilge sie.

selbe

5. Bist du / o GOtt / mein gnaden-freund /
Hab ich schon rettung funden /
Und ritterlichen alle feind
Im glauben überwunden ;
Getrost ! GOtt selber saget mir ;
Ich bin dein freund / ich helffe dir.



ritterlichen

6. Dahero trotz der höllen heer /
Trotz auch des todes rachen /
Trotz aller welt / mich kan nicht mehr
Ich pochen traurig machen :
GOtt ist mein schutz / mein hülff und rath /
Wol dem / der Gott zum freunde hat.

dahero

  

425.) Im Thon : Wo GOtt der HErr nicht bey &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
364 425 451 448 448 448 448
p. 354 371 599 397 355 529 355

HErr / wie du wilt / so schick's mit mir /
Im leben und im sterben :/:
Allein zu dir steht mein begier /
Laß mich / HErr / nicht verderben :
Erhalt mich nur in deiner huld /
Sonst wie du wilt / gib mir gedult /
Dein will der ist der beste.

Herr, wie du

2. Zucht / ehr und treu verleih mir HERR /
Und lieb zu deinem worte :/:
Behüt mich / HErr / für falscher lehr /
Und gib mir [p. 372] hier und dorte /
Was mir dient zu der seligkeit /
Wend ab all ungerechtigkeit
In meinem gantzen leben.

3. Wann ich einmal nach deinem rath
Von dieser welt soll scheiden :/:
Verleih / o HErr / mir deine gnad /
Daß es gescheh' mit freuden.
Mein leib und seel befehl ich dir /
O HErr / ein selig's end gib mir /
Durch JEsum Christum / Amen.


426.) Im Thon : Auff meinen lieben GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
365 426 452 449 449 449 449
p. 354 372 600 398 356 529 356

FRisch auf ! mein seel / in noth
Vertrau allein auf Gott /
Und laß denselben walten ;
Er wird dich wol erhalten /
Und dich auß allen nöthen
Wol wissen zu errett .

Frisch auf

2. Steckst du in armuth sehr ?
Ist kranckheit dir zu schwer /
Und must auff allen seiten
Mit noth und ku er streiten ?
Sey fleissig nur im betten
Gott wird dich schon erretten.

3. Hast du viel hertzeleid
In dieser bösen zeit /
Und must dich lassen plagen ?
Solt du drum nicht verzagen :
Wann du wirst fleissig betten /
Wird dich GOtt wol erretten.

sollst du

4. Bist du der welt ein spott /
Und steck'st in grosser noth /
Von jederman verlassen ?
Thu ein frisch hertze fassen :
Wann du wirst fleissig betten /
Wird dich GOtt wol erretten.

5. Drum wer ein Christ will seyn /
Der schick sich nur darein /
Und sey im creutz gedultig /
Geb sich vor GOtt nur schuldig /
Der ihn auß allen nöthen
Gar wol weiß zu erretten.

6. Denn es zu dieser frist
Also beschaffen ist /
Wenn ein creutz nur aufhöret /
Ein anders bald einkehret /
Drum must du fleissig betten
Zu GOtt in allen nöthen.

7. Weil ausserhalb der noth
Unser gebett ist todt /
So muß Gott trübsal senden /
Daß wir uns zu ihm wenden /
Und allzeit fleissig betten /
Daß er uns tröst' in nöthen.

8. Ein christ mach's wie er will /
So muß er leiden viel ;
Wird unschuldig angeben /
Man thut ihm widerstreben :
Drum muß er fleissig betten /
Daß Gott ihn tröst' in nöthen.



angeben

9. Denn wer hie in gedult
Befihlt GOtt sein' unschuld /
Der sie an tag kan bringen /
Dem wird's endlich gelingen /
Wenn er in seinen nöthen
Nur stets thut fleissig betten.


befiehlt

10. Und weil trübsal [p. 373] und noth
Der christen täglich brodt /
Hertzleid in allen ständen /
Wo man sich hin thut wenden /
So muß man fleissig betten /
Daß er uns tröst' in nöthen.

11. Darum / o fro er christ /
Du GOtt ergeben bist /
Laß dir fürm creutz nicht grauen /
Thu auff den HErren bauen /
Der dich auß allen nöthen
Wird wissen zu erretten.

12. Wandel auff Gottes weg /
Zum guten sey nicht träg /
Fahr hin / leid' dich gedultig /
Ob du bist gleich unschuldig /
Und bett hertzlich in nöthen /
Gott wird dich wol errett .



leid dich

13. Und ob's hier nicht geschicht /
Solt du verzagen nicht /
Es wird nach dein'm begehren
Im himmel besser werden /
Da uns GOtt wird erretten
Auß allen unsern nöthen.

werden

14. Da dann all unser leid
Sich kehren soll in freud /
Und wir werden zusa en
Preisen des HErren namen /
Befreyt von allen nöthen
Für GOttes antlitz tretten.


427.) Mel. Wer nur den lieben GOtt läßt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
366 427 453 450 450 450 450
p. 355 373 601 399 356 531 356

ICh bin mit dir / mein GOtt zu frieden /
Ich halte deinem willen still.
Was deine güte mir beschieden /
Mit dem vergnüget sich mein will ;
Mein will / der zwar nicht ferner mein /
Dieweil er dein begi t zu seyn.

Ich bin mit dir
halte still

vergnüget

  

beginnt

2. Wilt du mich auff das siechbett legen ?
Ich will ; soll ich in mangel seyn ?
Ich will ; soll sich ein unfall regen ?
Ich will ; und wilt du / daß ich wäin ?
Ich will ; und gibst du mich dem todt /
Ich will / dein will gescheh / o GOtt.

Siechbett

  


ich will ;

3. Wilt du mich in dem himmel haben /
HErr / diß ist meiner wünsche füll ;
Soll ich dann zu der hölle traben ?
Ich weiß HErr / diß ist nicht dein will.
Daß dein will so nicht wollen solt /
Hat deines sohnes todt gewolt.



dann

4. Sein tod erklärt mir deinen willen ;
Dein will ist / daß ich heilig sey /
So will ich zwar ; doch das erfüllen
Verhindert / leyder ! mancherley.
Bald will sich unwill mengen ein /
Bald muthwill mein beherrscher seyn.

Unwille

5. Nicht so / mein hertz / was Gott dir gibet /
Böß oder guts / nimm willig an.
Weg eigen will /was GOtt beliebet /
Das sey mit lust von mir gethan.
Ja / ja / mein hertz ruht sanfft und still /
Es wehlt / es will / was mein GOtt will.

nicht so


428.) Nach voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
367 428 454 451 451 451 451
p. 356 373 602 399 357 531 357

ICh bin vergnügt und halte stille /
Wann mich gleich manche Trübsal drückt /
Und dencke / daß es Gottes wille /
Der mir das creutze zugeschickt /
[p. 374] Und hat er mir es zugefügt /
So trägt er's mit / ich bin vergnügt.

Ich bin vergnügt

2. Ich bin vergnügt in allem leyden /
Dieweil es doch nicht ewig währt /
Es soll mich nichts von JEsu scheiden /
Weil leid in freude wird verkehrt /
Mein Heyland hat all' angst besiegt
Der gantzen welt / ich bin vergnügt.

3. Ich bin vergnügt in meinem hoffen /
Da   hilft GOtt gleich nicht / wie ich will /
So hat er schon den schluß getroffen /
Er weiß die beste zeit und ziel /
Ich harr' auff ihn / dann so betrügt
Die hoffnung nicht / ich bin vergnügt.

4. Ich bin vergnügt in meinem Leben,
Hab ich nicht viel und mancherley
So glaub ich, daß mir alles geben
Kan, der mein Gott und Vater sey ;
Ob gleich der Arme unten liegt,
So heißt es doch : Ich bin vergnügt

5. Ich bin vergnügt / wann meiner spotten
Der satan und die falsche welt /
Was schaden mir die armen rotten /
Ein frommer christ behält das feld /
Wenn er sich nur gedultig schmiegt /
Und demuth liebt / ich bin vergnügt.

6. Ich bin vergnügt auch in dem sterben /
We   nun der geist vom cörper eilt /
Ich weiß / daß wir die cron ererben /
Die uns vor längsten zugetheilt /
Weil Gott in seinem wort nicht lügt /
Drum sag ich noch : ich bin vergnügt.


vor längsten

7. Ich bin vergnügt in JEsu armen /
Und sauge seine liebes-brust /
Da kan mein kaltes hertz erwarmen /
Ich achte keine menschen-lust /
Ich habe nun die welt besiegt /
Und bin vollko ener vergnügt.


sauge

429.) Im Thon : Allein Gott in der höh sey ehr &c..

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
368 429 455 452 452 452 452
p. 356 374 603 400 358 532 358

WAs JEsus thut / ist wol gethan /
Mein hertz gib dich zu frieden :
Niemand doch JEsum tadeln kan /
Was wilst du dich betrüben ?
Laß fahren deine ungedult /
Sonst machst du grösser deine schuld :
Sprich : hab ichs doch verdienet.

Was Jesus tut

  

  


verdienet

2. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Bedencks / er ist allmächtig /
Darzu der beste helffers-mann /
Sein wort dich tröstet kräfftig.
Warum sinckt doch so bald der muth /
Hat JEsus doch sein theures blut
Tröstlich für dich vergossen.

3. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Denckst du / du bist verlassen /
Weil dich betrübt fast jederman
Und kräncket höchster massen ?
Wilt du dann mehr als JEsus seyn /
Und bleiben ohne creutz und pein ?
Das laß dir nicht nachsagen.

nachsagen

4. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Der will dich so probieren /
Ob du rechtschaffen als ein mann /
Dein christenthum kanst führen :
Meynst du / daß er an dich nicht denck :
Ach ! nein ! [p. 375] drum du dich nicht so kränck /
Es wird bald besser werden.


probieren

5. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Wann man sich recht bedencket ;
Der ist mit GOtt am besten dran /
Dem er den creutz-kelch schencket :
Ach ! glaube nur / weil du in noth
Must essen lauter thränen-brodt :
Dort wirst du ewig leben.

Tränenbrot

6. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Ob gleich die mißgunst hindert /
Laß alles gerne so hingahn /
Doch endlich wirds gemindert :
Am end hat neid gar bösen lohn /
Das wirst du sehn und hören schon /
Dein grämen laß nur fahren.



hingahn

7. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Auff den trost kanst du bauen /
Die falsche welt nur fahren lahn /
Und JEsu recht vertrauen /
Es geht doch / wie ers haben will /
Hättst du der neider noch so viel /
So bleibt er doch dein JESUS.



lahn

8. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Hat er doch selbst versprochen /
Wann dir unrecht wird angethan /
Es soll werden gerochen ;
Sey du im leiden immer still /
Dein JEsus recht es machen will
Am lieben jüngsten tage.

gerochen

9. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Ich will nur fleissig betten /
All angst und noth er wenden kan /
In einer kürtz erretten :
Der Goliath muß doch noch dran /
Mein JEsus ihn bald dämpffen kan /
JEsu / mein seufftzen höre !

dran

  

10. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Mit danck will ich ihn ehren /
Für alles / was er mir gewann /
Und stets sein lob vermehren /
Dein JEsus gibt / dein JEsus ni t /
Den HErren JEsum preißt und rühmt /
Mein JEsus wirds wol machen.

11. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Nun kan mich nichts betrüben /
Er führet mich auff seiner bahn /
Die welt mag mich nicht lieben :
Das kleine leiden dieser zeit
Nicht werth ist ewger herrlichkeit /
Die ich empfangen werde.

dieser Zeit

  

12. Was JEsus thut / ist wol gethan /
Ich soll ewig regieren /
Ihn soll ich ewig schauen an /
Und ewig triumphieren :
Ich halt an hoffnung und gedult /
Mein JEsus hats also gewolt /
Nun sprech ich frölich / Amen.


430.) Im Thon : Auß meines hertzens grunde &c..

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
370 430 456 453 453 453 453
p. 359 375 605 401 359 534 359

MEin hertze / sey zu frieden /
Stell doch dein trauren ein :
Du must nicht stracks ermüden /
Noch so verzaget seyn /
Wann dich ein unglück drückt ;
Laß dir es doch in allen
Mit freuden wolgefallen /
Wie es Gott mit dir schickt.

Mein Herze

stracks

  


in allen

2. GOTT sucht durch creutz und plagen
Dein bestes allezeit :
Du weist / bey guten tagen
Leb'st du in sicherheit /
Bist voller sünden-lust /
Hang'st an den eitelkeiten /
Die dich [p. 376] also verleiten /
Daß du zur hölle must.

Sicherheit

3.Wann aber je zuweilen
Ein creutz beschweret dich /
Pflegst du zu GOtt zu eilen /
Dein geist ermuntert sich /
Dein betten hat mehr krafft /
Du lernest auff GOTT bauen /
Ihm in gedult vertrauen /
Biß er dir hülffe schafft.


Kreuz

4. Drum sey doch gutes muthes /
Mein hertz / in deiner noth /
Weil dadurch so viel gutes
Dir thut der fromme GOtt ;
Klag ihm nur deine pein /
Für ungedult dich hüte /
Und hoff auff seine güte /
So wirst du glücklich seyn.

5. Laß deinen Gott frey machen /
Und meist're ihn ja nicht /
Befihl ihm deine sachen :
Er weiß / was dir gebricht /
Und wird nach seiner treu /
Durch allmächtige thaten /
Dir wissen wol zu rathen /
Und hülffreich stehen bey.


frei
befiehl ihm

6. Da GOtt was lang außbliebe /
Must du erwarten sein :
Du weist / wie er uns liebe /
Auch öfters warte dein /
Je länger währ't das leid /
Je besser es sich endet /
Und wann Gott hülffe sendet /
Je mehr sie dich erfreut.

da

  

warte dein

7. Darum solt du nicht sorgen
In langer creuzes-pein :
Vielleicht kan dir schon morgen
Nach wunsch geholffen seyn.
GOtt ist niemals so nah /
Als wann die noth sich mehret :
Wann menschen-rath auffhöret /
Ist seine hülffe da.

8. Wer GOtt in allen dingen
Getrost vertrauen kan /
Dem wird es nie mißlingen :
GOtt nimmt sich seiner an /
Dann wo er ihn verließ /
So müßte sein wort trügen :
Drum / weil GOtt nicht kan lüg  /
Hilfft er ihm gar gewiß.

9. Es ist niemahls geschehen /
Daß ein geplagter christ /
Wann er auff GOtt gesehen /
Zu schanden worden ist :
Gewiß ist / daß sich GOtt
Nicht unser Vatter nennte /
Wa   er nicht wolt noch könte
Uns helffen in der noth.

10. Mein hertz / von diesem allen
Nimm trost in deiner noth :
Hat dich creutz überfallen ?
O darum nichts stracks todt !
Dein Vatter kan und will
Rath schaffen allen plagen /
Wilt du es nur drauff wagen /
Und ihme halten still.

ihme

11. Nun HErr / was dir gefället /
So mir begegnen soll /
Das werd ins werck gestellet :
Ich bin [p. 377] der hoffnung voll /
Du wirst / nach deiner gnad /
Gedult und trost verleihen /
Zuletzt mich auch erfreuen
Durch hülffe in der that.


so

12. Du wollest mich nur stärcken
In meiner blödigkeit /
Daß ich mag christlich mercken
Des creutzes nutzbarkeit /
Und daß desselben pein /
Wie sehr sie auch betrübet /
Demselben / der dich liebet /
Muß nütz und heilsam seyn.

13. Weil ich dich auch soll preisen
Für creutz und ungemach /
Diß aber zu erweisen
Allhier bin viel zu schwach :
So hilf doch / daß ich dir
Im hi el einst mit freuden /
Für all mein creutz und leiden /
Dancksage nach gebühr.


431.) In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
371 431 457 454 454 454 454
p. 361 377 608 403 360 535 360

ICh kan nicht seyn betrübet /
Ich weiß ja / Gott ist mein /
Daß er mich hertzlich liebet /
Und daß ich auch bin sein.
Weg / trauren / weg geschwind !
Denn Gott ist selbst mein vater /
Mein schöpffer und berather /
Und ich bin GOttes kind.

Ich kann nicht

2. Ich kan nicht seyn betrübet /
Mich hat das höchste gut /
Mein JEsus / der mich liebet /
Erlöset durch sein blut.
Weg / trauren / weg geschwind !
Ich habe ruh gefunden
In JEsu blut'gen wunden /
Drum bin ich Gottes kind.

3. Ich kan nicht seyn betrübet /
Weil ich getauffet bin :
Der heilge geist mich liebet /
Und ändert hertz und sinn !
Weg / trauren / weg geschwind !
Der hi el stehet offen /
Ich hab es wol getroffen :
GOtt heil'get mich / sein kind.

4. Ich kan nicht seyn betrübet /
Dieweil im abendmahl
Mein Heyland sich mir gibet
Zur freude und labsal :
Weg / trauren / weg geschwind !
Weil JEsus in mir bleibet /
Ich bin GOtt einverleibet /
Und drum sein liebes kind.


Abendmahl

5. Ich kan nicht seyn betrübet /
Ich glaube ja an GOtt /
Wohl mir ! wann der mich liebet /
Der heißt HErr Zebaoth/
Weg / trauren / weg geschwind !
Mein ist / der eins in dreyen /
Nichts kan mich mehr erfreuen /
Als daß ich bin sein kind.

6. Ich kan nicht seyn betrübet /
GOtt hat erwehlet mich
In Christo / der mich liebet /
Das weiß ich sicherlich.
Weg / trauren / weg geschwind !
Will satan mich anklagen :
So will ich zu ihm sagen :
Ich bin ein seligs kind.

7. Ich kan nicht seyn betrübet /
Weil von der sünden noth
Mich frey macht / der mich liebet /
Und wendet ab den todt.
Weg / trauren / weg geschwind :
GOtt lässet mich nicht fallen /
Er ist bey mir in allen /
Und führet selbst sein kind.

in allen

8. Ich kan nicht seyn betrübet /
Wenn ich will / was GOtt will ;
Hab ich den der mich liebet /
So hab ich hüll und füll ;
Weg / trauren / [p. 378] weg geschwind !
Wie es mein GOtt will fügen /
So soll es mir genügen ;
Er sorget für sein kind.

9. Ich kan nicht seyn betrübet /
Wa   durch des creutzes band
Mich bindet / der mich liebet.
Ko ts doch von werther hand ;
Weg / trauren / weg geschwind !
Wenn GOtt legt auff die plagen /
So hilfft er sie auch tragen /
Und tröstet wohl sein kind.

10. Ich kan nicht seyn betrübet /
Wenn gleich mein hertze bricht :
Der hier und dort mich liebet /
Kan mich verlassen nicht.
Weg / trauren / weg geschwind !
Ich lebe oder sterbe /
Ich bin ein himmels-erbe /
Und bleibe GOttes kind.


432.) Mel. O HErre GOtt dein göttlich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
372 432 458 455 455 455 455
p. 362 378 609 404 361 537 361

WEr GOtt vertraut /
Hat wol gebaut
Im himmel und auff erden :/:
Wer sich verläßt
Auff JEsum Christ /
Dem muß der hi el werden.
Darum auf dich
Allein hoff ich
Mit gantz getrostem hertzen /
HErr JEsu Christ /
Mein trost du bist /
In todes-noth und schmertzen.

Wer Gott vertraut

2. Und wann's gleich wär
Dem teuffel sehr
Und aller welt zuwider :/:
Dannoch du bist /
Du / JEsu CHrist /
Der sie all' schlägt darnider /
Und wann ich dich
Nur hab um mich
Mit deinem geist und gnaden /
So kan fürwahr
Mir gantz und gar
Wed'r todt noch teuffel schaden.


sehr

3. Deß tröst' ich mich
Gantz sicherlich /
Dann du kanst mir wol geben :/:
Was mir ist noth /
Du treuer GOtt /
In dies'm und jenem leben.
Gib wahre reu /
Mein hertz verneu /
Errette meine seele.
Ach höre / HErr /
Diß mein begehr /
Und laß mein bitt nicht fehlen.


433.) Im Thon : Hertzlich thut mich verlangen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
373 433 458 456 456 456 456
p. 362 378 610 404 361 537 361

BEfihl du deine wege /
Und was dein hertz offt kränckt /
Der allertreusten pflege
Deß / der den himmel lenckt /
Der wolcken / lufft und winden
Gibt wege / lauff und bahn /
Der wird auch wege finden /
Da dein fuß gehen kan.

Befiehl du
oft

2. Dem HErren must du trauen /
Wenn dir's soll gehen wol /
Auff sein werck must du schauen /
We   dein's bestehen soll /
Mit sorgen und mit grämen /
Und mit selbst-eig'ner pein /
Läßt GOtt ihm gar nichts nehmen /
Es muß gebetten seyn.


gehen wohl

  

  

ihm

3. Dein' ewig-treue gnade /
Mein vatter / weiß und siht /
Was gut sey / oder schade
Dem sterblichen geblüt /
Und was du [p. 379] dann erlesen /
Das treib'st du / starcker held /
Und bring'st zum stand und wesen /
Was deinem rath gefällt.

zum Stand

4. Weg' hast du aller wegen /
An mitteln fehlt dir's nicht :
Dein thun ist lauter segen /
Dein gang ist lauter licht /
Dein werck kan niemand hindern /
Dein arbeit darf nicht ruh'n /
Wenn du / was deinen kindern
Ersprießlich ist / wilt thun.

5. Und ob gleich alle teuffel
Hie wolten widersteh'n /
So wird doch GOtt ohn zweiffel
Darum nicht ruckwerts gehn /
Was er ihm vorgenommen /
Und was er haben will /
Das muß doch endlich kommen
Zu seinem zweck und ziel.



rückwärts

6. Hoff' / o du meine seele /
Hoff' / und sey unverzagt .
GOtt wird dich auß der höle /
Da dich der kummer plagt /
Mit grossen gnaden rücken /
Erwarte nur der zeit /
So wirst du schon erblicken
Der sonnen frölichkeit.

Fröhlichkeit

7. Auff ! auf ! gib deinen schmertzen
Und sorgen gute nacht /
Laß fahren was dem hertzen
Angst und betrübniß macht :
Du bist ja kein regente /
Der alles führen soll /
GOtt sitzt im regimente /
Und führet alles wol.



dem Herzen

8. Ihn / ihn laß thun und walten /
Er ist ein weiser fürst /
Und wird sich so verhalten /
Daß du dich wundern wirst :
Wenn er / wie ihm gebühret /
Mit wunderbarem rath /
Das werck hinauß geführet /
Das dich bekü ert hat.

9. Er wird zwar eine weile
Mit seinem trost verzieh'n /
Und thun an seinem theile /
Als hätt' in seinem sinn
Er deiner sich begeben /
Als frag er nichts nach dir /
Und soltest du nur schweben
In trübsal für und für.



begeben

10. Wird's aber sich befinden /
Daß du ihm treu verbleib'st /
So wird er dich entbinden /
Wann du es ni er glaub'st :
Er wird dein hertz erlösen
Von der so schweren last /
Die zu zu keinem bösen
Bißher getragen hast.

glaubst

11. Wohl dir / du kind des leydes /
Du hast und trägst davon
Mit ruhm und ehre / beydes
Den sieg / die ehren-kron :
Gott gibt dir selbst die palmen
In deine rechte hand /
Und du sing'st freuden-psalmen
Dem / der dein leyd gewandt.

Leides

[p. 380]
12. Mach einmahl / HERR / ein ende
Mit aller uns'rer noth /
Stärck uns're füß und hände /
Und laß / biß in den tod /
Uns allzeit deiner pflege
Und treu empfohlen seyn /
So gehen uns're wege
Gewiß zum himmel ein.
einmal

 ___________________________________________________________________________

Creutz- und Anfechtungs-Lieder

434.) Im Thon : Vatter unser im himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
375 434 461 458 458 458 458
p. 365 380 614 407 364 541 364

ACh Gott / wie manches hertzen-leyd
Begegnet mir zu dieser zeit /
Der schmale weg ist trübsal voll /
Den ich zum hi el wandern soll /
Wie schwerlich läßt sich fleisch und blut
Zwingen zu dem ewigen gut.

Ach Gott

2. Wo soll ich mich da   wenden hin /
Zu dir / HErr JEsu / steht mein sinn /
Bey dir mein hertz / trost / hülff und rath
Allzeit gewiß gefunden hat /
Niemand jemahls verlassen ist /
Der hat gebaut auff JEsum Christ.

3. Du bist der grosse wunder-mann /
Das zeigt dein ampt und dein person /
Welch wunder-ding hat man erfahr'n /
Daß du mein Gott bist mensch gebohr'n /
Und führest uns durch deinen todt
Gantz wunderlich auß aller noth.


Amt

  


wunderlich

4. JEsu / mein HErr und GOtt allein /
Wie süß ist mir der nahme dein /
Es kan kein trauren seyn so schwer /
Dein süsser nahm erfreut vielmehr /
Kein elend mag so bitter seyn /
Dein süsser trost der lindert's fein.

5. Ob mir gleich leib u   seel verschmacht't /
So weist doch HErr / daß ich's nicht acht /
Wann ich dich hab / so hab ich wol /
Was mich ewig erfreuen soll /
Dein bin ich ja mit leib und seel /
Was kan mir thun sünd / todt und höll ?

6. Kein bess're treu auff erden ist /
Dann nur bey dir / HErr JEsu Christ /
Ich weiß / daß du mich nicht verläst /
Dein zusag bleibt mir ewig vest /
Du bist mein rechter treuer hirt /
Der mich ewig behüten wird.

7. JEsu / mein freud / mein ehr und ruhm /
Mein's hertzens schatz und mein reichthum /
Ich kan es ja nicht zeigen an /
Wie hoch dein nahm er-[p. 381]freuen kan /
Wer glaub und lieb im hertzen hat /
Der wird's erfahren in der that.

  

zeigen an

8. Drum hab ich's offt und viel geredt /
Wann ich an dir nicht freude hätt' /
So wolt' ich den tod wünschen her /
Ja daß ich nie gebohren wär /
Dann wer dich nicht im hertzen hat /
Der ist gewiß lebendig todt.

hat / tot

9. JEsu / du edler bräut'gam werth /
Mein höchste zier auf dieser erd /
An dir allein ich mich ergötz /
Weit über alle guld'ne schätz /
So offt ich nur gedenck an dich /
all meion gemüth erfreuet sich.

Bräutigam

  

guldne

10. Wann ich mein' hoffnung stell zu dir /
So fühl' ich freud und trost bey mir /
Wann ich in nöthen bett und sing /
So wird mein hertz recht guter ding.
Dein geist bezeugt / daß solches frey
Des ew'gen lebens vorschmack sey.

11. Drum will ich / weil ich lebe noch /
Das creutz dir frölich tragen nach /
Mein GOtt / mach mich darzu bereit /
Es dient zum besten allezeit /
Hilff mir mein' sach recht greiffen an /
Daß ich mein'n lauff vollend   kan.

12. Hilff mir auch zwingen fleisch und blut /
Für sünd und schanden mich behüt /
Erhalt mein hertz im glauben rein /
So leb' und sterb' ich dir allein.
JESU / mein trost / hör' mein begier /
O mein heyland ! wär ich bey dir.

Begier


435.) Im Thon : Ach was soll ich sünder machen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
376 435 462 459 459 459 459
p. 366 381 616 408 365 542 365

JESU / hast du mein vergessen ?
Warum scheint dein angesicht
Meiner armen seelen nicht ?
Mich hat grosse angst besessen /
Angst / die meine seele preßt /
Angst / die mich ohn hoffnung läßt.

Jesu, hast du

2. Ach ! wie lange soll ich sorgen /
Ach ! wie lange soll ich seyn
In so schwerer angst und pein ?
Weil du dich für mir verborgen /
Deine hülffe gar versteckt /
Und dein angesicht verdeckt.


für mir

3. JEsu / laß dein grosses eilen /
Sprich doch meiner seelen ein :
Daß ihr soll geholffen seyn.
Wilt du dich dann nicht verweil  /
Hochgewünschter gnaden-thron /
JEsu / trauter Davids-sohn.

Eilen

  

dich verweilen

4. Kehre / JEsu / kehre wieder /
Ach mein jammer ist zu hart /
Meine seele ligt erstarrt
Hie zu deinen füssen nider /
JEsu Christ / [p. 382] erbarm dich mein /
Laß doch gnade gnade seyn.

5. Laß mich doch zu deinen füssen
(Weil ich armer sünden-knecht
Ja nicht suche kindes-recht)
Nur der hündlein recht geniessen /
Ach ! wirff mir zu meiner ruh
Nur ein gnaden-bröcklein zu.


Hündlein

6. Gnade / JEsu / und erbarmen
Such ich und ein mehrers nicht /
HErr / ich laß / ich laß dich nicht /
Hier auß meines glaubens armen /
Biß du mich gerissen hast
Auß der übergrossen last.


ein mehreres

Armen

7. Laß doch meine nasse wangen /
Meiner trüben augen-fluß /
So dir ligen hie zu fuß /
Bey dir gnad und trost erlang  /
Sprich doch meiner seelen ein :
Ja / du solt erhöret seyn.


Fluss


436.) Im Thon : Ach daß doch mein Jesus käme &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
377 436 463 460 460 460 460
p. 367 382 617 409 366 543 366

JEsu ! hilff mein creutz mir tragen /
Wa   in bösen jammer-tagen
Mich der arge feind anficht /
JESU ! dann vergiß mein nicht.

Jesu, hilf

  

anficht
mein

2. Wenn die falsche rott-gesellen
Dencken gäntzlich mich zu fällen /
Und mir rath und that gebricht /
JEsu CHrist ! vergiß mein nicht :

Rottgesellen

3. Will mich böse lust verführen /
So laß mir das hertze rühren
Das zukünfftige gericht /
Und vergisse meiner nicht.


rühren

vergisse

4. Ko t die welt ihren tücken /
Und will mir das ziel verrücken /
Durch ihr falsches wollust-licht /
JEsu ! so vergiß mein nicht.

5. Wollen auch wol meine freunde
Mich nicht anders als die feinde
Hindern auf der lebens-bahn /
JEsu ! ni   dich meiner an.


an

6. Fehlet mir's an krafft zu betten /
Laß mich deinen geist vertretten /
Stärcke meine zuversicht /
Und vergisse meiner nicht.


Geist

7. Will auch selbst der glaub schwach werden /
Und nicht tragen die beschwerd    /
We   die trangsals-hitze sticht /
JEsu ! so vergiß mein nicht.

Trangsal

8. Bin ich irgend abgewichen /
Und hab mich von dir verschlichen /
Sey mein wiederkehr und licht /
JEsu ! und vergiß mein nicht.

9. Wenn ich gäntzlich bin verlassen /
Und mich alle menschen hassen /
So sey du mein zuversicht /
Jesu ! und vergiss mein nicht.

10. Wenn ich hülffloß da muß ligen
In den letzten todes-zügen /
Wenn [p. 383] mein hertz im leib zerbricht /
JEsu ! so vergiß mein nicht.

11. Fahr ich auß dem welt-getümmel /
Nimm mich / JEsu ! in den hi el /
Daß ich seh' dein angesicht /
JEsu Christ ! vergiß mein nicht.


437.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
378 437 464 461 461 461 461
p. 368 383 618 409 366 544 366

MAg ich unglück nicht widerstahn /
Muß ungnad han
Der welt / für mein recht glauben :/:
So weiß ich doch / das ist mein kunst /
Gott's huld und gunst /
Die muß man mir erlauben.
GOTT ist nicht weit /
Ein kleine zeit
Er sich verbirgt /
Biß er erwürgt /
Die mich sein's worts berauben.

Mag ich

  

Kunst

2. Richt wie ich woll jetzund mein sach /
Weil ich bin schwach /
Und Gott mich forcht läßt finden :/:
So weiß ich / daß kein g'walt bleibt vest /
Ist's allerbest /
Das zeitlich' muß verschwinden.
Das ewig' gut
Macht rechten muth /
Darbey ich bleib /
Wag gut und leib /
GOtt helff mir's überwinden.

Richt

  


allerbest

3. All ding ein' weil ein sprichwort ist /
HErr JEsu Christ !
Du wirst mir steh'n zur seiten :/:
Und sehen auff das unglück mein,
Als wär es dein /
Das wider mich thut streiten.
Muß ich da   dran
Auff dieser bahn /
Welt / wie du wilt /
GOtt ist mein schild /
Der wird mich wohl begleiten.

Sprichwort

  

  


muss dran

438.) Im Thon : Du / o schönes welt gebäude &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
379 438 465 462 462 462 462
p. 368 383 619 410 367 544 367

WE   wird doch mein JEsus ko en
In das wilde thränen-land /
Plag und klag hat zugenommen /
Leid und neid nimmt überhand /
Wann wird mich mein Heyland grüssen /
Mir den bitter'n kelch versüssen /
HErr / du bleibest gar zu lang /
Nach dir ist mir angst u   bang.

Wann wird

  

  


muss dran

2. Braut / wie bist du so versuncken
In dem meer der traurigkeit /
Ich hab dir eins zugetruncken /
Lieb'st du mich / so thu bescheid /
Lieb besteht nicht ohne leiden /
Lieb und leid nicht kö en scheiden /
Wer nicht liebet / neidet nit /
Lieb'st du mich / so leide mit.

Braut

zugetrunken

3. Ich hab einen schmalen rücken /
Warum leiden and're nicht ?
Ich soll mich zum creutz fast bücken /
And're gehen auffgericht.
HErr / erlaube mir zu sagen /
Daß auch and're helffen tragen /
Mir allein des creutzes-pein
Will fast unerträglich seyn.

Rücken

fast

[p. 384]
4. Frisch gewagt / ist halb gewonnen /
Wer das creutz fein hurtig faßt /
Ist der marter halb entronnen /
Fühlet kaum die halbe last /
Du must dich dem creutz ergeben /
In dem sterben / in dem leben /
Rechte liebe hat kein ziel /
Niemal ist der lieb zu viel.

Ziel

5. And're wissen nichts vom leiden /
Nur von lauter lustbarkeit /
Aber ich weiß nichts von freuden /
Nur von lauter traurigkeit /
Andern geht's nach wunsch und willen /
Mich kan nichts dann wehmuth stillen /
And're haben lauter huld /
Ich muß leiden ohne schuld.

6. Schau ! das kind den vatter trutzet /
Schweig und willig dich ergib /
Ich weiß besser was dir nutzet /
Ich will's haben / nimm vor lieb /
Du darffst nichts nach andern fragen /
Was ich aufleg / solt du tragen /
Es sey wenig oder viel /
Weil ich's also haben will.

trutzet

7. Nun wolan ich bin zu frieden /
JEsu ! ach vergib es mir /
Was ich allzu viel getrieben /
Ach ! das creutz erschreckt mir schier /
Doch ins creutz ich mich begebe /
Mit dem sterbe ich und lebe /
Es sey wenig oder viel /
Weil es JEsus haben will.

getrieben
schier

  

8. So recht / also will ichs haben /
Jetzt bist du mein liebstes kind /
Droben will ich dich schon laben /
Hier gedulde rauhe wind /
Leide du / wie ich gelitten /
Streite du / wie ich gestritten /
Droben folgt die ehren-kron /
Groß und ewig ist der lohn.


  

gedulde

439.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
380 439 466 463 463 463 463
p. 369 384 620 411 368 545 368

ACh GOTT / erhör mein seufftzen und wehklagen /
Laß mich in meiner noth nicht gar verzagen /
Du weißt mein schmertz /
Erkenn'st mein hertz /
Hast du mir's auffgelegt / so hülf mir's trag .

Ach Gott, erhör

mein

  

hülf

2. Ohn deinen willen kan mir nichts begegnen /
Du kanst verfluchen / und auch wieder segnen /
Bin ich dein kind /
Und hab's verdient /
Gib warmen so enschein nach trübem regen.

3. Pflantz' mir gedult durch dein'n geist in mein hertze /
Und hilff / daß ich es acht' für keinen schertze /
Zu deiner zeit
Wend' ab mein leid /
Durch marck und bein dringt mir der grosse schmertze.

4. Ich du hast meiner noch nicht vergessen /
Daß ich vor leid mir solt mein hertz abfressen /
Mitt'n in der noth /
[p. 385] Denck ich an GOtt /
Wa   er mich schon mit creutz und angst thut pressen.


abfressen

5. Es hat kein unglück nie so lang gewähret /
Es hat doch endlich wieder auffgehöret /
Beut mir dein' händ /
Und mach's ein end /
Auff dieser erd mein hertz sonst nichts begehret.


Es hat doch
beut

6. Soll ich noch mehr um deinet willen leiden /
So steh' mir / HErr ! mit deiner krafft zur seiten /
Fein ritterlich /
Beständiglich /
Hilff mir mein' widersacher all bestreiten.

ritterlich

7. Daß ich durch deinen geist mög' überwinden /
Und mich allzeit in deinem hauß laß finden /
Zum preiß und danck /
Mit lobgesang /
Mit dir thu ich auß liebe mich verbinden.

Dass

8. Daß wir in ewigkeit bleiben beisa en /
Und ich allzeit dein'n außerwöhlten namen
Preiß hertziglich /
Das bitt ich dich /
Und sing von meines hertzens grunde / Amen.


auserwöhlt

  

und sing

440.) In voriger Melodie.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
381 440 467 464 464 464 464
p. 370 385 622 411 368 547 368

ACh Gott ! ach Gott ! ach hast du mein vergessen ?
Wilst du mich durch des creutzes last zerpressen ?
Die böse rott
Hat mir mit spott 
Den thränen-becher über voll gemessen.

Ach Gott
zerpressen

  

über voll

2. Wie lang / ach HErr / wie lang soll ich mich quälen ?
Wie gar zerknirschest du der frommen seelen.
Des todes pfeil /
Und donners keil
Erhaschen mich / und sind fast nicht zu zehlen.


zerknirschest
Pfeil

3. Nun mein seel / laß dich besänfftig stillen /
Und murr nicht wider deines Gottes willen.
Wer GOtt vertraut /
Vest auff ihn baut /
Den will er nach dem leid mit freud erfüllen.

besänftig

4. Geh hin und frag die lang bejahrte greisen /
Ob sie in ihrem leben können weisen
Nur einen Mann /
Der sagen kan /
GOtt laß ihn sonder trost von hinnen reisen.

5. Vergleichest du den himmel mit der erden ?
Der raben farb den wollen-weissen heerden :
Die herrlichkeit
Wird mit der zeit
Uns ewig ewig offenbahret werden.

6. Bin ich biß an der erden end vertrieben /
So bin ich doch in GOttes hand geschrieben.
Die für und für
Ist hart auff mir /
Wann er mich schlägt / so will ich ihn doch lieben.


geschrieben

7. So hat GOtt meiner nimmer nicht vergessen /
Ob mich gleich noth und tod fast auffgefressen.
Das sonnen-rad
Folgt trübem pfad /
Der lorbeer-krantz den klag- und traur-cypressen.


Sonnenrad

441.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
382 441 468 465 465 465 465
p. 371 385 623 412 369 547 369

HAst du dann / JEsu / dein angesicht gäntzlich verborgen :/:
Daß ich die stunde der nächte muß warten biß morgen ?
Wie [p. 386] hast du doch /
Süssester ! mögen annoch
Bringen die traurigen sorgen.

Hast du denn
Stunde

2. Must du dann / liebste / dich also von hertzen betrüben :/:
Das ich ein wenig zu lange bin aussen geblieben /
Weist du dann nicht /
Wie sich mein hertze verpflicht /
Dich stets und ewig zu lieben.

3. Meine getrübete geister die wäinen im hertzen :/:
Weil nun die flammen und funcken der brennenden kertzen /
In liebes-glut /
Leider dein zörnen außthut /
Soll ich dann dieses verschmertzen ?

austut

4. Ach du bekümmerte seele ! sey frölich im hertzen :/:
Stille die traurige sorgen und quälende schmertzen :
Keine sündflut
Tilget die feurige glut
Meiner lieb-brennenden kertzen.

Sündflut

5. Wilt du mich lassen in nöthen / o JEsu ! berderben :/:
Ey nun so lasse mich / süsser / doch seliglich sterben :
Auff daß ich kan
Dorten die himmlische bahn
Endlich auß gnaden ererben.

6. Richte dich / liebste / mach meinem gefallen / und gläube :/:
Daß ich dein seelen-hirt i er und ewig verbleibe /
Der dich ergetzt /
Und in den hi el versetzt /
Auß dem gemarterten leibe.

gläube

ergetzt

7. Muß ich in diesem betrübten und zeitlichen leben :/:
Gleich in des todes gefährlichen schrancken stets schweben /
So wird mir dort /
JEsus / am seligen ort /
Hi lische freyheit doch geben.


gleich

8. Traue nur sicher / und bleibe beständig im glauben :/:
Ob gleich tod / teuffel und hölle sich brüsten und schnauben /
Sollen sie doch
Nicht in ihr höllisches joch /
Dich auß den händen mir rauben.

9. Hiermit so will ich gesegnen die irdischen freuden :/:
Hiermit so will ich vom zeitlichen leben abscheiden.
Ewige lust
Wird mir bald werden bewust /
Wa   mich der himmel wird weiden.

gesegnen

10. Hertzlich verlangende seele nach himmlischen freuden :/:
Ey nun so schicke dich selig von hinnen zu scheiden /
Tröste dich mein /
Daß ich dein hirte will seyn /
Und dich erquicken und weiden.

verlangende
schicke dich
tröste dich mein

11. Ade / o erde / du schönes / doch schnödes gebäude :/:
Ade / o wollust / du süsse / doch zeitliche freude !
Ade / o welt /
Mir es [p. 387] nicht langer gefällt /
Darum zu JEsu ich scheide.

schönes

12. Ach nun willkommen mein erbtheil vom vatter gegeben :/:
Erbe die schätze des himmels und ewigen lebens :
Dazu mit mir /
Vor diß welt-leiden allhier /
Ewig in freuden soll'st schweben.

vor


442.) Mel. Ach was soll ich sünder machen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
383 442 469 466 466 466 466
p. 372 387 624 413 370 549 370

ICh bin müde mehr zu leben /
Nimm mich / liebster Gott ! zu dir /
Muß ich doch im leben hier
Täglich in betrübniß schweben /
Mein gröste lebenszeit /
Laufft dahin in traurigkeit.

Ich bin müde

  

  

lauft

2. Möcht es dir / mein GOtt / gefallen /
Wolt' ich hertzlich gern in's grab /
Da mein leib geschnitten ab /
Da mein schmertzen-volles wallen
Dieses lebens gantz verschwind't /
Und sein endlich's ende find't.

geschnitten ab

  

endlichs

3. Ich verschmachte fast für sorgen /
Meine milde thränen-flut /
Und des creutzes heisse glut
Seynd mein frühstuck alle morgen /
Forcht / betrübniß  / angst und noth
Seynd mein täglich speiß und brodt.


milde

Frühstuck

4. Seh' ich jene böse rotten /
Die sich in die welt verliebt /
Werd' ich innerlich betrübt /
Wa   sie meiner hönisch spotten /
Wa   sie schreyen : seht den ma    /
Dem sein GOTT nicht helffen kan.

den Mann

5. Da   geh' ich in meine kammer /
Fall auff meine matte knie /
Heul' und winsle je und je /
Und beklage meinen jammer /
Meiner thränen milder lauff
Steiget zu den wolcken auff.



heul und winsle

6. GOtt / wann wirst du dich erbarmen
Uber meine schwere pein ?
Wa   wirst du mir gnädig seyn ?
Ach ! wann wirst du mich umarmen .?
Ach ! mein Gott / wie lang / wie lang
Soll mir doch noch seyn so bang ?

7. Setze mich doch einmal nieder /
Laß mich kommen zu der ruh /
Allerliebster Vatter du /
Tröste mich doch einmal wieder /
Gib mir endlich doch einmal
Hertzens-lust nach dieser quaal.

8. Doch wer weiß wozu es nützet /
Daß du mich so züchtigest /
Daß ich werde so gepreßt /
Und für welcher noth es schützet /
Da   wer in der welt sich freut /
Ko t offt um die seligkeit.

9. Darum laß die straff ergehen /
Schlage zu und [p. 388] stäupe fort /
Liebster Gott / und schone dort /
Doch damit ichs kan außstehen /
So verleihe mir gedult /
Nach verborg'ner Vatters-huld.


stäupe

10. Und ni   mich nach deinem willen /
Nach der außgestand'nen quaal /
In den grossen freuden-saal /
Da sich alle noth wird stillen /
Komme / GOTT / wann dir's gefällt /
Und reiß mich auß dieser welt.


443.) Im Thon : Wann wir in höchsten nöthen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
386 443 470 467 467 467 467
p. 374 388 626 414 371 550 371

WIe lang hab ich / o höchster Gott /
Getragen meine last und noth ?
Wie lange hat dir zugeschrien
Mein hochbetrübter muth und sinn ?

Wie lang
Last

2. Und doch hab ich kein hülff von dir
Erlangt / das creutz wird schwerer mir /
Es nimmt von stund zu stunden zu /
Läßt weder tag noch nacht mir ruh.

Stunden

3. Offtmahls hab ich bey mir gedacht :
Ein harter stein wird weich gemacht /
Durch regentröpfflein / die so klein :
Dein hertz will fast noch härter seyn.


weich

4. Mein thränen-wasser sich ergeußt /
Und über mein wangen fleußt /
Fällt auff dein hertz gar mildiglich /
De och läßt's nicht erweichen sich.

mildiglich
lässt's

5. Ach GOtt / du bru quell voller gnad /
Deß lieb und treu kein ende hat /
Laß übertröpfflen doch dein hertz /
Erbarmung trag mit meinem schmertz.

6. Wilt du mich nicht gar machen loß
Von meinem creutz / das schwer und groß /
So lind're mir doch solche plag /
Daß ich sie nur ertragen mag.

7. Das wirst du thun zu rechter zeit /
Gib nur gedult / daß ich im leid
Außdauren mög / wie sich's gebührt /
Und nicht durch wehmuth werd verführt.

Wehmut

8. Ich weiß / daß du sehr ja rig sey'st /
Ja daß du ein erbarmer heißt :
Darum / o GOTT / laß ferne seyn /
Daß du woll'st härter seyn als stein.

jammerig

9. Will dich mein elend jammern nicht /
Wer ist sonst / der mir trost zuspricht ?
Und wird es je gleich auch gethan /
Seh' ich doch nicht / wer helffen kan.

getan

10. Du aber kanst gewaltiglich
Auß aller noth erretten mich :
Kein unglück ist so groß erhört /
Wann du gebeut'st / so muß es fort.

erhört

11. Gesündig't hab ich [p. 389] offt und viel /
Wer ist der mit dir rechten will ?
Doch weil du gnad hast zugesagt /
So sey es auff dein wort gewagt.

12. Ich traue dir / ich ruff und schrey /
Daß ich des schmertzens werde frey /
Der mich nocht drückt so hart und sehr /
Dein wort kan triegen nimmermehr.

13. Wenn gleich die gantze welt vergeht /
Doch vest u   unbeweglich steht /
Was mir / o GOtt / dein mund verspricht /
Dein hülffe bleibet aussen nicht.

was mir
außen

14. Ich will alsdann mit lust und freud /
Nach außgestand'ner traurigkeit /
Hoch preisen deine hülff und gnad /
Die mich niemals verlassen hat.


444.) Im Thon : Freu dich sehr / o meine seele &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
387 444 471 468 468 468 468
p. 375 389 627 415 372 551 372

GOtt mein Vatter / zehl in gnaden
Meine seuffzer / die ich thu /
Wende von mir spott und schaden /
Schick mir rath und hülffe zu :
Dencke nicht der missethat /
Die mein fleisch begangen hat /
Sondern sihe an die plage /
Die ich außsteh' alle tage.

Gott, mein Vater

2. Ach ! ich hab es wol verschuldet /
Was für straffen ich empfind /
Was ich biß anher erduldet /
Ist dagegen noch gelind :
Dein gericht / o HErr / Ist recht
Uber mich / den bösen knecht /
Der ich mich von dir verlauffen /
Sünd begangen hab mit hauffen.



anher
dagegen

3. Was ich hätte sollen hassen /
Hab ich leider offt gethan /
Gutes hab ich unterlassen
Mehr als ich nun wissen kan /
Durch gedancken / werck und wort
Dich erzürnt an manchem ort /
Auch den nächsten nicht geliebet /
Sondern offtermals betrübet.

wissen kann

4. Wann ich nur daran gedencke /
Steigt mir's dergestalt zu sinn /
Daß ich mich von hertzen kräncke /
Und in höchsten ängsten bin.
Meiner schulden grosse zahl
Druckt mich schwerlich überall :
Ach ! ich fürcht / ich muß vergehen /
Denn ich nirgends kan bestehen.

druckt


5. Dir / HErr / falle ich zu fusse /
Und begehre gnad und güt :
Ni   für sünde an die busse
Auß zerschlagenem gemüth.
Vatter / schenck mir gnädiglich /
Daß ich hab erzürnet dich /
Und / um JEsu Christi willen /
Laß nun deinen grimm sich stillen.

für Sünde

schenk mir

  

† 6. GOtt / ach GOtt / durch dein erbarmen /
[p. 390] Deine weißheit / deine macht /
Hilff mir einsamen und armen /
Auff dich wart ich tag und nacht.
Ach erlöse mich doch bald
Auß der noth so mannigfalt.
HErr / ich bitte / du wollst eilen /
Und nicht länger dich verweilen.

verweilen

7. Soltest du mich fort so lassen /
Und mir nicht beyspringen / Gott /
Würden die / so dein wort hassen /
An mir haben ihren spott /
Und mir hönisch rücken für /
Daß ich stets zwar schrey zu dir :
Weil ich aber hab gefehlet /
Bleib ich tag und nacht gequälet.

fort

  

rücken für

8. Ich bekenn mit reu und schmertzen /
Daß es wär mein rechter lohn :
Hätt' ich dich geförcht von hertzen /
Wer ich frey von solchem hohn.
Doch / so groß / o GOtt / du bist /
Deine macht und weißheit ist /
Laß mir dadurch noch auff erden
Nutz und heilsam alles werden.

so groß

9. Daß ich deines namens ehre /
Deine wunder-güt und treu
I erfort darauff vermehre /
U   dem nächsten dien' dabey :
Daß auch kund werd jederman /
Wie viel besser der gethan /
Der auff deine allmacht bauet /
Als der seinem witz vertrauet.

dass

† 10. Nu / GOtt / du kanst rettung senden
Zu der angenehmen zeit /
All mein elend kanst du wenden /
Mein betrübniß / sorg und leid.
Ko  / HErr / ko   und eile doch /
Ni   mir ab das schwere joch :
GOtt / ich weiß du hör'st mein flehen !
Amen / laß es bald geschehen.


angenehmen

445.) Im Thon : Es ist gewißlich an der zeit / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
388 445 472 469 469 469 469
p. 376 390 629 416 373 553 373

MEin Gott / ich schreye für und für /
Du woll'st dich mein erbarmen :
All meine hoffnung steht zu dir /
Ach rette bald mich armen !
Mit angst ich hart umgeben bin /
Und weiß jetzund gar nirgends hin /
Den zu dir / HErr / alleine.

Mein Gott

2. Mein arme seel voll jammers ist /
Der geist ist mir verschmachtet :
Mein hertz im leib sich nagt und frißt /
Viel sinnet und betrachtet :
Und find't doch weder rast noch ruh /
O lieber GOtt / spring du mir zu :
Ich muß sonst untersincken.

spring zu

3. Ich werd' geachtet / wo du nicht
Mich gnädig wirst bewahren /
Als einer / der auß diesem licht
In d'finsterniß muß fahren.
Ich steh mit einem [p. 391] fuß im grab /
Und über diß gantz niemand hab /
Der mich elenden tröstet.

niemand

4. Die freunde stehen fern von mir /
Und scheuen meine plage :
Ein jeder denckt / wer fragt nach dir /
Mir hilfft nichts / daß ich klage :
Die trübsal häufft sich mehr und mehr /
Des creutzes last druckt mich so sehr /
Daß ich fast muß vergehen.

Die Freunde

  


Trübsal

5. Ach HErr / ach HErr / erbarm dich mein /
Vergib mir meine sünde.
Und mich von angst / von furcht und pein
Genädiglich entbinde.
Nach deiner weißheit hülff mir schick /
Im zorn mich nicht von hinnen rück /
Du allerliebster Vatter.

Ach Herr

6. Wend dich zu mir / du treuer GOtt /
Laß dich mein' bitt erweichen :
Errette mich auß dieser noth /
Und thu an mir ein zeichen :
Auff daß ein jederman versteh /
Daß kein gerechter untergeh /
Der deinem wort vertrauet.



errette mich

7. Doch bitt ich nicht auß frechem muth /
Ich stell's in deinen willen :
Was mir an leib und seel ist gut /
Woll'st du an mir erfüllen.
Thu an mir / Vatter / wie du weist /
Daß mir es diene allermeist
Zu deines namens ehren.

Dass mir es

8.Ich will / HErr / dir und deiner macht
Mich allerdings ergeben :
Auff rettung hoffen tag und nacht /
Zum sterben oder leben /
Es geh' mir / Vatter / wie du wilt /
Der tod mir wie das leben gilt /
Gib / was mir ist das beste.


allerdings
auf Rettung

9. Und weil ich durch dein's geistes gab /
Wie ich's denn kan empfinden /
JEsum in meinem hertzen hab /
So muß all zweiffel schwinden :
Und glaub ich veste / daß mein GOTT
Mich werd' durch leben oder todt
Gewaltiglich erlösen.

Geistes Gabe

10. Nun / welches mir der Höchste hat
Hierinnen außersehen /
Das wird nach seinem weisen rath
Bald folgen auff mein flehen.
O HErr / mein Gott / ich laß dich nicht /
Biß mir die gnädig' hülf geschicht /
Drauff ich so sehnlich warte.

Nun

446.) Mel. Was Gott thut / das ist wol gethan / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
389 446 473 470 470 470 470
p. 377 391 631 417 374 554 374

ACh mein HErr JEsu / wilt du denn
Mich gantz und gar verlassen ?
Der ich dich meinen Heyland nenn /
Und wandel deine strassen ;
Ach hör'st du nicht /
O du mein licht /
Wie sehr mein hertze klaget /
U   täglich nach dir fraget.

Ach mein Herr

[p. 392]
2. Mein blöd gewissen mich sehr plagt /
In traurigkeit ich gehe /
Ach laß mich fühlen deine macht /
Genädig mich ansehe
In dieser noth /
Du treuer GOtt /
Laß endlich mir gelingen /
Ein danck-lied dir zu singen.


blöd

Macht

3. HErr JEsu Christ / du weist ja wol /
Ohn dich kan ich nicht leben /
Gefällt es dir dann / daß ich soll
Dem sterben mich ergeben :
Wolan ich bin
In meinem sinn
Bereit nach deinem willen
Ein schwartzes grab zu füllen.

4. Den himmel schau ich kläglich an /
Stets rinnen meine thränen /
Dieweil ich ja nichts anders kan /
Als stets mich nach dir sehnen /
Ich seufftz' und schrey /
O JEsu treu /
Komm und hilff mir gewinnen /
Daß ich fahr wohl von hinnen.

5. Kein hülff find ich in noth und pein /
Durchlieff ich wilde wälder
Lieff über felsen / berg und stein /
Auch über flüß und felder /
Drum ko   du doch /
Eh' mich das joch
Des creutzes unterdrücket /
Und jä erlich ersticket.


unterdrücket

6. Und wilt du dann so schleunig nicht
Abwenden meine schmertzen /
So bitt ich doch / o du mein licht /
Laß doch in deinem hertzen
Nur mich allein
Verschlossen seyn /
So wird mein blöd gewissen
Doch deines trost's geniessen.


mich allein

7. Dann dieser lebt in guter ruh /
Der allzeit nach dir fraget /
Und richtet sein gemüth dir zu /
Von grund des hertzens saget :
O JESU mein /
Das antlitz dein
Laß mich seh'n / daß mein leid  
Sich bald verkehr in freuden.

8. HErr JEsu CHrist / du wirst ja dich 
In gnaden zu mir wenden /
In keiner noth nicht lassen mich /
Der ich mich deinen händen
Befehl allzeit :
In lieb und leid
Will ich dir stets anhangen ;
Erfülle mein verlangen.

9. So will ich deine majestat
Von grund des hertzens preisen /
Stets rühm   deine grosse gnad /
Und wann ich soll fortreisen
Ins vatterland /
Beut' mir dein' hand /
Und laß mir's wohl gelingen /
Ewig will ich lobsingen.

Majestat

  

fortreisen

447.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
390 447 474 471 471 471 471
p. 378 392 632 418 375 555 375

LEbt jemand so wie ich /
So lebt er jämmerlich /
Worüber ich muß wäinen /
Will mir doch [p. 393] nicht erscheinen /
Was ich such mit begier /
Verbirget sich vor mir.

Lebt...jämmerlich

  

erscheinen

2. Im himmel ist das gut /
Darinn mein hertze ruht /
Hinauff steht mein verlangen /
Dich / JEsu / zu umfangen /
Ich such / und finde nicht /
Was mir so hoch gebricht.

hoch gebricht

3. Was mir sonst werden kan /
Steht meiner lieb nicht an /
Die welt mit ihren schätzen
Kan mich doch nicht ergetzen /
Die wollust dieser erd
Ist keiner liebe werth.


steht an

4. Ich lieb was ewig bleibt /
Was keine zeit vertreibt /
Was meine seele nehret /
Was keine fluth verzehret /
Und keine glut verbrennt /
Kein unglück von mir trennt.


Zeit vertreibt

5. Ich lieb / und werd' gequält !
Dann was ich hab erwehlt /
Gibt sich nicht zu geniessen /
Wie solte nicht verdriessen /
Stets lieben ohne frucht /
Nicht finden was man sucht ?

6. Wie lang hab ich gewäint /
Weil mir kein trost erscheint !
Wie lang hab ich geklaget /
Daß mich die liebe plaget !
Stuhnd nicht mein hertz und sinn
Nach JEsu immer hin ?

stuhnd

7. Ach ! himmel thu' dich auff /
Ich ko   in vollem lauff /
Laß mich nur einst erblicken /
Den / der mich kan erquicken /
Ach ! JEsu / laß mich ein /
War offt mein seufftzerlein.

8. Umsonst ist alles doch /
Ich muß am schweren joch
Des lebens länger ziehen /
Umsonst ist mein bemühen.
Was mir solt süsse seyn /
Das bringet bitt're pein.

9. Ich will doch nicht auffhör'n
Zu lieben und zu ehr'n /
Den meine seele liebet /
Ob gleich die lieb betrübet /
Ob ich sein nicht genieß /
Ist doch das lieben süß.

genieße

10. Der wille bringt die cron /
Ist sonst kein and'rer lohn /
Das ungestillte sehnen /
Vermischet mit den thränen /
Muß mitten in der pein
Ein süsses labsal seyn.


448.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
391 448 475 472 472 472 472
p. 379 393 634 419 376 556 376

LEbt jemand so wie ich /
So lebt er seliglich /
Was ich sucht' alle stunden /
Hab ich nun einst gefunden /
Ich bin der sorgen loß /
Und sitz in JEsu schooß.

Lebt... seliglich

  

einst

2. Ich aß das thränenbrodt /
Und grämte mich schier todt /
Ich ließ das welt-getü el /
Und hatt' hinauff gen himmel
Mein [p. 394] hertz und sinn gericht /
Allein ich fand ihn nicht.

Tränenbrot

3. Die welt drang auf mich zu /
Versprach mir süsse ruh' /
Die wollust güld'ne zeiten /
Die hoffart herrlichkeiten /
Die augen-lust viel gut /
Zu lencken meinen muth.

4. Fahr welt / fahr immer hin /
Sprach ich in meinem sinn /
Dann deine lieblichkeiten
Verblühen mit den zeiten /
Bey dir ist kein gewinn /
Fahr welt / fahr immer hin.

5. Kaum war diß wort gedacht /
Da mir's schon freude bracht /
Er gab sich zu geniessen /
Mit tausend liebes-küssen /
Den meine seele liebt /
Der mich vorhin betrübt.

er gab

  

vorhin

6. Halt ein du thränen-bach
Du hertz-erzwung'nes ach /
jetzt kommt nach bitt'rem leiden /
Mit vielen süssen freuden /
JEsus / der liebste freund /
Den meine seele meynt.

Thränen-Bach
Herz-erzwungen

  


meint

7. Mein seufftzen ist erhört /
Mein wäinen ist gekehrt
In lachen / mein betrüben
In süß erwünschtes lieben /
Der himmel tröpffelt ab
Die werthe seelen-gab.

tröpfelt ab

8. Was mir bracht bittre pein /
Muß jetzo süsse seyn /
Je bitt'rer im betrüben /
Je süsser in dem lieben /
Verwandelt mit der zeit /
In völl'ge ewigkeit.

9. Diß quälet mich annoch /
Daß ich vom lebens-joch
Nicht kan erlöset werden :
Ach reiß mich von der erden /
Daß ich in ewigkeit
Geniesse dieser freud.

10. Ich bin des lebens satt /
Von vielem creutze matt /
Die erde macht mir bange /
Mein JEsu / wie so lange !
Ach nimm mich auß der welt
Ins güld'ne himmels-zelt.


449.) In eigenem Thon.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
627 449 476 473 473 473 473
p. 583 394 635 420 377 557 377

GOtt lebet noch :
Seele / was verzag'st du doch ?
GOtt ist gut / der auß erbarmen
Alle hülff auff erden thut ;
Der mit macht und starcken armen
Machet alles wol und gut.
GOtt kan besser / als wir dencken /
Alle noth zum besten lencken.
Seele ! so bedencke doch :
Lebt doch unser HErr GOtt noch.

Gott lebet noch

  

  

wohl und gut

  


Herr Gott

2. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Soll der schlu ern oder schlaffen /
Der das aug hat zugericht ?
Der die ohren hat erschaffen /
Solte dieser hören nicht ?
GOtt ist GOtt / der hört und sihet /
Wo den frommen weh geschiehet.
Seele ! so bedencke doch &c.

Auge, Ohren

[p. 395]
3. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Der den erden-kreiß verhüllet
Mit den wolcken weit und breit :
Der die gantze welt erfüllet /
Ist nicht von uns fern und weit.
Wer Gott liebt / dem will er senden
Hülff und trost an allen enden.
Seele ! so bedencke doch &c.

4. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Bist du schwer mit creutz beladen /
Nimm zu GOTT nur deinen lauff.
GOtt ist groß und reich von gnaden /
Hilfft den schwachen gnädig auff.
GOttes gnade währet immer /
Seine treu vergehet nimmer.
Seele ! so bedencke doch :
Lebt &c.

5. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Wa   dich deine sünd   kräncken /
Dein verbrechen quält dich sehr :
Ko   zu GOtt / er wird versencken
Deine sünden in das meer.
Mitten in der angst der höllen
Kan er dich zu frieden stellen.
Seele / so bedencke doch :
Lebt &c.

6. GOTT lebet noch /
Seele / was verzag'st du doch ?
Will dich alle welt verlassen /
Und weist weder auß noch ein ;
GOtt wird dennoch dich umfassen /
Und im leiden bey dir seyn.
GOtt ist / der es hertzlich meynet /
Wo die noth am grösten scheinet.
Seele ! so bedencke doch &c.

7. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Laß den hi el und die erden
Immer hin zu trü ern gehn ;
Laß die höll entzündet werden ;
Laß den feind verbittert stehn ;
Laß den tod und teuffel blitzen :
Wer GOtt traut / den will er schützen.
Seele ! so bedencke doch :
Lebt &c.


  

immer hin

8. GOTT lebet noch !
Seele / was verzag'st du doch ?
Must du schon geängstet wallen
Auff der harten dornen-bahn ;
Es ist GOttes wolgefallen /
Dich zu führen hi el-an.
GOtt will nach dem jammer-leben 
Friede / freud und wonne geben.
Seele ! so bedencke doch :
Lebt &c.


450.) Im Thon : Auß tieffer noth schrey ich zu dir &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
628 450 478 475 475 475 475
p. 585 395 639 422 379 560 379

HErr JEsu CHrist / ich schrey zu dir
Mit gantz betrübter seele :/:
Dein' allmacht laß erscheinen mir /
Und mich nicht also quäle.
Viel grösser ist die angst und schmertz /
So anficht und turbiert mein hertz /
Als daß ichs kan erzehlen.

Herr Jesu Christ

  

  


turbiert

2. HErr JEsu Christ / erbarm dich mein /
nach [p. 396] deiner grossen güte :/:
Und mit erquickung bald erschein
Mein'm traurigen gemüthe /
Welches elendig wird geplagt /
Und ohne hülffe gar verzagt /
Dieweil's kein'n trost kan finden.

3. HErr JEsu Christ / groß ist die noth /
Darin ich jetzt thu stecken :/:
Ach / hilf /du allerhöchster Gott /
Schlaff nicht / laß dich erwecken /
Niemand ist der mir helffen kan /
Kein mensche ni t sich meiner an /
Ich darff's auch niemand klagen.

4. HErr JEsu Christ / du bist allein
Mein hoffnung und mein leben :/:
Drum will ich in die hulde dein
Mich gantz und gar ergeben.
O HErr / laß meine zuversicht
Auff dich zu schanden werden nicht /
Sonst bin ich gantz verlassen.

5. HErr JEsu Christe GOttes sohn /
Zu dir steht mein vertrauen :/:
Du bist der rechte gnaden-thron /
Wer nur auff dich thut bauen /
Dem steh'st du bey in aller noth /
Hilff'st ihm im leben und im todt /
Darauff ich mich verlasse.



Gnadenthron

6. HErr JEsu Christ / das elend mein
Thu' gnädiglich ansehen :/:
Durch die heilig fünff wunden dein
Erhör mein g'bett und flehen /
Welch's tag und nacht / mit angst und schmertz /
Zu dir außgeußt mein traurig's hertz /
Ach laß dich's doch erbarmen.



fünf Wunden

welches

7. HErr JEsu Christ / wann ist die zeit /
Nach deinem wohlgefallen :/:
Hilff mir / durch dein' barmhertzigkeit /
Auß meinen ängsten allen /
Zerstör den anschlag meiner feind /
Die mir zu starck und mächtig seynd /
Laß mich nicht unterdrücken.

Zeit

  

  


Strophe 8

8. HErr JEsu Christ / ich weiß kein'n rath
Des elends loß zu werden :/:
So du nicht hilffst durch deine gnad /
So lang ich leb auff erden /
Wann es dir dann also gefällt /
Daß ich also soll seyn gequält /
So gib mir krafft und stärcke.

9. HErr JEsu Christ / verleih' gedult /
Hilff mir mein creutz auch tragen :/:
Wend nicht von mir ab deine huld /
Und so du mich wilst plagen /
Es zeitlich hie am leibe thu /
Gib nur der armen seele ruh /
Daß sie dort mit dir lebe.

10. HErr JEsu Christ / das glaub ich doch /
Auß meines hertzens-grunde :/:
Du wirst mich wol erhö-[p. 397]ren noch /
Zu rechter zeit und stunde /
Da   du hast mich noch nie verlahn /
Wann ich dich hab geruffen an /
Deß ich mich hertzlich tröste.

11. HErr JEsu Christ / einiger trost /
Zu dir will ich mich wenden :/:
Mein hertzleid ist dir wohl bewußt /
Du kanst und wirst es enden /
In deinen willen sey's gestellt /
Mach's / lieber GOtt / wie dir's gefällt /
Dein bin und will ich bleiben.

12. HErr JEsu Christ / die seufftzer mein /
So ich jetzt für dich bringe :/:
Besprenge mit dem blute dein /
Damit sie hindurch dringen /
Und erweichen das vatter-hertz /
Daß er abwend' all noth und schmertz /
Die uns von dir will trennen.

Vaterherz

die

13. HErr JEsu Christ / mit hülf erschein
All'n armen und elenden :/:
Die jetzt in grossen nöthen seyn /
Thu dich zu ihnen wenden /
Mit starcker hand herauß sie reiß /
Dafür sie dir dort lob und preiß 
Ewiglich singen werden.


Lied / Cantique 451