Cantique / Lied 600

601.) Mel. Ach was soll ich sünder machen / &c.


Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
662 601 646 643 643 643 643
p. 614 517 843 559 501 729 501

JEsus ist und bleibt mein leben /
JEsus ist mein eigenthum /
Meines hertzens gröster ruhm.
JEsu hab ich mich ergeben /
Er ist meines lebens-licht :
Meinen JEsum laß ich nicht.


Jesus ist und
Eigentum

  

lebens-licht

2. JEsum hab ich eingesencket
Tieff in meines hertzens schrein /
JEsus ist und bleibet mein.
Stets mein hertz an JEsum dencket /
Alles ist auff ihn gericht /
Meinen JEsum laß ich nicht.

3. Nichts ist mir auff dieser erden
Lieber / als das JEsulein /
Lieb soll mir mein JEsus seyn /
Biß ich werd zu aschen werden /
Weil mir gli t des lebens licht /
Meinen &c.

Meinen

4. Will mich gleich die welt bethören /
Daß ich JEsum lassen soll /
Bleibt mein hertz doch JEsus voll /
JEsum will ich stets / beehren /
Er ist meines lebens licht /
Meinen &c.

Jesus

5. Laß die welt und teuffel wüten /
JEsus ist mein bester freund /
Der es allzeit treulich meynt :
JEsus wird mich wol behüten /
Auff ihn ist mein trost gericht /
Meinen &c.

6. JEsum hab ich mir erwehlet /
JEsus soll mein beystand seyn /
Wenn die schwere sünd -pein
Mein geängstet hertze quälet :
Drum mein hertz mit [p. 518] freuden spricht :
Meinen JEsum laß ich nicht.


geängstet

7. Mich soll nichts von JEsu scheiden /
Sünde / teuffel / höll und tod /
Auch die allergröste noth.
Er ist mein im creutz und leiden /
Wenn mich sünd und tod anficht /
Meinen &c.

Wenn mich

8. Solt auch gleich die welt zerspalten /
Und zu grund und trümmern gehn /
Will ich dennoch feste stehn /
Und bey meinem JEsu halten /
Er ist meine zuversicht /
Meinen &c.

9. Wenn mir gleich die augen brechen / 
Das gehöre mir verschwindt /
U   die todes-angst sich findt ;
We   die zung nicht mehr kan sprechen /
Und der lebens-faden bricht /
Meinen JEsum laß ich nicht.



sich findt

10. Muß ich gleich die welt verlassen /
Ist doch meines lebens zier
JEsus um und neben mir /
Auff der finstern todes-strassen.
Er ist meines lebens licht /
Meinen JEsum laß ich nicht.

Jesus


602.) Melod. JEsu du mein liebstes leben / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
663 602 647 644 644 644 644
p. 615 518 844 560 502 731 502

JESU / quell verlangter freuden /
Meine hoffnung und mein heil /
Du mein trost in allem leiden /
Bist mein außerwehlter theil /
Der du uns pflegst zu entbinden
Von der sünd und missethat /
Die uns oft gekräncket hat :
Laß dich meine seele finden /
Die du dir erwehlet hast /
Und sey ihr vergnügter gast.

Jesu, Quell

  

  



hat
finden

2. Du / HErr himmels und der erden /
Hast mein hertz dir außgeschaut :
Laß mich nicht zu schanden werden /
Dann ich hab dir stets vertraut.
Leite mich auff deinem wege /
Durch des wortes sanfften stab /
Daß ich nicht kan weichen ab.
Führ mich auff dem schmahlen stege /
Wie die seul- und feuer-wolck
Israel dein rechtes volck.  Or.: werthes Volck


ausgeschaut

  

  



Wolke
rechtes

3. Ich will dir in meinem leben
Folgen / wie ich immer kan :
Deinem geist nicht widerstreben /
Der mich hält auf rechter bahn.
Alles sinnen / alles wollen /
Die gedancken / werck und wort 
Richt ich nach dir fort und fort.
Mein beginnen / thun und sollen
Sey / o JESU / nicht mehr mein /
Sondern stetigs rein und dein.

stetigs

4. Auß deß heil'gen geistes triebe
Lob und lieb ich Jesum Christ :
Solche meine wahre liebe
Bleibt beharrlich wie sie ist.
Diese lieb ist voller freuden /
Als die schönste seelen-zier /
Und niemand ni t sie von mir /
Wann ich auch soll endlich scheiden /
Mit deß letsten seufftzers noth /
Ist sie stärcker als der todt.

5. Weichet nun ihr welt-gedancken /
Und du tand der eitelkeit :
Ihr macht mich nun nicht mehr wancken
Von der engel hi els-freud.
Alles mag zu grunde gehen /
Von dem unglück unverschont /
Wann nur Christus bey mir [p. 519] wohnt /
Nichts kan lange zeit bestehen /
Wo du / mein HErr JESU Christ /
Nicht auch gegenwärtig bist.


Tand

603.) Mel. Auff meinen lieben GOtt / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
666 603 648 645 645 645 645
p. 618 519 845 560 503 732 503

MEin JEsus ist getreu /
Er steht in noth mir bey /
Auff ihn ist gut vertrauen /
Drum will ich auf ihn bauen /
Ihm bleibt mein hertz ergeben
Im todt und auch im leben.


Mein Jesus

2. Der welt ihr bester lohn
Ist schaden / schimpf u   hohn /
Wer den nicht will ererben /
Der muß der welt absterben /
Der muß vor ihr sich wehren /
Sich hin zu Jesu kehren.

ihr

3. Wenn mich der feinde schaar
Will stürtzen in gefahr /
Und mich mit hohn belegen /
Ist JESUS mir zu gegen :
Sein schutz zu mir sich wendet /
Und alle feinde blendet.


zu gegen

4. Ob mich angehet noth /
Und wär es auch der todt /
Vor mich mein JEsus ringet /
Und noth und todt bezwinget /
Ja auß der höllen rachen
Kan er mich ledig machen.

5. Wenn sünden-schuld mich plagt /
Und mein gewissen nagt /
Mein treuer JEsus wachet /
Mich tröstet und anlachet /
Sein leben und sein sterben
Läßt keinen nicht verderben.

keinen nicht

6. Sey fort mein widerstand /
Mein auge / fuß und hand /
Hilff mir auff allen seiten /
O JEsu / muthig streiten :
Denn ich will deinen namen O: Dann will ich
Von hertzen preisen / Amen.  O: Von nun an preisen

fort

  


Denn ich will

Verlangen nach dem HErrn JEsu.

604.) M. HErr JEsu Christ / meins lebens liecht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
668 604 649 646 646 646 646
p. 619 519 846 561 503 732 503

WO ich nur geh / und wo ich steh /
Ich meinen JEsum vor mir seh /
Und kan ihn doch nicht holen ein /
Daß er bleib in dem hertzen mein.


Wo ich nur

2. Es dünckt mich offt / er steh von fern /
Und lasse mich erseufftzen gern.
Wie kanst du doch so frembde seyn /
Und lassen mich / mein HErr / allein ?


gern

3. Komm doch / kehr ein / und bleib bey mir /
O JEsu / mein freud / ehr und zier !
Erfüll doch endlich mein begier /
So werd ich ewig dancken dir.


605.) In eigener Melodey.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
684 605 650 647 647 647 647
p. 635 519 846 561 503 732 503

LIebster Immanuel / hertzog der fro en /
Du meiner seelen trost / ach komm nur bald /
Du hast mir / seelen-schatz / das hertz beno en /
Daß ich jetzt von der welt gar nichtes halt :
Nichts kan auff erden
Mir liebers werden /
Wenn ich / mein JEsus / dich nur stets behalt.


Liebster Immanuel

2. Dein Nam ist zucker-süß / honig im munde /
Holdseelig / lieblich / wie ein schöner thau /
Der wieß und feld erquickt zur morgenstunde /
Also mein JEsus / wenn ich ihm vertrau :
Es weicht vom hertzen 
Des todtes schmertzen /
We   ich im glauben ihn anbett und schau.



vom Herzen

3. Ob mich das creutze gleich hie zeitlich plaget /
Wie [p. 520] es bey Christen offt pflegt zu geschehn /
Wenn meine seele nur nach JEsu fraget /
So kan das hertze doch auff rosen gehn :
Kein ungewitter
Ist mir so bitter /
Bey meinem JEsu kan ich frölich stehn.

hie

4. Solt mich gleich alle welt neiden und hassen /
Bin ich schon hie veracht von jederman /
Und ob die freunde mich auch gantz verlassen /
So nimmt mich JEsus doch in gnaden an :
Und stärckt mich müden /
Spricht : Sey zu frieden /
Ich bin der beste freund / der helffen kan.

neiden

5. Drum fahret immerhin / ihr eitelkeiten /
Du / JEsu / du bist mein / und ich bin dein /
Ich will mich von der welt zu dir bereiten /
Du solt in meinem mund und hertzen seyn :
Mein gantzes leben
Sey dir ergeben /
Biß man mich legen wird ins grab hinein.

immerhin

zu dir

  


legen wird

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Kranck- und Sterb-Lieder.

606.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
542 606 651 648 648 648 648
p. 503 520 847 562 504 733 504

MItten wir im Leben sind mit dem todt umfangen :/:
Wen such'n wir der hülffe thu / daß wir gnad erlangen ?
Das bist du HErr alleine.
Uns reuet unser missethat /
Die dich HErr erzörnet hat :
Heiliger HErre GOTT /
Heiliger starcker GOTT /
Heiliger barmhertziger Heyland /
Du ewiger GOtt /
Laß uns nicht versincken
In der bittern todes-noth.
Kyrie eleison.


Mitten wir im
Hilfe tu

  

  

  



in der

2. Mitten in dem todt anficht uns der höllen rachen :/:
Wer will uns auß solcher noth frey und ledig machen ?
Das thust du HErr alleine.
Es jammert dein barmhertzigkeit
Unser sünd und grosses leid :
Heiliger HERRE GOTT /
Heiliger starcker Gott /
Heiliger barmhertziger Heyland /
Du ewiger GOtt /
Laß uns nicht verzagen
Vor der tieffen höllen-glut.
Kyrie eleison.

3. Mitten in der höllen-angst unser sünd uns treiben :/:
Wo soll'n wir dann fliehen hin / Da wir mögen bleiben ?
Zu dir / Herr Christ / alleine.
Vergossen ist dein theures blut /
Das gnug für die sünde thut :
Heiliger HErre GOTT /
Heiliger starcker GOTT /
Heiliger barmhertziger Heyland /
Du ewiger GOtt  /
Laß uns nicht entfallen
Von des rechten glaubens trost.
Kyrie eleison.

treiben
Da


607.) Melod. Wer nur den lieben GOtt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
543 607 652 649 649 649 649
p. 504 520 848 562 504 734 504

WEr weiß / wie nahe mir mein ende /
Hingeht die zeit / her ko t [p. 521] der todt !
Ach wie geschwinde und behende
Kan kommen meine letste noth.
Mein GOtt ! ich bitt durch Christi blut /
Machs nur mit meinem ende gut.


Wer weiß
hingeht

2. Es kan vor nacht leicht anders werden /
Als es am frühen morgen war ;
Denn weil ich leb auff dieser erden /
Leb ich in steter todts-gefahr.
Mein GOtt ! ich bitt &c.

weil

3. HErr ! lehr mich stets mein end bedencken /
Und wenn ich einsten sterben muß /
Die seel in Christi wunden sencken /
Und ja nicht sparen meine buß.
Mein GOtt ! ich bitt &c.

senken

4. Laß mich bey zeit mein hauß bestellen /
Daß ich bereit sey für und für /
Und sage stets in allen fällen :
HErr / wie du wilt / so schicks mit mir.
Mein &c.

Haus bestellen

  

wie du wilt

5. Mach mir stets zucker-süß den himmel /
Und gallen-bitter diese welt :
Gib / das mir in dem welt-getü el
Die ewigkeit sey fürgestellt.
Mein Gott ! &c.

zuckersüß

  

fürgestellt

6. Ach Vatter ! deck all meine sünde
Mit dem verdienste Christi zu /
Darein ich mich vestgläubig winde /
Das gibt mir recht erwünschte ruh.
Mein &c.

winde

7. Ich weiß / in JEsu blut und wunden
Hab ich mir recht und wohl gebeth't ;
Da find ich trost in todtes-stunden /
Und alles was ich gerne hätt.
Mein GOtt ich bitt &c.


gebeth't

8. Nichts ist / das mich von Jesu scheide /
Nichts / es sey leben oder tod ;
Ich leg die hand in seine seite /
Und sage : Mein HErr und mein GOtt !
Mein &c.


Leben oder Tod
in seine Seite

9. Ich habe JEsum angezogen
Schon längst in meiner heil'gen tauff /
Du bist mir auch daher gewogen /
Hast mich zum kind geno en auff.
Mein GOtt ich bitt &c.

10. Ich habe JESU fleisch gegessen /
Sein blut hab ich getruncken hier ;
Nun kanst du meiner nicht vergessen /
Ich bleib in ihm / und er in mir.
Mein GOtt ! ich bitt &c.

11. So ko   mein end heut oder morgen /
Ich weiß / daß mirs mit JEsu glückt ;
Ich bin und bleib in deinen sorgen
Mit JEsu blut schön außgeschmückt.
Mein GOtt &c.

Sorgen

12. Ich leb indeß in dir vergnüget /
Und sterb ohn alle kümmerniß /
Mir gnüget / wie es mein GOTT füget /
Ich glaub und bin es gantz gewiß /
Durch deine gnad u   [p. 522] Christi blut /
Machst du's mit meinem ende gut.

Nutzliche Todtes-Betrachtung

608.) In eigenem Thon : Od : Mein walfahrt ich &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
544 608 653 650 650
650
p. 505 522 850 563 505
505

DEr grimmig todt mit seinem pfeil
Thut nach dem leben zielen :/:
Sein bogen scheußt er ab mit eil /
Mit ihm läßt er nicht spiel .
Das leb'n verschwind /
Wie rauch im wind /
Kein fleisch mag ihm entrinnen /
Kein gut noch schatz
Beym tod find platz /
Du must mit ihm von hinnen.


Der grimmig Tod

scheußt

2. Wann dir das letste stündlein kommt /
So heißts : Urlaub genommen :/:
All freund verlassen dich zur stund /
Kein gsell will mit dir ko en.
Du must allein
Dich geben drein /
Zu reisen fremde strassen /
Hast guts gethan /
So trags darvon /
Sonst wird man dir nichts lassen.


Urlaub genommen

3. Dein angesicht wird fallen ein /
Dein äuglein werden brechen :/:
Das hertz in grossen ängsten seyn /
Der mund kein wort mehr sprechen.
Dein schön gestalt
Wird werden alt /
Der pulß wird nimmer lauffen /
Des todes-schweiß
Macht dir gar heiß /
Da kommt die noth mit hauffen.

4. Dem du zuvor warst lieb und werth /
Dem bringst du jetzt ein grausen :/:
Der vor bey dir all tag einkehrt /
Der bleibet jetzt wohl draussen.
Schleicht heimlich für
Bey deiner thür /
Kein g'sell will dich mehr kennen /
Du ligst im beth /
U   seufftzest stät /
Dass g'wissen wird dich brennen.



vor

für

  


wird

5. Das fleisch wird stincken wie ein aaß /
Kein mensch mag bey ihm bleiben :/:
Wird ihm verstopffen mund und naß /
Dich auß der gmein vertreiben.
Du must hinauß /
Bald auß dein'm hauß /
Die leuth ob dir erschrecken /
Man deckt dich zu /
Du schläffst in ruh /
Niemand wird dich auffwecken.



Wird ihm

6. Bald nach dem tod mit deinem leib
Wird man dem grab zu eilen :/:
Der letste trost vor kind und weib /
Ist wäinen sehr und heulen.
Ein halben tag
Ist kaum ihr klag /
Alsdann so werdens lachen /
Man wirfft dich nein /
Es muß nur seyn /
Man thuts keim anderst machen.


dem Grab zu
vor

  


werdens

  

keim anderst

7. Im grab verborgen warten dein
Viel krötten und auch schlangen :/:
Die werden dann dein haußgsind seyn /
Dich grüssen mit verlangen.
Ihr gasterey
Wird dort seyn frey /
Keins darf die zech bezahlen /
Sie kriechen nein /
Biß auff die bein /
Machens nach ihrem gfallen.



Kröten
Hausgesinde

  

  

Beine

8. Dein freundschafft wird ein kleine zeit
Um deinen todt sehr klagen :/:
Ein mantel und ein schwartzes kleid
Ein halbes jährlein tragen /
Dann sagt die rott :
Genad ihm GOtt /
Dein werden sie bald vergessen /
Theilen dein haab /
So du im grab
Von würmen wirst gefressen.

Freundschaft

  

  

Gnad ihm Gott

  

so du

9. Wann dann verflossen ist ein jahr /
Dann bist du schon verwesen :/:
Der dich sucht / findt kein haut noch [p. 523] haar /
Fragt : wer bist du gewesen ?
Dein hirneschal
Ist worden kahl /
Dein äuglein sind gefressen /
Man sicht allein
Die todtenbein /
Die welt hat dein vergessen.

sicht

  

10. Kein mensch auff erd uns sagen kan /
Wa   wir von hinnen müssen :/:
Bald der tod kommt und kloffet an /
So muß man ihm auffschliessen.
Er ni t mit gwalt
Hin jung und alt /
Thut sich für niemand scheuen :
Der königs stab
Bricht er flugs ab /
Und führt ihn an den reyen.



bald

  

  


Reihen

11. Ein'n engen sarck wird er da han /
Für seinen königs-saale :/:
Das dach wird auff der nase stahn /
Merckt auff ihr fürsten alle.
Ihr majestat
Wird dort sein rath
Bey bettlern halt'n und wohnen /
In wenig jahr /
So habt ihrs gar /
Die welt pflegt so zu lohnen.

Majestat

12. Wo bleibet dann dein land und leuth /
Dein grosses gut und lehen :/:
Eim fremden ist dein sitz bereit /
Kein hahn wird nach dir krähen.
Deine palläst
Und mauren fest
Wird man darnieder reissen /
Du ligst im grab /
Und bist schabab /
Must jetzt die würme speisen.


Lehen

Kein Hahn

  

  

schabab

13. Wann du nun bist genommen hin /
Kein mensch wird nach dir fragen :/:
Wohl auß den augen / auß dem sinn /
Thut das gmein sprichwort sagen.
All lieb und treu
Wird man ohn scheu
Ins grab mit dir einscharren /
Dann wem die welt
So wol gefällt
Muß letzlich mit ihr fahren.


  

Sprichwort

  

  


letzlich

14. Der tod urplötzlich als ein dieb
Thut heimlich herein schleichen :/:
Es sey dir gleich leid oder lieb
Du kanst ihm nicht entweichen.
Sein pfeil ist gifft /
Wann er dich trifft /
Must du dich bald auffmachen /
Er nimmt dich mit /
Es hilfft kein bitt /
Drum sieh zu deinen sachen.

hilft
  

15. Vielleicht ist das der letste tag /
Den du noch hast zu leben :/:
O mensch ! veracht nicht / was ich sag /
Nach tugend solt du streben.
Wie mancher mann
Wird müssen dran /
So hofft auff lange jahren /
Und muß noch heunt /
Weil die sonn scheint /
Zur höll hinunter fahren.


dran

16. O fleisch / du schändlichr madensack /
Wie viel hast du betrogen :/:
Die dir geglaubet und vertraut /
Dein warheit ist erlogen.
Wer dir vertraut /
Schau auff sein haut /
Er wirds wol müssen zahlen /
Im höllschen feur /
Da all ding theur /
Reut ihn zu tausend mahlen.

Madensack

17. Darum / o mensch ! sey stets bereit /
Thu allzeit ma lich wachen :/:
Wann der tod ko t zu seiner zeit /
Will dir den garauß machen /
So kanst du dich
Gantz sicherlich
In kampff mit ihm begeben /
Die ewig kron
Trägst du darvon /
Wann du wohl endst dein leben.


mannlich

18. All creatur laß fahren hin /
Dein'n schöpffer solt du lieben :/:
Was du verleurst / ist dein gewinn /
Kein eit'l laß dich betriegen.
Mit seel und leib
Dich ihm verschreib /
Und laß ihn darnach walten /
So wird er dich /
Glaub sicherlich /
In seinem schutz erhalten.

  

verleurst

  

ihm

19. Wer dieses liedlein hat [p. 524] gemacht /
Und erstlich neu gesungen :/:
Der hat den tod gar offt betracht /
Letzlich mit ihm gerungen.
Ligt jetzt im hohl
Es thut ihm wohl /
Tieff in der erd verborgen /
Schau auff dein sach /
Du must hernach /
Es sey heut oder morgen.


  

hohl

  

hernach

609.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
545 609 654 651 651 651 651
p. 507 524 853 566 507 737 507

HErr JESU Christ / ich weiß gar wohl /
Daß ich einmal muß sterben :/:
Wann aber das geschehen soll /
Und wie ich werd verderben
Dem leibe nach / das weiß ich nicht /
Es steht allein in dein'm gericht /
Du weist mein letstes ende.


Herr Jesu Christ

2. Und weil ich dann / als dir bewust /
(Zwar durch dein's geistes gabe) :/:
An dir allein die beste lust
in meinem hertzen habe :
Und g'wißlich glaub / daß du allein
Mich hast von sünden g'waschen rein /
Und mir dein reich erworben.

erworben

3. So bitt ich dich / HErr JEsu Christ /
Halt mich bey den gedancken :/:
Und laß mich ja zu keiner frist
Von dieser meynung wancken /
Sondern darbey verharren vest /
Biß daß die seel auß ihrem nest
Wird in den himmel fahren.


den Gedanken

Meinung

4. Kan's seyn / so gib durch deine hand
Mir ein vernünfftig ende :/:
Daß ich mein seel fein mit verstand
Befehl in deine hände :
Und so im glauben sanfft und froh /
Auff meinem bethlein oder stroh /
Auß diesem elend fahre.


vernünftig

5. Wo du mich aber in dem feld /
Durch raub auff frembder grentze :/:
In wassers-noth/ hitz oder kält
Oder durch pestilentze /
Nach deinem raht wollst nemmen hin /
So richt mich/ HERR/ nach meinem sinn /
Den ich im leben führe.

meinem Sinn

6. Wo aber ich / auß schwachheit groß /
Mich ungebührlich hielte :/:
Gieng etwann oder läge bloß /
Und unbescheiden redte :
So laß michs / HERR / entgelten nicht /
Weils wider mein bewußt geschicht /
Und mich nicht kan besinnen.

bewußt

7. O HErr / gib mir in todtes-pein
Ein säuberlich gebärde :/:
Und hilff / daß mir das hertze mein
Fein sanfft gebrochen werde :
Und wie ein liecht / ohn übrig weh /
Auff dein unschuldig blut vergeh /
Das du für mich vergossen.

8. Jedoch ich dich nicht lehren will /
Noch dir mein end beschreiben :/:
[p. 525] Sondern dir allweg halten still /
Bey deinem wort verbleiben :
Und glauben / daß du als ein fürst
Des lebens mich erhalten wirst /
Ich sterb gleich wie ich wolle.

beschreiben

  


wie ich wolle

9. Derhalben ich in meinem sinn /
Mich dir thu gantz ergeben :/:
Dann sih / der tod ist mein gewinn /
Du aber bist mein leben :
Und wirst mein leib ohn alle klag /
Das weiß ich g'wiß / am jüngsten tag
Zum leben aufferwecken.

Gewinn


610.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
546 610 655 652 652 652 652
p. 508 525 855 567 508 738 508

ICh hab mein sach GOtt heim gestellt /
Er machs mit mir / wies ihm gefällt /
Soll ich allhie noch länger leb'n /
Nicht widerstreb'n /
Sein'm will   thu ich mich ergeb'n.

Ich hab
mein Sach

2. Mein zeit und stund ist wann GOtt will /
Ich schreib ihm nicht vor maß noch ziel.
Es seynd gezehlt all' härlein mein /
Beyd groß und klein /
Fällt keines ohn den willen sein.

mein Zeit

Härlein

3. Es ist allhie ein jammerthal /
Angst / noth und trübsal überall /
Des bleibens ist ein kleine zeit /
Voll mühsel'gkeit /
Und wer's bedenckt ist imm'r im streit.

wers bedenkt

4. Was ist der mensch ? ein erden-kloß /
Von mutter-leib ko t er nackt und bloß /
Bringt nichts mit sich auff diese welt /
Kein gut noch gelt /
Ni t nichts mit sich / wann er hinfällt.


kommt er

5. Es hilfft kein reichthum / geld noch gut /
Kein kunst / noch gunst / noch stoltzer muth /
Für'n tod kein kraut gewachsen ist /
Mein fro er christ /
Alles was lebet / sterblich ist.

6. Heut sind wir frisch / gesund und starck /
Morgen todt und ligen im sarck /
Heut blühen wir / wie rosen roth /
Bald kranck u   todt /
Ist allenthalben müh und noth.

7. Man trägt eins nach dem andern hin /
Wol auß den augen / auß dem sinn/
Die welt vergisset unser bald /
Sey jung od'r alt /
Auch unser ehren mannigfalt.

eins

8. Ach HErr / lehr uns bedencken wohl /
Daß wir sind sterblich allzumal /
Auch wir allhie kein bleibens han /
Müss'n all darvon /
Gelehrt / reich / jung / alt oder schön.

Bleibens

9. Das macht die sünd / o treuer GOtt /
Dadurch ist komm'n der bitter tod /
Der nimmt und frißt all menschen-kind /
Wie er sie [p. 526] findt /
Fragt nicht / weß stands oder ehr'n sie sind.

10. Ich hab hie wenig guter tag /
Mein täglich brodt ist müh und klag /
Wann mein GOtt will / so will ich mit
Hinfahr'n im fried /
Sterb'n ist mein g'winn und schad mir nit.

mit

11. Und ob mich schon mein sünd anficht /
Dannoch will ich verzagen nicht /
Ich weiß / daß mein getreuer GOtt /
Für mich in todt
Sein'n lieben sohn gegeben hat.

12. Derselbig mein HErr JEsus Christ
Für all mein sünd gestorben ist /
Und aufferstanden mir zu gut /
Der höllen glut
Gelöscht mit seinem theuren blut.

13. Dem leb und sterb ich allezeit /
Von ihm der bitt'r tod mich nicht scheid't /
Ich leb od'r sterb so bin ich sein /
Er ist allein
Der einig trost und helffer mein.

14. Das ist mein trost zu aller zeit /
In allem creutz und traurigkeit /
Ich weiß / daß ich am jüngsten tag /
Ohn alle klag /
Werd auffersteh'n auß meinem grab.

aller Zeit

15. Mein frommer und getreuer GOtt
All mein gebein bewahren thut /
Da wird nicht eins vom leibe mein /
Sey groß od'r klein /
Umko en / noch verlohren seyn.

16. Mein'n lieben Gott von angesicht
Werd ich anschau'n /dran zweiff'l ich nicht /
In ew'ger freud und seeligkeit /
Die mir bereit /
Ihm sey lob preiß in ewigkeit.

lob preiß

17. O Jesu Christe Gottes sohn /
Der du vor mich hast gnug gethan /
Ach ! schleuß mich in die wunden dein /
Du bist allein
Der einig trost und helffer mein.

18. Amen / mein lieber fro er GOtt /
Beschehr uns all'n ein seel'gen tod /
Hilff / daß wir mögen all zugleich
Bald in dein reich
Ko en und bleiben ewiglich.

611.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
547 611 656 653 653 653 653
p. 510 526 857 568 510 740 510

WA   mein stündlein vorhanden ist /
Und ich soll fahr'n mein strasse /
So gleit du mich / Herr JEsu Christ /
Mit hülff mich nicht verlasse :
Mein seel an meinem letsten end
Befehl ich / HErr / in deine händ /
Du wirst sie wohl bewahren.

Wenn mein
vorhanden

gleit

2. Mein sünd mich werden kräncken sehr /
Mein g'wissen wird mich [p. 527] nagen /
Dann ihr sind viel wie sand am meer /
Doch will ich nicht verzagen /
Gedenck   will ich an dein'n tod /
Herr Jesu / deine wunden roth
Die werden mich erhalten.



ihr

3. Ich bin ein glied an deinem leib /
Deß tröst ich mich von hertzen /
Von dir ich ungescheiden bleib
In todes-noth und schmertzen
Wann ich gleich stirb / so stirb ich dir /
Ein ewig's leben hast du mir
Mit deinem tod erworben.

Glied

ungescheiden
Schmerzen

4. Weil du vom tod erstanden bist /
Werd ich im grab nicht bleiben /
Mein höchster trost dein auffahrt ist /
Tods-forcht kan sie vertreiben.
Denn wo du bist / da komm ich hin /
Daß ich stets bey dir leb und bin /
Drum fahr ich hin mit freuden.

vertreiben


mit Freuden

612.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
548 612 657 654 654 654 654
p. 511 527 858 569 510 740 510

HErtzlich thut mich verlangen
Nach einem seel'gen end :/:
Weil ich hie bin umfangen
Mit trübsal und elend.
Ich hab lust abzuscheiden
Von dieser bösen welt /
Sehn mich nach ew'gen freuden /
O JEsu ! komm nur bald.

Herzlich tut

  


abzuscheiden

2. Du hast mich ja erlöset /
Von sünd / todt / teuff'l und höll :/:
Es hat dein blut gekostet /
Drauff ich mein hoffnung stell.
Warum solt mir dann grauen /
Fürm todt und höll'schen g'sind /
Weil ich auff dich thu bauen /
Bin ich ein seel'ges kind.



gekostet

3. Wann gleich süß ist das leben /
Der tod sehr bitter mir /
Will ich mich doch ergeben
Zu sterben willig dir.
Ich weiß ein besser leben /
Da mein seel fähret hin /
Deß freu ich mich gar eben /
Sterben ist mein gewinn.

gar eben

4. Der leib zwar in der erden
Von würmen wird verzehrt :/:
Doch aufferwecket werden /
Durch Christum schön verklärt /
Wird leuchten als die sonne /
Und leben ohne noth /
In hi l'scher freud und wonne /
Was schad't mir dann der tod ?

himmlischer

5. Ob mich die welt auch reitzet /
Länger zu bleiben hier :/:
Und mir auch immer zeiget
Ehr / geldt gut / all' ihr zier.
Doch deß ich gar nicht achte /
Es währt ein kleine zeit /
Das hi lisch ich betrachte /
Das bleibt in ewigkeit.

ob

6. Wa   ich gleich auch nun scheide
Von meinen freunden gut :/:
Das mir und ihn'n bringt leide /
[p. 528] Doch tröst mir meinen muth /
Daß wir in grossen freuden
Zusa en werden komm'n /
Und bleiben ungescheiden /
Im himmelischen thron.



tröstet

ungescheiden

7. Ob ich auch hinterlasse
Betrübte kinderlein :/:
Der'n noth mir üb'r die masse
Jammert im hertzen mein :
Will ich doch gerne sterben /
Und trauen meinem GOtt /
Der wird sie wol versorgen /
Retten auß aller noth.



die Maße

8. Was thut ihr so sehr zagen /
Ihr arme wäiselein :/:
Solt euch GOtt hülff versagen /
Der speißt die raben klein.
Frommer wittwen und wäisen
Ist er der Vatter treu /
Trotz dem / der sie beleydet /
Das glaubt ohn allen scheu.


Raben


beleidet

9. Geseg'n euch GOtt der HErre /
Ihr vielgeliebten mein :/:
Trauret nicht allzu sehre
Uber den abschied mein.
Beständig bleibt im glauben /
Wir werd'n in kurtzer zeit
Einander wieder schauen /
Dort in der ewigkeit.

10. Nun will ich mich gantz wenden
Zu dir / Herr Christ / allein :/:
Gib mir ein seel'ges ende /
Send mir dein engelein :
Führ mich ins ewig leben /
Das du erworben hast /
Durch dein leiden und sterben /
Und blutiges verdienst.

11. Hilff / daß ich ja nicht wancke
Von dir / HErr JEsu Christ :/:
Den schwachen glauben stärcke
In mir zu aller frist.
Hilff mir ritterlich ringen /
Dein hand mich halte vest /
Daß ich mag frölich singen /
Das consummatum est.

consummatum est


613.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
549 613 658 655 655 655 655
p. 512 528 860 570 511 742 511

MEin begierd steht übersich /
Da mein Heyland JEsus wohnet /
Da er herrscht gewaltiglich /
Da er seinen dienern lohnet /
Dann die welt ist voller tück /
Voll des höllen-jägers strick /
Drum steht mein begierd von hinnen /
Zu den sichern hi els-zinnen.

Mein Begierd
übersich

2. Mein begierd steht übersich /
Weil das fleisch verführt zur höllen /
Und der teuffel listiglich
Weiß uns strick und garn zu stellen /
Und die sünd klebt i er an /
Uns zu GOtt verlegt die bahn /
Drum begehr ich von der erden
Loß zu kommen / frey zu werden.

verlegt

  

3. Mein begierd steht übersich /
Weil hie nichts als viel beschwerden /
Diese hoffnung nehret mich /
Mir gewiß soll endlich werden
Der versprochne freuden-saal /
Obs gleich geht durchs jammer-thal /
Und durch harte dornen-wege /
Und auff manchem schmahlen stege.

Jammertal

  

4. Mein begierd steht übersich /
Weil ein kleines daurt das leben /
Wird vom todt be-[p. 529]hendiglich /
Als in einem blick umgeben /
Ist den zarten blümlein gleich /
Die bald werden welck und bleich /
Wann wir wallen / lauffen / stehen /
Wir dem tod engegen gehen.


ein Kleines

einem Blick

  

wallen

5. Mein begierd steht übersich /
Hie muß tag und nacht ich kriegen /
Sehr viel seynd die neiden mich /
Muß als unter löwen ligen /
Es ligt wider mich im streit
Sünd / todt / teuffel / höll und neid /
Ihre zähne sind wie pfeile /
Schiessen auff mich loß in eyle.

6. Mein begierd steht übersich /
Weil hinfällig alle sachen /
Drum so will ich förderlich
Mich bereit und fertig machen /
Eh noch kommt der letste streit /
Eh angeht die ewigkeit /
Eh mich treffen unglücks-wellen /
Eh ich komm ins grabes zellen.



förderlich

7. Mein begierd steht übersich /
Weil ich weiß daß ich muß sterben /
Daß für dieses leben ich
Mög das hi elreich ererben /
HErr / reiß mich auß aller quaal /
Ich seufftz nach dem freuden-saal /
Führe mich auß allem jammer
Zu der rechten ruhe-kammer.



dass für

8. Mein begierd steht übersich /
Fahr auß dieser welt mit freuden /
Weil du / HErr / befreyest mich
Aller angst / gefahr und leiden /
Hie wünscht / wegen grosser noth /
Manches fromme hertz den todt /
Dort ist klarheit / liecht und sonne /
Freude / wollust / hertzens-wonne.

9. Mein begierd steht übersich /
Will mit lust die welt verlassen /
Daß sie nicht verführe mich /
Auff der höllen breiter strassen /
HErr / führ mich auff rechter bahn /
Zeige mir des himmels plan /
Daß ich mög der welt entfliehen /
Mich auß ihren banden ziehen.

Plan

  

10. Mein begierd steht übersich /
Ob der leib zu staub muß werden /
Doch so kränckt mich dieses nicht /
Weil gewiß muß auß der erden
Der krafft- und gifft-lose todt
Meinem treu-grundguten GOTT /
Auff sein kräfftigs wort / zum leben
Mich und alle menschen geben.


ob

  

Tod

11. Mein begierd steht übersich /
Drum / HErr JEsu / wann ich scheide /
Hilff / daß ich mög sicherlich
Wandern zu deß hi els freude /
Hilff mir in der letsten noth /
Steh mir bey / du starcker GOTT /
Daß ich dir / wann end das leben /
Mög den letsten seufftzer geben.


hilf

12. Mein begierd steht übersich /
Meine seel ist schon bereitet /
Wünsch daß ich fein säuberlich /
Von den engeln werd begleitet /
Ach / HErr JEsu / nimm mich auff /
Wa   ich komm in vollem lauff /
Ach laß mich dein seyn und bleiben /
Auch den tod nicht von dir treiben.

bleiben


614.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
550 614 659 656 656 656 656
p. 513 529 863 572 513 743 513

ACh ! daß doch mein JEsus käme /
Und die seele bald wegnemme /
Hier auß diesem jammerthal
Zu sich in den freuden-saal.

Ach dass doch

2. Ist doch hier nichts mehr als klagen /
Seufftzen / wäinen / lauter plagen /
Alle unsre beste zeit
Ist mur müh und hertzeleid.

nichts mehr

[p. 530]
3. Nichtig / flüchtig sind die tage /
Unser leben ist nur plage /
Alles ist nur eitelkeit
Hier in dieser sterblichkeit.

4. Was wir schauen nur auff erden /
Muß zu staub und aschen werden /
Was wir sehen / das verschwind't /
Gleich wie rauch und staub im wind.

5. Drum begehr ich nicht zu leben /
Hier in diser welt zu schweben /
Sondern nur bey dir zu seyn :
So werschwindet angst und pein.

bei dir

6. Gehe hin / du welt-getümmel /
Weil mein wandel steht gen himmel.
Ehre / gut und gelt/ ade !
O du falsche welt / vale !



Ehre, Gut

615.) Melod. Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
551 615 660 657 657 657 657
p. 514 530 863 572 513 744 513

TOdt ! wie lang muß ich dein warten /
Komm / du bist mein liebster freund :/:
Hol mich bald in GOttes garten /
Wo die särck versencket seynd /
Decke mich mit erden zu /
Und gönn mir die leibes-ruh /
Was kan ich doch bessers finden /
Als den abbruch meiner sünden.

Tod, wie lang
komm

Gottes Garten

  


Abbruch

2. Ohne dich zu GOtt gelangen /
Gantz und gar unmöglich ist :/:
Ja ich kan sonst nicht umfangen
Sichtbar mein'n Herren JEsum Christ /
Sein hoch-heiligs angesicht
Ohn den todt man siehet nicht /
Wer den himmel will ererben /
Der muß nur zuvor absterben.

sichtbar

3. Denen / die ihrn GOtt recht lieben /
Dient auffs allerbest der todt :/:
Gar nichts mehr kan sie betrüben /
Seynd befreyt von aller noth /
Ewig Jesus sie erquickt /
Lieb-voll an sein brust sie trückt /
Denen / so sich nach ihm sehnen /
Wischt er ab all creutzes-thränen.

trückt

  

4. Die wir thränen-saamen streuen /
Und seynd biß in todt betrübt :/:
Wird GOtt dermal eins erfreuen /
Wenn die himmels-ernd er gibt /
Manches GOttes-kind hie wäint /
Uber geist- und leiblich feind /
Sein lieb kind kan GOtt nicht lassen /
Weh denselben / die es hassen.

Tränensamen

  

  

geist-

5. Ich acht das vor keinen schaden /
Wann der leib schon wird ein leich :/:
Sündlich fleisch gehört den maden /
Nichtes hilfft / es muß seyn bleich /
Wie voll kummer ist die seel /
Wann sie in der leibes-höl /
Denn im leib ligt sie gefangen /
Auffgelößt ist sie entgangen.

Leibeshöhl
  
aufgelöst

6. In der welt thu ich nur wallen /
Himmel ist mein vatterland :/:
Daß ich müsse GOtt gefallen /
Zeugt sein übergrosses pfand /
Meins HErrn JEsu theures blut /
Meiner seelen höchstes gut /
Kan am end mein seel diß haben /
Leib ! so laß dich gern begraben.

7. Durch den tod werd ich geführet
Zu dem schöpffer aller ding :/:
Wer von gutem geist gerühret /
Hält den todt nicht so gering /
Unsern todt GOtt selbst hoch acht /
Deren einzug ist mit pracht /
Starcke helden die seel tragen /
Helden / die gantz heer geschlagen.

deren
Helden

8. Niemand kan die freud außdencken /
GOtt die seel auch selbst empfangt :/:
Thut den schatz der schätz ihr schencken /
JEsum / darmit sie hoch [p. 531] prangt /
Ja der drey-geeinte GOtt
Wird der seel zu theil im todt /
Die sich ihm hier thut ergeben /
Und verlangt bald dort zu leben.


empfangt

Jesum


616.) Mel. Werde munter mein gemüthe / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
552 616 661 658 658 658 658
p. 515 531 865 573 514 745 514

ACh / wenn ko et doch die stunde
Und der letste augenblick /
Daß ich dir von hertzens grunde /
JEsu / meine seele schick ?
Mich verdreußt mein leben fast /
Ach wenn wird die lebens-last
Mir doch werden abgeno en /
Daß ich kan zur ruhe kommen ?


Ach wann kommet
wann / wenn

  

fast

2. HErr / wie lange soll ich wäinen ?
Soll dann deine hülffe mir /
O mein GOtt / noch nicht erscheinen ?
Ach wie lange soll ich hier
Also gar verlassen seyn ?
Ach erbarme dich doch mein !
Eile doch mit meinem ende /
Und nimm mich in deine hände.

3. Es ist hier doch nichts als klagen /
Nichts als lauter hertzeleid /
Keiner kan es anders sagen /
unsre gantze lebens-zeit
Ist nur lauter angst und noth /
Darum komm / o süsser todt /
Führe mich auß diesem leben /
Ich will dir nicht widerstreben.

unsre

4. Ach wie offt hab ich gebetten /
Ach wie manche liebe nacht
Ist mein geist für dich getretten /
Und hat heisse seufftzer bracht /
Daß du / JEsu / woltest ihn
Hier auß diesem leibe ziehn /
Von der sünd und allem bösen
Nach verlangen zu erlösen.

gebeten

  


ihn

Sünde

5. Wie viel heisse hertzens-thränen
Haben mich doch schon befeucht /
Von dem wünschen und dem sehnen
Bin ich mager u   verbleicht /
Dennoch hörest du mich nicht /
O GOtt meine zuversicht /
Und läßst mich auff dieser erden
Also lang gequälet werden.

6. Ach we   hörest du mein schreyen ?
Hilff mir doch bald von der quaal /
Wilt du mich noch nicht befreyen
Auß dem schnöden thränen-thal ?
Wie viel marter soll ich noch
Leiden in dem schwären joch /
Eh mein geist wird weggenommen /
Und hinauff zu dir kan kommen.

7. Wol / ich will gedultig leiden /
Und mit fleiß bereiten mich /
JEsu / zu den grossen freuden /
Die mir sind bereit durch dich.
Komme / wann es dir gefällt /
Und nimm mich auß dieser welt /
Hole meine arme seele
Auß der krancken leibes-höle.

bereit


617.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
554 617 662 659 659 659 659
p. 516 531 866 574 515 746 515

HErtzlich lieb hab ich dich / o HErr /
Ich bitt /wollst seyn von mir nicht ferr
Mit deiner hülff und gnaden :/:
Die gantze welt nicht erfreu't mich /
Nach himm'l und erden frag ich nicht /
Wann ich dich nur kan haben.
Und wann mir gleich mein hertz zerbricht /
So bist du doch mein zuversicht /
Mein Heyl / und meines hertzens trost /
Der mich durch sein blut hat erlößt.
HErr JEsu Christ / Mein GOtt und HErr /
Mein [p. 532] GOTT und HErr /
In schanden laß mich nimmermehr.

Herzlich lieb
ferr

  

erfreut

  


  


Gott und Herr

2. Es ist ja / HERR / dein g'schenck und gab /
Mein leib / seel und all's was ich hab
In diesem armen leben :/:
Damit ichs brauch zum lobe dein /
Zum nutz und dienst deß nechsten mein /
Woll'st mir dein gnade geben.
Behüt mich / HErr / vor falscher lehr /
Des satans mord und lügen wehr /
In allem creutz erhalte mich /
Auff daß ichs trag gedultiglich.
HERR JEsu Christ / Mein HErr und GOtt /
Mein HErr und GOtt /
Tröst mir mein seel in todes-noth.


all's was

brauch

3. Ach HErr / laß dein' lieb' engelein
Am letsten end die seele mein
In Abrahams schos tragen :/:
Den leib in sein'm schlaff-kä erlein schlafkämmerlein : nur 1709 !
Gar sanfft ohn einig qual u   pein
Ruh'n biß an jüngsten tage.
Alsdann vom todt erwecke mich /
Daß meine augen sehen dich
In aller freud / o GOttes sohn /
Mein Heyland und mein gnaden-thron /
HErr JEsu Christ / Erhöre mich /
Er höre mich /
Ich will dich preisen ewiglich.



Schoß

einig

  

  

Gnadenthron

618.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
555 618 663 660 660 660 660
p. 517 532 867 575 515 747 515

CHristus der ist mein leben /
Sterben ist mein gewinn /
Dem thu ich mich ergeben /
Mit freud fahr ich dahin.


Christus
mein Gewinn

mit Freud

2. Mit freud fahr ich von dannen
Zu Christ dem bruder mein /
Auff daß ich zu ihm komme /
Und ewig bey ihm sey.

3. Nun hab ich überwunden
Creutz / leiden / angst und noth /
Durch sein heilig fünff wunden
Bin ich versöhnt mit GOtt.


Leiden,

4. Wenn meine kräffte brechen /
Mein athem geht schwer auß /
Und kan kein wort mehr sprechen /
HErr ! nimm mein seufftzen auff.

5. Wenn mein hertz und gedancken
Zergehn / als wie ein licht /
Das hin und her thut wancken /
Wenn ihm die flamm gebricht :

6. Alsdann fein sanfft und stille /
HErr / laß mich schlaffen ein /
Nach deinem rath und willen /
Wenn kommt mein stündelein.

7. Und laß mich an dir kleben /
Wie eine klett am kleid /
Und ewig bey dir leben
In der himmlischen freud.

himmlischen

[p. 533]
8. Wol in des hi els throne
Sing ich lob / ehr und preiß /
Und ewig bey dir wohne /
Vatter / Sohn / Heil'ger Geist.


Wohl in des


619.) Melod. Hertzlich thut mich verlangen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
556 619 664 661 661 661 661
p. 517 533 868 575 516 748 516

IN Christo will ich sterben /
Wenns meinem GOtt gefällt /
Hier ist nichts zu erwerben
In dieser argen welt.
Es ist ein elend leben
In dieser schnöden zeit :
Dort wird ein bessers geben
GOtt in der ewigkeit.


In Christo

  

  


geben

2. Mit Christo will ich scheiden
Von dieser erden-quaal /
Der wird mich sicher leiten
Durchs finstre todtes-thal ;
Drum laß ich mir nicht grauen
Für diesem augenblick /
Bald werd ich ewig schauen
Mein bestes theil und glück.


Erdenqual

Todestal

3. Zu Christo will ich fahren
In das gelobte land /
Der wird mich wohl bewahren
In seiner starcken hand :
Trotz sey dem feind gebotten /
Daß er mich reiß heraus :
Dort will ich seiner spotten
Im schönen freuden-hauß.




Trotz

dort

4. Bey Christo will ich bleiben
In alle ewigkeit /
Und ohn auffhören treiben
Sein lob mit höchster freud /
Mit jauchtzen und mit singen
Will ich ihm danckbar seyn.
Nun laß mirs / HErr / gelingen
Zu deinem preiß allein.


620.) Melod. Wo GOtt der HErr nicht bey &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
557 620 665 662 662 662 662
p. 518 533 868 575 516 748 516

MEin GOtt / erbärmlich lig ich hier /
Mit kranckheit schwer beladen /
Mein hertz das bebet für und für /
Es fühlet hart den schaden /
Der mich im bethe hält so fest /
Ja weder macht noch ruhe läßt /
Wenn wirst du mich begnaden ?


Mein Gott

2. Mir ist vergangen muth und krafft /
Die stärck hat mich verlassen /
Es mangelt mir des lebens safft /
Mein antlitz muß erblassen /
Mein hertzens angst ist gar zu groß /
Mir ligen fast die knochen bloß /
Kein hülffe kan ich fassen.

3. Dem artzt / HErr / bin ich in die hand /
Durch meine sünde / kommen /
Die mich gebracht in diesen stand /
Worinn mir ist benommen
Gesundheit u   ein freyer muth /
Mein GOtt / was konnte dieses gut
Mir vormahls trefflich frommen ?

frommen

4. Ach aber / JEsu / Davids sohn /
Hilff mir in diesen nöthen /
Zwar solt ich fordern meinen lohn /
Müßt ich vor scham erröthen :
Doch schaue meinen jammer an /
Komm einmal als ein mittels-ma  /
Laß mich die pein nicht tödt .

  

fordern

5. Wirff meine fehler hinter dich /
Und hindre das verderben /
Mit gnad und segen kröne mich /
Laß mich dein huld erwerben /
Mein artzt und meister ! sey bereit /
Du bist ja / der zu rechter zeit
Uns retten kan vom sterben.

hinter dich

6. HErr / wenn du wilt / so kanst du leicht
Mich dergestalt erquicken /
Daß alle kranckheit von mir weicht /
Und mich hinfort nicht drücken
Die schmertzen / die mir marck und bein
Schon auff-[p. 534]gezehrt / du kanst allein
Mir hülff und lindrung schicken.


dergestalt

drücken

7. Doch will ich auch die letste noth /
O treuer Gott / nicht scheuen /
Demnach ein selig sanffter todt
Uns ewig kan erfreuen /
Als welches tag zu jederfrist
Viel besser als das leben ist /
Drum wir so kläglich schreyen.



demnach

als welches Tag

8. Ey sterb ich denn / so sterb ich GOtt /
Mein leiden kommt zum ende /
Ich werd auch nimmermehr zu spott /
Im fall ich mich nur wende
Zu dir / HErr JEsu / meine lust /
Und ruhe sanfft an deiner brust /
Drauff nimm mich in dein hände.

9. Mein Heyland / es ist mein begier
Nur selig abzuscheiden /
Im paradeiß zu stehn vor dir /
Da weder creutz noch leiden :
Doch mach es / HErr / wie dirs gefällt /
Soll ich noch leben in der welt /
So kröne mich mit freuden.

10. Dein theures wort das kan uns bald
Gesundheit wiedrum bringen /
Es machet schön / was ungestalt /
Ja wol die lahmen springen /
HErr / hilff / daß ich auß noth beffreyt /
Allhie und in der ewigkeit /
Dir mög ein danck-lied singen.


621.) Mel. Vatter unser im himmelreich / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
558 621 667 663 663 663 663
p. 519 534 871 577 517 750 517

HIe lig ich armes würmelein /
Kan regen weder arm noch bein /
Vor angst mein hertz im leib zerspringt /
Mein leben mit dem tode ringt /
Vernunfft und alle sinn sind matt /
Meins lebens bin ich müd und satt.

Hie lieg ich
Würmelein

2. Darum / HErr JEsu / zu mir eil /
Vertreib des teuffels feurig pfeil /
Der um mich jetzt thut brüllen her /
Gleich wie ein löw und grausam bär /
Daß mich von deiner lieb nichts scheid /
Kein anfechtung / kein angst noch leyd.

3. HErr laß mich in dem reiche dein
Nur den geringsten diener seyn /
Den vesten glauben mir verleih /
Daß ich gerecht und seelig sey /
Erlöset durch dein theures blut /
Von sünd / todt und der höllen-glut.

4. Herr / wann mein stündlein kommt heran /
So laß dein engel um mich stahn /
Daß sie mein seel ins hi els saal
Heimführen auß dem jammerthal /
Und sie da bleib in deiner hand /
Als dein durchs blut erworbnes pfand.


622.) Melod. Es ist gewißlich an der zeit / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
559 622 668 664 664 664 664
p. 519 534 871 577 517 750 517

EIn würmlein bin ich arm und klein /
Mit todtes-noth umgeben :/:
Kein trost weiß ich in meiner pein /
Im sterben und im leben :
Dann daß du selbst HErr JEsu Christ /
Ein armes würmlein worden bist /
Ach Gott erhör mein klagen.

Ein Würmlein

2. Laß mich / o Christ / en deinem leib
Ein grünes zweiglein bleiben :/:
Mit deinem geist / HErr / bey mir bleib /
Wann sich mein seel soll scheiden.
Wann mir vergeht all mein gesicht /
Und meines bleibens ist mehr nicht
Allhier auff hieser erd .


Zweiglein

scheiden

3. So laß mich nicht in dieser noth
Umkommen noch [p. 535] verzagen :/:
Komm mir zu hülff / du treuer GOtt /
Mein angst hilff mir auch tragen.
Denck / daß ich bin am leibe dein
DEin glied und grünes zweigelein /
Im fried laß mich hinfahren.

4. Gedenck / HErr / an den theuren eid /
Den du selbst hast geschworen :/:
So wahr du lebst in ewigkeit /
Ich soll nicht seyn verlohren :
Und soll nicht ko en ins gericht /
Den todt ewiglich schmecken nicht /
Dein heyl wolst du mir zeigen.



Gericht

5. Ach GOtt / laß mir ein leuchte seyn
dein wort zum ewgen leben :/:
Ein seeligs ende mir verleyh /
Ich will mich dir ergeben.
Ich will dir traun / mein HErr und GOtt /
Dann du verläßst in keiner noth /
Die deiner hülff erwarten.

erwarten

6. Drauff will ich nun befehlen dir
Mein seel in deine hände :/:
Ach treuer GOtt / steh vest bey mir /
Dein geist nicht von mir wende.
Und wann ich nicht mehr reden kan /
So nimm den letsten seufftzer an /
Durch JEsum Christum / Amen.


623.) Im Thon : Lebt jemand so wie ich / So lebt &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
560 623 669 665 665 665 665
p. 520 535 872 578 518 751 518

STirbt jemand so wie ich /
So stirbt er seliglich.
Obschon der leib verweset /
Die seele doch geneset /
Schwingt sich zu Jesus hand /
Und ihrem vatterland.


Stirbt jemand

  


Jesus

2. Christi fünff wunden zahl /
Des creutzes schmach und quaal
Nutzt mir ein neues leben /
Mit ihm in freud zu schweben.
Mein geist schon wird getränckt /
In wollust gantz versenckt.

Zahl

nutzt mir

3. HErr JEsu ! danck sey dir !
Ich sehe dich herfür
Schon gehen mir entgegen /
Mich in dein arm zu legen.
Ach hi els-süsse lust !
JEsus an meiner brust.

gehen
dein arm

4. Ach JEsu : ich zerfließ /
Biß ich einmal genieß
Deins holden mundes küssen /
Ach solt ich jetzt schon müssen
Dich küssen für und für /
Das wäre mein begier.

zerfließe

  

müssen

5. Es bringt mir nur verdruß /
wann ich was lieben muß /
Da JESUS nicht ist drinnen
Die wollust meiner sinnen.
Was er nicht ist / haß ich /
Und lieb ihn ewiglich.

6. Faß / seele ! einen muth /
Schwing über alles gut /
Dir ligt alls zu den füssen /
Wird alls verbrennen müssen.
Genug ! daß JEsus lebt /
Nach dem mein hertze strebt.

7. Es ko t der todt herbey /
Bricht mir mein hertz entzwey /
Sünd / hölle / machen bange /
Doch wirds nicht währen lange.
Genug ! daß JEsus Christ
Für mich gestorben ist.

8. Ring ich mit todes-quaal /
Ist JEsus mein labsal.
Muß geist und si   vergehen /
Bleibt doch das beste stehen.
Genug ! daß JEsus wacht /
Wann ich sag gute nacht !

gute Nacht

624.) Im Thon : Wär GOtt nicht mit uns &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
561 624 670 666 666 666 666
p. 521 535 873 578 518 752 518

O GOTT wann ich bey mir betracht /
Daß alles fleisch verdirbet :
Und nemme diß darbey in acht /
Wie schleunig (elend) [p. 536] mancher stirbet :
So ruff ich dich / o Vatter / an /
Denn deine güt und allmacht kan
Mir auch hierinnen helffen.

O Gott, wenn

  

nemme
schleunig

2. Ich weiß wol / daß ich sterben muß /
Doch nicht zu welcher stunden :
Drum gib / daß ich in stäter buß
Und Gottesfurcht werd funden :
Auff daß ich jetzt und allezeit
Zu meiner heimfahrt sey bereit /
So bald du mich abforderst.

Heimfahrt
abforderst

3. HErr / rechne mir es ja nicht zu /
Daß ich michs unterfange /
Und an dich diese bitte thu /
Warum mir offt wird bange :
Auß lauter unverdienter güt
Für vielen schmertzen mich behüt
Und auch für langem lager.


unterfange

warum

4. Doch aber auch bewahre mich
Für schnellem bösen ende :
Wahn-witz und ja er gnädiglich /
O treuer GOtt / abwende.
Ein solches stündlein mir verleih /
Daß ich noch meine sünd dabey
Im glauben mög bereuen.



Wahnwitz

Stündlein

5. Laß mich den werthen heilgen Geist
Biß an mein ende regieren :
Gib / daß ich alsde   allermeist
Könn seinen beystand spüren :
Daß mir da kräfftig komm zu gut
Des HErren JEsu theures blut /
So er für mich vergossen.

Lass mich

alsdenn

6.Hilff / HErr / hilff in der todes-noth /
Laß mich nicht lange quälen /
Dir will ich meine seel / o Gott /
In deine händ befehlen :
Verkürtz mir alle angst und pein /
Daß / we   mein ende da soll seyn /
Ich bald im fried abscheide.


625.) Im Thon : Hertzlich thut mich verlangen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
562 625 671 667 667 667 667
p. 521 536 874 579 519 753 519

VAlet will ich dir geben /
Du arge falsche welt :
Dein sündlich böses leben
Durchauß mir nicht gefällt :
Im himmel ist gut wohnen /
Hinauff steht mein begier /
Da wird GOtt ewig lohnen /
Dem / der ihm dient allhier.

Valet will ich

2. Raht mir nach deinem hertzen /
O JEsu Gottes Sohn !
Soll ich je dulden schmertzen /
Hilff mir / HErr Christ / davon /
Verkürtz mir alles leiden /
Stärck meinen blöden muth ;
Laß mich seelig abscheiden /
Setz mich in dein erb-gut.

rat mir

  


blöden

3. In meines hertzens grunde
Dein nahm und creutz allein
Funckelt all zeit und stunde /
Drauff kan ich frölich seyn.
Erschein mir in dem bilde /
Zum trost in meiner noth /
Wie du / HErr Christ / so milde /
Dich hast geblut zu todt.



all Zeit

4. Verbirg mein seel auß gnaden
In deine offne seit /
Ruck sie auß allem schaden /
In deine herrlichkeit ;
Der ist wohl hie gewesen /
Wer kommt ins himmels schloß ;
Der ist ewig genesen /
Der bleibt in deinem schooß.


offne Seit

5. Schreib meinen na   auffs beste
Ins buch des [p. 537] lebens ein /
Und bind mein seel fein feste
Ins schöne bündelein
Dern / die im hi el grünnen /
Und vor dir leben frey ;
So will ich ewig rühmen /
Daß dein hertz treue sey.

Bündelein
grünnen

626.) Im Thon : Mag ich unglück nicht &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
563 626 672 668 668 668 668
p. 522 537 875 580 519 753 519

MEin lauff / GOtt lob / ist fast vollbracht ;
Welt / gute nacht /
Wir werden uns bald scheiden :
In JEsu namen sanfft und still
Ich wandern will /
Zur seligkeit mit freuden.
In dieser welt
Ist mir bestellt
Nur angst und noth /
Zuletzt der todt /
Dort endet sich mein leiden.

Mein Lauf

scheiden

  



  


dort

2. In JEsu namen schlaff ich ein /
Er führt allein
Mich auß dem todt und leben :
Am creutze sein vergoßnes blut
Kommt mir zu gut /
Macht frölich mich darneben :
Der edle safft
Bringt rechte krafft /
Stärckt mir mein hertz
In todes-schmertz /
Kan freud und wonne geben.



und Leben

3. In JEsu namen fahr ich hin /
Denn mein gewinn
Ist Christus / wann ich sterbe :
Ich weiß / daß er mich nicht verläßt /
Und glaube fest /
Im todt ich nicht verderbe :
Mir ist bereit
In ewigkeit
Von GOttes Sohn
Die ehren-cron /
Das rechte himmels-erbe.


Auß dem 8. Cap. der Ep. an die Römer.

627.) Im Thon : Hertzlich thut mich verlangen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
565 627 673 669 669 669 669
p. 523 537 875 580 520 754 520

ICh bin bey GOTT in gnaden
Durch Christi blut und todt /
Was kan mir endlich schaden ?
Was acht ich alle noth ?
Ist er auff meiner seiten /
Gleichwie er warlich ist /
Laß i er mich bestreiten
Auch alle höllen-list.

Ich bin bei

  



  

lass immer

2. Was wird mich können scheiden
Von Gottes lieb und treu ?
Verfolgung / armuth / leiden /
Und trübsal mancherley ?
Laß schwerdt und blöse walten /
Man mag durch tausend pein
Mich für ein schlacht-schaaf halten /
Der sieg bleibt dennoch mein.


Blöße

3. Ich kan um dessentwillen /
Der mich geliebet hat /
Gnug meinen unmuth stillen /
Und fassen trost und raht.
Denn das ist mein vertrauen /
Der hoffnung bin ich voll /
Die weder drang noch grauen
Mir ewig rauben soll.

soll

4. Daß weder todt noch leben /
U   keiner engel macht /
Wie hoch sie möchte schweb   /
Kein fürstenthumb / kein pracht /
Nichts dessen / was zugegen /
Nichts / was die zukunfft hegt /
Nichts / welches hoch gelegen /
Nichts / was die tieffe trägt.

5. Noch sonst was je erschaffen /
Von GOttes liebe mich
Soll scheiden oder raffen /
Dann diese gründet sich
Auff JEsu todt und sterben /
Ihn sieh ich gläubig an /
Der mich / sein kind und erben /
Nicht lassen will noch kan.


628.) M. GOtt deß hi els und der erden / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
566 628 674 670 670 670 670
p. 523 537 876 581 520 755 520

LAß mich / JEsu / in dem leben
Dieser schnöden eitelkeit
Dir nur eintzig seyn ergeben /
Damit mei-[p. 538]ne lebens-zeit
Ich so ende / daß zu dir
Meine seele geh von mir.

Laß mich

2. Nimm sie auff in deine hände /
Und dem leibe gönn die ruh /
Hernach / wenn das jüngste ende
Kommt / füg sie demselben zu /
Damit ewig ohne zeit
Ich dein wahres lob außbreit.


füg sie

629.) Melod. Werde munter mein gemüthe / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
568 629 675 671 671 671 671
p. 524 538 876 581 520 755 520

WErde munter / liebe seele /
Balde wird es seyn gethan /
Daß du auß der leibes-höle
Dich recht schwingest hi el an.
All dein leiden / creutz und noth
Endet sich nur durch den tod :
Nunmehr wirst du überwinden /
Und ein besser leben finden.


Werde munter

  

himmel an

2. Siehe / wie viel engel schweben
Um dein bethe / welche dir
Das geleite wollen geben
Hin biß an die hi els-thür.
Siehe doch GOtt sendet schon
Her von seinem hohen thron
Den triumph- und ehren-wagen /
Der dich soll gen himmel tragen.

3. GOtt begehret / du solt ko en
Zu ihm nauff / er wartet dein /
Und will dir bey andern fro en
Räumen deine stelle ein.
Er hat auch das weisse kleid /
Und die crone schon bereit /
Die du solt zu ewgen tagen
Mit der grösten freude tragen.


nauf

4. Drum / o seele / sey doch fertig /
Eile / daß du kommest dar /
Weil da deiner auch gewärtig
Ist der außerwehlten schaar /
Die viel tausend an der zahl /
Jetzt schon kommen allzumal
An die hi els-thür gegangen /
Dich mit freuden zu empfangen.

5. Es seynd dabey viel der deinen /
Deren wunsch von hertzen ist /
Daß du mögest bald erscheinen /
Weil du sehr willko en bist.
Dencke / wie dir wird geschehn /
Wann du die wirst wieder sehn /
Welche dir vor vielen jahren
Durch den todt genommen waren.

6. Diese außerwehlte frommen /
Auch die engel werden dich
Heissen tausendmal willkommen /
Und dich führen prächtiglich
Hin zu deines GOttes thron /
Allwo sie mit schönem thon
Werden ihren danck erweisen /
Und GOTT hertzlich also preisen :

7. Lob und preiß mit vielen ehren
Sey dir / HErr ! daß unsre zahl
Sich noch täglich muß vermehren
Bevorab / daß dises mal
Gegenwärtig frommes kind
Auch nunmehr sich bey uns findt :
Laß doch bald die andre frommen
Auß der welt auch zu uns kommen.


  

bevorab

8. Dein GOtt selbst will dich empfangen
Mit viel lieb und freundlichkeit /
Dir abwischen von den wangen
Alle thränen / so das leid
Dir hier außgepresset hat :
Er wird an derselben statt
Dir sein hi lisch freuden-leben
In besitz auch ewig geben.

9. Da wirst du alsdenn von sünden /
Creutz und elend wissen nicht :
Lauter wonne wirst du finden /
Und für GOttes angesicht
Biß in alle ewigkeit
Leben in der herrlichkeit /
Die dein JEsus dir erworben /
Als er für dich ist gestorben.

10. Nun dann / liebe seele / [p. 539] reise
Hin zu deinem lieben GOtt.
Wol dir / daß auff solche weise
Sich beschliesset deine noth.
Lebe wol in ewigkeit.
Freue dich der seeligkeit /
Da dirs mehr / als wir verstehen /
Ohne ende wohl wird gehen.

11. Aber weh uns / die wir müssen
In der welt noch bleiben hier /
Und annoch nicht können wissen /
Wann wir dörffen folgen dir.
Gott / sieh uns auch gnädig an /
Hilff / wie du jetzt hast gethan /
Daß uns bald von allem bösen
Mög ein sanffter tod erlösen.


630.) Im Thon : So geb ich meinem JEsu hin &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
569 630 676 672 672 672 672
p. 525 539 878 582 521 756 521

MAchs mit mir / GOtt / nach deiner güt /
Hilff mir in meinem leiden /
Versag mir nicht / was ich dich bitt ;
Wenn sich mein seel soll scheiden /
So nimm sie / HErr / in deine händ /
Ist alles gut / wenn gut das end.


Machs mit mir

Versag

  

alles gut

2. Gern will ich folgen / lieber HErr /
Du wirst mich nicht verderben :
Denn du bist ja von mir nicht ferr /
Ob ich gleich hier muß sterben /
Verlassen meine lieben freund /
Dies mit mir hertzlich gut gemeynt.



ferr

verlassen

3. Ruht doch der leib sanfft in der erd /
Die seel zu dir sich schwinget /
In deine händ sie unversehrt
Durchn tod ins leben dringet ;
Hier ist doch nur ein thränen-thal /
Angst / noth und trübsal überall.

4. Todt / teuffel / hölle / welt und sünd
Mir können nichts mehr schaden /
Bey dir / o HErr / ich rettung find /
Ich tröst mich deiner gnaden ;
Dein einger sohn auß lieb und huld
Für mich bezahlt hat alle schuld.



bei dir

5. Was will ich denn nun traurig seyn /
Weil mirs so wohl wird gehen /
und ich in Christi unschuld rein /
Als eine braut soll stehen ?
Gehab dich wohl / du schnöde welt /
Bey GOTT zu leben mir gefällt.


wird gehen

  

gehab dich wohl

Lied / Cantique 631