Lied 630

631.) Im Thon : Wenn mein stündlein &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
570 631 677 673 673 673 673
p. 526 539 879 583 522 757 522

HErr ! meinen geist befehl ich dir /
Im leben und im sterben /
Nur wie du wilt geschehe mir /
Doch laß mich nicht verderben.
Hilff mir / der ich in deiner hut
Mich halte durch dein theures blut /
Das himmelreich ererben.


Herr, meinen Geist

  

Hut

2. Gib meiner seelen stärck und krafft /
Daß ich den todt verlache !
Gib / daß mich deiner wunden safft
Am end auch frölich mache !
Schleuß selber mir die augen zu /
HErr ! hilff / daß ich nach sanffter ruh /
Am grossen tag erwache.


632.) Im Thon : HErr JEsu Christ meins &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
571 632 678 674 674 674 674
p. 526 539 879 583 522 757 522

IN CHristi wunden schlaff ich ein /
Die machen mich von sünden rein /
Ja Christi blut und grechtigkeit
Ist meine zier und ehren-kleid.


In Christi Wunden

Christi Blut

2. Damit will ich für Gott bestehn /
Wenn ich zum hi el werd eingehn.
Mit fried und freud ich fahr dahin /
Ein GOttes-kind ich allzeit bin.



Fried und Freud

3. Danck hab / mein tod / du führest mich
Ins ewge [p. 540] leben wandre ich
Mit Christi blut gereinigt fein :
HErr JESU / stärck den glauben mein.

führest

633.) Im Thon : Erhalt uns HErr bey deinem &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
572 633 679 675 675 675 675
p. 526 540 879 583 522 758 522

IN GOttes namen fahr ich hin /
weil ich deß lebens müde bin !
Ach HErr / mein Heyland / steh bey mir /
Ich bin ja dein / u   sterbe dir.

In Gottes Namen

2. Du hat für mich genug gethan /
Wo ist was / das mir schaden kan ?
In diesem glauben sterbe ich /
Und lebe künfftig ewiglich.


634.) Im Thon : Hertzlich thut mich verlangen &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
675 634 680 676 676 676 676
p. 625 540 879 583 522 758 522

ICh hab mich GOTT ergeben
Dem liebster Vatter mein :
Hie ist kein immer-leben /
Es muß geschieden seyn /
Der todt kan mir nicht schaden /
Er ist nur mein gewinn /
In GOttes fried und gnaden
Fahr ich mich freud dahin.

Ich hab mich

hie

2. Mein weg geht jetzt fürüber /
O welt / was acht ich dein ?
Der himmel ist mir lieber /
Da muß ich trachten ein /
Mich nicht so sehr beladen/
Weil ich wegfertig bin /
In GOttes fried und gnaden
Fahr ich mit freud dahin.

fürüber

  

trachten ein

3. Ach selig freud und wonne
Hat mir der Herr bereit /
Da Christus ist die sonne /
Leben und seligkeit :
Was kan mir doch nur schaden /
Weil ich bey Christo bin ?
In GOttes fried und gnaden
Fahr ich mit freud dahin.

4. Gesegn'euch GOtt / ihr meinen /
Ihr liebsten allzumal /
Um mich solt ihr nicht weinen /
Ich weiß von keiner qual :
Den rechten port noch heute
Nemt fleissig ja in acht /
In GOttes fried und freude
Fahrt mir bald all hernach.

  

port

635.) Im Thon : HErr JEsu Christ meins &c.
Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
676 635 681 677 677 677 677
p. 626 540 880 584 523 758 523

O JESU / GOttes lämmelein /
Ich leb od'r sterb / so bin ich dein /
Ich bitt / laß mich mit dir zugleich
Ein erbe seyn in deinem reich.

O Jesu

2. Denn was wär sonst dein sterbens-noth /
So viel striemen und wunden roth /
Wenn ich auch nicht der seligkeit
Geniessen solt in ewigkeit.

in Ewigkeit

3. Warum hätt'st du dein leib und leb'n
Im grab verschlossen u   auffgeb'n /
Wenn nicht mein todt durch deinen todt
Verjagt würd' / o du treuer GOtt.

4. Darum / o JEsu / steht mir bey /
Gewissen trost und hülff verleyh /
Verlaß den nicht / HErr JEsu Christ /
Der mit dein'm tod besprenget ist.

besprenget

[p. 541]
5. Im friede laß mich schlaffen ein /
Und in dir haben ruhe fein /
Ein seligs ends mir beschehr /
Dein antlitz laß mich sehen / HErr.

6. Ich bitt durchs bitter leiden dein /
Laß diß mein letstes wünschen seyn /
So will ich loben allezeit /
Dich / o HERR GOtt / in ewigkeit .

allezeit

____________________________________________________________

Begräbnuß-Lieder.

636.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
573 636 682 678 678 678 678
p. 527 541 881 584 523 759 523

NUn laßt uns den leib begraben /
Daran wir kein'n zweiffel haben /
Er wird am jüngſten tag auffſtehn /
Und unverweßlich herfürgehn.

Nun lasst uns

2. Erd iſt er / und von der erden /
Wird auch zur erd wieder werden /
Und von der erd wieder auffſtehn /
Wann GOttes poſaun wird angehn.

3. Sein ſeele lebt ewig in GOtt /
Der ſie allhier / auß lauter gnad /
Von aller ſünd und miſſethat /
Durch ſeinen todt erlöſet hat.

Sein Seele

4. Sein jammer / trübſal und elend
Iſt ko en zu ein'm ſeel'gen end /
Er hat getragen Chriſti joch /
Iſt geſtorben und lebt doch noch.


Er

5.Die ſeele lebt ohn alle klag /
Der leib ſchläfft biß am jüngſten tag /
An welchem GOtt ihn verklären /
Und ew'ger freud wird gewähren.

gewähren

6. Hier iſt er in angst geweſen /
Dort aber wird er geneſen
In ewiger freud und wonne /
Leuchten wie die helle ſonne.

7. Nun laſſen wir ihn hie ſchlaffen /
Und gehn all heim unſer ſtraſſen /
Schicken uns auch mit allem fleiß /
Dann der tod ko t uns gleicher weiß.


schicken uns

8. Das helff uns Chriſtus unser troſt /
Der uns durch sein blut hat erlößt /
Vons teuffels g'walt und ew'ger pein /
Ihm ſey lob / preiß und ehr allein.

das helf uns

637.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
574 637 683 679 679 679 679
p. 527 541 882 585 524 760 524

MEin walfahrt ich vollendet hab
In diesem bösen leben :/:
Jetzund trägt man mich in das grab /
Darauff thut sich anheben
Ein neue freud und seeligkeit /
Bey Christo meinem HErren /
Die allen frommen ist bereit /
Diß ist die cron der ehren.

Mein Wallfahrt

2. Der leib thut zwar verwesen gar /
Und muß zu [p. 542] staube werden :/:
Doch wird darauß ein cörper klar /
Welcher nicht mehr auff erden /
Sondern hienächst bey JEsu Christ /
Ohn jammer und elende /
Wird seyn und bleib'n zu aller frist /
Der sich von GOtt nicht wende.

gar

  

hienächst

  

der

3. Solch ewig leben hat er mir /
U   allen mensch'n erworben :/:
Der tod hat g'wart vor meiner thür /
Biß ich jetzt bin gestorben /
Und dieses ist der sünden schuld /
Wir müssen einmal sterben /
Jedoch beweißt er noch sein huld /
Sein gläub'ge nicht verderben.

  

Schuld

4. Sondern wie ein wäizenkörnlein
Gesäet wird mit fleiße :/:
Vermod'rt und grünt hernach sehr fein /
Also auch gleicher weise :
All fromme Christen hier auff erd
Ein weil verscharret bleiben /
Stehn doch hernach auff unversehrt
Mit schönen klaren leiben.

Weizenkörnlein

  

  



Leiben

5. Ich hab auff mein'n HErrn JEsum Christ
Mein hoffnung / thun u   lassen :/:
Gestellt / der auch zu jeder frist
Mein Heyland ist gewesen.
Der wird mein liebe freunde hier /
Welche ich hinterlassen /
Beschirmen und mit grosser zier
Endlich auch zu sich fassen.

gestellt

  

hinterlassen

6. Darum laßt fahr'n all traurigkeit /
Thut mich nicht mehr bewäinen :/:
In mir ist nichts dann lauter freud /
Weil's GOtt so gut thut meynen.
Mein seele preiset GOTT den HErrn
Für solch freudenreich leben /
Was könnt ich herrlichers begehr'n ?
GOTT wolls euch all'n auch geben.

638.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
575 638 684 680 680 680 680
p. 528 542 883 586 525 761 525

MIt fried und freud ich fahr dahin
In GOttes willen /
Getrost ist mir mein hertz und si  
Sanfft und stille /
Wie GOtt mir verheissen hat /
Der todt ist mein schlaff worden.

Mit Fried und
ich fahr

2. Das macht Christus wahr'r GOttes sohn /
Der treue Heyland /
Den du mich / HErr / hast sehen lan /
Und machst bekandt /
Daß er sey das leben und heyl
In noth und auch im sterben.


und machst

3. Den hast du allen fürgestellt /
Mit grossen gnaden /
Zu seinem reich die gantze welt
Heissen laden /
Durch dein theuer heilsam wort
An allem ort erschollen.


laden

4. Er ist das heyl und seelig liecht /
Für die hey-[p. 543]den /
Zu 'rleuchten / die dich kennen nicht /
Und zu weyden :
Er ist dein's volcks Israel
Der preiß / ehr freud und wonne.


weiden

639.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
576 639 685 681 681 681 681
p. 528 543 884 586 525 761 525

FReu dich sehr / o meine seele /
Und vergiß all noth und quaal :/:
Weil dich nun Christus dein HErre
Rufft auß diesem ja erthal :
Auß trübsal u   grossem leyd
Solt du fahren in die freud /
Die kein ohr niemals gehöret /
Und in ewigkeit auch währet.


Freu dich sehr

  

  


die

2. Tag und nacht hab ich geruffen
Zu dem HErren meinem GOtt :/:
Weil mich stets viel creutz betroffen /
Daß er mir hülff auß der noth.
Wie sich sehnt ein wanders-mann /
Daß sein weg ein end mög han :
So hab ich gewünschet eben /
Daß sich enden mög mein leben.

hülf

  

3. Dann gleich wie die rosen stehen
Unter dornen spitzig gar :/:
Also auch die Christen gehen
In lauter angst und gefahr.
Wie die meeres-wellen sind /
Und der ungestümme wind :
Also ist allhier auff erden
Unser lauff voller beschwerden.

4. Die welt / teuffel / sünd und hölle /
Unser eigen fleisch und blut :/:
Plagen stets hier uns're seele /
Lassen uns bey keinem muth.
Wir sind voller angst und plag /
Lauter creutz sind uns're tag /
Wann wir nur gebohren werden /
Jammer gnug findt sich auff erden.

5. Wann die morgenröth herleuchtet / 
Und der schlaff sich von uns wendt :/:
Sorg und ku er daher streichet /
Müh findt sich an allem end.
Uns're thränen sind das brodt /
So wir essen früh und spath /
Wann die so   nicht mehr thut scheinen /
Ist nichts dann klagen und wäinen.

Morgenröt

  


Tränen

6. Drum / HErr Christ/ du morgensterne /
Der du ewiglich auffgehst :/:
Sey von mir jetzund nicht ferne /
Weil mich dein blut hat erlößt.
Hilff / daß ich mit fried und freud
Mög von hinnen fahren heut.
Ach ! sey du mein liecht und strasse /
Mich mit beystand nicht verlasse.

Fried und Freud
  
Straße

7. In dein seite will ich fliehen
An mein'm bittern todtes-gang :/:
Durch dein wunden will ich ziehen /
Ins hi lische vatterland.
In das schöne paradeiß /
D'rein der schächer thät sein reiß /
Wirst du mich / [p. 544] HErr Christ / einführen /
mit ewiger klarheit zieren.

tät

  

8. Ob mir schon die augen brechen /
Das gehöre gar verschwindt :/:
Und mein zung nicht mehr kan sprechen /
Der verstand sich nicht besinnt /
Bist du doch mein liecht / mein hort /
Das leben / der weg / die pfort /
Du wirst mich seelig regieren /
Die recht bahn zum hi el führen.

Pforte

  

9. Laß dein engel mit mir fahren
Auf Elias wagen roth :/:
Und mein seele wol bewahren /
Wie Lazari nach sein'm tod :
Laß sie ruhn in deinem schoos /
Erfüll sie mit freud und trost /
Biß der leib ko t auß der erden /
Und sie beyd vereinigt werden.


Elias
  
Lazari

10. Freu dich sehr / o meine seele /
Und vergiß all noth und quaal :/:
Weil dich nun Christus dein HErre /
rufft auß diesem jammerthal /
Sein freud und herrlichkeit
Solt du sehn in ewigkeit /
Mit den engeln jubilieren /
In ewigkeit triumphieren.

Jammertal


640.) In vorigem Thon.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
577 640 686 682 682 682 682
p. 530 544 886 587 526 763 526

FReu dich sehr / o meine seele /
Springe frölich auß der welt /
Auß der quaal und marter-höle /
In das hi lisch lust-gezelt.
Ach ! wer wolte traurig seyn
In die freud zu gehen ein /
Wo man jauchtzet / hupfft und springet /
Musicieret / singt und klinget.

Freu dich

  

Qual

  

hupft

2. Freu dich sehr / o meine seele /
Und vergiß all noth und quaal /
Lobe GOtt von heller kähle /
Du verläßst das jammerthal /
Wer ist / der den kercker liebt /
Wer ist immer gern betrübt ?
Ich nicht / mich verlangt zu scheiden
In den garten aller freuden.



Kähle

  



Garten

3. Freu dich sehr / o meine seele /
Christus ni t sich deiner an /
Daß er dich frey ledig zehle
Von dem / was dir schaden kan.
JEsus rufft dir selber zu :
Komm / mein liebste / ko   zur ruh /
Komm / mein taube / ko   mein schöne /
Daß ich dich im himmel kröne.



frei ledig

  

Liebste

4. Freu dich sehr / o meine seele /
Trübsal / angst und leid ist hin /
Nichts ist / das dich ferner quäle /
Dann zu JEsu steht mein sinn /
O wie gern fahr ich davon !
Pfuy dich ! welt / ich sprich dir hohn /
Der ist wol in dich vernarret /
Der mit lust in dir verharret.

pfui dich

  

5. Freu dich sehr / o meine seele /
Deiner süssen wanderfahrt /
Sage mir [p. 545] doch / was dir fehle /
Weil sich JEsus mit dir part ;
Sage / was der HErr nicht thu /
Er schickt dir den wagen zu
Seiner engel / die dich bringen
Zu der himmels-freud mit springen.

paart

  

6. Freu dich sehr / o meine seele /
Auff die hi lisch hochzeit-freud /
Geh nur hin / und dich vermähle /
Mit dem / der die arm außbreit
Gegen dir auß lauter lieb /
Geh hin / und dich ihm ergieb /
Werde warm in dessen armen /
Der mit dir trug groß erbarmen.

dessen
trug

7 Freu dich sehr / o meine seele /
JEsus wartet deiner schon /
Daß er dich mit freuden-öle
Salb' / und setz dir auff die cron
Aller ehr und herrlichkeit /
O der übergrossen freud /
Die kein ohr nie hat gehöret /
Und sich immerdar vermehret.


Freudenöl

  

kein Ohr

8. Freu dich sehr / o meine seele /
Ewig / ewig / ewig währt
Diese freud / die ich erwehle /
Niemand ist / der sie zerstört /
O du süsse ewigkeit /
O du ursach aller freud /
Die mit freud sich i er weidet /
Die mir gantz die welt verleidet.


641.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
578 641 687 683 683 683 683
p. 531 545 887 588 527 764 527

ALle menschen müssen sterben /
Alles fleisch vergeht wie heu :/:
Was da lebet muß verderben /
Soll es anders werden neu.
Dieser leib der muß verwesen /
Wann er anders soll genesen
Der so grossen herrlichkeit /
Die den fro en ist bereit.


Alle Menschen

  

anders

genesen

2. Drum so will ich dieses leben /
Weil es meinem Gott beliebt :/:
Gern und willig von mir geben /
Bin darüber nicht betrübt.
Dann in meines JEsu wunden
Hab ich nun erlösung funden /
Und mein trost in todes-noth todesnoth ?
Ist des HErren Christi todt.


Varianten

  

3. Christus ist vor mich gestorben /
Und sein tod ist mein gewinn :/:
Er hat mir das heyl erworben /
Drum fahr ich mit freud dahin :
Hier auß diesem welt-getümmel /
In den schönen GOttes-himmel /
Da ich werde allezeit
Schauen die Dreyfaltigkeit.

Varianten

4. Da wird seyn das freuden-leben /
Da viel tausend seelen schon :/:
Seynd mit hi els-glantz umgeben /
Dienen GOtt für seinem thron :
Da die seraphinen prangen /
Und das hohe lied anfangen :
Heilig / heilig / heilig heist /
[p. 546] GOtt der Vatter / Sohn und Geist.

5. Da die patriarchen wohnen /
Die propheten allzumal :/:
Wo auff ihren ehren-thronen
Sitzet die gezwölffte zahl :
Wo in so viel tausend jahren
Alle frommen hingefahren /
Da wir unserm GOtt zu ehr'n
Ewig Alleluja hör'n.

gezwölfte

6. O Jerusalem du schöne /
Ach wie helle gläntzest du :/:
Ach wie lieblich lob-gethöne
Hört man da in süsser ruh.
O der grossen freud und wonne /
Jetzund gehet auff die sonne /
Jetzund gehet an der tag /
Der kein ende nemmen mag.

Jerusalem

7. Ach ! ich habe schon erblicket
Alle diese herrlichkeit :/:
Jetzund werd ich schön geschmücket
Mit dem weissen hi els-kleid /
Und der güldnen ehren-crone  /
Stehe da für Gottes throne /
Schaue solche freude an /
Die ich nicht beschreiben kan.

8. Hier will ich nun ewig wohnen /
Liebstes hertz / zu guter nacht :/:
Eu're treu wird Gott belohnen /
Die ihr habt an mir verbracht.
Liebste kinder und verwandten /
Schwager / nachbar, und bekandten /
Lebet wohl zu guter nacht /
Gott sey lob ! es ist vollbracht.


Liebstes Herz

  


  

vollbracht

642.) Schwing dich auff zu deinem &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
579 642 688 684 684 684 684
p. 532 546 889 589 528 766 528

EInen guten kampff hab ich
Auf der welt gekämpffet :/:
Dann Gott hat genädiglich
All mein leid gedämpffet /
Daß ich meines lebens lauff
Seliglich vollendet /
Und mein arme seel hinauff
GOtt dem HErrn gesendet.


Einen guten Kampf

2. Forthin ist mir beygelegt
Der gerechten krone :/:
Die mir wahre freud erregt
In des himmels throne.
Forthin meines lebens licht /
Dem ich hie vertrauet /
Nemlich GOttes angesicht /
Meine seele schauet.

Licht

  


3. Dieser schnöden bösen welt
Jämmerliches leben :/:
Mir nun länger nicht gefällt /
Drum ich mich ergeben /
Meinem JEsu / da ich bin
Jetzt in lauter freuden /
Dann sein trost ist mein gewinn /
Mein verdienst sein leiden.

4. Gute nacht / ihr meine freund /
Alle meine lieben :/:
Alle [die] ihr um mich wäint /
Laßt euch nicht betrüben
Diesen abtritt / den ich thu
In die erde nieder /
Schaut die sonne [p. 547] geht zur ruh /
Kommt doch morgen wieder.



die
  
Abtritt

  

Sonne

643.) Mel. Freu dich sehr / o meine seele / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
581 643 689 685 685 685 685
p. 533 547 890 589 529 766 529

NUn ihr abgelebte glieder /
Wandert immer nach dem grab /
JEsus wird euch geben wieder /
Was die würmer fressen ab /
Liget ihr schon in dem sand /
Uber euch hält GOttes hand /
Und bewahret alle knochen /
Daß nicht einer werd zerbrochen.


Nun, ihr
immer

  


hält

zerbrochen

2. Ich geh von dem erd-getümmel
In die sanffte süsse ruh /
Meine seele wohnt im himmel /
Biß der leib kommt auch dazu /
Zu der wahren sicherheit /
Zu der freuden ewigkeit /
Zu des guldnen tempels zinnen /
Zu den schönen seraphinen.

guldnen
  

3. Immerfort nur in die erden /
Was der erden zugehört /
Dorten soll mir wieder werden
Rein verkläret / unversehrt /
Alles was verweßlich ist /
So wird ruffen JEsus Christ /
In den feuer-hellen lüfften :
Kommt ihr todten auß den krüfften.


Erde

  

  


Krüften

4. Da wirst du den HErren sehen /
Du verfallnes augenliecht /
Ihr / ihr füsse werdet stehen
Da / für GOttes angesicht /
Und du nun erstummter mund
Wirst ohn alle zeit und stund /
Den du hie gelobet / preisen /
Heilig / heilig / heilig heißen.

5. Ihr nunmehr betäubte ohren
Werdet von den banden frey /
Wann der leib wird neu gebohren /
Hören lauter lust-geschrey /
Lauter engelische wort
Werdet ihr bald hören dort /
Hören lob / gesänge / psalmen /
Und ihr hände schwingen palmen.

6. Ist mein grab dann nun schier nahe /
Ey so leget mich darein /
Das ich längst begierig sahe.
Dir befehl ich mein gebein /
Dir / mein Schöpffer / frommer GOtt /
HErr und König Zebaoth !
Keines / keines bleib dahinden /
Du wirst mich schon wieder finden.

schier

  

  


keines

7. Wird man mich dahin verstecken /
Da es trüb und finster ist /
Du wirst dermahleins erwecken
Mich / o mein HErr JEsu Christ /
Und den leib hin zu der seel
( Trautester I anuel /)
Dahin / wo ich möge singen
Ewig Halleluja / bringen.


dermaleins

  


dahin

644.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
582 644 690 686 686 686 686
p. 534 547 891 590 529 767 529

NUn ade ! du jammerwelt /
O du sünden-volles leben /
Mir dein thun gantz nicht gefällt /
Ich mag nicht mehr an dir kleben /
Ey fahr hin/ du schatten-lust /
Mir ist nichts von dir bewust.


Nun ade

ganz nicht

  

bewusst

2. Weiche sünden-laster-schaar /
Du hast mich genug betrogen /
Offt gestürtzet in gefahr /
Von dem himmel abgezogen /
Nun ist alle noth vorbey /
Meine seele quitt und frey.

weiche

3. Nunmehr hab ich / GOtt sey danck /
Einen guten kampff gekämpffet /
Weil die noth / die mich bezwang /
Außgestanden und gedämpffet /
Nun ist hin die kummer-nacht /
[p. 548] Meines lebens lauff vollbracht.


Kampf

4. Meine veste zuversicht
Ist allstätt zu GOtt gestanden /
Der mich nun und nimmer nicht
Lassen kan in spott und schanden /
Mir muß folgen jederzeit
Stoltze ruh und sicherheit.


allstet

5. Forthin wird im hi el mir
Beygelegt die ehren-crone /
Die mein hort und lebens-zier
Schencken wird zum gnaden-lohne
Allen denen ins gemein /
So ihm treu ergeben seyn.

6. Nun zu tausend guter nacht /
O ihr allerliebsten meinen /
Ne et meinen stand in acht /
Wozu nutzet euer weinen /
Dencket wo ich jetzo bin /
Werdet ihr auch kommen hin.

zu guter Nacht

7. Ach ich bin nicht gantz und gar
Von euch lieben hingenommen /
Es ist und verbleibet wahr /
Daß wir freudig werden kommen
Bald zusammen allzumahl
In dem blauen sternen-saal.

645.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
583 645 691 687 687 687 687
p. 535 548 892 591 530 768 530

NUn / GOtt lob / es ist vollbracht /
Aller jammer / angst und schmertzen :/:
Welt ! zu tausend guter nacht /
Ich erfreue mich von hertzen :
Daß ich jetzo hin soll fahr'n /
Zu der außerwehlten schaarn.
Da wird mir geben /
Christus mein leben /
Ewige freude /
Englische weyde.


Nun, gottlob

tausend

  

  

  

englische

2. Dencket doch / was ist die welt ?
Was ist aller menschen leben :/:
Was ist grosses gut und geldt /
Und in hohen ehren schweben ?
Nichts als lauter eitelkeit /
Sorg / und kummer / hertzenleid /
Endlich zum grabe /
Damit schababe /
Und wird vergessen /
Wo wir gesessen.


Herzenleid

schababe

  

3. Scepter und die güldne kron
Mögen nicht dem tod entlauffen :/:
Kriegen eben solchen lohn /
Wie der arme bettlers-hauffen.
Klein und groß hat seine noth /
Jung und alt erwischt der todt /
Kommet die stunde /
Gehen zu grunde /
Alle zugleiche /
Arme und reiche.

4. Nun bedenk ein jeder Christ /
Ob auch GOttes furcht und liebe :/:
Noch allhie zu finden ist /
Wie steht teutsche treu so trübe ?
Die gerechtigkeit ist kranck /
Neid und feindschafft / krieg und zanck
Gehen im schwange /
Christen ist bange /
Wünschen ihr leben
Von sich zu geben.


  

deutsche Treue

5. Drum verlanget mich allein
Selig auß der welt zu gehen :/:
Und bey meinem GOtt zu seyn /
Daß ich vor ihm möge stehen /
Anzuschauen seine macht /
Und der außerwehlten pracht /
Da sie jetzt alle
Christum mit schalle /
Loben und singen /
Jauchtzen und springen.

6. Zwar das fleisch ko ts sauer an
Von den freunden abzuscheiden :/:
Doch wann ich gedenck daran /
Wie ich [p. 549] komm zu grossen freuden /
Scheid ich gern / weils GOtt gefällt /
Dem ich alles heimgestellt /
Der wird euch geben
Seegen und leben /
Der wird euch lehren /
Schützen und nehren .

7. Nun / GOtt lob / es ist vollbracht /
So will ich mit freuden fahren :/:
Nun zu tausend guter nacht /
GOtt der wolle euch bewahren :
Alle die ihr mich geliebt /
Und euch über mich betrübt /
Macht es ein ende /
Folgt mir behende /
Lasset euch geben
Himmlisches leben.


646.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
584 646 692 688 688 688 688
p. 535 549 893 592 531 769 531

NUn ade ! der abschied ist geno en /
Solte mich das sterben schwer ankommen /
Hat es doch auff dieser bahn /
Christus selbst uns vorgethan /
Zu der menschen frommen.


Nun ade
ankommen

  

Frommen

2. Er hat uns durch seinen tod gerochen /
Ist dem tod durch seine krufft gebrochen /
Herrschet jetzt ins Vatters reich /
Hat uns all   allzugleich
Gleichen sieg versprochen.

gerochen

3. Wie solt mich das sterben dann erschrecken /
Diese krufft wird mich nicht ewig decken /
Christus / der den weg gemacht /
Wird auch mich auß dieser nacht
Zu dem liecht erwecken.

4. Ach ! was wird es da für freude geben /
Wann ich bey dem Heyland werde leben /
Wann bey seinem angesicht
Ich in reichem himmels-licht
Ewig werde schweben.

5. Diese freude hat schon angefangen /
Bald wird auch der leib darzu gelangen /
Wann ich seelge himmels-braut /
Auch in dieser meiner haut /
Vor GOTT werde prangen.

meiner Haut


647.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
585 647 693 689 689 689 689
p. 536 549 894 592 531 769 531

O Welt ! ich muß dich lassen /
Ich fahr dahin mein strassen /
Ins ewig vatterland :
Mein'n geist will ich auffgeben /
Darzu mein'n leib und leben
Setzen in GOttes gnädig hand.


O Welt
Straße

2. Mein zeit ist nun vollendet /
Der tod das leben endet /
Sterben ist mein gewinn :
Kein bleiben ist auff erden /
Das ewig muß mir werden /
Mit fried und freud ich fahr dahin.



Gewinn

3. Ob mich gleich hat betrogen
Die welt / von GOtt abzogen /
Durch schand und büberey :
Will ich doch nicht verzagen /
Sondern mit glauben sagen /
Daß mir mein sünd vergeben sey.


abzogen

4. Auf Gott steht mein vertrauen /
Sein ang'sicht will ich schauen
Warlich durch JEsum Christ :
Der vor mich ist gestorben /
Des Vatters huld erworben /
Mein mittler er auch worden ist.

vor mich

  

5. Die sünd mag mir nicht schaden /
Erlößt bin ich auß gnaden /
Umsonst durch Christi blut.
Kein werck ko t mir zu from-[p. 550]men :
So will ich zu ihm kommen
Allein durch wahren glauben gut.



umsonst

6. Ich bin ein unnütz knechte /
Mein thun ist viel zu schlechte /
Denn daß ich ihm bezahl
Damit das ewig leben /
Umsonst will er mirs geben /
Und nicht nach mein'm verdienst und wahl.

unnütz

7. Drauff will ich frölich sterben /
Das himmelreich ererben /
Wie er mirs hat bereit't :
Hier mag ich nicht mehr bleiben /
Der tod thut mich vertreiben /
Mein seel sich von mein'm leibe scheid't.

8. Damit fahr ich von hinnen /
O welt thu dich besinnen /
dann du must auch hernach :
Thu dich zu GOtt bekehren /
Und von ihm gnad begehren  /
Im glauben sey du auch nicht schwach.


o Welt

9. Die zeit ist schon vorhanden /
Hör auff von sünd und schanden
Und richt dich auff die bahn /
Mit betten und mit wachen/
Sonst all' irdische sachen
Solt du gutwillig fahren lan.



richt dich
wachen

10. Das schenck ich dir am ende /
Ade ! zu GOtt mich wende /
Zu ihm steht mein begier :
Hüt dich vor pein und schmertzen /
Ni   mein abschied zu hertzen /
Meins bleibens ist jetzt nicht mehr hier.

schenke

  

  

Bleibens

Abschied von Freunden

648.) Mel. Zion klagt mit angst und &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
586 648 694 690 690 690 690
p. 537 550 895 593 532 771 532

LAsset ab / ihr meine lieben /
Lasset ab von traurigkeit :/:
Was wolt ihr euch noch betrüben ?
Weil ihr des versichret seyd /
Daß ich alle quaal und noth
Uberwunden / und bey GOtt
Mit den außerwehlten schwebe
Voller freud / und ewig lebe.


Lasset ab

  

  



lebe

2. Derer todt soll man beklagen /
Die dort in der höllen pein :/:
Müssen leiden alle plagen /
So nur zu erdencken seyn :
Die GOtt aber nimmt zu sich
In den hi el / gleich wie mich /
Und mit lauter wollust träncket /
Wer ists / der sich darob kräncket ?

3. In des HErren JEsu wunden
Hab ich mich geschlossen ein :/:
Da ich alles reichlich funden /
Wodurch ich kan selig seyn.
Er ist die gerechtigkeit /
Die für GOTT gilt jederzeit /
Wer dieselb ergreifft im glauben /
Dem kan nichts den himmel rauben.


Gerechtigkeit

4. Niemand sag, ich sey umkommen /
Ob ich gleich gestorben bin :/:
Mein GOtt hat mich hingeno en /
Sterben ist jetzt mein gewinn.
Für dem unglück hat er mich
Hingerafft so vätterlich :
Jetzt kan mich kein trübsal pressen /
Aller angst ist nun vergessen.

niemand

[p. 551]
5. Der leib schläfft in seiner kammer
Ohne sorgen / sanfft und wohl :/:
Und verschläfft den grossen jammer /
Dessen jetzt die welt ist voll.
Meine seele schauet an
Den / so nichts als lieben kan /
Der auff seinen schooß mich setzet /
Und mit höchster freud ergetzet.

so

  

6. In der welt ist nichts zu finden /
Als nur theurung / pest und streit :/:
Und was mehr die grossen sünden
Bringen für beschwerlichkeit ;
Sonderlich ko t noch ein schwerdt /
Das der Christen hertz durchfährt :
O viel besser selig sterben /
Dann durch disen zwang verderben.

Schwert

7. Solcher noth bin ich entgangen /
Nichts ist / das mich ängsten kan :/:
Fried und freud hat mich umfangen /
Kein feind kan mich sprengen an :
Ich bin sicher ewiglich
In des HErren hand / der mich
Ihm zum eigenthum erworben /
da er ist am creutz gestorben.

ansprengen

8. Euch wird / meine liebste freunde /
Die ihr weinet in der welt :/:
Schützen wider alle feinde
GOttes Sohn / der starcke held.
Seyd und bleibt ihm nur getreu /
Seine gnad ist täglich neu :
Wer betrübte will betrüben /
Der muß wie die spreu verstieben.

Gottes Sohn

  

  

verstieben

9. Nun will ich euch dem befehlen /
Der sich euren Vatter nennt :/:
Der die thränen pflegt zu zehlen /
Dem sein hertz für liebe brennt.
Der wird euch in eurem leyd
Trösten / und zu seiner zeit
An den ort / da ich bin / führen /
Und mit höchster klarheit zieren.


  

dem sein Herz

10. Da wird uns der tod nicht scheiden /
Der uns jetzt geschieden hat :/:
GOtt selbst wird uns alsdann weyden /
Und erfreu'n in seiner stadt.
Ewig / ewig werden wir
In dem paradeiß allhier
Mit einander jubilieren /
Und ein englisch leben führen.


allhier

  


649.) Mel. Meinen JEsum laß ich nicht / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
587 649 695 691 691 691 691
p. 538 551 897 594 533 772 533

FReunde / stellt das weinen ein /
Wischt die thränen von den wangen /
Was soll doch das klagen seyn
Daß ich von euch weggegangen ?
Trauret nicht um meinen todt /
Ich bin frey von aller noth.


Freunde

  

2. Da mein leib darnieder fiel /
Fiel auch mit mein feind darnieder /
Meiner seelen höchstem ziel
Ware je mein fleisch zu wider.
Weil mein leib nun weggerafft
Ist mir süsse ruh geschafft.


Feind
  
je

3. Auß dem kercker geh ich auß /
Auß der angst und auß dem jammer /
Biß mich GOTT ins himmels-hauß
Rufft auß meiner erden-kammer.
Was klagt ihr den todt so an /
Der nichts arges mir gethan.

4. Sagt / was dieses leben sey ?
Ist es nicht ein weg zu nennen /
Der von dornen niemals frey ?
Alle müsset ihr bekennen /
Daß mein schwerer gang vollbracht /
Da ich gebe gute nacht.

5. Was für elend und für leyd
Müßt ihr täglich noch erfahren /
Die ihr auf der erden seyd /
Wie könt ihr euch gnug verwahren ?
Der nur bleibet unversehrt /
Der ins sichre grab gekehrt.



verwahren

[p. 552]
6. Bin ich todt ? was ist es mehr ?
Ich bin auff die welt gekommen :
Klaget ihr dann nun so sehr /
Daß ich bin hinweg geno en ?
Man kommt in der welt ihr hauß /
Daß man wieder geh hinauß.


der Welt

7. Ferner hat mein Jesus mir
Dort die seligkeit erworben /
Geh ich ein zur grabes-thür ?
Ich bin da och unverdorben.
Durch des HErren aufferstehn
Werd ich in den himmel gehn.

8. Seht mit muntrem angesicht /
Wie ich werd ins grab gesencket/
Dann es ist mein leben nicht
Ewig von mir abgelencket :
Es soll mir in jener welt
Schöner werden zugestellt.



abgelenket

9. Stirbt ein Christ / so stirbt sein leid /
Auch sein tod stirbt mit dem sterben /
Ich erwarte nur der freud /
Die ich ewig soll ererben.
Zeitlichkeit fahr immer hin /
Weil ich jetzt verewigt bin.

10. Freunde / stellt das weinen ein /
Wischt die thränen von den wangen /
Was soll doch das klagen seyn /
Daß ich von euch weggegangen :
Trauret nicht um meinen todt /
Ich bin frey von aller noth.


Abschied Junger Leuthe

650.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
588 650 696 692 692 692 692
p. 539 552 898 595 534 773 534

MEin junges leben hat ein end /
Mein leid und meine freud /
Jetzt wird mein leib und seel getrennt /
Durch bittern todes-streit /
Mein leben kan nicht länger stehn /
Es ist sehr schwach und muß vergehn /
Wie schatten / rauch u   dampff.


Mein junges

2. Der geist wird dort hinauff gerafft /
Vor Gottes angesicht /
Der cörper wird ins grab geschafft /
Verweßt / und wird zu nicht /
Als wenn er nie gewesen wär /
Auch nimmer wäre kommen her /
Auß meiner mutter leib.

gerafft

geschafft

3. Ade ! o welt / ade ! ade !
Ich muß dich lassen nun /
Weil ich den weg des todes geh /
Wie alle menschen thun :
Ich hab in dir doch keine ruh /
Man druck mir dann die augen zu /
Und leg mich in das grab.

4. Nicht klag ich / daß ich scheiden soll /
Von dir / du schnöde welt /
Allein mein hertz ist traurens-voll /
Wenn mir die sünd einfällt /
So ich bey lebens-zeit verbracht /
Die mich auch jetzt zur leichen macht /
Und bringt mich in die erd.



traurens-voll

verbracht

5. O JEsu / reich von güt und gnad /
Ich habe mißgethan /
Und meine sünd und missethat
Die klagt mich hefftig an /
Jedoch will ich verzagen nicht /
Vielmehr dein göttlich angesicht
Um gnade ruffen an.


missgetan

[p. 553]
6. Ach HErr und Gott ! mein creutz und pein
Ertrag ich mit gedult /
Und bitte dich / o JEsulein /
Verzeih mir meine schuld /
Ni   mich in gnaden auff zu dir /
Und laß den zorn / der gegen mir
Vor etwan hat gebrennt.

vor etwan

7. O Heyland / meiner seelen rast /
Schau an / wie ohne ziel
Mich angst und trübsal hat umfaßt /
Und gantz verzehren will :
Mein hertz brennt / wie ein heisser stein /
Und ist bestrickt mit quaal und pein :
Errette mich davon.


ohne Ziel

8. Ich habe keine freude hier /
In dieser bösen welt /
Will gar mit willen weg von ihr /
Wa s GOtt allso gefällt ;
Den freunden geben gute nacht /
Und in das grab / so mir gemacht /
Zur stillen ruhe gehn.

allso

9. Gehabt euch wohl / o sonn und mond /
Ihr sternen / laub und gras /
Und alles was auff erden wohnt /
See / lufft / der vögel straß /
Ich will nun Christo meinen geist
Befehlen / der von euch verreist.
Ade zu guter nacht.

Nacht

Abschied der Kinder von Eltern

651.) Melod. Hertzlich thut mich verlangen

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
589 651 697 693 693 693 693
p. 540 553 900 596 535 775 535

SO hab ich obgesieget /
Mein lauff ist nun vollbracht.
Ich bin gar wol vergnüget :
Zu tausend guter nacht !
Ihr aber / meine lieben /
Thut nicht so ängstiglich /
Was wollt ihr euch betrüben ?
Stehts doch sehr gut um mich.

So hab ich
obgesieget

  

  

ängstiglich

2. Denckt / Vatter ! wie viel sorgen /
Wie manche wache-nacht /
Wie manchen düstern morgen
Ein liebes kind offt macht :
Was ihm kan wiederfahren
Das fürchtet / der ihn liebt :
Den kummer könnt ihr sparen /
Drum seyd nicht so betrübt.

denkt

3. Auch / mutter ! laßt die zähren /
Stellt euer klagen ein :
Allein GOttes begehren
Das muß erfüllet seyn.
Darum ihr jetzo weinet /
Und gar zu kläglich thut /
Das ist sehr wol gemeinet /
GOtt machet alles gut.

  


Darum

gemeinet

4. Die freude die sich reget
Bey einem wandersmann /
Wann er die reiß hinleget /
Und glücklich kommet an :
Die freude / die empfindet
Ein schiffer / wann er schier
Ein'n sichern hafen findet /
Die spür ich jetzt bey mir.



hinleget

  

schier

5. Fahr hin / o angst und schmertzen /
Fahr im-[p. 554]mer / immer hin /
Ich freue mich von hertzen /
Daß ich erlöset bin.
Ich leb in tausend freuden
In meines schöpffers hand /
Da trifft noch rührt kein leiden /
So dieser welt bekandt.


immer

  

  


so

6. Die noch auff erden wallen
In irrthums-voller zeit /
Vermögen kaum zu lallen
Von froher ewigkeit.
Viel besser wol gestorben /
Als in der welt gelebt /
Die schwachheit ist verdorben /
Worinnen ich geschwebt.

verdorben
  

7. Schmückt meinen sarg mit kräntzen /
Wie sonst ein siegs-mann prangt /
Auß jenem himmels-lentzen
Hat meine seel erlangt
Die ewig grüne krone :
Die werthe sieges-pracht
Rührt her von GOttes Sohne /
Der hat mich so bedacht.



Lenzen   

8. Noch netzet ihr die wangen /
Ihr eltern über mir /
Euch hat das leyd umfangen /
Das hertze bricht euch schier.
Des vatters treue liebe
Sieht sehnlich in mein grab /
Die mutter stehet trübe /
Und kehrt die augen ab.

9. Ich war euch nur geliehen /
Auff eine kurtze zeit /
Will GOtt mich zu sich ziehen /
So werffet hin das leyd /
Und sprecht : GOtt hats gegeben /
Gott nimms / du hast es recht /
Bey dir steht todt und leben /
Der mensch ist GOttes knecht.



gegeben

10. Seht nicht an meine jahre /
Gedenckt vielmehr zurück /
Daß ich ein mensch hie ware /
Und jeden augenblick
Zum tode reif und zeitig /
Von erster kindheit an :
Wie seyd ihr doch so streitig
In dem / was GOtt gethan.

streitig

11. Daß ihr mein grab müßt sehen /
Zeigt unsern schwachen stand.
Daß es so bald geschehen /
Thut GOTTES vatter-hand.
GOtt wird das leyd euch stillen.
Ich sterbe nicht zu jung :
Wer stirbt nach GOttes willen /
Der stirbt schon alt genung.

12. Schein ich zu früh entno en ?
Sag jemand / kan man auch
Zu früh in himmel kommen ?
GOtt bleibt bey dem gebrauch :
Er eylet mit den seinen
Zur schönen himmels-pracht.
Wer mag nun den beweinen /
Der bey den engeln lacht.

entnommen

Nachruff der Betrübten
13. Fahr wohl / o liebe seele !
Geneuß der süssen lust /
Uns in der trauer-höle
Ist nichts hiervon bewußt.
Wann wird doch [p. 555] angelangen
Desselben tages schein /
Daß du uns wirst empfangen ?
O möcht es heute seyn.

  

angelangen

652.) Mel. O welt ich muß dich lassen / &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
590 652 698 694 694 694 694
p. 541 555 902 598 536 776 536

GOtt lob / die stund ist kommen /
Daß ich werd' auffgenommen
Ins schöne paradeiß :
Ihr eltern dörfft nicht klagen /
Mit freuden solt ihr sagen :
Dem höchsten sey lob / ehr und preiß.


Gott Lob

  

dörft

2. Wie kans GOtt besser machen ?
Er reißt mich auſ dem rachen
Des teuffels und der welt :
Die jetzt wie löwen brüllen /
Ihr grimm ist nicht zu stillen /
Biß alles übern hauffen fällt.


die jetzt

3. Diß sind die letsten tage /
Da nichts als angst und plage
Mit hauffen bricht herein.
Mich nimmt nun GOtt von hinnen /
Und lässet mich entrinnen
Der überhäufften noth und pein.

4. Kurtz ist mein irdisch leben /
Ein bessers wird mir geben
GOtt in der ewigkeit :
Da werd ich nicht mehr sterben /
In keiner noth verderben /
Mein leben wird seyn lauter freud.

5. GOtt eilet mit den seinen /
Läßt sie nicht lange weilen
In diesem thränen-thal.
Ein schnell und selig sterben
Ist schnell und glücklich erben
Des schönen himmels ehren-saal.

Gott eilet

6. Wie öffters wird verführet
Manch kind / an dem man spühret
Rechschaffne frömmigkeit.
Die welt voll list und tücke
Legt heimlich ihre stricke
Bey tag und naccht zu jeder zeit.

wie öfters

7. Ihr netze mag sie stellen /
Mich wird sie nun nicht fällen /
Sie wird mir thun kein leid.
Dann wer kan den verletzen /
Den Christus jetzt wird setzen
Ins schloß vollkommner sicherheit ?

8. Zuvor bracht ich euch freude /
Jetzt nun ich von euch scheide /
Betrübt sich euer hertz :
Doch wa   ihrs recht betrachtet /
und was GOtt thut / hoch achtet /
Wird sich bald lindern euer schmertz.


jetzt nun

9. GOtt zehlet alle stunden /
Er schlägt und heilet wunden :
Er kennet jedermann.
Nichts ist jemals geschehen /
Das er nicht vor gesehen :
All's / was er thut / ist wohl gethan.

wohl getan

10. Wann ihr mich werdet finden
Für GOtt / frey aller sünden /
In weisser seiden stehn :
Und tragen sieges-palmen
In händen / und mit psalmen
Der HErren ruhm und lob erhöhn :

erhöhn

11. Da werdet ihr euch freuen /
Es wird euch hertzlich reuen /
Daß ihr euch so betrübt.
Wol dem / der GOttes willen
Gedencket zu erfüllen /
Und sich ihm in gedult ergibt.

12. Ade ! nun seyd gesegnet :
Was jetzund euch begegnet /
Ist andern auch geschehn :
Viel müssens noch erfahren.
Nun ! GOtt woll euch bewahren /
Dort wollen wir uns wieder sehn.

Klag-Lied eines Wittwers. Nota

653.) Melod. Wann wein stündlein vorhanden &c.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
591 653 699 695 695 695 695
p. 542 555 904 599 537 778 537

[p. 556]
ACh GOtt ! ich muß in traurigkeit
Mein leben nun beschliessen /
Dieweil der todt von meiner seit
So eilends hat gerissen
Mein treues hertz / der tugend schein /
Deß muß ich jetzt beraubet seyn /
Wer kan mein elend wenden ?


Ach Gott

  


Herz

2. Wa   ich an ihre freundlichkeit
Gedenck in meinem hertzen /
Die sie mir hat zu jederzeit /
In freud und auch in schmertzen /
Erwiesen gantz beständiglich /
Mein creutz und weinen mehret sich /
Vor angst möcht ich vergehen.


Angst

3. Bey wem soll ich auff dieser welt /
Rechtschaffne liebe finden ?
Der meiste theil nicht glauben hält /
Die treu will gar verschwinden.
Ich glaub und red es ohne scheu /
Die best ist doch getraute treu /
Die muß ich jetzt enrahten.


getraute

4. Fürwahr mir geht ein scharffes schwerdt
Jetzund durch meine seele /
Die abzuscheiden offt begehrt
Auß ihres leibes höle.
Wo du nicht / o HErr JEsu Christ /
In solchem creutz mein tröster bist /
Muß ich vor leid verzagen.

5. O treu geliebtes seelges hertz
Zu dir will ich mich wenden
In diesem meinem grossen schmertz /
Ob sich mein angst wolt wenden.
Ich will betrachten deinen stand /
Wie GOtt dir alles creutz gewandt
In höchste freud und wonne.

wollt wenden

6. Kein angst und trübsal / weh und noth
Kan dich jetzund verletzen /
Im himmel thut der fromme GOtt
Mit liebe dich ergetzen.
Die seele schaut mit lust und freud
Die heilige Dreifaltigkeit
Mit allen außerwehlten.

7. Der höchst hat dich in seinem schooß /
Und wischt dir ab die thränen :
Erfüllet dich mit freuden groß /
Danach wir uns auch sehnen.
Lobsingest GOtt frey ohn gefahr /
Du stehest bey der engel-schaar /
Mit süssem thon und schalle.

8. Der leibe der ruht sanfft und fein /
Ohn alle quaal und sorgen :
Für allem unglück groß und klein /
Ligt er darinn verborgen /
Kein beinlein / ja kein stäubelein /
Wird dir darvon verlohren seyn /
Die engel dich bewahren.

Leibe

9. In kurtzer zeit wird Jesus Christ
Dich wieder aufferwecken :
Und weil du auch sein schäfflein bist /
Wird er die händ außstrecken /
Dich führen in sein himmelreich /
Daß du mit leib und seel zugleich
Bey ihm solt ewig bleiben.

10. Du kommst nicht wieder her zu mir
In diß betrübte leben :
Ich aber komm hinauff zu dir /
Da werd ich mit dir schweben
In höchster freude / wonn und lust /
Die deine seele täglich kost /
Drauf ich mich hertzlich freue.



Ich aber

  

kost

11. O wie mit grosser freudigkeit
Woll'n wir einander ke en /
Da wird uns dann zu keiner zeit
Der bittre todt mehr trennen.
Ach welche freude wird dann seyn /
Wa   ich dich / die ich jetzt bewein /
Mit freuden werd umfangen.


kennen

12/ Diß will ich stets in traurigkeit
Mir zu gemüthe [p. 557] führen /
Erwarten in gedult der zeit /
Die Christen will gebühren.
GOtt alles trostes steh bey mir /
Und mich durch seinen Geist regier /
Zu seines namens ehren.

Die
Gott

_____________________________________________________

Vom Jüngsten Gericht.

654.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
592 654 700 696 696 696 696
p. 544 557 905 600 538 779 538

ES ist gewißlich an der zeit /
Daß GOttes Sohn wird ko en :/:
In seiner grossen herrlichkeit /
Zu richten böß und frommen.
Da wird das lachen werden theur /
Wann alles wird vergehn im feur /
Wie Petrus davon schreibet.

Es ist

  

  


Petrus

2. Posaunen wird man hören gahn
An aller welte ende :/:
Da wird GOtt fordern für sein'n thron
All menschen gar behende.
Da wird der tod erschrecken sehr /
Wann er wird hören neue mähr /
Daß alles fleisch soll leben.

3. Ein buch wird da gelesen bald /
Darinnen steht geschrieben :/:
Wie GOtt wird richten jung und alt /
Soll nichts verborgen bleiben.
Da wird ein'm jeden komm'n zu hauß /
Was er hie hat gerichtet auß
In seinem gantzen leben.

  

zu Haus

4. Hilff du heil'ge Dreyfaltigkeit /
Daß mein nam werd gefunden :/:
Im buch des lebens allezeit /
Biß an mein letste stunden.
Weich nicht von mir / HErr JEsu Christ /
Der du allein mein helffer bist /
Du woll'st von mir nicht scheiden.

5. Was werd ich armer sünder da
Vor deinem richtstuhl sagen :/:
Was werd ich vor ein'n vorsprech han /
Der mein sach wird außtragen ?
Das wirst du thun / HErr JEsu Christ /
Dieweil daß du gestorben bist /
All sünder zu erlösen.

Vorsprech

  

6. Wann ich / HErr / meine sünd bedenck /
Mein' augen die thun weinen :/:
Wann ich die ewig freud bedenck /
Mein hertz thut sich erfreuen.
HErr hilff / daß ich dein angesicht
Mög seh'n mit meinem augenlicht
In dem ewigen leben.

7. HErr JEsu Christ / du machst es lang
In diesen bösen tagen :/:
Den leuten wird auff erden bang /
Laß sie doch nicht verzagen.
Schick ihn'n den tröst'r den heil'gen Geist /
Der sie leit in das himmelreich /
Um dein selbst willen / Amen

655.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
593 655 701 697 697 697 697
p. 545 558 907 601 539 781 539

GOtt hat das evangelium
Gegeben / daß wir werden fromm.
Die welt acht't solchen schatz nicht hoch /
Der mehrer theil fragt nichts darnach.
Das ist ein zeichen vor dem jüngst   tag.


Gott hat das

2. Man fragt nicht nach der guten lehr /
Der geitz und wucher noch vielmehr
Hat überhand geno en gar /
Noch sprechen sie : es hat kein g'fahr.
Das ist ein zeichen vor dem jüngsten tag.

keine Gefahr

3. Täglich erdenckt man neue netz /
Das sind der gottlosen gesetz /
Damit sie alles gut zu sich
Gern wollen reissen g'waltiglich.
Das ist &c.

4. Man rühmt das evangelium /
Und will doch niemand werden fromm /
Fürwar man spott't den lieben GOtt /
Noch sprechen sie : es hat kein noth.
Das ist &c.

keine Not

5. Es ist doch eitel büberey /
Die welt treibt grosse schinderey /
Als ob kein GOtt im hi el wär /
Das armuth muß sich leiden sehr.
Das ist &c.

Büberei

  

sich leiden

6. Die schätz der kirchen ni t man hin /
Das wird ihn'n bringen kein'n gewinn /
Die armen läßt man leiden noth /
U   ni t ihn'n auß dem mund das brod.
Das ist &c.

Kirchen

7. Die schätz der kirchen sind ihr gifft /
Sie sind von ihnen nicht gestifft /
Noch nemmen sie das kirchen-gut /
Sih ! was der leidig geitz nicht thut.
Das ist &c.

Kirchengut

8. Man fragt nach GOtt dem HErrn nicht mehr / /
Die welt stinckt gantz nach eitel ehr /
Die hoffart ni t gantz überhand /
Betriegen / lügen ist kein schand.
Das ist &c.

9. Wo bleibt die brüderliche lieb ?
Die gantze welt ist voller dieb /
Kein treu noch glaub ist in der welt /
Ein jeder spricht : hätt ich nur gelt.
Das ist &c.

10. Die welt will ihr nicht lassen wehr'n /
An Gott's wort will sich niemand kehr'n /
Sie haben nichts gelernet mehr /
Dann nur fressen und sauffen sehr.
Das ist &c.

ihr

11. Ihr gröste kunst ist panquetiern /
Und in der büberey studiern /
Das kan sie auß dermassen wohl /
Die welt ist aller schalckheit voll.
Das ist &c.

panquetieren

aus dermaßen

12. Die liebe sonne kan nicht mehr
Zusehen / und entsetzt sich sehr /
Darum verleurt sie ihren schein /
[p. 559] Das mag ein grosse trübsal seyn.
Das ist &c.

verleurt

13. Der mond und sternen ängsten sich /
Und ihr gestalt sieht jämmerlich /
Wie gern sie wolten werden frey
Von solcher grossen büberey.
Das ist &c.


sieht

14. Darum komm / lieber HERRE Christ /
Das erdreich überdrüssig ist /
Zu tragen solche höllen-bränd /
Drum machs einmal mit ihr ein end /
Und laß uns sehn den lieben jüngsten tag.

Höllenbrand


656.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
594 656 702 698 698 698 698
p. 546 559 909 602 540 782 540

WAchet auf / rufft uns die stimme /
Der wächter sehr hoch auff der zinne /
Wach auff du statt Jerusalem :/:
Mitternacht heißt diese stunde /
Sie ruffen uns mit hellem munde /
Wo seyd ihr klugen jungfrauen ?
Wol auff / der bräut'gam kommt /
Steht auff / die lampen nemmt /
Alleluja :
Macht euch bereit
Zu der hochzeit /
Ihr müsset ihm entgegen gehn.


Wachet auf

2. Zion hört die wächter singen /
Das hertz thut ihr vor freuden springen /
Sie wachet und steht eilend auff :/:
Ihr freund ko t vom hi el prächtig /
Von gnaden starck / von warheit mächtig /
Ihr liecht wird hell / ihr stern geht auff.
Nun ko   du werthe kron /
HErr JEsu GOttes Sohn /
Hosianna :
Wir folgen all
Zum freuden-saal /
Und halten mit das abendmahl.

3. Gloria sey dir gesungen
Mit menschen- und mit engel-zungen /
Mit harpffen und mit cymbeln schön :/:
Von zwölff perlen sind die pforten
An deiner statt / wir sind consorten
Der engel hoch um deinen thron.
Kein aug hat je gespürt /
Kein ohr hat je gehört
Solche freude /
Deß sind wir froh /
Io / io /
Ewig in dulci jubilo.


Engel-
Harpfen
Perlen
Consorten

  

  


io io


657.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
595 657 703 699 699 699 699
p. 547 559 909 603 540 783 540

WAch auff / wach auff du sichre welt /
Der letste tag wird warlich kommen /
Denn was im himmel ist bestellt /
Wird durch die zeit nicht hingenommen /
Ja was der Heiland selbst geschworen /
Soll endlich allzumal geschehn /
Ob gleich die welt muß untergehn /
So wird sein wort doch nicht verlor .

Wach auf
sichre

2. Sprich nicht / du schnödes sünden-kind /
Man hat schon längst davon gelehret /
Und folgt doch nichts. Ach ! du bist blind /
Der satan hat dein hertz bethöret /
Ja / spötter / du darffst gar nicht sorgen /
Ob gülten Christi worte nicht /
Nein / bringen wird er für [p. 560] gericht
Was hier gewesen gantz verborgen.


sorgen

3. Ich schaff und wircke was ich woll /
Im essen / trincken / schlaffen / wachen /
So hör ich angst und schreckens voll /
Lufft / himmel / erd und wasser krachen /
Ich höre schon die stimm erschallen :
Steht auff ihr todten / geht herfür /
Hier ist die höll und himmels-thür /
Mein GOtt läßt mich zu dieser wallen.

wolle

  

Luft etc.

  

lässt mich

4. Wach auff der letste tag ist nah /
Es lehrens ja des himmels zeichen /
Die klare liechter stehen da /
Als wolten sie bald von uns weichen /
Das firmament läßt sich bewegen /
Es wütet das erzörnte meer /
Die flüsse lauffen über her /
Die winde wollen sich nicht legen.

überher

5. Den leuten ist auff erden bang /
Sie gehen stets in traur-gedancken /
Es wäret leider ! allzulang
Das streiten / kriegen / rauben / zancken /
Die nahrung kan man kaum erwerben /
Die fro en werden sehr geplagt /
Der eine heult / der ander klagt /
Die meisten wünschen bald zu sterben.

sterben

6. Der HErr verzeucht die letste zeit /
Dieweil er uns so hertzlich liebet /
Und nur auß lauter freundlichkeit
Uns frist und raum zur busse gibet /
Er weißt gar sanfft mit uns zu fahren /
Hält auff den lieben jüngsten tag /
Daß sich der frommen glauben mag /
Sampt lieb und hoffnung / offenbahren.

verzeucht

  


weißt

7. Wach auff ! der HErr kommt zum gericht /
Er wird sehr prächtig lassen schauen
Sein richterliches angesicht /
Das die verda ten machet grauen /
Seht / den der Vatter lässet sitzen
Zu seiner rechten / der die welt
Zu seinen füssen hat gestellt /
Der ko t mit do ern / feur und blitzen.


sitzen

8. Es wird ihn sehen Caiphas /
Der ihn so fälschlich hat verdammet /
Pilatus der wird werden blaß /
We   dieses richters antlitz flammet /
Auch Judas / der ihn hat verrathen /
Herodes / der ihn bracht in spott /
Die werden denn / o grosser GOtt /
Verfluchen ihre böse thaten.

Herodes

  

9. Sehr lieblich wird im gegentheil
Erscheinen dieser tag den frommen /
An welchem ihr erwünschtes heil
Sie frey zu machen ist gekommen /
Der rechte Josua wird bringen
Die seinigen mit starcker hand
In das gelobte vatterland /
Ein sieges-lied daselbst zu singen.

Josua

10. Sind gleich die zeiten so verkehrt /
Daß wir für unmuth schier vergehen /
Wird schon die trübsal so vermehrt /
Daß auch kein ziel daran zu sehen ;
Geduldet euch / bald wird sich enden
Des lebens schwere pilgramschafft /
Bald werden wir dahin gerafft /
Wo sich die plagen von uns wenden.


Ziel

Pilgramschaft

11. Der frühling ist schon vor der thür /
Der feigen-baum will laub gewinnen /
Die blümlein schiessen auch herfür /
Die zeit erneuert uns die sinnen /
Bald kommt das rechte sommer-leben /
In welchem unser leib wird seyn
Verkläret / wie der sonnen-[p. 561]schein /
Den uns der jüngste tag wird geben.

Frühling

12. Wach auff / wach auff / du sichre welt /
Sehr schnell wird dieser tag einbrechen /
Wer weißt wie bald es GOtt gefällt /
Sein will ist gar nicht außzusprechen /
Ach hüte dich vor geitz und prassen :
Gleichwie das vöglein wird berückt /
Noch eh es seinen feind erblickt /
So schnell wird dieser tag dich fassen.

berückt

  

13. Wolan so laßt uns tag und nacht
Anhalten mit gebett und wachen /
Und auff den HErren geben acht /
Gleichwie es treue knechte machen /
Ko t / lasset uns entgegen gehen
Dem bräutigam zu rechter zeit /
Damit wir in der ewigkeit
Sampt allen englen für ihm stehen.

wohlan

  

  

Bräutigam

658.
In seiner eigenen Melodey.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
596 658 704 700 700 700 700
p. 548 561 912 604 542 785 542

DEr grosse tag des HErren /
Der tag zur rach bestellt /
Kan jetzt nicht mehr seyn ferren :
Nah ist das end der welt /
Drum / mensch / bey zeit
Dein hertz bereit /
Steh auff vom schlaff der sünden /
Damit dich nicht
GOtt im gericht
Untüchtig möge finden.

Der große Tag

  

ferren

  

Schlaf

  

untüchtig

2. Er selber wird auffschlagen
Die bücher / und darauß
Genau ein'm jeden sagen /
Wie er gehalten hauß :
Drauf wird mit spott
Der sünder rott
Bald zu der höllen müssen :
Da allzumal
Am ort der quaal
Sie werden ewig büssen.


  

gehalten Haus

3. Zorn / ungnad / furcht und schrecken
Ist ihnen da bereit /
Kein berg wird sie bedecken /
Noch schützen für dem leid.
Ihr wurm sie nagt /
Ihr feur sie plagt :
Und mögen doch nicht sterben.
O grosse noth !
Da auch der tod
Nicht endet das verderben.

  

bedecken

  

Wurm, Feuer

4. So straffst du / HErr / die sünden /
Dein urtheil ist gerecht :
Ach laß mich gnade finden /
Sprich mich / den bösen knecht /
Durch deine huld /
Frey aller schuld /
Daß ich der straff entgehe /
Und recht bereit /
Mit freudigkeit /
Vor deinem richtstul stehe.


659.) Melod. Hertzlich thut mich verlangen.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
597 659 705 701 701 701 701
p. 549 561 912 605 542 786 542

LAßt ab von sünden alle /
Laßt ab / und zweiffelt nicht :/:
Daß Christus wird mit schalle
Bald kommen zum gericht.
Sein stuhl ist schon bereitet /
Der HErr kommt offenbar /
Er ko t und wird begleitet
Von einer grossen schaar.

Lasst ab

2. Erschrick / o sichre seele /
Diß ist der letste tag :/:
Dein leib kommt auß der höle /
Darin er schlaffend lag.
Da must du stehn entkleidet /
Und hören an mit scheu /
Wie Christus selber scheidet
Den weitzen von der spreu.

sichre

  


  


Spreu

3. Wol dir / so du geschmücket
In wahrem glauben bist :/:
Alsdann wirst du gerücket
Hinauff zu JESU Christ.
Weh aber dir von hertzen /
Drückt dich der sünden joch /
Der satan wird mit schmertzen
Dich stürtzen in sein loch.

4. Was wird der richter machen ?
Der richtet nicht allein :/:
Er wird zugleich in sachen
Dein wahrer zeuge seyn.
Dann wirst du sehr erschrecken /
Wann auff dem [p. 562] urtheils-plan
Der richter wird auffdecken /
Was heimlich du gethan.

5. Wie wilt du doch besteh  
Für seinem grossen zorn :/:
Wa   er dich lässet sehen
Die wunden / schläg und dorn /
Und was er mehr getragen /
O schnöder knecht / vor dich /
Bald wird dich Christus fragen :
Mensch / warum schlugst du mich ?

mich ?

6. Hab ich nicht gern vergossen
Mein blut für deine schuld :/:
Ward ich nicht vest geschlossen /
Litt ich nicht mit gedult
Die nie verdiente straffen
Und marter / tag und nacht /
Biß ich am creutz entschlaffen
Hab alles vollenbracht.



geschlossen

  

  

vollenbracht

7. Wie hast du nun vergolten
Mir / was ich dir gethan :/:
Offt hast du mich gescholten /
Bist offt der sünden bahn /
Mit dem verfluchten hauffen /
Nur mir zum spott und hohn /
In sicherheit gelauffen /
War das nicht feiner lohn ?


gelaufen
feiner

8. Ach GOtt / wie wird erschüttern
Alsdann ein sünden-kind :/:
Israel mußte zittern /
Als es den starcken wind /
Das donnern und das blitzen /
Sampt der posaunen schall
Hört auff des berges spitzen /
Da schrie es überall.

erschüttern

Israel

9. Wie wird der sünder schreyen /
Wann ihn der richter fragt :/:
Warum er nicht mit treuen
Gethan / was ihm gesagt ?
Wie wird er können schauen
Ein solches angesicht /
Das ihm mit angst und grauen
Leib / seel und geist zerbricht.

10. Wer kan die schand erreichen /
Die er erdulden muß :/:
Der durch den tod thut schleichen
Ins grab ohn alle buß /
Und soll hernachmahls sehen
Viel heilige mit pracht
Bey GOtt dem richter stehen /
Der ihm sein urtheil macht.

erreichen

11. Die grossen GOttes-männer
Verfluchen den zugleich :/:
Den frechen friedens-trenner /
Der satans kirch und reich
Gesuchet zu vermehren
Auß böser lust allein /
Und muß nun aller ehren
Dafür entsetzet seyn.

entsetzet

12. O hi el ! es erschallet
Der sünder klag-geschrey :/:
Ihr berg und hügel fallet /
Und knirschet uns entzwey.
Bedeckt uns für dem pfule /
Dieweil zu dieser frist
Das lämmlein auff dem stule
So gar ergrimmet ist.

knirschet

13. HErr / lehre mich bedencken
Doch diesen jüngsten tag :/:
Daß ich zu dir mich lencken
Und Christlich leben mag /
Und wann ich dann soll stehen
Vor deinem angesicht /
So laß mich frölich sehen
Dein klares himmels-licht.

_____________________________________________________

Vom ewigen Leben.

660.

Ed. 1709 1722 1737 1740 1746 1754 1766
598 660 707 703 703 703 703
p. 550 562 916 608 545 789 545

O GOtt ! was ist das für ein leben /
Was ist das für ein hi lisch licht /
Das du mir wilst auß gnaden geben /
Wenn ich von dir nur lasse nicht ?
Es ist ein leben sonder todt /
Das nimmer weißt von angst und noth /
Es ist ein leben sonder trau-[p. 563]ren /
Daß soll und muß ohn ende dauren.

O Gott, was

  


  

weißt

2. Es ist ein leben sonder schmertzen /
Es ist voll hoher würdigkeit /
Da böse lust nicht ko t zum hertzen /
Da man nicht spühret zanck noch streit /
Ja da man weder tag noch nacht
Auff krieg und unruh ist bedacht /
Da man sich vollenko lich liebet /
Und GOtt zu loben stetig übet.

vollenkommlich

3. GOtt / mein hertz wallet mir für freuden /
Im fall ich nur gedencke dran /
Wie deine warheit mich bekleiden /
Und deine lieb ergötzen kan /
Wie dürstet mich nach diesem tranck !
Ich werde für verlangen kranck /
Ich habe lust diß zu betrachten/
Und deine wunder hoch zu achten.

achten

4. Das ist mein höchste freud auff erden /
Wenn ich / o HErr / in deiner gunst
So freundlich mag entzündet werden /
Und fühlen deiner liebe brunst /
Denn ich bin rechter wollust voll /
Wenn ich dich / liebster / küssen soll /
So kan ich dir mein armes leben /
Und alles / was ich hab / ergeben.

küssen

  

5. Wie bin ich doch so hoch erfreuet /
Wenn ich von dir nur reden mag /
Wenn meine seele nach dir schreyet /
Und suchet dich den gantzen tag /
Da wenn ich singen mag von dir /
O liebster Heiland für und für /
So wünsch ich tausend mal zu stehen /
Wo dich die Cherubinen sehen.


mag

  

6. Wenn ich mag täglich etwas lesen
Von deiner grossen herrlichkeit /
So kan mein schwacher geist genesen /
der dir zu dienen wird bereit /
Durch dich / o Heiland / kan allein
Mein elend mir erträglich seyn /
Ja we   ich mich zu dir mag wenden /
So wolt ich gern mein leben enden.

7. Ich wandle frölich auff den auen /
Die mir dein hand gezeiget hat /
Da kan ich solche kräuter schauen /
Welch auch der seelen wissen rath /
Da kost ich für der sünden gifft
Dein edles wort / die werthe schrifft /
Die schaffet / daß all angst verschwindet /
Und daß mein geist viel trost empfindet.



Kräuter

  

8. O seligs unbeflecktes leben !
O wundersüsses gnadenreich /
Wie kanst du so viel wollust geben /
Ja machen mich den engeln gleich /
Wie bist du doch ohn alle zeit
Umgeben mit der ewigkeit /
Wie werd ich mit so süssen weisen
In dir des höchsten güte preisen.

Leben

  

  


Weisen

9. O wolte GOtt / ich solt ablegen
Bald meiner sünden schwere last /
Die mir so manche noth erregen /
Ja zu verzweiffeln treiben fast /
O wolte GOtt ! ich solte mich
Entkleiden durch des todes-stich
Und / was ich wünsche mit verlangen /
Die himmels krone bald empfangen.

10. O daß ich von der hand des HErren
Solt ewiglich begabet seyn /
Wie wolt ich meinen mund auffsperren /
Und mit den schönen geisterlein
Ohn ende singen frisch allda
Das freudenreich Alleluja.
Denn wolt ich sti   und schrifft verblümen /
Deß Herren güt und treu zu rühmen.



aufsperren

  


verblümen

11. HErr JEsu ! laß mich ewig stehen
Bey deiner auß-[p. 564]erwehlten schaar /
HErr JEsu ! laß mich frölich sehen
Dein göttlichs antlitz immerdar /
Mein heil / mein trost / mein zuversicht /
Komm / zeige mir dein klares licht /
HERR hilff / und laß mich überwinden /
Den himmel und dich selbst zu finden.


Lied / Cantique 661