Abkürzungen zu oft zitierten Werken

Gesangbücher

Hanauisches Gesangbuch 1707 : Neu-Verbessertes /Christliches / Gesangbuch, / darinnen vornemlich / Hn. D. Mart. Luthers, / So dann auch anderer Wahr-E-/vangelischer Treuer Bekenner Geist- / reiche Gesänge enthalten. Zu Befürderung / So wol des offentlichen GOttes-/Dienstes, / in denen Kirchen der Obern / Graffschafft Hanau, und anderer Evangelischen Or-/ten, als auch der Privat Andacht und heiliger See-/len Lust, Mit Fleiß zusammen getragen. Dabey ein / Christliches / Gebett-Buch, / Darinnen / Allerhand [schöne ?] Anweisungen zu / finden, wie der Mensch in mancherley / Noth und Anliegen vor GOtt sein / Hertz außschütten soll. Mit Hoch-Gräfl. Hanauisch. Privileg. Straßburg, / Verlegts Joh. Reinhold Dulßecker. / Im Jahr Christi 1707.

Das eigentliche Gesangbuch enthält 472 Lieder und eine Seite (S. 768), die "Psalm103" betitelt ist, aber nicht den eigentlichen Psalmtext bietet. Zu den Texten gesellen sich etwa 140 Melodien, die meistens in einer traditionellen Form gehalten werden, manchmal aber auch schon rhythmisch vereinfacht worden sind. J. Zahn, in seinem Werk über Die Melodien der deutschen evangelischen Kirchenlieder, benutzt andere Ausgaben dieses Gesangbuchs (namentlich die von 1695 und 1713), nennt sie aber "Straßburger" Gesangbücher ; sie sind zwar in Straßburg gedruckt worden, wurden aber nie in den eigentlichen Straßburger Pfarreien verwendet. Sie hätten "Buchsweilerer" Gesangbuch heißen können.

Colmarisches Gesangbuch von 1781 : Das Gesangbuch, dessen Text auf der Website <http://colmarisches.free.fr/> gefunden werden kann, und das der eigentliche Nachfolger des Colmarischen Lobopfers ist. Es ist 1781 zuerst erschienen, und wird auf der Website in der wenig veränderten Ausgabe von 1807 geboten. Beide Colmarer Gesangbücher, das "Alte" (= das Lobopfer in der Ausgabe von 1746) und das "Neue" (das von 1781) werden von Rittelmeyer, dem Herausgeber des Gesangbuchs für Christen Augsburgischer Konfession, sehr gelobt. Obgleich es auf 1781 zurückgeht, ist es in Colmar wenigstens bis in die Jahre 1840 neu gedruckt worden.

Straßburger Gesangbuch von 1808 : Gesangbuch / zur Beförderung/ der / öffentlichen und häuslichen Andacht / Auf Verordnung / des Directoriums Augsburgischer Confession / zu Strasburg / neu herausgegeben. / Strasburg / verlegt durch Dannbach, Lorentz und Schuler, Heitz, König. / 1808.
Auf 320 Seiten stehen 436 Lieder, die, soweit es ältere Lieder waren, oft in einer sehr "modernisierten" Form geboten wurden. Aber der Anteil dieser alten Lieder ist gering : sogar Ein feste Burg, das einzige noch vorhandene Lied von Luther, steht in einem Anhang. Dieses Gesangbuch war schon 1798 in einer den Pfarrern und Lehrern bestimmten Ausgabe erschienen, und in der Vorrede wurde gewünscht, es werde von den Lesern "unpartheyisch geprüfet". Im Jahr 1808 dann wurde dieser Wunsch nicht mehr ausgesprochen ; es wurde aber gleichzeitig mit dem Gesangbuch eine Melodiensammlung herausgegeben, denen im folgenden Jahr ein Choralbuch folgte (das hier als Hepp- oder Hepp-Herrenschneider-Choralbuch bezeichnete). Hier sind die Melodien zum ersten weniger zahlreich als in den älteren Gesangbüchern, und vor allem sind die älteren Melodien alle rhythmisch vereinfacht und manchmal etwas verschnörkelt.

Straßburger Conferenz-Gesangbuch von 1850 : Gesangbuch für die evangelischen Gemeinden Frankreichs. Straßburg, / bei Wittwe Berger-Levrault, Buchdrucker, / Judengasse, 33. / 1850.
Im Vorwort wird erklärt, "die Straßburger Pfarrconferenz" biete das neue Gesangbuch "den deutsch redenden evangelischen Gemeinden Frankreichs" an. Dasselbe enthält 750 Lieder, die traditionsgemäß von einer Sammlung von Gebeten gefolgt werden. Die Pfarrconferenz hat sich meistens an die jüngere Tradition gehalten, und somit die "verbesserten" Texte übernommen (z.B. an die Stelle von Herzliebster Jesu von J. Heermann tritt auch hier noch Diterichs Du mein Erlöser, der du für mich littest). Das auch hier gleich nachfolgende Choralbuch von Theophil Stern und Konrad Berg hätte eigentlich gewünscht, sagt das Vorwort, "die bisher im Elsaß bekannten Melodieen so viel als möglich der Urform zu nähern"- hat aber in Wirklichkeit fast immer darauf verzichtet. Immerhin kommt der Text mancher Lieder wieder zu einer authentischeren Form zurück, und im Fall von O Haupt voll Blut und Wunden werden beide Versionen nebeneinander gestellt.

Die Mülhauser Gesangbücher : Die evangelische Kirche von Mülhausen hat von jeher der schweizerischen Tradition näher gestanden, als der elsässischen (Mülhausen war ja auch bis 1790 mit der schweizerischen Eidgenossenschaft verbunden). Deshalb werden die Mülhauser Gesangbücher hier oft nur dann erwähnt, wenn sie von den elsässischen Gesangbüchern abweichen. Es hat im 19. Jh. zwei Mülhauser Gesangbücher gegeben :
- 1818 : Gesangbuch / zum Gebrauche / der / evangelischen Konsistorialkirche / von / Mühlhausen. / Mühlhausen, / gedruckt bey Joh. Rißler und Kompagnie. / 1818.
Das Gesangbuch enthält 515 Lieder, die der Zeit entsprechend in der Art der rationalistisch-moralistischen Tendenz gehalten werden. Es folgen (nach dem Liederverzeichnis) Gebete auf nur zehn Seiten. Eine Reihe von Melodien - die zum Teil von den in Straßburg gesungenen verschieden sind - werden zu den entsprechenden Liedern gedruckt. Sie werden allesamt in einer rhythmisch vereinfachten - und daher oft entstellten - Form geboten, was hier umso mehr auffällt, als darunter auch eine Reihe von französischen Psalmmmelodien zu finden sind, die sonst im Elsass nie so traktiert worden sind.
- 1865 : Evangelisches / Gesangbuch. / Mit Genehmigung / des / Consistoriums von Mülhausen, / füt die Kirche daselbst. / Straßburg, / Druck von G. Silbermann. / 1865.
Dieses Gesangbuch enthält 526 Lieder ; die nachfolgenden Gebete - diesmal vor dem alphabetischen Verzeichnis - nehmen nur noch weniger als 6 Seiten ein. Die Texte sind, wie im Straßburger Conferenz-Gesangbuch, den Originaltexten etwas ähnlicher als die des Gesangbuchs von 1818 ; von getreuer Wiedergabe des Wortlauts kann aber nicht die Rede sein. Hier stehen keine Melodien im Buch ; es kann aber angenommen werden, dass auch in diesem Gebiet, wie in Straßburg beim Stern-Berg-Choralbuch, die jüngere Tradition mehr berücksichtigt wurde als die Originalmelodien. Übrigens gibt es ein in diese Zeit fallendes Mülhauser Choralbuch, das diese Annahme z.T. bestätigt ; nur ist die Rückker zu älteren Melodien deutlicher bemerkbar als bei Stern.

GCAK : Gesangbuch / für Christen / Augsburgischer Confession. / Geistreiche Lieder / größten Theils gesammelt / aus den im Elsaß sich vorfindenden Gesangbüchern. / Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen / in aller Weisheit ; lehret und vermahnet euch selbst mit / Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen / Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. /
Kolosser, 3, 16. / Straßburg, / in Commission zu beziehen durch alle Buchhandlungen, / bei C.A. Vomhoff, Münstergasse, 16. | bei F. Wilh. Müh, / Schlossergasse, 10. / 1863.
Dieses Gesangbuch wurde von G.H.A. Rittelmeyer, damals Pfarrer in Illkirch, zusammengestellt, und war für die "streng lutherischen" Pfarreien bestimmt (z.B. Jung-Sankt Peter in Straßburg, unter Pfr. Fr. Horning). Es hat davon mehrere Fassungen gegeben. Nach der ersten Ausgabe im Jahr 1863 folgte eine zweite, leicht veränderte, schon 1866, dann 1869 und 1873 eine weitere, wieder etwas verschiedene Fassung, die dann bis zum Anfang des 20. Jh. unverändert blieb. Zusammen bilden diese drei nur wenig verschiedenen Ausgaben die "Alte" Version des GCAK. 1908 kam dann eine "Neue" Version heraus, die auch wirklich fast allen Liedern neue Nummern gab, und dazu manche Texte ausließ und andere einführte. Deshalb wird in den Anmerkungen die Nummer im "Alten" und die Nummer im "Neuen" GCAK unterschieden. Hier werden die Texte wieder in einer im Prinzip getreuen Version zitiert, wenngleich hier und dort ein altertümlicher oder befremdender Ausdruck gewechselt wurde. Die Auswahl der Lieder fußt ihrerseits auf einer viel älteren Tradition, als die der beiden Straßburger Gesangbücher, die oben erörtert wurden. Zu diesem Gesangbuch ist später (1875) das Choralbuch Halleluja von Friedrich August Ihme hinzugekommen, das auch die Melodien in einer der alten Tradition getreuen Form bot.

Spitta-Gesangbuch 1899 : Evangelisches Gesangbuch für Elsaß-Lothringen. Verlag der Straßburger Pastoral-Konferenz. Vertrieb bei J. H. Ed. Heitz (Heitz und Mündel) in Straßburg i. Els., Möllerstraße 16.
Der Name "Spitta" wurde mit diesem Gesangbuch verbunden, weil Friedrich Spitta (1852-1924), der damals Professor an der Straßburger Universität war, als Präsident der Pastoral-Konferenz die Vorbereitung des 1899 erschienenen Gesangbuchs geleitet hatte. Dieses enthält 411 Lieder, die meistens eine vom Original nicht allzusehr abweichende Version der Texte bietet, aber dennoch demselben weniger getreu ist als die des GCAK. Die Melodien, die im gleichzeitig erschienenen Choralbuch von J. Wolf harmonisiert worden waren, suchen ihrerseits eine Art Gleichgewicht zwischen alten, rhythmischen Melodien und veränderten, rhythmisch vereinheitlichten Formen derselben. In etlichen Fällen wird zwischen zwei Formen der Melodie die Wahl gegeben, und wenn in einer späteren Ausgabe des Choralbuchs diese Wahl aufgegeben wird, bleibt manchmal die eine, manchmal die andere Form der Melodie darin. Das Gesangbuch ist bis in die 1930er Jahre mehrmals wiederveröffentlicht worden, und hat mehrerlei Aufmachungen gekannt.

GKAKEL : Recueil / de cantiques / de l'Église de la / Confession d'Augsbourg / en Alsace / et en Lorraine / Strasbourg MCMLII - Gesangbuch / der Kirche / Augsburgischer Konfession / im Elsass / und in Lothringen / Im Jahr des Heils / MCMLII
Dieses doppelte Gesangbuch (zuerst 18 liturgische Gesänge und 50 Lieder in französischer Sprache, dann 77 liturgische Gesänge und 487 Lieder in deutscher Sprache, gefolgt von Gebeten und dem kleinen Katechismus von Luther) erschien 1952. Interessant ist, dass der Ort des Erscheinens im französischen Teil, nicht im deutschsprachigen Teil erwähnt wird, was den Herausgebern im deutschen Teil die Wahl zwischen der französischen und der deutschen Form des Namens Straßburg / Strasbourg ersparte. Das Gesangbuch ist theologisch der "streng lutherischen" Richtung viel näher als das Spitta-Gesangbuch, und viele Lieder, die sich einer großen Popularität erfreuten, fehlen darin. Dies führte dazu, dass schon drei Jahre später eine "Auswahl von 55 Liedern" (ein Anhang) veröffentlicht wurde, worin all diese Lieder wieder angeboten wurden, allerdings ohne die Melodien. So kehrten Lieder wie Harre, meine Seele, - Ihr Kinderlein, kommet, - Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ usw. in das Gesangbuch zurück. Das von E. Müller dazu zubereitete Choralbuch kam seinerseits erst im Jahr 1963 heraus. Auf dieser Website wird verständlicherweise nur der deutsche Teil des Gesangbuchs verwendet.

EG 1995 : Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Baden / pour l'Eglise de la Confession d'Augsbourg d'Alsace et de Lorraine / pour l'église Réformée d'Alsace et de Lorraine.
Das Gesangbuch enthält zuerst 535 Lieder in einem allen Ausgaben gemeinsamen "Hauptteil", dann einen "Regionalteil", der hier für "Baden, Elsass und Lothringen, Pfalz" bestimmt ist, und die Lieder 541 bis 692 enthält. Danach kommen in einem weiteren, ebenfalls je nach Regionalausgabe etwas verschiedenen Teil, "Gebete, Gebetsgottesdienste, Bekenntnisse, Beigaben" (so in der Ausgabe für Baden und das Elsass). Auf unserer Website ist nur von den Kirchenliedern die Rede, einschließlich des Regionalteils. Die Texte sind rein sprachlich oft modernisiert worden, sonst relativ wenig vom Original abweichend. Die Melodien sind, soweit es alte Melodien sind, den alten Formen oft ganz getreu. Das Gesangbuch zeichnet sich jedoch durch das Vorhandensein einer nicht unerheblichen Anzahl neuerer Lieder aus, oft mit ebenfalls neuen Melodien, die sich von der oft recht enttäuschenden neueren Produktion in französischer Sprache erfreulich abheben. Es sind hier zwar nicht nur deutschsprachige Lieder zu finden, aber auf dieser Website wird ausschließlich von diesen die Rede sein. Das zum Gesangbuch gehörige Choralbuch erschien bereits 1993 beim Bärenreiter-Verlag in Kassel.

Choralbücher

Hepp-Choralbuch 1809 : Choral-Buch zum Gebrauch der protestantischen Gemeinen des Ober- und Nieder-Rheins, Straßburg, gedruckt bey Philipp Jacob Dannbach, der Mairie Buchdrucker, 1809.
Dieses erste im Elsass erschienene Choralbuch wird hier meistens das "Hepp-" oder "Hepp-Herrenschneider- Choralbuch" genannt, weil in der Einleitung das Wirken des vor kurzem verstorbenen Sixtus Hepp (1732-1806) gepriesen wird. Dieser Hepp war zuerst an der Thomaskirche, dann an der Neuen Kirche in Straßburg Organist gewesen. Die Ausdrücke "Ober- und Nieder-Rhein" im Titel sind als Übersetzungen der französischen Departements-Namen Haut-Rhin und Bas-Rhin zu verstehen, d.h. resp. Oberelsass und Unterelsass). Die Melodien sind hier relativ wenig zahlreich : im Melodienbüchlein, das einige Zeit vor dem eigentlichen Choralbuch erschien, sind es im ganzen 75, zu 53 verschiedenen Strophenmustern. Im Register der Strophentypen, das am Anfang des Gesangbuchs zu finden ist, stehen sogar nur 47 Strophentypen, weil die des "Anhangs" darin fehlen (als Ein feste Burg ist unser Gott, Sollt es gleich bisweilen scheinen usw.). Diese Melodien, soweit es alte Melodien sind, sind immer in einer rhythmisch vereinfachten Form, und manchmal etwas verschnörkelt. Auf 83 Seiten werden die Choräle solchermaßen geboten, dass die Melodie oben im Sopranschlüssel (das mittlere C des Klaviers oder Orgelmanuals auf der untersten Linie) steht, und darunter ein bezifferter Bass im Bass-Schlüssel. Auf diese 83 Seiten folgt noch das Herr Gott, dich loben wir (Te Deum deutsch, 8 Seiten) und ein alphabetisches Verzeichnis (3 Seiten).
Wie sehr sich im Laufe des 19. Jh. der kirchenmusikalische Geschmack verändert hat, kann man daraus erkennen, dass J. Wolf - der weit weniger als Ihme zu den Originalmelodien des endenden Mittelalters oder des 16. und 17. Jh. zurückzufinden sucht - im Hepp-Choralbuch "das Kirchenlied in seiner tiefsten Erniedrigung" vorzufinden glaubt.

Straßburger Choralbuch (um 1850) : Choralbuch / der in Strasburg gebräuchlichen / protestantischen Kirchen-Gesang Melodien / für das Piano-forte und die Orgel / PLEINCHANT / des mélodies protestantes usitées aux / Eglises de Strasbourg / pour le / piano et l'orgue.
Dieses um 1850 erschienene Choralbuch trägt weder Ort noch Datum seines Erscheinens, ist aber praktisch als ein direkter Nachfolger des Hepp-Choralbuchs zu betrachten. Manche Melodien des Hepp-Choralbuchs fehlen hier, wenige neue erscheinen, aber alle Choräle, die vom Hepp-Choralbuch übernommen wurden, sind in der gleichen Tonlage, und sind in der Regel, was die Melodie betrifft, mit der des Hepp-Choralbuchs identisch. Der Unterschied ist jedoch, dass hier für die oberen Stimmen der Violinschlüssel verwendet wurde, und die Begleitung - die des Hepp-Choralbuchs - ganz ausgeschrieben ist.

Sammlung von Choral-Melodien für das neue Colmarer Gesangbuch zum Gebrauch der evangelischen Schuljugend
Dies ist kein eigentliches Choralbuch, denn es wird zu den Melodien keine Begleitung gegeben. Diese Sammlung wird in der Straßburger Universitäts- und Landesbibliothek (Bibliothèque Nationale et universitaire) als aus der Zeit um 1840 stammend betrachtet, was aber nicht genau festzustellen ist, da um 1840 in Colmar zwar zwei neue Gesangbücher erschienen sind, deren Inhalt aber nicht zu dieser Melodiensammlung passt. Die Melodien in diesem Heft sind meist solche, die im Hepp-Choralbuch zu finden sind, und dann stets in ungefähr der gleichen Form und in der gleichen Tonlage und mit den gleichen Namen. Da hier stets nur die Melodie, aber keine Begleitung gegeben wird, konnte dieses Heft für die Hörproben nur so verwendet werden, dass der Satz einer anderen Unterlage der "Colmarer" Melodie zugesellt wurde. Für einige Melodien, die in den Orgelbüchern nicht zu finden sind, musste ein neuer Satz geschrieben werden.
N.B. Was ein "neues" Gesangbuch ist, ist überhaupt nicht leicht festzustellen. In der ersten Ausgabe des GCAK 1863 wird das 80 Jahre alte Colmarische Gesangbuch von 1781 als das "neue" Colmarer Gesangbuch bezeichnet, im Gegensatz zum Colmarischen Lobopfer, das noch etliche Jahrzehnte älter ist.

Stern : Choral-Buch / zum Gebrauch der / ezvangelischen Gemeinden Frankreichs. / Straßburg, / bei Wittwe Berger-Levrault, Buchdrucker, Judengasse, 33. / 1851.
Das Choralbuch von Theophil Stern wurde zuerst 1851 unter der Verantwortung der Pastoralconferenz, aber mit Erwähnung der beiden Musiker [Theophil] Stern und [Konrad] Berg veröffentlicht, ohne dass jedoch diese Namen auf der Titelseite erschienen. Das Choralbuch ist also ein auf Anregung der Straßburger Pastoral-Conferenz verfertigtes Werk. Es sollte das 1850 in Straßburg erschienene Gesangbuch (das Conferenz-Gesangbuch s.o.) begleiten. Diese erste Ausgabe konnte als verschollen gelten, denn auch Zahn hat sie nie gesehen, sondern erwähnt sie nur vom Hörensagen (VI, Quellen Nr. 1346), und auch das Datum ihres Erscheinens kannte er nur durch einen persönlichen Briefwechsel mit "Herrn Seminarlehrer Sering". Nun besitzt aber die Straßburger Universitäts- und Landesbibliothek drei Exemplare dieser Ausgabe, die lange jedoch ohne die Namen Berg und Stern katalogisiert waren, und ich habe selbst bei einem Missionsverkauf ein viertes Exemplar gefunden. Die Melodieangaben des Straßburger "Conferenz-Gesangbuchs" können in manchen Fällen nur anhand dieser ersten Ausgabe richtig gedeutet werden. Der vierstimmige Satz ist hier immer so geschrieben, dass je zwei Stimmen auf jedem Notensystem stehen. Die zweite Ausgabe hingegen, die ausdrücklich unter dem alleinigen Namen von Theophil Stern im Jahre 1869 erschien, berücksichtigte vor allem die Verwendung des Klaviers oder "des immer allgemeiner werdenden Harmoniums" (so die Einleitung), und deshalb wird dort diese Verteilung der Stimmen (die auch bei Ihme und Wolf die Regel ist) nicht immer angetroffen. Theophil Stern (1803-1886), der auch sonst als Komponist einen gewissen Ruf hat, komponierte selbst eine Reihe von neuen Choralmelodien (z.B. Jesus Christus herrscht als König), blieb aber sonst der Tradition getreu, indem er die alten Melodien fast immer noch in ihrer vereinfachten, nicht-rhythmischen Form setzte. Sein Einfluss wird dadurch erkennbar, dass auch Ihme, der in dieser Hinsicht eine resolut verschiedene Haltung hatte, in seiner 2. Ausgabe 1888 eine ganze Reihe von Melodien aus dem Stern-Choralbuch übernehmen musste, die er gewiss lieber nicht geboten hätte.

Mülhauser Choralbuch : Choralbuch zum Mülhauser Gesangbuch.
Dieses Choralbuch, das weder Datum noch Ort des Erscheinens erwähnt, kam mir erst spät, durch den Tipp eines Mitarbeiters der Straßburger Evangelischen Mediathek (Médiathèque protestante) unter die Augen. Es ist wahrscheinlich nach 1860, eher um 1870 erschienen, trägt aber weder Ort noch Datum seines Erscheinens. Es enthält einige Melodien, die in den anderen Choralbüchern fehlen. Ansonsten sind darin die Melodien manchmal in der ursprünglichen (oft rhythmischen) Form, manchmal auch in der herkömmlichen vereinfachten Form. Nach welchen Grundsätzen die eine oder andere Form gewählt wurde, ist nicht auszumachen. Die Namen der Melodien sind meistens auf den Urtext gegründet (Wie schön leuchtet der Morgenstern, Sei Lob und Ehr, Schmücke dich, o liebe Seele usw.).

Ihme : Halleluja. / Vierstimmiges Melodienbuch / nebst liturgischem Anhang / von / F. A. Ihme, evang. luther. Pfarrer. / Bärenthal bei Philippsburg i. Elsaß. / Selbstverlag des Herausgebers. / 1873-1875.
Friedrich August Ihme (1834-1915) verfertigte unter dem Namen Halleluja ! das Choralbuch zum Gesangbuch für Christen Augsburgischer Konfession in Elsass-Lothringen (1863, GCAK, s.o.). Es erschien erst 1875, und dann wieder 1888 in einer vermehrten und etwas veränderten Form. Es hat auch spätere Ausgaben gegeben. Bei Ihme wird bei alten Melodien prinzipiell auf die Originalform zurückgegriffen, wenngleich dieselbe nicht unbedingt unverändert gelassen wurde. Wir benutzen und vergleichen hier manchmal diese beiden Ausgaben. In der Regel wird jedoch von der Originalausgabe 1875 ausgegangen.
Ihme gibt normalerweise das Tempo an, in dem die Melodie zu singen ist. Er erklärt seine Angabe folgendermaßen : "Man befestige an der schwarzen Tafel in der Schule, oder halte mit der Hand, eine 1½ Meter lange Schnur, daran ein Blei oder Gewicht von 100 Gramm hängt. Jede Schwingung dieses Pendels in einer Richtung zeigt die Dauer der Viertelsnote an." Die von Ihme angegebene Zahl soll sagen, wieviel Zentimeter lang der freie (schwingende) untere Teil der Schnur sein soll. Drum sagt auch Ihme ausdrücklich, und im Fettdruck : "Diese Zahlen sind nicht mit denen des Metronoms zu verwechseln." Je größer nämlich die Zahl (je länger die Schnur), desto langsamer das Tempo !

J. Wolf : Choral / zum / Evangelischen Gesangbuch für Elsaß-Lothringen / bearbeitet von / J. Wolf, / Kaiserlichem Seminarlehrer in Straßburg i. E. / Straßburg i. E. / C.F. Schmidt's Universitäts-Buchhandlung / Eduard van Hauten. / 1899.
J. Wolf wurde mit dem Herausgeben des Choralbuchs betraut, das 1899 das neue Evangelische Gesangbuch für Elsaß und Lothringen ("Spitta-Gesangbuch", s.o.) begleiten sollte. Bei Wolf werden in mehreren Fällen die beiden Formen - die rhythmische und die vereinfachte - nacheinander angeboten. In der Regel scheint aber Wolf die nicht-rhythmischen Formen zu bevorzugen. Anders als Ihme hält Wolf auch an einer anderen Tradition fest, die inzwischen ganz ausgestorben ist : er bietet "Überleitungen", d.h. kurze Zwischenspiele, die zwischen zwei aufeinanderfolgenden Strophen der Gemeinde Gelegenheit boten, wieder Atem zu schöpfen. Diese Gepflogenheit wurde schon 1851 bei der Herausgabe des Stern-Choralbuchs angeprangert, und der Wunsch geäußert, dass "nun auch bald allgemein die dem Charakter des Chorals so sehr widersprechenden Zwischenspiele gänzlich abgeschafft werden". Bei Wolf verschwinden sie übrigens schon 1904 zugunsten von Einleitungen (kurzen Vorspielen).

Andere Quellen

Zahn : Die / Melodien / der / deutschen evangelischen Kirchenlieder / aus den Quellen geschöpft und mitgeteilt / von / Johannes Zahn
Zuerst erschienen in Gütersloh 1889-1893 (6 Bände). 1963 von der Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim wiederveröffentlicht. Die 5 ersten Bände enthalten die Melodien, nach Strophentypen geordnet (von den kürzesten zu den längsten Strophen). Der 6. Band gibt Auskunft über die Quellen (Gesang- und Choralbücher, Einzelveröffentlichungen usw.), sowie ein alphabetisches Register der Bezeichnungen von Melodien (Liedanfängen). Die Reihenfolge ist im Prinzip chronologisch. Da aber jedes Werk verschiedene Ausgaben gekannt haben kann, sind dieselben beisammen beschrieben, sodass man diese Werke nur dann finden kann, wenn man das Datum ihres ersten Erscheinens kennt, auch dann, wie es oft der Fall ist, wenn zwischen den verschiedenen Ausgaben beträchtliche Unterschiede bestehen. Obgleich Zahns Werk sehr reichhaltig ist (mehr als 8800 Melodien, unter denen manche in Varianten a, b, c usw. untergeteilt sind), sind natürlich nicht alle Melodien darin zu finden. Es muss bei der Suche mancher Melodien auch darauf hingewiesen werden, dass sich manchmal die gleiche Melodie für verschiedene Strophentypen anwenden lässt.

Wackernagel : Das / deutsche Kirchenlied / von der ältesten Zeit / bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts / Mit Berücksichtigung der deutschen kirchlichen Liederdichtung im weiteren Sinne / und der lateinischen von Hilarius bis Georg Fabricius und Wolfgang Ammonius / von / Philipp Wackernagel
Das Werk wurd zuerst in Leipzig von 1864 bis 1877 veröffentlicht, dann 1964 von der Georg Olms Verlagsbuchhandlung in Hildesheim wieder. 5 Bände. Die zwei ersten sind den sehr alten, groößtenteils lateinischen Gesängen gewidmet, und Luther erscheint erst im 3. Band. Jeder Band hat sein eigenes Verzeichnis, was die Suche nach einem besonderen Lied manchmal erschwert. Die Verzeichnisse jedoch erwähnen zu jedem Lied zugleich Nummer und Seitenzahl, was wiederum praktisch ist.

Fischer & Tümpel : Albert Fischer / Das deutsche evangelische / Kirchenlied des 17. Jahrhunderts / Vollendet und herausgegeben von / W. Tümpel, 1904-1916
Albert Fischer (1829-1896) hatte beabsichtigt, die Arbeit von Philipp Wackernagel weiterzuführen, und hatte am Ende seines Lebens den Eindruck, das Werk in der Hauptsache vollendet zu haben. Wilhelm Tümpel (1855-1915) führte es dann weiter, aber in seiner schließlich veröffentlichten Form umfasst es nicht das ganze 17. Jh. Die ersten Jahre standen schon bei Wackernagel, und nach 1675 oder 1680 stehen die Lieder nicht mehr im Fischer & Tümpel. Immerhin ist das 6-bändige Werk,dessen 6. Band einem Glossar, dem Quellennachweis und den Registern gewidmet ist, sehr reichhaltig. Es wäre wahrscheinlich bis an das Ende des Jahrhunderts gegangen, wenn nicht Wilhelm Tümpel seinerseits in seinem 61. Lebensjahr verstorben wäre. Der letzte Band wurde deshalb von W. Tümpels Bruder, H. Tümpel, veröffentlicht. Alle sechs Bände wurden bei Bertelsmann in Gütersloh veröffentlicht. Wie die Werke von Zahn und Wackernagel ist auch der "Fischer & Tümpel" in der Georg Olms-Verlagsbuchhandlung im Jahre 1964 neu herausgegeben worden.

Fischer, Kirchenlieder-Lexicon : Kirchenlieder-Lexicon. / Hymnologisch-literarische Nachweisungen / über / ca. 4500 der wichtigsten und verbreitetsten / Kirchenlieder aller Zeiten . in alphabetischer Folge / nebst einer Uebersicht der Liederdichter. / Zusammengestellt / von / Albert Friedrich Wilhelm Fischer, / Oberpfarrer zu Groß-Ottersleben, Superintendent a.D. / [...] Gotha, / Friedrich Andreas Perthes. / 1878-1879.
Fischers Buch besteht aus zwei Bänden, in denen neben den eigentlichen Artikeln auch auf die "Nächträge" geachtet werden muss. 1. Band : Buchstaben A-I (letzterer schließt J ein) ; 2. Band : Buchstaben K-Z. Das Buch ist auf dem Internet einzusehen, und wurde auch von der Georg Olms-Verlagsbuchhandlung in Hildesheim 1967 wiederveröffentlicht.

Koch : Geschichte / des / Kirchenlieds und Kirchengesangs / der / christlichen, / insbesondere der / deutschen evangelischen Kirche. / von / Eduard Emil Koch, / Dekan, ordentlichem Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig. / [...] Stuttgart. / Druck und Verlag der Chr. Belser'schen Verlagshandlung. /
Kochs Werk (7 B¨nde) wird auf dem Internet vor allem in seiner "dritten, durchaus vermehrten Auflage" (1866-1872) angeboten und ist zum Teil dort auch einzusehen. Es ist vor allem dann nützlich, wenn man die genaue Stelle kennt, an der man eine Auskunft suchen kann, z.B. wenn man einem Hinweis bei Fischer & Tümpel nachgehen will.

JLH : Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, veröffentlicht von der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie (IAH), s. <http://www.iah.unibe.ch/>