Colmarisches Gesangbuch

(2. Ausgabe, 1807)

 

Alphabetisches Register 400
Inhaltsangabe 901
Gebete 401
Register der Gebete 419
Anhang 501
Register des Anhangs 546
Gesangbuch (Anfang) 000
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Gebrauchsanweisung zu dieser Website
Historisches
Abkürzungen und Literatur
Gebrauchsanweisung
Alphabetisches Register der Textanfänge
Text der Lieder (Beachte die Angaben rechts)
Choralmelodien (Die Melodien der elsässischen Choralbücher des 19. Jh.)
Copyright und Impressum

Historisches

Das Colmarische Gesangbuch ist ein evangelisch-lutherisches Gesangbuch, das 1781 zuerst erschien und für die Pfarrgemeinden des südlichen Elsasses bestimmt war. Der eigentliche Titel des Gesangbuchs war Colmarisches verbessertes Gesangbuch, und sollte sich dadurch von den früher üblichen Colmarer Gesangbüchern unterscheiden, die alle im Titel oder gleich danach das Wort Lobopfer enthielten. Die älteste mir bekannte Ausgabe des Colmarischen Lobopfers ist aus dem Jahre 1722. Sie erwähnt eine frühere Ausgabe, deren Titel sie jedoch nicht angibt, und die im Jahre 1709 erschienen sei.
Die Colmarer Gegend ist sehr vorherrschend römisch-katholisch. Die evangelischen Pfarreien befinden sich vor allem im Münstertal und im Norden von Colmar. In Mülhausen gibt es eine reformiert-evangelische Tradition, die jedoch mit den weiter nördlich gelegenen lutherischen Pfarrgemeinden damals wenig Kontakt hatte. Welches die geographische Verbreitung dieses Gesangbuchs gewesen ist, habe ich nicht genauer ermittelt. Chronologisch gesehen wurde es um 1900 vom sogenannten "Spitta"-Gesangbuch abgelöst, dessen Verbreitung sich aber auf das ganze Elsass erstreckte (zwar nicht auf alle Pfarreien, aber doch in alle Gegenden des Elsasses).

Die erste Ausgabe des Colmarischen Gesangbuchs (1781) war schon im Jahr 1782 von einer neuen Ausgabe gefolgt worden, die in besonders großen Buchstaben gedruckt war, und deshalb ein ziemlich dickes Buch war, wie diejenigen Ausgaben des Lobopfers, die auch für ein älteres Publikum bestimmt waren. Wir heißen sie hier die Ausgabe 1 bis, denn sie war sichtlich dazu bestimmt, gleichzeitig mit der vorigen im Handel angeboten zu werden, besonders für Kirchgänger, die nicht mehr gut sahen. Hier wird die folgende Ausgabe, aus dem Jahre 1807, verwendet, welche wir also als die zweite ansehen. In der Hauptsache gibt sie den Satz der Ausgabe von 1781 wieder, was sich schon darin zeigt, dass einige Druckfehler von 1781 auch 1807 noch vorhanden sind ; trotz des zusätzlichen Anhangs ist diese Ausgabe weniger dick als die von 1782. Es hat später noch weitere Ausgaben gegeben, u.a. eine, die 1847 erschien. Ob später auch noch einmal eine großgedruckte Ausgabe erschienen ist, ist mir nicht bekannt. Sämtliche Ausgaben waren selbstverständlich in deutschen Buchstaben ("gotisch") gedruckt.

Inhalt des Gesangbuchs

Nach einer "Vorrede" kommt zuerst ein Inhaltsverzeichnis, das nicht immer alle Unterabteile erwähnt, und dann die 365 Lieder des eigentlichen Gesangbuchs, gefolgt von einem alphabetischen Register der Liedanfänge. Dies alles erfordert 404 Seiten. Daraufhin kommt eine kleine Gebetesammlung, die auf 39 separat nummerierten Seiten steht, einschließlich des dazu gehörigen Registers. Damit endet die Ausgabe von 1781. Die Ausgabe von 1807 schiebt vor dem alphabetischen Register eine neue Fassung des Te Deum (Ambrosianischen Lobgesangs) und eine kurze Friedenshymne ein, die hier die Nummern 366 und 367 tragen, im Gesangbuch selbst aber nicht nummeriert sind. Nach den Gebeten lässt sie noch einen Anhang folgen, der 45 Lieder umfasst und ein eigenes Register hat. Dieser Anhang hat auch wieder eigene Seitenzahlen, die wieder mit 1 beginnen (bis 45, wenn man das Register einschließt, dessen drei Seiten keine Nummern tragen). Die Lieder des Anhangs haben hier auf dieser Website die Nummern 501 bis 545 erhalten.
In Wirklichkeit ist aber der Anhang schon viel früher dazugekommen. Die evangelische Mediathek Straßburg besitzt einige Exemplare eines Gesangbuchs, das 1784 erschien unter dem Namen Kirchen-Gesangbuch für die Evangelischen Gemeinden der Grafschaft Horburg und Herrschaft Reichenweyer mit einem Anhange von Gebeten. Gedruckt wurde dieses Buch von dem Drucker des Colmarischen Gesangbuchs, und vom Titelblatt und dem Vorwort abgesehen ist es genau das Colmarische Gesangbuch, einschließlich des Anhangs. Nur kommen hier - jedenfalls im Exemplar, das ich in Händen hatte - die Gebete em Ende des Buchs, nach dem Anhang und nicht vorher. Auf dem Deckblatt hatte jemand geschrieben "Editio Princeps 1780" ; ich habe aber keinen Anhaltspunkt, der mir annehmen ließe, dass bereits 1780 eine erste Auflage des Gesangbuchs erschienen wäre. Außerdem gibt es auch in derselben Mediathek ein Exemplar der Ausgabe von 1781 (mit dem Titel Colmarisches Gesangbuch), das 1800 gekauft wurde, in dem jedoch der Anhang schon vorhanden ist. Derselbe wurde, so sagt die Vorrede zu der Horburger Auflage, vom Consistorium Reichenweier verlangt worden.

Lieder

Nur der Liedtext ist gedruckt, die Melodie ist am Anfang des Lieds entweder als "Bekannte Melodie" oder "Eigene Melodie", oder auch nach dem Anfang eines anderen Lieds gekennzeichnet. Von dem Musikbuch oder Choralbuch, das diese Melodien zu sehen gäbe, ist im Gesangbuch nirgends die Rede. Zu den Choralbüchern, die hier verwendet wurden, S. die Seiten über die Melodien.

Die verschiedenen Strophen sind nummeriert, mit Ausnahme der ersten, die keine Nummer trägt, aber mit einem größeren, zwei Zeilenhöhen ausfüllenden Buchstaben anfängt. Diese Anfangsbuchstaben wurden hier nicht nachgeahmt. Auch die Lieder tragen eine Nummer, die vor der Melodieangabe steht ; jedoch wird im Register und im Inhaltsverzeichnis nicht die Liednummer, sondern die Seitenzahl angegeben. Übrigens tragen im Gesangbuch die Gebete keine Nummern, und auch die Lieder des Anhangs sind nicht nummeriert. Deswegen wurden die hier gegebenen Nummern, die nicht im Gesangbuch stehen, zwischen Klammern geschrieben - z. B. "(413)" -, während die Liederzahlen des eigentlichen Gesangbuchs wie in demselben nur mit einer schließenden Klammer -z. B. "365)" - angegeben wurden. Zwischen eckigen Klammern (z. B. "[113]") wurden die Seitenzahlen am jeweiligen Seitenanfang eingetragen. Da die Nummerierung der Seiten bei den Gebeten und im Anhang wieder von 1 angeht, wird man sich nicht wundern, manche Seitenzahlen zwei- oder dreimal anzutreffen.

Der Text jeder Strophe wird im Gesangbuch durchgehend geschrieben, ohne besondere Kennzeichnung der Zeilenenden oder Reime. Hier (auf dieser Website) werden hingegen die verschiedenen Verszeilen getrennt geschrieben, um die Versstruktur sichtbarer zu machen. Jedoch wurden die Zeilenanfänge nicht großgeschrieben, wo sie nicht im Gesangbuch selbst in dieser Form auftreten.

Die Schreibweise der Wörter wurde systematisch beibehalten, wie sie im Gesangbuch steht. Wenn also das gleiche Wort einmal in der Form grossen, einmal in der Form großen erscheint, bedeutet das, dass es im Gesangbuch jeweils in der wiedergegebenen Form steht. Die Trennung mancher Wörter am Ende der Druckzeilen wird nur unregelmäßig angezeigt, nämlich dort, wo sich eine Schreibweise durch die Trennung erklären lässt (z. B. las-sen), oder dort, wo die Trennung in einer anderen Orthographie verschieden hätte sein können (z. B. Trö-pflein).

Die zur Zeit des Gesangbuchs übliche Orthographie wird hier nicht im Einzelnen kommentiert. Nur muss unterstrichen werden, dass dieselbe weniger einheitlich war als die heutige. So schreibt z.B. das Colmarische Gesangbuch immer Namen, wo meine etwas später gedruckte Bibel Nahmen schreibt. Zwischen dem eigentlichen Gesangbuch und dem Anhang, oder zwischen der 1. und der 2. Ausgabe des Gesangbuchs, sind die Unterschiede zwar ziemlich zahlreich, aber nicht systematisch und im Ganzen gesehen geringfügig. Ein Beispiel nur : wo eine Ausgabe dies schreibt, trägt etwa die andere dieß oder diß, oder auch dis. Es mag aber manchmal die Ausgabe von 1782 diß tragen und die von 1807 dies, und manchmal auch umgekehrt.

Die Texte älterer Lieder waren im Colmarischen Gesangbuch manchmal stark überarbeitet worden, sodass etliche dieser längst bekannten Lieder einen anderen Anfang bekamen und deshalb im Register nicht mehr leicht zu finden waren, z. B. wenn Ich will dich lieben, meine Stärke verändert wurde in Dich will ich lieben, meine Stärke, oder wenn Ich hab mein Sach Gott heimgestellt zu Gott hab ich alles heimgestellt wurde. Die Ausgabe "1 bis" hatte im alphabetischen Register alle neuen Liederanfänge (die nicht im Colmarischen Lobopfer zu finden waren) mit einem Sternchen gekennzeichnet, ganz gleich ob das Lied wirklich ein neues Lied war, oder nur die neue Formulierung eines alten Liedes. In der Ausgabe von 1782 sind die Sternchen nicht vorhanden, aber das Register des Anhangs enthält da nicht nur die Anfänge der Lieder, die wirklich im Anhang stehen, sondern schließt die alten Anfänge dieser veränderten Lieder ein, und verweist auf die Seiten, auf denen das entsprechende "neue" Lied steht. Diese Lieder, die nicht im Anhang stehen, werden da mit einem Kreuz gekennzeichnet.
Zu diesem Punkt muss hinzugefügt werden, dass bei der Angabe der Melodien im Colmarischen Gesangbuch systematisch der traditionelle (alte) Wortlaut verwendet wird, sodass z.B. gesagt wird, das Lied Wie herrlich stralt der Morgenstern sei auf die Melodie von Wie schön leuchtet der Morgenstern zu singen, das eigentlich das gleiche Lied ist, oder Nun, Christen, laßt uns frölich seyn auf die Melodie von Nun freut euch, lieben Christen gmein - dabei ist auch hier der erstere Wortlaut nur die "verbesserte" Form des zweiten. Diese Gepflogenheit könnte annehmen lassen, dass sich die Organisten eines vom Gesangbuch unabhängigen Orgelbuches bedienten, wo die Melodien nach dem alten Wortlaut der Texte benannt waren ; jedoch ist uns zur Zeit noch kein derartiges Orgelbuch bekannt.

In seinem Artikel über Die Kirchenliederdichter des Elsasses (1855) spricht Pfarrer Rittelmeyer, der später das streng lutherische Gesangbuch für Christen Augsburgischer Confession zusammenstellen sollte, dem Colmarischen Gesangbuch ein Satisfecit aus. Pfeffel (1736-1809) habe den Verdienst, diesem Gesangbuch, eines der guten oder gar der besten seiner Zeit, 1807 zu einer Neuauflage verholfen zu haben : "Ihm verdanken es unsere Oberrheinischen Gemeinden, dass sie noch vierzig Jahre lang nicht unter das Joch des Strassburger Gesangbuchs von 1798[/1808] gekommen und noch einige Lieder singen, fast “wie sie der Verfasser schrieb und nicht wie sie der Diebstahl pfuschte”" (das Zitat stammt wahrscheinlich von Pfeffel). Das "fast" ist hier unentbehrlich, und das Urteil über das Colmarische Gesangbuch ist jedenfalls sehr wohlwollend.

Quellen und Abkürzungen

Es wurden hier nur Dokumente in beschränkter Zahl verwendet, um einige Stellen des Textes klarzustellen und für die Anmerkungen. Die Abkürzung CG bedeutet immer "Colmarisches Gesangbuch". Die anderen Gesangbücher werden durch folgende Abkürzungen bezeichnet :
GCAK : Gesangbuch für Christen Augsburgischer Konfession in Elsass-Lothringen, Straßburg. Dieses Gesangbuch erschien zuerst 1863 auf Anregung des des streng lutherischen Pfarrers Friedrich Horning. Ich hatte ein Exemplar der Ausgabe von 1908 zur Hand. Dieses Gesangbuch, das in etlichen Pfarrgemeinden noch bis in die 1960er Jahre verwendet wurde, gibt noch den Text allein, ohne die Melodie (keine Noten). Es enthält 707 Lieder, gefolgt von Gebeten (auf 26 Seiten), dem Text der Augsburgischen Konfession (25 Seiten), dem Kleinen Katechismus von Martin Luther (11 Seiten), einem alphabetischen Register der Dichter (17 Seiten), einer Liste von Parallelmelodien (2 Seiten ; Melodien mit gleicher Versstruktur), dem alphabetischen Register der Liederanfänge (8 Seiten, es wird auf die Liedernummern verwiesen), und einer Tabelle, die ohne jegliche Erklärung Zahlen, die als "alt" bezeichnet werden neben solche, die "neu" sind, stellt (4 Seiten ; es handelt sich um die Nummern der gleichen Lieder in zwei Ausgaben des Gesangbuches ; die hier verwendete Ausgabe ist selbstverständlich "neu"). - Zu diesem Gesangbuch erschien das Choralbuch Halleluja ! von Friedrich August Ihme, von welchem auch ziemlich oft die Rede sein wird.
Spitta : Evangelisches Gesangbuch für Elsaß und Lothringen (1899) 1936. Notengesangbuch mit 411 Liedern, gefolgt von liturgischen Gesängen (46 Nummern bezeichnet mit den Buchstaben a bis z und a' bis t', auf 23 Seiten), Angaben zur Gottesdienstordnung (11 Seiten), einem Anhang mit 15 Alternativmelodien (andere Melodien oder andere Formen der gleichen Melodie), "Gebete und Betrachtungen für den Gottesdienst" (15 Seiten), einer historischen Abhandlung (13 Seiten) "Von den Worten und Weisen des Gesangbuches" und Verzeichnissen (der Melodien, der Parallelmelodien, der Lieder). - Das dazu gehörige Choralbuch ist das von J. Wolf, und erschien gleichzeitig mit dem Gesangbuch 1899.
GKAKEL : Gesangbuch der Kirche Augsburgischer Konfession im Elsass und in Lothringen, Strasbourg 1952. Es fängt mit einem französischen Teil an, dann schließen sich an 77 liturgische Gesänge, 487 Lieder, Gebete und Betranchtungen (20 Seiten, sehr klein gedruckt), der Kleine Katechismus von Martin Luther, und Verzeichnisse zu den Texten und den Melodien, mit Berücksichtigung der Beiträge aus dem Elsass und der altkirchlichen Texte, alphabetische Verzeichnisse der Melodien und der Texte, mit Trennung zwischen liturgischen Gesängen und Kirchenliedern. - Auch dazu ist ein Choralbuch, das von Ernest Müller, herausgegeben worden. Es erschien 1963.
EG: Evangelisches Gesangbuch, 1995, das zusammen von einer Reihe deutscher Landeskirchen und den elsässischen Kirchen (der lutherischen und der reformierten) herausgegeben wurde. Es trägt keine Seitenzahlen. Der Inhalt ist : Hinweise zur Gottesdienstordnung, liturgische Gesänge und Gebete und eine Inhaltsangabe, dann 535 Kirchenlieder ; es folgt der sogenannte Regionalteil, der für Elsass-Lothringen und Baden bestimmt ist (und in andern deutschen Landeskirchen verschieden ist), wo die Lieder die Nummern 541 bis 692 tragen. Ein folgender Teil enthält "Gebete, Gebetsgottesdienste, Bekenntnisse, Beigaben" und fängt mit der Nummer 700 an. In den "Beigaben zur Liederkunde" (Nr. 892 ff.) steht ein alphabetisches Register der Dichter und Komponisten, ein Register ökumenischer Lieder, ein Register von Liedern ausländischer Herkunft, ein Register fremdsprachiger Lieder, die im Gesangbuch selbst enthalten sind (40 Lieder, die meisten französisch), und das alphabetische Register der Gesänge. Das dazu gehörige Choralbuch (Kassel, Bärenreiter, 1995) wurde von einer ganzen Reihe von Musikern zusammengestellt ; die zwei Bände zum Hauptteil des Gesangbuches erschienen unter der Verantwortung von Manfred Heinig, Hermann Rau und Dietrich Schuberth.

Seltener erwähnte Gesangbücher

Conferenz-Gesangbuch, Straßburg 1850. Der eigentliche Titel dieses Gesangbuchs ist Gesangbuch für die evangelischen Gemeinden Frankreichs ; es erschien 1850 "bei Wittwe Berger-Levrault, Buchdrucker, Judengasse, 33" und enthält 750 Lieder. Es ist somit das reichhaltigste der hier genannten Gesangbücher. Im Ganzen genommen ist es noch ganz in der rationalistischen Tradition, wenngleich manche Zeichen einer Rückkehr zu älteren Liedformen sich darin bemerkbar machen. Zum Beispiel finden wir darin Du mein Erlöser, der du für mich littest, und nicht die Urform Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen ?, Wie herrlich strahlt der Morgenstern und nicht Wie schön leuchtet der Mogenstern, usw. Dennoch finden wir darin Nun ruhen alle Wälder (nicht mehr Nun ruhet in den Wäldern etc.), was aber nicht heißt, dass Paul Gerhardts Text wortgetreu beibehalten wurde. Auch was die Melodien anbelangt, spricht das Vorwort den fast unmerklichen Wunsch aus, auf weniger verflachte Melodieformen zurückzugreifen, als die bisher üblichen - aber dennoch werden die Melodien des Hepp-Herrenschneider-Choralbuchs (1809) in der Regel beibehalten.
Stralsund 1821 : Es wurde gelegentlich ein 1821 in Stralsund erschienenes Gesangbuch herangezogen, das aber schon in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts von Gottlieb Schlegel (1739-1810) mit einer Gruppe anderer Theologen vorbereitet worden war. Es ist mir wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Colmarer Gesangbuch aufgefallen. Wenn ein Lied in allen späteren Gesangbüchern im Elsass fehlt und sich in diesem norddeutschen Gesangbuch vorfindet, wurden die Varianten zwischen diesen beiden Gesangbüchern beobachtet. Titel und Verlag : Gesangbuch zur Beförderung der öffentlichen und häuslichen Erbauung, für Neu-Vorpommern und das Fürstenthum Rügen. Neue Auflage. Mit der Königl. Hochpreislichen Regierung Approbation und gnädigstem Privilegio. Stralsund, 1821. Bey Joh. Struck's Wittwe. [von der Münchner Staatsbibliothek digitalisiert]. Das Gedsangbuch enthält 511 Lieder.

Zu den Verfassern der Lieder

Die Angaben über die Verfasser sind meistens einfach diesen Gesangbüchern entnommen. Wo sie untereinander widersprüchliche Angaben enthalten, wurde die des spätesten der Gesangbücher verwendet. Wo die Lieder nicht darin standen, wurde entweder auf das Gesangbuch von Johann Crüger (s. unten) oder auf die Website des Bio-Bibliographischen Kirchenlexikons von Bautz (http://www.bautz.de/bbkl/) zurückgegriffen, oder aber zu den alten Sammlungen vom Ende des 19. Jahrhunderts (s. unten Wackernagel und Fischer & Tümpel).

Ältere Gesangbücher

Manchmal werden zwei ältere Gesangbücher erwähnt oder auch zitiert, nämlich

Colmarisches Lobopfer : Der Vorgänger des Colmarischen Gesangbuches in der gleichen Gegend, zuerst 1722 erschienen, hier aber in einer Ausgabe von 1766 zitiert. Das Titelblatt ist, wie oft in jener Zeit, recht ausführlich, und sagt (hier ohne die Zeileneinteilung zitiert) :
Colmarisches Lob-Opfer oder Kirchen- Schul- Hauß- und Reiß- Gesang-Buch in welchem, zu Ausübung und Vermehrung der wahren Gottseligkeit und zu Beförderung des Göttlichen Lobes, die Geist- Lehr- und Trostreicheste Lieder, Psalmen und Lob-Gesänge D. Martin Luthers, und anderer reiner Evangelischer Lehrer, enthalten sind : Samt einem nutzlichen und bequemen Gebett-Büchlein, Darinnen Morgen- und Abend- Seegen, Buß- Beicht- Abendmahl- und andere schöne Gebetter, in allerhand Ständen, Orten, Zeiten und Anliegen, zu finden. Abermahl aufs neue übersehen, verbessert und mit einem Anhang vermehrt, herausgegeben. COLMAR, Druckt und verlegt, bey J.H. Decker, Kön. Buchd. 1766.. Der Druck ist durchaus sorgfältig. Die Ausgabe von 1766 enthält 776 Lieder, wovon die 55 letzten im Anhang stehen. Der Hauptteil des Gesangbuches enthält also 721 Lieder.

Crüger, Johann, Praxis pietatis melica 1653.
Hier wurde ein Exemplar der Ausgabe aus dem Jahr 1703 verwendet. Das Titelblatt sagt : PRAXIS PIETATIS MELICA Das ist : Uebung der Gottseligkeit In Christlichen und Trostreichen Gesängen / Hrn. D. Martini Lutheri fürnemlich / wie auch anderer seiner getreuen Nachfolger / und reiner Evangelischer Lehre Bekenner ; Ordentlich zusammen gebracht /. Und nunmehr Mit Epistel- und Johann Heermanns Evangeliums- Gesängen bis 1194. vermehrt / Auch zu Beförderung des so wol Kirchen- als Privat- Gottesdienstes / mit beygesetzten bishero gebräuchlichen und vielen schönen neuen Melodien / nebst dem dazu gehörigen Fundament / angeordnet Von Johann Crügern / Gub. Lusat. Direct. Music. in Berlin / ad Div. Nic. Nebst Johann Habermanns vermehrtem Gebät Buche. Mit Königl. Preußischer Freyheit / in keiner Edition nachzudrucken / noch in Dero Landen einzuführen. Edition XXX. Berlin / Gedruckt und verlegt von Sel. David Salfelds Wittwe 1703. Das hier erwähnte "Fundament" ist die Bassstimme, die nicht beziffert ist. Wie auf dem Titelblatt erwähnt, enthält diese Ausgabe 1194 Lieder. Der Druck ist nicht immer sehr leserlich, und insbesondere die Noten sind so klein und so eng gedruckt, dass man manchmal Mühe haben kann, die Melodie, bezw. den Bass richtig zu lesen. Jede Melodie wird nur einmal gedruckt, und wo sie wiederkehrt, wird auf das Lied verwiesen, wo sie gedruckt ist. Im Hauptgesangbuch wie im Anhang stehen jedoch nicht zu allen Melodien die Noten.

Zeitgenössische Gesangbücher

Das CG druckt keine Melodie ab. In anderen Gesangbüchers vom Ende des 18. oder vom Anfang des 19. Jahrhunderts sind hin und wieder Melodien anzutreffen. Nach einem Brauch, den man schon in Crügers Sammlung antrifft, wird jede Melodie höchstens ein einziges Mal aufgeführt, meistens mit dem Text, nach dem sie benannt wird, wenn derselbe im Gesangbuch steht, und andernfalls zu einem, nicht unbedingt dem ersten, der Lieder, mit welchen sie gesungen wird. Ich habe mich einiger dieser Gesangbücher bedient, um etliche Melodien ausfindig zu machen, über welche ein Zweifel bestand. Hier die Liste der so verwendeten Gesangbücher.

Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauche für protestantisch-evangelische Christen, Zweybrücken [im Saarland], 1823, gedruckt und in Commission bey G. Ritter und Comp. Es handelt sich um ein Gesangbuch mit 560 Liedern, ohne Gebetesammlung. Die rationalistische Prägung des CG wird darin in einer extremen Form wiedergefunden. So zergliedert sich der Teil "Von Gottes Wesen und Eigenschaften" in ebensoviel Unterteile, wie man "Eigenschaften" ausfindig gemacht hatte : "1. Ewigkeit und Unveränderlichkeit - 2. Allmacht - 3. Allwissenheit und Allgegenwart - 4. Weisheit" usw. Wie im CG werden im sehr ausführlichen moralischen Teil Pflichten gegen Gott, gegen uns selbst und gegen den Nächsten unterschieden. Auch die Abteilung, die den besonderen Umständen und Vorkommnissen gewidmet ist, ist recht ausführlich, und es wird darin u.a. auch ein Lied zum Tod eines Religionslehrers gefunden.
Jede Melodie ist nur einmal abgedruckt. Das Vorwort sagt, man habe sich aussschließlich an solche Melodien gehalten, die den Kirchgängern schon bekannt waren. In Wirklichkeit sind doch einige neuen Melodien da. Sie werden stets äußerst schlicht gehalten, mit gleichen Noten und ohne Ziernoten (in dieser Hinsicht weicht dieses Gesangbuch von einem damals verbreiteten Hang zur Verschnörkelung ab).

Zu den Versstrukturen
Wenn in den Anmerkungen von der Versstruktur die Rede ist, werden folgende Prinzipien angewandt :

In keinem Fall wird die Verteilung zwischen betonten und unbetonten Silben in der Zeile genau angezeigt.

 

Varianten und Originaltexte

Bei manchen Liedern wurden die Unterschiede zwischen dem Originaltext und dem Text des Colmarischen Gesangbuchs zugänglich gemacht. Die Liste dieser Lieder soll mit der Zeit länger werden, aber vorerst stehen die bekanntesten Lieder nicht darauf, bei denen leichter andere Quellen zur Verfügung stehen können. Wo für ein Lied die Varianten gegeben werden, stehen dieselben jeweils in einer besonderen Datei, die via einen Hypertextverweis zugänglich ist.

Quellen

Für die Originaltexte wurden folgende Quellen verwendet :

Wackernagel, Philipp Karl Eduard, Das deutsche Kirchenlied. 5 Bände (Leipzig, 1864-1877). Es ist zuerst ein Band im Jahre 1841 veröffentlicht worden, dann von 1864 bis 1877 die fünf dicken Bände, heute in einer Facsimile-Ausgabe aus dem Jahre 1964 zugänglich. Leider besitzen sie kein zusammenfassendes Register, sondern nur je ein Register pro Band (kein Register im 1. Band). Der 1. Band enthält die lateinischen Texte, die vielen Liedern zugrunde liegen, der 2. Band die "vorreformatorischen" deutschen Texte, une die drei folgenden dann die eigentlichen Lieder aus dem 16. Jahrhundert, die in drei Generationen aufgeteilt sind. Oftmals kehren die gleichen Lieder mit mehr oder weniger wichtigen Varianten wieder, entweder als Wortlaut mehrerer Ausgaben des gleichen Liedes, oder auch als Veröffentlichungen verschiedener "Autoren" oder Herausgeber, die dies oder das verändert haben oder auch eine Reihe neuer Strophen hinzugedichtet haben. Viele dieser Lieder treten dann auch bei Fischer (s. u.) wieder auf, z.B. unter den Namen Gesenius & Denicke.

Fischer, Albert, Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts. Vollendet und hrsg. von W. Tümpel, 6 Bde. Gütersloh (1904-1916). Fischer und Tümpel nutzten die von Wackernagel entwickelte Erfahrung aus, und ihre Sammlung ist viel bequemer zu befragen als die Wackernagels, schon weil ein extra Band dem Gesamtregister gewidmet ist, aber auch weil es sich um besser festgelegte Texte handelt, die meistens von den Autoren selbst in Druck gegeben wurden und nicht auf schwankende Traditionen beruhen. Hier wurde keine Exhaustivität angestrebt, aber alles, was in irgend einem späteren Gesangbuch zu finden ist, sollte auch in dieser Sammlung vorhanden sein. Die vereinheitlichte Textform erlaubt es aber leider nicht, sich über die genaue Form des Originaltextes zu informieren ; so wurden z.B. alle Anfangsbuchstaben der verschiedenen Zeilen großgeschrieben, und die Interpunktion ist auch modern. - Das Werk wurde zuerst von A. Fischer bei seinem Tode unvollendet hinterlassen, dann von W. Tümpel weitergeführt bis dieser auch starb. Er sah das Erscheinen des 5. Bandes nicht mehr, hatte aber noch die Korrekturbogen dazu verbessert.

Für die Melodien wird auf folgendes Werk verwiesen, das jedoch bisher für diese Website nicht verwendet worden ist :

Zahn, Johannes, Die Melodien der deutschen evangelischen Kirchenlieder, 6 Bände (1889-1893)

Die behandelten Unterschiede

Prinzipiell wurden fast alle rein orthographischen Unterschiede ignoriert, z. B. wo das CG Herz trägt, und das Original hertz, oder wenn das CG ich soll, und das Original ich sol schreibt. Ebenso wurden die Unterschiede in der Interpunktion nur da berücksichtigt, wo sie die Syntax oder den Sinn des Textes beeinflussen. So würden z.B. die beiden ersten Zeilen des Liedes 173 nicht zitiert, wo das Original den Text links, das CG den Text rechts trägt :

ACh höchster Gott, verleyhe mir,
Daß ich nur dich begehre
Und daß

 

Ach höchster Gott, ver-
leihe mir, daß ich nur
dich begehre, und daß

(in Wirklichkeit wurde hier der gesamte Originaltext gegeben). Der Unterschied zwischen verleihe und verleyhe, oder das Komma am Ende der zweiten Zeile wurden als zu geringfügig betrachtet, um berücksichtigt zu werden. Wo jedoch ein Fragment des Originaltextes zitiert wird, wird stets die Schreibung des Originals benutzt.
Man muss sich dennoch vergegenwärtigen, dass die Sammlungen von Wackernagel und von Fischer & Tümpel nicht die gleiche Doktrin hinsichtlich der zu druckenden Textform hatten, und dass letztere nicht den Originaltext stricto sensu wiedergibt, weil sich die Herausgeber solche Eingriffe erlaubt haben, wie abgekürzte Formen auszuschreiben, die Interpunktion ganz nach modernen Kriterien neu zu bestimmen, systematisch die Zeilenanfänge groß zu schreiben, usw. Es konnte hier nicht davon die Rede sein, bei jedem Lied auf das eigentliche Original zurückzugreifen, um die genaue Originalform wiederherzustellen.

Das Fenster der Varianten

Wo nur eine geringe Zahl von Unterschieden bemerkt wurde, wurde eine Liste derselben aufgestellt, die jeweils anstelle der Anmerkungen angeschlagen werden kann. Wenn auf den Knopf "Zurück/Retour" geklickt wird, kommt das Fenster der Anmerkungen wieder. Wenn das linke Fenster zu eng scheint, kann man es erweitern, indem man die Trennungslinie zwischen Anmerkungen und Texten mit der Maus nach rechts verschiebt.

Wo die Unterschiede bedeutender sind, wird der gesamte Originaltext angeschlagen.

Gebrauchsanweisung (zurück nach oben)

Die Lieder können auf verschiedene Weise gesucht und bezeichnet werden. Meistens wird etwas in die Textlinie links oben auf dem Bildschirm eingetragen.

- Die Liednummer kann benutzt werden, wenn sie schon bekannt ist ;

- Der Textanfang kann in diese Zeile eingetragen werden ; geringfügige Unterschiede zwischen der modernen Schreibweise und der des Colmarischen Gesangbuchs werden in der Regel die Auffindung des richtigen Liedes nicht verhindern, wenn diese Unterschiede nicht gleich am Anfang des Textes auftreten.

- Der Textanfang kann auch im alphabetischen Register gesucht werden. Um das Register anschlagen zu lassen, schreibt man einfach "Register" (oder frz. "Liste", oder "Répertoire", oder "Index", oder "400") in die Zeile, oder man klickt auf die Nummer "400" auf der Zeile "Alphabetisches Register" ganz oben auf dieser Seite. Am Ende jeder Zeile findet sich die dazu gehörige Hypertextverknüpfung. Das Register des Gesangbuchs wurde durch die Einfügung der Lieder des Anhangs erweitert, aber die damit eingefügten Zeilen erscheinen in dunkelgrünen und etwas kleineren Buchstaben, was anzeigt, dass sie nicht im Buch stehen, jedenfalls nicht an dieser Stelle.

- Lieder zu einem besonderen Thema können auch über das Inhaltsverzeichnis gesucht werden ; um das Inhaltsverzeichnis anzuschlagen, schreibt man einfach "Inhalt" (oder frz. "Table", oder "900"),oder man klickt auf die Zahl "900" auf der kleinen Tabelle oben. Auch hier sind Hypertextverknüpfungen vorhanden.

Es ist auch möglich, die Gebete anzuschlagen, indem man "Gebete" (oder "prières") schreibt - oder eine Zahl von 401 bis 418. Wenn man den Anhang anzuschlagen wünscht, schreibt man "Anhang" (oder "supplément") - oder eine Zahl von 501 bis 545. Wenn man eine Zahl oder einen Text oben links einträgt, muss man diese Angabe von einem Klick auf den Knopf "OK" bestätigen.

Die Anmerkungen sind auf deutsch oder auf französisch anzuschlagen. In jedem Fall muss zuerst (wenn das Lied auf der rechten Bildschirmseite angeschlagen ist) zwischen "Deutsche Anmerkungen" und "Annotations françaises" gewählt werden. Danach sieht man den Anfang der Anmerkungen, die zu einer bestimmten Serie gehören. Die Stellen, zu denen eine Anmerkung vorhanden ist, werden durch blaue Hypertextverknüpfungen am rechten Rand der Zeilen gekennzeichnet. Wenn eine Anmerkung auf eine andere Liederserie verweist, muss wieder auf die Wahl der deutschen oder französischen Anmerkungen getippt werden, um die Anmerkungen der neuen Serie zu erreichen. Wenn also die gewünschte Anmerkung nicht erscheint, sollte man zuerst noch einmal die gewünschte Sprache wählen.

Da diese Anmerkungen u.a. auch für Elsässer bestimmt sind, die heutzutage mit der deutschen Sprache leider nicht mehr so vertraut sind, wie es ihre Großeltern noch waren, möge der deutschsprachige Leser manche Erklärungen zu Grammatik und Wortschatz, die ihm entbehrlich scheinen werden, nicht allzu streng beurteilen.

Wenn man vom Liedertext zurück zu dieser Einleitung, oder zur Homepage "elsasser" gelangen will, findet man die nötigen Hypertextverknüpfungen am Anfang des Registers und am Anfang des Gesangbuches, vor dem Inhaltsverzeichnis ("Register" oder "Inhalt").

Die Bibelverse, die mit den Liedern in Verbindung gesetzt werden, wurden nach einer alten Ausgabe der Luther-Übersetzung zitiert (Basel, Bibelgesellschaft, 1858). Dieser Text könnte wenig verschieden sein von dem, den viele der Liederdichter selbst kannten.

Für Verbesserungen und Berichtigungen wird der Herausgeber dankbar sein, ob es sich um Druckfehler oder um ketzerische Behauptungen handeln sollte. Auch interessante Zusätze werden mit Dankbarkeit entgegengenommen.


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